{"id":5070,"date":"2019-03-14T11:33:08","date_gmt":"2019-03-14T09:33:08","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5070"},"modified":"2019-03-14T11:33:08","modified_gmt":"2019-03-14T09:33:08","slug":"weltweite-klimastreiks-es-geht-um-unsere-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5070","title":{"rendered":"Weltweite Klimastreiks: Es geht um unsere Zukunft!"},"content":{"rendered":"<p><em>Katharina Anetzberger. <\/em><strong>Klimastreiks von Sch\u00fcler_innen, initiiert von der 16-j\u00e4hrigen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg, breiten sich rasant \u00fcber den Globus aus und wachsen von Woche zu<!--more--> Woche. Die Herrschenden bringt das zur Verzweiflung. Auch Wissenschaftler_innen stellen sich nun offiziell hinter die Proteste der Jugend.<\/strong><\/p>\n<p>Die Bilder sind \u00fcberw\u00e4ltigend: Tausende Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler streiken nach dem Vorbild der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg weltweit jeden Freitag und gehen gegen die Klimazerst\u00f6rung auf die Stra\u00dfe. Von Woche zu Woche beteiligen sich mehr Menschen an den Protesten. Sie sagen klar und deutlich, dass sie nicht mehr l\u00e4nger darauf warten wollen \u2013 und k\u00f6nnen \u2013, bis die Politik ihre Strategien \u00e4ndert. Sie haben auch keine Illusionen, dass die Herrschenden \u00fcberhaupt ein Interesse an mehr Klimaschutz haben, solange nur ihre Wirtschaft gut l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Den jungen Menschen ist klar, dass heuchlerische Inszenierungen wie bei der UN-Klimakonferenz im polnischen Katowice Katowice keine Fortschritte bringen k\u00f6nnen. Dort wurde tats\u00e4chlich diskutiert, ob man die wissenschaftlichen Fakten des IPCC-Berichts (<em>Intergovernmental Panel on Climate Change<\/em>) \u00fcberhaupt ber\u00fccksichtigt will.<\/p>\n<p>Die freiwilligen Ziele des Pariser Klimaabkommens, die Erderw\u00e4rmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, sind in weite Ferne ger\u00fcckt. Es braucht radikale Ma\u00dfnahmen. Der Aufschwung der Klimagerechtigkeitsbewegung ist beeindruckend und wird die Regierungen noch ganz sch\u00f6n ins Schwitzen bringen!<\/p>\n<p><strong>Internationale Proteste<\/strong><\/p>\n<p>In \u00fcber 40 L\u00e4ndern rund um den Globus beteiligen sich Jugendliche unter dem Motto \u201eFridays for Future\u201c an den Klimastreiks. In Deutschland waren am 1. M\u00e4rz \u00fcber 20.000 Menschen in verschiedenen St\u00e4dten, von M\u00fcnchen bis Kiel, auf der Stra\u00dfe. Allein in Hamburg demonstrierten mehr als 10.000 Menschen. Auch Greta Thunberg, die mittlerweile die Ikone der Klimastreiks geworden ist, marschierte an diesem Freitag in Hamburg mit.<\/p>\n<p>Am Samstag darauf, dem 2. M\u00e4rz, fanden in der Schweiz in \u00fcber 13 St\u00e4dten Demonstrationen f\u00fcr mehr Klimaschutz statt. Insgesamt beteiligten sich fantastische 50.000 Menschen. In Bern war nur eine Standkundgebung bewilligt worden, doch angesichts der gro\u00dfen Menschenmenge von 2.000 Personen konnten sie sich dar\u00fcber hinwegsetzen und durch die Innenstadt marschieren. Richtig gro\u00df waren die Proteste auch in Belgien. Am 24. J\u00e4nner beteiligten sich in Br\u00fcssel 35.000 Sch\u00fcler_innen. Am Sonntag darauf waren es schon mehr als 100.000, die dem Aufruf des B\u00fcndnisses\u00a0<em>Act For Climate Justice<\/em>\u00a0folgten.<\/p>\n<p>Die Klimabewegung hebt nicht nur in den gro\u00dfen St\u00e4dten richtig ab, sondern auch in den kleineren St\u00e4dten und Ortschaften organisieren sich die vor allem jungen Menschen, um gemeinsam f\u00fcr ihre Zukunft zu k\u00e4mpfen. So fand beispielsweise im niederbayerischen Passau eine Demo mit \u00fcber 1.300 Menschen statt!<\/p>\n<p>Und obwohl viele Schulen den Jugendlichen mit Konsequenzen f\u00fcrs \u201eSchule schw\u00e4nzen\u201c drohten, lie\u00dfen diese sich nicht davon abbringen, sich lautstark einzumischen. Sie brachten lieber Schilder mit der Aufschrift: \u201eIch geb nen Schei\u00df auf den Verweis!\u201c Viele Schulen stellten sich aber hinter die Sch\u00fcler_innen und nahmen geschlossen an den Protesten teil. Ein Erfolg ist auch, dass die Streiks die Schulen zwingen, sich gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen mit dem wichtigen Thema Klimawandel zu besch\u00e4ftigen. Auch viele Eltern zeigen sich begeistert vom Engagement ihrer Kinder.<\/p>\n<p>In immer mehr L\u00e4ndern schlie\u00dfen sich Menschen der Streikbewegung an. Ob Schweden, USA, Indien oder Australien \u2013 der internationale Aufschwung ist \u00fcberw\u00e4ltigend!<\/p>\n<p><strong>Streiks in \u00d6sterreich<\/strong><\/p>\n<p>Auch in \u00d6sterreich setzen sich Sch\u00fcler_innen, Student_innen und viele andere f\u00fcr mehr Klimagerechtigkeit ein. In Wien finden schon seit mehreren Monaten Klimastreiks am Heldenplatz statt. Mit vielen selbstbemalten Schildern und Bannern machen die Teilnehmer_innen ihrem Unmut \u00fcber das Versagen der Klimapolitik Luft.<\/p>\n<p><em>Linkswende jetzt<\/em>\u00a0war am 22. Februar, beim bereits zehnten Klimastreik, vor Ort und sprach mit den Streikenden. Drei Sch\u00fclerinnen forderten: \u201eDie Politik soll aufh\u00f6ren, nur an die Wirtschaft zu denken! Irgendwann ist alles kaputt. Geld kann man nicht essen!\u201c Die Wut \u00fcber die heuchlerische Vorgehensweise der Politik war allen anzumerken: \u201eIch finde es irgendwie bl\u00f6d, dass wir alle schon wissen, dass der Klimawandel existiert, auch wenn es einige bestreiten. Wir k\u00f6nnten etwas dagegen tun, aber niemand macht etwas!\u201c Und Elias meinte: \u201eH\u00f6rt ein bisschen mehr aufs Volk!\u201c<\/p>\n<p>Das w\u00e4re tats\u00e4chlich angebracht. Eine neue Studie des\u00a0<em>Pew Research Centers<\/em>\u00a0zeigt, dass weltweit zwei Drittel der Menschen (67 Prozent) den Klimawandel als die prim\u00e4re Bedrohung f\u00fcr unsere Sicherheit und unseren Wohlstand sehen. 2013 waren es noch 56 Prozent. Eine aktuelle\u00a0<em>market<\/em>-Umfrage macht deutlich, warum vor allem die Jugend aufbegehrt:<\/p>\n<p>W\u00e4hrend 60 Prozent aller \u00d6sterreicher_innen Angst vor dem Klimawandel und dessen Auswirkungen haben, sind es bei den Unter-30-J\u00e4hrigen 74 Prozent. 2012 ergab eine Umfrage der\u00a0<em>Allianz Versicherun<\/em>g unter 14- bis 24-J\u00e4hrigen (heute also 21 bis 31 Jahre alt), dass fast die H\u00e4lfte der Jugendlichen beim Thema Klimawandel Angst, Hilflosigkeit und Traurigkeit, aber auch Wut versp\u00fcren. \u00dcberw\u00e4ltigende 86 Prozent machten die Industrie, 68 Prozent die Politiker daf\u00fcr verantwortlich.<\/p>\n<p>Da die Politik es seit Jahren vers\u00e4umt, ernsthaft etwas zu unternehmen, nimmt die Jugend das jetzt selbst in Hand! Auch in weiteren \u00f6sterreichischen St\u00e4dten wird gestreikt: Am 8. Februar waren es in Salzburg 150 Sch\u00fcler_innen, in Linz 200 und in Graz 2.000!<\/p>\n<p><strong>Wissenschaft unterst\u00fctzt<\/strong><\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung bekommen die Jugendlichen auch vonseiten der Wissenschaft. Diese warnt seit Jahren vor den zu erwartenden drastischen Ausma\u00dfen des Klimawandels. Wissenschaftler_innen und Prominente aus Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz starteten eine Petition, die schon mehr als 700 Vertreter_innen aus zahlreichen Bereichen unterschrieben haben.<\/p>\n<p>\u201eWir sitzen an der Quelle zu Informationen \u00fcber den Klimawandel\u201c, so Energieexperte Volker Quaschning von der Hochschule f\u00fcr Technik und Wirtschaft HTW Berlin, und die Kinder br\u00e4chten \u201edie wichtigen Themen auf den Tisch\u201c. Die Forscher_innen stimmen den Anliegen der Jugend zu, ohne tiefgreifende Ver\u00e4nderungen sei deren Zukunft in Gefahr. In Anlehnung an \u201eFridays for Future\u201c nennt sich die Initiative\u00a0<em>\u201eScientists for Future\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Wissenschaftler_innen aus England und Australien bezeugten in \u00f6ffentlichen Statements ihre Solidarit\u00e4t mit den Streiks. Vonseiten der britischen Akademiker_innen hei\u00dft es etwa: Die Sch\u00fcler_innen \u201ehaben jedes Recht, w\u00fctend zu sein \u00fcber die Zukunft, die wir ihnen vererben werden, wenn keine angemessenen und dringenden Ma\u00dfnahmen getroffen werden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Bewegung wird st\u00e4rker!<\/strong><\/p>\n<p>Die Bewegung kann sich bereits \u00fcber einige Erfolge freuen. In Belgien haben die streikenden Sch\u00fcler_innen die Umweltministerin Joke Schauvliege zum R\u00fccktritt gezwungen, nachdem diese Verschw\u00f6rungstheorien verbreitete, wonach die Streiks von \u201emysteri\u00f6sen M\u00e4chten\u201c kontrolliert werden w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel faselte ebenfalls von angeblicher Steuerung der Proteste aus dem Ausland. Auch sie musste zur\u00fcckrudern und die Bewegung loben \u2013 Sympathiepunkte bekommt sie daf\u00fcr nat\u00fcrlich nicht mehr. Der deutsche Energieminister Peter Altmaier wollte sich bei den Jugendlichen einschleimen und besuchte einen Klimastreik in Berlin. Er wurde zu Recht ausgebuht und musste unter Polizeischutz die Demo verlassen. Au\u00dferdem f\u00fchrt die Dynamik der Bewegung dazu, dass rechtsextreme Parteien wie FP\u00d6 und AfD vermehrt als Klimawandelleugner angegriffen werden. In Basel wurde \u2013 zumindest formell \u2013 der Klimanotstand ausgerufen.<\/p>\n<p>All diese Erfolge zeigen, dass die Sch\u00fcler_innen mit ihren Streiks etwas bewirken k\u00f6nnen. Und es ist klar, sie werden hier nicht halt machen! Vielmehr wird die Bewegung jede Woche gr\u00f6\u00dfer, immer mehr Organisationen beteiligen sich an den Protesten. Am 15. M\u00e4rz ist ein weltweiter Klimastreik geplant, von Europa \u00fcber Chile, Indien und die USA bis Australien werden wir gemeinsam unter dem Motto \u201eJetzt nehmen WIR die Zukunft in die Hand\u201c f\u00fcr Klimagerechtigkeit streiken und auf die Stra\u00dfe gehen \u2013 auch in Wien!<\/p>\n<p>Gewerkschaften unterst\u00fctzen den Aufruf. Gleich am 5. April ist ein weiterer gro\u00dfer Aktionstag geplant unter dem Slogan \u201eZukunft f\u00fcr Alle \u2013 Alle f\u00fcr die Zukunft!\u201c Und am 28. Mai kommt Greta Thunberg zum\u00a0<em>Austrian World Summit<\/em>\u00a0nach Wien und wird den Umwelt-Heuchlern Kanzler Kurz und Co. die Show stehlen. Gemeinsam k\u00f6nnen wir eine Welt erreichen, in der es hei\u00dft: Umwelt vor Profite! Ein Sch\u00fcler aus Hamburg: \u201eWenn ihr Politiker denkt, wir lassen uns mit Repressionen oder netten Worten stumm stellen: Ihr habt euch geirrt.\u201c<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/linkswende.org\/weltweite-klimastreiks-es-geht-um-unsere-zukunft\/\"><em>linkswende.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 14. M\u00e4rz 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Katharina Anetzberger. 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