{"id":5074,"date":"2019-03-15T09:39:58","date_gmt":"2019-03-15T07:39:58","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5074"},"modified":"2019-03-15T10:09:55","modified_gmt":"2019-03-15T08:09:55","slug":"die-radikalitaet-der-gelbwesten-perspektiven-einer-bewegung-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5074","title":{"rendered":"Fridays for Future &#8211; F\u00fcr welches Ziel?"},"content":{"rendered":"<p><em>Hanns Graaf. <\/em><strong>Am 15. M\u00e4rz soll weltweit ein Schulstreik f\u00fcr mehr Klimaschutz stattfinden, der sicher auch in Deutschland tausende Sch\u00fclerInnen statt in die Klassenr\u00e4ume auf die Stra\u00dfen f\u00fchrt. Initiiert<!--more--> wurde Fridays for Future von Greta Thunberg, einer 16j\u00e4hrigen schwedischen Sch\u00fclerin, die sich f\u00fcr den Kampf gegen die Klimakatastrophe engagiert. Inzwischen ist daraus eine weltweite Bewegung geworden. Wie war das m\u00f6glich, da offenbar keine Partei oder Bewegung hinter der Initiative stand und nur die \u201ekleine\u201c Greta?<\/strong><\/p>\n<p>Wichtig war dabei die ausnehmend positive Berichterstattung der Medien, die in Greta einen Polit-Star der besonderen Art gefunden hatten. Sie kam nicht aus dem Establishment, war jung und genoss auch wg. ihres Autismus noch einen besonderen Sympathie-Bonus. Ein wesentlicher Faktor war zweifellos auch, dass die Klimaschutz-Szene sich Gretas sehr bald annahm und ihre Auftritte managte.<\/p>\n<p>Inzwischen ging durch die Medien (die \u00f6ffentlich-rechtlichen ausgenommen) aber auch die Meldung, dass die Klima-Aktivistin und Geografie-Studentin Luisa-Marie Neubauer, eine der deutschen \u201eBegleiterInnen\u201c Gretas, eine Vielfliegerin ist, die in ihrem jugendlichen Alter bereits fast alle Kontinente per Flugzeug bereist hat, was sicher nicht Klima-konform ist.<\/p>\n<p>Da das Schw\u00e4nzen der Schule, noch dazu regelm\u00e4\u00dfig, ein Vergehen darstellt, kommt auch dem Umstand, dass die Schulbeh\u00f6rden dem Schulstreik oft eher wohlwollend als ablehnend gegen\u00fcber stehen, Bedeutung zu. Ein \u00e4hnlich positives Verhalten der Schulbeh\u00f6rden gegen\u00fcber anderen Schulstreiks der letzten Jahre ist uns hingegen nicht bekannt \u2013 im Gegenteil: viele politisch engagierte Sch\u00fclerinnen hatten mit Repressionen zu k\u00e4mpfen. Nun hat sogar Kanzlerin Angela Merkel die f\u00fcr Klima streikenden Sch\u00fclerInnen gelobt. Wenn einem so viel Gutes widerf\u00e4hrt, ist das doch eine Nachfrage wert.<\/p>\n<p><strong>Verkehrte Welt?<\/strong><\/p>\n<p>Die Friday-Bewegung ist mehr als nur ein Protest f\u00fcr besseren Klimaschutz. Die Bilder der Demos zeigen, dass es den Sch\u00fclerInnen auch um Umweltschutz geht und sogar anti-kapitalistische Slogans auftauchen. Sie richtet sich v.a. gegen die offizielle Klimaschutzpolitik, die ganz offensichtlich versagt und trotz riesigen finanziellen Aufwands und viel politischem Get\u00f6se keine Effekte hat. Diesen Eindruck vermittelte j\u00fcngst auch das Ergebnis der Kohlekommission zum Kohleausstieg, der \u2013 zumindest nach der Meinung der Klimasch\u00fctzerInnen \u2013 viel schneller erfolgen m\u00fcsste und k\u00f6nnte. Angesichts dieser Umst\u00e4nde sind die Proteste der Sch\u00fclerInnen nur allzu verst\u00e4ndlich, schlie\u00dflich ist es ihre Zukunft, die sie in Gefahr sehen.<\/p>\n<p>Aber es verwundert doch sehr, dass die b\u00fcrgerlichen Medien, der Staat und gro\u00dfe Teile der (deutschen) Politik sich so positiv oder zumindest zur\u00fcckhaltend-verst\u00e4ndnisvoll zu Fridays for Future verhalten. Immerhin sind aktive, kritische, politisierte Sch\u00fclerInnen nicht gerade die Wunschvorstellung b\u00fcrgerlicher Politik, schon gar nicht, wenn sie die Schulpflicht ignorieren. Dieses \u201eeigenartige\u201c Verhalten der b\u00fcrgerliche Seite l\u00e4sst sich jedoch erkl\u00e4ren. Zum einen macht es keinen guten Eindruck, Jugendliche zu repressieren, die sich \u2013 und noch dazu bisher ganz ohne Randale \u2013 politisch engagieren, umso mehr, da sie sich f\u00fcr den Klimaschutz einsetzen, den ja auch die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung als notwendig ansieht und den selbst die Politik auf ihre Fahnen geschrieben hat. So kann man das magere Ergebnis der Kohlekommission auch durch eine wohlwollende Haltung zu den Klimaprotesten etwas \u201eausgleichen\u201c, frei nach dem Motto \u201eWir wollen ja auch Klimaschutz, aber wir k\u00f6nnen leider nicht mehr tun.\u201c In diese Kerbe schlug auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Missfelder, der den Sch\u00fclerInnen vorhielt, dass sie nicht an die Arbeitspl\u00e4tze denken w\u00fcrden. So ist die Politik gewisserma\u00dfen sogar froh dar\u00fcber, dass es die Fridays gibt, weil sie so darauf verweisen k\u00f6nnen, dass es Unterst\u00fctzung der Jugend f\u00fcr den Klimaschutz gibt.<\/p>\n<p>Die Energiewende (EW), der wesentliche und konkrete Teil der Klimaschutzpolitik, ist seit 20 Jahren ein zentrales Element der deutschen Wirtschafts- und Strukturpolitik, f\u00fcr das j\u00e4hrlich dutzende Milliarden ausgegeben werden \u2013 wenn auch ohne Klimaeffekt, da die CO2-Emissionen trotzdem nicht sinken. Die EW wird zwar zunehmend als problematisch, wenn nicht gar als gescheitert angesehen, doch ist ein Stopp dieser verfehlten Strategie nicht ohne Gesichtsverlust m\u00f6glich und w\u00fcrde zudem viel Wasser auf die M\u00fchlen der AfD leiten, der einzigen Anti-EW-Partei. Inzwischen ist das Kartell der Nutznie\u00dfer der Klima- und Energiepolitik in Politik, Staat, Medien, \u201eWissenschaft\u201c und Wirtschaft so m\u00e4chtig, dass eine schnelle Abkehr von Klimaalarmismus und EW kaum denkbar ist \u2013 obwohl sich die Stimmen derer mehren, die fatale Wirkungen der EW f\u00fcr die deutsche Wirtschaft f\u00fcrchten (steigende Strompreise, unsicheres Netz, unabsehbare Kosten). So wird also mit diversen Kompromissen und mehr oder weniger unsinnigen Ma\u00dfnahmen (Nord-S\u00fcd-Link) weiter gewurschtelt. Doch solange daran gro\u00dfe und kleine Investoren gut verdienen, macht das ja auch Sinn \u2013 im Sinne des Kapitalismus.<\/p>\n<p><strong>Klimakollaps?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben auf dieser Seite in zahlreichen Artikeln gezeigt, dass die Vorstellung einer drohenden Klimakatastrophe unwissenschaftlich ist, dass selbst im Fall, dass sie korrekt w\u00e4re, die EW und die \u201eErneuerbaren\u201c eine v\u00f6llig verfehlte Strategie sind, um die CO2-Emissionen zu senken bzw. eine sichere, effiziente und \u00f6kologisch vertr\u00e4gliche Stromerzeugung zu gew\u00e4hrleisten. Insofern ist das Ziel der Friday-Bewegung u.\u00e4. Bewegungen falsch, ja geradezu absurd.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re jedoch unsinnig, den Sch\u00fclerInnen vorzuwerfen, dass sie diesem Popanz folgen. Vorwerfen k\u00f6nnte man das allerdings AktivistInnen wie Luisa-Marie Neubauer, die im Geografiestudium h\u00e4tte lernen k\u00f6nnen, dass die gesamte Klimageschichte kein CO2-Signal zeigt. K\u00f6nnte man bei Studentin Neubauer noch von mangelhaftem Wissen reden, so muss man bei den Medien, der Politik, dem Staat (z.B. dem Umweltbundesamt u.a. Fach\u00e4mtern) und insbesondere den alarmistischen \u201eWissenschaftlern\u201c von bewusstem Betrug sprechen, schon deshalb, weil ein ganzer Teil der Wissenschaft und fast jede Kritik am Klimaalarmismus und an der EW komplett abgeb\u00fcgelt werden.<\/p>\n<p>Auch in den Schulen ist der Klimaalarmismus etabliert. Es gibt zwar zum Gl\u00fcck auch LehrerInnen, die versuchen, Ihren Sch\u00fclerInnen ein kritisches und wissenschaftlich \u201eoffenes\u201c Herangehen zu vermitteln, doch ist die Mehrzahl der P\u00e4dagogInnen selbst vom Alarmismus \u00fcberzeugt oder beugt sich den diesbez\u00fcglichen \u201eamtlichen\u201c Vorgaben. Nicht viel besser ist allerdings, dass viele Friday-Sch\u00fclerInnen \u2013 zu recht \u2013 beklagen, dass sie \u00fcber die Klimafrage im Unterricht nichts erfahren w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>Was tun?<\/strong><\/p>\n<p>Die Szene der \u201eKlimakritiker\u201c verh\u00e4lt sich zu Fridays for Future erwartungsgem\u00e4\u00df ablehnend. Es ist jedoch bezeichnend, dass sie auch oft das politische Engagement der Jugendlichen per se ablehnen. Hier entlarvt sich die Szene (zumindest ein gro\u00dfer Teil von ihr) als b\u00fcrgerlich-konservativ.<\/p>\n<p>Die Linke wiederum unterst\u00fctzt die Bewegung \u2013 tw. eher unkritisch, tw. mit der richtigen Intention verbunden, dass die Bewegung auch eine anti-kapitalistische Ausrichtung haben sollte. Auff\u00e4llig ist in jedem Fall, dass auch Fridays for Future eine Bewegung ist, die nicht von der Linken initiiert ist, obwohl diese ja den Klimaalarmismus teilt. Erneut ist es eine gewisserma\u00dfen spontane, populistische Bewegung, an die sich die Linke \u201eanh\u00e4ngt\u201c. Dabei pendelt sie zwischen opportunistischer Anbiederung und sektiererischer Passivit\u00e4t und Abwarten. Beides sind Belege daf\u00fcr, dass die linke Szene weitgehend unf\u00e4hig ist, selbst initiativ zu werden \u2013 und das ist nicht nur ihrer zahlenm\u00e4\u00dfigen Schw\u00e4che geschuldet \u2013 und ihr taktisches Repertoire wie ihre Programmatik (man k\u00f6nnte auch Sachkenntnis sagen) gro\u00dfe Schw\u00e4chen und Leerstellen aufweisen.<\/p>\n<p>Ein korrektes Eingreifen w\u00fcrde u.E. von drei Priorit\u00e4ten ausgehen: 1. ist es gut, dass sich Jugendliche politisch engagieren und sich dabei \u00fcber \u201eNormen\u201c (Schulpflicht) hinwegsetzen. Es ist notwendig, das Engagement f\u00fcr die \u00f6kologische und soziale \u201eUmwelt\u201c mit der Einsicht zu verbinden, dass die Hauptursache fast aller Probleme die kapitalistische Produktionsweise ist. 2. muss aber auch klar gesagt werden, dass Klimaschutz und EW unsinnige, ja sch\u00e4dliche Ma\u00dfnahmen sind und dass diese direkt bestimmten Herrschafts- und Verwertungsinteressen dienen und nicht dem Klima. Es ist dringend n\u00f6tig, mit den Jugendlichen zu diskutieren und ihnen einige naturwissenschaftliche und technische Fakten und Wahrheiten zu Klima und EW zu vermitteln. 3. m\u00fcssen die Sch\u00fclerInnen ermuntert werden, daf\u00fcr einzutreten, in der Schule alle Seiten der wissenschaftlichen Diskussion kennenzulernen und nicht nur eine. In diesem Sinn k\u00f6nnten z.B. auch offene und \u00f6ffentliche Diskussionsforen eingerichtet werden. Dort sollten auch die Linken hingehen \u2013 sie w\u00fcrden dort vielleicht etwas dar\u00fcber lernen, was es hei\u00dft, offen und ohne Scheuklappen zu diskutieren und Dogmen infrage zu stellen \u2026<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/aufruhrgebiet.de\/2019\/03\/fuer-welches-ziel\/#more-1087\"><em>aufruhrgebiet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 15. M\u00e4rz 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hanns Graaf. Am 15. M\u00e4rz soll weltweit ein Schulstreik f\u00fcr mehr Klimaschutz stattfinden, der sicher auch in Deutschland tausende Sch\u00fclerInnen statt in die Klassenr\u00e4ume auf die Stra\u00dfen f\u00fchrt. 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