{"id":4555,"date":"2018-12-04T11:09:51","date_gmt":"2018-12-04T09:09:51","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4555"},"modified":"2018-12-04T11:09:51","modified_gmt":"2018-12-04T09:09:51","slug":"gelbe-westen-eine-neue-etappe-des-internationalen-klassenkampfs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4555","title":{"rendered":"\u00abGelbe Westen\u00bb: Eine neue Etappe des internationalen Klassenkampfs"},"content":{"rendered":"<p><em>Redaktion wsws.<\/em> Weit \u00fcber Hunderttausend Menschen nahmen am Samstag in Frankreich an Demonstrationen der \u201eGelbwesten\u201c teil. Die Massenproteste, die sich an der Erh\u00f6hung der Benzinsteuer durch Pr\u00e4sident Emmanuel<!--more--> Macron entz\u00fcndet hatten, sind mittlerweile die bedeutendste Bewegung seit dem franz\u00f6sischen Generalstreik von Mai\u2013Juni 1968.<\/p>\n<p>Sie stellen nicht nur f\u00fcr Frankreich und Europa, sondern f\u00fcr die ganze Welt einen kritischen Wendepunkt dar. Der Ausbruch sozialer Proteste, die Jahrzehnte lang unterdr\u00fcckt wurden, zeigt deutlich, dass die Arbeiterklasse die B\u00fchne der Weltgeschichte wieder betritt. Einmal mehr erweist sich der Klassenkampf als treibende Kraft des historischen Fortschritts.<\/p>\n<p>Der explosive Charakter der Ereignisse in Frankreich zeugt von den enormen sozialen Widerspr\u00fcchen, die sich in den fast drei\u00dfig Jahren seit der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion im Jahr 1991 und besonders in den zehn Jahren seit dem Finanzcrash von 2008 aufgebaut haben. Ein starker Hass auf den Kapitalismus und auf die Verh\u00e4ltnisse, die er in Frankreich und weltweit geschaffen hat, bricht sich Bahn und dominiert das politische Leben. Zu diesen Verh\u00e4ltnissen geh\u00f6rt das atemberaubende Ausma\u00df der sozialen Ungleichheit, die grenzenlose Anh\u00e4ufung von Reichtum in den H\u00e4nden eines winzigen Bev\u00f6lkerungsteils, sowie st\u00e4ndig wachsende Armut, Leid und Not.<\/p>\n<p>In Macron hat die herrschende Elite ihren wahren Vertreter gefunden: eine verachtete und l\u00e4cherliche Figur, ein Investmentbanker auf dem Pr\u00e4sidentenstuhl, der nichts anderes ist als die Marionette der europ\u00e4ischen B\u00f6rsen. Mit der Wut und Emp\u00f6rung der Massen konfrontiert, besteht Macron darauf, seine arbeiterfeindliche Politik durchzusetzen, wenn n\u00f6tig mit Polizeigewalt und unter Verh\u00e4ngung des Ausnahmezustands. Da die Massen die Wirtschaftsanspr\u00fcche der Herrschenden in Frage stellen, greift er zu Gewalt und Unterdr\u00fcckung.<\/p>\n<p>Die Entwicklung in Frankreich wird vor allem von globalen, und nicht von nationalen Faktoren vorangetrieben. Die Bed\u00fcrfnisse des internationalen Kapitals bestimmen Macrons M\u00f6glichkeiten und die Richtung seiner Politik. W\u00e4hrend er die Arbeiter in Frankreich angreift, f\u00fchrt die amerikanische Bourgeoisie eine neue Runde von Kostensenkungen durch, wie die Bekanntgabe von Massenentlassungen bei General Motors zeigt. Ein neuer Wirtschaftseinbruch k\u00fcndigt sich an, und die herrschende Elite geht in jedem Land in die Offensive.<\/p>\n<p>Auf der andern Seite steht die Arbeiterklasse, die beweist, dass sie nicht nur eine unterdr\u00fcckte, sondern auch eine revolution\u00e4re Klasse ist. Unter der Oberfl\u00e4che der b\u00fcrgerlichen Ordnung und Stabilit\u00e4t g\u00e4rt ein B\u00fcrgerkrieg.<\/p>\n<p>Von den reaktion\u00e4ren Konzepten der kleinb\u00fcrgerlichen Pseudolinken \u2013 dass die soziale Ungleichheit in der heutigen Gesellschaft keine wichtige Rolle mehr spiele, dass das Proletariat keine revolution\u00e4re Klasse mehr sei \u2013 bleibt kein Stein auf dem andern. Auch die Fragen von Geschlecht, Rasse und Sexualit\u00e4t, die die Pseudolinken so stark umtreiben, erweisen sich f\u00fcr den Kampf auf den Stra\u00dfen von Paris als irrelevant.<\/p>\n<p>Die Behauptung, die Aufl\u00f6sung der Sowjetunion habe das \u201eEnde der Geschichte\u201c herbeigef\u00fchrt, erweist sich als pure Fantasie. Es ist gerade mal ein Jahr her, seit die Ideologen des Kapitalismus zum hundertsten Jahrestag der Russischen Revolution behaupteten, die Oktoberrevolution sei f\u00fcr die moderne Welt ohne jede Bedeutung. Aber heute erleben wir den Beginn einer neuen revolution\u00e4ren Situation.<\/p>\n<p>Das Jahr, das bald zu Ende geht, war durch einen Aufschwung des Klassenkampfs gekennzeichnet. Es begann mit Massenprotesten im Iran und Streiks von Metallarbeitern in Deutschland, Dozenten in Gro\u00dfbritannien und Lehrern in den USA. Auch in Lateinamerika, im Nahen Osten und in Asien hat sich die soziale Opposition deutlich verst\u00e4rkt. Es endet mit den Massenprotesten in Frankreich, wachsenden Unruhen amerikanischer Autoarbeiter und Massenstreiks in S\u00fcdkorea, Griechenland und Chile. Hinzu kommen Proteste von Migranten, einschlie\u00dflich derjenigen in Mittelamerika, die nun an der US-mexikanischen Grenze den amerikanischen Streitkr\u00e4ften gegen\u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Die Erfahrungen des vergangenen Jahres haben gezeigt, dass es nicht m\u00f6glich ist, im Rahmen der bestehenden politischen Institutionen und der Gewerkschaften eine Ver\u00e4nderung im Interesse der breiten Masse der Bev\u00f6lkerung herbeizuf\u00fchren. Das gilt auch f\u00fcr Frankreich. Das politische System mit all seinen Bestandteilen, rechten wie \u201elinken\u201c, ist meilenweilt von den Bed\u00fcrfnissen der Arbeiterklasse entfernt und steht ihnen feindlich gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Auch in Frankreich hat sich die Opposition v\u00f6llig au\u00dferhalb der Gewerkschaften entwickelt. Die erste Reaktion dieser in den Staat eingebundenen Organisationen bestand darin, die Demonstrationen zu verurteilen. Diese sind mit einem Block der Reaktion konfrontiert, der sich vom \u00c9lys\u00e9e-Palast bis zu den B\u00fcros kleinb\u00fcrgerlicher Parteien, wie der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA), erstreckt. Alle treibt nur eine Frage um: Wie kann diese Bewegung unter Kontrolle gebracht und gestoppt werden?<\/p>\n<p>Die zentrale Frage, die sich nun stellt, ist die der Perspektive und der Strategie. Es ist dringend notwendig, den Kampf zu vertiefen und die breitesten Schichten der Arbeiterklasse und der Jugend einzubeziehen. Dies erfordert den Aufbau von Aktionskomitees, unabh\u00e4ngigen Organisationen des Kampfs der Arbeiterklasse. Wie Trotzki 1935, ein Jahr vor dem franz\u00f6sischen Generalstreik, schrieb, sind sie \u201edas einzige Mittel, den antirevolution\u00e4ren Widerstand der Partei- und Gewerkschaftsapparate zu brechen\u201c. Sie \u201esollen dazu dienen, den Abwehrkampf der werkt\u00e4tigen Massen Frankreichs zusammenzufassen und ihnen so das Bewusstsein ihrer eigenen Kraft f\u00fcr den k\u00fcnftigen Angriff zu vermitteln\u201c.<\/p>\n<p>Die Entwicklung neuer Kampforganisationen der Arbeiterklasse ist mit der wichtigsten Frage verbunden, der Entwicklung einer politischen Bewegung auf der Grundlage der Strategie der sozialistischen Weltrevolution.<\/p>\n<p>Das Anwachsen des Klassenkampfs auf internationaler Ebene wird durch das Wesen des globalen kapitalistischen Systems selbst bestimmt. Auch hier kommen in der Entwicklung in Frankreich nicht nur die franz\u00f6sischen, sondern die globalen Verh\u00e4ltnisse zum Ausdruck. Bezeichnenderweise brachen die Demonstrationen zu einem Zeitpunkt aus, als Macron vom G20-Gipfel zur\u00fcckkehrte, einem globalen Treffen der F\u00fchrer der m\u00e4chtigsten b\u00fcrgerlichen Staaten, auf dem sie ihre Pl\u00e4ne zur Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung der Arbeiter koordinieren und sich auf globale Kriege vorbereiten.<\/p>\n<p>Die globale Entwicklung des Kapitalismus, so Trotzki im Jahre 1907, \u201ehat die Welt in einen einzigen wirtschaftlichen und politischen Organismus verwandelt. \u2026 Die wirtschaftliche und politische Funktionsf\u00e4higkeit des Kapitalismus mit seinem Welthandel, seinem System monstr\u00f6ser Staatsverschuldung und internationaler politischer B\u00fcndnisse, die alle reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte der Welt unter einem Dach vereinen, (hat) allen politischen Teilkrisen standgehalten und gleichzeitig die Voraussetzungen f\u00fcr eine gesellschaftliche Krise nie dagewesenen Ausma\u00dfes geschaffen.\u201c<\/p>\n<p>Arbeiter auf der ganzen Welt identifizieren sich mit den Forderungen der franz\u00f6sischen Arbeiter. \u00dcberall auf der Welt richtet die herrschende Elite das soziale Leben nach den Interesse des Kapitals aus und steckt nicht nur den gesamten sozialen Reichtum in die eigene Tasche, sondern finanziert damit auch neue Kriege.<\/p>\n<p>Eine Warnung muss ausgesprochen werden: Die Bourgeoisie wird auf diese Ereignisse reagieren, indem sie ihre Vorbereitungen auf Krieg und Unterdr\u00fcckung, einschlie\u00dflich des Aufbaus neofaschistischer Kr\u00e4fte, enorm beschleunigt. Die herrschende Elite verf\u00fcgt \u00fcber viele Waffen. Die Arbeiter haben jedoch eine noch wirksamere Waffe: die nach Milliarden z\u00e4hlende globale Arbeiterklasse, die gr\u00f6\u00dfte revolution\u00e4re Kraft der Menschheitsgeschichte.<\/p>\n<p>Die Ereignisse, die sich jetzt in Frankreich abspielen, k\u00fcndigen den Beginn einer neuen Phase revolution\u00e4rer K\u00e4mpfe an. In diesem historischen Kontext stellt sich das zentrale Problem der Epoche mit enormer Sch\u00e4rfe: die Notwendigkeit, die Vierte Internationale aufzubauen, die Weltpartei der Sozialistischen Revolution, die Leo Trotzki 1938 gegr\u00fcndet hat &#8230;<\/p>\n<p>Die Leser der\u00a0<em>World Socialist Web Site<\/em>\u00a0wissen, dass wir den Ausbruch des internationalen Klassenkampfs mit erstaunlicher Genauigkeit vorausgesagt haben. Heute rufen wir alle unsere Leser und Unterst\u00fctzer auf, die notwendigen politischen Schlussfolgerungen aus diesen Ereignissen zu ziehen und den Kampf f\u00fcr den Sieg der Arbeiterklasse und die Sache des Weltsozialismus aufzunehmen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2018\/12\/04\/pers-d04.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 4. Dezember 2018 mit einer leichten \u00c4nderung durch Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Redaktion wsws. Weit \u00fcber Hunderttausend Menschen nahmen am Samstag in Frankreich an Demonstrationen der \u201eGelbwesten\u201c teil. 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