{"id":5087,"date":"2019-03-17T17:19:01","date_gmt":"2019-03-17T15:19:01","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5087"},"modified":"2019-03-17T17:19:01","modified_gmt":"2019-03-17T15:19:01","slug":"soziale-und-politische-proteste-und-bewegungen-2008-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5087","title":{"rendered":"Soziale und politische Proteste und Bewegungen 2008-2018"},"content":{"rendered":"<p><em>Andr\u00e9 Leisewitz, J\u00fcrgen Reusch, Gerd Wiegel, Michael Zander. <\/em><strong>Es fehlt nicht an sozialen und politischen Bewegungen in der Bundesrepublik. \u00dcber betriebliche Auseinandersetzungen und Streiks<!--more--> \u2013 einen Kernbereich sozialer Konflikte und Klassenauseinandersetzungen \u2013 wird in der Bundesrepublik j\u00e4hrlich von gewerkschaftlicher Seite (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut, WSI) und in \u201eZ\u201c durch den an der Uni Jena erarbeiteten \u201eStreikmonitor\u201c berichtet.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Auch die Unternehmerseite h\u00e4lt sich durch ihr \u201eInstitut der deutschen Wirtschaft\u201c auf dem Laufenden. Die \u00dcbersichten zeigen seit 2012 eine deutliche Belebung der Arbeitsk\u00e4mpfe. Zwischen 2012 und 2016 lag die Zahl der an Streiks Beteiligten in jedem Jahr (Ausnahme: 2014) bei \u00fcber einer Million. Erzieherinnen, Postbesch\u00e4ftigte, Lokf\u00fchrer, Krankenschwestern, Piloten und Flugbegleiter, Bauarbeiter u.v.a.m. \u2013 Besch\u00e4ftigte im Dienstleistungs- und Carebereich wie im Verarbeitenden Gewerbe \u2013 k\u00e4mpften nicht nur um h\u00f6heren Lohn und bessere Arbeitsbedingungen, sondern reagierten auf die Folgen von Privatisierungen (Post, Gesundheitswesen), von Deregulierungsma\u00dfnahmen und Anstachelung der inner- und zwischenbetrieblichen Konkurrenz (Aufhebung des Beamtenstatus, Betriebsverlagerungen), gegen die Tarifflucht der Unternehmer oder die Verweigerung des Rechts auf Bildung von Betriebs- und Personalr\u00e4ten. Im letzten Jahr gingen allein in der Metall- und Elektroindustrie ca. 1,5 Millionen im Kampf um h\u00f6here L\u00f6hne und einen Einstieg in die Arbeitszeitverk\u00fcrzung auf die Stra\u00dfe, und in einer gro\u00dfen Zahl kleinerer, unspektakul\u00e4rer betrieblicher Auseinandersetzungen in fast allen Branchen fanden \u00f6ffentliche Demonstrationen und Kundgebungen von Besch\u00e4ftigten statt. In die betrieblich-gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen sind also Jahr f\u00fcr Jahr Hunderttausende einbezogen. Wenn in der Linken jetzt wieder mehr \u00fcber \u201eneue Klassenpolitik\u201c nachgedacht wird, so ist das auch eine Reaktion auf diese Wirklichkeit der sozialen Konflikte und Klassenauseinandersetzungen.<\/p>\n<p>Offenkundig zugenommen haben auch die au\u00dferbetrieblichen und au\u00dferparlamentarischen Bewegungen, bei denen es nicht um Lohn und Arbeitszeit, sondern um Mieten, Umweltverh\u00e4ltnisse und Klimafolgen, Schutz von Fl\u00fcchtlingen, f\u00fcr allgemeindemokratische Rechte und gegen Globalisierungsfolgen geht. Und deutlich zugenommen haben rechte Mobilisierungen insbesondere gegen Migrantinnen und Migranten im Kontext der gro\u00dfen Fl\u00fcchtlingsbewegung seit 2015. Diese gegenl\u00e4ufigen und widerspr\u00fcchlichen Bewegungen sind insgesamt Ausdruck wachsender sozialer, kultureller und politischer Spannungen im Kapitalismus der Bundesrepublik, die sich auch in den wahlpolitischen Ver\u00e4nderungen (Rechtsverschiebung, Aufstieg der AfD, Erosion der Parteienlandschaft) zeigen und gegen sie richten.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>\u00a0Und es ist an der Zeit, dass die Linke insgesamt st\u00e4rker \u00fcber die Zusammenf\u00fchrung von sozialen Auseinandersetzungen im Produktions- und Reproduktionsbereich einerseits und politisch-sozialen Protestbewegungen gegen Rechts, f\u00fcr demokratische, \u00f6kologische und soziale Rechte und Verbesserungen in der au\u00dferbetrieblichen Lebenswelt nachdenkt, statt sich wechselseitig nicht zur Kenntnis zu nehmen.<\/p>\n<p><strong>Methodisches<\/strong><\/p>\n<p>Was wissen wir \u00fcber Ausma\u00df und Dynamik au\u00dferbetrieblicher sozialer und politischer Proteste und Bewegungen? Hierzu gibt es, neben der tagesaktuellen Berichterstattung, zwar eine wachsende Zahl von verallgemeinernden Untersuchungen zu einzelnen Bereichen und Regionen<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>, aber kaum zusammenfassende Bestandsaufnahmen. Dies gilt auch f\u00fcr ihre quantitative Dimension. Die Bestandsaufnahmen der Versammlungsbeh\u00f6rden<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>, bei denen Kundgebungen und Demonstrationen angemeldet werden m\u00fcssen, sind nicht unmittelbar \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich. Bestehende Einrichtungen der Linken sind offenbar nicht in der Lage, die notwendigen Informationen zusammenzutragen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Eine entsprechende \u00dcbersicht w\u00e4re aber nicht nur n\u00fctzlich, um sich \u00fcber das Ausma\u00df \u00f6ffentlicher Proteste und au\u00dferparlamentarischer Bewegungen insgesamt \u2013 \u00fcber die Erfahrungen der \u201eteilnehmenden Beobachtung\u201c politischer Aktivisten hinaus \u2013 klar zu werden, sondern auch, um die darin zum Ausdruck kommenden politischen Haltungen unabh\u00e4ngig von den Filtern der \u00f6ffentlichen Medien kommunizieren und zugleich n\u00fcchtern bewerten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Simon Teune vom Berliner Institut f\u00fcr Protest- und Bewegungsforschung weist darauf hin, dass \u201edie Wahrnehmung sehr stark von der Medienberichterstattung verzerrt ist, die nur einen kleinen Teil des Protestgeschehens abbildet\u201c.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>\u00a0Er f\u00fchrt als Beleg eine Recherche des Senders Radio Berlin-Brandenburg (rbb) an, in der bei den zehn gr\u00f6\u00dften St\u00e4dten der Bundesrepublik nach Daten zu Protestereignissen in den letzten Jahren gefragt wurde.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>\u00a0Sie zeigt, dass 2018 z.B. in Berlin nach amtlichen Angaben von Januar bis November dieses Jahres 4.500 angemeldete Kundgebungen und Demonstrationen stattfanden, \u00fcber die nur zu einem geringen Bruchteil in den \u00f6ffentlichen Medien berichtet wurde. Pro Tag fanden im letzten Jahr in Berlin also etwa zw\u00f6lf zumeist kleinere, lokal gebundene Protestkundgebungen statt. Sie reichten von \u201ehalbnackten Radfahrern auf der Oberbaumbr\u00fccke, die auf ihre Verletzlichkeit im Stra\u00dfenverkehr aufmerksam machen\u201c und \u201ek\u00e4lteresistenten Umweltaktivisten, die mit aufgeblasener Wasserball-Erdkugel in der Spree schwimmend f\u00fcr mehr Klimaschutz protestieren\u201c oder \u201eScharen motorisierter Rocker, die kuttenbekleidet gegen das Kuttenverbot anfahren\u201c bis zu bundesweit registrierten Massenkundgebungen wie der Gro\u00dfdemonstration\u00a0<em>#unteilbar<\/em>\u00a0mit einer Viertelmillion Teilnehmenden.<\/p>\n<p><strong>Proteste in bundesdeutschen Gro\u00dfst\u00e4dten 2008-2018<\/strong><\/p>\n<p>In den Gro\u00dfst\u00e4dten hat sich zwischen 2008 und 2018 die Zahl der angemeldeten Demonstrationen und Versammlungen unter freiem Himmel im Schnitt etwa verdoppelt (vgl. Tab. 1).<\/p>\n<p>Dass die meisten angemeldeten Versammlungen unter freiem Himmel in Berlin stattfanden, ist nicht \u00fcberraschend. Berlin als mit Abstand gr\u00f6\u00dfte deutsche Stadt (3,6 Mio. Einwohner) und mit Regierungssitz ist politisches Zentrum. Zugleich findet sich in Berlin auch gen\u00fcgend \u201ekritische Masse\u201c f\u00fcr politische Bewegungen, z.B. fast 200.000 Studierende<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a>, eine relativ hohe und lokal konzentrierte Zahl politisch und gewerkschaftlich aktiver Linker mit entsprechender publizistischer, kommunikativer und Bildungsinfrastruktur.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a>\u00a0Gemessen an der Einwohnerzahl war die Demonstrationsh\u00e4ufigkeit 2018 in Stuttgart, Frankfurt und Dresden noch etwas gr\u00f6\u00dfer. Hier spielen auch regionale Spezifika eine Rolle, so z.B. f\u00fcr Dresden die seit Jahren anhaltende regelm\u00e4\u00dfige rechte Pegida-Demonstration.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"358\"><strong>Tab. 1: Angemeldete Versammlungen unter freiem Himmel in neun\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>St\u00e4dten, 2008-2018<\/strong><\/td>\n<td width=\"84\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"51\">&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"358\"><strong>Stadt<\/strong><\/td>\n<td width=\"86\"><strong>Einwohner<\/strong><\/p>\n<p>(2016, Tsd.)<\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2008<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2013<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2018<\/strong><\/td>\n<td width=\"77\"><strong>2018\/2008\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>(in %)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"358\">Berlin<\/td>\n<td width=\"84\">3.574<\/td>\n<td width=\"64\">2.345<\/td>\n<td width=\"64\">4.487<\/td>\n<td width=\"64\">4.446<\/td>\n<td width=\"67\">190<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"358\">M\u00fcnchen<\/td>\n<td width=\"84\">1.464<\/td>\n<td width=\"64\">864<\/td>\n<td width=\"64\">1.345<\/td>\n<td width=\"64\">1.273<\/td>\n<td width=\"67\">147<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"358\">K\u00f6ln<\/td>\n<td width=\"84\">1.076<\/td>\n<td width=\"64\">389<\/td>\n<td width=\"64\">627<\/td>\n<td width=\"64\">933<\/td>\n<td width=\"67\">240<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"358\">Frankfurt<\/td>\n<td width=\"84\">737<\/td>\n<td width=\"64\">686<\/td>\n<td width=\"64\">1.225<\/td>\n<td width=\"64\">1.608<\/td>\n<td width=\"67\">234<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"358\">Stuttgart<\/td>\n<td width=\"84\">628<\/td>\n<td width=\"64\">468<\/td>\n<td width=\"64\">1.603<\/td>\n<td width=\"64\">1.439<\/td>\n<td width=\"67\">308<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"358\">D\u00fcsseldorf<\/td>\n<td width=\"84\">613<\/td>\n<td width=\"64\">443<\/td>\n<td width=\"64\">466<\/td>\n<td width=\"64\">600<\/td>\n<td width=\"67\">135<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"358\">Leipzig<\/td>\n<td width=\"84\">571<\/td>\n<td width=\"64\">264<\/td>\n<td width=\"64\">395<\/td>\n<td width=\"64\">547<\/td>\n<td width=\"67\">207<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"358\">Dresden<\/td>\n<td width=\"84\">547<\/td>\n<td width=\"64\">478<\/td>\n<td width=\"64\">429<\/td>\n<td width=\"64\">840<\/td>\n<td width=\"67\">176<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"358\">N\u00fcrnberg<\/td>\n<td width=\"84\">512<\/td>\n<td width=\"64\">205<\/td>\n<td width=\"64\">343<\/td>\n<td width=\"64\">422<\/td>\n<td width=\"67\">206<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Quellen: Allhoff 2018, Angaben von Polizei\/Ordnungs\u00e4mtern. Angaben jeweils f\u00fcr elf Monate, ohne Dezember; <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/1353\/umfrage\/einwohnerzahlen-der-grossstaedte-deutschlands\/\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/1353\/umfrage\/einwohnerzahlen-der-grossstaedte-deutschlands\/<\/a><\/p>\n<p>Bei n\u00e4herer Betrachtung im Zeitverlauf zeigt sich, dass in den meisten St\u00e4dten die H\u00e4ufigkeit von Demonstrationen und Kundgebungen seit 2008 bis etwa 2015 kontinuierlich zugenommen hat und seitdem auf diesem hohen Niveau verblieben ist (vgl. Tab. 2; Angaben zur Entwicklung der Zahl der Beteiligten an den Aktionen werden in der rbb-Recherche nicht genannt).<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"118\"><strong>Tab. 2: Angemeldete Versammlungen unter freiem Himmel in neun\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>St\u00e4dten, 2008-2018\u00a0<\/strong>(absolut und in Prozent, 2008 = 100)<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"48\">&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"117\"><strong>2008<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2009<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2010<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2011<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2012<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2013<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2014<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2015<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2016<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2017<\/strong><\/td>\n<td width=\"48\"><strong>2018<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"117\">5699<\/td>\n<td width=\"64\">6550<\/td>\n<td width=\"64\">6492<\/td>\n<td width=\"64\">8667<\/td>\n<td width=\"64\">9063<\/td>\n<td width=\"64\">10461<\/td>\n<td width=\"64\">11211<\/td>\n<td width=\"64\">12189<\/td>\n<td width=\"64\">11939<\/td>\n<td width=\"64\">11432<\/td>\n<td width=\"52\">11508<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"117\">100<\/td>\n<td width=\"64\">115<\/td>\n<td width=\"64\">114<\/td>\n<td width=\"64\">152<\/td>\n<td width=\"64\">159<\/td>\n<td width=\"64\">184<\/td>\n<td width=\"64\">197<\/td>\n<td width=\"64\">214<\/td>\n<td width=\"64\">209<\/td>\n<td width=\"64\">201<\/td>\n<td width=\"48\">202<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Quelle: sh. Tab. 1<\/p>\n<p>Au\u00dferbetriebliche soziale und politische Bewegungen konzentrieren sich in erster Linie auf die (gr\u00f6\u00dferen) St\u00e4dte; sie sind die R\u00e4ume mit entsprechender Infrastruktur (z.B. besetzbaren Pl\u00e4tze und Stra\u00dfen, Verkehrsanbindung), in denen gro\u00dfe, mobilisierbare Bev\u00f6lkerungsgruppen ans\u00e4ssig und berufst\u00e4tig sind, die zusammenkommen und ihren Dissens \u00f6ffentlich zeigen k\u00f6nnen. In den gro\u00dfen St\u00e4dten befinden sich politische Institutionen (die z.T. vor Demonstrationen gesch\u00fctzt sind \u2013 \u201eBannmeilen\u201c) und h\u00e4ufig Versammlungsorte der politischen Eliten wie z.B. die M\u00fcnchner \u201eSicherheitskonferenz\u201c als regelm\u00e4\u00dfiger Anziehungspunkt f\u00fcr Friedensproteste. Die gro\u00dfen St\u00e4dte sind auch Orte, deren Zentren und Infrastruktur u.U. durch Massenversammlungen \u201elahmgelegt\u201c werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen anderen Typ von Demonstrationen, der in den o.a. Daten nicht erfasst wird, sind die gro\u00dfen St\u00e4dte nicht Ort des Geschehens, sondern eher Rekrutierungsbasis: Demonstrationen, die sich z.B. gegen \u00f6kologischen Kahlschlag (Braunkohletagebaue, Hambacher Forst) oder gegen milit\u00e4rische Infrastruktureinrichtungen im l\u00e4ndlichen Raum richten.<\/p>\n<p><strong>Rechte Mobilisierung<\/strong><\/p>\n<p>Ebenfalls regional weitgestreut sind rechte Mobilisierungen gegen Gefl\u00fcchtete und deren Unterk\u00fcnfte in kleineren und \u201eabgeh\u00e4ngten\u201c St\u00e4dten. Rechte und rechtsextremistische Proteste und Demonstrationen haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a>\u00a0Neu ist nicht nur ihre geradezu explosionsartige Verbreitung, sondern auch ihre Verzahnung mit der AfD.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>\u00a0Anders als fr\u00fchere \u00e4hnliche Parteien wie die Republikaner oder die DVU kann sich die AfD auf diese rechte Mobilisierung st\u00fctzen.<\/p>\n<p>Vor allem seit 2015 (dem kurzen \u201eSommer der Migration\u201c) haben wir es mit einer verst\u00e4rkten rechten Stra\u00dfenmobilisierung zu tun. Pegida in Dresden erlebte parallel zur AfD einen Aufstieg, der republikweit zahlreiche regionale Ableger fand. Mit Pegida gelang es der politischen Rechten, eine neue Form des Protests zu etablieren. \u00dcber zwei Jahre hinweg (!) gingen Woche f\u00fcr Woche mehrere tausend Menschen in Dresden auf die Stra\u00dfe, in den Hochzeiten zu Beginn des Jahres 2015 lagen die Zahlen im niedrigen f\u00fcnfstelligen Bereich.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"284\"><strong>Tab. 3: Naziaufm\u00e4rsche und Teilnehmerzahlen (Beh\u00f6rden-Angaben)<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"65\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"64\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"48\">&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"284\"><strong>Jahr<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2011<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2012<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2013<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2014<\/strong><\/td>\n<td width=\"65\"><strong>2015<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>2016<\/strong><\/td>\n<td width=\"48\"><strong>2017<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"284\">Naziaufm\u00e4rsche<\/td>\n<td width=\"64\">142<\/td>\n<td width=\"64\">132<\/td>\n<td width=\"64\">185<\/td>\n<td width=\"64\">177<\/td>\n<td width=\"65\">590<\/td>\n<td width=\"64\">507<\/td>\n<td width=\"48\">190<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"284\">Teilnehmer<\/td>\n<td width=\"64\">21.900<\/td>\n<td width=\"64\">19.075<\/td>\n<td width=\"64\">23.000<\/td>\n<td width=\"64\">19.200<\/td>\n<td width=\"67\">101.200<\/td>\n<td width=\"64\">52.300<\/td>\n<td width=\"56\">14.300<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Pegida und seine Ableger erreichen Menschen \u00fcber den engen Kreis des neonazistischen Spektrums hinaus. Proteste \u201ebesorgter B\u00fcrger\u201c finden sich vor allem in Klein- und Mittelst\u00e4dten, teils auch im l\u00e4ndlichen Bereich. Die Mobilisierung gegen Gefl\u00fcchtete spielt dabei eine entscheidende Rolle (\u201eNein zum Heim!\u201c).<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a>\u00a0Betr\u00e4chtliche Teile der b\u00fcrgerlichen Mitte scheuen sich nicht mehr, gemeinsam mit militanten Nazis zu demonstrieren.<\/p>\n<p>Die Bundestagsfraktion DIE LINKE erfragt seit 2010 bei den Beh\u00f6rden viertelj\u00e4hrlich die Zahl der Naziaufm\u00e4rsche (vgl. Tab. 3). Ber\u00fccksichtigt werden allerdings nur Demonstrationen, die von den Beh\u00f6rden als \u201erechtsextrem\u201c bzw. von der extremen Rechten beeinflusst eingestuft werden. Auch diese Daten zeigen einen massiven Anstieg der Teilnehmerzahlen. Im Jahr 2015 gelang es der extremen Rechten, mehr als 100.000 Menschen auf die Stra\u00dfe zu bringen. Danach gingen die Zahlen wieder zur\u00fcck. Das hat mit zwei Faktoren zu tun, erstens dem massiven R\u00fcckgang der Fl\u00fcchtlingszahlen und zweitens dem Aufstieg der AfD, die die Themen der Rechten stellvertretend artikuliert und in die Parlamente tr\u00e4gt. Die rechten Aufm\u00e4rsche in Chemnitz 2018, aber auch eine gro\u00dfe Zahl von \u201eB\u00fcrgerprotesten\u201c, die von der AfD organisiert, von den Sicherheitsorganen aber nicht erfasst werden, zeigen, dass es ein betr\u00e4chtliches Potenzial der politischen Rechten gibt.<\/p>\n<p><strong>2015 bis 2018: Aufschwung der antirassistischen Bewegungen<\/strong><\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die demokratischen sozialen Bewegungen bedeutete der \u201eSommer der Migration\u201c eine Z\u00e4sur. Aktionen, die Solidarit\u00e4t mit den Gefl\u00fcchteten betonten, erlebten einen Aufschwung \u2013 von der unmittelbaren Fl\u00fcchtlingshilfe bis zu politischen Manifestationen. Dieser setzte sich 2018 \u2013 vor allem in der zweiten Jahresh\u00e4lfte \u2013 noch fort, als Reaktion auf die zunehmend rassistische Aufladung des innenpolitischen Klimas (Hetze gegen Fl\u00fcchtlinge und gegen die Seenotrettung, Seehofers Diktum \u00fcber die \u201eMigration als Mutter aller Probleme\u201c usw.). Zugleich politisierte sich der humanit\u00e4re Protest weiter, indem er sich z. B. auch gegen einen kulturellen, ethnopluralistisch gepr\u00e4gten Rassismus richtete und die diesem zugrunde liegenden R\u00fcckwirkungen der kapitalistischen Globalisierung thematisierte.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a>\u00a0Es wandten sich mehrere Initiativen mit Aufrufen an die \u00d6ffentlichkeit, in denen dem strukturellen Rassismus in Gesellschaft und Politik eine Absage erteilt wurde. \u00dcber 2100 \u201eK\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler gegen Rechts\u201c haben seit 2009 den bundesweiten Aufruf \u201eUnruhe stiften\u201c (<a href=\"http:\/\/www.unruhestiften.de\">www.unruhestiften.de<\/a>) unterzeichnet. Im Juni 2018 wurde die \u201eBerliner Erkl\u00e4rung zum Fl\u00fcchtlingsschutz\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a>\u00a0ver\u00f6ffentlicht. Das Spektrum der Initiatoren wird nach und nach breiter und reicht \u00fcber die \u201eklassischen\u201c Antirassismus-Initiativen hinaus. Eine wichtige Rolle spielt (erstmals zu diesem Thema) der Parit\u00e4tische Gesamtverband. Der Aufruf verbindet scharfe Kritik an der inhumanen Abschottungspraxis der Bundesregierung mit dem Engagement f\u00fcr Demokratie und Menschenrechte. Die Erkl\u00e4rung wird von fast 20 Initiativen aus der Zivilgesellschaft getragen: pro asyl, terre des hommes, Parit\u00e4tischer Gesamtverband, Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Sea-Watch.org u.a.m.<\/p>\n<p>Weitere Aufrufe und B\u00fcndnisse bezogen \u00f6ffentlich Stellung gegen Rassismus und gegen die Rechtsentwicklung und initiierten teils gro\u00dfe Demonstrationen und andere Aktionen (\u00dcbersicht).<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"291\"><strong>\u00dcbersicht: Gr\u00f6\u00dfere Demonstrationen gegen Rechts 2018 (Auswahl)<\/strong><\/td>\n<td width=\"313\">&nbsp;<\/td>\n<td width=\"71\">&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">Datum\/Ort<\/td>\n<td width=\"313\">Thema<\/td>\n<td width=\"83\">Teilnehmende<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">27.5. Berlin<\/td>\n<td width=\"313\">Demo gegen die AfD<\/td>\n<td width=\"73\">70.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">30.6. Augsburg<\/td>\n<td width=\"313\">Demo gegen den Bundesparteitag der AfD<\/td>\n<td width=\"73\">5.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">22.8.Darmstadt<\/td>\n<td width=\"313\">Demonstration #NoAfDDA<\/td>\n<td width=\"73\">5.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">31.8. Freiburg<\/td>\n<td width=\"313\">Demo gegen Rechts<\/td>\n<td width=\"73\">1.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">3.9. Chemnitz<\/td>\n<td width=\"313\">#wirsindmehr \u2013 Rockkonzert gegen Rechts<\/td>\n<td width=\"73\">65.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">6.9. Hamburg<\/td>\n<td width=\"313\">\u201eLaut gegen Nazis\u201c<\/td>\n<td width=\"73\">35.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">7.9. Marburg<\/td>\n<td width=\"313\">Demo \u201eMarburg gegen Rechtsextremismus\u201c<\/td>\n<td width=\"73\">7.500<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">16.9. K\u00f6ln<\/td>\n<td width=\"313\">Demo und Soli-Konzert f\u00fcr menschliche Asylpolitik<\/td>\n<td width=\"73\">12.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">29.9 Hamburg<\/td>\n<td width=\"313\">Antirassistische Parade \u201eWe\u2019ll come united\u201d<\/td>\n<td width=\"73\">30.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">3.10. M\u00fcnchen<\/td>\n<td width=\"313\">#ausgehetzt. Demo gegen Rassismus und gegen Rechts<\/td>\n<td width=\"73\">40.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">13.10. Frankfurt\/Main<\/td>\n<td width=\"313\">Demo #lautstark gegen rechts<\/td>\n<td width=\"73\">5.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">13.10. Berlin<\/td>\n<td width=\"313\">#unteilbar \u2013 Demo gegen Rechts und f\u00fcr eine offene und freie Gesellschaft<\/td>\n<td width=\"73\">240.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">15.10. Ravensburg<\/td>\n<td width=\"313\">Demo gegen Rassismus und rechte Hetze<\/td>\n<td width=\"73\">2.500<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">27.11. Magdeburg<\/td>\n<td width=\"313\">Demo gegen den Europa-Parteitag der AfD<\/td>\n<td width=\"73\">1.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"291\">12.12. Rostock<\/td>\n<td width=\"313\">Demo gegen die AfD<\/td>\n<td width=\"73\">3.200<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>2018 gab es in praktisch allen gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten der Bundesrepublik Demons-trationen und Kundgebungen gegen Rassismus und gegen die Rechtsentwicklung, in Gro\u00dfst\u00e4dten auch mehrmals, so in Berlin, Hamburg, M\u00fcnchen, K\u00f6ln, Stuttgart, Frankfurt am Main. In vielen F\u00e4llen war der Protest gegen die AfD der kleinste gemeinsame Nenner, nicht selten wurde aber auch gegen die Rechtsentwicklung und die sie treibenden Kr\u00e4fte Stellung bezogen. Dar\u00fcber hinaus kam es auch in zahlreichen kleineren St\u00e4dten zu \u00e4hnlichen Aktionen, darunter zahlreiche Kundgebungen gegen Zusammenrottungen der AfD. Aktionen gab es u.a. in Bottrop, Bremen, M\u00fcnster, Hannover, Ostritz (Sachsen), Essen, Hagen, Karlsruhe, Krefeld, Salzgitter, Gera, Wiesbaden, Gie\u00dfen, Erfurt, Wilhelmshaven, Oldenburg, noch einmal in Chemnitz und an sehr vielen anderen Orten, ferner viele Volksfeste und Rock-Konzerte.<\/p>\n<p>Das Institut f\u00fcr Protest- und Bewegungsforschung untertreibt also eher noch, wenn es feststellt: \u201eAllein im sogenannten \u201aHerbst der Solidarit\u00e4t\u2018 2018 gingen in einer Reihe von Gro\u00dfdemonstrationen insgesamt mehrere 100.000 Menschen f\u00fcr eine offene, diverse Gesellschaft auf die Stra\u00dfe.\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p><strong>Verbreiterung der politischen Basis<\/strong><\/p>\n<p>Nicht nur die Zahl der Aktionen und der Teilnehmenden ging 2018 deutlich nach oben, auch die politische Basis der Initiativen wurde breiter und pr\u00e4ziser, indem die politischen Verh\u00e4ltnisse, die den Rassismus forcieren, deutlicher in den Blick genommen wurden.<\/p>\n<p>Eher dem \u201eklassischen\u201c Ansatz der Solidarit\u00e4t mit Gefl\u00fcchteten und des Antirassismus verpflichtet ist das seit 2016 aktive und in zahlreiche lokalen Initiativen gegliederte B\u00fcndnis \u201eAufstehen gegen Rassismus\u201c<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a>. Es initiierte Aktionen gegen die AfD, darunter gegen den AfD-Parteitag im Juni 2018 in Augsburg und gegen den AfD-Europa-Parteitag am 27.11. in Magdeburg. F\u00fcr den Internationalen Tag gegen Rassismus am 16. M\u00e4rz 2019 mobilisiert das B\u00fcndnis f\u00fcr dezentrale Demonstrationen in vielen St\u00e4dten der Bundesrepublik. Der Aufruf hatte im Januar 2019 rund 31.000 Unterzeichnenden (Organisationen und Pers\u00f6nlichkeiten), darunter Linke, viele Sozialdemokraten, Gr\u00fcne, Gewerkschafter, der Zentralrat der Muslime, die Alevitische Gemeinde u.a.<\/p>\n<p>Der Hamburger Aufruf \u201eWelcome United\u201c<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a>\u00a0bzw. \u201eWe\u2019ll Come United\u201c argumentiert aus der Perspektive von hier lebenden Gefl\u00fcchteten, die sich gegen Diskriminierungen und Schikanen wenden. Die Initiatoren engagieren sich f\u00fcr eine migrantische, feministische, queere und mehrsprachige Gesellschaft. Den Aufruf unterst\u00fctzten zuletzt rund 450 Gruppen. Nach Angaben der Veranstalter nahmen am 29. September 2018 in Hamburg 30.000 Menschen an einer gro\u00dfen antirassistischen Parade teil. Obwohl der Aufruf sich auf das Thema Antirassismus konzentrierte, wurden auf der Demonstration auch Forderungen nach bezahlbaren Mieten, zum Klimaschutz und gegen staatliche \u00dcberwachung erhoben.<\/p>\n<p>Die Initiative #wirsindmehr war eine Antwort auf die rechtsextremistischen Ausschreitungen in Chemnitz, bei denen Hitlergr\u00fc\u00dfe gezeigt, Menschen gejagt und Journalisten t\u00e4tlich angegriffen worden waren und die von zahlreichen konservativen Politikern und vom Verfassungsschutz heruntergespielt wurden. #wirsindmehr war eine unmittelbar darauf entstandene Initiative von mehreren Rockbands wie Feine Sahne Fischfilet, Tote Hosen, Kraftklub. Zu einem Gratis-Rockkonzert am 3. September kamen 65.000 Menschen.<\/p>\n<p>Eine neue politische Qualit\u00e4t kam in dem M\u00fcnchener Aufruf #ausgehetzt \u201eGemeinsam gegen die Politik der Spaltung\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a>\u00a0zum Ausdruck. Auf ihn folgte eine gro\u00dfe Demonstration am 3. Oktober 2018, kurz vor der bayerischen Landtagswahl. An der Demonstration nahmen rund 40.000 Menschen teil. Den Aufruf hatten zahlreiche Organisationen und Pers\u00f6nlichkeiten unterzeichnet, darunter attac, der bayerische Fl\u00fcchtlingsrat, die Gr\u00fcnen, die Linke Bayern, ver.di, die GEW, SPD M\u00fcnchen, VVN und viele andere mehr. Die CSU, deren Politik als \u201everantwortungslos\u201c kritisiert wurde, reagierte mit heftigen Gegenangriffen. Der Aufruf richtete sich politisch nicht nur gegen die AfD, sondern dar\u00fcber hinaus \u201egegen den massiven Rechtsruck in der Gesellschaft, den \u00dcberwachungsstaat, die Einschr\u00e4nkung unserer Freiheit und Angriffe auf die Menschenrechte.\u201c Er forderte auch die \u00dcberwindung sozialer Missst\u00e4nde wie Pflegenotstand, Altersarmut und Mietsteigerungen.<\/p>\n<p>Die bedeutsamste Demonstration 2018 fand am 13. Oktober unter dem Motto #unteilbar mit 240.000 Teilnehmenden in Berlin statt.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a>\u00a0Auch diese Demonstration war mehr als eine Ein-Punkt-Initiative gegen Rassismus. Der Aufruf enthielt ein umfassendes und politisch ausgereiftes Statement gegen die Rechtsentwicklung und entsprach damit offenbar einem weit verbreiteten Bed\u00fcrfnis. Zahlreiche Reden auf der Demonstration behandelten den Sachverhalt, dass Rassismus, Sozialstaatsdemontage und autorit\u00e4re Deformation der Demokratie verschiedene Str\u00e4nge derselben gef\u00e4hrlichen Entwicklung sind.<\/p>\n<p><strong>Andere soziale und politische Bewegungen<\/strong><\/p>\n<p>Neben den Konflikten um Fragen von Migration und Rassismus gab es im gleichen Zeitraum zahlreiche soziale Bewegungen zu weiteren Themen.<\/p>\n<ul>\n<li>Zu den \u00f6kologischen Bewegungen z\u00e4hlen u. a. die Aktionen zum Klimaschutz und zur Abkehr von der Braunkohlef\u00f6rderung am Hambacher Forst in Nordrhein-Westfalen mit bis zu 50.000 Teilnehmenden (u.a. getragen vom B\u00fcndnis \u201eEnde Gel\u00e4nde\u201c<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a>), bundesweite Sch\u00fclerinnenstreiks und Proteste f\u00fcr Klimaschutz seit Dezember (\u201eFridays for Future\u201c<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a>) sowie Demonstrationen in K\u00f6ln und Berlin und die Demonstration f\u00fcr eine nachhaltige Agrarpolitik am 6.10. in M\u00fcnchen mit 18.000 Teilnehmenden.<\/li>\n<li>2018 gab es mehrere Demonstrationen gegen den \u00dcberwachungsstaat und gegen neue Polizeigesetze in Niedersachsen (regelm\u00e4\u00dfig in Hannover mit bis zu 8.300 Teilnehmenden), Sachsen (Dresden 1.500), Bayern (M\u00fcnchen 40.000), Brandenburg (Potsdam), NRW (D\u00fcsseldorf), oftmals getragen von breiten B\u00fcndnissen, die von Gewerkschaften und Jugendorganisationen bis hin zu Fu\u00dfballfans reichten.<\/li>\n<li>Bewegungen f\u00fcr bezahlbaren Wohnraum: Hier sind insbesondere die Berliner Bewegung f\u00fcr eine emanzipatorische Stadtpolitik, Hausbesetzungen und Initiativen zur Enteignung gro\u00dfer Wohnungsgesellschaften wie \u201eDeutsche Wohnen\u201c oder auch der \u201eMietentscheid\u201c in Frankfurt\/Main mit 25.000 Unterst\u00fctzenden zu nennen.<\/li>\n<li>Zur Friedensbewegung z\u00e4hlen der Protest gegen die so genannte M\u00fcnchener Sicherheitskonferenz und die Osterm\u00e4rsche mit bundesweit zehntausenden Teilnehmenden.<\/li>\n<li>Einflussreich waren Bewegungen f\u00fcr Feminismus, sexuelle Selbstbestimmung und Akzeptanz unterschiedlicher Lebensentw\u00fcrfe. Exemplarisch k\u00f6nnen hier die Berliner B\u00fcndnisse \u201eWhat the fuck\u201c und \u201eF\u00fcr sexuelle Selbstbestimmung\u201c gegen klerikal-fundamentalistische Abtreibungsgegner genannt werden.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Politisch-soziale Proteste im \u00f6ffentlichen Raum und betrieblich-gewerkschaftliche Bewegungen<\/strong><\/p>\n<p>Bei den Protesten im \u00f6ffentlichen Raum handelt es sich i.d.R. um Willensbekundungen, die sich meist an die relativ abgeschotteten Institutionen des politischen Systems \u2013 Parteien, Parlamente, Regierungen, Verwaltungen \u2013 richten. Auf diese Institutionen k\u00f6nnen Bewegungen nur Eindruck machen, wenn sie nachhaltigen Massenr\u00fcckhalt gewinnen, den zu ber\u00fccksichtigen sich die politischen Parteien auch unter wahltaktischen Gesichtspunkten gezwungen sehen. Hierf\u00fcr ist die mediale Vermittlung ein entscheidender Faktor. In Zeiten der Neustrukturierung und Segmentierung der \u00d6ffentlichkeit durch soziale Medien wandelt sich dieser Mechanismus. Trotzdem bleibt die Kontrolle der \u201egro\u00dfen Medien\u201c (Rundfunk, Fernsehen, Massenpresse) ein entscheidender Filter. Gerade die Auseinandersetzung um die Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg 2017 zeigt, dass die \u00f6ffentliche Wahrnehmung von Protestereignissen und die \u00f6ffentliche Meinung nach wie vor in hohem Ma\u00dfe von diesen gro\u00dfen Medien beeinflusst werden.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a><\/p>\n<p>Bei den betrieblich-gewerkschaftlichen Bewegungen handelt es sich dagegen um Auseinandersetzungen in einem Kernbereich der Gesellschaft. Dieser umfasst die gesamte Breite von der materiellen Produktion im industriell-gewerblichen Sektor \u00fcber die Infrastruktureinrichtungen (Transport, Verkehr, Bahn und Post), die Distributionssph\u00e4re (Handel \u2013 z.B. Amazon \u2013 und Banken) bis zu den stark wachsenden und lohnarbeitsintensiven Bereichen der gesellschaftlichen Reproduktion, darunter der \u201eCare\u201c-Sektor (Krankenh\u00e4user, Kitas, Altenbetreuung). Dies ist der Sektor des privaten Kapitals, aber auch der Lohnarbeit anwendenden \u00f6ffentlich finanzierten Institutionen. In diesen Sektoren verf\u00fcgen die Besch\u00e4ftigten \u00fcber die M\u00f6glichkeit, ihre Arbeitskraft zu verweigern und damit unmittelbaren Druck auf ihre privaten und \u00f6ffentlichen Kontrahenten auszu\u00fcben. Die Interessenkonflikte in diesem Bereich (Tarifauseinandersetzungen) sind hochgradig institutionalisiert und verrechtlicht \u2013 auch, weil die M\u00f6glichkeiten der Kraftentfaltung durch Arbeitsniederlegungen hier viel gr\u00f6\u00dfer sind als bei Protestbekundungen im \u00f6ffentlich-politischen Raum.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Bundesrepublik ist charakteristisch, dass zwischen den au\u00dferparlamentarischen Protestbewegungen und den betrieblich-gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen wenig Resonanz besteht. Die Aktivisten der Protestbewegungen im \u00f6ffentlich-politischen Raum nehmen die Arbeitsk\u00e4mpfe selbst dort, wo sie in ihrer Lebenswelt mit ihnen unmittelbar konfrontiert werden (Kita-Streiks, Bahn- und Poststreiks, Streiks bei Amazon usw.) kaum zur Kenntnis. Solidarit\u00e4tsbekundungen f\u00fcr Streikende kommen ihnen kaum in den Sinn. Gelegentlich kommt es sogar zu konfrontativen Konstellationen wie bei den Auseinandersetzungen um Klimakrise und Kohleausstieg, bei denen es auch um elementare Existenzinteressen von Lohnabh\u00e4ngigen geht. Umgekehrt ist die Beteiligung von Gewerkschaften an politischen Bewegungen f\u00fcr allgemeindemokratische und \u00f6kologische Ziele, f\u00fcr Minderheitsrechte usw., wenn auch regional sehr unterschiedlich, so doch insgesamt nicht besonders intensiv; allgemein wird auch innerhalb der Gewerkschaften deren zunehmende Entpolitisierung in den letzten Jahrzehnten beklagt. Gerade deswegen ist es f\u00fcr beide Seiten nicht nur wichtig, die wachsende Intensit\u00e4t von politischen und sozialen Auseinandersetzungen im Lande zur Kenntnis zu nehmen, sondern auch nach den Ursachen daf\u00fcr sowie nach Interessengemeinsamkeiten und gemeinsamen Handlungsm\u00f6glichkeiten zu suchen. Hier hat sich jedoch, wie die obige Darstellung zeigt, insbesondere im Bereich der Bewegungen gegen Rechts und f\u00fcr Schutz von MigrantInnen in den letzten Jahren einiges getan.<\/p>\n<p>\u201e<strong>Pressure from without\u201c \u2013 Druck auf die Politik<\/strong><\/p>\n<p>In einschl\u00e4gigen Debatten ist h\u00e4ufig die Auffassung anzutreffen, die Konflikte um das Thema\u00a0<a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/die-macht-der-migration\/\">Migration\u00a0<\/a>seien \u201ekulturell-identit\u00e4re Konflikte\u201c, w\u00e4hrend die \u201eKonfliktstrukturen der kapitalistischen Industriegesellschaft (Kapital vs. Arbeit) weiter an Bedeutung\u201c verl\u00f6ren.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a>\u00a0Die Fakten sprechen jedoch gegen diese Auffassung. Die sich um das Thema Migration gruppierenden Konflikte haben zwar auch eine kulturelle Seite, sie richten sich aber zunehmend auch gegen kapitalistische Strukturen, die z. B. Rassismus beg\u00fcnstigen. Gerade die gro\u00dfe Demonstration in Berlin mit ihrer Verkn\u00fcpfung von antirassistischen und sozialen Forderungen hat das eindrucksvoll belegt. Gleichzeitig haben die von den Gewerkschaften ausgetragenen Konflikte um Arbeitszeitforderungen gezeigt, dass von einem Bedeutungsverlust der Konflikte zwischen Kapital und Arbeit keine Rede sein kann. Der eingangs erw\u00e4hnte \u201eStreikmonitor\u201c best\u00e4tigt das.<\/p>\n<p>Konflikte um Diskriminierung sind nicht unmittelbar, aber \u00fcber verschiedene Vermittlungsglieder mit den kapitalistischen Klassenstrukturen verbunden. Die Verwerfungen des neoliberalen globalen Kapitalismus schaffen Unsicherheiten und extreme Ungleichheiten, die die substanzielle Gleichheit und Gleichwertigkeit aller Menschen untergraben. Das f\u00f6rdert Diskriminierungen und simplifizierende Scheinl\u00f6sungen, die umso wirkm\u00e4chtiger sind, je mehr die kapitalistischen Gesellschaften zu demobilisierten Klassengesellschaften werden, deren Zumutungen aber auch zunehmend Widerstand ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>\u201eUnter pressure from without versteht der Engl\u00e4nder gro\u00dfe, au\u00dferparlamentarische Volksdemonstrationen, die nat\u00fcrlich ohne lebhafte Mitwirkung der Arbeiterklasse nicht in Szene gesetzt werden k\u00f6nnen\u201c, schrieb Karl Marx 1862. \u201eKeine bedeutende Neuerung, keine entscheidende Ma\u00dfregel ist hierzulande je durchgef\u00fchrt worden ohne pressure from without.\u201c<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a>\u00a0In der Tat, wenn die Linke heute wirklichen Einfluss auf die Entwicklung der Bundesrepublik nehmen will, muss sie es verstehen, einen koordinierten \u201epressure from without\u201c zu entfalten, der R\u00fcckhalt unter den, wie Marx schreibt, \u201everschiedenen Bestandteilen\u201c der Lohnabh\u00e4ngigen \u2013 \u00fcbersetzt in die heutigen Klassenverh\u00e4ltnisse \u2013 unter den verschiedenen und von den sozialen Verwerfungen ganz unterschiedlich betroffenen sozialen Gruppen und Schichten (Arbeiterklasse, lohnabh\u00e4ngige Mittelschichten, Intelligenz, Prek\u00e4re) findet. Nur dann wird sie und werden diese Bewegungen auch die Chance haben, die von den Herrschenden kontrollierten Medien-Filter und medialen Inszenierungen zu durchbrechen.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a><\/p>\n<p><em>Der Beitrag von Andr\u00e9 Leisewitz, J\u00fcrgen Reusch, Gerd Wiegel und Michael Zander erschien in gedruckter Form der \u201e<\/em><em><a href=\"http:\/\/www.zeitschrift-marxistische-erneuerung.de\/\">Z. Zeitschrift marxistische Erneuerung\u201c<\/a>. Diese kann hier abonniert werden.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/pressure-from-without-soziale-und-politische-proteste-und-bewegungen-2008-2018\/\"><em>diefreiheitsliebe.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 17. M\u00e4rz 2019<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. Heiner Dribbusch, Das Einfache, das so schwer zu z\u00e4hlen ist: Probleme der Streikstatistik in der Bundesrepublik Deutschland, in: Industrielle Beziehungen 3\/2018, S. 301-319; Halbjahresberichte des \u201eStreikmonitor\u201c erschienen bisher in Z 106, Z 108, Z 110, Z 112, Z 114, und Z116. Dank an Dirk M\u00fcller f\u00fcr Vorab-Daten zu Streiks und betrieblichen Bewegungen im 2. Halbjahr 2018, die in Z 118 ver\u00f6ffentlicht werden sollen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Diesem Problem hatten wir uns in verschiedenen Beitr\u00e4gen in \u201eZ\u201c zu den Wahlergebnissen der letzten Jahre gewidmet. Vgl. u.a. Z 115, S. 206ff; Z 114, S. 140ff., Z. 112, S. 118ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Um nur ein Beispiel zu nennen: Sebastian Schipper und Lisa Vollmer (und die humangeographische Arbeitsgruppe um Bernd Belina in Frankfurt\/M.) haben instruktive Untersuchungen zu Mieterprotesten vorgelegt, in denen die Entwicklung lokaler Netzwerke und wohnungspolitischer Protestbewegungen erforscht wird. Vgl. Sebastian Schipper Wohnraum dem Markt entziehen? Wohnungspolitik und st\u00e4dtische soziale Bewegungen in Frankfurt und Tel Aviv, Wiesbaden 2018; Lisa Vollmer, Strategien gegen Gentrifizierung, Stuttgart 2018; \u00fcber Mieterproteste in einzelnen St\u00e4dten kann man sich auf zahlreichen Webseiten im Netz informieren (zu Frankfurt\/M.: <a href=\"http:\/\/www.stadt-fuer-alle.net\/\">http:\/\/www.stadt-fuer-alle.net\/<\/a>; <a href=\"https:\/\/mietentscheid-frankfurt.de\/\">https:\/\/mietentscheid-frankfurt.de\/<\/a>; zu Berlin: <a href=\"https:\/\/wirbleibenalle.org\/\">https:\/\/wirbleibenalle.org\/<\/a>). Gesamt\u00fcbersichten gibt es nicht.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Nach Art. 8 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG) haben alle Deutschen das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln. F\u00fcr Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht nach Art. 8 Abs. 2 GG durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes eingeschr\u00e4nkt werden. Die ma\u00dfgeblichen Regelungen hierzu finden sich im Gesetz \u00fcber Versammlungen und Aufz\u00fcge (Versammlungsgesetz). Es dekretiert in \u00a7 14 (1): \u201eWer die Absicht hat, eine \u00f6ffentliche Versammlung unter freiem Himmel oder einen Aufzug zu veranstalten, hat dies sp\u00e4testens 48 Stunden vor der Bekanntgabe\u00a0<em>der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde<\/em>\u00a0unter Angabe des Gegenstandes der Versammlung oder des Aufzuges anzumelden.\u201c..<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Wir versuchen \u2013 mit allen Unzul\u00e4nglichkeiten \u2013 nachstehend eine kleine \u00dcbersicht zum Trend solcher Bewegungen und einigen gr\u00f6\u00dferen Ereignissen 2018. Wir danken Simon Teune (Berlin) f\u00fcr sachdienliche Hinweise sowie Niko Henes und Steffen Merte f\u00fcr Hilfe bei der Datenrecherche.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Pers. Mitt. v. 30.01.2019.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Mark Allhoff: Berlin geht zw\u00f6lf Mal am Tag auf die Stra\u00dfe. <a href=\"https:\/\/www.rbb24\">https:\/\/www.rbb24<\/a>. de\/politik\/beitrag\/2018\/12\/versammlungen-demos-berlin-protest.html.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/pressure-from-without-soziale-und-politische-proteste-und-bewegungen-2008-2018\/#sdfootnote8anc\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/255882\/umfrage\/studierende-an-hochschulen-in-berlin\/<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Die Linke hat in Berlin rd. 7.800, die Gr\u00fcnen haben ca. 6.000 Mitglieder. Beide Parteien erreichten 2016 bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus etwas \u00fcber 15 Prozent; gegenw\u00e4rtig erreichen sie Umfragewerte um die 18 Prozent (Linke) bzw. 23 Prozent (Gr\u00fcne). <u><a href=\"http:\/\/www.wahlrecht.de\/umfragen\/landtage\/berlin.htm\">http:\/\/www.wahlrecht.de\/umfragen\/landtage\/berlin.htm<\/a><\/u> .<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/pressure-from-without-soziale-und-politische-proteste-und-bewegungen-2008-2018\/#sdfootnote10anc\">https:\/\/interaktiv.waz.de\/rechte-demos\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> S. dazu: Simon Teune: Rechtsradikale Zivilgesellschaft \u2013 contradictio in adiecto? In: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, 4\/2008, S. 17-22.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/durchgezaehlt.org\/pegida-dresden-statistik\/\">https:\/\/durchgezaehlt.org\/pegida-dresden-statistik\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. f\u00fcr eine auch geografische \u00dcbersicht der Verteilung: <a href=\"https:\/\/www.rechtesland.de\/\">https:\/\/www.rechtesland.de\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> S. dazu Klaus D\u00f6rre: In der Warteschlange. Rassismus, v\u00f6lkischer Populismus und die Arbeiterfrage. In: Karina Becker\/Klaus D\u00f6rre\/Peter Reif-Spirek (Hrsg.), Arbeiterbewegung von rechts? Ungleichheit, Verteilungsk\u00e4mpfe, populistische Revolte, Frankfurt\/New York 2018, S. 70.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/pressure-from-without-soziale-und-politische-proteste-und-bewegungen-2008-2018\/#sdfootnote15anc\">https:\/\/www.der-paritaetische.de\/fileadmin\/user_upload\/\u2026\/180627_erklaerung.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/pressure-from-without-soziale-und-politische-proteste-und-bewegungen-2008-2018\/#sdfootnote16anc\">https:\/\/protestinstitut.eu\/protestbefragungen-in-diversen-gesellschaften<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/pressure-from-without-soziale-und-politische-proteste-und-bewegungen-2008-2018\/#sdfootnote17anc\">https:\/\/www.aufstehen-gegen-rassismus.de\/kampagne\/aufruf\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/pressure-from-without-soziale-und-politische-proteste-und-bewegungen-2008-2018\/#sdfootnote18anc\">https:www.welcome-united.org<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/pressure-from-without-soziale-und-politische-proteste-und-bewegungen-2008-2018\/#sdfootnote19anc\">http:\/\/gemeinsam-fuer-menschenrechte-und-demokratie.de\/wp-content\/uploads\/Aufruf-jetzt-gilts.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/pressure-from-without-soziale-und-politische-proteste-und-bewegungen-2008-2018\/#sdfootnote20anc\">https:www.unteilbar.org<\/a>; vgl. die Beitr\u00e4ge in diesem Heft zum \u201eDossier #unteilbar\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/pressure-from-without-soziale-und-politische-proteste-und-bewegungen-2008-2018\/#sdfootnote21anc\">https:\/\/www.ende-gelaende.org\/de\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/pressure-from-without-soziale-und-politische-proteste-und-bewegungen-2008-2018\/#sdfootnote22anc\">https:\/\/fridaysforfuture.de\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/pressure-from-without-soziale-und-politische-proteste-und-bewegungen-2008-2018\/#sdfootnote23anc\">https:\/\/www.sexuelle-selbstbestimmung.de\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Vgl. attac (Hrsg.), Die Gipfelproteste in Hamburg. Global gerecht statt G20! Frankfurt\/M. 2017. S. a. Ulrich Baron, \u201eRiot\u201c? Publikationen zum Protest gegen den Hamburger G20-Gipfel, in: Neue Gesellschaft\/Frankfurter Hefte, H. 9\/2018, S.71ff.; Peter Ullrich u.a., Eskalation: Dynamiken der Gewalt im Kontext der G20-Proteste in Hamburg 2017, Berlin\/Hamburg 2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> So z.B. Edgar Grande, Zivilgesellschaft, politischer Konflikt und soziale Bewegungen. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, 1-2\/2018, S. 52-60, hier S. 53 und 54.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Karl Marx, Ein Londoner Arbeitermeeting, in: MEW 15, S. 454. Hier schreibt Marx zum ersten Mal \u00fcber \u201eau\u00dferparlamentarische Bewegungen\u201c. Etwa eine Million Arbeiter und ihre Familien waren 1862 in England durch den ausfallenden Import von Baumwolle aus den S\u00fcdstaaten der USA infolge des B\u00fcrgerkriegs betroffen \u2013 den sog. \u201eCotton Famine\u201c. Die englische Bourgeoisie wollte zugunsten der sklavenhaltenden S\u00fcdstaaten intervenieren und versuchte \u2013 vergeblich \u2013, die englischen Arbeiter dazu mittels der Presse aufzustacheln. Marx berichtet \u00fcber ein Londoner \u201eArbeitermeeting\u201c, in dem Solidarit\u00e4t mit der Sklavenemanzipation ausgedr\u00fcckt und jede Intervention zur\u00fcckgewiesen wird. Vgl. A. L. Morton, A People\u2019s History of England, London 1945, S. 402ff., sowie: Sven Beckert, King Cotton, M\u00fcnchen 2014, S. 234ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Denn \u201edie Massen \u2026 zu gebrauchen, \u2026 ihren Zorn zu entflammen\u201c geh\u00f6rt zu deren klassischer Strategie, wie aktuell die Demagogie in der Auseinandersetzung um Dieselabgase, Umweltgrenzwerte etc. zeigt. Siehe Verkehrsminister Scheuer und seine 100 Lungenfach\u00e4rzte, die sich in der \u201eBild\u201c-Zeitung austoben d\u00fcrfen. \u201eDie Regierung\u201c, hei\u00dft es bei Marx, \u201elauert auf den Interventionsschrei von unten.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andr\u00e9 Leisewitz, J\u00fcrgen Reusch, Gerd Wiegel, Michael Zander. 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