{"id":4899,"date":"2019-02-01T11:23:55","date_gmt":"2019-02-01T09:23:55","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4899"},"modified":"2019-02-01T12:04:05","modified_gmt":"2019-02-01T10:04:05","slug":"ein-franzoesisches-1905-und-die-historische-krise-der-gewerkschaftsbewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4899","title":{"rendered":"Ein &#8222;franz\u00f6sisches 1905&#8220; und die historische Krise der Gewerkschaftsbewegung"},"content":{"rendered":"<p><em>Juan Chingo.<\/em><strong> Mehr als 30 Jahre nach der Niederlage der Pariser Kommune brachte die russische Revolution von 1905 erneut die revolution\u00e4re Spontanit\u00e4t der Massen auf den Tisch. Sie leitete eine Krise der<!--more--> deutschen Sozialdemokratie und ihrer Gewerkschaften ein, die sich an die b\u00fcrgerliche Ordnung angepasst hatten. Was, wenn der Aufstand der Gelbwesten nun das 1905 der Gewerkschaftsf\u00fchrungen und insbesondere der CGT ist?<\/strong><\/p>\n<p>Sagen wir es gleich zu Beginn: In Frankreich hat Ende 2018 und Anfang 2019 noch keine Revolution begonnen. Doch genauso wenig hat die Regierung wieder die Oberhand gewonnen. Jeder Vergleich mit der russischen Revolution von 1905 kann also falsch und \u00fcbertrieben sein. Ebenso wenig steht in diesem Prozess, anders als im Fall Russlands, das am st\u00e4rksten konzentrierte Proletariat der St\u00e4dte an der Spitze der Bewegung. Der Prozess dr\u00fcckt sich weder durch eine m\u00e4chtige Streikwelle aus, noch hat er Selbstbestimmungsorgane wie die Sowjets hervorgebracht. Aber die revolution\u00e4ren Aktionen der \u201eGilets Jaunes\u201c (dt. \u201eGelbwesten\u201c) haben einen Hauch von Januar 1905, als der Aufstand der Massen von St. Petersburg das zaristische Regime in die Krise brachte. In Frankreich hat heute die Kontinuit\u00e4t des trotz der Pause am Jahresende schon zwei Monate andauernden Gelbwesten-Aufstands \u2013 mit einer noch radikaleren Entschlossenheit in ihrer Konfrontation mit dem b\u00fcrgerlichen Staat als 1968 \u2013 die wichtigste Krise in der Geschichte des Regimes der F\u00fcnften Republik er\u00f6ffnet. Das Regime ist bereits durch jahrelange Abnutzung geschw\u00e4cht, versch\u00e4rft durch den gescheiterten Versuch der bonapartistischen Restaurierung \u00e0 la Macron, wie wir bereits in anderen Artikeln erl\u00e4utert haben.<\/p>\n<p>Aber der Vergleich ist \u2013 trotz der enormen Unterschiede \u2013 an einer Stelle besonders bedeutsam: Die russische Revolution von 1905 hat, obwohl sie besiegt wurde, ein neues Stadium der Arbeiter*innenbewegung er\u00f6ffnet und die Periode der Abwesenheit der Revolution beendet, die durch die Niederlage der Pariser Kommune 1871 er\u00f6ffnet worden war. Sie ersch\u00fctterte auch die strategischen Grundlagen der wichtigsten Organisationen der weltweiten Arbeiter*innenbewegung, die sich in den Jahrzehnten des Friedens konsolidiert hatten: die Sozialdemokratie und die von ihr gef\u00fchrten Gewerkschaften des deutschen Proletariats, wie Rosa Luxemburg in\u00a0<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/luxemburg\/1906\/mapage\/index.htm\"><strong>\u201eMassenstreik, Partei und Gewerkschaften\u201c<\/strong><\/a>\u00a0auf au\u00dferordentliche Weise aufzeigte.<\/p>\n<p>In diesem Sinne k\u00f6nnen wir \u2013 ausgehend von strukturellen, aber auch politischen Elementen und Elementen des Klassenkampfes, die durch den Aufstand der Gelbwesten hervorgehoben wurden \u2013 die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Krise der franz\u00f6sischen Gewerkschaftsbewegung beleuchten. Das erm\u00f6glicht es auch, Wege zu ergr\u00fcnden, um alle Kr\u00e4fte des Proletariats in Bewegung zu setzen, Macron zum R\u00fcckzug zu zwingen und tats\u00e4chlich in einen revolution\u00e4ren Prozess einzutreten. Eine absolut zentrale Frage, die bisher ungel\u00f6st ist und die dieser Artikel untersuchen soll.<\/p>\n<p><strong>Starke institutionelle Tendenzen und Elemente des \u201eOstens\u201c im imperialistischen Frankreich<\/strong><\/p>\n<p>Der gewaltsame Ausbruch des Aufstands der Gelben Westen findet im Rahmen der gleicherma\u00dfen komplexen wie fortgeschrittenen Struktur des franz\u00f6sischen imperialistischen Kapitalismus statt. Die Radikalit\u00e4t und die Besonderheiten dieses Aufstands sind mit einer neuen Form der \u201eungleichen und kombinierten Entwicklung\u201c verbunden, die das Proletariat und seine Organisationen betrifft. Es gibt einerseits starke Tendenzen zur Institutionalisierung der traditionellen Organisationen der Arbeiter*innenbewegung und andererseits eine Entwicklung von Elementen, die mehr mit dem zu tun haben, was der italienische Revolution\u00e4r Antonio Gramsci \u201eden Osten\u201c nannte <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<\/p>\n<p>Die Ver\u00e4nderungen in der Zusammensetzung der Arbeiter*innenklasse seit der neoliberalen Offensive und als Reaktion auf den Generalstreik von 1968, sowie die zunehmende institutionelle Integration der Gewerkschaften mittels verschiedener Formen (Verhandlung, Sozialpartnerschaft, Co-Management der Sozialversicherung), haben die \u201ewestlichen\u201c Charakterz\u00fcge der franz\u00f6sischen Arbeiter*innenbewegung verst\u00e4rkt,\u00a0<em>\u201eauch wenn die institutionelle Integration der franz\u00f6sischen Gewerkschaften noch lange nicht mit der ihrer skandinavischen, belgischen oder deutschen Kolleg*innen gleichzusetzen ist\u201c<\/em>\u00a0<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/p>\n<p>In dem Werk\u00a0<em>Sociologie politique du syndicalisme<\/em>\u00a0beschreiben mehrere Autor*innen einige der Merkmale dieser wachsenden Institutionalisierung. So hei\u00dft es dort:<\/p>\n<p>Die Distanz zur Politik ist heute zu einem Zwang f\u00fcr Gewerkschafter*innen geworden. Neben den bereits erw\u00e4hnten materiellen Zw\u00e4ngen, wie der Zeit, die an den professionalisierten Schaupl\u00e4tzen der Sozialpartnerschaft verbracht wird, ist die Beschr\u00e4nkung von Gewerkschafter*innen auf den begrenzten Bereich der beruflichen Beziehungen daher auch das Ergebnis verinnerlichter sozialer Zw\u00e4nge durch \u201egef\u00fchlte Grenzen\u201c, die sie in dieser Situation dazu veranlassen, sich beispielsweise selbst zu verbieten, eine als \u00fcberm\u00e4\u00dfig politisch wahrgenommene Position einzunehmen.<\/p>\n<p>Und weiter:<\/p>\n<p>Fernab von den medialen Stereotypen \u00fcber Gewerkschafter*innen, die in erster Linie mit Streik zu tun haben, ist es auch m\u00f6glich, eine aktivistische Karriere im Gewerkschaftswesen zu verfolgen, indem man einen B\u00fcrojob annimmt und in einem Gremium nach dem anderen sitzt: in einer parit\u00e4tischen Branchenkommission zum Beispiel, in einem f\u00fcr die Berufsausbildung zugelassenen Kollektivorgan oder als Berater*in in arbeitsrechtlichen Fragen. <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Offensichtlich hat all dies Auswirkungen auf das Repertoire der gewerkschaftlichen Aktionen (um die Sprache der Autor*innen zu nutzen), wie sich am Beispiel derjenigen franz\u00f6sischen Gewerkschaftszentrale zeigt, die am konfliktbereitesten zu sein scheint: die CGT. Die Autor*innen schreiben:<\/p>\n<p>Angesichts der sinkenden Mitgliederzahlen wird die Durchf\u00fchrung von einzelnen Aktionstagen mit Demonstrationen gegen\u00fcber Streiks als besseres Mittel zur Mobilisierung \u2013 und damit zur St\u00e4rkung der Legitimation \u2013 angesehen. Damit einhergehend werden weniger kostspielige oder riskante Formen der Mobilisierung der Arbeiter*innen bevorzugt. Der Wunsch der CGT-F\u00fchrung, Strategien der Radikalisierung der Mobilisierung und eine Blockade der Wirtschaft zu vermeiden, zielt jedoch auch darauf ab, die Mobilisierung in solchen Aktionsformen einzud\u00e4mmen, die als weniger politisch wahrgenommen werden und mit dem Bestreben, wieder eine zentrale Position im Spiel der Tarifverhandlungen einzunehmen, besser vereinbar sind. <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Die Niederlage des Kampfes gegen die Arbeitsmarktreform (\u201eEl-Khomri-Gesetz\u201c) im Jahr 2016 und die darauf folgende XXL-Arbeitsreform oder die Eisenbahnreform in der aktuellen Amtszeit des Pr\u00e4sidenten \u2013 um nur die j\u00fcngsten Beispiele zu nennen \u2013 zeigen die mangelnde Wirksamkeit dieser Strategie zur Eind\u00e4mmung neoliberaler Reformen.<\/p>\n<p>Aber als Kehrseite dieses \u201ewestlichen\u201c Prozesses entstehen (schon seit Jahrzehnten) in weiten Teilen der Arbeiter*innenklasse \u2013 insbesondere bei den Arbeiter*innen, die im Zwischenraum zwischen der gro\u00dfen Metropole und dem l\u00e4ndlichen Raum leben (was viele Autor*innen als periurbane R\u00e4ume bezeichnen) \u2013 eine Reihe von Elementen des \u201eOstens\u201c. Das hei\u00dft, es ergibt sich ein Prozess der Schw\u00e4chung der Zivilgesellschaft, insbesondere der \u201eFestungen\u201c und \u201eKasematten\u201c, um die gramscianischen Metaphern des erweiterten b\u00fcrgerlichen Staates zur Kontrolle der Bev\u00f6lkerung zu nutzen. Mit anderen Worten, die neoliberale Offensive der letzten Jahrzehnte schw\u00e4chte und verschlechterte in ungeahntem Ausma\u00df eine ganze Reihe von Mechanismen wie das allgemeine Wahlrecht, die Massenparteien, die Gewerkschaften sowie verschiedene Zwischeninstitutionen, aber auch die Schulen oder Vereine \u2013 also den zentralen M\u00f6rtel, durch den der Einfluss der herrschenden Klasse \u00fcber den Zwangsapparat (den Staat im engeren Sinne oder die \u201eGruppe bewaffneter M\u00e4nner\u201c) hinaus aufrechterhalten wurde. So erzeugte sie ein Gef\u00fchl des sozialen und kulturellen Abstiegs.<\/p>\n<p>Christophe Guilluy, Spezialist f\u00fcr soziale Geographie, berichtet auf seine eigene Art von diesem Prozess und unterstreicht, dass die Bourgeoisie \u201eihre kulturelle Hegemonie verloren\u201c habe <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>. So sagt er in seinem neuen, polemischen Buch:<\/p>\n<p>Die westlichen herrschenden Klassen haben ihre eigene Bev\u00f6lkerung marginalisiert und die Bedingungen f\u00fcr ihre Ohnmacht geschaffen. Indem sie die Verbindung zwischen oben und unten aufbrechen, favorisieren die Eliten die Autonomie der \u201eeinfachen Leute\u201c, die sich schon nicht mehr auf \u201edie da oben\u201c beziehen. Wenn der Zwangsapparat nicht militarisiert wird, wird sich die politische Klasse nicht lange auf die Medien oder die akademische Welt verlassen k\u00f6nnen, um die unteren Schichten im Zaum zu halten. Abgesehen davon, dass niemand von \u201eunten\u201c Politiker*innen, \u00d6konom*innen, Wissenschaftler*innen oder Medien ernst nimmt, \u00f6ffnet sich das 21. Jahrhundert einem gr\u00f6\u00dferen Paradox. Heute sind es \u201edie da oben\u201c, die ihre kulturelle Hegemonie verlieren. Die unsichtbare \u201esoft power\u201c der unteren Schichten ist das Unerwartete der Globalisierung.<\/p>\n<p>Weiter unten bemerkt er:<\/p>\n<p>Diese erzwungene Autonomie einer Welt von unten, die heute hermetisch von den Diskursen und Befehlen der Welt von oben abgeschlossen ist, erlaubt es den Volksklassen, zu bekr\u00e4ftigen, was ihnen gemeinsam ist. Entgegen allen Erwartungen \u00fcben sie heute eine unsichtbare \u201esoft power\u201c aus, die zum Zusammenbruch der kulturellen Hegemonie der dominanten und \u00fcbergeordneten Klassen beitr\u00e4gt. In allen westlichen L\u00e4ndern erleben wir eine Umkehrung der Vorstellungen von potentieller und ausge\u00fcbter Macht.<\/p>\n<p>Wir stimmen nicht vollst\u00e4ndig mit dieser Konzeptualisierung \u00fcberein, die letztlich im Dienste einer populistischen Politik der Zusammenarbeit mit einem Sektor der franz\u00f6sischen imperialistischen herrschenden Klasse steht. Jedoch hat diese Beschreibung dieser gr\u00f6\u00dferen Autonomie der \u201eeinfachen Leute\u201c eine gro\u00dfe Erkl\u00e4rungskraft. Ihre \u201eVer\u00f6stlichung\u201c (in gramscianischen Begriffen) \u2013 d.h. die Schw\u00e4chung der Vermittlungsinstanzen und\/oder politischer, gewerkschaftlicher und vereinsf\u00f6rmiger Vermittlungen (welche im Gegensatz zur russischen Arbeiter*innenklasse zu Beginn des 20. Jahrhunderts gleichzeitig von einem hohen kulturellen Niveau aus erfolgt) \u2013 erkl\u00e4rt den gewaltsamen Ausbruch des Gelbwesten-Ph\u00e4nomens, seinen radikalen und explosiven Charakter sowie viele seiner Grenzen. Denn unabh\u00e4ngig von allen Grenzen haben die Gelbwesten das Verdienst, die Vermittlungs- und Kampfstrategien der traditionellen Arbeiter*innenbewegung in Frage zu stellen, die sich v\u00f6llig an die imperialistische franz\u00f6sische Demokratie angepasst haben.<\/p>\n<p><strong>\u201eMassenstreik, Partei und Gewerkschaften\u201c in der Hitze des Aufstands der Gelbwesten<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts dieses \u201eumgekehrten 1905\u201c \u2013 denn im Gegensatz zu Russland sind es nicht die Sektoren der Arbeiter*innenklasse mit der wichtigsten strategischen Position in Industrie und Dienstleistungen, die in der Offensive sind \u2013 ist es inspirierend, sich an einige der Lehren zu erinnern, die die gro\u00dfe Revolution\u00e4rin Rosa Luxemburg im Allgemeinen und insbesondere f\u00fcr das deutsche Proletariat aus der russischen Revolution von 1905 gezogen hat. In ihrem revolution\u00e4ren Essay\u00a0<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/luxemburg\/1906\/mapage\/index.htm\"><strong>\u201eMassenstreik, Partei und Gewerkschaften\u201c<\/strong><\/a> fand sie die Schl\u00fcssel, die es ihr erm\u00f6glichten, die strategische Sackgasse zu verstehen, in der sich die deutsche Arbeiter*innenbewegung befand. Deren Strategie beruhte darauf, jeden geringsten ernsthaften Kampf mit der Bourgeoisie und ihrem Staat zu vermeiden, wodurch sie trotz ihrer St\u00e4rke nicht wie in der Vergangenheit materielle und moralische Fortschritte erzielen konnte. Rosa entwarf eine brillante Synthese des ungest\u00fcmen Einzugs der Massen auf die politische B\u00fchne und warf alle Pl\u00e4ne der F\u00fchrungen der Sozialdemokratischen Partei und der deutschen Gewerkschaften zu Boden:<\/p>\n<p>Nach der Theorie der Liebhaber \u201eordentlicher und wohldisziplinierter\u201c K\u00e4mpfe nach Plan und Schema, jener besonders, die es von weitem stets besser wissen wollen, wie es \u201eh\u00e4tte gemacht werden sollen\u201c, war der Zerfall der gro\u00dfen politischen Generalstreikaktion des Januar 1905 in eine Unzahl \u00f6konomischer K\u00e4mpfe wahrscheinlich \u201eein gro\u00dfer Fehler\u201c, der jene Aktion \u201elahmgelegt\u201c und in ein \u201eStrohfeuer\u201c verwandelt hatte. Auch die Sozialdemokratie in Ru\u00dfland, die die Revolution zwar mitmacht, aber nicht \u201emacht\u201c und ihre Gesetze erst aus ihrem Verlauf selbst lernen mu\u00df, war im ersten Augenblick durch das scheinbar resultatlose Zur\u00fcckfluten der ersten Sturmflut des Generalstreiks f\u00fcr eine Weile etwas aus dem Konzept gebracht. Allein, die Geschichte, die jenen \u201egro\u00dfen Fehler\u201c gemacht hat, verrichtete damit, unbek\u00fcmmert um das R\u00e4sonieren ihrer unberufenen Schulmeister, eine ebenso unvermeidliche wie in ihren Folgen unberechenbare Riesenarbeit der Revolution.<\/p>\n<p>Die Ironie des Schicksals:<\/p>\n<p>Die anscheinend chaotischen Streiks und die \u201edesorganisierte\u201c revolution\u00e4re Aktion nach dem Januar-Generalstreik wird zum Ausgangspunkt einer fieberhaften Organisationsarbeit. Madame Geschichte dreht den b\u00fcrokratischen Schablonenmenschen, die an den Toren des deutschen Gewerkschaftsgl\u00fccks grimmige Wacht halten, von weitem lachend eine Nase. Die festen Organisationen, die als unbedingte Voraussetzung f\u00fcr einen eventuellen Versuch zu einem eventuellen deutschen Massenstreik im Voraus wie eine uneinnehmbare Festung umschanzt werden sollen, diese Organisationen werden in Ru\u00dfland gerade umgekehrt aus dem Massenstreik geboren! Und w\u00e4hrend die H\u00fcter der deutschen Gewerkschaften am meisten bef\u00fcrchten, da\u00df die Organisationen in einem revolution\u00e4ren Wirbel wie kostbares Porzellan krachend in St\u00fccke gehen, zeigt uns die russische Revolution das direkt umgekehrte Bild: Aus dem Wirbel und Sturm, aus Feuer und Glut der Massenstreiks, der Stra\u00dfenk\u00e4mpfe steigen empor wie die Venus aus dem Meerschaum: frische, junge, kr\u00e4ftige und lebensfrohe \u2013 Gewerkschaften.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich, indem sie jede abstrakte Trennung zwischen zwei untrennbar miteinander verbundenen Feldern durchbrach, schlussfolgerte sie:<\/p>\n<p>Allein die Bewegung im Ganzen geht nicht blo\u00df nach der Richtung vom \u00f6konomischen zum politischen Kampf, sondern auch umgekehrt. Jede von den gro\u00dfen politischen Massenaktionen schl\u00e4gt, nachdem sie ihren politischen H\u00f6hepunkt erreicht hat, in einen ganzen Wust \u00f6konomischer Streiks um. Und dies bezieht sich wieder nicht blo\u00df auf jeden einzelnen von den gro\u00dfen Massenstreiks, sondern auch auf die Revolution im Ganzen. Mit der Verbreitung, Kl\u00e4rung und Potenzierung des politischen Kampfes tritt nicht blo\u00df der \u00f6konomische Kampf nicht zur\u00fcck, sondern er verbreitet sich, organisiert sich und potenziert sich seinerseits in gleichem Schritt. Es besteht zwischen beiden eine v\u00f6llige Wechselwirkung.<\/p>\n<p>Wie aktuell ist all dies angesichts der chaotischen und vielgestaltigen Bewegung der \u201eGilets Jaunes\u201c! Ganz zu schweigen von den Schlussfolgerungen, die sie f\u00fcr das deutsche Proletariat gezogen hat, die angesichts der strategischen Sackgasse der franz\u00f6sischen Gewerkschaften, insbesondere der k\u00e4mpferischen, so aktuell wie nie sind. Vergleichen wir die Lehren, die Rosa Luxemburg aus der russischen Revolution von 1905 zog, mit den \u201ebrillanten\u201c Kampfpl\u00e4nen der franz\u00f6sischen Gewerkschaftsf\u00fchrungen heute, wo die Eisenbahngewerkschaften mit ihrem ber\u00fchmten \u201egr\u00e8ve perl\u00e9\u201c (\u201ePerlenstreik\u201c, bei dem auf je drei Tage Streik zwei Tage Arbeit folgten) den gr\u00f6\u00dften Preis absahnen, mit dem sie trotz des Kampfgeistes der Basis die v\u00f6llige Unsichtbarkeit und Unwirksamkeit des Streiks und damit verbunden seine Niederlage erreichten:<\/p>\n<p>Anderseits aber sehen wir in Ru\u00dfland, da\u00df dieselbe Revolution (\u2026) daf\u00fcr selbst gerade alle jene Schwierigkeiten der Massenstreiks l\u00f6st, die im theoretischen Schema der deutschen Diskussion als die Hauptsorgen der \u201eLeitung\u201c behandelt werden: die Frage der \u201eVerproviantierung\u201c, der \u201eKostendeckung\u201c und der \u201eOpfer\u201c. Freilich, sie l\u00f6st sie durchaus nicht in dem Sinne, wie man es bei einer ruhigen, vertraulichen Konferenz zwischen den leitenden Oberinstanzen der Arbeiterbewegung mit dem Bleistift in der Hand regelt. Die \u201eRegelung\u201c all dieser Fragen besteht darin, da\u00df die Revolution eben so enorme Volksmassen auf die B\u00fchne bringt, da\u00df jede Berechnung und Regelung der Kosten ihrer Bewegung, wie man die Kosten eines Zivilprozesses im Voraus aufzeichnet, als ein ganz hoffnungsloses Unternehmen erscheint. Gewi\u00df suchen auch die leitenden Organisationen in Ru\u00dfland die direkten Opfer des Kampfes nach Kr\u00e4ften zu unterst\u00fctzen. So wurden z. B. die tapferen Opfer der Riesenaussperrung in Petersburg infolge der Achtstundenkampagne wochenlang unterst\u00fctzt. Allein alle diese Ma\u00dfnahmen sind in der enormen Bilanz der Revolution ein Tropfen im Meere. Mit dem Augenblick, wo eine wirkliche, ernste Massenstreikperiode beginnt, verwandeln sich alle \u201eKostenberechnungen\u201c in das Vorhaben, den Ozean mit einem Wasserglas auszusch\u00f6pfen. Es ist n\u00e4mlich ein Ozean furchtbarer Entbehrungen und Leiden, durch den jede Revolution f\u00fcr die Proletariermasse erkauft wird. Und die L\u00f6sung, die eine revolution\u00e4re Periode dieser scheinbar un\u00fcberwindlichen Schwierigkeit gibt, besteht darin, da\u00df sie zugleich eine so gewaltige Summe von Massenidealismus ausl\u00f6st, bei der die Masse gegen die sch\u00e4rfsten Leiden unempfindlich wird. Mit der Psychologie eines Gewerkschaftlers, der sich auf keine Arbeitsruhe bei der Maifeier einl\u00e4\u00dft, bevor ihm eine genau bestimmte Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Fall seiner Ma\u00dfregelung im Voraus zugesichert wird, l\u00e4\u00dft sich weder Revolution noch Massenstreik machen. Aber im Sturm der revolution\u00e4ren Periode verwandelt sich eben der Proletarier aus einem Unterst\u00fctzung heischenden vorsorglichen Familienvater in einen \u201eRevolutionsromantiker\u201c, f\u00fcr den sogar das h\u00f6chste Gut, n\u00e4mlich das Leben, geschweige das materielle Wohlsein im Vergleich mit den Kampfidealen geringen Wert besitzt.<\/p>\n<p>Es sind diese Kampfideale, die durch die zunehmende Institutionalisierung der Gewerkschaftsbewegung zunichte gemacht wurden.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich und in Bezug auf das, was wir im vorherigen Abschnitt gesagt haben, ist es unglaublich zu sehen, wie die Kritik Luxemburgs am Konservatismus der Gewerkschaftsf\u00fchrung und die Erkl\u00e4rung der materiellen Ursachen, die diesen Konservatismus hervorrufen, auch dazu dient, die aktuelle Situation der F\u00fchrungen der franz\u00f6sischen Gewerkschaftsbewegung darzustellen:<\/p>\n<p>Die Spezialisierung ihrer Berufst\u00e4tigkeit als gewerkschaftlicher Leiter sowie der naturgem\u00e4\u00df enge Gesichtskreis, der mit den zersplitterten \u00f6konomischen K\u00e4mpfen in einer ruhigen Periode verbunden ist, f\u00fchren bei den Gewerkschaftsbeamten nur zu leicht zum B\u00fcrokratismus und zu einer gewissen Enge der Auffassung. Beides \u00e4u\u00dfert sich aber in einer ganzen Reihe von Tendenzen, die f\u00fcr die Zukunft der gewerkschaftlichen Bewegung selbst h\u00f6chst verh\u00e4ngnisvoll werden k\u00f6nnten. Dahin geh\u00f6rt vor allem die \u00dcbersch\u00e4tzung der Organisation, die aus einem Mittel zum Zweck allm\u00e4hlich in einen Selbstzweck, in ein h\u00f6chstes Gut verwandelt wird, dem die Interessen des Kampfes untergeordnet werden sollen. Daraus erkl\u00e4rt sich auch jenes offen zugestandene Ruhebed\u00fcrfnis, das vor einem gr\u00f6\u00dferen Risiko und vor vermeintlichen Gefahren f\u00fcr den Bestand der Gewerkschaften, vor der Ungewi\u00dfheit gr\u00f6\u00dferer Massenaktionen zur\u00fcckschreckt (\u2026) Und schlie\u00dflich wird aus dem Verschweigen der dem gewerkschaftlichen Kampfe gezogenen objektiven Schranken der b\u00fcrgerlichen Gesellschaftsordnung eine direkte Feindseligkeit gegen jede theoretische Kritik, die auf diese Schranken im Zusammenhang mit den Endzielen der Arbeiterbewegung hinweist (\u2026).<\/p>\n<p>Angesichts einer \u201eradikalisierten illegitimen Macht\u201c muss die Arbeiter*innenbewegung zwangsl\u00e4ufig ihre Strategie \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Wie wir eingangs sagten, kann der Aufstand der Gelben Westen, wenn er nicht verallgemeinert wird, nicht in eine Revolution umgewandelt werden. Aber schon vor dem \u201eIX. Akt\u201c (der neunten w\u00f6chentlichen Demonstration in Folge, A.d.\u00dc.) hat diese revolution\u00e4re Aktion ein politisches Erdbeben in allen Organisationen der traditionellen Arbeiter*innenbewegung ausgel\u00f6st, insbesondere in der CGT, deren St\u00e4rke sich in den gro\u00dfen Bastionen des Proletariats des \u00f6ffentlichen und privaten Sektors konzentriert. Ohne ihr revolution\u00e4res Aufb\u00e4umen ist es unm\u00f6glich zu gewinnen. Genauso wenig k\u00f6nnen ohne sie die widerspr\u00fcchlichen Elemente der gegenw\u00e4rtigen Situation \u00fcberwunden werden. Dabei geht es um die Schwierigkeiten, einen Sprung in der demokratischen Strukturierung der Bewegung durch Organismen der Selbstorganisation und potenziell der Gegenmacht zu machen; nicht nur die Vertreter*innen des Gro\u00dfkapitals, sondern auch das Gro\u00dfkapital selbst direkter anzugreifen; und zur Organisation des Generalstreiks als Instrument zur Untergrabung und L\u00e4hmung des b\u00fcrgerlichen Staates \u00fcberzugehen und damit echte Bedingungen f\u00fcr die Machtergreifung durch die aufst\u00e4ndischen Massen zu schaffen. Mit anderen Worten muss der Aufstand der Gelben Westen zu einer allgemeinen Antwort der Arbeiter*innenklasse werden.<\/p>\n<p>1905 konnten die angeblich r\u00fcckst\u00e4ndigen russischen Arbeiter*innen die m\u00e4chtige und organisierte deutsche Arbeiter*innenbewegung erziehen. Heute k\u00f6nnen die frischen Lehren aus dem Aufstand der Gelbwesten \u2013 diese gro\u00dfe spontane Bewegung der Sektoren, die weniger durch die Ideologie des Gewerkschaftsroutinismus verschmutzt sind \u2013 die Arbeiter*innenklasse als Ganzes wiederbeleben. Dieser Aufstand hat bereits alle \u00fcblichen Formen des Klassenkampfes in Frankreich in Frage gestellt. Er brachte die M\u00f6glichkeiten zur Kontrolle des Kampfes der Arbeiter*innen in eine Krise, w\u00e4hrend er gleichzeitig das Tabu der politischen Intervention der Ausgebeuteten brach, ebenso wie die Konventionen der Verhandlung mit der politischen Macht. Er hat auch die Grundlagen der konstituierten Macht, ihre Legitimit\u00e4t, ihre zentrale und regulierende Rolle sowohl f\u00fcr Demonstrationen als auch bei der sozialen und politischen Vertretung in Frage gestellt. Wie 1905 wurden alle Eind\u00e4mmungsmechanismen und aufeinanderfolgenden H\u00fcrden, die sich ihrem Kampf vom ersten Akt an in den Weg stellten, nicht durch einen festgelegten Plan, sondern durch die enorme Spontaneit\u00e4t der Massenbewegung zerst\u00f6rt. Die Gelben Westen beginnen zu zeigen, wie eine Massenbewegung ihr eigenes Schicksal in die Hand nehmen kann, indem sie die unglaubliche Dichotomie bricht, die seit Jahrzehnten in der franz\u00f6sischen Arbeiter*innenbewegung zwischen politischer und gewerkschaftlicher Intervention besteht: das hei\u00dft, die Praxis, alle 7 oder 5 Jahre f\u00fcr unsere eigenen Henker*innen zu stimmen und sich dann auf den defensiven Kampf gegen ihre arbeiter*innen- und massenfeindlichen Aktionspl\u00e4ne mit v\u00f6llig impotenten Kampfma\u00dfnahmen zu beschr\u00e4nken, wie wir es bestenfalls seit Jahren erleben, oder blo\u00dfe Resignation, wie es die kollaborativsten Gewerkschaftszentralen vorschlagen.<\/p>\n<p>Seit der Krise 2008\/9 hat die Strategie der Gewerkschaftsf\u00fchrungen nicht den geringsten Teilsieg errungen \u2013 im Gegensatz zum Aufstand der Gelben Westen, der bisher der einzige war, der einen teilweisen R\u00fcckzug Macrons erreichte, w\u00e4hrend er gleichzeitig eine neue Agenda hervorbrachte, die im Widerspruch zur Kontinuit\u00e4t der neoliberalen Offensive steht. Die Gelben Westen wurden zur wichtigsten sozialen Bewegung seit 1968 \u2013 von l\u00e4ngerer Dauer und gr\u00f6\u00dferer anti-institutioneller Wut \u2013, obwohl sie sich noch nicht auf alle Bereiche der Klasse verallgemeinert haben.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang und angesichts\u00a0<a href=\"https:\/\/www.liberation.fr\/debats\/2019\/01\/07\/un-pouvoir-illegitime-radicalise_1701467\"><strong>\u201eeiner radikalisierten illegitimen Macht\u201c<\/strong><\/a>, wie es heute der Macronismus ist (nach dem Titel des letzten\u00a0<em>Lib\u00e9ration<\/em>-Artikels von Bruno Amable), lautet die gro\u00dfe Frage, die sich alle Gewerkschafter*innen stellen m\u00fcssen: Was wird die Arbeiter*innenbewegung tun?<\/p>\n<p>Ehrliche Gewerkschafter*innen stehen vor einem eisernen Dilemma: weiterhin unhinterfragt den Legalismus und friedliche Kampfmethoden zu respektieren und das Fehlen von \u201eVerhandlungen\u201c oder \u201eDialogen\u201c zu beklagen, oder umgekehrt ihre Methoden, Strategien und Entschlossenheit im Sinne der \u201eGilets Jaunes\u201c zu radikalisieren? Das gleiche Dilemma, aber noch akuter, pr\u00e4sentiert sich den k\u00e4mpferischsten Sektoren, die der aktuellen Strategie der Gewerkschaftsf\u00fchrungen, insbesondere in der CGT, am kritischsten gegen\u00fcber stehen: Wollen sie sich weiterhin \u00fcber die machtlose Politik derselben zu beschweren, ohne die F\u00fc\u00dfe vom Tisch zu nehmen? Oder h\u00f6ren sie auf, Verstecken zu spielen, und begleichen ein f\u00fcr allemal die Rechnung mit der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie? Gewinnen sie die Gewerkschaftsorganisationen f\u00fcr den Klassenkampf zur\u00fcck und schaffen gleichzeitig breite Organisationen mit den \u201eGilets Jaunes\u201c, die es uns erm\u00f6glichen werden, unsere Kr\u00e4fte mit den Millionen von nicht gewerkschaftlich organisierten, aber entschlossenen Arbeiter*innen zusammenzuf\u00fchren, wenn wir eine feste F\u00fchrung, eine Strategie und ein Programm f\u00fcr den Sieg vorlegen, um entschlossen in den Kampf einzutreten, wie es der Aufstand der Gelben Westen bereits vorank\u00fcndigt?<\/p>\n<p>Angesichts der skandal\u00f6sen Radikalisierung der Macht, die wir in diesen Wochen sehen konnten und die sich von Tag zu Tag mehr und mehr in eine \u201eilliberale Demokratie\u201c verwandelt \u2013 wie sie Macron heuchlerisch nach au\u00dfen in Ungarn verurteilt und dann noch willk\u00fcrlichere Ma\u00dfnahmen als diese anwendet \u2013, wird das, was der russische Revolution\u00e4r Leo Trotzki im M\u00e4rz 1919 im\u00a0<a href=\"http:\/\/www.sinistra.net\/komintern\/dok\/1kmankiwpd.html\"><strong>\u201eManifest der Kommunistischen Internationale an das Proletariat der ganzen Welt\u201c<\/strong><\/a>\u00a0sagte, umso aktueller:<\/p>\n<p>In Wirklichkeit aber f\u00e4llt in allen wichtigen Fragen, welche die Geschicke der V\u00f6lker bestimmen, die Finanzoligarchie ihre Entscheidungen hinter dem R\u00fccken der parlamentarischen Demokratie. (\u2026) An das Proletariat die Forderung zu stellen, dass es im letzten Kampfe mit dem Kapitalismus, in dem es sich um Leben und Tod handelt, lammfromm den Forderungen der b\u00fcrgerlichen Demokratie folge, hie\u00dfe, von einem Menschen, der sein Leben und seine Existenz gegen R\u00e4uber verteidigt, die Befolgung der k\u00fcnstlichen, bedingten Regeln des franz\u00f6sischen Ringkampfes zu verlangen, die von seinem Feinde festgestellt, von ihm aber nicht befolgt worden.<\/p>\n<p>Die \u201eGilets Jaunes\u201c beginnen mit ihrem Kampf, diese Realit\u00e4t zu verstehen. Es ist unerl\u00e4sslich, dass auch die Arbeiter*innenbewegung als Ganzes dies tut und sie begleitet.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien zuerst am 13. Januar 2019 auf Franz\u00f6sisch in der Sonntagsausgabe von\u00a0<\/em><a href=\"http:\/\/www.revolutionpermanente.fr\/Un-1905-a-la-francaise-et-la-crise-historique-du-syndicalisme\"><strong><em>R\u00e9volution Permanente<\/em><\/strong><\/a><em>, sowie am 20. Januar 2019 auf Spanisch bei\u00a0<\/em><a href=\"http:\/\/www.laizquierdadiario.com\/Un-1905-a-la-francesa-y-la-crisis-historica-del-sindicalismo\"><strong><em>Ideas de Izquierda<\/em><\/strong><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/ein-franzoesisches-1905-und-die-historische-krise-der-gewerkschaftsbewegung\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 1. Februar 2019 <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Die Unterscheidung Osten\/Westen wird von Gramsci verwendet, um die Unterschiede zu analysieren, die sich zwischen den verschiedenen Gesellschaftsformen und in der Rolle des Staatsapparats in jeder von ihnen zeigen, wie in der bekannten Passage aus den\u00a0<em>Gef\u00e4ngnisheften<\/em>\u00a0zusammengefasst: \u201eIm Osten war der Staat alles, die Zivilgesellschaft war in ihren Anf\u00e4ngen und gallertenhaft; im Westen bestand zwischen Staat und Zivilgesellschaft ein richtiges Verh\u00e4ltnis, und beim Wanken des Staates gewahrte man sogleich eine robustere Struktur der Zivilgesellschaft. Der Staat war nur ein vorgeschobener Sch\u00fctzengraben, hinter welchem sich eine robuste Kette von Festungen und Kasematten befand\u201c (Heft 7, \u00a716, entworfen zwischen November und Dezember 1930).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Sophie B\u00e9roud,\u00a0<em>Sociologie politique du syndicalisme<\/em>, Paris, Armand Collin, 2018. Die folgenden Zitate stammen auch aus diesem Buch.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Im gleichen Sinne bekr\u00e4ftigen sie:\u00a0<em>\u201eW\u00e4hrend die Schaupl\u00e4tze des Aktivismus schrumpften, in denen politische und ideologische Diskussionen stattfanden, vervielf\u00e4ltigten sich die R\u00e4ume f\u00fcr Begegnungen zwischen den Fachleuten der Arbeitsbeziehungen, ob sie nun den Staat, die Arbeiter*innen oder die Chef*innen vertreten, um ein Vielfaches. Gewerkschafter*innen wurden zunehmend ermutigt, auf nationaler, europ\u00e4ischer oder lokaler Ebene eine Rolle als Techniker*innen und Expert*innen zu \u00fcbernehmen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Ganz zu schweigen von der CFDT und ihrem \u201ebegleitenden\u201c Gewerkschaftswesen. Die zitierten Autoren sagen:\u00a0<em>\u201eIn den CFDT-Kursen wird in die Einf\u00fchrung in Verhandlungstechniken die Perspektive der Entwicklung einer vertraglichen Gewerkschaftspraxis integriert, d.h. eines Gewerkschaftswesens, das in der Lage ist, Vereinbarungen mit den Chef*innen abzuschlie\u00dfen. Durch Verhandlungen soll den Arbeiter*innen gezeigt werden, dass die Gewerkschaft n\u00fctzlich ist, um ihre Interessen pragmatisch und konkret zu vertreten, ohne auf staatliche Eingriffe zur\u00fcckzugreifen. Aus diesem Grund besteht das vorrangige Ziel der Aktiven darin, die Voraussetzungen f\u00fcr einen m\u00f6glichen Kompromiss mit ihrem Management zu schaffen und auf die Entwicklung von Vertrauensverh\u00e4ltnissen mit ihnen zu setzen: Es ist notwendig, dass sie ihre F\u00e4higkeit zur Erzielung von Vereinbarungen unter Beweis stellen, den Chef vom Interesse \u00fcberzeugen, die CFDT zu ihrem bevorzugten Gespr\u00e4chspartner zu machen, und Konzessionen zustimmen, um im Gegenzug die Unterschrift der Gewerkschaft zu erhalten\u201c.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Christophe Guilluy,\u00a0<em>No society. La fin de la classe moyenne occidentale<\/em>, Paris, Flammarion, 2018.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juan Chingo. Mehr als 30 Jahre nach der Niederlage der Pariser Kommune brachte die russische Revolution von 1905 erneut die revolution\u00e4re Spontanit\u00e4t der Massen auf den Tisch. 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