{"id":4974,"date":"2019-02-23T09:57:42","date_gmt":"2019-02-23T07:57:42","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4974"},"modified":"2019-02-23T09:58:36","modified_gmt":"2019-02-23T07:58:36","slug":"4974","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4974","title":{"rendered":"Venezuela: Warum informieren Medien nicht \u00fcber das V\u00f6lkerrecht?"},"content":{"rendered":"<p><em><u>Urs P. Gasche<\/u><\/em><em>.\u00a0<\/em><strong>Was sagt das V\u00f6lkerrecht zum Wirtschaftsboykott, zur politischen Einmischung und zu den Drohkulissen gegen Maduro? V\u00f6lkerrechts-Professoren erkl\u00e4ren, dass ein milit\u00e4risches Eingreifen<!--more--> der USA gegen die UN-Charta verstossen w\u00fcrde. \u2013 Derweil freut sich Trumps Sicherheitsberater John R. Bolten bereits darauf, dass US-\u00d6lkonzerne in Venezuela bald investieren und dort produzieren k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p>Seit sich der venezolanische Parlamentspr\u00e4sident Juan Guaid\u00f3 zum Interimspr\u00e4sidenten erkl\u00e4rte, sind fast zwei Wochen verstrichen. Doch trotz der intensiven Berichterstattung liest und h\u00f6rt man wenig dar\u00fcber, ob die verschiedenen Interventionen des Auslands das internationale V\u00f6lkerrecht respektieren.<\/p>\n<p>Nicht nur Regierungen, sondern auch viele Medien prangern Verletzungen des V\u00f6lkerrechts sehr selektiv an. Die Gleichen, welche Russland wiederholt der \u00abv\u00f6lkerrechtswidrigen Annexion der Krim\u00bb und der \u00abv\u00f6lkerrechtswidrigen Einmischung in der Ostukraine\u00bb bezichtigen, halten sich in Sachen V\u00f6lkerrecht auff\u00e4llig still, wenn etwa die T\u00fcrkei Grenzgebiete in Syrien milit\u00e4risch besetzt und unter ihre Kontrolle bringt, oder wenn die USA in Syrien Milit\u00e4rbasen einrichten und unterhalten.<\/p>\n<p>Das klassische V\u00f6lkerrecht tauge eben wenig, sagen einige. Es sei veraltet und werde nicht von allen L\u00e4ndern anerkannt. Wegen des Vetorechts sei der UN-Sicherheitsrat h\u00e4ufig handlungsunf\u00e4hig und Verst\u00f6sse gegen die UN-Charta w\u00fcrden nicht sanktioniert.<\/p>\n<p>Doch insbesondere f\u00fcr Kleinstaaten wie die Schweiz ist es essentiell, dass unter den Staaten nicht das Recht des St\u00e4rkeren gilt, sondern dass internationale Normen, wie sie in der UN-Charta festgeschrieben sind, ein m\u00f6glichst friedliches Nebeneinander f\u00f6rdern. Im Zentrum steht das in der UN-Charta verankerte\u00a0<em>Verbot der Gewaltanwendung<\/em>. Dazu geh\u00f6ren auch einseitige Wirtschaftssanktionen. Werden jedoch solche von der UNO beschlossen, ist auch die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/eda\/de\/home\/aussenpolitik\/internationale-organisationen\/vereinte-nationen\/sanktionen.html\">Schweiz als UNO-Mitglied<\/a>\u00a0dazu verpflichtet, diese Sanktionen umzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Das Verbot von Kriegen<\/strong><\/p>\n<p>Die Charta der UNO hat das Gewaltverbot in Artikel 2 verankert:<\/p>\n<p><em>\u00abAlle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede &#8230; Androhung oder Anwendung von Gewalt.\u00bb<\/em><\/p>\n<p>Zu diesem Kriegsverbot sieht die Charta nur zwei Ausnahmen vor: 1. Das Recht auf Selbstverteidigung, wenn ein Land angegriffen wird. 2. Wenn der UN-Sicherheitsrat mit einem Mandat den Krieg gegen ein Land beschliesst. Dies kann der Sicherheitsrat auch dann tun, wenn eine Regierung die Bev\u00f6lkerung im eigenen Land nicht sch\u00fctzt vor Genozid, Kriegsverbrechen, ethnischen S\u00e4uberungen oder schweren Verbrechen gegen die Menschlichkeit (<a href=\"http:\/\/www.un.org\/en\/preventgenocide\/rwanda\/about\/bgresponsibility.shtml\">\u00abResponsibility to Protect\u00bb<\/a>)<\/p>\n<p>Das zweite grundlegende UN-Prinzip der\u00a0<em>Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten fremder Staaten<\/em>\u00a0bezweckt insbesondere, dass Grossm\u00e4chte innere Unruhen oder selbst B\u00fcrgerkriege in Drittstaaten nicht dazu nutzen, sich einzumischen und ihre eigenen Interessen durchzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Einmischungen in Venezuela<\/strong><\/p>\n<p>Die antikapitalistischen Regierungen von Hugo Ch\u00e1vez und Nicol\u00e1s Maduro verspekulierten sich mit einem fallenden \u00d6lpreis \u2013 90 Prozent der Exporteinnahmen kommen von \u00d6lexporten \u2013 und wirtschafteten das Land durch Klientelpolitik und Bereicherung des Machtkl\u00fcngels herunter.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/finanzmarkt\/us-sanktionen-zwingen-venezuela-in-die-knie-15294286.html\"><em>Einseitige US-Sanktionen<\/em><\/a><em>\u00a0gaben der stark geschw\u00e4chten Wirtschaft den Rest<\/em>\u00a0(Dokumentation von Ben Norton\u00a0<a href=\"https:\/\/linkezeitung.de\/2019\/02\/02\/internes-us-regierungsdokument-beschreibt-das-programm-fuer-den-wirtschaftskrieg-gegen-venezuela\/\">hier<\/a>) und f\u00fchrten das Land in die Abh\u00e4ngigkeit Russlands. Weite Teile der Bev\u00f6lkerung leiden unter einer verheerenden Hyperinflation. Sie f\u00fchrte zu leeren Gesch\u00e4ften, verbreiteter Armut und zur Auswanderung von zehn Prozent der 32 Millionen Einwohner.<\/p>\n<p>Politisch trat insbesondere Maduro die demokratischen Institutionen mit F\u00fcssen. Der selbsternannte Pr\u00e4sident Juan Guaid\u00f3 bezeichnete am 1. Februar in der \u00abNew York Times\u00bb die j\u00fcngste Wiederwahl von Maduro zum Pr\u00e4sidenten als illegal, und er bezifferte die Zahl der politischen Gefangenen mit 600.<\/p>\n<p>Aus diesem \u00absozialistischen Gef\u00e4ngnis\u00bb, das Unterdr\u00fcckung, Armut und Misere beschert habe, m\u00fcsse man das venezolanische Volk befreien, fordert etwa Publizistik-Leiter\u00a0<em>Pascal Hollenstein<\/em>\u00a0in der \u00abSchweiz am Wochenende\u00bb und der \u00abOstschweiz am Sonntag\u00bb.<\/p>\n<p><strong>Eine zentrale Frage und weitere Fragen<\/strong><\/p>\n<p>Hollenstein beantwortet jedoch eine zentrale Frage nicht: Wann ist es legitim oder sogar v\u00f6lkerrechtlich gefordert, dass die USA (oder Russland oder China) ein Drittland mit einem faktischen Wirtschaftsboykott ausbluten, Milliardenguthaben dieser Regierung bzw. dieses Staates im Ausland blockieren, Neuwahlen fordern, einen Oppositionellen als neuen Regierungschef anerkennen und ihm finanziell, logistisch und allenfalls auch milit\u00e4risch zur Macht verhelfen?<\/p>\n<p>Laut UN-Charta d\u00fcrften die USA, Russland oder China gegen ein Land nur dann wirtschaftliche oder milit\u00e4rische Gewalt anwenden, wenn der Sicherheitsrat eine solche Intervention mit einer qualifizierten Mehrheit und ohne ein Veto eines der st\u00e4ndigen Mitglieder* beschliesst. Voraussetzung w\u00e4re, dass eine Regierung die Bev\u00f6lkerung im eigenen Land nicht sch\u00fctzt vor Genozid, Kriegsverbrechen, ethnischen S\u00e4uberungen oder schweren Verbrechen gegen die Menschlichkeit.<\/p>\n<p>Im Fall von Venezuela wird der Sicherheitsrat f\u00fcr eine ausl\u00e4ndische Intervention kein gr\u00fcnes Licht geben, weil Russland und China einen solchen Beschluss mit einem Veto verhindern w\u00fcrden. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die wirtschaftliche, soziale, politische und menschenrechtliche Lage in Venezuela einen solchen Beschluss des Sicherheitsrats \u00fcberhaupt rechtfertigen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Kam es zu einem Genozid? Zu Kriegsverbrechen? Zu ethnischen S\u00e4uberungen? Zu schweren Verbrechen gegen die Menschlichkeit?<\/p>\n<p>Ob wenigstens eine dieser Voraussetzungen f\u00fcr eine Einmischung der Grossm\u00e4chte und des UN-Sicherheitsrats erf\u00fcllt ist, dar\u00fcber sollten die Medien m\u00f6glichst faktenbasiert informieren.<\/p>\n<p>In seinem\u00a0<a href=\"http:\/\/iht.newspaperdirect.com\/epaper\/viewer.aspx\">Leitartikel<\/a>\u00a0in der \u00abNew York Times\u00bb vom 1. Februar 2019 st\u00fctzt sich der selbsternannte Pr\u00e4sident\u00a0<em>Juan Guaid\u00f3<\/em>\u00a0auf keine dieser Interventionsbedingungen. Was er geltend macht sind vielmehr Verletzungen der venezolanischen Verfassung (\u00abgesetzwidrige Wahl Pr\u00e4sident Maduros am 20. Mai 2018\u00bb), eine humanit\u00e4re Krise wegen mangelnder Lebensmittel und medizinischer Versorgung, den Exodus von drei Millionen Einwohnern sowie 600 politische Gefangene.<\/p>\n<p>Dazu stellen sich weitere Fragen:<\/p>\n<ul>\n<li>Welche andere L\u00e4nder k\u00f6nnten oder d\u00fcrften die USA (oder auch Russland oder China) ebenfalls mit wirtschaftlichen Sanktionen unter Druck setzen? In welchen andern L\u00e4ndern ebenfalls Oppositionsgruppen anerkennen und unterst\u00fctzen? Wo k\u00f6nnten oder m\u00fcssten sie ebenfalls eingreifen, um das wirtschaftliche und politische Schicksal der Bev\u00f6lkerungen zu verbessern? Im Kongo nach dem j\u00fcngsten, krassen Wahlbetrug, in Ruanda, der Zentralafrikanischen Republik, Sambia, Zimbabwe, Nigeria, Bangladesch, Iran, Saudi-Arabien, \u00c4gypten (mit rund 60&#8217;000 politischen Gefangenen, im Verh\u00e4ltnis zur Bev\u00f6lkerung 30x mehr als in Venezuela)?<\/li>\n<li>Verstiessen die Grossmachts-Interventionen in Kosovo, Libyen, Afghanistan, Irak, Syrien, Krim, Ostukraine alle gegen das V\u00f6lkerrecht und die UN-Charta?<\/li>\n<li>Welche Rolle spielten und spielen bei den Einmischungen in\u00a0<em>Libyen<\/em>,\u00a0<em>Irak<\/em>und\u00a0<em>Venezuela<\/em>\u00a0die grossen\u00a0<em>Erd\u00f6lvorkommen<\/em>?<\/li>\n<li>Aufgrund welcher v\u00f6lkerrechtlichen Rechtsgrundlage fordern EU-Staaten ultimativ, mit Drohung von Konsequenzen,\u00a0<em>Wahlen<\/em>in einem fremden Land?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zur letzten Frage: Venezuela hat den\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/eda\/de\/home\/aussenpolitik\/voelkerrecht\/internationale-uebereinkommenzumschutzdermenschenrechte\/internationaler-pakt-buergerliche-politische-rechte.html\">Internationalen Pakt \u00fcber b\u00fcrgerliche und politische Rechte<\/a>\u00a0ICCPR unterschrieben. Deshalb seien freie und faire Wahlen keine rein \u00abinnere\u00bb Angelegenheit mehr, sagt der Hamburger V\u00f6lkerrechts-Professor\u00a0<em>Stefan Oeter<\/em>. Vertragspartner m\u00fcssten deshalb Pr\u00e4sident Maduro nicht als Pr\u00e4sidenten anerkennen.<\/p>\n<p>Allerdings sieht der ICCPR eine solche Sanktion nicht vor, sondern vielmehr ein Staatenbeschwerdeverfahren. Der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/en\/professionalinterest\/pages\/ccpr.aspx\">ICCPR<\/a>\u00a0hat nichts mit dem klassischen V\u00f6lkerrecht und der UN-Charta zu tun.<\/p>\n<p><strong>Folgenschwere Anerkennung von Juan Guaid\u00f3 als Pr\u00e4sidenten<\/strong><\/p>\n<p>Nur eine Stunde nachdem sich Parlamentspr\u00e4sident Juan Guaid\u00f3 zum Pr\u00e4sidenten ernannte, anerkannten ihn die USA als einzig legitimen Pr\u00e4sidenten Venezuelas und forderten s\u00fcdamerikanische und europ\u00e4ische Staaten auf, das Gleiche zu tun.<\/p>\n<p>Die Schweiz anerkennt laut\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/eda\/de\/home\/aussenpolitik\/voelkerrecht\/einhaltung-und-foerderungdesvoelkerrechts\/anerkennung-von-staatenundregierungen.html\">EDA<\/a>\u00a0wie viele andere Staaten grunds\u00e4tzlich keine Regierungen an, sondern nur Staaten. Regierungen k\u00f6nnen wechseln, ein Staat bleibt ein Staat.<\/p>\n<p>Allerdings habe auch die Schweiz schon\u00a0<em>Regierungen<\/em>\u00a0aberkannt, obwohl diese die Herrschaft noch effektiv aus\u00fcbten, aber ihre Legitimit\u00e4t verloren haben, wie zum Beispiel im Laufe der Nelkenrevolution 1974 in Portugal. Darauf macht der emeritierte St. Galler V\u00f6lkerrechts-Professor\u00a0<em>Rainer J. Schweizer<\/em>\u00a0aufmerksam. Er meint deshalb, dass auch die Schweiz Guaid\u00f3 bald als Pr\u00e4sidenten anerkennen k\u00f6nnte, sobald die Mehrheit der EU-Staaten dies gemacht haben.<\/p>\n<p>Es erstaunt trotzdem, wie viele Medien die Anerkennung Guaid\u00f3s als Pr\u00e4sidenten als etwas Normales darstellten. Die SRF-Tagesschau berichtete mehrmals, selbst das\u00a0<em>EU-Parlament<\/em>\u00a0habe Guaid\u00f3 als Pr\u00e4sidenten anerkannt. Die Tagesschau erw\u00e4hnte nicht, dass das Parlament juristisch gar keine Legitimation hat, Regierungen oder Staaten anzuerkennen. Es handelte sich um eine rein politische Resolution.<\/p>\n<p>Immerhin befragte das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/play\/radio\/echo-der-zeit\/audio\/voelkerrechtliche-anerkennung-im-machtkampf-in-venezuela?id=38b88bdf-9e4f-4e3e-b3ad-8523b86e6a65\">\u00abEcho der Zeit\u00bb<\/a>\u00a0als weit und breit einziges Medium einen Professor f\u00fcr V\u00f6lkerrecht dazu.\u00a0<em>Oliver Diggelmann<\/em>\u00a0der Universit\u00e4t Z\u00fcrich kl\u00e4rte auf, Staaten k\u00f6nnten \u00abgrunds\u00e4tzlich\u00bb nur eine Regierung anerkennen, die \u00abeffektiv die Macht im Staat innehat\u00bb.<\/p>\n<p>Das Gleiche hatte\u00a0<em>Christine Kaufmann<\/em>\u00a0betont, bis Ende 2018 Professorin f\u00fcr V\u00f6lkerrecht an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich: \u00abEine Regierung muss sich durchgesetzt haben\u00bb, bevor man sie anerkennen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>In der Geschichte habe es jedoch schon F\u00e4lle gegeben, bei denen \u00abRegierungen\u00bb, die keine effektive Macht aus\u00fcbten, anerkannt wurden, sagte Professor Diggelmann: In Haiti 1994, in Sierra Leone 1997, in Gambia 2017 sowie Libyen die Anerkennung von Aufst\u00e4ndischen, als Ghadaffi noch an der Macht war.<\/p>\n<p>Das Anerkennen beziehungsweise Nicht-Anerkennen von Regierungen werde \u00ab<em>sehr selektiv<\/em>\u00bb vorgenommen, r\u00e4umte Stefan Oeter, Professor f\u00fcr V\u00f6lkerrecht an der Universit\u00e4t Hamburg gegen\u00fcber Infosperber ein:<\/p>\n<p>\u00ab<em>In den meisten F\u00e4llen von unzweifelhaft effektiven Regierungen mit dubioser Legitimation vermeidet man es, Fragen der Legitimation zu stellen.<\/em>\u00bb<\/p>\n<p>Das Anerkennen von \u00abRegierungen\u00bb oder \u00abPr\u00e4sidenten\u00bb, welche keine effektive Macht im Land aus\u00fcben, kann allerdings einschneidende Folgen haben. Eine anerkannte Regierung k\u00f6nne nicht nur Zugriff auf Staatsgelder im Ausland erlangen, sondern auch das\u00a0<em>Eingreifen ausl\u00e4ndischer M\u00e4chte autorisieren<\/em>, erkl\u00e4rte Professor Oliver Diggelmann. Falls Guaid\u00f3 die USA zu Hilfe rufe, k\u00f6nnten diese selbst ein milit\u00e4risches Eingreifen v\u00f6lkerrechtlich mit dem Hilferuf legitimieren. [So wie Russland und Iran ihre Interventionen in Syrien mit dem Hilferuf Assads v\u00f6lkerrechtlich legitimieren.]<\/p>\n<p>Diggelmann \u00fcber das Anerkennen Guaid\u00f3s als Interimspr\u00e4sidenten:<\/p>\n<p>\u00ab<em>Es handelte sich um eine ausserordentlich aggressive Anerkennung. Der Gedanke, dass am Ende eine milit\u00e4rische Intervention der USA stehen k\u00f6nnte, scheint mir nicht aus der Luft gegriffen<\/em>.\u00bb<\/p>\n<p>Bis jetzt hat Guaid\u00f3 nur Hilfslieferungen aus dem Ausland angefordert. Den Fl\u00fcchtlingen und Hungernden in Venezuela und den Nachbarstaaten ohne Milit\u00e4reinsatz diplomatisch und wirtschaftlich zu helfen, sei \u00ab<em>angesichts des enormen Ausmasses der wirtschaftlichen Not und der Repression ein Gebot der v\u00f6lker- und menschenrechtlichen Schutzpflichten<\/em>\u00bb, erkl\u00e4rt V\u00f6lkerrechts-Professor Rainer J. Schweizer.<\/p>\n<p>Dagegen sei der\u00a0<em>Zugriff der USA auf die venezolanische \u00d6lfirma und die Blockade des \u00d6lverkaufs durch die USA<\/em>\u00a0als Druckmittel gegen die Regierung Maduro \u00ab<em>wohl als v\u00f6lkerrechtlich unzul\u00e4ssige Intervention anzusehen<\/em>\u00bb.<\/p>\n<p>Gleicher Ansicht ist der Hamburger V\u00f6lkerrechts-Professor\u00a0<em>Stefan Oeter<\/em>:\u00a0<em>\u00abGegen\u00fcber \u2039illegitimen\u203a, also durch Rechtsbruch ans Ruder gekommenen Regierungen, k\u00f6nnen im Grundsatz durchaus Wirtschaftssanktionen verh\u00e4ngt werden. Tabu ist dagegen der Einsatz milit\u00e4rischer Gewalt gegen derartige Regierungen; milit\u00e4rische Zwangsmassnahmen k\u00f6nnte allenfalls der UN-Sicherheitsrat anordnen.\u00bb<\/em><\/p>\n<p>Voraussetzungen f\u00fcr einen solchen Beschuss des Sicherheitsrats w\u00e4ren Genozid, Kriegsverbrechen, ethnische S\u00e4uberungen oder schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Nur dann k\u00e4me die\u00a0<a href=\"http:\/\/www.un.org\/en\/preventgenocide\/rwanda\/about\/bgresponsibility.shtml\">\u00abResponsibility to Protect\u00bb<\/a>\u00a0zum Zug.<\/p>\n<p><strong>\u00abKalte Krieger sind zur\u00fcck\u00bb<\/strong><\/p>\n<p>In der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2019\/01\/31\/opinion\/us-intervention-venezuela.html\">\u00abNew York Times\u00bb<\/a>\u00a0meldete sich Geschichtsprofessor\u00a0<em>Patrick Iber<\/em>\u00a0der Wisconsin-Universit\u00e4t in Madison zu Wort: \u00abWie schlimm Maduro auch ist, die USA sind kein vertrauensw\u00fcrdiger Partner, um einen \u2039Regime Change\u203a zu forcieren.\u00bb Im Laufe des 20. Jahrhunderts h\u00e4tten sich die USA immer wieder in die inneren Angelegenheiten s\u00fcdamerikanischer Staaten eingemischt, weil sie S\u00fcdamerika als ihr geopolitisches Hinterland betrachteten. Er erinnerte an Guatemala, Brasilien oder Chile. Dort h\u00e4tten die USA Milit\u00e4rdiktatoren an die Macht gebracht und sich um das Schicksal der Bev\u00f6lkerungen foutiert.*<\/p>\n<p>F\u00fcr\u00a0<em>Iber<\/em>\u00a0sind heute die \u00abKalten Krieger wieder zur\u00fcck\u00bb. F\u00fchrende K\u00f6pfe der US-Politik gegen\u00fcber Venezuela seien\u00a0<em>John R. Bolton<\/em>, ein gl\u00fchender Bef\u00fcrworter des Kriegs in Irak. Am Fernsehen forderte Bolton Pr\u00e4sident Maduro auf, \u00ab<em>sich an einen sch\u00f6nen, ruhigen Strand weit weg von Venezuela zur\u00fcckzuziehen, sonst landet er am Strand von Guantanamo<\/em>\u00bb.<\/p>\n<p>Im\u00a0<a href=\"https:\/\/video.foxbusiness.com\/v\/5993599263001\/#sp=show-clips\">TV-Kanal \u00abFoxBusiness\u00bb<\/a>\u00a0(ab Minute 5.58) erkl\u00e4rte Bolton: \u00ab<em>F\u00fcr die USA w\u00e4re es von grossem Vorteil, wenn US-\u00d6lkonzerne in Venezuela investieren und produzieren k\u00f6nnten<\/em>. Das w\u00e4re gut f\u00fcr die Bev\u00f6lkerungen sowohl in Venezuela als auch in den USA.\u00bb<\/p>\n<p>Als speziellen Beauftragten f\u00fcr die \u00abWiedereinf\u00fchrung der Demokratie in Venezuela\u00bb ernannte das Weisse Haus ausgerechnet\u00a0<em>Elliott Abrams<\/em>, der w\u00e4hrend der Reagan-Administration Menschenrechtsverletzungen der USA in El Salvador rechtfertigte. Er setzte sich f\u00fcr Milit\u00e4rhilfe an Diktator R\u00edos Montt in Guatemala ein. Zur gleichen Zeit finanzierte er unter Umgehung des Weissen Hauses Waffenlieferungen an die Contra-Rebellen in Nicaragua. Wegen Bel\u00fcgen des Kongresses wurde er verurteilt. Abrams geh\u00f6rte ebenfalls zu den vehementesten Verfechtern des US-Einmarsches in Irak.<\/p>\n<p>Als Dritter geh\u00f6rt US-Staatssekret\u00e4r\u00a0<em>Mike Pompeo<\/em>\u00a0zu den \u00abKalten Kriegern\u00bb. Als fr\u00fcherer CIA-Direktor war er massgeblich f\u00fcr den Irak-Krieg verantwortlich. Erfolgreich setzte er sich f\u00fcr die K\u00fcndigung des Atomvertrags mit dem Iran ein.<\/p>\n<p><em>*urspr\u00fcnglich hiess es hier, es sei ein einstimmiger Beschluss des Sicherheitsrats notwendig.<\/em><\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrende Informationen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/dam\/eda\/de\/documents\/publications\/Voelkerrecht\/ABC-des-Voelkerrechts_de.pdf\">Das ABC des V\u00f6lkerrechts, \u00bb, Eidgen\u00f6ssisches Departement f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten EDA.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/die-weltbeherrscher-2\/#.VVMCsmYRWq4\">*Buch von Armin Wertz \u00abDie Weltbeherrscher Milit\u00e4rische und geheimdienstliche Operationen der USA im Ausland\u00bb, 2017<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Politik\/Venezuela-Warum-informieren-Medien-nicht-uber-das-Volkerrecht\"><em>infosperber.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 23. Februar 2019 <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urs P. Gasche.\u00a0Was sagt das V\u00f6lkerrecht zum Wirtschaftsboykott, zur politischen Einmischung und zu den Drohkulissen gegen Maduro? 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