{"id":4684,"date":"2018-12-27T12:23:19","date_gmt":"2018-12-27T10:23:19","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4684"},"modified":"2018-12-27T12:23:57","modified_gmt":"2018-12-27T10:23:57","slug":"wie-objektiv-sind-interessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4684","title":{"rendered":"Wie objektiv sind Interessen?"},"content":{"rendered":"<p><em>Hartwig Schuck. <\/em>Der Begriff der \u201aInteressen\u2018 taucht in kritischen wissenschaftlichen Analysen sozialer Verh\u00e4ltnisse ann\u00e4hernd so h\u00e4ufig auf wie der Begriff \u201aMacht\u2018. Sei es in der feministischen Geschlechterforschung, in den Werken<!--more--> von Karl Marx und Michel Foucault, in der postkolonialen Theorie, der angloamerikanischen <em>Power Debate<\/em> oder den sozialontologischen Debatten um das Verh\u00e4ltnis von Struktur und Handeln \u2013 regelm\u00e4\u00dfig fungieren \u201aInteressen\u2018 als Analysekategorie, wenngleich auf recht unterschiedliche Weise und unterschiedlich prominent. Selbst diejenigen Autorinnen, die bestimmte Konzeptionen von Interessen scharf kritisieren, scheinen mehrheitlich eher auf eine Revision als auf eine Verabschiedung des Interessenbegriffs als solchen hinauszuwollen.<\/p>\n<p>Heftig umstritten ist insbesondere die Rede von \u201aobjektiven\u2018, \u201awahren\u2018, \u201aeigentlichen\u2018 oder \u201awirklichen\u2018 Interessen. Sie wird h\u00e4ufig mit orthodoxen Formen des Marxismus in Verbindung gebracht und als \u201aempirisch bedenklich\u2018 und \u201aanma\u00dfend\u2018 sowie als teleologisch, reduktionistisch, essentialistisch und deterministisch kritisiert. Auch wird auf ihre m\u00f6glichen \u201eautorit\u00e4ren und repressiven Implikationen\u201c hingewiesen. Wenngleich viele Kritikerinnen der Konzeption \u201aobjektiver Interessen\u2018 diese eher pauschalisierend und vage \u201adem Marxismus\u2018 zuschreiben und nur selten spezifische marxistische Str\u00f6mungen bzw. Autorinnen nennen, welche die von ihnen angegriffene Position vertreten, thematisieren sie doch gewichtige Probleme einer einseitig objektivistischen Konzeption von Interessen. In der Folge wird mitunter versucht, den Interessenbegriff seiner objektiven Dimension g\u00e4nzlich zu entkleiden. Dies geschieht im Anschluss an die Pionierarbeit von Barry Hindess typischerweise in zwei Schritten: Erstens wird betont, dass Interessen im Zuge komplexer Organisierungsprozesse, Aushandlungen und K\u00e4mpfe von sozialen Akteurinnen diskursiv hervorgebracht werden. Zweitens wird die Existenz eines kausalen Einflusses materieller Verh\u00e4ltnisse auf die Bestrebungen und Handlungspr\u00e4ferenzen sozialer Akteurinnen bestritten oder seine Bedeutung stark relativiert. Dieser zweite Schritt bedeutet allerdings, das Kind mit dem Bade auszusch\u00fctten. Mittels ihres Versuchs, sich der \u201aObjektivit\u00e4t\u2018 von Interessen in G\u00e4nze zu entledigen, geben solche Ans\u00e4tze dem Interessenbegriff eine subjektivistische Gestalt und berauben ihn wichtiger Potentiale, was das Verst\u00e4ndnis der Beziehungen zwischen Struktur und Handlung sowie die Kritik von Herrschaftsverh\u00e4ltnissen anbelangt.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise gibt es eine Reihe kritischer Sozialwissenschaftlerinnen und Philosophinnen, die in ihrem Verst\u00e4ndnis von Interessen weder einem einseitigen Objektivismus anh\u00e4ngen noch der von Hindess initiierten Bewegung zur Subjektivierung des Interessenbegriffs unkritisch folgen, sondern auf die eine oder andere Weise versuchen, objektive wie auch subjektive Aspekte von Interessen in ihre Analysen einzubeziehen. Das differenzierteste Verst\u00e4ndnis von Interessen findet sich meines Erachtens bei Vertreterinnen des Critical Realism; namentlich Jeffrey Isaac, Douglas Porpora und Margaret Archer. Unter besonderer Ber\u00fccksichtigung dieser Autorinnen werde ich im vorliegenden Artikel eine mehrdimensionale Interessenskonzeption entwickeln, welche die verschiedenen Funktionen reflektiert, die der Interessenbegriff in kritischen Analysen sozialer Verh\u00e4ltnisse erf\u00fcllt. Eine solche mehrdimensionale Konzeption \u2013 so hoffe ich zeigen zu k\u00f6nnen \u2013 erlaubt im Vergleich zu den oben erw\u00e4hnten objektivistischen oder subjektivistischen Ans\u00e4tzen ein besseres Verst\u00e4ndnis sowohl der Reproduktion sozialer Verh\u00e4ltnisse als auch ihrer (m\u00f6glichen) Ver\u00e4nderung. Zun\u00e4chst jedoch ist zu kl\u00e4ren, was mit \u201aObjektivit\u00e4t\u2018 und \u201aSubjektivit\u00e4t\u2018 \u00fcberhaupt gemeint sein soll und welche Rolle beide im Alltagsgebrauch des Interessenbegriffs spielen.<\/p>\n<p><strong>Ganzen Aufsatz lesen:\u00a0<a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Hartwig-Schuck.-Wie-objektiv-sind-Interessen.pdf\">Hartwig Schuck. Wie objektiv sind Interessen<\/a><\/strong><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><em><a href=\"https:\/\/www.degruyter.com\/view\/j\/zksp.2014.1.issue-2\/zksp-2014-0011\/zksp-2014-0011.xml\">Zeitschrift f\u00fcr kritische Sozialtheorie und Philosophie&#8230;<\/a><\/em> <em>vom 27. Dezember 2018 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hartwig Schuck. Der Begriff der \u201aInteressen\u2018 taucht in kritischen wissenschaftlichen Analysen sozialer Verh\u00e4ltnisse ann\u00e4hernd so h\u00e4ufig auf wie der Begriff \u201aMacht\u2018. 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