{"id":4756,"date":"2019-01-10T09:52:46","date_gmt":"2019-01-10T07:52:46","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4756"},"modified":"2019-01-10T09:52:46","modified_gmt":"2019-01-10T07:52:46","slug":"frankreich-frauen-an-der-spitze-der-gelbwesten-revolte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4756","title":{"rendered":"Frankreich: Frauen an der Spitze der Gelbwesten-Revolte"},"content":{"rendered":"<p><em>Laura Varlet.<\/em> <strong>Im Dienstleistungsbereich arbeiten immer mehr Frauen, insbesondere in der Pflege, Reinigung, Bildung und anderer Sorgearbeit. Die Krise des neoliberalen Kapitalismus seit 2008 hat alle<!--more--> diese arbeitenden Frauen und ihre Familien in eine beispiellose Prekarit\u00e4t gest\u00fcrzt. Sie sind es, die heute rebellieren und f\u00fcr eine bessere Zukunft f\u00fcr sich selbst, ihre Kinder und ihre Familien k\u00e4mpfen. Was sagt das \u00fcber die Tiefe des Protests der Gelbwesten aus? Wie ist es dazu gekommen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die prek\u00e4ren Frauen, die rebellieren\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Viele Analyst*innen haben die bemerkenswerte Pr\u00e4senz von Frauen und die entscheidende Rolle, die sie bei der anhaltenden Revolte im Land spielen, hervorgehoben. Mit ihren gelben Westen stehen sie bei Demonstrationen oft an vorderster Front, sind bei den Protesten an Kreisverkehren und Blockaden st\u00e4ndig anwesend und zum Kampf f\u00fcr eine bessere Zukunft entschlossen.<\/p>\n<p>Die meisten dieser Frauen arbeiten in kleinen und mittleren Unternehmen, sind im Dienstleistungssektor t\u00e4tig. Viele von ihnen arbeiten in den Bereichen Gesundheit, Verkehr, Bildung und Sozialwesen. Putzfrauen, Haushaltshilfen, Erzieherinnen, Betreuerinnen, Pflegekr\u00e4fte in Altersheimen oder Krankenh\u00e4usern \u2013 sie alle arbeiten f\u00fcr Geh\u00e4lter, von denen sie nicht leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese Frauen sind sehr oft alleinerziehende M\u00fctter, die eine (oder mehrere) prek\u00e4re Arbeitsstelle(n), in Teilzeit oder Befristung und manchmal mit gestaffelten Arbeitszeiten, mit unbezahlter Hausarbeit und Kinderbetreuung kombinieren. Sie rebellieren heute, weil sie es leid sind, jonglieren zu m\u00fcssen, um den Monat zu \u00fcberstehen; weil sie es satthaben, entscheiden zu m\u00fcssen, ob sie lieber gen\u00fcgend zu essen haben oder gut auf sich achtgeben. In Frankreich sind alleinerziehende Frauen besonders von der Prekarit\u00e4t betroffen: Unter den Erwerbst\u00e4tigen lebt fast ein Viertel unterhalb der Armutsgrenze, das sind eine Million Frauen. Sie wissen genau, was sie mit 10 Euro mehr oder weniger im Budget kaufen k\u00f6nnen, weil sie so eng kalkulieren m\u00fcssen. Sie lehnen sich nicht nur f\u00fcr sich selbst auf, sondern auch f\u00fcr die Zukunft ihrer Kinder. Immer jonglieren, sich nie beschweren\u2026. Heute treten sie aus der Stille. Es ist Zeit, nach oben zu schauen. Als erste Reihe der Prekarit\u00e4t stehen sie daher auch in der ersten Reihe des Kampfes gegen Macron und seine Welt.<\/p>\n<p><strong>Frauen und die soziale Reproduktion<\/strong><\/p>\n<p>Diese Berufe, die oft schlecht bezahlt und unterbewertet sind, sind jedoch in der Gesellschaft unerl\u00e4sslich und werden \u00fcberwiegend von Frauen ausge\u00fcbt.<\/p>\n<p>Pierre Rimbert erkl\u00e4rt in seinem k\u00fcrzlich in\u00a0<em>Le Monde Diplomatique<\/em>\u00a0ver\u00f6ffentlichten Artikel \u201eDie ungeahnte Macht der Arbeiterinnen\u201c, dass heute\u00a0<em>\u201ein Frankreich die Arbeiterinnen 51% der gesamten Arbeitskraft ausmachen; 1968 betrug der Anteil 35%.\u201c<\/em>\u00a0Dann f\u00fcgt er hinzu, dass\u00a0<em>\u201efast alle in den letzten f\u00fcnfzig Jahren eingestellten Arbeitskr\u00e4fte weiblich sind \u2013 unter prek\u00e4reren Bedingungen und f\u00fcr ein um ein Viertel niedrigeres Gehalt. Allein die weiblichen Besch\u00e4ftigten in den Bereichen Medizin, Soziales und Bildung haben ihre Zahl vervierfacht: von 500.000 auf 2 Millionen zwischen 1968 und 2017 \u2013 hinzu kommen noch die Lehrerinnen der weiterf\u00fchrenden Schulen und die Dozentinnen der Hochschulen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Andere Studien, wie die von Eurostat, dem statistischen Amt der Europ\u00e4ischen Union, belegen, dass der Anteil der arbeitenden und armen Frauen in Frankreich zwischen 2006 und 2017 von 5,6% auf 7,3% gestiegen ist. Frauen sind vor allem im Reinigungs-, Einzelhandels- und privaten Dienstleistungssektor zu finden. Unter den ungelernten Arbeiter*innen sind 49% der Frauen Teilzeitbesch\u00e4ftigte, gegen\u00fcber 21% der M\u00e4nner. In Frankreich hielten Frauen 2017 70% der befristeten Arbeitspl\u00e4tze und 78% der Teilzeitarbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Jedoch spielen all diese Frauen \u2013 von der migrantischen Reinigungsfrau bis hin zur Sekundarschullehrerin oder Krankenschwester \u2013 eine wichtige Rolle in den Dienstleistungen, die f\u00fcr die soziale Reproduktion dieses Systems unerl\u00e4sslich sind. Sie sorgen daf\u00fcr, dass alle Arbeiter*innen, die sich in den Fabriken, in den kleinen Jobs, in den Werkst\u00e4tten, in ihren Dienstleistungsjobs, seien diese privat oder \u00f6ffentlich, abrackern m\u00fcssen, sich regenerieren, sich ern\u00e4hren und ihre Kinder grossziehen m\u00fcssen, diese zuk\u00fcnftige Arbeitskraft, die der Kapitalismus so dringend braucht. Es handelt sich um dieselben Frauen, die nach ihrem Arbeitstag unter zunehmend schwierigeren Bedingungen nach Hause zur\u00fcckkehren, um von niemandem bezahlte Haushaltsaufgaben zu erledigen, die aber notwendig sind, damit alle Arbeiter*innen am n\u00e4chsten Tag sauber und ern\u00e4hrt zur Arbeit zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Eines ist also klar: Wenn diese Millionen von Frauen, die einen wesentlichen Teil der Arbeiter*innenklasse in ihrem breiten Sinne ausmachen, streiken, dann steht die ganze Gesellschaft still.<\/p>\n<p><strong>Krise des sozialen Modells\u2026 wie h\u00e4ngt das mit der Rolle der Frauen in der aktuellen Bewegung zusammen?<\/strong><\/p>\n<p>Seit einigen Jahren, und insbesondere seit der Krise des neoliberalen Modells seit 2008, haben erhebliche Ver\u00e4nderungen in der Sozialstruktur, in der Arbeitswelt und damit im Alltag von Millionen von Arbeiter*innen, insbesondere von Arbeiterinnen, stattgefunden. Mit den Sparpl\u00e4nen, der Streichung \u00f6ffentlicher Dienstleistungen und den anti-sozialen Reformen, die von aufeinanderfolgenden Regierungen durchgezogen werden, verschlechtern sich nicht nur die Arbeitsbedingungen und die \u00f6ffentlichen Dienstleistungen, sondern steigen auch die Lebenshaltungskosten stark an. Diese Situation erschwert es heute, f\u00fcr sich selbst und seine Kinder richtig zu sorgen, sie in die Kindertagesst\u00e4tte (wenn man eine findet) oder zur Schule zu bringen, sie zu ern\u00e4hren, ihnen Kleidung zu kaufen. Noch schwieriger, fast utopisch ist es, wenn wir an Freizeit- oder Kulturaktivit\u00e4ten denken, sei es f\u00fcr Arbeiter*innenfamilien oder deren Kinder. Privatisierung, Entlassungen oder Personalmangel im \u00f6ffentlichen Dienst sind zur Regel geworden. Dies hat nat\u00fcrlich Auswirkungen sowohl auf die Arbeiter*innen als auch auf die Nutzer*innen eben jener \u00f6ffentlicher Dienstleistungen.<\/p>\n<p>Dies f\u00fchrt dazu, dass diese Frauen, die haupts\u00e4chlich in den Bereichen Pflege, Gesundheit, Reinigung, Bildung oder Verkehr t\u00e4tig sind, nicht \u00fcber die Voraussetzungen verf\u00fcgen, um sich in ihrem Beruf um andere zu k\u00fcmmern. Und andererseits haben sie nicht die Kraft oder die Mittel, sich nach langen und anstrengenden Arbeitstagen angemessen um ihre Kinder und Familien zu k\u00fcmmern, w\u00e4hrend die\u00a0 Haushaltsaufgaben oft gerade auf ihren Schultern lasten. Wie in der j\u00fcngsten\u00a0<a href=\"http:\/\/www.collectifdroitsdesfemmes.org\/spip.php?article506\"><strong>Erkl\u00e4rung des Nationalen Kollektivs f\u00fcr die Rechte der Frau<\/strong><\/a>\u00a0festgestellt wurde,\u00a0<em>\u201eleben sie die paradoxe Anforderung einer Gesellschaft, die sie ignoriert: Von ihnen wird erwartet, dass sie so arbeiten, als h\u00e4tten sie keine Kinder und ihre Kinder so erziehen, als h\u00e4tten sie keine Arbeit.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>W\u00fctende und k\u00e4mpfende Frauen, aber keine Feministinnen?<\/strong><\/p>\n<p>Seit mehreren Jahren erleben wir K\u00e4mpfe, Streiks und Widerstand in vielen dieser Sektoren, wie z.B. im Gesundheitswesen, in den Altersheimen, in den Schulkantinen und im Reinigungssektor. Dazu z\u00e4hlen der mutige und siegreiche 45-t\u00e4gigen Streik der outgesourcten Arbeiterinnen von Onet in den Bahnh\u00f6fen der Region Nord-Ile-de-France oder die Streiks in der Hotellerie, darunter zuletzt der Streik von Hyatt Vend\u00f4me, der in einen Sieg m\u00fcndete. Waren diese K\u00e4mpfe, an den oft die gleichen Frauen beteiligt waren, die Vorl\u00e4ufer der sozialen Explosion, die wir heute in ganz Frankreich erleben? Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dies der Fall ist. Die tieferliegenden Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Wut und den Ausbruch dieser K\u00e4mpfe m\u00fcssen wahrscheinlich in all den Elementen zu finden sein, die wir gerade beschrieben haben.<\/p>\n<p>Pierre Rimbert betont in dem bereits erw\u00e4hnten Artikel, dass\u00a0<em>\u201edie ungeheure Entwicklung lebenswichtiger Dienstleistungen, die von Frauen dominiert werden, ihre potenzielle Blockade und das Aufkommen siegreicher sozialer Konflikte bisher noch nicht in politisches oder gewerkschaftliches Handeln umgesetzt worden sind\u201c<\/em>. Diese Aussage macht es m\u00f6glich, eine interessante Parallele zur heutigen Bewegung der Gelbwesten zu ziehen. Die Spontaneit\u00e4t und Radikalit\u00e4t beispielsweise im Kampf der Onet-Streikenden finden sich auch bei vielen Frauen in gelben Westen, die weder Mitglied einer Gewerkschaft noch einer politischen Organisation sind und die nun zum grossen Teil ihre ersten Erfahrungen mit Mobilisierungen und K\u00e4mpfen machen.<\/p>\n<p>Was die haupts\u00e4chlich vorgebrachten Forderungen betrifft, sowohl bei Streiks wie bei Onet oder in Altersheimen, als auch bei vielen Frauen in gelben Westen, so zielen sie auf angemessenen Respekt und W\u00fcrde und ganz grunds\u00e4tzlich auf die Verbesserung der Lebens- und\/oder Arbeitsbedingungen. Diesbez\u00fcglich verhalten sich verschiedene feministische Organisationen oder Kollektive zur\u00fcckhaltend, unter dem Vorwand, dass die Forderungen dieser Frauen keine spezifisch \u201efeministische\u201c Losungen wie gleichen Lohn f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen oder den Kampf gegen Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen beinhalten.<\/p>\n<p>Aber man braucht sich nur die meisten der gro\u00df angelegten Mobilisierungen in der Geschichte und selbst revolution\u00e4re Prozesse, in denen Frauen eine wichtige Rolle gespielt und manchmal sogar von ihnen ausgel\u00f6st wurden, anzusehen, um festzustellen , dass es nur sehr selten von Anfang an im engeren Sinne feministische Forderungen gibt. Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Mobilisierung und der spontane Streik von Tausenden von Frauen am 23. Februar 1917 in Russland, was nach unserem Kalender dem achten M\u00e4rz entspricht. Diese Mobilisierungen, die alle Erwartungen \u00fcbertrafen, markierten den Beginn der Revolution, die schlie\u00dflich den Zaren st\u00fcrzte und einige Monate sp\u00e4ter die erste Arbeiter*innenmacht in der Geschichte etablierte. Es war dieselbe revolution\u00e4re Kraft, die dann Ma\u00dfnahmen wie das Recht auf Scheidung oder Abtreibung einf\u00fchrte, die das Leben der Frauen v\u00f6llig revolutionierten, oder sogar die Er\u00f6ffnung von Krippen, Kantinen und W\u00e4schereien einleitete, damit Frauen Haushaltsaufgaben sozialisieren und so Zeit f\u00fcr Erholung gewinnen konnten. Die Schlagworte dieser Revolte vom 8. M\u00e4rz 1917 in Russland, bei der die Textilarbeiterinnen an der Spitze standen, waren jedoch \u201eBrot, Frieden und Freiheit\u201c. Brot gegen die schrecklichen Lebensbedingungen der Arbeiter*innen und der Massen; Frieden, damit nicht l\u00e4nger ganze Kontingente junger Menschen an der Front eines sinnlosen Krieges sterben; und Freiheit gegen die autorit\u00e4re Macht des Zaren. Auf den ersten Blick keine streng feministischen Forderungen.<\/p>\n<p>Was die Gelbwestenbewegung betrifft, so ist es eine Tatsache, dass diese mutigen Frauen auf der Stra\u00dfe sind, um bessere Lebensbedingungen zu schaffen, auch wenn direkt feministische Forderungen wie gleiche Bezahlung von M\u00e4nnern und Frauen usw. nicht ausdr\u00fccklich hervorgehoben werden. Die Prekarisierung betrifft vor allem Frauen, und sie sind sich dessen voll bewusst. Dies ist auch die Botschaft, die sie vermitteln wollten, als sie zu einer landesweiten Mobilisierung von Frauen in gelben Westen mit Demonstrationen in mehreren St\u00e4dten aufriefen. Sie k\u00e4mpfen unerm\u00fcdlich, Tag und Nacht. Einige von ihnen reisten nach dem Mobilisierungstag in ihren jeweiligen St\u00e4dten Hunderte von Kilometern, um am Sonntag in Paris an der Mobilisierung von Frauen in gelben Westen teilnehmen zu k\u00f6nnen. Wie Michelle, die derzeit arbeitslos ist und zu Ehren des Textilarbeiterinnenstreiks in Lawrence, USA, zu Beginn des 20. Jahrhunderts \u201eBrot und Rosen\u201c auf ihre gelben Weste geschrieben hatte:\u00a0<em>\u201eWir wollen nicht nur \u00fcberleben, sondern auch Rosen, Kultur und Freizeit, die heute nicht f\u00fcr jeden zug\u00e4nglich sind\u201c<\/em>\u00a0\u2013 und noch weniger f\u00fcr Frauen.<\/p>\n<p>Mit der Entschlossenheit, der Kraft und dem Kampfgeist all dieser Frauen k\u00f6nnen wir uns vorstellen, das gesamte System der Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung herauszufordern. Gwen, eine 25-j\u00e4hrige Friseurin, die am vergangenen Sonntag beim Marsch der Frauen in gelben Westen demonstrierte, erkl\u00e4rte:\u00a0<em>\u201eWir sind Frauen, aber auch Arbeiterinnen, weniger gut bezahlt als M\u00e4nner. Wir wollen zeigen, dass wir B\u00fcrger*innen sind, und nicht nur zum Aufr\u00e4umen zu Hause oder zur Kinderbetreuung gut sind.\u201c<\/em>\u00a0Auf der Grundlage dieses Bewusstseins, dieses Eintritts in den Kampf und das politische Leben dieser Frauen, die zum ersten Mal k\u00e4mpfen, werden wir das Fundament einer klassenk\u00e4mpferischen feministischen Bewegung schaffen k\u00f6nnen, die alle Forderungen der arbeitenden Frauen in die Hand nimmt und dieses kapitalistische und patriarchale System in Frage stellt.<\/p>\n<p><strong>Was sagt die Entschlossenheit dieser Frauen \u00fcber die Tiefe der anhaltenden sozialen Revolte aus?<\/strong><\/p>\n<p>Am 10. Dezember sprach Emmanuel Macron mit der f\u00fcr ihn typischen Heuchelei von der\u00a0<em>\u201eaufrichtigen Wut\u201c<\/em>\u00a0der\u00a0<em>\u201ealleinerziehenden, verwitweten oder geschiedenen Mutter, die nicht die Mittel hat, Kinder zu betreuen zu lassen und ihr Monatseinkommen zu verbessern\u201c<\/em>. Hinter diesem herablassenden Ton seitens des Pr\u00e4sidenten der Reichen steht die Angst vor der Rolle, die Frauen in dieser Revolte spielen k\u00f6nnen und werden. Aber vor allem die Angst davor, was dies zum Ausdruck bringt: ein Vorzeichen f\u00fcr eine Situation, die revolution\u00e4r werden kann, mit diesen Frauen, die der Repression gegen\u00fcbertreten, wie wir letzten Sonntag in Paris gesehen haben, als sie eine Polizeiblockade \u00fcberwanden, die sie am Demonstrieren hinderte.<\/p>\n<p>Denn Emmanuel Macron wei\u00df sehr wohl, dass diese Frauen wahrscheinlich nie wieder einfach nur prek\u00e4re Frauen sein werden, die hart arbeiten. Heute sind es w\u00fctende, rebellierende Frauen, die f\u00fcr eine bessere Zukunft k\u00e4mpfen. Und diese Erfahrung von Kampf, Unterdr\u00fcckung, Solidarit\u00e4t und Unterst\u00fctzung durch die Bev\u00f6lkerung wird sie wahrscheinlich ein Leben lang pr\u00e4gen. Wenn Frauen mit solcher Entschlossenheit in den Kampf ziehen, ist das oft ein Symptom f\u00fcr erhebliche Unzufriedenheit, denn Wut hat tiefe Wurzeln. Um k\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen, bringen diese Frauen, die M\u00fctter von Familien und prek\u00e4re, manchmal arbeitslose Frauen sind, enorme Opfer. Das ist auch der Grund, warum sie, wenn sie das Haupt erheben und sich entscheiden zu k\u00e4mpfen, oft zu den entschlossensten Elementen geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Um auf das Beispiel Russlands zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur\u00fcckzukommen und wie Leo Trotzki in seiner faszinierenden\u00a0<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1930\/grr\/b1-kap07.htm\"><strong>Geschichte der Russischen Revolution<\/strong><\/a>\u00a0schrieb:\u00a0<em>\u201ebuchst\u00e4blich niemand \u2026 dachte damals daran, da\u00df der 23. Februar zum Ausgangspunkte des entscheidenden Angriffs auf den Absolutismus werden sollte\u201c<\/em>. Heute k\u00f6nnen wir sagen, dass die Prekarisierung weiblich ist, aber dass auch der Kampf gegen dieses System der Armut weiblich ist! Deshalb wird auch das Erwachen derjenigen, die mit Verbissenheit k\u00e4mpfen, vielleicht der Ausgangspunkt f\u00fcr einen Prozess der Revolte und des sozialen Protestes sein, der, gelinde gesagt, noch lange nicht vorbei ist.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/frankreich-frauen-an-der-spitze-der-gelbwesten-revolte\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 10. Januar 2019 mit einigen Korrekturen an der \u00dcbersetzung durch Redaktion maulwuerfe.ch <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laura Varlet. Im Dienstleistungsbereich arbeiten immer mehr Frauen, insbesondere in der Pflege, Reinigung, Bildung und anderer Sorgearbeit. 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