{"id":4600,"date":"2018-12-12T09:09:18","date_gmt":"2018-12-12T07:09:18","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4600"},"modified":"2018-12-12T09:09:18","modified_gmt":"2018-12-12T07:09:18","slug":"studierende-proben-den-aufstand-steht-frankreich-vor-einem-neuen-68","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4600","title":{"rendered":"Studierende proben den Aufstand \u2013 Steht Frankreich vor einem neuen &#8217;68?"},"content":{"rendered":"<p><em>Bastian Schmidt.<\/em> <strong>2500 Studierende nahmen am Montag an einer Vollversammlung an der Universit\u00e4t von Nanterre teil. Nach lebhaften Diskussionen stimmte eine Mehrheit daf\u00fcr, die Universit\u00e4ten weiterhin<!--more--> zu blockieren und sich den landesweiten Mobilisierungen der \u201eGelben Westen\u201c anzuschlie\u00dfen.<\/strong><\/p>\n<p>Vor gut 50 Jahren floh der damalige Staatspr\u00e4sident Charles de Gaulle nach Baden-Baden. Grund daf\u00fcr waren riesige Proteste von Studierenden und Arbeiter*innen, Barrikaden und ein wochenlanger Generalstreik. Mehrere Millionen Besch\u00e4ftigte beteiligten sich damals und brachten die Regierung beinahe zu Fall. Der Funke f\u00fcr die ber\u00fchmten Aufst\u00e4nde waren die Studierenden der Universit\u00e4t Nanterre. Die Besetzung der Wohnheime und die Demonstrationen gegen Repression und Vietnamkrieg f\u00fchrten damals zur Schlie\u00dfung der Universit\u00e4t durch die Beh\u00f6rden. Die Proteste konnten sie dadurch jedoch nicht mehr stoppen.<\/p>\n<p>\u00dcber 50 Jahre sp\u00e4ter, am Montag, versammelten sich erneut tausende Studierende an der Universit\u00e4t Nanterre. Schon vorher blockierten mehrere Dutzend Studierende die Universit\u00e4t. Versuche von Sicherheitsfirmen, die Blockade aufzul\u00f6sen, scheiterten, sodass sich immer mehr Menschen der Blockade anschlossen. Auch an der Universit\u00e4t von Censier fanden zwei Vollversammlungen von Studierenden und Besch\u00e4ftigten statt. Nachdem sie letzte Woche bereits die Teilnahme an den landesweiten Mobilisierungen der \u201eGelben Westen\u201c beschlossen hatten, diskutierten sie \u00fcber die weiteren Perspektiven der Bewegungen.<\/p>\n<p>Die Proteste der Studierenden richten sich einerseits gegen die Erh\u00f6hung der Studiengeb\u00fchren f\u00fcr ausl\u00e4ndische Studierende und andererseits die Privatisierungs- und Sparpolitik an Universit\u00e4ten. Neu war, dass sich erstmals auch Besch\u00e4ftigte in einer eigenen Versammlung zusammenfanden. Dort widersetzten sie sich den antidemokratischen Ma\u00dfnahmen der Universit\u00e4tsleitung sowie der Erh\u00f6hung der Studiengeb\u00fchren und erkl\u00e4rten ausdr\u00fccklich ihre Solidarit\u00e4t mit den K\u00e4mpfen der Studierenden. Auch wenn die Versammlungen getrennt voneinander stattfanden: Beschlossen wurde der gemeinsame Kampf mit den \u201eGelben Westen\u201c und den Sch\u00fcler*innen in den n\u00e4chsten Wochen gegen die Regierung. Auch in anderen Teilen Frankreichs gab es seit letzte Woche Vollversammlungen und Blockaden von Studierenden und Sch\u00fcler*innen. Landesweit wurden Dutzende Unis und hunderte Schulen blockiert und besetzt.<\/p>\n<p><strong>Ablehnung der Repression<\/strong><\/p>\n<p>Gemein hatten alle Versammlungen die Ablehnung der Polizeigewalt der letzten Wochen und Jahre gegen Studierende und Sch\u00fcler*innen. Bereits im letzten Jahr wurde eine Besetzung an der Universit\u00e4t Censier brutal durch die Polizei ger\u00e4umt. Die jetzigen Repressionen wurden als \u201eautorit\u00e4te Wende\u201c gebrandmarkt. In einem einstimmig angenommenen Antrag in Censier verurteilten die Besch\u00e4ftigten und Studierenden die Gewalt der Polizei aufs Sch\u00e4rfste. Besonders die schockierenden Bilder der Festnahme von Sch\u00fcler*innen am vergangenen Donnerstag erinnern fast schon an eine Milit\u00e4rdiktatur. \u00dcber 2000 Menschen wurden seit Beginn der Bewegung insgesamt festgenommen. Diese Angriffe zeigen aber auch, dass die Regierung Angst vor der Wirkung m\u00f6glicher Massenmobilisierungen von Studierenden hat. Die bisherigen Versuche von Macron, die Bewegung einzud\u00e4mmen, haben eher das Gegenteil bewirkt.<\/p>\n<p>Die Versammlungen von Studierenden an ihren Universit\u00e4ten sind dabei ein zentraler Ausgangspunkt f\u00fcr einen hei\u00dfen Winter in Frankreich. Im Mai \u201968 haben die Studierenden bereits bewiesen, welche Dynamik sie unter den Massen von Besch\u00e4ftigten in Frankreich ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Besonders die prek\u00e4re Situation der Jugend und der Arbeiter*innen ist die Grundlage daf\u00fcr, dass heute Hunderttausende den gemeinsamen Kampf gegen die Regierung und die sozialen Angriffe aufgenommen haben.<\/p>\n<p>Ob Macron das gleiche Schicksal wie de Gaulle 1968 droht, h\u00e4ngt davon ab, ob die k\u00e4mpferischsten Sektoren der Studierenden und der Arbeiter*innenklasse die F\u00fchrung \u00fcber die Bewegung der \u201eGelben Westen\u201c erlangen k\u00f6nnen. Die Zugest\u00e4ndnisse von Macron haben bereits gezeigt, was Massenmobilisierungen erreichen k\u00f6nnen, die sich nicht von b\u00fcrokratischen Apparaten oder reformistischen Parteien bremsen lassen. Die Studierendenbewegung kann mit ihren eigenen Forderungen die Massenbewegung weiter dynamisieren und ihre Methoden von Versammlungen, Blockaden und Streiks auf die gesamte Bewegung \u00fcbertragen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/studierende-proben-den-aufstand-steht-frankreich-vor-einem-neuen-68\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 12. Dezember 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bastian Schmidt. 2500 Studierende nahmen am Montag an einer Vollversammlung an der Universit\u00e4t von Nanterre teil. 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