{"id":4717,"date":"2019-01-04T17:17:51","date_gmt":"2019-01-04T15:17:51","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4717"},"modified":"2019-01-05T14:27:40","modified_gmt":"2019-01-05T12:27:40","slug":"w-i-lenin-entwurf-eines-programms-unserer-partei-1899","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4717","title":{"rendered":"W.I.Lenin: Entwurf eines Programms unserer Partei (1899)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dass die Tradition des revolution\u00e4ren Marxismus die Form einer Wissenschaft hat, zeigt sich darin, dass f\u00fcr die revolution\u00e4ren Projekte und f\u00fcr die Arbeiterbewegung \u00fcber die ganze Periode des reifen Kapitalismus,<!--more--> des Imperialismus, insbesondere seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, immer wieder die gleichen Probleme und Fragestellungen aufkommen. Und dies gerade deshalb, da die politische, kulturelle, gesellschaftliche und soziale Wirklichkeit immer wieder mit Erscheinungen aufwartet, die sich \u00fcber die ganze Epoche hin zumindest in den Grundz\u00fcgen \u00e4hneln. Dies ist der Grund, dass auf den reichhaltigen Fundus der Erfahrungen der revolution\u00e4ren Arbeiterbewegung zur\u00fcckgegriffen werden sollte, will man sich im Rahmen revolution\u00e4rer Aufbauprojekte in der Gegenwart praktisch und theoretisch zurechtfinden.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Diese Schrift von Lenin (<a href=\"http:\/\/www.red-channel.de\/LeninWerke\/LW04.pdf\">Werke, Band 4, pp. 221-248 <\/a>) aus dem Jahre 1899 lohnt sich deshalb heute mehr denn je zu Rate zu ziehen, obgleich sich die \u00f6rtlichen und zeitlichen Bedingungen zu einem grossen Teil gewandelt haben. Sie geht ein auf die Notwendigkeit der Entwicklung einer revolution\u00e4ren Organisation um ein Programm herum, die Einbettung eines solchen Programmes in die Einsch\u00e4tzung der aktuellen Widerspr\u00fcche des Kapitalismus, die zentrale Rolle des Klassenkonfliktes gerade in Zeiten tiefer Umbr\u00fcche im Kapitalismus wie heute, gerade in Perioden, wo das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation (Marx, MEW 23, Kapitel 23) mit der absoluten und relativen Verarmung von wachsenden Segmenten der Arbeiterklasse wieder deutlicher hervortritt. Und in Zeiten, wie heute, wo die aufkommenden Massenbewegungen nicht auf den ersten Blick sich klar als durch den Klassenkonflikt zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse strukturiert erkennen lassen, da sie sich selbst nicht als solche erkennen: zu sehr wurde das allgemeine Bewusstsein durch die Prozesse der politischen, ideologischen und kulturellen Niederhaltung der politischen Vernunft verdreht; die reformistischen Organisationen der Arbeiterbewegung leisten f\u00fcr diese \u00abIrrationalisierung\u00bb der Politik und der Kultur, das heisst f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung des Klassenbewusstseins der Lohnabh\u00e4ngigen, einen elementaren Beitrag. Dies das Verdienst von Lenin, diese Problematik bereits um 1900 klar erkannt und entsprechende politische und praktische Schl\u00fcsse gezogen zu haben mit der Betonung der Notwendigkeit der Schaffung eines revolution\u00e4ren politischen Instrumentes der Arbeiterklasse, ausgestattet mit einem organisierten Programm und mit einer Strategie und mit einer angemessenen Debattierkultur. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Dies wird beispielsweise deutlich an seiner Behandlung des Umganges mit der Bauernschaft und dem Kleinb\u00fcrgertum, wo die Eigentumsfrage zum Schl\u00fcssel der Kl\u00e4rung wird. Eine recht \u00e4hnliche Problematik stellt sich neuerdings beispielsweise in der Bewegung der gilets jaunes in Frankreich; leider hat sich ein Teil der radikalen Linken zumindest zu deren Beginn im November 2018 vorschnell davon distanziert, da darin, dem ideologischen, politischen und sozialen Zustand der Arbeiterklasse entsprechend, auch rassistische T\u00f6ne h\u00f6rbar wurden. Aber recht schnell r\u00fcckten klar Forderungen nach materieller Besserstellung vor allem der Lohnabh\u00e4ngigen und Rentner und Rentnerinnen in den Vordergrund, ohne dabei aber klar einen Schnitt durch die Eigentumsverh\u00e4ltnisse zu ziehen, das heisst, die Unternehmer zur Kasse zu bitten. Auch hier sieht man, dass dieser Text von Lenin, aus dem Jahr 1899, diese Frage sogar f\u00fcr die heutigen Verh\u00e4ltnisse immer noch kl\u00e4rend angeht.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wir haben im Text teilweise die Fussnoten aktualisiert. [<em>Redaktion maulwuerfe.ch<\/em>]<\/strong><\/p>\n<p><em>W.I.Lenin.<\/em> Es mu\u00df wohl mit der Frage begonnen werden, ob wirklich ein dringendes Bed\u00fcrfnis nach einem Programm der russischen Sozialdemokraten besteht. Von Genossen, die in Ru\u00dfland t\u00e4tig sind, h\u00f6rten wir gelegentlich die Ansicht, da\u00df keine dringende Notwendigkeit bestehe, gerade jetzt ein Programm auszuarbeiten, die dringendste Frage sei die Entwicklung und Festigung der lokalen Organisationen, eine straffere Organisierung der Agitation und der Literaturzustellung, es w\u00e4re praktischer, die Ausarbeitung eines Programms bis zu dem Augenblick zu verschieben, wo die Bewegung eine festere Basis erh\u00e4lt, es k\u00f6nne sich erweisen, da\u00df ein Programm jetzt keine Basis h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Wir teilen diese Meinung nicht. Selbstverst\u00e4ndlich ist, wie K. Marx gesagt hat, \u00abjeder Schritt wirklicher Bewegung wichtiger als ein Dutzend Programme\u00bb<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> . Aber weder Marx noch irgendein anderer Theoretiker oder Praktiker der Sozialdemokratie haben bestritten, da\u00df ein Programm f\u00fcr das einm\u00fctige und konsequente Handeln einer politischen Partei von gewaltiger Bedeutung ist. Die russischen Sozialdemokraten haben ja gerade eine Periode h\u00f6chst erbitterter Polemik gegen Sozialisten anderer Richtungen und gegen Nichtsozialisten, die die russische Sozialdemokratie nicht verstehen wollten, schon durchgemacht; sie haben auch die Anfangsstadien der Bewegung durchgemacht, als die Arbeit zersplittert in kleinen lokalen Organisationen geleistet wurde. Die Vereinigung, die Schaffung einer gemeinsamen Literatur, das Erscheinen von russischen Arbeiterzeitungen haben sich durch das Leben selbst notwendig gemacht, und die im Fr\u00fchjahr 1898 erfolgte Gr\u00fcndung der \u00abSozialdemokratischen Arbeiterpartei Ru\u00dflands\u00bb, die ihre Absicht bekanntgegeben hat, in n\u00e4chster Zukunft ein Parteiprogramm auszuarbeiten, hat anschaulich bewiesen, da\u00df die Forderung nach einem Programm eben den Erfordernissen der Bewegung selbst entsprungen ist. Gegenw\u00e4rtig besteht die dringendste Aufgabe unserer Bewegung nicht mehr in der Weiterentwicklung der bisherigen zersplitterten \u00abhandwerklerischen\u00bb Arbeit, sondern im Zusammenschlu\u00df, in der Organisation. Um diesen Schritt tun zu k\u00f6nnen, brauchen wir ein Programm; das Programm mu\u00df unsere Grundanschauungen formulieren, unsere n\u00e4chsten politischen Aufgaben genau festlegen, die n\u00e4chsten Forderungen aufzeigen, die den Kreis der Agitationst\u00e4tigkeit umrei\u00dfen sollen, es mu\u00df ihr Einheit verleihen, mu\u00df sie dadurch erweitern und vertiefen, da\u00df es die Agitation aus einem St\u00fcckwerk, einer partiellen Agitation f\u00fcr kleine, nicht zusammenh\u00e4ngende Forderungen zu einer Agitation f\u00fcr die Gesamtheit der sozialdemokratischen Forderungen macht. Heute, wo die sozialdemokratische T\u00e4tigkeit bereits einen ziemlich weiten Kreis sowohl sozialistischer Intellektueller als auch klassenbewu\u00dfter Arbeiter aufger\u00fcttelt hat, ist es dringend notwendig, die Verbindung zwischen ihnen durch ein Programm zu festigen und auf diese Weise ihnen allen eine feste Basis f\u00fcr die weitere, umfassendere T\u00e4tigkeit zu geben. Schlie\u00dflich ist ein Programm auch noch deshalb dringend notwendig, weil die \u00f6ffentliche Meinung Ru\u00dflands sehr h\u00e4ufig den schwersten Irrt\u00fcmern hinsichtlich der wahren Aufgaben und Arbeitsmethoden der russischen Sozialdemokraten verf\u00e4llt: Teilweise wachsen diese Irrt\u00fcmer ganz nat\u00fcrlich aus dem Sumpf der politischen F\u00e4ulnis unseres Lebens hervor, teilweise werden sie von den Gegnern der Sozialdemokratie k\u00fcnstlich erzeugt. Jedenfalls mu\u00df dieser Tatsache Rechnung getragen werden. Die Arbeiterbewegung, die mit dem Sozialismus und dem politischen Kampf verschmilzt, mu\u00df eine Partei bilden, die, wenn sie an die Spitze aller demokratischen Elemente der russischen Gesellschaft treten will, imstande sein mu\u00df, alle diese Irrt\u00fcmer zu zerstreuen. Man k\u00f6nnte einwenden, der gegenw\u00e4rtige Augenblick sei auch deshalb f\u00fcr die Abfassung eines Programms ungeeignet, weil unter den Sozialdemokraten selbst Meinungsverschiedenheiten entstehen und eine Polemik beginnt. Mir scheint, das Gegenteil ist richtig: dies ist ein weiteres Argument f\u00fcr die Notwendigkeit eines Programms. Einerseits darf man, da die Polemik einmal begonnen hat, hoffen, da\u00df bei der Er\u00f6rterung des Programmentwurfs alle Ansichten und alle Schattierungen von Ansichten zu Worte kommen werden, darf man hoffen, da\u00df das Programm allseitig er\u00f6rtert werden wird. Die Polemik zeigt, da\u00df in den Reihen der russischen Sozialdemokraten das Interesse f\u00fcr die umfassenden Fragen nach den Zielen unserer Bewegung, nach ihren n\u00e4chsten Aufgaben und ihrer Taktik lebhafter geworden ist, und gerade eine solche Belebung ist f\u00fcr die Er\u00f6rterung des Programmentwurfs notwendig. Anderseits ist es, wenn die Polemik nicht unfruchtbar bleiben soll, wenn sie nicht zu pers\u00f6nlicher Rivalit\u00e4t ausarten, nicht zu einer Verworrenheit der Ansichten, zur Verwechslung von Feind und Freund f\u00fchren soll, unbedingt notwendig, die Frage des Programms in diese Polemik einzubeziehen. Die Polemik wird nur dann Nutzen bringen, wenn sie klarstellt, worin eigentlich die Meinungsverschiedenheiten bestehen, wie tief sie geben, ob es sich um Meinungsverschiedenheiten \u00fcber das Wesen der Sache oder um Meinungsverschiedenheiten in Teilfragen handelt, ob diese Meinungsverschiedenheiten ein Hindernis f\u00fcr die gemeinsame Arbeit in den Reihen ein und derselben Partei sind oder nicht. Nur die Einbeziehung der Programmfrage in die Polemik, nur eine bestimmte Erkl\u00e4rung beider polemisierender Seiten \u00fcber ihre programmatischen Anschauungen kann Antwort geben auf alle diese Fragen, die dringend Antwort verlangen. Die Ausarbeitung eines gemeinsamen Parteiprogramms soll nat\u00fcrlich durchaus nicht jeder Polemik ein Ende machen, sie wird jedoch diejenigen grundlegenden Ansichten vom Charakter, von den Zielen und Aufgaben unserer Bewegung fest bekunden, die der k\u00e4mpfenden Partei als Banner dienen sollen, einer Partei, die einig und geschlossen bleibt trotz der partiellen Meinungsverschiedenheiten, die unter ihren Mitgliedern \u00fcber partielle Fragen bestehen.<\/p>\n<p>Und damit zur Sache.<\/p>\n<p>Wenn von einem Programm der russischen Sozialdemokraten gesprochen wird, so richten sich alle Blicke ganz nat\u00fcrlich auf die Mitglieder der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb, die die russische Sozialdemokratie gegr\u00fcndet und f\u00fcr ihre theoretische und praktische Weiterentwicklung so viel getan haben. Unsere \u00e4ltesten Genossen haben nicht ges\u00e4umt, sich \u00fcber die Erfordernisse der russischen sozialdemokratischen Bewegung zu \u00e4u\u00dfern. Fast zu derselben Zeit \u2014 Fr\u00fchjahr 1898 \u2014, als der Parteitag der russischen Sozialdemokraten, der den Grundstein legte f\u00fcr die \u00abSozialdemokratische Arbeiterpartei Ru\u00dflands\u00bb, vorbereitet wurde, lie\u00df P. B. Axelrod seine Brosch\u00fcre \u00abZur Frage der gegenw\u00e4rtigen Aufgaben und der Taktik der russischen Sozialdemokraten\u00bb erscheinen (Genf 1898; das Vorwort ist M\u00e4rz 1898 datiert) und brachte als Anhang dazu den von der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb schon 1885 herausgegebenen \u00abEntwurf eines Programms der russischen Sozialdemokraten\u00bb.<\/p>\n<p>Mit der Er\u00f6rterung dieses Entwurfs wollen wir auch beginnen. Obgleich vor fast 15 Jahren herausgegeben, ist er, unserer Meinung nach, im gro\u00dfen und ganzen durchaus befriedigend, er erf\u00fcllt seinen Zweck und steht durchaus auf dem Niveau der modernen sozialdemokratischen Theorie. In diesem Entwurf wird eindeutig die Klasse bezeichnet, die in Ru\u00dfland (wie auch in den anderen L\u00e4ndern) allein ein selbst\u00e4ndiger K\u00e4mpfer f\u00fcr den Sozialismus sein kann \u2014 die Arbeiterklasse, das \u00abIndustrieproletariat\u00bb; \u2014 es wird das Ziel gewiesen, das diese Klasse sich stecken mu\u00df \u2014 \u00ab\u00dcbergang aller Produktionsmittel und Produktionsg\u00fcter in gesellschaftliches Eigentum\u00bb, \u00abAbschaffung der Warenproduktion\u00bb und \u00abihre Ersetzung durch ein neues System gesellschaftlicher Produktion\u00bb, \u00abdie kommunistische Revolution\u00bb; \u2014 es wird die \u00abunvermeidliche Vorbedingung\u00bb einer \u00abUmgestaltung der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse\u00bb genannt: \u00abdie Eroberung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse\u00bb; \u2014 es wird eingegangen auf die internationale Solidarit\u00e4t des Proletariats und die Notwendigkeit eines \u00abElements der Verschiedenartigkeit in den Programmen der Sozialdemokraten verschiedener Staaten entsprechend den gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen jedes einzelnen von ihnen\u00bb; \u2014 es wird die Besonderheit Ru\u00dflands aufgezeigt, \u00abwo die werkt\u00e4tigen Massen unter dem doppelten Joch des sich entwickelnden Kapitalismus und der \u00fcberlebten Patriarchalwirtschaft leben\u00bb; \u2014 es wird der Zusammenhang der russischen revolution\u00e4ren Bewegung mit dem Proze\u00df der (durch die Kr\u00e4fte des sich entwickelnden Kapitalismus erfolgenden) Schaffung \u00abeiner neuen Klasse des Industrieproletariats \u2014 einer aufnahmef\u00e4higeren, beweglicheren und entwickelteren Klasse\u00bb gezeigt; \u2014 es wird die Notwendigkeit, eine \u00abrevolution\u00e4re Arbeiterpartei\u00bb zu gr\u00fcnden, und ihre \u00aberste politische Aufgabe\u00bb aufgezeigt: \u00abSturz des Absolutismus\u00bb; \u2014 es werden die \u00abMittel des politischen Kampfes\u00bb genannt und seine Hauptforderungen aufgestellt.<\/p>\n<p>Alle diese Elemente des Programms sind unserer Meinung nach in einem Programm der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei absolut notwendig \u2014 sie alle stellen Thesen dar, die seither immer und immer wieder sowohl durch die Entwicklung der sozialistischen Theorie als auch durch die Entwicklung der Arbeiterbewegung in allen L\u00e4ndern Best\u00e4tigung gefunden haben \u2014 insbesondere durch die Entwicklung der russischen gesellschaftlichen Anschauungen und der russischen Arbeiterbewegung. Infolgedessen k\u00f6nnen und m\u00fcssen unserer Meinung nach die russischen Sozialdemokraten dem Programm der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Ru\u00dflands gerade den Entwurf der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb zugrunde legen \u2014 einen Entwurf, der nur in Einzelheiten redaktioneller \u00c4nderungen, Korrekturen und Erg\u00e4nzungen bedarf.<\/p>\n<p>Versuchen wir, von diesen, Einzelheiten betreffenden \u00c4nderungen diejenigen aufzuf\u00fchren, die uns zweckm\u00e4\u00dfig erscheinen und \u00fcber die ein Meinungsaustausch unter allen russischen Sozialdemokraten und klassenbewu\u00dften Arbeitern herbeigef\u00fchrt werden sollte.<\/p>\n<p>Vor allem mu\u00df nat\u00fcrlich der Aufbau des Programms etwas ge\u00e4ndert werden: Im Jahre 1885 handelte es sich um das Programm einer Gruppe im Ausland befindlicher Revolution\u00e4re, die den einzigen erfolgversprechenden Entwicklungsweg der Bewegung richtig zu bestimmen wu\u00dften, es jedoch damals noch nicht mit einer einigerma\u00dfen breiten und selbst\u00e4ndigen Arbeiterbewegung in Ru\u00dfland zu tun hatten. Im Jahre 1900 handelt es sich bereits um das Programm einer Arbeiterpartei, die von einer ganzen Reihe russischer sozialdemokratischer Organisationen gegr\u00fcndet worden ist. Abgesehen von den redaktionellen \u00c4nderungen, die infolgedessen notwendig sind (und auf die nicht n\u00e4her eingegangen zu werden braucht, weil sie sich von selbst verstehen), ergibt sich aus diesem Unterschied auch die Notwendigkeit, den \u00f6konomischen Entwicklungsproze\u00df, der die materiellen und geistigen Voraussetzungen der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung hervorbringt, sowie den proletarischen Klassenkampf, dessen Organisierung sich die sozialdemokratische Partei zur Aufgabe macht, in den Vordergrund zu r\u00fccken und st\u00e4rker zu betonen. Die Charakteristik der Grundz\u00fcge des heutigen Wirtschaftssystems in Ru\u00dfland und seiner Entwicklung m\u00fc\u00dfte zum Angelpunkt des Programms gemacht werden (vgl. im Programm der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb: \u00abDer Kapitalismus hat in Ru\u00dfland seit Aufhebung der Leibeigenschaft riesige Fortschritte gemacht. Das alte System der Naturalwirtschaft macht der Warenproduktion Platz&#8230;\u00bb) und danach m\u00fc\u00dfte die Haupttendenz des Kapitalismus umrissen werden: Spaltung des Volkes in Bourgeoisie und Proletariat, \u00abwachsende Masse des Elends, des Drucks, der Knechtung, der Degradation, der Ausbeutung\u00bb<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Diese letztangef\u00fchrten ber\u00fchmten Worte von Marx werden im zweiten Absatz des Erfurter Programms der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands wiederholt; in letzter Zeit sind die Kritiker, die sich um Bernstein gruppieren, gerade \u00fcber diesen Punkt besonders heftig hergefallen, wobei sie die alten Einw\u00e4nde der b\u00fcrgerlichen Liberalen und Sozialpolitiker gegen die \u00abVerelendungstheorie\u00bb wiederholen. Unserer Meinung nach hat die Polemik, die aus diesem Anla\u00df gef\u00fchrt wurde, die v\u00f6llige Unhaltbarkeit einer derartigen \u00abKritik\u00bb vollauf bewiesen. Bernstein selbst hat die Richtigkeit dieser Worte von Marx in dem Sinne zugegeben, da\u00df sie eine Tendenz des Kapitalismus kennzeichnen \u2014 eine Tendenz, die Wirklichkeit wird ohne den Klassenkampf des Proletariats gegen diese Tendenz, ohne die von der Arbeiterklasse erk\u00e4mpften Arbeiterschutzgesetze. Gerade in Ru\u00dfland sehen wir gegenw\u00e4rtig, wie die erw\u00e4hnte Tendenz sich mit au\u00dferordentlicher St\u00e4rke auf die Bauernschaft und auf die Arbeiterschaft auswirkt. Weiter aber hat Kautsky gezeigt, da\u00df die Worte von der \u00abwachsenden Masse des Elends usw.\u00bb nicht nur als Charakteristik einer Tendenz richtig sind, sondern auch als Hinweis auf die Zunahme des \u00absozialen Elends\u00bb, d. h. auf das wachsende Mi\u00dfverh\u00e4ltnis zwischen der Lage des Proletariats und dem Lebensniveau der Bourgeoisie \u2014 einem Niveau von gesellschaftlichen Bed\u00fcrfnissen, die zusammen mit dem riesigen Wachstum der Arbeitsproduktivit\u00e4t steigen. Schlie\u00dflich sind diese Worte auch noch in dem Sinne richtig, da\u00df die Zunahme des Elends \u2014 und zudem nicht nur des \u00absozialen\u00bb Elends, sondern auch des furchtbarsten physischen Elends, bis zum Hunger und Hungertod einschlie\u00dflich \u2014 \u00abin den Grenzgebieten\u00bb des Kapitalismus (d. h. in den L\u00e4ndern und in den Zweigen der Volkswirtschaft, in denen der Kapitalismus eben erst entsteht und auf vorkapitalistische Zust\u00e4nde st\u00f6\u00dft) Massenausma\u00dfe annimmt. Jeder wei\u00df, da\u00df dies f\u00fcr Ru\u00dfland in einem zehnfach h\u00f6heren Ma\u00dfe zutrifft als f\u00fcr irgendein anderes europ\u00e4isches Land. Also m\u00fcssen unserer Meinung nach die Worte von der \u00abwachsenden Masse des Elends, des Drucks, der Knechtung, der Degradation, der Ausbeutung\u00bb unbedingt in das Programm aufgenommen werden \u2014 erstens, weil sie die grundlegenden und wesentlichen Eigenschaften des Kapitalismus absolut richtig charakterisieren, weil sie gerade den Proze\u00df charakterisieren, der sich vor unseren Augen vollzieht und der eine der Hauptbedingungen ist, die die Arbeiterbewegung und den Sozialismus in Ru\u00dfland hervorbringen; zweitens, weil diese Worte ein riesiges Material f\u00fcr die Agitation liefern, da sie eine ganze Reihe von Erscheinungen res\u00fcmieren, die die Arbeitermassen am meisten bedr\u00fccken, aber auch am meisten emp\u00f6ren (Arbeitslosigkeit, niedriger Arbeitslohn, Unterern\u00e4hrung, Hungersn\u00f6te, drakonische Disziplin des Kapitals, Prostitution, wachsende Zahl der Dienerschaft usw. und dgl. mehr) ; drittens, weil wir uns durch diese genaue Kennzeichnung der verderblichen Auswirkungen des Kapitalismus und der Notwendigkeit, der Unvermeidlichkeit der Emp\u00f6rung der Arbeiter von den halbschl\u00e4chtigen Elementen abgrenzen, die mit dem Proletariat \u00absympathisieren\u00bb und \u00abReformen\u00bb zu seinen Gunsten verlangen und zugleich bestrebt sind, die \u00abgoldene Mitte\u00bb zwischen Proletariat und Bourgeoisie, zwischen der autokratischen Regierung und den Revolution\u00e4ren einzunehmen. Die Abgrenzung von diesen Leuten aber ist gegenw\u00e4rtig besonders notwendig, wenn wir eine einige und geschlossene Arbeiterpartei schaffen wollen, die einen entschlossenen und unbeirrbaren Kampf f\u00fcr politische Freiheit und f\u00fcr den Sozialismus f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Hier m\u00fcssen ein paar Worte \u00fcber unsere Haltung zum Erfurter Programm gesagt werden. Aus dem vorstehend Gesagten hat jeder bereits ersehen, da\u00df wir es f\u00fcr notwendig halten, an dem Entwurf der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb \u00c4nderungen vorzunehmen, die das Programm der russischen Sozialdemokraten dem Programm der deutschen Sozialdemokraten ann\u00e4hern. Wir f\u00fcrchten uns nicht im geringsten zu sagen, da\u00df wir das Erfurter Programm nachahmen wollen: an der Nachahmung dessen, was gut ist, ist nichts Schlimmes, und gerade jetzt, wo man so h\u00e4ufig eine opportunistische und halbschl\u00e4chtige Kritik an diesem Programm h\u00f6rt, halten wir es f\u00fcr unsere Pflicht, uns offen f\u00fcr das Erfurter Programm auszusprechen. Aber Nachahmung soll auf keinen Fall einfaches Abschreiben sein. Nachahmung und Entlehnung sind insoweit durchaus berechtigt, als wir in Ru\u00dfland die gleichen grundlegenden Entwicklungsprozesse des Kapitalismus, die gleichen grundlegenden Aufgaben der Sozialisten und der Arbeiterklasse sehen, aber sie d\u00fcrfen auf keinen Fall dazu f\u00fchren, die &#8218;Besonderheiten Ru\u00dflands, die in den Besonderheiten unseres Programms vollen Ausdrudk finden m\u00fcssen, zu vergessen. Vorauseilend wollen wir schon jetzt darauf hinweisen, da\u00df diese Besonderheiten sich erstens auf unsere politischen Aufgaben und Kampfmittel beziehen; zweitens auf den Kampf gegen alle \u00dcberreste des patriarchalischen, vorkapitalistischen Regimes und auf die durch diesen Kampf verursachte besondere Stellung der Bauernfrage.<\/p>\n<p>Nach diesem notwendigen Vorbehalt gehen wir weiter. Der Erkl\u00e4rung \u00fcber die \u00abwachsende Masse des Elends\u00bb mu\u00df eine Charakteristik des proletarischen Klassenkampfes folgen\u2014Darlegung des Ziels dieses Kampfes (\u00dcbergang aller Produktionsmittel in gesellschaftliches Eigentum und Ersetzung der kapitalistischen Produktion durch die sozialistische) \u2014 Darlegung des internationalen Charakters der Arbeiterbewegung \u2014 Darlegung des politischen Charakters des Klassenkampfes und seines n\u00e4chsten Ziels (Eroberung politischer Freiheit). Die Anerkennung des Kampfes gegen die Selbstherrschaft und f\u00fcr politische Freiheit als erste politische Aufgabe der Arbeiterpartei ist besonders notwendig, zur Erl\u00e4uterung dieser Aufgabe aber ist unserer Meinung nach darzulegen der Klassencharakter des heutigen russischen Absolutismus und die Notwendigkeit seines Sturzes nicht nur im Interesse der Arbeiterklasse, sondern auch im Interesse der gesamten gesellschaftlichen Entwicklung \u00fcberhaupt. Eine solche Erkl\u00e4rung ist sowohl in theoretischer Beziehung notwendig, denn vom Standpunkt der Grundideen des Marxismus stehen die Interessen der gesellschaftlichen Entwicklung h\u00f6her als die Interessen des Proletariats \u2014 die Interessen der ganzen Arbeiterbewegung in ihrer Gesamtheit h\u00f6her als die Interessen einer einzelnen Arbeiterschicht oder einzelner Momente der Bewegung; \u2014 als auch in praktischer Beziehung, um den zentralen Punkt zu bezeichnen, zu dem die ganze mannigfaltige, aus Propaganda, Agitation und Organisation bestehende T\u00e4tigkeit der Sozialdemokratie hinstrebt, und um den sich diese T\u00e4tigkeit gruppieren mu\u00df. Au\u00dferdem, glauben wir, sollte auch ein besonderer Absatz des Programms der Erkl\u00e4rung gewidmet werden, da\u00df dieSozialdemokratische Arbeiterpartei es sich zur Aufgabe macht, jede revolution\u00e4re Bewegung gegen den Absolutismus zu unterst\u00fctzen und den Kampf zu f\u00fchren gegen alle Versuche der autokratischen Regierung, das politische Bewu\u00dftsein des Volkes durch b\u00fcrokratische Bevormundung und Scheinalmosen zu korrumpieren und zu tr\u00fcben, durch jene demagogische Politik, die unsere deutschen Genossen \u00abPeitsche und Zuckerbrot\u00bb genannt haben. Zuckerbrot \u2014 das sind Almosen f\u00fcr diejenigen, die teilweiser und einzelner Verbesserungen der materiellen Lage wegen sich von ihren politischen Forderungen lossagen und gef\u00fcgige Sklaven der Polizeiwillk\u00fcr bleiben (f\u00fcr die Studenten Gemeinschaftswohnungen und dgl. mehr, und f\u00fcr die Arbeiter braucht man nur zu erinnern an die Proklamationen des Finanzministers Witte w\u00e4hrend der Petersburger Streiks von 1896 und 1897 oder an die Reden zum Schutze der Arbeiter, die von Vertretern des Innenministeriums in der Kommission f\u00fcr den Erla\u00df des Gesetzes vom 2. VI. 1897 gehalten worden sind). Peitsche \u2014 das sind die verst\u00e4rkten Verfolgungsma\u00dfnahmen gegen diejenigen, die trotz dieser Almosen K\u00e4mpfer f\u00fcr die politische Freiheit bleiben (Zwangsrekrutierung von Studenten<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>; das Rundschreiben vom 12. VIII. 1897 \u00fcber die Verschickung von Arbeitern nach Sibirien; verst\u00e4rkte Verfolgungen gegen die Sozialdemokratie und dgl. mehr). Das Zuckerbrot soll Schwache k\u00f6dern, bestechen und demoralisieren; die Peitsche soll ehrliche und bewu\u00dfte K\u00e4mpfer f\u00fcr die Sache der Arbeiter und des ganzen Volkes einsch\u00fcchtern und \u00abunsch\u00e4dlich machen\u00bb. Solange der Absolutismus existiert (und wir m\u00fcssen heute unser Programm eben mit Hinsicht auf die Tatsache abfassen, da\u00df der Absolutismus existiert, denn sein Sturz wird unvermeidlich eine so gro\u00dfe Ver\u00e4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse herbeif\u00fchren, da\u00df die Arbeiterpartei gen\u00f6tigt ist, die Formulierung ihrer n\u00e4chsten politischen Aufgaben wesentlich zu \u00e4ndern), solange der Absolutismus existiert, haben wir eine st\u00e4ndige Wiederholung und Verst\u00e4rkung dieser demagogischen Ma\u00dfnahmen der Regierung zu erwarten, und folglich m\u00fcssen wir systematisch gegen sie k\u00e4mpfen, indem wir die Verlogenheit der polizeilichen Volksbegl\u00fccker entlarven, indem wir den Zusammenhang der Reformen der Regierung mit dem Kampf der Arbeiter zeigen, indem wir das Proletariat lehren, sich jede Reform zunutze zu machen, um seine Kampfposition zu st\u00e4rken, um die Arbeiterbewegung auszubreiten und zu vertiefen. Die Erkl\u00e4rung, da\u00df wir alle K\u00e4mpfer gegen den Absolutismus unterst\u00fctzen, ist im Programm eben deshalb notwendig, weil die russische Sozialdemokratie, die mit den fortgeschrittenen Elementen der russischen Arbeiterklasse unaufl\u00f6slich verschmolzen ist, das gesamtdemokratische Banner hissen mu\u00df, um alle Schichten und Elemente um sich zu gruppieren, die f\u00e4hig sind, f\u00fcr die politische Freiheit zu k\u00e4mpfen oder wenigstens diesen Kampf in irgendeiner Weise zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Das ist unsere Ansicht von den Forderungen, denen der prinzipielle Teil unseres Programms gerecht werden mu\u00df, und von den grundlegenden Thesen, die darin so genau und pr\u00e4gnant wie m\u00f6glich zum Ausdrucke kommen m\u00fcssen. Aus dem Programmentwurf der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb m\u00fcssen unserer Meinung nach wegfallen (aus dem prinzipiellen Teil): 1. die Hinweise auf die Form des b\u00e4uerlichen Bodenbesitzes (\u00fcber die Bauernfrage werden wir weiter unten sprechen); 2. die Hinweise auf die Ursachen der \u00abUnbest\u00e4ndigkeit\u00bb usw. der Intelligenz; 3. der Punkt \u00fcber \u00abdie Abschaffung des gegenw\u00e4rtigen Systems der politischen Vertretung und seine Ersetzung durch die direkte Volksgesetzgebung\u00bb; 4. der Punkt \u00fcber die \u00abMittel des politischen Kampfes\u00bb. Wir sehen freilich in diesem letztgenannten Punkt nichts Veraltetes oder Unrichtiges: wir glauben im Gegenteil, da\u00df die Mittel gerade die sein m\u00fcssen, die die Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb aufgezeigt hat (Agitation, revolution\u00e4re Organisation, \u00abim geeigneten Augenblick\u00bb \u00dcbergang zum entschlossenen Angriff, der, im Prinzip, auch auf den Terror nicht verzichtet), aber wir glauben, da\u00df das Programm einer Arbeiterpartei f\u00fcr Hinweise auf die Mittel der T\u00e4tigkeit, die im Programm einer Auslandsgruppe von Revolution\u00e4ren im Jahre 1885 notwendig waren, nicht der geeignete Platz ist. Das Programm mu\u00df die Frage der Mittel offenlassen und die Wahl der Mittel den k\u00e4mpfenden Organisationen und den Parteitagen, die die Taktik der Partei festlegen, \u00fcberlassen. Fragen der Taktik aber k\u00f6nnen kaum ins Programm aufgenommen werden (mit Ausnahme der wesentlichsten und prinzipiellsten Fragen, wie die Frage nach dem Verh\u00e4ltnis zu den anderen K\u00e4mpfern gegen den Absolutismus). Die Fragen der Taktik werden, in dem Ma\u00dfe, wie sie auftauchen, in der Zeitung der Partei er\u00f6rtert und auf den Parteitagen endg\u00fcltig entschieden werden. Hierher geh\u00f6rt unserer Meinung nach auch die Frage des Terrors. Die Er\u00f6rterung dieser Frage \u2014 eine Er\u00f6rterung nat\u00fcrlich nicht von der prinzipiellen, sondern von der taktischen Seite her \u2014 mu\u00df von den Sozialdemokraten unbedingt begonnen werden, denn die Entwicklung der Bewegung f\u00fchrt von selbst, spontan dazu, da\u00df immer h\u00e4ufiger Spione get\u00f6tet werden und da\u00df die leidenschaftliche Emp\u00f6rung in den Reihen der Arbeiter und der Sozialisten st\u00e4rker wird, da diese sehen, da\u00df ein gr\u00f6\u00dferer und immer gr\u00f6\u00dferer Teil ihrer Genossen in Einzelzellen und in den Verbannungsorten zu Tode gequ\u00e4lt wird. Um keinen Platz f\u00fcr Unklarheiten zu lassen, wollen wir gleich hier sagen, da\u00df unserer pers\u00f6nlichen Meinung nach der Terror gegenw\u00e4rtig ein unzweckm\u00e4\u00dfiges Kampfmittel ist, da\u00df die Partei {als Partei) ihn ablehnen mu\u00df (bis zu einer \u00c4nderung der Verh\u00e4ltnisse, die auch einen Wechsel der Taktik hervorrufen k\u00f6nnte) und alle ihre Kr\u00e4fte konzentrieren mu\u00df auf die Festigung der Organisation und die regelm\u00e4\u00dfige Zustellung von Literatur. Hier ist nicht der Ort, eingehender davon zu sprechen.<\/p>\n<p>Was die Frage der direkten Volksgesetzgebung betrifft, so scheint uns, da\u00df man sie gegenw\u00e4rtig \u00fcberhaupt nicht ins Programm aufnehmen soll. Man darf nicht prinzipiell den Sieg des Sozialismus mit der Abl\u00f6sung des Parlamentarismus durch die direkte Volksgesetzgebung verbinden. Dies haben nach unserer Ansicht die Debatten \u00fcber das Erfurter Programm und Kautskys Buch \u00fcber Volksgesetzgebung bewiesen. Kautsky erkennt der Volksgesetzgebung (auf Grund einer historischen und politischen Analyse) unter den folgenden Bedingungen einen gewissen Nutzen zu: 1. Fehlen des Gegensatzes zwischen Stadt und Land oder ein \u00fcberwiegen der St\u00e4dte; 2. Bestehen hochentwickelter politischer Parteien; 3. \u00abFehlen einer \u00fcberm\u00e4\u00dfig zentralisierten, der Volksvertretung selbst\u00e4ndig gegen\u00fcberstehenden Staatsgewalt\u00bb. In Ru\u00dfland sehen wir v\u00f6llig entgegengesetzte Bedingungen, und die Gefahr, da\u00df die \u00abVolksgesetzgebung\u00bb zu einem imperialistischen \u00abPlebiszit\u00bb ausartet, w\u00e4re bei uns besonders gro\u00df. Wenn Kautsky 1893 von Deutschland und \u00d6sterreich sagte: \u00abF\u00fcr uns Osteurop\u00e4er geh\u00f6rt sie\u00bb (die direkte Volksgesetzgebung) \u00abin das Inventar des ,Zukunftsstaates&#8217;\u00bb, so braucht man von Ru\u00dfland gar nicht erst zu reden. Wir glauben deshalb, da\u00df wir uns jetzt, wo in Ru\u00dfland die Selbstherrschaft besteht, auf die Forderung nach einer \u00abdemokratischen Verfassung\u00bb beschr\u00e4nken und die ersten beiden Punkte des praktischen Teils im Programm der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb den ersten beiden Punkten des praktischen Teils im \u00abErfurter Programm\u00bb vorziehen sollten.<\/p>\n<p>Kommen wir zum praktischen Teil des Programms. Dieser Teil zerf\u00e4llt unserer Meinung nach, wenn nicht in der Darstellung, so doch dem Wesen der Sache nach in drei Abschnitte: 1. Forderungen nach gesamtdemokratischen Umbildungen, 2. Forderungen nach Arbeiterschutzma\u00dfnahmen und 3. Forderungen nach Ma\u00dfnahmen im Interesse der Bauern. Im ersten Abschnitt ist es wohl kaum erforderlich, wesentliche \u00c4nderungen am \u00abProgrammentwurf\u00bb der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb vorzunehmen, der fordert: 1. allgemeines Wahlrecht; 2. Di\u00e4ten f\u00fcr Volksvertreter; 3. allgemeine, weltliche, unentgeltliche und obligatorische Schulbildung usw.; 4. Unantastbarkeit der Person und der Wohnungen der B\u00fcrger; 5. unbeschr\u00e4nkte Freiheit des Gewissens, des Worts, der Versammlungen usw. (hier sollte vielleicht speziell hinzugef\u00fcgt werden: Streikfreiheit); 6. Freiz\u00fcgigkeit und Gewerbefreiheit (hier sollte vielleicht hinzugef\u00fcgt werden: \u00abFreiheit der Umsiedlung\u00bb und \u00abv\u00f6llige Abschaffung der P\u00e4sse\u00bb); 7. volle Gleichberechtigung aller B\u00fcrger usw.; 8. Ersetzung des stehenden Heeres durch allgemeine Volksbewaffnung; 9. \u00abRevision unserer gesamten Zivil- und Strafgesetzgebung, Abschaffung der St\u00e4ndeordnung und der Strafen, die mit der Menschenw\u00fcrde unvereinbar sind\u00bb. Hier sollte hinzugef\u00fcgt werden: \u00abv\u00f6llige rechtliche Gleichstellung der Frau mit dem Manne\u00bb. Ebenfalls in diesen Abschnitt sollte die Forderung nach Finanzreformen aufgenommen werden, die im Programm der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb unter den Forderungen formuliert ist, die \u00abdie Arbeiterpartei, gest\u00fctzt auf diese politischen Grundrechte, aufstellen wird\u00bb \u2014 \u00abAbschaffung des gegenw\u00e4rtigen Steuersystems und Einf\u00fchrung einer progressiven Einkommensteuer\u00bb. Platz finden m\u00fc\u00dfte hier schlie\u00dflich auch die Forderung nach \u00abWahl der Beamten durch das Volk; Berechtigung jedes B\u00fcrgers, jeden beliebigen Beamten ohne Beschwerde bei der \u00fcbergeordneten Beh\u00f6rde gerichtlich zu belangen\u00bb.<\/p>\n<p>Im zweiten Abschnitt der praktischen Forderungen finden wir im Programm der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb die allgemeine Forderung nach \u00abgesetzlicher Regelung der Beziehungen der (st\u00e4dtischen und l\u00e4ndlichen) Arbeiter zu den Unternehmern und Organisierung einer entsprechenden Inspektion, in der die Arbeiter vertreten sind\u00bb. Wir glauben, die Arbeiterpartei mu\u00df die Forderungen zu diesem Punkt ausf\u00fchrlicher und eingehender darlegen, sie mu\u00df fordern: 1. den Achtstundentag; 2. das Verbot der Nachtarbeit, das Verbot der Arbeit von Kindern unter 14 Jahren; 3. f\u00fcr jeden Arbeiter in der Woche eine ununterbrochene Ruhepause von mindestens 36 Stunden; 4. die Ausdehnung der Fabrikgesetze und der Fabrikinspektion auf alle Zweige der Industrie und Landwirtschaft, auf die staatlichen Fabriken, die Handwerksbetriebe und die zu Hause arbeitenden Kustare. Wahl von Inspektorengehilfen, die die gleichen Rechte haben wie die Inspektoren, durch die Arbeiter, 5. Bildung von Industrie- und Landwirtschaftsgerichten in allen Zweigen der Industrie und Landwirtschaft mit Richtern, die von den Unternehmern und den Arbeitern parit\u00e4tisch gew\u00e4hlt werden; 6. unbedingtes, \u00fcberall geltendes Verbot der Entlohnung in Waren; 7. gesetzliche Haftpflicht der Fabrikanten f\u00fcr alle Unf\u00e4lle und Verst\u00fcmmelungen von Arbeitern in der Industrie wie auf dem Lande; 8. eine gesetzliche Vorschrift, da\u00df in allen F\u00e4llen von Lohnarbeit die Lohnzahlung mindestens einmal w\u00f6chentlich erfolgen mu\u00df; 9. Aufhebung aller Gesetze, die die Gleichberechtigung von Unternehmern und Arbeitern verletzen (z. B. der Gesetze \u00fcber die strafrechtliche Verantwortung der Fabrik- und Landarbeiter wegen Aufgabe der Arbeitsstelle; der Gesetze, die den Unternehmern bedeutend mehr Freiheit geben, den Arbeitsvertrag zu l\u00f6sen, als den Arbeitern usw.)- (Es versteht sich von selbst, da\u00df wir die erw\u00fcnschten Forderungen nur skizzieren, ohne ihnen die f\u00fcr den Entwurf erforderliche endg\u00fcltige Formulierung zu geben.) Dieser Abschnitt des Programms mu\u00df (in Verbindung mit dem Vorhergehenden) die grundlegenden Leits\u00e4tze f\u00fcr die Agitation liefern, ohne nat\u00fcrlich die Agitatoren irgendwie daran zu hindern, in einzelnen Gegenden, Produktionszweigen, Fabriken usw. andere, etwas ver\u00e4nderte, konkretere, mehr ins einzelne gehende Forderungen aufzustellen. Bei Abfassung dieses Programmabschnitts m\u00fcssen wir deshalb bestrebt sein, zwei Extreme zu vermeiden: Einerseits darf keine der wichtigen, grundlegenden Forderungen, die von wesentlicher Bedeutung f\u00fcr die ganze Arbeiterklasse sind, ausgelassen werden; anderseits d\u00fcrfen wir uns nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig in Einzelheiten verlieren, da es unrationell w\u00e4re, das Programm mit ihnen vollzustopfen.<\/p>\n<p>Die Forderung nach \u00abStaatshilfe f\u00fcr Produktivgenossenschaften\u00bb, die im Programm der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb steht, mu\u00df unserer Meinung nach \u00fcberhaupt aus dem Programm gestrichen werden. Sowohl die Erfahrungen anderer L\u00e4nder und theoretische Erw\u00e4gungen als auch die Besonderheiten des russischen Lebens (die Neigung der b\u00fcrgerlichen Liberalen und der Polizeiregierung, mit \u00abArtels\u00bb und mit der \u00abProtektion\u00bb der \u00abVolksindustrie\u00bb zu lieb\u00e4ugeln, usw.) \u2014 all das spricht gegen die Aufstellung dieser Forderung. (Nat\u00fcrlich stand die Sache vor 15 Jahren in vielen Beziehungen anders, und damals war es nat\u00fcrlich, da\u00df die Sozialdemokraten eine derartige Forderung in ihr Programm aufnahmen.)<\/p>\n<p>Bleibt der letzte \u2014 dritte \u2014 Abschnitt des praktischen Programmteils: die Forderungen in der Bauernfrage. Im Programm der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb finden wir eine solche Forderung, und zwar die Forderung nach \u00abradikaler Revision unserer Agrarverh\u00e4ltnisse, d. h. der Bedingungen f\u00fcr den Loskauf des Bodens und f\u00fcr seine Zuweisung an die Bauerngemeinden. Den Bauern, die das angemessen finden, ist das Recht einzur\u00e4umen, auf den Bodenanteil zu verzichten und aus der Dorfgemeinde auszuscheiden, und dgl. mehr.\u00bb<\/p>\n<p>Mir scheint, da\u00df der hier zum Ausdruck gebrachte Grundgedanke absolut richtig ist und da\u00df die Sozialdemokratische Arbeiterpartei wirklich in ihrem Programm eine entsprechende Forderung aufstellen mu\u00df (ich sage: eine entsprechende, denn einige \u00c4nderungen erscheinen mir w\u00fcnschenswert).<\/p>\n<p>Meine Auffassung von dieser Frage ist die folgende. Die Bauernfrage in Ru\u00dfland unterscheidet sich wesentlich von der Bauernfrage im Westen, aber sie-unterscheidet sich nur dadurch, da\u00df es sich im Westen fast ausschlie\u00dflich um den Bauern in einer kapitalistischen, b\u00fcrgerlichen Gesellschaft handelt, in Ru\u00dfland dagegen haupts\u00e4chlich um den Bauern, der unter vorkapitalistischen Einrichtungen und Verh\u00e4ltnissen nicht weniger (wenn nicht mehr) zu leiden hat, der unter den \u00dcberresten der Leibeigenschaft zu leiden hat. Die Rolle der Bauernschaft als einer Klasse, die K\u00e4mpfer gegen den Absolutismus und gegen die \u00dcberreste der Leibeigenschaft stellt, ist im Westen bereits ausgespielt, in Ru\u00dfland noch nicht. Im Westen ist das Industrieproletariat seit langem und scharf vom Dorfe getrennt, und diese Trennung ist bereits durch entsprechende Rechtsinstitutionen verankert. In Ru\u00dfland \u00abist das Industrieproletariat nach seinen Bestandselementen und Existenzbedingungen noch in hohem Grade mit dem Dorf verbunden\u00bb (P. B. Axelrod, zitierte Brosch\u00fcre, S. 11). Freilich geht der Proze\u00df der Aufl\u00f6sung der Bauernschaft in Kleinbourgeoisie und Lohnarbeiter bei uns mit gro\u00dfer Kraft, mit erstaunlicher Geschwindigkeit vor sich, aber dieser Proze\u00df ist bei weitem noch nicht abgeschlossen, und \u2014 was die Hauptsache ist \u2014 dieser Proze\u00df vollzieht sich bei uns noch im Rahmen der alten, fronherrschaftlichen Institutionen, die alle Bauern durch die schwere Kette der solidarischen Haftung und der fiskalischen Dorfgemeinschaft fesseln. Der russische Sozialdemokrat, selbst wenn er (wie der Schreiber dieser Zeilen) zu den entschiedenen Gegnern des Schutzes oder der Unterst\u00fctzung des Kleineigentums oder der kleinen Wirtschaft in der kapitalistischen Gesellschaft geh\u00f6rt, d. h., selbst wenn er sich auch in der Agrarfrage (wie der Schreiber dieser Zeilen) auf die Seite derjenigen Marxisten stellt, die von allen m\u00f6glichen Bourgeois und Opportunisten heute gern als \u00abDogmatiker\u00bb und \u00abRechtgl\u00e4ubige\u00bb beschimpft werden, kann und mu\u00df somit, ohne im mindesten seinen \u00dcberzeugungen untreu zu werden, ja, im Gegenteil, gerade kraft dieser \u00dcberzeugungen, daf\u00fcr eintreten, da\u00df die Arbeiterpartei die Unterst\u00fctzung der Bauernschaft auf ihr Banner schreibt (keineswegs als einer Klasse von Kleineigent\u00fcmern oder kleinen Landwirten), soweit diese Bauernschaft zum revolution\u00e4ren Kampf gegen die \u00dcberreste der Leibeigenschaft im allgemeinen und gegen den Absolutismus im besonderen f\u00e4hig ist. Erkl\u00e4ren wir Sozialdemokraten doch alle, da\u00df wir bereit sind, auch die Gro\u00dfbourgeoisie zu unterst\u00fctzen, soweit sie zum revolution\u00e4ren Kampf gegen die erw\u00e4hnten Erscheinungen f\u00e4hig ist \u2014 wie also k\u00f6nnen wir der viele Millionen z\u00e4hlenden Klasse der Kleinbourgeoisie, die durch allm\u00e4hliche \u00dcberg\u00e4nge mit dem Proletariat verschmilzt, eine solche Unterst\u00fctzung versagen? Wenn die Unterst\u00fctzung liberaler Forderungen der Gro\u00dfbourgeoisie nicht die Unterst\u00fctzung der Gro\u00dfbourgeoisie bedeutet, so bedeutet doch auch die Unterst\u00fctzung der demokratischen Forderungen der Kleinbourgeoisie keineswegs eine Unterst\u00fctzung der Kleinbourgeoisie: im Gegenteil, gerade die Entwicklung, die Ru\u00dfland politische Freiheit geben wird, wird mit besonderer Kraft dazu f\u00fchren, da\u00df die kleine Wirtschaft unter den Schl\u00e4gen des Kapitals zugrunde geht. Mir scheint, da\u00df es in diesem Punkt unter Sozialdemokraten keine Streitigkeiten geben wird. Die ganze Frage ist also die: 1. Wie gerade solche Forderungen ausgearbeitet werden k\u00f6nnen, die nicht zur Unterst\u00fctzung der Kleinbesitzer in der kapitalistischen Gesellschaft abgleiten, und 2. ob unsere Bauernschaft wenigstens teilweise zum revolution\u00e4ren Kampf gegen die \u00dcberreste der Leibeigenschaft und gegen den Absolutismus f\u00e4hig ist. Beginnen wir mit der zweiten Frage. Wohl niemand wird bestreiten, da\u00df es in der russischen Bauernschaft revolution\u00e4re Elemente gibt. Bekannt sind die Tatsachen der Bauernaufst\u00e4nde gegen Gutsherren, gegen deren Verwalter, gegen die sie sch\u00fctzenden Beamten auch nach der Reform, bekannt sind die Tatsachen der Totschl\u00e4ge, Rebellionen usw. auf dem Lande. Bekannt ist die Tatsache der wachsenden Emp\u00f6rung in der Bauernschaft (in der sogar die armseligen Ans\u00e4tze von Bildung bereits das Gef\u00fchl menschlicher W\u00fcrde zu erwecken begonnen haben) gegen die barbarische Willk\u00fcr jener Bande wohlgeborenen Lumpenpacks, die unter dem Namen von Landeshauptleuten auf die Bauern losgelassen worden ist. Bekannt ist die Tatsache der immer h\u00e4ufiger werdenden Hungersn\u00f6te f\u00fcr Millionen des Volkes, die nicht teilnahmslose Zuschauer derartiger \u00abErn\u00e4hrungsschwierigkeiten\u00bb bleiben k\u00f6nnen. Bekannt ist die Tatsache, da\u00df sich in der Bauernschaft Sektenwesen und Rationalismus ausbreiten \u2014 der in religi\u00f6ser H\u00fclle auftretende politische Protest aber ist eine Erscheinung, die in einem bestimmten Entwicklungsstadium allen V\u00f6lkern und nicht nur Ru\u00dfland eigen ist. Das Vorhandensein revolution\u00e4rer Elemente in der Bauernschaft unterliegt also nicht dem geringsten Zweifel. Wir \u00fcbertreiben nicht im geringsten die Kraft dieser Elemente, wir vergessen nicht die politische Unentwickeltheit und Unbildung der Bauern, wir verwischen nicht im geringsten die Grenzscheide zwischen \u00abder sinnlosen und erbarmungslosen russischen Rebellion\u00bb und dem revolution\u00e4ren Kampf, wir vergessen nicht im geringsten, welche Unzahl von Mitteln die Regierung besitzt, um die Bauern politisch zu prellen und zu demoralisieren. Aber aus alledem folgt nur, da\u00df es unsinnig w\u00e4re, die Bauernschaft zum Tr\u00e4ger der revolution\u00e4ren Bewegung zu proklamieren, da\u00df eine Partei ohne jede Vernunft w\u00e4re, die den revolution\u00e4ren Charakter ihrer Bewegung von der revolution\u00e4ren Stimmung der Bauernschaft abh\u00e4ngig machen w\u00fcrde. Wir denken ja gar nicht daran, den russischen Sozialdemokraten irgend etwas Derartiges vorzuschlagen. Wir sagen lediglich, da\u00df die Arbeiterpartei, ohne die Grundgebote des Marxismus zu verletzen und einen gewaltigen politischen Fehler zu begehen, an den revolution\u00e4ren Elementen, die es auch in der Bauernschaft gibt, nicht vorbeigehen, diesen Elementen nicht die Unterst\u00fctzung versagen kann. Ob diese revolution\u00e4ren Elemente der russischen Bauernschaft es verm\u00f6gen, auch nur so in Erscheinung zu treten, wie die westeurop\u00e4ischen Bauern beim Sturz des Absolutismus in Erscheinung getreten sind \u2014 das ist eine Frage, auf die die Geschichte noch keine Antwort gegeben hat. Wenn sie es nicht verm\u00f6gen, so wird das weder dem guten Namen noch der Bewegung der Sozialdemokratie Abbruch tun, denn es ist nicht ihre Schuld, da\u00df die Bauernschaft auf ihren revolution\u00e4ren Appell nicht geantwortet hat (vielleicht nicht imstande war zu antworten). Die Arbeiterbewegung geht ihren Weg und wird ihn weitergehen, ungeachtet jedes wie immer gearteten Verrats der Gro\u00df- oder Kleinbourgeoisie. Wenn sie es verm\u00f6gen, so w\u00fcrde die Sozialdemokratie, die die Bauernschaft nicht dabei unterst\u00fctzt h\u00e4tte, f\u00fcr immer ihren guten Namen und das Recht verloren haben, als der Vork\u00e4mpfer der Demokratie zu gelten.<\/p>\n<p>Um zu der ersten oben gestellten Frage \u00fcberzugehen, m\u00fcssen wir sagen, da\u00df die Forderung nach \u00abradikaler Revision der Agrarverh\u00e4ltnisse\u00bb uns unklar vorkommt: vor 15 Jahren mag sie gen\u00fcgt haben, heute aber, wo wir richtunggebendes Material f\u00fcr die Agitation liefern und uns au\u00dferdem von den Verteidigern der kleinen Wirtschaften abgrenzen m\u00fcssen, die in der heutigen russischen Gesellschaft so zahlreich sind und so \u00abeinflu\u00dfreiche\u00bb Anh\u00e4nger finden wie die Herren Pobedonoszew, Witte und sehr viele Beamte des Innenministeriums, kann man sich mit ihr schwerlich zufriedengeben. Wir erlauben uns, den Genossen etwa die folgende Formulierung f\u00fcr den dritten Abschnitt des praktischen Teils unseres Programms zur Er\u00f6rterung zu unterbreiten:<\/p>\n<p>\u00abDie Sozialdemokratische Arbeiterpartei Ru\u00dflands, die jede revolution\u00e4re Bewegung gegen die heutige Staats- und Gesellschaftsordnung unterst\u00fctzt, erkl\u00e4rt, da\u00df sie der Bauernschaft Unterst\u00fctzung angedeihen l\u00e4\u00dft, soweit diese als die unter der Rechtlosigkeit des russischen Volkes und den \u00dcberresten der Leibeigenschaft in der russischen Gesellschaft am meisten leidende Klasse zum revolution\u00e4ren Kampf gegen die Selbstherrschaft f\u00e4hig ist.<\/p>\n<p>Von diesem Prinzip ausgehend, fordert die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Ru\u00dflands:<\/p>\n<ol>\n<li>Abschaffung der Loskauf- und Fronzinszahlungen sowie aller Lasten, die gegenw\u00e4rtig die Bauernschaft als abgabenpflichtiger Stand zu tragen hat.<\/li>\n<li>R\u00fcckerstattung des Geldes, das die Regierung und die Gutsherren den Bauern in Form von Loskaufzahlungen geraubt haben, an das Volk.<\/li>\n<li>Abschaffung der solidarischen Haftung und aller Gesetze, die die Verf\u00fcgungsgewalt des Bauern \u00fcber seinen Boden einschr\u00e4nken.<\/li>\n<li>Vernichtung aller \u00dcberreste fronherrschaftlicher Abh\u00e4ngigkeit der Bauern von den Gutsbesitzern, ob diese \u00dcberreste nun besonderen Gesetzen und Institutionen entspringen (z. B. die Lage der Bauern und der Arbeiter in den Bergbau- und H\u00fcttenrevieren des Ural) oder daraus, da\u00df die Bauern- und Gutsherrenl\u00e4ndereien immer noch nicht voneinander abgegrenzt sind (z. B. die \u00dcberreste der Servituten<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> in den Westgebieten), oder schlie\u00dflich daraus, da\u00df die Wegnahme von Bauernland (der Bodenabschnitte) durch den Gutsbesitzer die Bauern faktisch in die ausweglose Lage der fr\u00fcheren Fronbauern versetzt.<\/li>\n<li>Berechtigung der Bauern, im Gerichtswege die Herabsetzung einer \u00fcberm\u00e4\u00dfig hohen Pachtzahlung zu verlangen sowie die Gutsherren und \u00fcberhaupt alle Personen, die die Not der Bauern ausnutzen, um sie in Schuldknechtschaft zu verstricken, wegen Wuchers zu belangen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Auf die Motivierung dieses Vorschlags m\u00fcssen wir besonders ausf\u00fchrlich eingehen \u2014 nicht weil dieser Teil des Programms der wichtigste w\u00e4re, sondern weil er am meisten umstritten ist und weil er mit den allgemein festgestellten, von allen Sozialdemokraten anerkannten Wahrheiten im entferntesten Zusammenhang steht. Der einleitende Satz \u00fcber die (bedingte) \u00abUnterst\u00fctzung\u00bb der Bauernschaft scheint uns deshalb notwendig, weil das Proletariat, allgemein gesprochen, nicht die Verteidigung der Interessen einer Klasse von kleinen Unternehmern \u00fcbernehmen kann und darf; es kann sie lediglich insoweit unterst\u00fctzen, als sie revolution\u00e4r ist. Da nun gerade die Selbstherrschaft gegenw\u00e4rtig die ganze R\u00fcckst\u00e4ndigkeit Ru\u00dflands, alle \u00dcberreste der Leibeigenschaft, der Rechtlosigkeit und der \u00abpatriarchalischen\u00bb Knechtung in sich verk\u00f6rpert, so mu\u00df dargelegt werden, da\u00df die Arbeiterpartei die Bauernschaft nur insoweit unterst\u00fctzt, als sie zum revolution\u00e4ren Kampf gegen die Selbstherrschaft f\u00e4hig ist. Eine solche These wird offenbar durch die folgende These im Entwurf der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb ausgeschlossen: \u00abDie Hauptst\u00fctze des Absolutismus besteht gerade in der politischen Gleichg\u00fcltigkeit und geistigen R\u00fcckst\u00e4ndigkeit der Bauernschaft.\u00bb Dies aber ist ein Widerspruch nicht der Theorie, sondern des Lebens selbst, denn die Bauernschaft zeichnet sich (wie die Klasse der Kleinbesitzer \u00fcberhaupt) durch zwiesp\u00e4ltige Z\u00fcge aus. Ohne die bekannten \u00f6konomischen Argumente zu wiederholen, die die innerlich widerspruchsvolle Lage der Bauernschaft beweisen, wollen wir daran erinnern, da\u00df Marx die franz\u00f6sische Bauernschaft zu Beginn der f\u00fcnfziger Jahre wie folgt charakterisiert hat:<\/p>\n<p>&#8230; \u00abDie Dynastie Bonaparte repr\u00e4sentiert nicht den revolution\u00e4ren, sondern den konservativen Bauer, nicht den Bauer, der \u00fcber seine soziale Existenzbedingung, die Parzelle, hinausdr\u00e4ngt, sondern der sie vielmehr befestigen will, nicht das Landvolk, das durch eigne Energie im Anschlu\u00df an die St\u00e4dte die alte Ordnung umst\u00fcrzen, sondern umgekehrt dumpf verschlossen in dieser alten Ordnung sich mitsamt seiner Parzelle von dem Gespenste des Kaisertums gerettet und bevorzugt sehen will. Sie repr\u00e4sentiert nicht die Aufkl\u00e4rung, sondern den Aberglauben des Bauern, nicht sein Urteil, sondern sein Vorurteil, nicht seine Zukunft, sondern seine Vergangenheit, nicht seine modernen Cevennen, sondern seine moderne Vendee.\u00bb (Der 18. Brumaire, S. 99.)<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Eben die Unterst\u00fctzung jener Bauernschaft, die danach strebt, die \u00abalte Ordnung\u00bb umzust\u00fcrzen, d. h. in Ru\u00dfland zuerst und vor allem die-Selbstherrschaft, ist f\u00fcr die Arbeiterpartei notwendig. Die russischen Sozialdemokraten haben stets die Notwendigkeit anerkannt, aus der Doktrin und Richtung der Volkst\u00fcmlerei die revolution\u00e4re Seite zu entnehmen und sie sich zu eigen zu machen.<\/p>\n<p>Im Programm der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb findet dies nicht nur in der oben zitierten Forderung nach \u00abradikaler Revision\u00bb usw. Ausdruck, sondern auch in den folgenden Worten: \u00abEs versteht sich \u00fcbrigens von selbst, da\u00df auch heute Menschen, die unmittelbare F\u00fchlung mit der Bauernschaft haben, durch ihre T\u00e4tigkeit unter den Bauern der sozialistischen Bewegung in Ru\u00dfland einen wichtigen Dienst leisten k\u00f6nnten. Die Sozialdemokraten werden diese Menschen nicht von sich wegsto\u00dfen, im Gegenteil, sie werden alle Kraft aufbieten, um sich mit ihnen in den grundlegenden Prinzipien und Methoden ihrer T\u00e4tigkeit zu verst\u00e4ndigen.\u00bb Vor 15 Jahren, als die Traditionen der revolution\u00e4ren Volkst\u00fcmlerrichtung noch lebendig waren, gen\u00fcgte eine solche Erkl\u00e4rung, heute aber m\u00fcssen wir selbst mit der Er\u00f6rterung der \u00abgrundlegenden Prinzipien\u00bb f\u00fcr die T\u00e4tigkeit in der Bauernschaft beginnen, wenn wir wollen, da\u00df die Sozialdemokratische Arbeiterpartei zum Vork\u00e4mpfer der Demokratie wird.<\/p>\n<p>F\u00fchren jedoch die von uns vorgeschlagenen Forderungen auch wirklich zur Unterst\u00fctzung der Person der Bauern und nicht ihres Eigentums? nicht zur Konsolidierung der kleinen Wirtschaften? entsprechen sie dem ganzen Gang der kapitalistischen Entwicklung? Betrachten wir diese Fragen, die f\u00fcr einen Marxisten die wichtigsten sind.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der 1. und der 3. Forderung kann es unter Sozialdemokraten schwerlich eine Meinungsverschiedenheit dem Wesen der Sache nachgeben. Die zweite Forderung wird wahrscheinlich auch Meinungsverschiedenheiten hervorrufen, die das Wesen der Sache betreffen. F\u00fcr sie sprechen unserer Meinung nach die folgenden Erw\u00e4gungen: 1. Es ist Tatsache, da\u00df die Loskauf Zahlungen eine direkte Beraubung der Bauern durch die Gutsherren waren, da\u00df sie nicht nur f\u00fcr den b\u00e4uerlichen Boden gezahlt wurden, sondern auch f\u00fcr die Leibeigenschaft, da\u00df die Regierung den Bauern mehr nahm, als sie den Grundherren bezahlte, 2. wir haben keinen Grund, diese Tatsache als ein v\u00f6llig abgeschlossenes und bereits ins Archiv der Geschichte eingegangenes Ereignis zu betrachten, denn die hochwohlgeborenen Ausbeuter selbst, die jetzt von \u00abOpfern\u00bb schreien, die sie damals gebracht h\u00e4tten, betrachten die b\u00e4uerliche Reform nicht in dieser Weise; 3. gerade jetzt, wo die Hungersnot f\u00fcr Millionen Bauern zu einer chronischen Erscheinung wird, wo die Regierung, die Millionen f\u00fcr Geschenke an Gutsherren und Kapitalisten, f\u00fcr ihre abenteuerliche Au\u00dfenpolitik verschwendet, bei den Hilfeleistungen f\u00fcr die Hungernden um jeden Pfennig feilscht, gerade jetzt ist es angebracht und notwendig, daran zu erinnern, wieviel die Mi\u00dfwirtschaft der autokratischen Regierung, die den Interessen der privilegierten Klassen dient, das Volk gekostet hat; 4. die Sozialdemokraten k\u00f6nnen der Hungersnot und dem Hungersterben der Bauernschaft nicht gleichg\u00fcltig zuschauen, \u00fcber die Notwendigkeit umfassendster Hilfe f\u00fcr die Hungernden gab es unter den russischen Sozialdemokraten niemals zwei Meinungen. Und schwerlich wird jemand behaupten, da\u00df eine ernstliche Hilfe ohne revolution\u00e4re Ma\u00dfnahmen m\u00f6glich ist; 5. die Expropriation der Apanagel\u00e4ndereien und die verst\u00e4rkte Mobilisierung der Adelsl\u00e4ndereien \u2014 d. h. das, was die Folge einer Verwirklichung der vorgeschlagenen Forderung w\u00e4re \u2014 w\u00fcrden der gesamten gesellschaftlichen Entwicklung Ru\u00dflands nur Nutzen bringen. Gegen die vorgeschlagene Forderung w\u00fcrde man wahrscheinlich haupts\u00e4chlich ihre \u00abUndurchf\u00fchrbarkeit\u00bb ins Feld f\u00fchren. Wenn ein solcher Einwand nur durch Phrasen gegen \u00abRevolutionarismus\u00bb und \u00abUtopismus\u00bb gest\u00fctzt wird, so sagen wir im voraus, da\u00df derartige opportunistische Phrasen uns nicht im geringsten schrecken und da\u00df wir ihnen keinerlei Bedeutung beimessen. Wird der erw\u00e4hnte Einwand dagegen durch eine Analyse der \u00f6konomischen und der politischen Bedingungen unserer Bewegung gest\u00fctzt, so geben wir die Notwendigkeit einer eingehenderen Er\u00f6rterung dieser Frage und den Nutzen einer Polemik in dieser Frage vollauf zu. Bemerken wollen wir nur, da\u00df diese Forderung nicht selbst\u00e4ndig dasteht, sondern einen Teil der Forderung bildet, die Bauernschaft zu unterst\u00fctzen, soweit sie revolution\u00e4r ist. Die Frage, wie und mit welcher Kraft diese Elemente der Bauernschaft in Erscheinung treten werden, wird die Geschichte entscheiden. Wenn unter \u00abDurchf\u00fchrbarkeit\u00bb der Forderungen nicht ihre allgemeine \u00dcbereinstimmung mit den Interessen der gesellschaftlichen Entwicklung verstanden w\u00fcrde, sondern ihre \u00dcbereinstimmung mit der jeweiligen Konjunktur der \u00f6konomischen und politischen Verh\u00e4ltnisse, so w\u00e4re ein solches Kriterium absolut unrichtig, wie Kautsky in seiner Polemik gegen Rosa Luxemburg \u00fcberzeugend gezeigt hat, die die Forderung der Unabh\u00e4ngigkeit Polens als (f\u00fcr die polnische Arbeiterpartei) \u00abundurchf\u00fchrbar\u00bb bezeichnet hatte. Kautsky f\u00fchrte damals (wenn uns das Ged\u00e4chtnis nicht tr\u00fcgt) als Beispiel die Forderung des Erfurter Programms an, die von der Wahl der Beamten durch das Volk spricht. Die \u00abDurchf\u00fchrbarkeit\u00bb dieser Forderung ist im heutigen Deutschland mehr als zweifelhaft, aber kein Sozialdemokrat hat je den Vorschlag gemacht, die Forderungen der Sozialdemokratie auf den engen Rahmen des im gegebenen Augenblick und unter den gegebenen Verh\u00e4ltnissen M\u00f6glichen zu beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Was weiter Punkt 4 anbelangt, so wird wahrscheinlich niemand im Prinzip etwas dagegen einzuwenden haben, da\u00df die Sozialdemokraten die Vernichtung aller \u00dcberreste fronherrschaftlicher Abh\u00e4ngigkeit fordern m\u00fcssen. Zu kl\u00e4ren wird wahrscheinlich nur die Formulierung dieser Forderung und dann ihr Umfang sein, d. h. die Frage, ob z. B. die Forderung nach Ma\u00dfnahmen in sie einbezogen werden soll, die die durch die Wegnahme von Bauernland (der Boden\u00ababschnitte\u00bb) im Jahre 1861 geschaffene faktische Fronabh\u00e4ngigkeit der Bauern beseitigen. Unserer Meinung nach mu\u00df diese Frage bejaht werden. Die gewaltige Bedeutung des faktischen Weiterbestehens der Fron-(Abarbeits-)Wirtschaft ist in der Literatur in vollem Umfang festgestellt worden, ebenso aber auch die gewaltige Hemmung der gesellschaftlichen Entwicklung (und der Entwicklung des Kapitalismus), die aus diesem Weiterbestehen resultiert. Nat\u00fcrlich f\u00fchrt die Entwicklung des Kapitalismus \u00abvon selbst, auf nat\u00fcrlichem Wege\u00bb zur Beseitigung dieser \u00dcberbleibsel und wird sie zu guter Letzt ganz beseitigen; aber erstens besitzen diese \u00dcberbleibsel au\u00dferordentliche Festigkeit, so da\u00df mit ihrer raschen Beseitigung nicht gerechnet werden darf, und zweitens bedeutet \u2014 und das ist die Hauptsache \u2014 der \u00abnat\u00fcrliche Weg\u00bb nichts anderes als das Aussterben der Bauern, die faktisch (infolge der Abarbeit usw.) an den Boden gefesselt sind und von den Gutsbesitzern geknechtet werden. Selbstverst\u00e4ndlich k\u00f6nnen die Sozialdemokraten unter solchen Umst\u00e4nden diese Frage in ihrem Programm nicht mit Schweigen \u00fcbergehen. Man wird uns fragen: Wie k\u00f6nnte diese Forderung verwirklicht werden? Wir glauben, da\u00df es nicht notwendig ist, hiervon im Programm zu sprechen. Nat\u00fcrlich wird die Verwirklichung dieser Forderung (die, wie die Verwirklichung fast aller Forderungen dieses Abschnitts, von der St\u00e4rke der revolution\u00e4ren Elemente der Bauernschaft abh\u00e4ngt) eine allseitige Untersuchung der \u00f6rtlichen Bedingungen durch gew\u00e4hlte \u00f6rtliche Vertrauensleute, durch Bauernkomitees erfordern \u2014 als Gegengewicht gegen die Adelskomitees, die ihren \u00abgesetzlichen\u00bb Raub in den sechziger Jahren ver\u00fcbten; die demokratischen Forderungen des Programms definieren hinreichend die demokratischen Institutionen, die f\u00fcr diesen Zweck n\u00f6tig w\u00e4ren. Dies w\u00e4re eben die \u00abradikale Revision der Agrarverh\u00e4ltnisse\u00bb, von der das Programm der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb spricht. Wie bereits oben bemerkt, sind wir mit diesem Punkt des Entwurfs der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb im Prinzip einverstanden und m\u00f6chten nur 1. die Bedingungen feststellen, unter denen das Proletariat f\u00fcr die Klasseninteressen der Bauernschaft k\u00e4mpfen kann; 2. den Charakter der Revision bestimmen: die Vernichtung der \u00dcberreste fronherrschaftlicher Abh\u00e4ngigkeit, 3. den Forderungen konkreteren Ausdruck verleihen. \u2014 Wir sehen noch einen Einwand voraus: Die Revision der Frage der Boden\u00ababschnitte\u00bb und dgl. mu\u00df dazu f\u00fchren, da\u00df diese L\u00e4ndereien den Bauern zur\u00fcckgegeben werden. Das ist klar. Wird dies jedoch nicht das Kleineigentum, die Kleinparzelle festigen? k\u00f6nnen denn die Sozialdemokraten w\u00fcnschen, da\u00df die kapitalistischen Gro\u00dfwirtschaften, die vielleicht auf den den Bauern geraubten Bodenfl\u00e4chen betrieben werden, durch kleine Wirtschaften ersetzt werden? Das w\u00e4re doch eine reaktion\u00e4re Ma\u00dfnahme! \u2014 Wir antworten: Zweifellos ist eine Ersetzung der gro\u00dfen Wirtschaft durch die kleine reaktion\u00e4r, und wir d\u00fcrfen nicht daf\u00fcr eintreten. Aber die zu untersuchende Forderung ist doch bedingt durch das Ziel, \u00abdie \u00dcberreste fronherrschaftlicher Abh\u00e4ngigkeit zu vernichten\u00bb \u2014 folglich kann sie nicht zur Zersplitterung der gro\u00dfen Wirtschaften f\u00fchren; sie bezieht sich lediglich auf die alten Wirtschaften, die ihrem Wesen nach zum Typus der reinen Fronwirtschaften geh\u00f6ren \u2014 und ihnen gegen\u00fcber ist die von allen mittelalterlichen Einengungen freie b\u00e4uerliche Wirtschaft (siehe Punkt 3) nicht reaktion\u00e4r, sondern progressiv. Nat\u00fcrlich ist es nicht leicht, hier eine Grenzlinie zu ziehen \u2014 aber wir glauben ja durchaus nicht, da\u00df irgendeine Forderung unseres Programms \u00ableicht\u00bb zu verwirklichen sein wird. Unsere Sache ist es, die Grundprinzipien und Grundaufgaben festzulegen, f\u00fcr die Einzelheiten aber werden die zu sorgen wissen, denen es beschieden sein wird, diese Aufgaben praktisch zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Der letzte Punkt strebt seinem Zweck nach das gleiche an wie der vorhergehende: den Kampf gegen alle (im russischen Dorf so reichlich vorhandenen) \u00dcberreste vorkapitalistischer Produktionsweise. Bekanntlich ist die b\u00e4uerliche Pacht in Ru\u00dfland sehr h\u00e4ufig nur eine Tarnung f\u00fcr das Weiterbestehen der Fronverh\u00e4ltnisse. Die Idee dieses letzten Punktes nun haben wir Kautsky entlehnt, der mit dem Hinweis darauf, da\u00df schon das liberale Ministerium Gladstone 1881 f\u00fcr Irland ein Gesetz erlie\u00df, das den Gerichten das Recht zur Herabsetzung \u00fcberm\u00e4\u00dfig hoher Pachtpreise verlieh, unter die w\u00fcnschenswerten Forderungen auch die folgende aufnahm: \u00abReduzierung \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Pachtzinsen durch dazu eingesetzte Gerichtsh\u00f6fe\u00bb. In Ru\u00dfland w\u00e4re dies besonders n\u00fctzlich (nat\u00fcrlich bei demokratischer Organisation dieser Gerichte) in bezug auf die Verdr\u00e4ngung der Fronverh\u00e4ltnisse. Dazu, so meinen wir, k\u00f6nnte auch die Forderung hinzugef\u00fcgt werden, die Wuchergesetze auf knechtende Abmachungen auszudehnen: im russischen Dorf ist die Schuldknechtschaft so ma\u00dflos entwickelt, sie ist f\u00fcr den Bauern als Arbeiter eine solch schwere Last, sie hemmt den sozialen Fortschritt so ungeheuerlich, da\u00df der Kampf gegen sie besonders notwendig ist. Den knechtenden, wucherischen Charakter einer Abmachung aber k\u00f6nnte das Gericht nat\u00fcrlich ebenso leicht feststellen wie die \u00fcberm\u00e4\u00dfige H\u00f6he einer Pachtzahlung.<\/p>\n<p>Im gro\u00dfen und ganzen laufen die von uns vorgeschlagenen Forderungen unserer Meinung nach auf zwei Hauptziele hinaus: 1. alle vorkapitalistischen, fronherrschaftlichen Institutionen und Verh\u00e4ltnisse auf dem Lande zu vernichten (eine Erg\u00e4nzung finden diese Forderungen im ersten Abschnitt des praktischen Programmteils); 2. dem Klassenkampf auf dem Lande offeneren und bewu\u00dfteren Charakter zu verleihen. Wir glauben, gerade diese Prinzipien m\u00fcssen f\u00fcr das sozialdemokratische \u00abAgrarprogramm\u00bb in Ru\u00dfland richtungweisend sein; \u2014 es ist notwendig, sich entschieden von den in Ru\u00dfland so zahlreichen Bestrebungen abzugrenzen, den Klassenkampf im Dorf beizulegen. Die herrschende liberal-volkst\u00fcmlerische Richtung zeichnet sich gerade durch diesen Charakter aus, aber wenn wir sie entschlossen ablehnen (wie das auch im \u00abAnhang zum Bericht der russischen Sozialdemokraten auf dem internationalen Kongre\u00df in London\u00bb geschehen ist), so darf nicht vergessen werden, da\u00df wir dabei den revolution\u00e4ren Inhalt der Volkst\u00fcmlerbewegung ausnehmen m\u00fcssen. \u00abSoweit die Volkst\u00fcmlerrichtung revolution\u00e4r war, d. h. sich gegen den st\u00e4ndisch-b\u00fcrokratischen Staat und gegen die von ihm unterst\u00fctzten barbarischen Formen der Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung der Volksmassen wandte, soweit mu\u00dfte sie mit den entsprechenden Ab\u00e4nderungen als ein Bestandselement in das Programm der russischen Sozialdemokratie eingehen.\u00bb (Axelrod, \u00abZur Frage der gegenw\u00e4rtigen Aufgaben und der Taktik\u00bb, S. 7.) Im russischen Dorf verflechten sich gegenw\u00e4rtig zwei Hauptformen des Klassenkampfes: 1. der Kampf der Bauernschaft gegen die privilegierten Grundbesitzer und gegen die \u00dcberreste der Leibeigenschaft; 2. der Kampf des im Entstehen begriffenen Dorfproletariats gegen die Dorfbourgeoisie. F\u00fcr Sozialdemokraten ist nat\u00fcrlich der zweite Kampf von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung, aber sie m\u00fcssen unbedingt auch den ersten Kampf unterst\u00fctzen, sofern das den Interessen der gesellschaftlichen Entwicklung nicht widerspricht. Nicht zuf\u00e4llig nahm und nimmt die Bauernfrage in der russischen Gesellschaft und in der russischen revolution\u00e4ren Bewegung soviel Platz ein, diese Tatsache ist nur eine Widerspiegelung dessen, da\u00df auch der erstgenannte Kampf immer noch gro\u00dfe Bedeutung beh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Zum Schlu\u00df mu\u00df einem m\u00f6glichen Mi\u00dfverst\u00e4ndnis vorgebeugt werden. Wir sprachen von dem \u00abrevolution\u00e4ren Appell\u00bb der Sozialdemokratie an die Bauern. Bedeutet dies nicht, sich verzetteln, der notwendigen Konzentration der Kr\u00e4fte auf die Arbeit unter dem Industrieproletariat Schaden tun? Durchaus nicht; die Notwendigkeit einer solchen Konzentration geben alle russischen Sozialdemokraten zu, auf sie wird sowohl im Entwurf der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb vom Jahre 1885 als auch in der Brosch\u00fcre \u00abDie Aufgaben der russischen Sozialdemokraten\u00bb im Jahre 1898 hingewiesen. Folglich besteht durchaus kein Grund zu bef\u00fcrchten, da\u00df die Sozialdemokraten ihre Kr\u00e4fte verzetteln werden. Ein Programm ist ja keine Instruktion: das Programm mu\u00df die ganze Bewegung umfassen, in der Praxis aber mu\u00df nat\u00fcrlich bald die eine, bald die andere Seite der Bewegung in den Vordergrund ger\u00fcckt werden. Niemand wird die Notwendigkeit bestreiten, im Programm nicht nur von den Industriearbeitern, sondern auch von den Landarbeitern zu sprechen, obwohl gleichzeitig kein einziger russischer Sozialdemokrat je daran gedacht hat, beim gegenw\u00e4rtigen Stand der Dinge die Genossen aufzufordern, aufs Land zu gehen. Aber die Arbeiterbewegung wird unvermeidlich von selbst, sogar unabh\u00e4ngig von unserem Bem\u00fchen, zur Verbreitung der demokratischen Ideen auf dem Lande f\u00fchren. \u00abDie Agitation auf der Grundlage der \u00f6konomischen Interessen wird unvermeidlich die sozialdemokratischen Zirkel unmittelbar auf Tatsachen sto\u00dfen lassen, die ihnen die \u00fcberaus enge Interessensolidarit\u00e4t zwischen unserem Industrieproletariat und den Bauernmassen anschaulich zeigen\u00bb (Axelrod, ib., S. 13), und das ist der Grund, weshalb ein \u00abAgrarprogramm\u00bb (im aufgezeigten Sinn, strenggenommen ist es nat\u00fcrlich gar kein \u00abAgrarprogramm\u00bb) f\u00fcr die russischen Sozialdemokraten dringend notwendig ist. In unserer Propaganda und Agitation sto\u00dfen wir st\u00e4ndig auf b\u00e4uerliche Arbeiter, d. h. auf Fabrik- und Werkarbeiter, die Verbindungen mit dem Dorf aufrechterhalten, dort ihre Verwandten, ihre Familie haben, dorthin fahren. F\u00fcr die Fragen der Loskaufzahlungen, der solidarischen Haftung, der Pachtzahlung hat sogar fast jeder hauptst\u00e4dtische Arbeiter ein lebhaftes Interesse (wir sprechen gar nicht erst z. B. von den Arbeitern im Ural, wo die sozialdemokratische Propaganda und Agitation gleichfalls einzudringen begonnen hat). Wir w\u00fcrden unsere Pflicht vers\u00e4umen, wenn wir uns nicht bem\u00fchten, den Sozialdemokraten und klassenbewu\u00dften Arbeitern, die oft ins Dorf kommen, genaue Anleitung zu geben. Ferner darf auch die Dorfintelligenz nicht vergessen werden, z. B. die Volksschullehrer, die sowohl materiell als auch geistig eine sie so erniedrigende Stellung einnehmen, die die Rechtlosigkeit und Knechtung des Volkes aus solcher N\u00e4he beobachten und so am eigenen Leibe versp\u00fcren, da\u00df sich ohne Zweifel (bei weiterem Anwachsen der Bewegung) unter ihnen die Sympathie mit dem Sozialdemokratismus immer mehr ausbreiten wird.<\/p>\n<p>Also dies m\u00fcssen unserer Meinung nach die Bestandteile eines Programms der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Ru\u00dflands sein: 1. Darlegung des Grundcharakters der \u00f6konomischen Entwicklung in Ru\u00dfland; 2. Darlegung des unvermeidlichen Ergebnisses des Kapitalismus: Zunahme des Elends und Zunahme der Emp\u00f6rung der Arbeiter; 3. Darlegung des Klassenkampfes des Proletariats als der Grundlage unserer Bewegung; 4. Darlegung der Endziele der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung\u2014 ihres Strebens, zur Verwirklichung dieser Ziele die politische Macht zu erobern \u2014, des internationalen Charakters der Bewegung; 5. Darlegung der Notwendigkeit des politischen Charakters des Klassenkampfes; 6. die Erkl\u00e4rung, da\u00df der russische Absolutismus, der die Rechtlosigkeit und Knechtung des Volkes bedingt und die Ausbeuter beg\u00fcnstigt, das Haupthindernis der Arbeiterbewegung ist und da\u00df deshalb die Erk\u00e4mpfung der politischen Freiheit, die auch im Interesse der gesamten gesellschaftlichen Entwicklung notwendig ist, die n\u00e4chste politische Aufgabe der Partei bildet; 7. die Erkl\u00e4rung, da\u00df die Partei alle Parteien und Bev\u00f6lkerungsschichten unterst\u00fctzen wird, die gegen den Absolutismus k\u00e4mpfen, da\u00df sie gegen die demagogischen Machenschaften unserer Regierung k\u00e4mpfen wird; 8. Aufz\u00e4hlung der grundlegenden demokratischen Forderungen \u2014 dann 9. der Forderungen zugunsten der Arbeiterklasse und 10. der Forderungen zugunsten der Bauern, wobei der allgemeine Charakter dieser Forderungen zu erkl\u00e4ren ist.<\/p>\n<p>In voller Erkenntnis der Schwierigkeit der Aufgabe, das Programm ohne eine Reihe von Beratungen mit den Genossen v\u00f6llig befriedigend zu formulieren, halten wir es doch f\u00fcr notwendig, dieses Werk in Angriff zu nehmen, denn wir glauben, da\u00df es (aus den obenerw\u00e4hnten Gr\u00fcnden) nicht aufgeschoben werden darf, und hoffen, da\u00df sowohl alle Theoretiker der Partei (an ihrer Spitze die Mitglieder der Gruppe \u00abBefreiung der Arbeit\u00bb) als auch alle praktisch arbeitenden Sozialisten in Ru\u00dfland (und nicht allein die Sozialdemokraten: es w\u00e4re uns sehr erw\u00fcnscht, die Meinung der Sozialisten anderer Fraktionen zu h\u00f6ren, und wir w\u00fcrden es nicht ablehnen, ihre Meinungen zu ver\u00f6ffentlichen) und ebenso alle klassenbewu\u00dften Arbeiter \u00fcberhaupt uns zu Hilfe kommen werden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Siehe Karl Marx, \u00abKritik des Gothaer Programms\u00bb, in Karl Marx und Friedrich Engels, Werke Band 19, Seite 13 (Brief an Wilhelm Bracke); online: <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/marx-engels\/1875\/05\/briefbracke.htm\">https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/marx-engels\/1875\/05\/briefbracke.htm<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Siehe Karl Marx, \u00abDas Kapital\u00bb, Bd I, MEW 23, S. 803<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Lenin meint die \u00abProvisorischen Bestimmungen \u00fcber die Ableistung der Milit\u00e4rpflicht durch die Studierenden der Hochschulen, die aus selbigen Institutionen wegen gemeinsamer Unruhestiftung relegiert werden\u00bb. Auf Grund dieser am 29. Juli (10. August) 1899 erlassenen Bestimmungen wurden Studenten, die an Kundgebungen gegen das in den Hochschulen eingef\u00fchrte Polizeiregime teilgenommen hatten, von den Universit\u00e4ten relegiert und f\u00fcr einen Zeitraum von einem bis zu drei Jahren als gemeine Soldaten in die zaristische Armee eingezogen. Die Studenten aller Hochschulen Ru\u00dflands forderten die Aufhebung der provisorischen Bestimmungen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Servitut \u2014 eine Form des Nutzungsrechts an fremdem Eigentum. Im vorliegenden Fall meint Lenin die \u00dcberreste der Leibeigenschaftsverh\u00e4ltnisse in den Westgebieten Ru\u00dflands. F\u00fcr das Recht auf Benutzung der gemeinsamen Wege, Wiesen, Weiden, Viehtr\u00e4nken usw. mu\u00dften die Bauern nach der Reform von 1861 zus\u00e4tzliche Dienste zugunsten der Gutsherren leisten.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Siehe MEW 8, Seite 199. Online: <a href=\"http:\/\/www.derfunke.at\/html\/pdf\/faschismus\/marx_brumaire.pdf\">http:\/\/www.derfunke.at\/html\/pdf\/faschismus\/marx_brumaire.pdf<\/a> Seite 61.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass die Tradition des revolution\u00e4ren Marxismus die Form einer Wissenschaft hat, zeigt sich darin, dass f\u00fcr die revolution\u00e4ren Projekte und f\u00fcr die Arbeiterbewegung \u00fcber die ganze Periode des reifen Kapitalismus,<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7],"tags":[25,13,38,4],"class_list":["post-4717","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-arbeiterbewegung","tag-marx","tag-russische-revolution","tag-strategie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4717","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4717"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4717\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4720,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4717\/revisions\/4720"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4717"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4717"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4717"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}