{"id":4528,"date":"2018-11-30T15:56:36","date_gmt":"2018-11-30T13:56:36","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4528"},"modified":"2018-11-30T15:56:36","modified_gmt":"2018-11-30T13:56:36","slug":"1-dezember-in-paris-alle-demonstrieren-aber-nicht-alle-gemeinsam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4528","title":{"rendered":"\u00ab1. Dezember in Paris: Alle demonstrieren, aber nicht alle gemeinsam.\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><em>Mathidle Goanec, Dan Israel und Fa\u00efza Zrouala.<\/em> Wird \u00abAkt 3\u00bb der Mobilisierung der \u00abGelben Westem\u00bb, dieser Bewegung ohne F\u00fchrer, ohne solide Struktur und ohne homogene Losungen einen entscheidenden Schritt nach vorne<!--more--> erm\u00f6glichen? W\u00e4hrend die Antwort von Emmanuel Macron am Dienstag, den 27. November, misstrauisch stimmt, w\u00e4hrend der Minister f\u00fcr den \u00f6kologischen \u00dcbergang (Fran\u00e7ois de Rugy) am gleichen Abend Vertreter der Bewegung empfing, aber weiterhin bekr\u00e4ftigt, dass \u00abdie \u00f6kologische Besteuerung nicht dazu bestimmt ist, die Problematik der Ungleichheiten zu l\u00f6sen\u00bb, wurde der inzwischen traditionelle Aufruf zu einer Kundgebung auf den Champs-\u00c9lys\u00e9es in Paris f\u00fcr Samstag, den 1. Dezember gestartet.<\/p>\n<p>Dieser Aufruf st\u00f6sst in dieser dritten Woche der Bewegung auf st\u00e4rkeren Widerhall und breitet sich innerhalb der sozialen Bewegung noch breiter aus, sowohl unter ihren traditionellen Akteuren als auch unter ihren militantesten Schichten. Gewerkschaften, antirassistische Bewegungen oder Bewegungen, die sich weiter nach links bewegen, Studenten&#8230;. scheinen entschlossen, auf den Zug aufzuspringen, zumindest f\u00fcr einen Aktionstag.<\/p>\n<p>Im Moment kann man nicht wissen, ob die Vielzahl der Aufrufe zu einer Vielzahl von Demonstrationen f\u00fchren wird, von denen jede f\u00fcr sich selbst marschiert, oder ob sich jenseits des militanten Patchworks eine gemeinsame Bewegung konsolidieren wird. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Pariser Samstag eine erste Antwort geben wird.<\/p>\n<p>Um sich ein Bild \u00fcber die aktuelle Problemlage zu verschaffen, ist es verlockend, sich den \u00d6lsektor n\u00e4her anzusehen. Seit einigen Tagen werden die meisten Raffinerien von Total sowie die \u00d6llager bestreikt. Ist dies ein Geschenk des Himmels f\u00fcr denjenigen gro\u00dfen Teil der \u00abGelben Westen\u00bb, die eine Blockade der Wirtschaft fordern, um ihre Bewegung auf eine h\u00f6here Stufe zu heben? Das Gespenst eines Mangels an der Zapfs\u00e4ule geht um, und das kraftvolle Symbol steht besonders im Einklang mit einer Bewegung, die sich gegen die Erh\u00f6hung der Treibstoffsteuern richtet.<\/p>\n<p>Und doch. Es ist fast ein Lehrbuchfall. Raffinerie-Mitarbeiter und B\u00fcrger in Gelb stehen sich feindselig gegen\u00fcber, jeder f\u00fcrchtet eine Erstarkung des anderen. Und dieses Misstrauen ist nicht nur strategisch. Die CGT, die wichtigste Gewerkschaft bei Total, hatte im Oktober, vor dem Entstehen der \u00abGelben Westen\u00bb, gewarnt, dass sie im Rahmen des Konfliktes um einen neuen \u00d6ltarifvertrag nach der Umsetzung der Macron-Verordnungen zum Arbeitsgesetz, in einen Streik treten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die Energiegewerkschaften vermuten, dass die beiden Schwergewichte Total und ExxonMobil ihre Boni, die einen wesentlichen Teil ihres Gehalts ausmachen, abschaffen oder k\u00fcrzen wollen. Seit dem 1. Januar ist es einem Unternehmen m\u00f6glich, eine Betriebsvereinbarung anzubieten, die weniger g\u00fcnstig ist als die Vereinbarung mit dem entsprechenden Berufsstandes. Am Donnerstag, den 22. November, nach einem Tag gescheiterter Verhandlungen mit dem franz\u00f6sischen Verband der \u00d6lindustrien, haben die CGT und die FO daher ihre Positionen ver\u00f6ffentlicht und das Personal des \u00d6lsektors aufgefordert, \u00abden Streik zu intensivieren, Anlagen stillzulegen, die Transporte, die Produktion und den Vertrieb zu blockieren\u00bb. Nur wenige Tage nach der ersten gro\u00dfen Aktion der \u00abelben Westen\u00bb konnte dieser Aufruf in der \u00f6ffentlichen Meinung und in den Medien nur als Interessenkonflikt aufgefasst werden.<\/p>\n<p>\u00abWir haben nicht auf die \u00abGelben Jacken\u00bb gewartet, betont Patrick Bernardo, CGT-Delegierter aus der Raffinerie Grandpuits (Seine-et-Marne.\u00a0Pers\u00f6nlich stimme ich ihnen nicht unbedingt zu: Um das Problem der Kaufkraft zu l\u00f6sen, bin ich daf\u00fcr, die L\u00f6hne zu erh\u00f6hen und nicht die Steuern zu senken\u00bb.\u00a0Er r\u00e4umt jedoch ein, dass einige Mitglieder seiner Gewerkschaft aktive Teilnehmer der B\u00fcrgerbewegung sind.<\/p>\n<p>Der Dialog ist in der Tat nicht unbedingt einfach.\u00a0\u00abDie \u00abGelben Westen\u00bb besetze seit Tagen den Verkehrskreisel, der zur Raffinerie f\u00fchrt\u00bb, erkl\u00e4rt Fabien Cros von der CGT von Total de la M\u00e8de-Standortes (Bouches-du-Rh\u00f4ne), \u00ababer erst jetzt entdecken sie, dass wir im Streik sind! Wir reden miteinander, aber sie h\u00f6ren nicht wirklich zu.\u00bb<\/p>\n<p>In Le Havre, an der Spitze der Streikbewegung, wurde am Montag dar\u00fcber abgestimmt, die Total-Raffinerie stillzulegen. Die Generalversammlung, die zu dieser Entscheidung f\u00fchrte, fand vor den Toren des Werks Gonfreville-l&#8217;Orcher statt, genau an dem Verkehrskreisel, an dem sich lokale Demonstranten versammelten.\u00a0\u00abEs gab Reden, 200 Leute waren anwesend\u00bb, sagt Thierry Dufresne, CGT-Koordinator bei Total, der die Atmosph\u00e4re beschreibt. Viele \u00abGelbe Westen\u00bb entdeckten bei dieser Gelegenheit, was eine Generalversammlung ist, was die CGT ist!&#8220;\u00a0Unterschied in der Kultur, akutes Misstrauen unter vielen \u00abGelben Westen\u00bb, gegen alles, was in irgendeiner Weise einer Institution \u00e4hnelt: Der Dialog bleibt schwierig.<\/p>\n<p>Bei den \u00d6larbeitern herrscht auch eine Form von Streikm\u00fcdigkeit \u00abf\u00fcr andere\u00bb, da die j\u00fcngsten sozialen Konflikte ihre Spuren und Bitterkeit hinterlassen haben.\u00a0\u00ab2016, zum Zeitpunkt des El-Khomri-Gesetzes [um das Arbeitsgesetz auszuhebeln], sollten wir uns in einem interprofessionellen Streik befinden\u00bb, erinnert sich Thierry Dufresne.\u00a0\u00abDie Arbeiter in der Raffinierie waren dabei am meisten sichtbar und die Kampferprobtesten. Aber allein macht man einer Regierung keinen Strich durch die Rechnung. Die wirkliche L\u00e4hmung kann nicht \u00fcber Palettenbr\u00e4nde auf einem Verkehrskreisel herbeif\u00fchren, sondern nur \u00fcber Arbeitsniederlegungen in Unternehmen!\u00bb\u00a0Man darf sich nicht in einer Allerwetsbewegung verstricken und sich dabei ersch\u00f6pfen und die Kontrolle \u00fcber eine korporative Verhandlung zu verlieren.\u00a0\u00abEs ist ein wenig gemein, aber ausnahmsweise denken wir einmal nur an unsere unmittelbaren Interessen\u00bb, sagt Patrick Bernardo.<\/p>\n<p>Diese Frage, ob verschiedene Forderungen kombiniert werden sollen oder nicht, geht \u00fcber die Industriesektoren hinaus, die die Wirtschaft des Landes blockieren k\u00f6nnten. Sie wird auch am Samstag in Paris eine grosse Rolle spielen. Zum Beispiel f\u00fcr die CGT, die seit langem plant, an diesem Tag gegen Arbeitslosigkeit und Unsicherheit zu manifestieren. Die Demo soll um 14\u201900 an der Place de la R\u00e9publique beginnen. Zugegebenerma\u00dfen ist derzeit nicht geplant, dass die Gewerkschaftsdemo bis zu den Champs-\u00c9lys\u00e9es f\u00fchren wird. Zwar lehnt der Gewerkschaftsbund in seinem am 19. November ver\u00f6ffentlichten Aufruf jede Verbindung zu \u00abMenschen mit fremdenfeindlichen, rassistischen oder homophoben Ideen\u00bb ab. Aber wie Mediapart betonte, ist sie sich der Bewegung bewusst, die in Frankreich entstanden ist und an der sich viele ihrer eigenen Aktivisten inzwischen beteiligen.<\/p>\n<p>Und wer kann schon sagen, wie sich die Demonstrationen in den unz\u00e4hligen Provinzst\u00e4dten entfalten werden, in denen die Gewerkschaftskundgebungen und die Bewegung der \u00abGelbe Westen\u00bb w\u00e4hrend der Demonstration zusammentreffen oder sich sogar auf dieselben Ziele zugehen k\u00f6nnten &#8211; die Pr\u00e4fekturen zum Beispiel? In Toulouse ruft die Gewerkschaft, die mit der FSU und den Solidaires verb\u00fcndet ist, sogar die Gelben Westen auf, sich ihnen anzuschlie\u00dfen. Die CGT hat sich daher weitestgehend bewegt und fordert \u00aballe B\u00fcrger, die aktiven und pensionierten Lohnabh\u00e4ngigen auf, sich den Demonstrationen der Arbeitslosen anzuschlie\u00dfen, um sofortige und pr\u00e4zise Antworten von der Regierung und den Unternehmern zu verlangen\u00bb.\u00a0Eine solche Losung missf\u00e4llt dem neuen Chef der FO, Yves Veyrier, der in Les \u00c9chos einen Aufruf \u00aban die B\u00fcrger und nicht nur an die Lohnabh\u00e4ngigen\u00bb kritisierte weil damit \u00abder gewerkschaftlichen Rahmen\u00bb verlassen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>\u00abOhne uns zu k\u00e4mpfen, bedeutet, gegen uns zu k\u00e4mpfen.\u00bb<\/strong><\/p>\n<p>Andere haben sich eindeutig daf\u00fcr entschieden, keine separate Gruppe zu sein. Die \u00absoziale Front\u00bb, zu der Gewerkschafter aus dem S\u00fcden und CGT- und NPA-Aktivisten geh\u00f6ren, wird sich wie seit Beginn den Demonstrationen anschliessen. Der Verband Sud-Solidaires hat beschlossen, \u00ab\u00fcberall\u00bb zu sein. Er l\u00e4dt die Leute ein, m\u00f6glichst zahlreich an allen f\u00fcr Samstag in der geplanten Aktionen teilzunehmen, einschlie\u00dflich derjenigen der \u00abGelben Westen\u00bb, im Namen von \u00absozialer Gerechtigkeit, Steuergerechtigkeit, \u00f6kologischem Wandel\u00bb und Gleichheit.<\/p>\n<p>\u00abWir wollten uns ereits im Fr\u00fchjahr zusammentun, aber vielleicht ist der Boden jetzt fruchtbarer\u00bb, sagt Bruno Poncet, ein f\u00fcr die Sud-Rail Union zust\u00e4ndiger Eisenbahner, der um 13.00 Uhr in einer Demonstration vom Pariser Bahnhof Saint-Lazare zu den Champs-\u00c9lys\u00e9es aufbrechen wird, in Begleitung derjenigen, die t\u00e4glich \u00abGeneralversammlungen zwischen den Bahnh\u00f6fen\u00bb im Gare du Nord gegen die Reform der SNCF organisiert hatten, aber auch Mitglieder der Action antifasciste Paris-Banlieue und des Adama-Komitees, nach dem Namen von Adama Traor\u00e9, einem 24-j\u00e4hrigen Mann, der 2016 in einem Polizeiposten in Val-d&#8217;Oise tot aufgefunden wurde, und der unter noch unklaren Umst\u00e4nden umkam.<\/p>\n<p>Das Adama-Komitee, das insbesondere vom Schriftsteller Edouard Louis unterst\u00fctzt wird, fordert eine gemeinsame Demonstration mit den \u00abGelben Westen\u00bb, wie es dies bereits anl\u00e4sslich der \u00abVolksflut\u00bb am 26. Mai gefordert hatte.\u00a0\u00abOhne uns zu k\u00e4mpfen, bedeutet, gegen uns zu k\u00e4mpfen\u00bb, sagt Assa Traor\u00e9, Adamas Schwester, eine f\u00fchrende Figur im Komitee, das am 22. Juli in Beaumont-sur-Oise (Val-d&#8217;Oise) Tausende von Demonstranten gegen Polizeigewalt versammelte.<\/p>\n<p>\u00abDie \u00abGelben Westen\u00bb werden demonstrieren, um zu leben, um zu essen. Die Bewohner der Arbeiterviertel werden demonstrieren, dass sie leben, aber auch das Recht haben zu atmen\u00bb, sagt sie in Bezug auf ihren Bruder. Am Dienstag und Mittwoch wurden die Polizisten zum ersten Mal vorgeladen und verh\u00f6rt. \u00abWir werden keine Gefolgsleute sein, wir werden F\u00fchrer sein\u00bb, verspricht die Aktivistin.<\/p>\n<p>Ein anderer F\u00fchrer des Komitees, Youcef Brakni, behauptet, dass die Arbeiterviertel bei der Mobilisierung am Samstag ihren Platz haben werden.\u00a0\u00abWir laden uns selbst nicht ein, wir sind nicht einmal \u00abneben\u00bb, diese Bewegung, das sind wir. Wir m\u00fcssen hingehen und unseren Platz einnehmen\u00bb, sagt er. Er benennt die \u00ab\u00c4hnlichkeiten\u00bb zwischen dem, was die \u00abGelben Westen\u00bb in etwa anprangern, und dem, was die Bewohner der Arbeiterviertel erleben: \u00abWir leben in abgelegenen, abgeschiedenen Vierteln, wir reisen kilometerweit und \u00fcber Stunden zur Arbeit, \u00f6ffentliche Dienste sind verschwunden, die liberale Gewalt trifft uns hart, wir leben in H\u00e4usern, die manchmal dem 19. Jahrhundert w\u00fcrdig sind&#8230;.\u00bb.<\/p>\n<p>Youcef Brakni erg\u00e4nzt diese lange Liste um \u00abdas spezifische Problem des institutionellen Rassismus und der staatlichen Repression\u00bb; er ist stolz darauf, dies bestimmten linken Aktivisten klar gemacht zu haben, die sich lange Zeit weigerten, zu diesen Punkten Stellung zu beziehen. F\u00fcr ihn geht es jetzt darum, das Feld nicht \u00abder extremen Rechten zu \u00fcberlassen, die versucht, die Bewegung zu ertr\u00e4nken\u00bb: \u00abWenn die \u00abGelben Westen\u00bb wirklich rassistisch werden, werden wir gegen zwei Feinde k\u00e4mpfen m\u00fcssen, sie und Macron\u00bb.<\/p>\n<p>Auf einer nahegelegenen, aber ungew\u00f6hnlichen Strecke treffen wir am Samstag auf der Stra\u00dfe auch auf das Kollektiv Rosa Parks [1913-2005, aus Alabama, eine Figur der B\u00fcrgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten], das \u00aballe Opfer von Rassismus, alle diejenigen, die des Rassismus und der neoliberalen Politik m\u00fcde sind\u00bb auffordert, um 14 Uhr am Place de la Nation zu demonstrieren. Eine Art des \u00abWiederauftauchens\u00bb nach ihrem \u00abVerschwinden\u00bb aus ihren Arbeits- und Konsumorten, das am Vortag durch einen Streik organisiert wurde, von dem die Bewegung hofft, dass er massiv sein wird.<\/p>\n<p>Die Aktion des Kollektivs Rosa Parks ist seit langem geplant und hat insbesondere die Unterst\u00fctzung einer langen Liste von CGT, Solidaires und FSU-Gewerkschaftern gefunden.\u00a0\u00abGewerkschafter, wir sind fest davon \u00fcberzeugt, dass eine Ungerechtigkeit, die dem einen oder anderen von uns angetan wird, eine Ungerechtigkeit ist, die uns allen angetan wird. Was auch immer die Farbe seiner Haut ist. Was auch immer seine Herkunft oder Religion ist, real oder vermeintlich\u00bb, verk\u00fcndet ihr unterst\u00fctzender Text.<\/p>\n<p>Nichts f\u00fcr ungut, Gewerkschaftsaktivisten? In den letzten Jahren wurden ihre K\u00e4mpfe jedoch selten von der Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzt. Im Fr\u00fchjahr forderten die Eisenbahner unerm\u00fcdlich die Bev\u00f6lkerung auf, w\u00e4hrend der vier Monate ihres Konflikts zu mobilisieren, insbesondere zur Verteidigung eines \u00f6ffentlichen Eisenbahndienstes und f\u00fcr die Aufrechterhaltung kleiner Strecken. Die Mobilit\u00e4t, die nun im Mittelpunkt der aktuellen Debatte steht.\u00a0\u00abDie Eisenbahner f\u00fchlten sich etwas einsam\u00bb, sagt Bruno Poncet von Sud-Rail.\u00a0Aber ich glaube, wir m\u00fcssen den Zorn, der heute zum Ausdruck kommt, ergreifen, ohne nat\u00fcrlich die Autonomie der \u00abGelben Westen\u00bb einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Lasst den Zorn nicht ungenutzt. Die Motivation ist die gleiche auf der Seite der Organisatoren hinter dem Nuit-Debout im Jahr 2016, darunter der \u00d6konom Fr\u00e9d\u00e9ric Lordon und Fran\u00e7ois Ruffin, der inzwischen Parlamentsmitglied von La France insoumise geworden ist, ebenso beunruhigend wie wahrgenommen. Seine Freunde, die Organisatoren des \u00abF\u00eate \u00e0 Macron\u00bb am vergangenen 5. Mai, rufen zu einem Treffen auf, um diesen Donnerstagabend auf der Place de la R\u00e9publique zu diskutieren.\u00a0\u00abMan sp\u00fcrt gut, dass dies ein entscheidender Moment ist. Dass dies die Gelegenheit ist. Dass die Oligarchie, verk\u00f6rpert durch Macron, zweifelt, z\u00f6gert, wei\u00df nicht mehr, wie sie das Land im Griff halten soll\u00bb, rufen sie in ihrem Communiqu\u00e9.\u00a0\u00abIn dieser Zeit fragen wir uns alle, was wir tun sollen. Warum versuchen wir nicht, Kr\u00e4fte, progressive Kr\u00e4fte, in den Kampf zu bringen?\u00bb<\/p>\n<p>Diese Fragestellung wird von den beiden gro\u00dfen Studentenorganisationen geteilt, die ebenfalls zu einer gemeinsamen Kundgebung am Samstag aufrufen. Sie protestieren gegen die Ank\u00fcndigung des Premierministers, die Studiengeb\u00fchren f\u00fcr ausl\u00e4ndische Studierende aus L\u00e4ndern au\u00dferhalb der Europ\u00e4ischen Union ab dem n\u00e4chsten Studienjahr zu erh\u00f6hen. Die Zulassungsgeb\u00fchren f\u00fcr den Bachelor-Abschluss w\u00fcrden sich auf 2.770 Euro erh\u00f6hen, verglichen mit 170 Euro heute, und die f\u00fcr den Master- und Doktorgrad auf 3.770 Euro, verglichen mit 240 Euro heute.<\/p>\n<p>An mehreren Universit\u00e4ten, wie der Universit\u00e4t Poitiers, deren Vorstand gegen diese Erh\u00f6hung ist, wird der Protest organisiert. Aber nicht derart, dass eine Konvergenz mit den \u00abGelben Westen\u00bb erreicht wird. Lil\u00e2 Le Bas, Pr\u00e4sidentin der UNEF, erkl\u00e4rt, dass diese Forderung nicht inmitten anderer \u00abverw\u00e4ssert\u00bb werden sollte, und dass aus diesem Grund die Versammlung nicht dazu bestimmt ist, einer anderen Bewegung aufgepfropft zu werden.<\/p>\n<p>Thomas Martin-Dimichele, Vizepr\u00e4sident des Fage, teilt diese Analyse. Es komme nicht in Frage, dass er sich der seit drei Wochen stattfindenden sozialen Mobilisierung anschlie\u00dfe.\u00a0\u00abWir wollen diese spezifische Ma\u00dfnahme bek\u00e4mpfen, die eine Kategorie von gef\u00e4hrdeten Studenten betrifft und sp\u00e4ter auf andere Kategorien ausgedehnt werden k\u00f6nnte\u00bb, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>In der Pariser Szene wei\u00df niemand, wie dieses Zusammentreffen der Kr\u00e4fte gegen die Regierung aussehen wird, aber die Vielfalt der Bewegungen, auch von weither, die sich kreuzen oder vermischen werden, ist beispiellos. Olivier Cyran, Journalist und Mitautor des Buches <em>Boulots de merde! Du cireur au trader<\/em> [Scheissjobs! Vom Schuhputzer zum H\u00e4ndler], hat es gut ironisch zusammengefasst. \u00a0\u00abDie \u00abGelben Westen\u00bb,das ist ein bisschen wie die McDonald&#8217;s der sozialen Bewegung: Man kommt, wie man ist. Rechtsextrem oder rebellisch, J\u00e4ger auf Migranten oder am Kopf der Demo, Chef oder Prek\u00e4r, Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter oder zuk\u00fcnftiger Gefangener, Polizist oder Opfer von Polizeigewalt, Ketchup oder Mayo\u00bb.\u00a0Um herauszufinden, ob die Pariser Mayonnaise anschl\u00e4gt wird, fahren Sie am Samstag nach Paris. (Artikel ver\u00f6ffentlicht auf der Mediapart Website am 29. November 2018)<\/p>\n<p>********<\/p>\n<h2><strong>\u00abWir sind nichts, wir sind \u00fcberall! Jeder auf der Stra\u00dfe am 1. Dezember\u00bb.<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Aufruf der Union syndicale Solidaires<\/strong><\/p>\n<p>Diesen 1. Dezember werden wir auf der Stra\u00dfe sein. Bewegungen und Demonstrationen sind fragmentiert, die Forderungen sind zahlreich, aber der Zorn gegen die Regierung verwendet die gleichen Worte: soziale Gerechtigkeit, Gleichheit&#8230;.? Und die Regierung gibt vor, sich nicht zu bewegen, au\u00dfer sich auf Ma\u00dfnahmen zur\u00fcckzuziehen, die uns nicht zufriedenstellen. F\u00fcr uns wird es wichtig sein bei jeder der Demonstrationen, an denen wir teilnehmen, alle unsere Forderungen einzubringen.<\/p>\n<p><strong>Wir werden mit den antirassistischen Demonstrationen des Kollektivs Rosa Parks auf der Stra\u00dfe sein.<\/strong>\u00a0Sie finden in Paris und in mehreren St\u00e4dten statt: Marseille, Lille Montpellier, Rennes, Angers&#8230;..<\/p>\n<p>Wir sind seit mehreren Monaten an dieser Mobilisierung beteiligt, weil wir wollen, dass die Diskriminierung am Arbeitsplatz und anderswo aufh\u00f6rt und wir f\u00fcr die Gleichstellung k\u00e4mpfen. Dieser Kampf ist wichtig f\u00fcr die Einheit in unseren K\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><strong>Wir werden mit den Arbeitslosen auf der Stra\u00dfe sein<\/strong>, f\u00fcr die der 1. Dezember ein traditionelles Datum f\u00fcr die Mobilisierung zur Verteidigung ihrer Rechte ist, insbesondere f\u00fcr Entsch\u00e4digungen, die nicht unter der Armutsgrenze liegen, unabh\u00e4ngig von der Form der Arbeitslosigkeit.<\/p>\n<p>Genossen und einige Solidaires-Gewerkschaften werden ebenfalls anwesend sein, <strong>um soziale Gerechtigkeit, Steuergerechtigkeit und \u00f6kologischen Wandel zusammen mit den Gelben Westen zu fordern.<\/strong><\/p>\n<p>Wir demonstrieren also am 1. Dezember und setzen diesen Kampf an unseren Arbeitspl\u00e4tzen fort.<\/p>\n<p>In den letzten Monaten haben zahlreiche Streiks stattgefunden, lange und schwierige K\u00e4mpfe. Es ist wahrscheinlich an der Zeit, sie wieder aufzunehmen, ebenso wie die Raffineriearbeiter, wie Arbeiter im Parks Hyatt Hotel oder MacDo Mitarbeiter in Marseille&#8230;&#8230;..<\/p>\n<p>Professionelles Zusammenwirken ist der Sinn der Forderung eines gewerkschaftlichen Treffens, das wir vor zwei Wochen aufgestellt haben.<\/p>\n<p>Wir wollen Genugtuung, daf\u00fcr m\u00fcssen wir alle zusammenarbeiten, in Demonstrationen, Blockaden und Streiks.<\/p>\n<p>&#8211; <strong>F\u00fcr Steuergerechtigkeit<\/strong>, Senkung der Treibstoffsteuern, Abschaffung der Flat Tax, Wiederherstellung der Verm\u00f6genssteuer, Abschaffung von Ma\u00dfnahmen gegen die CICE&#8230;..<\/p>\n<p>&#8211; <strong>F\u00fcr die Gleichstellung<\/strong>, echte Ma\u00dfnahmen gegen Diskriminierung, kein Arbeitnehmer ist illegal, gleiche Rechte&#8230;..<\/p>\n<p>&#8211; <strong>F\u00fcr einen Mindestlohn<\/strong> von 1700 \u20ac, eine Erh\u00f6hung von 400 \u20ac f\u00fcr alle, kein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze, Aufgabe der CSG-Erh\u00f6hung bei den Renten&#8230;&#8230;.<\/p>\n<p>&#8211; <strong>F\u00fcr \u00f6ffentliche Dienstleistungen<\/strong>, die im ganzen Land und zu niedrigen Kosten zug\u00e4nglich sind&#8230;&#8230;.<\/p>\n<p>&#8211; <strong>F\u00fcr den \u00f6kologischen \u00dcbergang<\/strong> die gr\u00f6\u00dften Verursacher besteuern: Unternehmen, Luft-, See- und Stra\u00dfenverkehr, Unterst\u00fctzung bei der Renovierung von Wohnungen und gro\u00dfe \u00f6kologische Alternativen.<\/p>\n<p>(27. November 2018)<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/alencontre.org\/europe\/france\/france-le-1er-decembre-a-paris-ils-manifestent-tous-mais-pas-tous-ensemble.html\"><em>alencontre.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 30. November 2018; \u00dcbersetzung Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mathidle Goanec, Dan Israel und Fa\u00efza Zrouala. 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