{"id":4823,"date":"2019-01-22T18:43:52","date_gmt":"2019-01-22T16:43:52","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4823"},"modified":"2019-01-22T18:43:53","modified_gmt":"2019-01-22T16:43:53","slug":"streik-in-matamoros-droht-autoindustrie-in-nordamerika-lahmzulegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4823","title":{"rendered":"Streik in Matamoros droht Autoindustrie in Nordamerika lahmzulegen"},"content":{"rendered":"<p><em>Eric London.<\/em> <strong>Der Streik von 70.000 Arbeitern bei Autozulieferern im mexikanischen Matamoros zeigt erste Auswirkungen auf Montagewerke in den USA. Er k\u00f6nnte die Autoproduktion in ganz Nordamerika zum Stillstand bringen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Matamoros liegt ganz im Norden von Mexiko, direkt an der Grenze zum US-Bundesstaat Texas. In den Maquiladoras entlang der Grenze zwischen den USA und Mexiko werden unter extremen Ausbeutungsbedingungen fast zwei Drittel der mexikanischen Exporte produziert.<\/p>\n<p>Arbeiter in den USA berichten der\u00a0<em>World Socialist Web Site<\/em>, dass das Management die Produktion in den Montagewerken von General Motors und Ford infolge des Streiks zur\u00fcckf\u00e4hrt. Die Produktion im Ford-Montagewerk in Flat Rock (Michigan) wird diese Woche eingestellt, weil wegen des Streiks die Komponenten ausgehen.<\/p>\n<p>Durch ihre mutige Arbeitsniederlegung k\u00f6nnten die Belegschaften von 50 Betrieben in Matamoros eine der gro\u00dfen Branchen der Weltwirtschaft in die Knie zwingen.<\/p>\n<p>Der Streik ist ein Beweis f\u00fcr die objektive Einheit und die gemeinsamen Klasseninteressen der US-amerikanischen, kanadischen und mexikanischen Arbeiter. Er ist die Antwort der Arbeiterklasse auf Donald Trumps rassistische Drohung, eine Mauer zwischen den USA und Mexiko zu bauen. Er ist auch die Antwort auf das nationalistische Gift, das von den Gewerkschaften UAW und Unifor verbreitet wird, um amerikanischen und kanadischen Arbeitern weiszumachen, ihre Feinde seien nicht die Autobosse und das kapitalistische Profitsystem, sondern die Kollegen in Mexiko.<\/p>\n<p>Die Arbeiter von Matamoros beginnen, ihre Kraft zu erkennen. Gestern marschierten Tausende von ihren Betrieben zum zentralen Platz der Stadt und riefen: \u201eBourgeoisie raus!\u201c In einem \u00fcber die sozialen Medien verbreiteten Aufruf fordern die Streikenden \u201ealle mexikanischen Arbeiter\u201c zu einem landesweiten Generalstreik auf, den sie \u201eTag ohne Arbeiter\u201c nennen.<\/p>\n<p>Ein Teil der gestrigen Massendemonstration marschierte unter dem Banner: \u201eDie Gewerkschaft und das Unternehmen bringen die Arbeiterklasse um\u201c. Streikende Arbeiter erkl\u00e4rten, die Berichte auf der\u00a0<em>World Socialist Web Site <\/em>h\u00e4tte \u201ejeder gelesen\u201c.<\/p>\n<p>Es gibt Anzeichen daf\u00fcr, dass sich der Streik ausbreiten k\u00f6nnte. Am Freitag entlie\u00df der Autozulieferer Aptiv Hunderte von Arbeitern in der Grenzstadt Reynosa, weil sie in vor\u00fcbergehenden Arbeitsniederlegungen eine 100-prozentige Lohnerh\u00f6hung gefordert hatten. Die Entlassungen l\u00f6sten bei den Arbeitern helle Emp\u00f6rung aus.<\/p>\n<p>Eine Million Arbeiter in den Maquiladoras nahe der US-mexikanischen Grenze verfolgen den Kampf in Matamoros mit Spannung.<\/p>\n<p>Der Streik macht deutlich, dass die internationale Verflechtung der Automobilindustrie f\u00fcr die Arbeiter eine Quelle gro\u00dfer St\u00e4rke ist. Die Unternehmen haben die Globalisierung genutzt, um die Ausbeutung von Arbeitern auf der ganzen Welt zu steigern. Doch wie der Streik in Matamoros zeigt, haben die Arbeiter an jeder Produktionsst\u00e4tte die Hebel in der Hand, um die gesamte Maschinerie der globalen profitorientierten Produktion lahmzulegen.<\/p>\n<p>Zehntausende von Arbeitern auf der ganzen Welt verfolgen die Berichterstattung \u00fcber den Streik, und immer mehr Menschen senden Unterst\u00fctzungsbotschaften:<\/p>\n<p>&#8211; Ein GM-Mitarbeiter aus dem kanadischen Oshawa schreibt: \u201eDie Unternehmen versuchen, alle diese Arbeiter auf der anderen Seite der Grenze auszubeuten. Ich habe es satt! Das haben Kanada, die USA und Mexiko nicht verdient. Wir werden genau verfolgen, was die mexikanischen Arbeiter tun. Unsere Gewerkschaft tut nicht viel f\u00fcr uns. Ihr m\u00fcsst diesen Kampf f\u00fchren und gewinnen. Lasst euch nicht unterkriegen.\u201c<\/p>\n<p>&#8211; Ein rum\u00e4nischer Arbeiter bei Autoliv \u2013 einem der in Mexiko bestreikten Unternehmen \u2013 erkl\u00e4rte: \u201eDie Bedingungen in Mexiko sind eine Schande. In Rum\u00e4nien ist es auch nicht gut. Wir arbeiten 12 Stunden f\u00fcr 20 Euro pro Tag. Die Gewerkschaften in Rum\u00e4nien sind genauso wie die in Mexiko. Sie sind kleine Bosse. In Mexiko und Rum\u00e4nien m\u00fcssen wir bessere, anst\u00e4ndige Bedingungen bekommen.\u201c<\/p>\n<p>&#8211; Ein Arbeiter von GM Silao im mexikanischen Guanajuato pflichtet ihm bei: \u201eWir m\u00fcssen es hier in Silao genauso machen. Die Gewerkschaft taugt \u00fcberhaupt nichts.\u201c<\/p>\n<p>&#8211; Ein Autoarbeiter in Detroit sagte: \u201eEs freut mich, dass ihr \u00fcber diese illusorischen nationalen Grenzen hinweg euren arbeitenden Br\u00fcdern und Schwestern im Norden die Hand reicht. Wir m\u00fcssen als vereinte globale Kraft zusammenstehen. Wir werden nicht zulassen, dass US-Unternehmen mexikanischen Arbeiter im Namen des Kapitalismus etwas antun. Ihr seid unsere Kollegen, ihr lebt nur zuf\u00e4llig in einem anderen Land.\u201c<\/p>\n<p>Diese Botschaften der Klassensolidarit\u00e4t entlarven die L\u00fcge der Gewerkschaften, dass die Arbeiter der drei L\u00e4nder Nordamerikas unterschiedliche Interessen h\u00e4tten. In jedem Land versuchen die Gewerkschaften den Arbeitern einzureden, dass sie mit ihren Kollegen konkurrieren m\u00fcssten, anstatt sich zu vereinen, um ihre gemeinsamen Feinde zu bek\u00e4mpfen. Die Gewerkschaften erz\u00e4hlen den Arbeitern in den reicheren L\u00e4ndern, dass sie K\u00fcrzungen bei L\u00f6hnen und Sozialleistungen akzeptieren m\u00fcssten, um zu Hause Arbeitspl\u00e4tze zu \u201eretten\u201c.<\/p>\n<p>Diese Strategie war eine Katastrophe f\u00fcr die Autoarbeiter. Weite Teile des US-amerikanischen und kanadischen Mittleren Westens wurden durch Werksschlie\u00dfungen und Zugest\u00e4ndnisse der Gewerkschaften verw\u00fcstet, w\u00e4hrend die Geh\u00e4lter von Unifor- und UAW-B\u00fcrokraten in sechsstellige Bereiche abhoben. Jetzt plant GM den Abbau weiterer 15.000 Arbeitspl\u00e4tze, unter anderem durch die Schlie\u00dfung von Werken in den USA und Kanada, die vom Streik bei den Zulieferbetrieben in Mexiko betroffen sind.<\/p>\n<p>Der Streik in Matamoros ist ein Ereignis von internationaler Bedeutung. Hier findet ein offener Klassenkrieg statt. Die Konzerne entlassen Hunderte von Arbeitern und drohen ihre Familien ins Elend zu st\u00fcrzen. Die Unternehmen sperren Arbeiter in die Werke ein und blockieren die Ausg\u00e4nge mit Barrieren. Die mexikanische Marine und die Polizei eskortieren die Demonstrationen der Arbeiter mit den Fingern am Ausl\u00f6ser ihrer Sturmgewehre. Innerhalb einer Woche haben die Arbeiter den Unternehmen Gewinneinbu\u00dfen in H\u00f6he von 100 Millionen Dollar beschert.<\/p>\n<p>Und doch ist bisher in den US-Medien\u00a0<em>kein einziger Bericht<\/em>\u00a0\u00fcber den Streik erschienen. Mit fast der gleichen Beharrlichkeit haben ihn die \u00fcberregionalen mexikanischen Medien totgeschwiegen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend US-Zeitungen wie die\u00a0<em>New York Times\u00a0<\/em>meterweise Spalten auf Fragen der sexuellen und ethnischen Identit\u00e4t verschwenden, zensieren sie die \u00dcberlebensfragen der Arbeiterklasse und verschweigen ihre K\u00e4mpfe.<\/p>\n<p>Die herrschende Klasse \u2013 einschlie\u00dflich der Gewerkschaften \u2013 wagt es nicht, auch nur ein Wort \u00fcber den Streik in Matamoros zu sagen, weil sie Angst hat, dass er zum Vorbild f\u00fcr Arbeiter rund um die Welt wird.<\/p>\n<p>Denn die Arbeiter in Matamoros zeigen, was m\u00f6glich ist:<\/p>\n<p>Sie organisieren sich unabh\u00e4ngig von den Gewerkschaften und w\u00e4hlen ihre eigenen Aussch\u00fcsse, mit zwei Vertretern aus jedem Betrieb, die den Streiks koordinieren, Informationen zwischen den bestreikten Werken austauschen und die gesamte Arbeiterklasse zur Unterst\u00fctzung aufrufen. Dies kristallisiert sich als zentrales Thema des Klassenkampfs 2019 heraus.<\/p>\n<p>Wichtige erste Schritte sind gemacht. Aber wir warnen die Arbeiter von Matamoros, dass die Unternehmen und die Gewerkschaften eine Strategie von Zuckerbrot und Peitsche anwenden, um ihren Kampf zu schw\u00e4chen. Abgesehen von Drohungen mit Entlassungen und Gewalt st\u00fctzen sich die Unternehmen und die Hauptgewerkschaft auf karrieres\u00fcchtige Arbeitsrechtler, die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Arbeiter vort\u00e4uschen. Sie fordern bei gemeinsamen Auftritten mit den Gewerkschaftsb\u00fcrokraten dazu auf, die Gewerkschaft zu \u201ereformieren\u201c, anstatt zu \u201eeigenm\u00e4chtigen Aktionen\u201c zu greifen.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Appelle richten sie an den neu gew\u00e4hlten mexikanischen Pr\u00e4sidenten Andr\u00e9s Manuel L\u00f3pez Obrador, der \u00f6ffentlich seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Banken und Unternehmen zugesagt hat. Sie werden auf taube Ohren sto\u00dfen.<\/p>\n<p>Wenn die Arbeiter diesem Rat folgen, geben sie die Initiative aus der Hand. Ihre wahre St\u00e4rke liegt gerade in der Unabh\u00e4ngigkeit von den Gewerkschaften und den kapitalistischen Parteien. Der wirkliche Weg vorw\u00e4rts besteht darin, an die Kollegen in den Maquiladoras und an die Klassengenossen in den USA und Kanada zu appellieren.<\/p>\n<p>Die Streikenden von Matamoros beweisen, dass alle Arbeiter unabh\u00e4ngig von Rasse oder Nationalit\u00e4t von den gleichen Unternehmen ausgebeutet werden und die gleiche Sprache des Klassenkampfs sprechen. Die internationale Einheit der Arbeiterklasse ist die Grundlage f\u00fcr den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft ohne Krieg, ohne nationale Gegens\u00e4tze und ohne soziale Ungleichheit.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/01\/22\/pers-j22.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 22. Januar 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eric London. Der Streik von 70.000 Arbeitern bei Autozulieferern im mexikanischen Matamoros zeigt erste Auswirkungen auf Montagewerke in den USA. 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