{"id":509,"date":"2015-05-04T09:38:26","date_gmt":"2015-05-04T07:38:26","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=509"},"modified":"2015-05-04T09:39:21","modified_gmt":"2015-05-04T07:39:21","slug":"deutschland-denen-reicht-das-gefuehl-irgendwie-gegen-nazis-zu-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=509","title":{"rendered":"Deutschland: \u00bbDenen reicht das Gef\u00fchl, irgendwie gegen Nazis zu sein\u00ab"},"content":{"rendered":"<p lang=\"de\"><strong>Die Zahl rassistischer Aufm\u00e4rsche nimmt zu, Antifaschisten bleiben hilflos. Es fehlt eine Strategiedebatte. Ein Gespr\u00e4ch mit Thomas Zmrzly. Thomas Zmrzly ist Sprecher des <a href=\"http:\/\/netzwerk-gegen-rechts.org\/\">Dusiburger Netzwerk gegen Rechts<\/a>. <!--more--><\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p lang=\"de\"><strong>Die neofaschistische Partei \u00bbDie Rechte\u00ab hatte f\u00fcr den 1. Mai einen Aufmarsch in Duisburg angemeldet. Hat der stattgefunden?<\/strong><\/p>\n<p lang=\"de\">Nein, die Nazis sind mit rund 250 Teilnehmern in Essen aufmarschiert. Wir waren von vornherein davon ausgegangen, dass es sich bei uns nur um eine Art Scheinanmeldung handelte, die von den extremen Rechten nur in Anspruch genommen worden w\u00e4re, wenn ihre Demonstrationspl\u00e4ne in Essen f\u00fcr sie nicht durchsetzbar gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p lang=\"de\"><strong>Und doch wurde Duisburg in letzter Zeit mehrfach von extremen Rechten als Aufmarschort missbraucht &#8230;<\/strong><\/p>\n<p lang=\"de\">Das stimmt an sich. Am 1. Mai haben sich hier jedoch nur eine Handvoll Rechte versammelt. Auch die Aufz\u00fcge des lokalen Pegida-Netzwerkes sind keineswegs mehr so bedeutend, wie sie zu ihrem Beginn waren. Es geh\u00f6rt jedoch auch zur Wahrheit, dass die Zahl rassistischer und offen faschistischer Aktivit\u00e4ten in ganz NRW kontinuierlich zugenommen hat.<\/p>\n<p lang=\"de\"><strong>Was sind die Gr\u00fcnde daf\u00fcr?<\/strong><\/p>\n<p lang=\"de\">Wir haben es im gesamten Ruhrgebiet mittlerweile mit einer stetig zunehmenden sozialen Deklassierung der Menschen zu tun. Die Auswirkungen sind auch in vielen Innenst\u00e4dten kaum mehr zu \u00fcbersehen. So wird das Erscheinungsbild dominiert von sogenannten Billigl\u00e4den oder sogar von Leerstand. Man muss schon mit Blindheit geschlagen sein, um nicht zu bemerken, wie viele Menschen mittlerweile Pfandflaschen sammeln, um sich das bisschen St\u00fctze, was sie noch von den \u00c4mtern bekommen, etwas aufzubessern. Hinzu kommt, dass die Stimmungsmache b\u00fcrgerlicher Parteien \u2013 hier vor allem der SPD \u2013 gegen angebliche Armutsfl\u00fcchtlinge in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung durchaus Spuren hinterlassen hat. Da ist es f\u00fcr Neonazis fast schon ein leichtes, an den Rassismus der politischen Mitte anzudocken.<\/p>\n<p lang=\"de\"><strong>Inwiefern tragen die Gegendemonstrationen zum Erstarken der Nazis bei<\/strong>?<\/p>\n<p lang=\"de\">Wir haben es mit einer Schw\u00e4che der au\u00dferparlamentarischen Linken zu tun. Hinzu kommt jedoch auch eine ausgepr\u00e4gte Ignoranz nicht weniger Antifagruppen, die sich f\u00fcr die konkreten Probleme der Bev\u00f6lkerung, f\u00fcr Armut, f\u00fcr Aufr\u00fcstung und Krieg nicht interessieren. Denen reicht es, das gute Gef\u00fchl zu haben, irgendwie gegen Nazis zu sein. Das kann aber nicht alles sein.<\/p>\n<p lang=\"de\"><strong>Sondern?<\/strong><\/p>\n<p lang=\"de\">Fr\u00fcher hie\u00df es immer, Antifaschismus m\u00fcsse mehr sein, als nur gegen Nazis aktiv zu werden. Dass es in der politischen Linken massive Defizite gibt, wird doch schnell klar, wenn die Dortmunder Nazis \u2013 wie geschehen \u2013 einen \u00bbNationalen Antikriegstag\u00ab ausrufen oder die Parole \u00bbKapitalismus zerschlagen\u00ab propagieren. Mit einer derartigen Demagogie haben sie durchaus Erfolg bei J\u00fcngeren. Was vom angeblichen Antikapitalismus der Nazis tats\u00e4chlich zu halten ist, haben sie am 1. Mai in Weimar gezeigt, als sie wieder einmal auf Gewerkschafter eingepr\u00fcgelt haben. Das zeigen auch Forderungen nach Wiedereinf\u00fchrung eines Arbeitsdienstes f\u00fcr angeblich nicht Arbeitswillige und ihre rassistische Hetze gegen nichtdeutsche Arbeiter.<\/p>\n<p lang=\"de\">Und trotzdem: Wenn die politische Linke diesem Gebaren nur \u00bbNazis raus\u00ab entgegenzubringen hat, hat sie sich in diesem Moment selbst \u00fcberfl\u00fcssig gemacht und kann den Protest gegen Nazis getrost SPD und B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen \u00fcberlassen. Und diesem Zustand sind wir mit einigen Ausnahmen in NRW recht nahe.<\/p>\n<p lang=\"de\"><strong>Und was sollte man dagegen tun?<\/strong><\/p>\n<p lang=\"de\">Beispielsweise indem eine offene und ehrliche Bestandsaufnahme des bisherigen Wirkens gemacht und eine ernsthafte Strategiedebatte gef\u00fchrt wird. Davon sind wir aber meilenweit entfernt. Das sieht man aktuell auch daran, dass zum Thema Pegida und des dort propagierten antimuslimischen Rassismus verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig lange geschwiegen wurde.<\/p>\n<p lang=\"de\">Es wiederholt sich im Endeffekt das Szenario, das wir bereits aus der Friedensbewegung kennen. Einige Platzhirsche geben den Takt vor, verweigern sich nahezu jeglicher Realit\u00e4t und der Diskussion. Jeder, der auch nur zaghaft Kritik \u00fcbt oder offensichtliche Schw\u00e4chen dieser Bewegung benennt, wird zum Nestbeschmutzer erkl\u00e4rt. Ein \u00bbWeiter so\u00ab wird sich auf Dauer jedoch weder in der Antifa- noch in der Friedensbewegung durchhalten lassen. Das w\u00fcrde am Ende bestenfalls in der politischen Bedeutungslosigkeit enden.<\/p>\n<p lang=\"de\"><em>Quelle<\/em>: Junge Welt vom 4. Mai 2015 \/ <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\">www.jungewelt.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zahl rassistischer Aufm\u00e4rsche nimmt zu, Antifaschisten bleiben hilflos. Es fehlt eine Strategiedebatte. Ein Gespr\u00e4ch mit Thomas Zmrzly. 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