{"id":5089,"date":"2019-03-18T12:59:41","date_gmt":"2019-03-18T10:59:41","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5089"},"modified":"2019-03-18T12:59:58","modified_gmt":"2019-03-18T10:59:58","slug":"konferenz-geschlechterbefreiung-ist-klassenkampf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5089","title":{"rendered":"Konferenz: Geschlechterbefreiung ist Klassenkampf"},"content":{"rendered":"<p><em>Julian Seeberger.<\/em> \u00bbDas muss eine deutsche Sache sein: \u00dcber Utopie zu reden, ist ein bisschen wie \u00fcber Pornografie zu reden &#8211; man wird immer direkt ganz besch\u00e4mt\u00ab, sagt Eva von Redecker lachend, und das Am\u00fcsement<!--more--> breitet sich im vollen Saal im \u00bbnd\u00ab-Geb\u00e4ude in Friedrichshain aus. Fast 200 Interessierte, vor allem junge Menschen, folgen an diesem Samstag der Podiumsdiskussion mit der marxistischen Philosophin. Unter dem Titel \u00bbFeminism is Class War\u00ab hatte die Gruppe \u00bbTheorie Organisation Praxis B3rlin\u00ab (TOP) drei junge Wissenschaftlerinnen zum Dialog geladen, bevor am Sonntag Workshops und eine weitere Diskussion folgten. Vielmehr ging es um den Weg zur befreiten Gesellschaft als um die Utopie selbst.<\/p>\n<p>Hintergrund der Veranstaltung war ein theoretischer Prozess, der zu der \u00dcberzeugung gef\u00fchrt habe, dass die Frage, wer in naher Zukunft das revolution\u00e4re Subjekt sein k\u00f6nnte, vor allem feministisch zu beantworten sei, erkl\u00e4rt Ulrike Sommer, Sprecherin der TOP dem \u00bbnd\u00ab. \u00bbWir glauben, dass der Kapitalismus zwangsl\u00e4ufig mit patriarchalen Strukturen einhergeht, und dass Frauen eine gro\u00dfe Rolle in vergangenen und zuk\u00fcnftigen Klassenk\u00e4mpfen spielen\u00ab, erg\u00e4nzt sie.<\/p>\n<p>Bewegungen wie j\u00fcngst der Frauenstreik oder K\u00e4mpfe um Wohnraum h\u00e4tten gezeigt, dass Klassenk\u00e4mpfe l\u00e4ngst im Bereich der Reproduktion angekommen seien, hatte die Gruppe im Ank\u00fcndigungstext festgehalten. Die Gruppe kritisiert: \u00bbWenn Arbeiter*innen Geschlechterungerechtigkeiten abtun und Feminist*innen den Blick verlieren f\u00fcr die fundamentalen Zw\u00e4nge der Lohnarbeitenden im Kapitalismus, so entgeht beiden eine wirkungsvolle Synthese.\u00ab<\/p>\n<p>An der Suche nach dieser Zusammenf\u00fchrung beteiligten sich am Samstagabend neben der Philosophin Redecker auch Bafta Sarbo von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland und Ines Schwerdtner vom sozialistischen Ada-Magazin. Sie spannten weite Horizonte, berichteten von europaweiten Diskussionen, blickten bis zu Arbeitsk\u00e4mpfen in Bangladesch oder Indonesien, und gaben ein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wie weitreichend die Ver\u00e4nderungen sind, die die stetig anschwellende Macht der Megakonzerne des Hightech-Kapitalismus mit sich bringt &#8211; wie etwa jene der Google-Mutter Alphabet.<\/p>\n<p>Einzig die akademisch-elit\u00e4re Sprache der Teilnehmenden wirkte an diesem Samstagabend befremdlich. Damit ging einher, dass Abstraktionen mehrfach verunklarten, wo veranschaulichende Beispiele oder M\u00f6glichkeiten geholfen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Schnell einig wurde sich das Podium dar\u00fcber, dass der Titel ihrer Diskussion mehr provokativer Natur war. Angesichts der Dominanz eines liberalen oder rein identit\u00e4tspolitischen Feminismus k\u00e4men klassenk\u00e4mpferische Aspekte h\u00e4ufig zu kurz &#8211; leider.<\/p>\n<p>Dabei erinnerte Bafta Sarbo daran, dass die arbeitende Klasse selbst schon intersektional zusammengesetzt ist, also dass sich verschiedene Diskriminierungen, denen Personen ausgesetzt sind, \u00fcberkreuzen und zu unterschiedlichen Unterdr\u00fcckungserfahrungen f\u00fchren. \u00bbWenn wir von feministischem Klassenkampf sprechen, kann das nicht hei\u00dfen, andere Ausbeutungs- und Unterdr\u00fcckungsformen zu dethematisieren oder wieder zwischen Haupt- und Nebenwiderspr\u00fcchen zu hierarchisieren.\u00ab Vielmehr m\u00fcssten Antirassismus, Antifaschismus und Antisexismus als Erm\u00f6glichungsbedingungen f\u00fcr Klassenk\u00e4mpfe zwingend mitgedacht werden, denn: \u00bbEine gespaltene Klasse ist machtlos\u00ab, sagte Sarbo.<\/p>\n<p>Redecker erg\u00e4nzte, dass zudem Feminismus schon seit Jahrhunderten die eigentumsf\u00f6rmige Aneignung der Arbeitskraft von Frauen durch die M\u00e4nner problematisiere, wenngleich diese nicht in dem Ma\u00dfe geschehe, wie im Falle der Versklavung schwarzer durch wei\u00dfer Menschen. Im Lichte dieser Konflikte sei es zumindest zutreffend, den Titel der Veranstaltung umzukehren: \u00bbAntifeminismus ist Klassenkampf von oben\u00ab.<\/p>\n<p>Dennoch d\u00fcrften auch Konflikte innerhalb der lohnabh\u00e4ngigen Klasse nicht umgangen werden, meinte schlie\u00dflich die Autorin Ines Schwerdtner: \u00bbIch bin f\u00fcr eine z\u00e4rtliche Revolution. Aber wenn es um Privilegien geht, kann es auch ruppig werden.\u00ab<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1114550.konferenz-feminismus-ist-klassenkampf.html\"><em>neues-deutschland.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 18. M\u00e4rz 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Julian Seeberger. \u00bbDas muss eine deutsche Sache sein: \u00dcber Utopie zu reden, ist ein bisschen wie \u00fcber Pornografie zu reden &#8211; man wird immer direkt ganz besch\u00e4mt\u00ab, sagt Eva von Redecker lachend, und das Am\u00fcsement<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,5],"tags":[25,39,32,14,4],"class_list":["post-5089","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-kampagnen","tag-arbeiterbewegung","tag-deutschland","tag-frauenbewegung","tag-postmodernismus","tag-strategie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5089","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5089"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5089\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5090,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5089\/revisions\/5090"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5089"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5089"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5089"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}