{"id":4549,"date":"2018-12-03T11:00:48","date_gmt":"2018-12-03T09:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4549"},"modified":"2018-12-03T11:45:11","modified_gmt":"2018-12-03T09:45:11","slug":"druckaufbau-der-kampf-um-den-lmv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4549","title":{"rendered":"DruckaufBau: Der Kampf um den LMV"},"content":{"rendered":"<p><em>Helena Winnall.<\/em> <strong>Der Schweizer Herbst war gepr\u00e4gt von den erfolgreichen Mobilisierungen in der Baubranche. Dabei hat sich gezeigt: K\u00e4mpferische Bauarbeiter machen den Baumeistern Angst. Doch wie geht es jetzt weiter?<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Sieben Streiktage im Oktober und November, an denen schweizweit 15\u2019000 Bauarbeiter teilnahmen, und die Grossdemonstration im Juni haben gezeigt, wer auf dem Bau wirklich das Sagen hat. Die erfolgreichen Mobilisierungen blockten den Angriff der Baumeister auf das Rentenalter ab. Im Gegenzug wollen diese Parasiten u.a. die Arbeitszeitregelung \u00fcber den Haufen werfen und fordern konstante Verf\u00fcgbarkeit, 12-Stunden-Tage und bis 300 Gratis-\u00dcberstunden im Jahr.<\/p>\n<p>Die Unia weigert sich, einen Vertrag ohne substantielle Lohnerh\u00f6hung zu akzeptieren. Selbst das Angebot des Baumeisterverbands beim Status Quo zu bleiben, wurde nach dem Erfolg der Streiktage abgelehnt. In der Folge mussten die Verhandlungen unterbrochen werden und die Baumeister eine Generalversammlung einberufen, um ihr weiteres Vorgehen zu beschliessen. Das Resultat dieser Verhandlungen war bis Redaktionsschluss noch ausstehend. Es scheint, als w\u00fcrde die \u00abgr\u00f6sste Bauarbeiter-Mobilisierung seit mehr als zehn Jahren\u00bb (Unia) Wirkung zeigen.<\/p>\n<p>Doch die Mobilisierung offenbart regionale Unterschiede. Die jahrelange gewerkschaftliche Aufbauarbeit in der Romandie und im Tessin zeigt Erfolg: So fanden die Streiktage bei den Bauarbeitern st\u00e4rkere Unterst\u00fctzung und wurden im Fall von Genf sogar um einen Tag verl\u00e4ngert. Diese Tradition einer starken gewerkschaftlichen Basis hat bereits in der Vergangenheit zu besseren Bedingungen in kantonal ausgehandelten Zusatz-GAVs gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>In Anbetracht der schwachen Verankerung der Unia bei den Deutschschweizer ArbeiterInnen war die erfolgreiche Mobilisierung in Bern und Z\u00fcrich \u00fcberraschend. Das zeugt von der Wut, die auf den Baustellen vorhanden ist \u2013 auch bei den jungen Bauarbeitern. Diese beteiligten sich insbesondere in Z\u00fcrich aktiv am Streik. Ein erfolgversprechendes Zeichen f\u00fcr die Zukunft des gewerkschaftlichen Kampfes, auf dem unbedingt aufgebaut werden muss!<\/p>\n<p><strong>Ist vertragslos vertr\u00e4glich?<\/strong><\/p>\n<p>Die Situation scheint sich zuzuspitzen. Doch wenn wir uns mit dem vertragslosen Zustand befassen, wird klar: Vor einer Baubranche ohne Gesamtarbeitsvertrag haben beide Seiten Angst. Bei den Baumeistern dominiert das Unbehagen vor dem versch\u00e4rften Konkurrenzkampf untereinander.<\/p>\n<p>Bei der Unia hingegen steht mehr auf dem Spiel, in erster Linie ihre materielle Grundlage. Der vertragslose Zustand w\u00fcrde zum Wegfall der GAV-Vollzugskosten im gehobenen zweistelligen Millionenbereich f\u00fchren, womit gr\u00f6sstenteils der gewerkschaftliche Apparat finanziert wird. Eine Baubranche ohne GAV h\u00e4tte folglich Stellenabbau bei den Gewerkschaftssekret\u00e4rInnen zur Folge, aber potentiell auch einen Mitgliederr\u00fcckgang aufgrund gestiegener Kosten bei geringerer Leistung.<\/p>\n<p>Erfreulich w\u00e4re zwar der Wegfall der l\u00e4hmenden Friedenspflicht, denn so k\u00f6nnten die Bauarbeiter endlich wieder uneingeschr\u00e4nkt f\u00fcr ihre Rechte k\u00e4mpfen. Doch ein Streik ist mit viel (finanziellem) Risiko verbunden \u2013 f\u00fcr die Arbeitenden und die Gewerkschaften. Das nimmt nur in Kauf, wer wirklich von seiner Sache \u00fcberzeugt ist und auf die eigene St\u00e4rke vertraut. Genau das bedarf einer k\u00e4mpferischen Gewerkschaftsbasis und somit einer guten Verankerung der Unia auf den Baustellen. Davon sind wir in der Deutschschweiz noch weit entfernt.<\/p>\n<p><strong>Was tun?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr wirkliche Verbesserungen muss Druck aus der Basis kommen. Fr\u00fcher war dies in der Baubranche der Fall, weshalb der Landesmantelvertrag (LMV) so gut ist. Auch die Sonderkonditionen, die in Genf und im Tessin verhandelt werden, zeigen das. Aber vor dem Hintergrund der Krise stagniert der LMV seit 2006.<\/p>\n<p>Der erfolgreiche Kampf f\u00fcr einen besseren Vertrag setzt voraus, dass die Bauarbeiter aktiv in die Verhandlungen miteinbezogen werden. Die erste Priorit\u00e4t der Gewerkschaft muss der Aufbau von Betriebsgruppen auf den Baustellen sein. Dort kann eine k\u00e4mpferische Linie entwickelt werden, deren Druck am Verhandlungstisch sp\u00fcrbar ist. Umgekehrt heisst das aber auch, dass die Verhandlungen auf die Baustellen getragen und dort diskutiert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die zentrale Stellung des LMV f\u00fcr die Unia \u2013 und die Schweizer Wirtschaft \u2013 bedeutet, dass hier wichtige Erfahrungen gesammelt werden. Diese m\u00fcssen in anderen Sektoren ebenfalls angewandt werden. Und wenn die Gewerkschaft nicht bereit ist, diesen Kampf voranzutreiben, dann liegt es an den Bauarbeitern, selbst Hand anzulegen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.derfunke.ch\/htm\/de\/deutsch\/arbeiterinnenbewegung\/gewerkschaften\/druckaufbau-der-kampf-um-den-lmv\/\"><em>derfunke.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 3. Dezember 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Helena Winnall. 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