{"id":5098,"date":"2019-03-20T09:48:52","date_gmt":"2019-03-20T07:48:52","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5098"},"modified":"2019-03-20T09:48:52","modified_gmt":"2019-03-20T07:48:52","slug":"die-maerzkaempfe-in-berlin-1919","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5098","title":{"rendered":"Die M\u00e4rzk\u00e4mpfe in Berlin 1919"},"content":{"rendered":"<p>Die milit\u00e4rische Operation gegen die Berliner Arbeiter war langfristig und sorgf\u00e4ltig vorbereitet worden. Schon am 31. Ja\u00adnuar hatte der Stab des Generals von L\u00fcttwitz einen sogenann\u00adten Vorbefehl erlassen, der die Aufteilung Berlins<!--more--> in sieben Sek\u00adtoren vorsah, in welche die bei Berlin konzentrierten Truppen von verschiedenen Seiten her einmarschieren sollten. Im Stadtzentrum sollten anfangs die Truppen der Berliner Stadtkommandantur ope\u00adrieren: die Freikorpsbrigade Reinhard und Einheiten der \u201eRepu\u00adblikanischen Soldatenwehr&#8220;, da diese nach Meinung Noskes den Berlinern nicht so verha\u00dft waren wie die Gardedivisionen. Die ge\u00adsamte Operation sollte im Zeichen der \u201eVerteidigung&#8220; gegen einen Uberfall der \u201eSpartakisten&#8220; vonstattengehen.(103)\u00a0Im Februar erhielten die Truppen zahlreiche zus\u00e4tzliche Anweisungen, die den Plan zur Niederschlagung der Berliner Arbeiter konkretisierten.(104)\u00a0Reserveoffiziere, Studenten und Bourgeoisies\u00f6hne organisierten Abteilungen der \u201eB\u00fcrgerwehr&#8220;, erhielten Waffen und absolvier\u00adten eine milit\u00e4rische Ausbildung.<\/p>\n<p>Am 28. Februar verbot der Berliner Stadtkommandant Albert Klawunde Demonstationen und Versammlungen unter freiem Himmel. Am n\u00e4chsten Tag wurden mehrere Abteilungen der Re\u00adpublikanischen Soldatenwehr in den Stadtbezirk Wei\u00dfensee ver\u00adlegt. Im Parademarsch zog in Berlin das aus Afrika zur\u00fcck\u00adgekehrte Korps des Generals Lettow-Vorbeck ein; am Branden\u00adburger Tor wurde ihm ein festlicher Empfang bereitet.(105)<\/p>\n<p>Am 2. M\u00e4rz wurde der Sozialdemokrat Georg Sch\u00f6pflin zum Milit\u00e4rgouverneur von Berlin ernannte. Am selben Tage machte die Kommandantur die Einheiten der Garnison mit dem Geheim\u00adbefehl des Generals L\u00fcttwitz \u00fcber den Ablauf der milit\u00e4rischen Aktionen bekannt.(106) Der Berliner \u201eB\u00fcrgerrat&#8220; beschlo\u00df auf einer gesonderten Sitzung, im Falle eines Streiks der Arbeiter den \u201eGe\u00adgenstreik&#8220; auszurufen. Wie schon die Ereignisse in Wilhelms\u00adhaven, Halle, Leipzig und anderen St\u00e4dten gezeigt hatten, war der Gegenstreik&#8220; eine der barbarischsten Kampfmethoden der Bour\u00adgeoisie: Die \u00c4rzte mu\u00dften den Arbeitern medizinische Hilfe, die Apotheken die Ausgabe von Medikamenten, die Lebensmittel\u00adgesch\u00e4fte den Verkauf von Nahrungsmitteln, die Post\u00e4mter die Auszahlung von Renten verweigern usw.(107)<\/p>\n<p>Am 3. M\u00e4rz ver\u00f6ffentlichte \u201eDie Rote Fahne&#8220; einen Aufruf der Zentrale der KPD, der Berliner Bezirksleitung der KPD, der kommunistischen Fraktion der Vollversammlung der Arbeiter- \u00adund Soldatenr\u00e4te Gro\u00df-Berlins und der kommunistischen Ver\u00adtrauensleute der Berliner Gro\u00dfbetriebe. Darin wurden die Ar\u00adbeiter aufgerufen, das Werk der Revolution zu vollenden, und es wurde die Losung verk\u00fcndet: \u201eNieder mit Ebert-Scheidemann-Noske, den M\u00f6rdern, den Verr\u00e4tern! Nieder mit der National\u00adversammlung! Alle Macht den Arbeiterr\u00e4ten!&#8220;<\/p>\n<p>Unter dieser gesamtpolitischen Orientierung wurden die Arbei\u00adter aufgefordert, vor allem f\u00fcnf konkrete Teilforderungen durch\u00adzusetzen:<\/p>\n<p>1)\u00a0sofortige Wahl von Betriebsr\u00e4ten in allen Betrieben, die zu\u00adsammen mit den Arbeiterr\u00e4ten die Kontrolle \u00fcber die Produk\u00adtion aus\u00fcben und schlie\u00dflich die Betriebsleitung \u00fcbernehmen sollten;<\/p>\n<p>2)\u00a0Beseitigung der Willk\u00fcrherrschaft der Soldateska, Wiederher\u00adstellung des vollen Vereins- und Versammlungsrechts, \u00dcber\u00adtragung der Polizeigewalt auf die Arbeiterr\u00e4te;<\/p>\n<p>3)Aufl\u00f6sung der wei\u00dfgardistischen Freikorps, Entwaffnung der Offiziere, der Studenten und der Bourgeoisie, Bildung einer Roten Garde;<\/p>\n<p>4)Befreiung aller politischen Gefangenen, Einsetzung eines Re\u00advolutionstribunals zur Aburteilung der Hohenzollern und der anderen Hauptschuldigen am Kriege, aber auch der Verr\u00e4ter an der Revolution, der Ebert, Scheidemann, Noske, und der M\u00f6rder Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs;<\/p>\n<p>5)\u00a0sofortiger Friedensschlu\u00df mit Sowjetru\u00dfland und Wiederauf\u00adnahme der diplomatischen Beziehungen.(108)<\/p>\n<p>Die Berliner Bezirksleitung der SPD versuchte, die Arbeiter von Aktionen zur\u00fcckzuhalten und Desorganisation und Spaltung in deren Reihen hineinzutragen. Sie teilte im \u201eVorw\u00e4rts&#8220; mit, sie habe eine Kommission zu Verhandlungen mit der Regierung nach Weimar entsandt, so da\u00df ein Streik \u00fcberhaupt nicht notwendig sei.(109)\u00a0Die einflu\u00dfreichste Arbeiterpartei der Hauptstadt, die USPD, nahm keine eindeutige Position ein. Ihr am Vortage in Berlin er\u00f6ffneter au\u00dferordentlicher Parteitag lehnte den Vor\u00adschlag ab, den Berliner Streik auf ganz Deutschland auszudehnen und einen Ausschu\u00df zu seiner F\u00fchrung zu bilden; er beschr\u00e4nkte sich auf die Bekundung \u201ew\u00e4rmster Sympathie&#8220; und auf die allge\u00admeine Erkl\u00e4rung, da\u00df der politische Massenstreik des Proletariats \u201emomentan das beste Mittel&#8220; sei, um \u201eProtest gegen das konter\u00adrevolution\u00e4re Verhalten der pseudosozialistischen Regierung zu erheben&#8220;(110).<\/p>\n<p>Am Morgen des 3. M\u00e4rz schlo\u00df sich ein Gro\u00dfbetrieb nach dem anderen dem Streik an. Die gr\u00f6\u00dfte Aktivit\u00e4t zeigten die Metall\u00adarbeiter.<\/p>\n<p>In Betriebsversammlungen nahmen die Arbeiter Resolutionen \u00fcber die Niederlegung der Arbeit an, formulierten Forderungen und w\u00e4hlten Delegationen, denen in der Regel Kommunisten, USPD-Mitglieder und Sozialdemokraten angeh\u00f6rten. Die Dele\u00adgationen wurden zum Gewerkschaftshaus entsandt, wo um 10.30 Uhr eine Vollversammlung der Berliner Arbeiter- und Sol\u00addatenr\u00e4te er\u00f6ffnet wurde. Diese befa\u00dfte sich aber in den ersten anderthalb Stunden mit Fragen des Zeitpunktes und der Prozedur der Einberufung des R\u00e4tekongresses, ehe Richard M\u00fcller mittags mitteilte, da\u00df Resolutionen eingegangen und Arbeiterdelegatio\u00adnen eingetroffen seien.<\/p>\n<p>Die Delegierten der Siemens-Dynamo-Werke, der AEG-Turbinenwerke, der Firma Loeb-Charlottenburg, der Firma Stock-Marienfelde, der Staatswerkst\u00e4tten Spandau, der Schwartzkopff-AG Wildau und Berlin, der Firmen Knorr-Bremse und Siemens-Halske, der Gie\u00dfereien, der Eisenbahnwerkst\u00e4tten u. a. m. infor\u00admierten die Versammlung \u00fcber ihren einm\u00fctig gefa\u00dften Streikbeschlu\u00df; viele schlugen die Annahme der f\u00fcnf Forderungen vor, welche \u201eDie Rote Fahne&#8220; am Morgen ver\u00f6ffentlicht hatte. Die Resolution der Arbeiter der Siemenswerke verlangte au\u00dferdem, da\u00df die Vollversammlung \u201eunverz\u00fcglich die Bewegung in ihre\u00a0Hand nimmt, um so\u00a0<em>eine proletarische Einheitsfront\u00a0<\/em>(Hervorheb. v. Verf.) zu verwirklichen und der gesamten Arbeiterschaft zu einem Erfolge zu verhelfen.&#8220;(111)<\/p>\n<p>Richard M\u00fcller schickte die Delegationen erst einmal aus dem Saal, ehe er die Diskussion er\u00f6ffnete. Obwohl die R\u00e4tevollver\u00adsammlung sich der vollendeten Tatsache gegen\u00fcbersah, da\u00df der Generalstreik bereits begonnen hatte, sprach sich der Redner der DDP gegen einen Streik aus. Er fand dabei die Unterst\u00fctzung des Sozialdemokraten Otto Frank, der erkl\u00e4rte, die SPD werde sich der Stimme enthalten; Frank forderte stattdessen die Durchf\u00fch\u00adrung einer geheimen Urabstimmung in den Betrieben. Dennoch wurde mit etwa 400 gegen 120 Stimmen bei 200 Stimmenthaltun\u00adgen der Generalstreik beschlossen.(112)<\/p>\n<p>Richard M\u00fcller bem\u00fchte sich nicht wenig, die in den Resolutio\u00adnen der Arbeiter und im Aufruf der KPD aufgestellten Forderun\u00adgen abzuschw\u00e4chen. So schlug er vor, die Forderung \u201eAlle Macht den R\u00e4ten&#8220; durch die nach \u201eAnerkennung der A.- u. S.-R\u00e4te&#8220; zu ersetzen. Der Kommunist Herfurth warnte davor, da\u00df solche Halb\u00adheit \u201eaufs Glatteis f\u00fchren&#8220; werde: Die Mehrheit der Betriebe habe sich f\u00fcr die \u00dcbergabe der vollen wirtschaftlichen und poli\u00adtischen Macht an die R\u00e4te ausgesprochen, und unter \u201eAnerken\u00adnung&#8220; k\u00f6nnte man auch \u201eVerankerung in der Verfassung&#8220; verste\u00adhen.(113)\u00a0Da sich an der Abstimmung auch die Gegner des Streiks beteiligten, konnte M\u00fcller seine Formulierung m\u00fchelos durch\u00adbringen. Statt von einer Roten Garde war nunmehr von der \u201eBil\u00addung einer revolution\u00e4ren Arbeiterwehr&#8220; die Rede; zugleich mu\u00dfte aber die Forderung der Soldaten nach sofortiger Verwirklichung der \u201eHamburger Punkte&#8220; angenommen werden. Die For\u00adderung, ein Tribunal \u00fcber die Ebert-Scheidemann-Noske zu hal\u00adten, wurde abgelehnt, die von der Versammlung angenommene Forderung, \u00fcber die Kriegsverbrecher und die M\u00f6rder Karl Lieb\u00adknechts und Rosa Luxemburgs Gericht zu halten, wurde im ver\u00ad\u00f6ffentlichten Beschlu\u00df einfach ausgelassen. Weiterhin wurden wirtschaftliche Forderungen beschlossen, die den Richtlinien des\u00a0Vollzugsrates vom Januar 1919 entsprachen, welche aber von der Regierung abgelehnt worden waren.(114)<\/p>\n<p>Richard M\u00fcller empfahl, die Leitung des Streiks dem Volzugsrat zu \u00fcbertragen, obgleich die H\u00e4lfte von dessen Mitgliedern Streikgegner waren. Den Vorschlag, ein Streikkomitee aus der Mitte der Versammlung heraus zu w\u00e4hlen, bezeichnete er als\u00a0\u201eMi\u00dftrauensvotum&#8220; gegen ihn pers\u00f6nlich. Daraufhin lehnten die Kommunisten eine Beteiligung am Komitee ab und erkl\u00e4rten, sie w\u00fcrden eine eigene Streikleitung bilden, seien aber im Interesse der \u201eEinheit der Aktion&#8220; bereit, Beobachter zwischen den beiden Streikleitungen auszutauschen. Als die Vertreter der DDP<em>\u00a0<\/em>aus dem Vollzugsrat austraten, beschlossen die Vertreter der SPD\u00a0und der USPD, in die Streikleitung zus\u00e4tzlich je zehn Mitglieder ihrer Parteien zu kooptieren.(115)<\/p>\n<p>Die Kommunisten hatten allen Grund, den Sozialdemokrate nicht zu trauen, da diese ihre ablehnende Haltung zu dem begonnenen Streik nicht verhehlten und noch am Vortage in direkt Verhandlungen mit derselben Regierung eingetreten waren, gegen die sich der Streik richtete. Jedoch das von der KPD geschaffene\u00a0eigene Streikzentrum vermochte den Generalstreik nicht allein zu\u00a0leiten, und breite Kreise des Berliner Proletariats verst\u00e4nde diese Position der Partei auch nicht. Die Situation komplizierte\u00a0sich noch dadurch, da\u00df am Abend des 3. M\u00e4rz Soldaten der Brigade Reinhard in die Redaktion und in die Druckerei der \u201eRoten Fahne&#8220; eindrangen und dort ein Pogrom ver\u00fcbten, so da\u00df die\u00a0Zeitung vor\u00fcbergehend nicht mehr erscheinen konnte.(116)<\/p>\n<p>Am 4. M\u00e4rz wurden infolge des Streiks auch keine Zeitungen der USPD herausgegeben; nur das \u201eMitteilungsblatt des Vollzugs\u00adrats der A.- u. S.-R\u00e4te&#8220;, dessen Redakteure Ernst D\u00e4umig und Erwin Barth der USPD angeh\u00f6rten, erschien als Organ der Streikleitung. Aber schon nach der Ausgabe der ersten Nummer erkl\u00e4rte Noske das Blatt f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig und befahl die Zerschla\u00adgung der Druckplatten.(117)\u00a0Daf\u00fcr erschienen vorerst alle b\u00fcrgerlichen Zeitungen und der \u201eVorw\u00e4rts&#8220; weiter, da der Streikaufruf nicht voll befolgt wurde. Im \u201eVorw\u00e4rts&#8220; war denn auch direkt die Rede davon, da\u00df der Generalstreik gegen den Willen der So\u00adzialdemokraten ausgerufen worden sei, und es wurde zu seiner Sabotage aufgefordert. Demgegen\u00fcber prangerten die Kommu\u00adnisten in einem Flugblatt dieses Streikbrechertum an und forder\u00adten die Fortsetzung des Streiks. Die Vollversammlung der Ber\u00adliner Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te nahm den Antrag, das Erschei\u00adnen der revolution\u00e4ren Presse &#8211; der Organe von KPD und USPD &#8211; zu gew\u00e4hrleisten und die konterrevolution\u00e4re zu verbieten, je\u00addoch nicht an. Mit geringer Stimmenmehrheit (289 gegen 284 Stimmen) wurde vielmehr beschlossen, eine Delegation nach Wei\u00admar zu schicken, um der Regierung die Forderungen der Strei\u00adkenden zu \u00fcbergeben.(118)<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich die F\u00fchrer des Streiks unschl\u00fcssig verhielten, schickte sich die Regierung an, ihre fr\u00fcher ausgearbeitete Dispo\u00adsition zu realisieren. Obwohl der Streik friedlich und ruhig be\u00adgonnen hatte, verh\u00e4ngte die preu\u00dfische Regierung schon am 3. M\u00e4rz den Belagerungszustand \u00fcber Berlin und \u00fcbertrug Noske die Vollzugsgewalt. Dieser verbot f\u00fcr Berlin und Umgebung so\u00adfort alle Versammlungen und Demonstrationen und lie\u00df den Be\u00adfehl mit der Unterschrift aller Mitglieder der preu\u00dfischen Regie\u00adrung in den Stra\u00dfen anschlagen. Kriegsgerichte wurden eingesetzt und in der gesamten Stadt die Patrouillen bewaffneter Abteilun\u00adgen der Kommandantur verst\u00e4rkt. Das rief die Emp\u00f6rung der Arbeiter hervor, und es wurden Zwischenf\u00e4lle provoziert. Das Generalkommando L\u00fcttwitz erhielt den Befehl zum Einmarsch der ihm unterstellten Regierungstruppen in Berlin.(119)<\/p>\n<p>So wurde die Lage immer gespannter. Bereits am 3. M\u00e4rz kam es im Stadtzentrum zu Scharm\u00fctzeln. Auf dem Alexanderplatz und in den Hauptstra\u00dfen sammelten sich Volksmassen an. Als die Republikanische Soldatenwehr den Platz von Menschen zu s\u00e4ubern versuchte, kam einer der Soldaten ums Leben. An den Uberf\u00e4llen auf Polizeireviere waren m\u00f6glicherweise Provokateure beteiligt.(120) Nachts ereigneten sich Raub\u00fcberf\u00e4lle auf gro\u00dfe Kauf\u00adh\u00e4user. Am 4. M\u00e4rz nahm die Zahl der Menschen auf den Pl\u00e4t\u00adzen und in den Stra\u00dfen noch mehr zu, die Zwischenf\u00e4lle in der Gegend Alexanderplatz &#8211; Polizeipr\u00e4sidium h\u00e4uften sich. In einem Telefonat eines Hauptmanns der Regierungstruppen, Marx, hie\u00df es, da\u00df zwischen Spree und Alexanderplatz K\u00e4mpfe stattf\u00e4nden, \u201edie ziemlich blutigen Charakter annehmen&#8220;.(121) In einem Bericht aus dem Polizeipr\u00e4sidium war die Rede von einer infolge des \u201eSturms der Spartakisten&#8220; \u201ekritischen&#8220; Lage.(122)<\/p>\n<p>In Wirklichkeit konnte von irgendwelchen Aktionen der \u201eSpar\u00adtakisten&#8220; \u00fcberhaupt keine Rede sein. Im Gegenteil, die F\u00fchrung der KPD warnte die Arbeiter mehrmals: \u201e. . . la\u00dft euch nicht zu milit\u00e4rischen Putschen verleiten . . .&#8220;; \u201eLa\u00dft euch nicht in unn\u00fctze Schie\u00dfereien ein, auf die der Noske nur lauert, um neues Blut zu vergie\u00dfen. Bleibt in den Betrieben beieinander, damit ihr ak\u00adtionsf\u00e4hig seid in jedem Augenblicke!&#8220;(123)\u00a0Auf der Sitzung des Vollzugsrates am Abend des 3. M\u00e4rz wiesen die USPD-Mitglieder Paul Wegmann, Paul Neumann, Heinrich Malzahn, Wendt und sogar Richard M\u00fcller entschieden eine Verantwortung der Kommunisten f\u00fcr die Unruhen zur\u00fcck. Jaeschke (USPD) wies darauf hin, da\u00df die Freiwilligenverb\u00e4nde nur einen Vorwand suchten, um die Arbeiter zu \u00fcberfallen: \u201eDie Noskegarde ist uns zuvorgekommen . . . Die Mehrheitssozialisten sollten danach se\u00adhen, was von rechts kommt und nicht danach, was von links kommt.&#8220;(124)\u00a0Die Vollversammlung der Berliner Arbeiter- und Sol\u00addatenr\u00e4te vom 4. M\u00e4rz wandte sich auf Antrag der Kommunisten \u201emit aller Entschiedenheit gegen die Verh\u00e4ngung des Belage\u00adrungszustandes&#8220;, da er sich \u201ein der Hauptsache gegen die Arbei\u00adter&#8220; richte, und forderte seine unverz\u00fcgliche Aufhebung.(125)<\/p>\n<p>Am Morgen des 4. M\u00e4rz erreichten starke Kr\u00e4fte der Garde-Kavallerie-Sch\u00fctzen-Division Berlin und umgaben das bereits von\u00a0Truppen der Kommandantur besetzte Regierungsviertel mit einem zweiten Ring. Nach ihnen r\u00fcckten in die Stadt die 31. Sch\u00fctzen\u00addivision, das Freikorps des Generals von H\u00fclsen und andere Ein\u00adheiten ein, so da\u00df an der \u201eOperation&#8220; \u00fcber 40\u2019000 Soldaten teil\u00adnahmen, nicht gerechnet die Einheiten der Kommandantur.(126)\u00a0Mittags setzten Einheiten der Brigade Reinhard, die das Polizeipr\u00e4sidium besetzt hielten, auf dem Alexanderplatz Panzerautos gegen Arbeiter ein und beschossen unbewaffnete De\u00admonstranten aus Maschinengewehren. Zu Zusammenst\u00f6\u00dfen zwi\u00adschen Truppen und Arbeitern kam es auch am B\u00fclowplatz. Am selben Tag entwaffneten Truppen von H\u00fclsens ein \u201eunzuverl\u00e4s\u00adsiges&#8220; Pionierbataillon und trieben Arbeiter auseinander, die sich am Rathaus angesammelt hatten.(127)<\/p>\n<p>Wie der Vorsitzende der kommunistischen Fraktion in der Voll\u00adversammlung der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te, Herfurth, am 5. M\u00e4rz mitteilte, waren am Vortage 13 Menschen get\u00f6tet, 28 schwer und 9 leicht verletzt worden. \u201eIch stelle fest&#8220;, fuhr er fort, \u201eda\u00df allein die Regierungstruppen Unruhe und Verbrechen in die Bev\u00f6lkerung hineinbringen.&#8220; Die KPD betrachte nicht die Er\u00adoberung der politischen Macht und den Sturz der Regierung Ebert-Scheidemann als Ziel des Streiks; der Weg zum Sozialis\u00admus f\u00fchre nur \u00fcber den Ausbau des R\u00e4tesystems, die Partei lehne \u201ejede Putschtaktik ab&#8220;. Herfurth protestierte gegen die fortge\u00adsetzten Verhaftungen von Kommunisten. Der Kommunist Bergs entlarvte Provokateure der Kommandantur, die in die Organisa\u00adtion geschickt worden waren, um sie zu bewaffneten Aktionen zu verleiten.(128)<\/p>\n<p>Auf der Berliner R\u00e4tevollversammlung trat die wachsende Un\u00adzufriedenheit der Teilnehmer \u00fcber die Haltung der SPD-F\u00fchrung deutlich zutage. Einige Redner wiesen die L\u00fcgenmeldungen der b\u00fcrgerlichen Presse und des \u201eVorw\u00e4rts&#8220; zur\u00fcck, da\u00df sich die 26\u2019000 Eisenbahner nicht am Streik beteiligten. Der Sozialdemo\u00adkrat Klibur beschuldigte die F\u00fchrer seiner Fraktion direkt des Verrats, da sie zum passiven Widerstand gegen den Streik auf\u00adgerufen h\u00e4tten, und erkl\u00e4rte seinen Austritt aus der SPD. Die SPD-Fraktion sah sich zu der Versicherung gezwungen, sie habe nicht die Absicht, den Streik zu sabotieren, und mu\u00dfte sich von den Meldungen des \u201eVorw\u00e4rts&#8220; distanzieren.(129)\u00a0Von dem festen Willen breitester Schichten der Arbeiterklasse, den Streik fortzu\u00adf\u00fchren, zeugte auch der Wunsch der F\u00fchrer der Berliner Gewerk\u00adschaftskommission und der Organisation der Syndikalisten, in die Streikleitung aufgenommen zu werden. Richard M\u00fcller lie\u00df zwar nicht davon ab, Gegens\u00e4tze zu verwischen und zur \u201eToleranz&#8220; aufzurufen, mu\u00dfte aber zugeben, da\u00df die Arbeiter \u00fcber die milit\u00e4rischen Ma\u00dfnahmen der Regierung tief emp\u00f6rt waren und for\u00adderten, da\u00df der Streik auf den Verkehr und die Versorgung mit Elektrizit\u00e4t, Gas und Wasser ausgedehnt werde.(130)<\/p>\n<p>Am 5. M\u00e4rz kam es auf dem Alexanderplatz und in den an\u00adgrenzenden Stra\u00dfen des Zentrums wiederum zu gro\u00dfen Menschen\u00adansammlungen. Gegen sie wurden Verb\u00e4nde der Berliner Garni\u00adson eingesetzt. Zuerst versuchten 800 Matrosen der Volksmarine\u00addivision und zwei Panzerautos, den Alexanderplatz von Men\u00adschen zu r\u00e4umen, doch alsbald wurden sie selbst aus dem Ge\u00adb\u00e4ude des Polizeipr\u00e4sidiums beschossen, in das in der Nacht das Freikorps L\u00fctzow verlegt worden war, da &#8211; nach offizieller Ver\u00adsion &#8211; jemand aus den Garnisonstruppen erkl\u00e4rt haben sollte, sie selbst wollten sich nicht an dem Angriff auf die \u201eRuhest\u00f6rer&#8220; be\u00adteiligen.(131) Bald folgten weitere Zusammenst\u00f6\u00dfe der Matrosen mit den Gardetruppen.<\/p>\n<p>Damals wie auch sp\u00e4ter wurde der unmittelbare Ausbruch der Auseinandersetzungen h\u00e4ufig auf ein \u201eMi\u00dfverst\u00e4ndnis&#8220; zur\u00fcck\u00adgef\u00fchrt. Doch die Tatsache, da\u00df die Zwischenf\u00e4lle schnell in er\u00adbitterte bewaffnete K\u00e4mpfe hin\u00fcberwuchsen, war weder f\u00fcr die eine noch f\u00fcr die andere Seite eine \u00dcberraschung(132), sahen doch\u00a0die Noskeschergen in der Entwaffnung der \u201eunzuverl\u00e4ssigen&#8220; Garnisonstruppen &#8211; der Republikanischen Soldatenwehr und der nach den Januark\u00e4mpfen in sie eingegliederten Reste der Volks\u00admarinedivision &#8211; eine ihrer ersten Aufgaben. Obwohl die Garni\u00adsonseinheiten zuerst gegen die Arbeiter vorgingen, vereinte die Solidarit\u00e4t die revolution\u00e4ren Arbeiter mit den gegen die Reak\u00adtion auftretenden Soldaten und Matrosen spontan im Kampf ge\u00adgen die provozierenden wei\u00dfen Gardetruppen. In der b\u00fcrgerlichen Presse sprach man daraufhin sogleich von einem \u201eSpartakusauf\u00adstand&#8220;, und die Berichte der Kommandantur, des Polizeipr\u00e4sidi\u00adums und des Stabes L\u00fcttwitz malten die oft \u00fcbertriebenen Mel\u00addungen \u00fcber die K\u00e4mpfe zwischen \u201eSpartakisten&#8220; und Regierungs\u00adtruppen in grellen Farben aus.(133)<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzt von Arbeitern, versuchten die Matrosen am Mittag des 5. M\u00e4rz, das Geb\u00e4ude des Polizeipr\u00e4sidums im Sturm zu neh\u00admen, wurden aber abgewehrt. Arbeiter begannen auf dem Straus\u00adberger Platz, in der Neuen Friedrichstra\u00dfe und in anderen Magi\u00adstralen im Zentrum Barrikaden zu errichten. Nach einigen Zeug\u00adnissen wurden hier 78 Menschen get\u00f6tet, darunter Frauen und Kinder.(134)\u00a0In der Nacht zum 6. M\u00e4rz gingen die Schie\u00dfereien wei\u00adter. Am folgenden Morgen wurde die Garde-Kavallerie-Sch\u00fctzen-Division gegen die Matrosen und Arbeiter in Marsch gesetzt; von drei Seiten entfaltete sie ihren Angriff. Drei Flugzeuge kl\u00e4rten die Maschinengewehr- und Artillerieziele auf und warfen mehrere Bomben. Am Alexanderplatz wurden von den Regierungstruppen auch leichte und schwere Artillerie und zwei Zentner schwere Minen eingesetzt, die Trichter mit einem Durchmesser von sechs bis sieben Metern rissen.<\/p>\n<p>Nach dem Artilleriebeschu\u00df und der Sprengung der Tore dran\u00adgen die Nosketruppen in den Marstall ein, wo erbitterte Nah\u00adk\u00e4mpfe zwischen ihnen und den Matrosen und Arbeitern entbrann\u00adten. Die Kasernen der Volksmarinedivision wurden kampflos be\u00adsetzt und jene Einheiten der Republikanischen Soldatenwehr, die sich auf die Arbeiter zu schie\u00dfen weigerten, entwaffnet. Die Mari\u00adnebrigade Roden besetzte das Gymnasium in der Elisabethstra\u00dfe. Noch am n\u00e4chsten Tag kam es im Zentrum zu einzelnen Schar\u00adm\u00fctzeln; die Regierungstruppen f\u00fchrten Hausdurchsuchungen durch, nahmen \u201eVerd\u00e4chtige&#8220; fest und erschossen sie auf der Stelle.(135)\u00a0Der amerikanische Agent Thomas Johnson prahlte sp\u00e4ter mit der Rolle, die die amerikanische Milit\u00e4rmission bei der Ab\u00adrechnung mit den Arbeitern gespielt hatte. Die Soldaten Noskes h\u00e4tten den Aufruhr am Alexanderplatz dank den Informationen unterdr\u00fccken k\u00f6nnen, die sie vom amerikanischen Stab aus dem Hotel Adlon erhielten. Dabei seien zahlreiche \u201eRote&#8220;, die sich in den Kellern versteckt h\u00e4tten, erbarmungslos erschossen worden.(136)<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen breitete sich der Streik weiter aus. Viele Klein\u00adbetriebe schl\u00f6ssen sich ihm an, im Transportwesen ruhte die Arbeit v\u00f6llig, und es erschienen keine Zeitungen mehr. Mehr als eine Million Werkt\u00e4tige streikte. Die Vollversammlung der Berliner Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te am Mittag des 6. M\u00e4rz verlief beson\u00adders st\u00fcrmisch. Der Unabh\u00e4ngige Sozialdemokrat Fischer prote\u00adstierte gegen die Entwaffnung der Republikanischen Soldatenwehr und der Matrosen: \u201eSollen sich unsere Br\u00fcder, die allein f\u00fcr Ruhe und Ordnung bisher gesorgt haben, von einer jungen Soldateska hinschlachten lassen? &#8230; Warum geht man gegen unsere Soldaten\u00adwehr vor? Aus ganz guten Gr\u00fcnden: Solange wir noch diese Macht hier haben, sind wir noch nicht vogelfrei. Sobald man uns diese Waffe genommen hat, verlassen Sie sich darauf, tagen wir hier keine 5 Minuten mehr.&#8220;(137)<\/p>\n<p>Die kommunistischen Vertreter schlugen der Versammlung die Annahme des folgenden Antrages vor: Der Arbeiter- und Solda\u00adtenrat von Gro\u00df-Berlin \u201e\u00fcbernimmt die oberste Kommandogewalt \u00fcber den gesamten Truppenk\u00f6rper von Gro\u00df-Berlin. Die Kommandobefugnisse der Freiwilligen-Verb\u00e4nde sind aufzuheben.&#8220;(138)\u00a0In seiner Begr\u00fcndung hob Herfurth hervor, da\u00df andernfalls in zwei\u00a0bis drei Tagen die nicht zu den Freiwilligenverb\u00e4nden geh\u00f6ren\u00adden Truppen entwaffnet oder im Kampf aufgerieben w\u00fcrden und damit auch das Schicksal der R\u00e4te entschieden w\u00e4re. Man d\u00fcrfte sich nicht scheuen, den Regierungstruppen den Fehdehandschuh hinzuwerfen, sonst w\u00fcrde man die Truppenverb\u00e4nde, die noch auf dem Boden der revolution\u00e4ren Errungenschaften stehen, derartig vor den Kopf sto\u00dfen, da\u00df sie \u201ef\u00fcr uns als Sicherheit des Lebens und des pers\u00f6nlichen Rechtes in wenigen Tagen \u00fcberhaupt nicht mehr in Frage kommen&#8220;. Die k\u00e4mpfenden revolution\u00e4ren Truppen forderten, ihre Vertreter sollten zum Ausdruck bringen, da\u00df die arbeitende Bev\u00f6lkerung hinter ihnen st\u00fcnde, und da\u00df sie ihnen in ihrem Kampfe gegen die freiwilligen Verb\u00e4nde ihre volle Sym\u00adpathie erwiese und dieses Blutvergie\u00dfen brandmarke. Die Kom\u00admunisten schlugen au\u00dferdem vor, den Belagerungszustand, den Einsatz von Waffen, Panzerautos und Tanks gegen wehrlose Strei\u00adkende und die Unterdr\u00fcckung der revolution\u00e4ren Presse anzupran\u00adgern. Die R\u00e4teversammlung m\u00fcsse die Verhandlungen mit einem Gegner, \u201eder ihr die Pistole auf die Brust setzt&#8220;, sofort ab\u00adbrechen.(139)<\/p>\n<p>Der USPD-Vertreter Seliger betonte: \u201eDer Gewalt kann nur Gewalt entgegengesetzt werden. Wenn Noske nicht aufh\u00f6rt, uns mit seinen Truppen mit Gewalt entgegenzutreten, m\u00fcssen wir die letzten Mittel in Erw\u00e4gung ziehen.&#8220;(140)\u00a0Aus der Rede des Mitglieds der Milit\u00e4rkommission Hugo Albrecht ging, so ausweichend sie auch war, klar hervor, da\u00df Noske und sein Adjutant Major Erich von Gilsa nicht gesonnen waren, den Angriff der L\u00fcttwitzschen Truppen zu stoppen. Das USPD-Mitglied Neumann teilte mit, die SPD-Fraktion habe bereits am Vortage beschlossen, dem Ver\u00adlangen der Regierung nachzukommen und aus der Streikleitung auszutreten; er schlug vor, da\u00df die Vollversammlung darauf mit der Verst\u00e4rkung des Generalstreiks antworte. In diesem Sinne brachte die USPD-Fraktion den Antrag ein, die Gas-, Wasser-und Elektrizit\u00e4tswerke v\u00f6llig stillzulegen. Richard M\u00fcller ver\u00adsuchte auch diesmal auf jede erdenkliche Weise, eine Ausdehnung des Streiks zu verhindern, und fiel damit seiner eigenen Fraktion in den R\u00fccken. Der Vorschlag zur Bildung einer revolution\u00e4ren\u00a0Roten Garde wurde auf sein Dr\u00e4ngen mit dem formalen Argument abgelehnt, er sei bereits fr\u00fcher eingebracht worden und er\u00fcbrige sich deshalb &#8211; obwohl tats\u00e4chlich nichts zu seiner Realisierung unternommen worden war. Den Vorschlag, demzufolge der Voll\u00adzugsrat die Kommandogewalt \u00fcbernehmen sollte, bezeichnete er als \u201eer\u00fcbrigt&#8220;: \u201eMan kann n\u00e4mlich die Kommandogewalt nicht \u00fcbernehmen, wenn man nicht die Truppen in der Hand hat.&#8220; Mit dem gleichen Kommentar wurde auch die Entschlie\u00dfung f\u00fcr den Abbruch der Verhandlungen mit der Regierung verworfen. Doch selbst mit routinierter Demagogie vermochte er nicht die Annahme der Resolution zu hintertreiben, die die Einstellung der Gas-, Wasser- und Elektrizit\u00e4tsversorgung vorsah &#8211; die erdr\u00fcckende Mehrheit der Vollversammlung stimmte daf\u00fcr. Diesen Beschlu\u00df nahmen die Sozialdemokraten sofort zum Anla\u00df, um offen ihre weitere Beteiligung am Streik aufzuk\u00fcndigen und aus der Streik\u00adleitung auszutreten. Auf Kommando verlie\u00dfen die meisten von ihnen den Sitzungssaal. Daraufhin erkl\u00e4rte auch M\u00fcller, er lege die Streikleitung nieder.(141)\u00a0Damit war der Streikausschu\u00df ge\u00adsprengt.<\/p>\n<p>In der Sitzung des Vollzugsrates am Abend des 6. M\u00e4rz er\u00adreichte die Verwirrung der F\u00fchrer ihren H\u00f6hepunkt. Zur Unter\u00adst\u00fctzung der Sozialdemokraten nahmen an dieser Sitzung Ver\u00adtreter des Zentralrats teil, und vonseiten der USPD war Ernst D\u00e4umig erschienen. Eigentlich hatten die Sozialdemokraten die Hauptsache &#8211; den Abbruch des Streiks &#8211; erreicht und wollten nur noch \u201edas Gesicht wahren&#8220;. D\u00e4umig hingegen rief dazu auf, \u201edie Dinge in die Hand zu nehmen&#8220;, und suchte einen Kompromi\u00df.(142)\u00a0Doch ein Streikausschu\u00df existierte nicht mehr, und der Vollzugs\u00adrat ging unter Leitung Richard M\u00fcllers daran, die Ergebnisse der Verhandlungen mit der Regierung in Weimar zu er\u00f6rtern.<\/p>\n<p>Die Regierung hatte nicht mit der Delegation des Berliner Ar\u00adbeiter- und Soldatenrats, sondern mit einer Kommission der rechten Sozialdemokraten Berlins Abmachungen zur Beendigung des Streiks getroffen. Darin war die Rede davon, da\u00df die \u201eGe\u00adsetzgebungsmaschine des Reiches auf die gesetzliche Regelung der Arbeiterratsfrage&#8220; von nun an \u201eeingestellt&#8220; sei. Wie boshafter Spott h\u00f6rten sich die Worte \u201eVersammlungs- und Pressefreiheit&#8220; in einem Augenblick an, wo die Regierungstruppen auf wehrlose Demonstranten sch\u00f6ssen und Noske nach dem Befehl, alle Redak\u00adteure der \u201eRoten Fahne&#8220; zu verhaften, alsbald auch das Verbot der USPD-Zeitungen \u201eDie Freiheit&#8220; und \u201eRepublik&#8220; aussprach. Die \u201eZugest\u00e4ndnisse&#8220; der Regierung liefen auf das Versprechen hinaus, da\u00df \u201edie Arbeiterr\u00e4te &#8230; als wirtschaftliche Interessen\u00advertretung grunds\u00e4tzlich anerkannt und in der Verfassung ver\u00adankert&#8220;, ein neues Arbeitsrecht ausgearbeitet und sofort die Ge\u00adsetzgebung zur \u201eSozialisierung&#8220; begonnen werden w\u00fcrde. Die Re\u00adgierung sicherte au\u00dferdem zu, die Kriegsgerichte aufzuheben und die Lebensmittelversorgung zu verbessern.(143)<\/p>\n<p>Auf der Vollversammlung der Berliner Arbeiter- und Soldaten\u00adr\u00e4te am 7. M\u00e4rz r\u00e4umte ein Teilnehmer an den Verhandlungen in Weimar, das USPD-Mitglied Malzahn, ein, da\u00df die Konzes\u00adsionen der Regierung nur \u201eein Angst- und Notprodukt aus den augenblicklichen politischen Verh\u00e4ltnissen heraus&#8220; seien. Es be\u00addurfte der Redekunst Ernst D\u00e4umigs, da\u00df im Ergebnis der mehr\u00adst\u00fcndigen Versammlung die von ihm eingebrachte Resolution \u00fcber den Abbruch des Streiks \u201eunter gro\u00dfer Erregung&#8220; der Versamm\u00adlungsteilnehmer angenommen wurde, und zwar unter den Bedingun\u00adgen: keine Vergeltungsma\u00dfnahmen gegen die Streikteilnehmer, Freilassung der Verhafteten, R\u00e4umung aller milit\u00e4risch besetzten Betriebe, Entfernung der Freiwilligenverb\u00e4nde aus Berlin sowie Aufhebung des Belagerungszustandes und der au\u00dferordentlichen Kriegsgerichte.(144)<\/p>\n<p>Aber das war erst der Anfang des absch\u00fcssigen Weges, auf den man sich begeben hatte. Ein paar Stunden sp\u00e4ter erkl\u00e4rte Richard M\u00fcller in der Sitzung des Vollzugsrates, da\u00df die beiden letzten Bedingungen (Entfernung der Freikorps sowie Aufhebung des Belagerungszustandes und der Kriegsgerichte) &#8211; um deren Erf\u00fcl\u00adlung der bewaffnete Kampf doch \u00fcberhaupt gegangen war &#8211; nicht unbedingt aufrechtzuerhalten seien.(145)\u00a0Die Verhandlungen mit Noske brachten \u00fcberhaupt nichts ein. Die SPD-Fraktion rief in einem in der Stadt verteilten Aufruf auf rotem Papier und in Flugbl\u00e4ttern zur Einstellung des Streiks auf, ebenso der Gewerk\u00adschaftsausschu\u00df in einem gelb gehaltenen Aufruf. Obwohl die f\u00fcr die Einstellung des Streiks gestellten Bedingungen von Noske nicht akzeptiert worden waren, sprach sich am 8. M\u00e4rz die Mehr\u00adheit der Teilnehmer der Vollversammlung der Arbeiter- und Sol\u00addatenr\u00e4te f\u00fcr den Vorschlag der USPD-Fraktion zum Abbruch des Generalstreiks aus; eine starke Minderheit stimmte f\u00fcr die Fortsetzung des Streiks bis zum Abzug der Freikorps. Die Kom\u00admunisten hatten allen Grund zu der Feststellung, da\u00df die Ursache f\u00fcr das Scheitern des Streiks \u201eder sch\u00e4ndliche Verrat der S.P.D. und die Feigheit und Kompromi\u00dfsucht der F\u00fchrer der U.S.P.D.&#8220; waren.(146)<\/p>\n<p>Dennoch dauerten die den Arbeitern aufgezwungenen K\u00e4mpfe an. Sie verlagerten sich an den Stadtrand, wo sich die Arbeiter in aller Eile bewaffneten, Kampfgruppen bildeten, Barrikaden errichteten und versuchten, die aus dem Zentrum unter Einsatz von schweren Haubitzen, Granatwerfern, Tanks und Flugzeugen vordringenden wei\u00dfgardistischen S\u00f6ldnerbanden aufzuhalten.(147)\u00a0Besonders standhaften Widerstand leisteten die Arbeiter der Span\u00addauer Waffenfabriken, der Fabrik Riebe in Wei\u00dfensee, von AEG in Hennigsdorf und der Daimler-Werke in Marienfelde.(148)\u00a0Um die \u201eMoral&#8220; der gegen die Arbeiter eingesetzten Soldaten zu he\u00adben, gab man ihnen pro Kampftag zus\u00e4tzlich zwei Mark Sold und erh\u00f6hte die Rationen. Den Familien gefallener oder vermi\u00dfter Soldaten zahlte die Garde-Kavallerie-Sch\u00fctzen-Division jeweils 1.000 Mark, den Schwerverwundeten jeweils 800 Mark.<\/p>\n<p>Die b\u00fcrgerliche und sozialdemokratische Presse verbreitete die w\u00fcstesten Erfindungen \u00fcber die angeblich von Spartakusanh\u00e4ngern errichteten Stellungen und \u201eFestungen&#8220;, vor allem aber \u00fcber die \u201eBestialit\u00e4ten der Spartakisten&#8220;. So meldete am 9. M\u00e4rz die \u201eBer\u00adliner Zeitung am Mittag&#8220; unter Bezugnahme auf eine offizielle\u00a0Mitteilung der Milit\u00e4rorgane den \u201ebestialischen Mord&#8220; an 67 Polizisten in Berlin-Lichtenberg durch \u201eSpartakisten&#8220;; am n\u00e4chsten Tag wurde unter Berufung auf \u201eAugenzeugen&#8220; schon \u00fcber 150 \u201eOpfer des Terrors&#8220; berichtet. Einige Tage sp\u00e4ter mu\u00dften der \u201eVorw\u00e4rts&#8220; und andere Zeitungen gezwungenerma\u00dfen eingestehen, da\u00df diese Meldung von Anfang bis Ende erfunden war. Da war das ihren Autoren gestellte Ziel aber schon erreicht: Gest\u00fctzt auf diese Meldung, erlie\u00df Noske am Abend des 9. M\u00e4rz den Befehl, jeden an Ort und Stelle zu erschie\u00dfen, der \u201emit den Waffen in der Hand gegen Regierungstruppen k\u00e4mpfend&#8220; angetroffen wird. Als er ei\u00adnige Tage darauf \u00fcber diesen von ihm \u201eschweren Herzens&#8220; unter\u00adzeichneten Befehl in der Nationalversammlung sprach, erscholl, wie das Protokoll vermerkt, \u201est\u00fcrmischer Beifall bei den Mehr\u00adheitsparteien und rechts&#8220;.(149)<\/p>\n<p>In Ausf\u00fchrung dieses Befehls erlie\u00df der Kommandierende Ge\u00adneral der Garde-Kavallerie-Sch\u00fctzen-Division von Hoffmann am 10. M\u00e4rz seinerseits den Befehl Nr. 20950. Versehen mit der oben\u00adgenannten uneingeschr\u00e4nkten Weisung, wurde darin vorgeschrie\u00adben: Alle Bewohner der H\u00e4user, aus denen auf die Truppen ge\u00adschossen worden war, sollten auf die Stra\u00dfe gebracht werden, in ihrer Abwesenheit waren die Wohnungen zu durchsuchen und \u201everd\u00e4chtige Personen&#8220;, bei denen tats\u00e4chlich Waffen gefunden wurden, zu erschie\u00dfen.(150)<\/p>\n<p>Die Umsetzung dieses Befehls in die Wirklichkeit lie\u00df in den blutigen Abrechnungen mit den Arbeitern und Matrosen nicht lange auf sich warten. Am 11. M\u00e4rz fanden sich etwa 300 Matro\u00adsen der Volksmarinedivision in einem Haus in der Franz\u00f6sischen Stra\u00dfe ein, um die ihnen zustehende L\u00f6hnung zu empfangen. Hier hatte man ihnen eine Falle gestellt: Die wehrlosen Matrosen wur\u00adden von Soldaten gefangengenommen, und auf Befehl des Leut\u00adnants Mario wurden 29 von ihnen auf dem Hof erschossen.(151)\u00a0Die wei\u00dfgardistischen Banditen ermordeten in diesen Tagen in Lich\u00adtenberg 11, in K\u00f6penick 37 Arbeiter und ver\u00fcbten dar\u00fcber hinaus viele andere blutige Verbrechen.<\/p>\n<p>Die KPD erlitt einen neuen schweren Verlust: Am 10. M\u00e4rz erscho\u00df im Moabiter Gef\u00e4ngnis der Kriminalkommissar Tamschick den am Vortage verhafteten Leo Jogiches, einen der Gr\u00fcnder und F\u00fchrer der Partei, \u201ebeim Fluchtversuch&#8220;.<\/p>\n<p>Am 12. M\u00e4rz wurde auf der Vollversammlung der Berliner R\u00e4te \u00fcber die Fortsetzung der Verhandlungen mit den Offizieren des Stabes von Noske diskutiert. In seinem Bericht \u00fcber die Ge\u00adspr\u00e4che mit den Majoren von Hammerstein und von Gilsa teilte Malzahn (USPD) mit, diese h\u00e4tten auf Beschwerden \u00fcber die Aus\u00adschreitungen der Regierungstruppen geantwortet: \u201eDieses Mal werden wir ganze Arbeit machen, wir werden sie alle niederschla\u00adgen, und es soll uns ganz gleichg\u00fcltig sein, wenn auch Unschuldige darunter leiden.&#8220; Major Hammerstein h\u00e4tte zu verstehen gegeben, da\u00df er, \u201eselbst wenn es ruhig w\u00e4re, weiter die revolution\u00e4ren radikalen Elemente niederwerfen lassen wollte. Man gewann den Eindruck, als wenn man Pogrome veranstalten wollte.&#8220; An dieser Stelle erscholl aus dem Saal der Zuruf \u201eTut man st\u00fcndlich&#8220;. Die Offiziere w\u00e4ren daran interessiert, da\u00df die Truppen noch l\u00e4nger in der Hauptstadt blieben, um damit die Notwendigkeit einer zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dferen Armee zu beweisen.(152)<\/p>\n<p>Paul Wegmann (USPD) informierte dar\u00fcber, da\u00df die Kom\u00admission des Vollzugsrates die Verlogenheit der Nachrichten \u00fcber die Erschie\u00dfung von Polizisten in Lichtenberg habe feststellen k\u00f6nnen. Arbeiter &#8211; in der Mehrzahl Sozialdemokraten, nicht \u201eSpartakisten&#8220; &#8211; setzten hier den Widerstand fort und forderten den Abzug der Regierungstruppen, die in barbarischer Weise Wohnungen beschossen und Gewalttaten gegen die friedliche Be\u00adv\u00f6lkerung ver\u00fcbten. Als sich Oberb\u00fcrgermeister Ziethen mit der Bitte um Waffenstillstand an Noske gewandt und Ruhe und Ord\u00adnung garantiert hatte, wenn die Beschie\u00dfung aufh\u00f6rte und die Truppen sich zur\u00fcckz\u00f6gen, erkl\u00e4rte dieser dem \u00dcberbringer: \u201eEs gibt \u00fcberhaupt keine Bedingungen, nur eine bedingungslose \u00dcber\u00adgabe.&#8220; Und im Stab L\u00fcttwitz, im Hotel Eden, wurde zur Antwortgegeben: \u201eWir haben am 9. November beide Augen zugedr\u00fcckt, jetzt gibt es kein Pardon mehr . . &#8222;(153)<\/p>\n<p>Der Vorsitzende der kommunistischen Fraktion der R\u00e4tevoll\u00adversammlung, Herfurth, unterstrich, da\u00df Noske die Verantwor\u00adtung f\u00fcr die Mordtaten trage und die L\u00fcgenmeldungen im \u201eHotel Eden&#8220; fabriziert w\u00fcrden, um sowohl einen Vorwand f\u00fcr das z\u00fc\u00adgellose Vorgehen der Soldateska zu schaffen als auch es abzu\u00adschirmen. Die an den K\u00e4mpfen beteiligten revolution\u00e4ren Arbei\u00adter geh\u00f6rten verschiedenen Parteien an, in Lichtenberg w\u00e4ren mit ihnen auch \u201eB\u00fcrgerliche und Demokraten&#8220; solidarisch. Kaum hatte der Redner erw\u00e4hnt, da\u00df die Provokateure im Hotel Eden die Lage benutzen wollten, \u201eum die Arbeiterschaft von Berlin derartig niederzukn\u00fcppeln, da\u00df man sie f\u00fcr Monate hinaus unf\u00e4\u00adhig macht&#8220;, drangen auch schon Noskegarden in den Saal ein und besetzten alle Ausg\u00e4nge. Mehrere Stunden lang terrorisierten sie die Vollversammlung; erst als eine zu Noske entsandte Abord\u00adnung das \u201eMi\u00dfverst\u00e4ndnis&#8220; aufgekl\u00e4rt hatte, verlie\u00dfen sie den Saal.(154)<\/p>\n<p>Die konterrevolution\u00e4ren Truppeneinheiten setzten in diesen Stunden den konzentrischen Angriff auf den Bezirk Lichtenberg fort. Von drei Seiten r\u00fcckten die Freikorps Roeder, H\u00fclsen, Erhardt und andere reaktion\u00e4re Einheiten heran. Die Brigade Rein\u00adhard drang durch den Norden Berlins vor, um Lichtenberg vom Stadtzentrum abzuschneiden.(155)\u00a0Der Widerstand der heroischen Verteidiger wurde schlie\u00dflich gebrochen, und die blutige Abrech\u00adnung mit den Arbeitern begann.<\/p>\n<p>Ein englischer \u201eBeobachter&#8220;, Major A. Bertie, schrieb in sei\u00adnem Bericht \u00fcber die Ereignisse, da\u00df die Regierungstruppen 15\u2019000 Bajonette in den Gardeeinheiten und 6\u2019000 in der Brigade Reinhard z\u00e4hlten. Sie h\u00e4tten die Taktik verfolgt, den Bezirk von drei Seiten anzugreifen, wobei sie Artillerie und Granatwerfer zur Beschie\u00dfung der Geb\u00e4ude, aber auch Tanks und Flugzeuge zur Aufkl\u00e4rung einsetzten, sowie zur Befestigung der eroberten Positionen Stacheldraht verwendeten. Der angegriffene Bezirk sei am n\u00e4chsten Tag vom Gegner ges\u00e4ubert gewesen. Wie diese \u201eS\u00e4uberung&#8220; aussah, l\u00e4\u00dft die Bemerkung des Majors erkennen, da\u00df er geh\u00f6rt habe, die Verluste der Arbeiter betr\u00fcgen etwa 1\u2019000 Tote; diese seien in der Hauptsache deshalb erschossen worden, weil sie entgegen den Befehlen Waffen besa\u00dfen. Au\u00dferdem sei \u201eder von der Artillerie und den Granatwerfern angerichtete Scha\u00adden bedeutend&#8220;, aber, wie er meine, \u201edurchaus nicht unbedingt notwendig&#8220; gewesen.(156)<\/p>\n<p>Das Auftreten der Regierungstruppen, das alle bisherigen Blut\u00adtaten der Konterrevolution an Grausamkeit \u00fcbertraf, war augen\u00adscheinlich von dem Wunsch diktiert, den revolution\u00e4ren Arbeitern \u201eeine Lektion zu erteilen&#8220;. Nach Noskes Worten, die von der of\u00adfiziellen Milit\u00e4rgeschichtsschreibung best\u00e4tigt wurden, fielen in den M\u00e4rzk\u00e4mpfen nicht weniger als 1\u2019200 \u201eAufr\u00fchrer&#8220;. Die Ver\u00adluste der Regierungstruppen beliefen sich auf 75 Tote (darunter 6 Offiziere), 38 Vermi\u00dfte und 150 Verwundete.(157)\u00a0Mehrere Tau\u00adsend Menschen wurden ins Gef\u00e4ngnis geworfen. Der vom Ber\u00adliner Vollzugsrat zur Aufkl\u00e4rung des Schicksals der Verhafteten entsandte USPD-Vertreter Malzahn berichtete: \u201eDie Zust\u00e4nde sind furchtbar. Es handelt sich um ca. 1\u2019600 Gefangene.&#8220; Von vielen sei \u00fcber den ihnen vorgeworfenen Tatbestand kein Proto\u00adkoll aufgenommen worden, die Zellen w\u00e4ren \u00fcberf\u00fcllt; das Es\u00adsen schilderte er mit den Worten: \u201e. . . wenn man das einem Schwein vorsetzt, schlackert es ein paarmal mit der Schnauze her\u00adum und geht dann ab.&#8220;(158)<\/p>\n<p>Oberst Reinhard erinnerte sich sp\u00e4ter daran, da\u00df sich im Moa\u00adbiter Gef\u00e4ngnis eine unerh\u00f6rt gro\u00dfe Zahl Gefangener befand &#8211;\u00a04.500 Menschen; in manchen Einzelzellen h\u00e4tten bis zu sieben Mann gesessen, die sich wegen der Enge kaum bewegen konnten. Erst als ihm auch das Gef\u00e4ngnis des Moabiter Kriminalgerichts und das von Pl\u00f6tzensee zur Verf\u00fcgung standen, h\u00e4tte er weitere Gefangene aufnehmen k\u00f6nnen. Nicht wenige Inhaftierte wurden\u00a0von den Wachmannschaften erschossen.(159)\u00a0Der am 14. M\u00e4rz von der USPD-Fraktion in der Preu\u00dfischen Landesversammlung ein\u00adgebrachte Antrag auf Aufhebung des Belagerungszustandes in Berlin fand keine Mehrheit.(160)<\/p>\n<p>Die Hauptursache f\u00fcr die schwere, sich auf das ganze Land auswirkende Niederlage der Berliner Arbeiter lag darin, da\u00df die Einheit der Arbeiterklasse und eine zielstrebige revolution\u00e4re F\u00fchrung fehlten. Die SPD-F\u00fchrer sabotierten den Streik von Anfang an, und ihre Mitgliedschaft in der zentralen Streikleitung half ihnen sogar noch, den Kampf zu desorganisieren. Durch die Schwankungen der USPD-F\u00fchrer &#8211; wie ihr Widerstand gegen solidarische Aktionen von Arbeitern, der Republikanischen Sicherheitswehr und den Matrosen, der Verzicht auf die Formie\u00adrung einer Roten Garde, die Beteiligung an den Verhandlungen mit den Vertretern der Regierung, darunter Noske &#8211; war ihre Ka\u00adpitulation vor der rohen Gewalt vorausbestimmt.<\/p>\n<p>Die Kommunistische Partei Deutschlands ist zu Beginn des Generalstreiks erstmals selbst\u00e4ndig als echter Repr\u00e4sentant der revolution\u00e4ren Forderungen der Arbeitermassen aufgetreten. Aber um F\u00fchrer und Organisator des Kampfes zu sein, reichten weder ihre Kr\u00e4fte noch ihre Erfahrungen aus. Die Losung \u201eNieder mit der Regierung Ebert-Scheidemann-Noske!&#8220; vertrug sich schlecht mit der Erkl\u00e4rung, das Ziel des Streiks sei nicht der Sturz der Regierung und die Eroberung der politischen Macht. Der Aus\u00adtritt der Kommunisten aus dem Streikkomitee erschwerte es, die in ihrer politischen Haltung heterogenen Teilnehmer des Kampfes zusammenzuschlie\u00dfen, und st\u00f6rte mehr die einheitliche Aktion, als da\u00df er half, den zersetzenden Einflu\u00df der opportunistischen F\u00fch\u00adrer zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>101) ML, ZPA, Vollzugsrat, Nr. 11\/7, Bl. 31, 34, 40.<\/p>\n<p>102) Paris Peace Conference, Bd. 12, S. 45 f.<\/p>\n<p>103) Siehe Darstellungen, Bd. 6, S. 81 f.; A. Fischer, Die Revolutionskommandantur Berlin, Berlin 1922, S. 78, 81.<\/p>\n<p>104 Siehe die in der Roten Fahne v. 13. April 1919 ver\u00f6ffentlichten Doku\u00admente sowie ebenfalls K. Fischer, Die Berliner Abwehrk\u00e4mpfe 1918\/ 1919, Berlin 1956, S. 39 f.<\/p>\n<p>105)\u00a0Der Attache der franz\u00f6sischen Milit\u00e4rmission in Berlin, Ambrois Got, berichtete, ein franz\u00f6sischer General habe angeordnet, da\u00df seine Offi\u00adziere sich an diesem Tage nicht in Uniform auf den Stra\u00dfen zeigen soll\u00adten, um nicht chauvinistische Stimmungen unter den Deutschen zu wecken. Die Amerikaner hingegen h\u00e4tten sich entschlossen, vom Balkon des Hotels Adlon aus den deutschen Kolonialtruppen, die den Engl\u00e4ndern so viel M\u00fche bereitet hatten, Achtung zu erweisen. \u201eAls das Ehrengeleit vor\u00fcberzog, habe das Pfeifen alle bewogen, die K\u00f6pfe zu heben &#8211; es waren die Amerikaner in Uniform, die auf diese Weise ihr unpassendes Entz\u00fccken zum Ausdruck gebracht h\u00e4tten&#8220; (A. Got, L&#8217;Allemagne apres la d\u00e9bacle, Strasbourg 1920, S. 199).<\/p>\n<p>106)\u00a0Siehe A. Fischer, S. 81 f.<\/p>\n<p>107)\u00a0Die Freiheit v. 3. M\u00e4rz 1919 (Abendausgabe).<\/p>\n<p>108) Die Rote Fahne v. 3. M\u00e4rz 1919; Dokumente und Materialien, R. II, Bd. 3, S. 282 ff.<\/p>\n<p>109)\u00a0Vorw\u00e4rts v. 3. M\u00e4rz 1919 (Morgenausgabe).<\/p>\n<p>110)\u00a0Unabh\u00e4ngige Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Protokoll \u00fcber die Verhandlungen des au\u00dferordentlichen Parteitages vom 2. bis 6. M\u00e4rz 1919 in Berlin (im Folgenden zitiert: USPD-Parteitag), Berlin (1919), S. 33, 269.<\/p>\n<p>111)\u00a0ML, ZPA, Protokolle der Vollversammlungen der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te, Nr. 11\/13, Bl. 26 ff., 61 f.<\/p>\n<p>112)\u00a0Ebenda, Bl. 42.<\/p>\n<p>113)\u00a0Ebenda, Bl. 45 f.<\/p>\n<p>114)\u00a0Ebenda, Bl. 47 ff.; siehe ebenfalls ebenda, Vollzugsrat, Nr. 11\/7, Bl.<\/p>\n<p>50 f.; Dokumente und Materialien, R. II, Bd. 3, S. 289 f.<\/p>\n<p>115)\u00a0IML, ZPA, Protokolle der Vollversammlungen der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te, Nr. 11\/13, Bl. 51 ff.<\/p>\n<p>116)\u00a0Ebenda, Bl. 67 (Sitzung vom 4. M\u00e4rz 1919).<\/p>\n<p>117)\u00a0Ebenda, Bl. 86.<\/p>\n<p>118)\u00a0Ebenda, Bl. 63 f., 67 ff., 70 f., 77.<\/p>\n<p>119)\u00a0Darstellungen, Bd. 6, S. 83.<\/p>\n<p>120)\u00a0Davon sprach in einer Sitzung des Preu\u00dfischen Landtags der USPD-F\u00fchrer Adolph\u00a0Hoffmann (siehe Verfassunggebende Preu\u00dfische Landesversammlung. Die Berliner Putsche. Standrecht und Belagerungszustand. Stenographische Berichte, 14., 15., 17. und 19. M\u00e4rz [im Folgenden zi\u00adtiert: Berliner Putsche], Berlin 1919, S. 37 f.).<\/p>\n<p>121)\u00a01ML, ZPA, Reichsamt des Innern, Nr. 9\/16, Bl. 154.<\/p>\n<p>122)\u00a0Ebenda, Bl. 517.<\/p>\n<p>123)\u00a0Die Rote Fahne v. 4. M\u00e4rz 1919; Dokumente und Materialien, R. II,\u00a0Bd. 3, S. 289, 292.<\/p>\n<p>124)\u00a01ML, ZPA, Vollzugsrat, Nr. 11\/7, Bl. 66 ff.<\/p>\n<p>125)\u00a0Ebenda, Protokolle der Vollversammlungen der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te, Nr. 11\/13, Bl. 83.<\/p>\n<p>126)\u00a0Darstellungen, Bd. 6, S. 80 f.<\/p>\n<p>127)\u00a0Ebenda, S. 83; 1ML, ZPA, Reichsamt des Innern, Nr. 9\/16, Bl. 531.<\/p>\n<p>128)\u00a0IML, ZPA, Protokolle der Vollversammlungen der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te, Nr. 11\/13, Bl. 103 ff., 110.<\/p>\n<p>129)\u00a0Ebenda, Bl. 94 f., 99, 106.<\/p>\n<p>130)\u00a0Ebenda, Bl. 89 ff., 106 f., 111; ebenda, Vollzugsrat, Nr. 11\/7, Bl. 99,\u00a0102.<\/p>\n<p>131)\u00a0Ebenda, Reichsamt des Innern, Nr. 9\/16, Bl. 517.<\/p>\n<p>132)\u00a0Siehe dazu: &#8230;.\u00a0Moskau\u00a01960;\u00a0&#8230;.Frunse 1957;\u00a0&#8230;. der kyrillische Text konnte nicht OCR konvertiert werden<\/p>\n<p>133) IML, ZPA, Reichsamt des Innern, Nr. 9\/16, Bl. 517, 523 f., 525, 533 f.<\/p>\n<p>134) Ebenda, Protokolle der Vollversammlungen der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te, Nr. 11\/13, Bl. 123.<\/p>\n<p>135) R. M\u00fcller, S. 173 f.; A. Fischer, S. 85; Darstellungen, Bd. 6, S. 83 ff.; R. Lindau, Revolution\u00e4re K\u00e4mpfe 1918-1919. Aufs\u00e4tze und Chronik, Berlin 1960, S. 136.<\/p>\n<p>136) Vgl. dazu T. M. Johnson, Dunkle Wege Amerikas im Weltkrieg. Enth\u00fcllungen. Spionagegeschichten aus dem amerikanischen Geheimkrieg, Stuttgart 1930.<\/p>\n<p>137) IML, ZPA, Protokolle der Vollversammlungen der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te, Nr. 11\/13, Bl. 121.<\/p>\n<p>138) Ebenda, Bl. 123.<\/p>\n<p>139)\u00a0Ebenda, Bl. 124 f., 135 f.<\/p>\n<p>140)\u00a0Ebenda, Bl. 129.<\/p>\n<p>141)\u00a0Ebenda, Bl. 142 ff.<\/p>\n<p>142)\u00a0Ebenda, Vollzugsrat, Nr. 11\/7, Bl. 127 ff.<\/p>\n<p>143)\u00a0Vorw\u00e4rts v. 5. M\u00e4rz 1919 (Abendausgabe).<\/p>\n<p>144)\u00a0IML, ZPA, Protokolle der Vollversammlungen der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te, Nr. 11\/13, Bl. 151, 186; Dokumente und Materialien, R. II,\u00a0Bd. 3, S. 302 f.<\/p>\n<p>145)\u00a0IML, ZPA, Vollzugsrat, Nr. 11\/7, Bl. 121.<\/p>\n<p>146)\u00a0Ebenda, Protokolle der Vollversammlungen der Arbeiter- und Soldatenrate, Nr. 11\/13, Bl. 193 f., 210 f.<\/p>\n<p>147)\u00a0Darstellungen, Bd. 6, S. 83. &#8211; Bei gutem Wetter operierten t\u00e4glich im\u00a0Durchschnitt 12-15 Flugzeuge {K\u00f6nnemann, S. 114).<\/p>\n<p>148)\u00a0Darstellungen, Bd. 6, S. 83. &#8211; Hier ist die Rede von 15 000 Arbeitern,\u00a0Matrosen und Soldaten mehrerer Abteilungen der Republikanischen\u00a0Sicherheitswehr, aber die Zahl ist stark \u00fcbertrieben,<\/p>\n<p>149)\u00a0Stenographische Berichte, Bd. 327, S. 742 (Sitzung v. 13. M\u00e4rz 1919).<\/p>\n<p>150)\u00a0Siehe Der Syndikalist v. 22. M\u00e4rz 1919; Stenographische Berichte,\u00a0Bd. 327, S. 844\u00a0(Sitzung vom 27. M\u00e4rz 1919, Rede Haases).<\/p>\n<p>151)\u00a0\u00dcber die Umst\u00e4nde dieses Verbrechens und die Rechtfertigung der\u00a0Morde durch die Gerichte der Weimarer Republik siehe E. J. Gumbel,\u00a0Vier Jahre politischer Mord, Berlin 1922, S. 17 ff.; F. K. Kaul, Der\u00a0Pitaval der Weimarer Republik, Bd. 1: Justiz wird zum Verbrechen,\u00a03. Aufl., Berlin 1962, S. 31 ff.<\/p>\n<p>152)\u00a0IML, ZPA, Protokolle der Vollversammlungen der Arbeiter- und Solda\u00adtenr\u00e4te, Nr. 11\/13, Bl. 217 ff.<\/p>\n<p>153)\u00a0Ebenda, Bl. 221 ff.<\/p>\n<p>154)\u00a0Ebenda, Bl. 234 ff., 256.<\/p>\n<p>155)\u00a0W. Reinhard, 1918-19. Die Wehen der Republik, Berlin 1933, S. 103 ff.;\u00a0Darstellungen, Bd. 6, S. 97 f.<\/p>\n<p>156)\u00a0Army. Reports by British Officers on the Economic Conditions Prevailing in Germany (Presented to Both Houses of Parliament of His Majesty) (im Folgenden zitiert: Reports) (Cmd 52, 54), London, Dz. 1918 &#8211;\u00a0April 1919, S. 13 f. (Bericht von Major A. Bertie).<\/p>\n<p>157)\u00a0Darstellungen, Bd. 6, S. 102 f.<\/p>\n<p>158)\u00a0IML, ZPA, Vollzugsrat, Nr. 11\/7, BL 189 f. (Sitzung v. 14. M\u00e4rz\u00a01919).<\/p>\n<p>159)\u00a0Reinhard, S. 94.<\/p>\n<p>160)\u00a0Berliner Putsche, S. 182 f.<\/p>\n<p><strong><em>Quelle:<\/em><\/strong><em>\u00a0J.S. Drabkin, Die Entstehung der Weimarer Republik, K\u00f6ln 1983, S.158-168<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.trend.infopartisan.net\/trd0319\/t370319.html\">trend.net&#8230;<\/a> vom 20. M\u00e4rz 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die milit\u00e4rische Operation gegen die Berliner Arbeiter war langfristig und sorgf\u00e4ltig vorbereitet worden. Schon am 31. Ja\u00adnuar hatte der Stab des Generals von L\u00fcttwitz einen sogenann\u00adten Vorbefehl erlassen, der die Aufteilung Berlins<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[91,39,31,34,18,38,42,4],"class_list":["post-5098","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","tag-deutsche-revolution","tag-deutschland","tag-erster-weltkrieg","tag-faschismus","tag-imperialismus","tag-russische-revolution","tag-sozialdemokratie","tag-strategie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5098","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5098"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5098\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5099,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5098\/revisions\/5099"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5098"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5098"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5098"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}