{"id":4687,"date":"2018-12-28T10:06:17","date_gmt":"2018-12-28T08:06:17","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4687"},"modified":"2018-12-28T10:06:17","modified_gmt":"2018-12-28T08:06:17","slug":"syrien-alles-in-der-schwebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4687","title":{"rendered":"Syrien: Alles in der Schwebe"},"content":{"rendered":"<p><em>Florian R\u00f6tzer. <\/em><strong>Ankara z\u00f6gert den Angriff hinaus, derweil k\u00fcndigt das S\u00f6ldnerunternehmen Blackwater eine R\u00fcckkehr an: Steht doch eine Privatisierung von US-Auslandseins\u00e4tzen an?<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Zwar hat US-Pr\u00e4sident Donald Trump den Abzug der Truppen aus Syrien und von 7000 Soldaten aus Afghanistan angeordnet und ist Jim Mattis u.a. deswegen als Verteidigungsminister zur\u00fcckgetreten, aber noch ist unklar, wie der Abzugsplan aussieht oder ob es \u00fcberhaupt einen solchen gibt. Die Luftangriffe gegen IS-Stellungen im S\u00fcden am Euphrat\u00a0<a href=\"http:\/\/www.inherentresolve.mil\/News\/News-Releases\/Article\/1720863\/cjtf-oir-continues-partner-support-to-defeat-isis\/\">sollen<\/a>\u00a0allerdings bislang weiter gegangen sein.<\/p>\n<p>Noch marschieren die t\u00fcrkischen Streitkr\u00e4fte und deren verb\u00fcndete Milizen bei Manbidsch auf. Man wird annehmen k\u00f6nnen, dass die SDF sich auch den mehrheitlich von Arabern bewohnten Gebieten, auch aus Raqqa, zur\u00fcckziehen werden, in die sie, unterst\u00fctzt von den USA, vorger\u00fcckt sind. Dort sind sie nicht unbedingt erw\u00fcnscht (gewesen), andererseits hatte der IS sich hier ausbreiten k\u00f6nnen, was durchaus wieder geschehen k\u00f6nnte. Auf einem mehrt\u00e4tigen Treffen der SDF mit arabischen Scheichs und St\u00e4mmen in Raqqa wurde allerdings noch Einheit und Zusammenhalt gegen die T\u00fcrken\u00a0<a href=\"http:\/\/sdf-press.com\/en\/2018\/12\/the-meeting-of-the-civil-institutions-in-raqqa\/\">beschworen<\/a>.<\/p>\n<p>Nach Ger\u00fcchten laufen weiter Gespr\u00e4che zwischen den syrischen Kurden und Damaskus mit der Vermittlung der \u00e4gyptischen Regierung, was der T\u00fcrkei nicht gefallen d\u00fcrfte. Ankara\u00a0<a href=\"https:\/\/www.al-monitor.com\/pulse\/originals\/2018\/12\/turkey-syria-turkish-operations-intentions-limitations.html\">z\u00f6gert<\/a>\u00a0den bereits angek\u00fcndigten Angriff weiter hinaus, da offenbar weiter t\u00fcrkisch-amerikanische Gespr\u00e4che stattfinden und die Situation komplizierter als die in Afrin ist. So werben SDF bzw. PYD-Vertreter in Europa f\u00fcr eine Flugverbotszone und wollen daf\u00fcr vor allem Frankreich und Gro\u00dfbritannien gewinnen. Zudem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.yenisafak.com\/en\/world\/ypg-pkk-threaten-europe-with-daesh-after-us-pullout-3469891\">warnen<\/a>\u00a0sie, dass sie im Fall eines t\u00fcrkischen Angriffs die gefangenen IS-K\u00e4mpfer aus zahlreichen L\u00e4ndern nicht mehr festhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In Russland\u00a0<a href=\"http:\/\/www.kurdistan24.net\/en\/news\/1ecf9b83-c785-43ad-a38a-5840a37291a7\">versucht<\/a>\u00a0eine SDF-Koalition ebenfalls mit russischer Vermittlung eine Vereinbarung mit Damaskus zu erzielen. Das k\u00f6nnte zwar Schutz bedeuten, aber einen Verlust an Autonomie.<\/p>\n<p>Maria Zakharova, die Sprecherin des russischen Au\u00dfenministeriums,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.mid.ru\/en\/foreign_policy\/news\/-\/asset_publisher\/cKNonkJE02Bw\/content\/id\/3465746\">monierte<\/a>\u00a0die Undurchsichtigkeit der Lage in Syrien nach Trumps Entscheidung. Sie geht davon aus, dass der Abzug zwei oder drei Monate dauern k\u00f6nne, man wissen aber nicht, ob die USA den Kampf gegen den IS weiter fortsetzen werde. Sie machte aber die Haltung Russlands deutlich, dass das von den Kurden kontrollierte Gebiet der syrischen Regierung \u00fcbergeben werden sollte, um die syrische Einheit und Souver\u00e4nit\u00e4t wieder herzustellen. Das ist eine klare Positionierung gegen die T\u00fcrkei.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise machen sich private Sicherheits- und Milit\u00e4runternehmen wie Academi (Blackwater) Hoffnungen auf bessere Gesch\u00e4fte durch einen Truppenabzug. So war\u00a0<a href=\"https:\/\/www.militarytimes.com\/news\/your-military\/2018\/12\/21\/mattis-is-out-and-blackwater-is-back-we-are-coming\/\">aufgefallen<\/a>, dass in der Januar- und Februarausgabe der Waffenzeitschrift\u00a0<a href=\"https:\/\/www.recoilweb.com\/\">Recoil<\/a>\u00a0eine ganzseitige Anzeige von Blackwater ver\u00f6ffentlicht wurde. Auf der schwarzen Seite mit dem alten Logo steht: &#8222;We are coming.&#8220;<\/p>\n<p>Der Gr\u00fcnder Erik Prince, dessen Schwester Betsy DeVos unter Trump Bildungsministerin ist und der selbst gute Beziehungen zu Trump haben soll, hatte Blackwater 2010 an Investoren verkauft. Zum Schluss geh\u00f6rte sie\u00a0<a href=\"https:\/\/constellis.com\/\">Constellis<\/a>, die wiederum 2016 von Apollo Global Management\u00a0<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-constellis-m-a\/apollo-pauses-plans-to-sell-security-firm-constellis-sources-idUSKBN1JA2W6\">gekauft<\/a>wurde. Die Verh\u00e4ltnisse sind\u00a0<a href=\"https:\/\/www.stripes.com\/news\/top-leaders-step-down-at-former-blackwater-firm-1.543939\">nicht ganz durchsichtig<\/a>. Ein Constellis-Mitarbeiter erz\u00e4hlte jedenfalls Military Times, man habe weder Beziehungen zum alten Unternehmen Blackwater noch zu Prince.<\/p>\n<p>Die Anzeige k\u00f6nnte also bedeuten, dass Blackwater wieder gegr\u00fcndet wird. M\u00f6glicherweise steckt auch wieder Prince dahinter, der Trump zu \u00fcberzeugen versucht haben soll, die Nato aus Afghanistan zur\u00fcckzuziehen und das Land einem privaten S\u00f6ldnerunternehmen zu \u00fcbergeben, das schneller, effektiver und vor allem viel billiger agieren k\u00f6nne. Die Gesch\u00e4ftsidee, die er mit Stephen Feinberg, dem CEO des R\u00fcstungskonzerns DynCorp International, sowie mit Unterst\u00fctzung von Stephen Bannon und Jared Kushner\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2017\/07\/10\/world\/asia\/trump-afghanistan-policy-erik-prince-stephen-feinberg.html\">entwickelte<\/a>, hatte er auch 2017 in einem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.militarytimes.com\/flashpoints\/2017\/08\/02\/blackwater-founder-wants-to-run-the-afghan-air-war-with-his-private-air-force\/\">Interview<\/a>\u00a0ausgebreitet. Der damalige Verteidigungsminister Jim Mattis, der gerade seinen Job hingeschmissen hat, widersetzte sich damals dem Vorschlag entschieden. Daher titelte die Military Times:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.militarytimes.com\/news\/your-military\/2018\/12\/21\/mattis-is-out-and-blackwater-is-back-we-are-coming\/\">&#8222;Mattis is out, and Blackwater is back&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p>Interessanterweise hat Trump Feinberg im Mai zum Leiter des President&#8217;s Intelligence Advisory Board (PIAB) ernannt. Feinberg\u00a0<a href=\"https:\/\/www.defensenews.com\/digital-show-dailies\/ausa\/2018\/10\/10\/interview-dyncorp-ceo-george-krivo-on-sale-rumors-its-rebound-and-blackwater\/\">erkl\u00e4rte<\/a>\u00a0als DynCorp-CEO in einem Interview im Oktober, dass sein Unternehmen keine k\u00e4mpfenden S\u00f6ldner anbieten werde, alles au\u00dferhalb von St\u00fctzpunkten werde von DynCorp nicht \u00fcbernommen. Es k\u00f6nnte aber durchaus sein, dass Feinberg zusammen mit Prince Trump unterst\u00fctzt, US-Truppen aus Auslandseins\u00e4tzen abzuziehen und stattdessen m\u00f6glicherweise S\u00f6ldnertruppen die Kontrolle \u00fcbernehmen zu lassen, um f\u00fcr &#8222;Stabilit\u00e4t&#8220; zu sorgen und Terroristen zu bek\u00e4mpfen. Die Privatisierung von Milit\u00e4reins\u00e4tzen k\u00f6nnte Trump, der sich erfolgreich der Einziehung entziehen konnte, tats\u00e4chlich gefallen. Das schafft Jobs und spart Geld, \u00fcberdies hat der teure Milit\u00e4reinsatz in Afghanistan tats\u00e4chlich kaum Ergebnisse gebracht.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Syrien-Alles-in-der-Schwebe-4259360.html\"><em>Telepolis&#8230;<\/em><\/a><em> 28. Dezember 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Florian R\u00f6tzer. 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