{"id":5072,"date":"2019-03-14T11:37:59","date_gmt":"2019-03-14T09:37:59","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5072"},"modified":"2019-03-14T11:37:59","modified_gmt":"2019-03-14T09:37:59","slug":"klimastreiks-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5072","title":{"rendered":"Klimastreiks in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit Monaten streiken Sch\u00fcler*innen und junge Menschen rund um den Globus gegen den Klimawandel und f\u00fcr eine sinnvolle politische Antwort auf die Klimakrise. In der Hochschulzeitung der BFS Z\u00fcrich<!--more--> \u201eIm \u00dcbrigen\u201c behandeln wir die Entwicklung und die Herausforderungen und Perspektiven der Bewegung. (Redaktion sozialismus.ch)<\/strong><\/p>\n<p><em>Emil Spotter.<\/em> Seit einigen Monaten wird auch in der Schweiz f\u00fcr den Klimastreik mobilisiert. Die gr\u00f6sste Jugendbewegung seit vielen Jahren schafft es erfolgreich, zehntausende Sch\u00fcler*innen und vermehrt auch Studierende und Erwachsene f\u00fcr das Klima auf die Strassen zu bringen. Die willentliche Unt\u00e4tigkeit von Wirtschaft und Politik, der bleibende Eindruck des vergangenen heissen Sommers und der inspirierende Schulstreik der schwedischen Sch\u00fclerin Greta Thunberg l\u00f6sten weltweit Frustration, Alarmiertheit und Tatendrang unter den Sch\u00fcler*innen aus. Nach diesem sehr erfolgversprechenden Start der Bewegung stellt sich die Frage, wie und mit welcher Strategie sich der Klimastreik in Zukunft weiterentwickeln sollte, damit erfolgreich Druck aufgebaut werden kann und er nicht in einigen Monaten wieder verpufft. Um dies zu gew\u00e4hrleisten, sind auch wir Studierende gefragt!<\/p>\n<p>Am 21. Dezember 2018 organisierten sich erstmals 4\u2018000 Sch\u00fcler*innen in zahlreichen Schweizer St\u00e4dten, um w\u00e4hrend der Schulzeit gegen die herrschende Klimapolitik zu protestieren. Sie folgten damit dem Vorbild von Sch\u00fcler*innen in anderen L\u00e4ndern rund um den Erdball, deren Zahl im neuen\u00a0 Jahr weiter anwachsen sollte: Australien,\u00a0 Deutschland, Belgien, Kolumbien, Grossbritannien, die Niederlande, Uganda, Kanada und weitere. Am 18. Januar protestierten schweizweit nochmals 22\u2018000 Sch\u00fcler*innen und am Samstag, dem 2. Februar waren unter den 65\u2018000 Teilnehmenden auch Lehrlinge, Studierende und zahlreiche weitere Unterst\u00fctzende dabei. Bei all diesen Demonstrationen zeigten sich die Sch\u00fcler*innen als k\u00e4mpferische junge Menschen, welche f\u00fcr die eigene Zukunft auf die Strasse gehen, weil sich sonst nichts tut. Der junge, dynamische Charakter der Bewegung hat das Potenzial, viele \u2013 auch bisher nicht politisch interessierte Menschen \u2013 anzuziehen und l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lligen Druck gegen die bereits stattfindende Klimakatastrophe aufzubauen. Die Sch\u00fcler*innen fordern die schweizer Politik auf, die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 auf netto Null zu senken und sofort den nationalen Klimanotstand auszurufen.<\/p>\n<p><strong>(Heraus)Forderungen der Bewegung<\/strong><\/p>\n<p>Das Wissen darum, dass diesen Forderungen unter den aktuellen wirtschaftlichen und politischen Verh\u00e4ltnissen bis 2030 wahrscheinlich nicht nachgekommen wird, sollte uns nicht zur Folgerung verleiten, die Forderungen abzuschw\u00e4chen. Denn die Klimakatastrophe ist real. Es ist fundamental wichtig f\u00fcr eine effektive Klimapolitik, die Ziele an dem auszurichten, was n\u00f6tig ist, und nicht an irgendeiner diffus definierten \u201egem\u00e4ssigten Mitte\u201c. Denn es ist genau jener Konsens der \u201eMitte\u201c, jene \u201eja, aber\u201c Mentalit\u00e4t, welche in den vergangenen Jahrzehnten jeden Vorschlag f\u00fcr unm\u00f6glich erkl\u00e4rt hat, der effektiv etwas am Klimawandel ge\u00e4ndert h\u00e4tte. Die Streikenden erkl\u00e4ren deshalb folgerichtig, dass wenn den Forderungen nicht nachgekommen wird, es nicht die Forderungen sind, die falsch sind. Falsch ist das System, welches nicht in der Lage ist, uns eine gr\u00fcne Zukunft zu garantieren!<\/p>\n<p>In den landesweiten Forderungen werden also strukturelle Ver\u00e4nderungen verlangt, doch dieser Fokus geht auf den Strassen zuweilen leider unter. An den Demos wird sehr offensichtlich auch ein Schwerpunkt auf individuelle, moralistische Ver\u00e4nderungen gesetzt. Veganismus, der Verzicht aufs Fliegen und allgemein die Reduzierung des eigenen CO2-Aussstosses fordern eine Selbstoptimierung in unserer Funktion als Konsument*innen im Kapitalismus. Ohne zu bestreiten, dass wir bereits viel f\u00fcr das Klima erreichen w\u00fcrden, wenn wir alle diesen Anforderungen gerecht werden w\u00fcrden \u2013 wir h\u00e4tten es weiterhin nicht in der Hand, selbst die n\u00f6tigen Massnahmen gegen die Klimakatastrophe einzuleiten und wir h\u00e4tten keine M\u00f6glichkeiten, die umweltzerst\u00f6rerischen und arbeiter*innenfeindlichen Produktionsweisen durch nachhaltige und demokratisch legitimierte zu ersetzen. Der Widerstand der Wirtschaftsf\u00fchrer*innen und der ihnen wohlgesinnten Politiker*innen gegen die Abl\u00f6sung des jetzigen Wirtschaftssystems zugunsten einer gr\u00fcnen und solidarischen Alternative, welche den Klimawandel abzuwenden vermag, \u00fcberrascht nicht. Diese Erkenntnis zeigt uns aber auf, dass wir nicht darauf warten k\u00f6nnen, dass die Klimakrise f\u00fcr uns gel\u00f6st wird. Ebenso wenig sollten wir uns als Individuen die Verantwortung daf\u00fcr in die Schuhe schieben lassen \u2013 wir m\u00fcssen den Kampf f\u00fcr eine nachhaltige und gr\u00fcne Zukunft gemeinsam in die Hand nehmen!<\/p>\n<p><strong>Dynamische Entwicklung und Perspektiven<\/strong><\/p>\n<p>Den Klimastreiks sind bisher nicht nur Hass und Angriffe von rechts, sondern auch eine breite Welle an Sympathie entgegengekommen. Verschiedene Parteien und Nichtregierungsorganisationen w\u00fcrden gerne sichtbar an den Demonstrationen teilnehmen und einige Unternehmungen versuchen greenwashing zu betreiben, indem sie Exponent*innen der Sch\u00fcler*innenstreiks einladen, um f\u00fcr sie zu referieren. Um sich vor solchen Vereinnahmungsversuchen zu sch\u00fctzen, wurden Parteifahnen und Organisationssymbole an den Demos verboten. Die Klimastreiks sind also ein umk\u00e4mpftes Feld und die Sch\u00fcler*innen setzen viel daran, die Deutungshoheit dar\u00fcber zu behalten. Sie m\u00f6chten eine dezentrale Jugendbewegung sein, doch sie f\u00fcrchten sich zugleich davor, dass die Bewegung eine eigene, radikalere Dynamik annehmen k\u00f6nnte. So wurde das Flyern an den Demos anf\u00e4nglich ebenfalls verboten und damit die M\u00f6glichkeit stark eingeschr\u00e4nkt, Inhalte und Analysen \u00fcberhaupt zur Debatte zu stellen. Es scheint, als sorgen sich die Sch\u00fcler*innen um die Marke \u00abKlimastreik\u00bb und f\u00fcrchten, nicht \u00fcber alle Formen des Protestes wie bestimmte Slogans und Transparente mitbestimmen zu k\u00f6nnen. Doch um die Forderungen konsequent und effektiv zu halten, ist es unausweichlich, dass der Klimastreik kein monothematisches Anliegen bleibt. Er muss auch andere, damit verbundene K\u00e4mpfe miteinbeziehen und offen bleiben f\u00fcr weiterf\u00fchrende Analysen.<\/p>\n<p><em>Ank\u00fcndigung: Am 15. M\u00e4rz 2019 findet ein internationaler Klimastreik statt. Es wird in vielen St\u00e4dten lokale Demonstrationen geben (Informationen unter\u00a0<\/em><a href=\"http:\/\/climatestrike.ch\/\"><em>climatestrike.ch<\/em><\/a><em>). Also auf die Strassen in Solidarit\u00e4t mit den Sch\u00fcler*innen, liebe Studis!<\/em><\/p>\n<p><em>SYSTEM CHANGE, NOT CLIMATE CHANGE!<\/em><\/p>\n<p><strong>Nach dem Streik ist vor der Aktion: Mit einer Aktion zivilen Ungehorsams wollen wir die gr\u00f6ssten Klimas\u00fcnder sp\u00fcren lassen, dass es so wie es ist, nicht mehr bleiben kann:<\/strong><\/p>\n<p>Bist du Studentin oder Student und m\u00f6chtest beim Klimastreik mitmachen? F\u00fcr die Uni Z\u00fcrich, ETH und ZHAW gibt es Whatsapp-Chats, in denen du dich vernetzen kannst und alles Wichtige rund um die Klimabewegung erf\u00e4hrst. Dar\u00fcber hinaus wird es Anfang Semester noch ein offenes Treffen geben, wo die Mobilisierungskampagne f\u00fcr die Z\u00fcrcher Hochschulen im Hinblick auf den Streik am 15. M\u00e4rz besprochen wird. Haltet die Ohren steif, in den Chats werdet ihr zeitnah \u00fcber alle Termine informiert. WhatsApp-Chat-Links f\u00fcr sind unter\u00a0<a href=\"http:\/\/climatestrike.ch\/regionalgruppen\">http:\/\/climatestrike.ch\/regionalgruppen<\/a>\u00a0zu finden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/allgemein\/2019\/oekologie-klimastreiks-in-der-schweiz\/\"><em>sozialismus.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 14. M\u00e4rz 2019 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Monaten streiken Sch\u00fcler*innen und junge Menschen rund um den Globus gegen den Klimawandel und f\u00fcr eine sinnvolle politische Antwort auf die Klimakrise. 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