{"id":5056,"date":"2019-03-11T09:29:56","date_gmt":"2019-03-11T07:29:56","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5056"},"modified":"2019-03-11T09:29:56","modified_gmt":"2019-03-11T07:29:56","slug":"fuer-einen-kaempferischen-frauenstreik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5056","title":{"rendered":"F\u00fcr einen k\u00e4mpferischen Frauenstreik!"},"content":{"rendered":"<p><strong>In der ganzen Schweiz finden in regionalen Komitees Vorbereitungssitzungen f\u00fcr den Frauenstreik vom 14. Juni 2019 statt. In diesen steht eine Frage im Mittelpunkt: Was ist das Ziel des Frauenstreiks und<!--more--> wie muss er organisiert werden?<\/strong><\/p>\n<p>Die Unterdr\u00fcckung der Frau bleibt auch in der Schweiz von 2019 eine Tatsache: Jede dritte Frau wird an ihrem Arbeitsplatz sexuell bel\u00e4stigt, jede Woche wird eine Frau Opfer von h\u00e4uslicher Gewalt, jedes Jahr werden 25 Frauen von ihrem Partner ermordet. Frauen werden auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert, indem sie insgesamt 20% weniger als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen verdienen. Dazu kommt, dass den Frauen neben der Lohnarbeit auch noch der Grossteil der unentl\u00f6hnten Hausarbeit sowie die Betreuung von Kindern und Alten aufgeb\u00fcrdet wird.<\/p>\n<p>Seit 10 Jahren w\u00e4lzt die Bourgeoisie die Auswirkungen der kapitalistischen Krise \u00fcber Sparmassnahmen und Angriffe auf die Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten und L\u00f6hne in voller Wucht auf die Arbeiterklasse ab. Besonders hart trifft es die arbeitenden Frauen. Aus diesem Grund sehen wir derzeit weltweite Bewegungen, in denen sich Frauen gegen ihre Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung zur Wehr setzen: Der Frauenstreik in Spanien 2018 mit \u00fcber sechs Million Streikenden sei hier nur als eindr\u00fccklichstes Beispiel genannt. Unter diesem Eindruck schaut eine bereits radikalisierte Schicht der Frauen in der Schweiz ins Ausland und zieht die v\u00f6llig korrekte Schlussfolgerung: Machen wir\u2019s ihnen nach!<\/p>\n<p><strong>Ein Vers\u00e4umnis der Gewerkschaften<\/strong><\/p>\n<p>Frauen machen aber gleichzeitig auch die verwundbarsten, weil am schlechtesten organisierten Schichten der Arbeiterklasse aus. Bis heute bleibt der Organisationsgrad in den typischen Frauensektoren tief: Im Dienstleistungssektor betr\u00e4gt er 8%, in der Reinigung 6%, im Gesundheitssektor sogar nur 3%. Viele der prek\u00e4r arbeitenden Frauen sind bis heute nie in den Kontakt mit den Gewerkschaften gekommen. Dieser Umstand r\u00e4cht sich nun: Die mangelnde Verankerung der Gewerkschaften unter den arbeitenden Frauen verhindert eine breite Mobilisierung in den Betrieben.<\/p>\n<p>Doch genau diese ist notwendig daf\u00fcr, dass ein Streik, der die Kapitalisten wirklich unter Druck setzt und somit Zugest\u00e4ndnisse erk\u00e4mpfen kann, erfolgreich sein kann. Deshalb muss das oberste Ziel des Frauenstreiks 2019 sein, die Organisierung der arbeitenden Frauen in den Betrieben voranzutreiben. Damit verschieben wir l\u00e4ngerfristig das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zwischen Arbeit und Kapital. Wir m\u00fcssen kampff\u00e4hig werden, auch \u00fcber den 14. Juni hinaus!<\/p>\n<p><strong>Kein \u00absymbolischer\u00bb, sondern ein k\u00e4mpferischer Streik!<\/strong><\/p>\n<p>Doch f\u00fcr den Streik zu mobilisieren gelingt uns nur, wenn die arbeitenden Frauen auch tats\u00e4chlich die M\u00f6glichkeit sehen, eine Verbesserung zu erk\u00e4mpfen. Beschr\u00e4nkt man sich im Vornherein auf Symbolpolitik, amputiert man sich die M\u00f6glichkeit, aufzuzeigen, wie und dass wir siegen k\u00f6nnen. Nur ein Frauen<em>streik<\/em>, welcher die Wirtschaft erfolgreich blockiert, wird die B\u00fcrgerlichen zu Zugest\u00e4ndnissen zwingen.<\/p>\n<p>Die Wahl des Streiks als Kampfmittel ist eine vortreffliche M\u00f6glichkeit, direkt aufzuzeigen, was vielen bewusst oder unbewusst bereits klar ist: Frauenunterdr\u00fcckung ist Teil der kapitalistischen Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung. Die effektivste Waffe dagegen ist die traditionelle Waffe der ArbeiterInnenklasse, der Streik. Er trifft\u00a0<em>den<\/em>\u00a0wunden Punkt der Kapitalisten. F\u00fcr ihren Profit sind sie n\u00e4mlich auf die Arbeitskraft der Lohnabh\u00e4ngigen angewiesen. Mit einem Generalstreik blockieren wir die ganze kapitalistische Wirtschaft \u2013 von einem Tag auf den anderen!<\/p>\n<p>Dies ist nur m\u00f6glich, wenn sich die ganze Arbeiterklasse daran beteiligt. Daf\u00fcr m\u00fcssen M\u00e4nner ebenfalls streiken. Damit zeigen wir auf, dass arbeitende Frauen wie M\u00e4nner ein gemeinsames Klasseninteresse haben und dass der Kampf nicht gegen die M\u00e4nner gef\u00fchrt wird, sondern gegen das Kapital. Dazu brauchen wir eine m\u00f6glichst breite Einheit der Arbeiterklasse. Es ist gerade der gemeinsame Kampf, der imstande ist, jahrhundertealte spaltende Ideologien wie den Sexismus zu \u00fcberwinden und dadurch diese Einheit herzustellen.<\/p>\n<p><strong>Wie weiter?<\/strong><\/p>\n<p>Mit diesem Anspruch ist klar, dass die bisherige Organisationsform des Streiks noch lange nicht ausreicht, um einen erfolgreichen Streik durchzuf\u00fchren. Die bisherigen Streikkomitees sind kaum handlungs- und entscheidungsf\u00e4hig. Die Streikf\u00fchrung \u2013 welche bereits heute inoffiziell existiert \u2013 muss demokratisch kontrolliert werden. Je gr\u00f6sser die Bewegung, desto wichtiger werden die Demokratie und die Kontrolle der F\u00fchrung. Wir begr\u00fcssen zwar, dass sich ein nationales Komitee gebildet hat \u2013 ebenso, dass auf den 9. M\u00e4rz eine nationale Frauenkonferenz einberufen werden soll. Doch die bisherigen Strukturen sind nicht demokratisch: Wollen wir Frauen in die Streikbewegung integrieren, m\u00fcssen sie mitbestimmen k\u00f6nnen. Wenn die lokalen Komitees hingegen keine F\u00fchrung und keine Delegierten w\u00e4hlen k\u00f6nnen, die sie auf nationaler Ebene vertreten, werden wir entweder ein nationales Komitee haben, welches v\u00f6llig im Alleingang und ohne demokratische Legitimation handelt, oder aber die verschiedenen Komitees werden unkoordiniert handeln. Beides schadet dem Ziel eines schlagkr\u00e4ftigen Streiks.<\/p>\n<p><strong>Brechen wir mit dem System!<\/strong><\/p>\n<p>Wir unterst\u00fctzen die Initiative f\u00fcr einen neuen Frauenstreik und k\u00e4mpfen innerhalb der Komitees f\u00fcr demokratische Strukturen. Am wichtigsten ist uns aber die politische Klarheit: Der Kampf gegen die Unterdr\u00fcckung der Frau ist ein Kampf gegen den Kapitalismus. Wir k\u00e4mpfen f\u00fcr die Vergesellschaftung der Haus- und Betreuungsarbeit. Wir k\u00e4mpfen, mit anderen Worten, f\u00fcr die Errichtung eines fl\u00e4chendeckenden Netzes an Kitas, Kantinen und Pflegeheimen, finanziert durch die Kapitalisten; wir k\u00e4mpfen f\u00fcr eine radikale Arbeitszeitverk\u00fcrzung und die konsequente Durchsetzung der Lohngleichheit.<\/p>\n<p>Diese Forderungen sind absolut zentral f\u00fcr die Emanzipation der Frauen sowie aller Lohnabh\u00e4ngigen. Sie gehen aber weit \u00fcber den Kapitalismus hinaus und erfordern den Bruch mit diesem System. Dazu brauchen wir eine revolution\u00e4re Organisation, und es gilt, diese Schritt f\u00fcr Schritt aufzubauen. Ein Streik ist eine wichtige Erfahrung f\u00fcr die arbeitenden Frauen. Aber diese Aufbauarbeit kann er nicht ersetzen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.derfunke.ch\/htm\/de\/allgemein-de\/fuer-einen-kaempferischen-frauenstreik\/#more-10132\"><em>derfunke.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 11. M\u00e4rz 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der ganzen Schweiz finden in regionalen Komitees Vorbereitungssitzungen f\u00fcr den Frauenstreik vom 14. Juni 2019 statt. 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