{"id":5094,"date":"2019-03-19T11:18:01","date_gmt":"2019-03-19T09:18:01","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5094"},"modified":"2019-03-19T11:18:01","modified_gmt":"2019-03-19T09:18:01","slug":"die-globalisierung-des-rechtsextremismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5094","title":{"rendered":"Die Globalisierung des Rechtsextremismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Tomascz Konicz. <\/em><strong>National war gestern &#8211; die Neue Rechte strebt ideologisch wie praktisch nach globaler Vereinheitlichung und Vernetzung.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Wie klein die globalisierte rechtsterroristische Welt doch ist. Der mutma\u00dfliche rechte Massenm\u00f6rder von Christchurch, der bei seinem Amoklauf\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-asia-47593693\">mindestens 50 Menschen<\/a>\u00a0t\u00f6tete, hatte ersten Erkenntnissen zufolge europ\u00e4ische Vorbilder.<\/p>\n<p>Neben dem rechten Amokl\u00e4ufer Anders Breivik, der 2011 in Norwegen 77 Kinder und Jugendliche ermordete, scheinen auch rechtsextreme Bundeswehrsoldaten den mutma\u00dflichen T\u00e4ter von Christchurch\u00a0<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/neuseeland-attentaeter-interessierte-sich-fuer-rechtsextreme-bundeswehr-soldaten-a-1258193.html\">fasziniert<\/a>\u00a0zu haben. Laut Medienberichten hat er in sozialen Netzwerken auf Artikel der Deutschen Welle verlinkt, die sich mit dem Ph\u00e4nomen des Rechtsextremismus in der Bundeswehr besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p>Angetrieben wurde der T\u00e4ter bei seinem Massenmord durch eine charakteristisch postmodern zusammengew\u00fcrfelte Frankenstein-Ideologie, bei der Versatzst\u00fccke unterschiedlicher rechter Ideen und Anschauungen zu einem individuellen Wahngeb\u00e4ude zusammengef\u00fcgt wurden, das von dem Rechtsterroristen &#8211; hier dem Vorbild Breivik nacheifernd &#8211; in einem Manifest festgehalten wurde. Das Machwerk wurde kurz vor dem Amoklauf per Mail verschickt.<\/p>\n<p>Verfangen in dem rassistischen Fiebertraum einer &#8222;Wei\u00dfen Rasse&#8220;, bildete der mutma\u00dfliche, in Australien geborene Amokl\u00e4ufer eine europ\u00e4ische Identit\u00e4t aus, die auf seinem &#8211; so w\u00f6rtlich &#8211; &#8222;europ\u00e4ischen Blut&#8220; beruhen sollte. Als selbsterkl\u00e4rter Europ\u00e4er hat der Attent\u00e4ter, der sich als soldatischer M\u00e4rtyrer eines kommenden Rassenkrieges versteht, die Grundz\u00fcge der\u00a0<a href=\"https:\/\/faktenfinder.tagesschau.de\/neuseeland-attentat-manifest-101.html\">rechten Ideologie<\/a>\u00a0verinnerlicht, wie sie von der Neuen deutschen Rechten von AfD bis Pegida propagiert wird.<\/p>\n<p>Der in Europa ausgebr\u00fctete Ethnopluralismus, der die &#8222;Vermischung&#8220; von angestammten Nationen und Kulturen als &#8222;zersetzend&#8220; imaginiert, wurde in das Manifest des australischen Amokl\u00e4ufers ebenso eingebaut, wie die Idee eines durch eine finstere Verschw\u00f6rung gezielt betriebenen Bev\u00f6lkerungsaustausches in den &#8222;wei\u00dfen&#8220; L\u00e4ndern, insbesondere in Europa. Hierf\u00fcr machte der Attent\u00e4ter &#8211; analog der Neuen deutschen Rechten &#8211; Angela Merkel h\u00f6chstselbst verantwortlich.<\/p>\n<p>Hinzu kommt eine \u00fcbersteigerte soldatische M\u00e4nnlichkeit, die Verehrung des Opfertodes in Kriegen, die auch f\u00fcr den nationalsozialistischen Todeskult so charakteristisch war. Die charakteristische postmoderne &#8222;Individualisierung&#8220; des faschistischen Wahns, der keine ideologische Konsistenz mehr ausbilden kann, wird an Bez\u00fcgen zu nordischer Mythologie (&#8222;Walhalla&#8220;) und dem Templer-Ordern in dem Manifest des T\u00e4ters offensichtlich.<\/p>\n<p>Neurechte deutsche Wahnbegriffe wie &#8222;Bev\u00f6lkerungsaustausch&#8220;, der Glaube an eine Merkel-Verschw\u00f6rung, der europ\u00e4ische Ethnopluralismus, die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Failed-State-BRD-4232674.html?seite=all\">Machenschaften rechtsextremer Netzwerke<\/a>in der Bundesrepublik &#8211; sie fanden aufgrund der Globalisierung ihren Widerhall in der australischen Kleinstadt Grafton in New South Wales, aus der der mutma\u00dfliche rechte Massenm\u00f6rder stammte.<\/p>\n<p><strong>Uniter als Duterte-Hilfstruppe?<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4hnlich absurd scheinen die globalen Aktivit\u00e4ten von Uniter zu sein &#8211; jenes Vereins, der im Verdacht steht, die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Bleibt-Schattenarmee-im-Dunkeln-4237356.html\">organisatorische Keimzelle<\/a>\u00a0eben jener rechtsextremen Netzwerke in der Bundeswehr und dem &#8222;tiefen Staat&#8220; der Bundesrepublik zu bilden, von denen der Attent\u00e4ter von Christchurch so fasziniert war. Laut Recherchen von Focus und der Tageszeitung sollen im Umfeld des Veteranenvereins Putschpl\u00e4ne und Massenerschie\u00dfungen politischer Gegner ausgearbeitet worden sein. Laut\u00a0<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5577832\/\">Medienberichten<\/a>\u00a0sind Vertreter des Vereins &#8211; in dem sich Soldaten, Polizisten und Unternehmer der Sicherheitsbranche vernetzen &#8211; dabei, die Sicherheitskr\u00e4fte des philippinischen Machthabers Rodrigo Duterte auszubilden.<\/p>\n<p>Mitte Februar fand s\u00fcdlich der philippinischen Hauptstadt Manila ein Treffen zwischen Uniter und Vertretern des Polizei und des Milit\u00e4rapparates Dutertes statt, bei dem die Grundz\u00fcge eines &#8222;milit\u00e4rtaktischen Trainings&#8220; f\u00fcr die ber\u00fcchtigte Nationalpolizei besprochen wurden. Zudem sollen hochrangige Milit\u00e4rs und Mitarbeiter staatlicher Dienste dem Treffen beigewohnt haben, das auch dazu beitragen sollte, &#8222;neue Mitglieder f\u00fcr das internationale Netzwerk zu gewinnen&#8220;.<\/p>\n<p>Duterte, der sich selber gerne als Diktator bezeichnet, hat die Sicherheitskr\u00e4fte seines Landes zu offenem Rechtsbruch, zu\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Lynchjustiz-als-Regierungsprogramm-3558300.html\">extralegalen Hinrichtungen<\/a>\u00a0von &#8222;Kriminellen&#8220; aufgefordert.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2018\/dec\/19\/dutertes-philippines-drug-war-death-toll-rises-above-5000\">Tausende von Menschen<\/a>\u00a0sind von den korrupten Polizeikr\u00e4ften bislang in den Ghettos des Landes im Rahmen des angeblichen &#8222;Krieges gegen die Drogen&#8220; get\u00f6tet worden. Oftmals reicht es aus, die \u00fcblichen Schmiergeldzahlungen an die Uniformtr\u00e4ger nicht zu entrichten, um sich auf deren Todeslisten wiederzufinden.<\/p>\n<p>In einem &#8222;zwei- bis vierj\u00e4hrigen Training&#8220; sollen die Mitglieder der philippinischen &#8222;Sicherheitskr\u00e4fte&#8220; nun von Uniter privat darin geschult werden, ad\u00e4quat in &#8222;Extremsituationen&#8220; zu reagieren. An den Modulen des deutschen Veteranenvereins k\u00f6nne &#8222;jedermann teilnehmen&#8220;, seien keine &#8222;Erfahrungen mit Waffen&#8220; notwendig.<\/p>\n<p><strong>Die Alpen-Connection<\/strong><\/p>\n<p>\u00d6sterreichische Medien\u00a0<a href=\"https:\/\/derstandard.at\/2000099600939\/Spuren-nach-Oesterreich-bei-rechtem-Netzwerk-deutscher-Soldaten\">thematisieren<\/a>\u00a0wiederum die Verbindungen des deutschen Veteranenvereins in die Alpenrepublik. Wer Uniter folge, der lande &#8222;bald in \u00d6sterreich&#8220;, hie\u00df es in einem Res\u00fcmee. Die infantile Vorliebe f\u00fcr dubiose Ritterorden, die einen roten Faden postmoderner rechter Ideologie zu bilden scheint, kommt auch im Falle der \u00f6sterreichischen Konnexionen des deutschen Veteranenvereins voll zu Ausdruck.<\/p>\n<p>Uniter sei als Verein Mitglied einer &#8222;Lazarus Unon&#8220;, eines Pseudo-Ritterordens, von dem der f\u00fchrende Uniter-Mann Andr\u00e9 S. (&#8222;Hannibal&#8220;) zum &#8222;Ritter&#8220; geschlagen wurde &#8211; im Beisein von \u00d6VP-Politikern. Inzwischen distanzieren sich Vertreter der Lazarus-Union von Uniter. Man habe jegliche Kooperation eingestellt, bis die Vorw\u00fcrfe gegen den Verein entkr\u00e4ftet seien, Andr\u00e9 S. lasse seine Funktion als Vizepr\u00e4sident bis auf weiteres ruhen, so Vertreter des Ordens gegen\u00fcber \u00f6sterreichischen Medien. Laut weiteren Recherchen soll Uniter Verbindungen zu \u00f6sterreichischen Firmen aus der Sicherheitsbranche unterhalten.<\/p>\n<p>Schon der mutma\u00dfliche potenzielle Rechtsterrorist Franco A., der eine falsche Identit\u00e4t als syrischer Fl\u00fcchtling annahm und Todeslisten von politischen Feinden f\u00fcr terroristische Aktionen anlegte, wurde auf dem Wiener Flughafen verhaftet, als er seine Schusswaffe aus einem Versteck holen wollte. Die \u00f6sterreichische Zeitschrift Der Standard sieht diesen Vorfall nun in Zusammenhang mit dem &#8222;rechtsextrem Netzwerk&#8220; im tiefen Staat der Bundesrepublik, das F\u00e4den bis ins \u00f6sterreichische Ausland ziehe:<\/p>\n<p>Was damals noch niemand ahnt: Franco A. ist nur ein Teil eines rechtsextremen Netzwerks aus aktiven und ehemaligen Soldaten und Polizisten, die sich in Chatgruppen miteinander \u00fcber den Tag X austauschen &#8211; jenen Tag, an dem die staatliche Ordnung zusammenbricht. Folgt man ihren Spuren, landet man bei einem Verein f\u00fcr ehemalige Elitesoldaten, beim deutschen Verfassungsschutz, einem merkw\u00fcrdigen Ritterorden in \u00d6sterreich &#8211; und beim heimischen Verteidigungsministerium.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/derstandard.at\/2000099600939\/Spuren-nach-Oesterreich-bei-rechtem-Netzwerk-deutscher-Soldaten\">Standard<\/a><\/p>\n<p>Auch in der Schweiz will der umtriebige Verein Fu\u00df fassen, berichteten dortige Medien. Inzwischen scheint das Uniter-Netzwerk sogar \u00fcber einen formellen Umzug in die Alpenrepublik nachzudenken. Der stellvertretende Vorsitzende von Uniter, ein deutscher Ausl\u00e4nder, der im schweizerischen Kanton Luzern wohnt, hat gegen\u00fcber der Neuen Z\u00fcricher Zeitung\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/schweiz\/was-will-der-verein-eines-deutschen-elite-soldaten-in-der-schweiz-ld.1466851\">erkl\u00e4rt<\/a>, dass sein Verein &#8222;perspektivisch&#8220; seinen Hauptsitz in die Schweiz verlegen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Ein erster Organisationsansatz sei gescheitert, nachdem der Verein zunehmend ins Zweilicht geriet, so die NZZ:<\/p>\n<p>Hausdurchsuchungen, Befragungen, Bodybuilder &#8211; manchen Uniter-Mitgliedern in der Schweiz wurde es zu bunt. Zumal keine Rede mehr war von grenz\u00fcberschreitender Lobby-Arbeit f\u00fcr Polizisten wie noch 2015. Bis Mitte 2018 verliessen alle Distriktleiter den Verein. Die kritischen Artikel deutscher Medien kamen erst noch.<\/p>\n<p>NZZ<\/p>\n<p>Nach diesen ersten R\u00fcckschl\u00e4gen sei am 1. M\u00e4rz ein abermaliger Anlauf zur Festigung der Strukturen von Uniter in der Schweiz gestartet worden, berichtete die Zeitung. Mindestens ein &#8222;halbes Dutzend&#8220; M\u00e4nner k\u00f6nne dem Netzwerk zugeordnet werden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Die-Globalisierung-des-Rechtsextremismus-4338905.html\"><em>Telepolis.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 19. M\u00e4rz 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tomascz Konicz. 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