{"id":461,"date":"2015-04-07T09:58:06","date_gmt":"2015-04-07T07:58:06","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=461"},"modified":"2015-04-08T09:59:09","modified_gmt":"2015-04-08T07:59:09","slug":"venezuelas-solidarisches-oel-wird-knapp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=461","title":{"rendered":"Venezuelas solidarisches \u00d6l wird knapp"},"content":{"rendered":"<p><em>Toni Keppeler<\/em>. Pr\u00e4sident Maduro schr\u00e4nkt die \u00d6llieferungen an Kuba und den Petrocaribe-Verbund drastisch ein. Das hat Folgen f\u00fcr die Region \u2013 und f\u00fcr die Ann\u00e4herung zwischen den USA und Kuba. Venezuela kann sich\u00a0\u2013 so scheint es\u00a0\u2013 seine Solidarit\u00e4t mit den Staaten Zentralamerikas<!--more--> und der Karibik immer weniger leisten. Das Land mit den weltweit gr\u00f6ssten bekannten Erd\u00f6lreserven hat seine \u00d6llieferungen zu Sonderbedingungen f\u00fcr Kuba und die siebzehn im Petrocaribe-Verbund zusammengeschlossenen L\u00e4nder seit August 2014 dramatisch reduziert. Seit der Erd\u00f6lpreis von \u00fcber 100 auf heute rund 45\u00a0US-Dollar pro Fass eingebrochen ist, steckt Venezuela in einer tiefen Krise. Pr\u00e4sident Nicol\u00e1s Maduro greift verzweifelt nach jedem Rettung versprechenden Strohhalm. Eine K\u00fcrzung der \u00d6llieferungen wird ihm da zwar nicht helfen, kann aber vielleicht einen weiteren Absturz der heimischen Wirtschaft abbremsen.<\/p>\n<p>Statt vorher 400\u2009000\u00a0Fass pro Tag umfasst das Petrocaribe-Programm heute nur noch die H\u00e4lfte, in der Dominikanischen Republik sollen die billigen Erd\u00f6llieferungen gar um 76\u00a0Prozent zur\u00fcckgegangen sein. Selbst Kuba erhalte statt vorher 100\u2009000 nur noch 50\u2009000\u00a0Fass pro Tag, heisst es in einem Bericht der britischen Barclays Bank. Sie st\u00fctzt sich dabei auf Daten der Firma Petrologistics, die weltweit Bewegungen von \u00d6ltankern erfasst. Die Regierung von Venezuela gibt seit zwei Jahren keine Zahlen zu den Petrocaribe-Lieferungen mehr bekannt.<\/p>\n<p>Das Programm war vor zehn Jahren vom damaligen venezolanischen Pr\u00e4sidenten Hugo Ch\u00e1vez ins Leben gerufen worden. Venezuela liefert den angeschlossenen Staaten \u00d6l, und diese bezahlen daf\u00fcr zun\u00e4chst nur die H\u00e4lfte des Weltmarktpreises. Die andere H\u00e4lfte musste urspr\u00fcnglich nach zwei tilgungsfreien Jahren innerhalb von bis zu 25\u00a0Jahren mit einem Zinssatz von einem Prozent abgestottert werden. Im Juni 2013 konnte sich Venezuela diese Bedingungen dann nicht mehr leisten; Maduro erh\u00f6hte den Zinssatz auf\u00a0\u2013 je nach Land\u00a0\u2013 zwei bis vier Prozent.<\/p>\n<p>Trotzdem ist Petrocaribe f\u00fcr die beteiligten L\u00e4nder ein gutes Gesch\u00e4ft: Sie bezahlen zun\u00e4chst nur die H\u00e4lfte, k\u00f6nnen aber alles zu Marktpreisen weitergeben. In Nicaragua etwa wird das Gesch\u00e4ft \u00fcber eine mit der Pr\u00e4sidentenfamilie verbandelte Firma abgewickelt. Mit den so gewonnenen Mitteln wird dann ein Grossteil der Sozialprogramme finanziert. Im benachbarten El Salvador wurde eigens die der linken Regierungspartei FMLN nahestehende Firma Alba Petr\u00f3leos El Salvador gegr\u00fcndet. Aus den Gewinnen ist in den vergangenen zehn Jahren eines der gr\u00f6ssten Firmenimperien des Landes entstanden. Es betreibt das weitaus umfangreichste Tankstellennetz und besitzt sogar eine eigene Fluglinie\u00a0\u2013 eine Kapitalakkumulation, die zum ersten Mal in der Geschichte des Landes nicht von rechten Kreisen kontrolliert wird.<\/p>\n<p lang=\"de\">Noch g\u00fcnstiger sind die Bedingungen f\u00fcr Kuba. Das sozialistische Bruderland Venezuelas bekam vor den K\u00fcrzungen mehr \u00d6l, als es selbst verbraucht. Der \u00dcberschuss wurde auf dem Spotmarkt f\u00fcr kurzfristige Angebote weiterverkauft. Bezahlt wird nicht mit Devisen; stattdessen schickt Kuba \u00c4rzte, Sportlerinnen und Berater f\u00fcr den Geheimdienst nach Venezuela. All das steht jetzt auf der Kippe. Sollte Petrocaribe untergehen, drohe in der Karibik \u00abeine schwere humanit\u00e4re Krise\u00bb. Dies prognostizierte US-Aussenminister John Kerry bei einer Konferenz des Thinktanks Atlantic Council am 12.\u00a0M\u00e4rz in Washington. Man kann getrost davon ausgehen, dass ihm das gar nicht so unrecht w\u00e4re. Denn Petrocaribe war ein diplomatischer Erfolg des linken Venezuela\u00a0\u2013 in einer Region, die von den Vereinigten Staaten traditionell als eigener Hinterhof betrachtet wird. Selbst rechts regierte L\u00e4nder und treue Vasallen Washingtons wie Guatemala und Honduras haben sich von Ch\u00e1vez einfangen lassen. Hier kann Kerry nun verlorenes Terrain zur\u00fcckgewinnen.<\/p>\n<p lang=\"de\">Daran arbeitet die US-Regierung schon lange. Kuba hat sich als Feindbild in der Region \u00fcberlebt. Nach \u00fcber f\u00fcnfzig Jahren gescheiterter Aggressionspolitik sucht Pr\u00e4sident Barack Obama nun diplomatische Beziehungen zu Havanna. Der neue B\u00f6sewicht Washingtons ist jetzt Venezuela. Dort unterst\u00fctzen die USA schon lange die rechte Opposition, die das Land regelm\u00e4ssig ins Chaos zu st\u00fcrzen versucht. Erst am 9.\u00a0M\u00e4rz verh\u00e4ngten sie Sanktionen gegen Mitglieder der Regierung Maduro und erkl\u00e4rten Venezuela zur \u00abausserordentlichen Gefahr f\u00fcr die USA\u00bb.<\/p>\n<p lang=\"de\">Allerdings gewinnt man so kein Terrain zur\u00fcck. Man kann nicht Ra\u00fal Castro sch\u00f6ne Augen machen und gleichzeitig seinen wichtigsten Verb\u00fcndeten, Nicol\u00e1s Maduro, zum Satan erkl\u00e4ren. Dass Kuba sich nicht gegen Venezuela ausspielen l\u00e4sst, hat Castro bereits klargemacht. Am Montag hat der kubanische Einheitsgewerkschaftsverband CTC zu Solidarit\u00e4tsdemonstrationen f\u00fcr Maduro aufgerufen und gleichzeitig daran erinnert, dass Washington trotz aller Ann\u00e4herungsversuche das Wirtschaftsembargo gegen Kuba aufrechterh\u00e4lt; dass die Regierung Obama die Insel weiterhin auf der Liste der L\u00e4nder f\u00fchrt, die angeblich Terroristen unterst\u00fctzen; und dass es im S\u00fcdosten bei Guant\u00e1namo noch immer diese Enklave gibt, die als staatliches Folterlager der USA bekannt ist.<\/p>\n<p lang=\"de\"><em>Quelle<\/em>: <a href=\"http:\/\/www.woz.ch\">www.woz.ch<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Toni Keppeler. Pr\u00e4sident Maduro schr\u00e4nkt die \u00d6llieferungen an Kuba und den Petrocaribe-Verbund drastisch ein. Das hat Folgen f\u00fcr die Region \u2013 und f\u00fcr die Ann\u00e4herung zwischen den USA und Kuba. 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