{"id":5139,"date":"2019-03-24T10:55:38","date_gmt":"2019-03-24T08:55:38","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5139"},"modified":"2019-03-24T10:55:38","modified_gmt":"2019-03-24T08:55:38","slug":"macron-verschaerft-die-repression-stoesst-aber-an-grenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5139","title":{"rendered":"Macron versch\u00e4rft die Repression, st\u00f6sst aber an Grenzen"},"content":{"rendered":"<p><em>Juan Chingo. <\/em><strong>Der Elys\u00e9e-Palast reagiert mit einer autorit\u00e4ren und sicherheitspolitischen Eskalation auf das Fiasko beim Akt XVIII der Gelben Westen am Samstag, den 16. M\u00e4rz.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Bruchlandung<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Beginn der Grand D\u00e9bat (\u201eGro\u00dfe Debatte\u201c, ein Projekt zur \u00f6ffentlichen Diskussion mit B\u00fcrger*innen, A.d.\u00dc.) war es der franz\u00f6sischen Regierung gelungen, die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/frankreich-die-gelben-westen-und-die-vorrevolutionaeren-elemente-der-situation\/\"><strong>vorrevolution\u00e4ren Elemente der Situation<\/strong><\/a>, die im November begann und Anfang Dezember ihren H\u00f6hepunkt fand, zu identifizieren und abzuschw\u00e4chen. Diese Ver\u00e4nderung der Konjunktur lie\u00df Macrons Regierung vorzeitig aufatmen: Die Bewegung der Gelbwesten sei angesichts des R\u00fcckgangs der Zahl der Demonstrierenden an den vergangenen Samstagen vor\u00fcber, verk\u00fcndete das Innenministerium stolz. Laut regierungsnahen Quellen lautete der offizielle Diskurs in den letzten Wochen:\u00a0<em>\u201e40.000 oder 50.000 Menschen. Was ist das? Nichts. Vor f\u00fcnf Monaten h\u00e4tte uns das \u00fcberhaupt nicht interessiert.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die R\u00fcckkehr zur Realit\u00e4t war hart. Der letzte Aktionstag der Gelbwesten am Samstag, den 16. M\u00e4rz, war bereits der dritte seit Beginn der Bewegung, der durch einen Verlust der Kontrolle der Repressivkr\u00e4fte \u00fcber den \u00f6ffentlichen Raum gekennzeichnet war. Deutlich wird dies an den \u201eVerw\u00fcstungen\u201c, die die Champs Elys\u00e9es gepr\u00e4gt haben, und die Risiken, denen die Polizei ausgesetzt war. C\u00e9cile Cornudet betonte in\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lesechos.fr\/politique-societe\/gouvernement\/0600917767002-assez-parle-2253008.php\"><strong>Les Echos<\/strong><\/a>:\u00a0<em>\u201eEmmanuel Macrons Flucht in den Ski-Urlaub w\u00e4re nichts, wenn sie nicht als Gleichnis dienen k\u00f6nnte. Zum Beispiel f\u00fcr den Pr\u00e4sidenten, der zu schnell den Gipfel bestieg, bevor er pl\u00f6tzlich wieder auf den Boden geholt wurde. An einem Wochenende zerriss die Realit\u00e4t den Vorhang der Ruhe, der \u00fcber dem Land zu liegen schien. Die Randalierer in gelben Westen zeigten eine ungebrochene Wut, trotz der Grand D\u00e9bat [\u2026] Emmanuel Macron rechnete damit, dass die Grand D\u00e9bat es ihm erlauben w\u00fcrde, den Moment der Ruhe zu verl\u00e4ngern und jenen Moment aufzuschieben, in dem er seine Schlussfolgerungen pr\u00e4sentieren und die zweite H\u00e4lfte seiner f\u00fcnfj\u00e4hrigen Amtszeit definieren muss. Bis zum 15. April sollten zahlreiche weitere Debatten (zwischen zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlten B\u00fcrgern, Sozialpartnern, mit Intellektuellen auf dem Sender France Culture\u2026) weitere Reflexionen erm\u00f6glichen, um eine programmatische Landebahn zu finden, die f\u00fcr m\u00f6glichst viele Menschen akzeptabel w\u00e4re. Jedoch: An diesem Wochenende kam es zu einer Bruchlandung f\u00fcr die Exekutive. Die Gelbwesten zwangen sie, auf einer Ebene zu reagieren, die sie l\u00e4ngst hinter sich glaubte \u2013 der Sicherheit.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Einfacher ausgedr\u00fcckt: All das Gerede der Regierung hat in Wirklichkeit nichts gebracht.<\/p>\n<p><strong>Stellen wir uns auf mehr Verletzte und Verst\u00fcmmelte ein \u2013 oder sogar Tote<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Sicherheits-Fiasko, das die Regierung vergangene Woche erlebt hat, radikalisieren sich einige Personen im Umfeld des Pr\u00e4sidenten und vertreten ihre Positionen ohne jede Scham. So konnte Fr\u00e9d\u00e9ric P\u00e9chenard, Vizepr\u00e4sident der rechtskonservativen Partei\u00a0<em>Les R\u00e9publicains<\/em>\u00a0der Region \u00cele-de-France, LR-Kandidat f\u00fcr die Europawahlen und ehemaliger Generaldirektor der Nationalpolizei, auf\u00a0<em>Franceinfo <\/em>feststellen, dass \u201ealle\u201c w\u00e4hrend dem Akt XVIII auf den Champs-Elys\u00e9e anwesenden Gelbwesten \u201eAufr\u00fchrer\u201c und \u201eKriminelle\u201c seien, dass man alle von ihnen in Gewahrsam nehmen sollte und die Demonstrationen verbieten m\u00fcsste. Er konstatierte au\u00dferdem:\u00a0<em>\u201eDie Regierung hat Angst. Sie hat Angst vor einem Ausrutscher, sie hat Angst vor einem Toten. Sie hat Angst, Anweisungen zu geben, die es der Polizei erlauben, den \u00f6ffentlichen Raum zur\u00fcckzuerobern. Aufrechterhaltung der Ordnung auf Franz\u00f6sisch, das bedeutet \u201akeinen K\u00f6rperkontakt\u2018, denn man will keine Verletzten und keine Toten. Nur befinden wir uns nicht mehr in einem Einsatz zur Aufrechterhaltung der Ordnung, es handelt sich um einen Einsatz gegen Aufst\u00e4ndische. Man muss den politischen Mut haben, zu sagen, \u201aes reicht!\u2018.\u201c<\/em>\u00a0Andere Vertreter*innen der traditionellen Rechten haben in den vergangenen Tagen weitere Aussagen dieser Art verbreitet.<\/p>\n<p>Am Abend des 18. M\u00e4rz traf Macron sechzig Intellektuelle, die sich nicht scheuten, im Elys\u00e9e-Palast empfangen zu werden, obwohl der Premierminister gerade angek\u00fcndigt hatte, freiheitsbeschneidende Ma\u00dfnahmen gegen die Demonstrant*innen und die Mobilisierungen zu ergreifen. So konnte der \u201ePhilosoph\u201c Pascal Bruckner Macron ohne Err\u00f6ten fragen, wann \u201eParis endlich die gelben Westen los wird\u201c. Die Demonstrationen des 16. M\u00e4rz seien laut Bruckner der Gipfel eines \u201eanarcho-faschistischen\u201c Staatsstreichs. Bei den Klimaprotesten, die sich gleichzeitig abspielten, handle es sich dagegen um \u201eeine neue Form der Mobilisierung\u201c, die sich aus \u201ejungen, sehr jungen Leuten\u201c zusammensetze und vom Essayisten mit Wohlwollen betrachtet wird. Allerdings sei nicht auszuschlie\u00dfen, dass \u201edurch das Beispiel der Gelbwesten ein Teil der Aktivisten ihrerseits zu Gewalt und Zerst\u00f6rung greift\u201c, schloss er gegen\u00fcber Macron.<\/p>\n<p>Laurent Nu\u00f1ez, Staatssekret\u00e4r im Innenministerium, betonte seinerseits, dass bei den n\u00e4chsten Aktionstagen s\u00e4mtliche Demonstrant*innen als \u201eRandalierer\u201c betrachtet w\u00fcrden. In den Korridoren der Ministerien und Pr\u00e4fekturen nimmt eine neue Doktrin Gestalt an. Laut\u00a0<a href=\"http:\/\/www.leparisien.fr\/politique\/chapitre-par-le-president-castaner-sait-qu-il-n-a-plus-droit-a-l-erreur-18-03-2019-8034780.php\"><strong>Le Parisien<\/strong><\/a>\u00a0wird an oberster Stelle davon ausgegangen, dass\u00a0<em>\u201edie Polizei Menschen verletzen wird, oder schlimmeres. Und sei es, dass jemand aus dem Schwarzen Block sich eine einf\u00e4ngt und im Rollstuhl endet.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Gleicherma\u00dfen symbolisch wie riskant: der Einsatz der Armee<\/strong><\/p>\n<p>Macrons Projekt f\u00fcr die Europawahlen im Fr\u00fchjahr ist es, als Chef der Partei von Sicherheit und Ordnung dazustehen. Er hat jeden Kontakt zu den Mitte-Links-W\u00e4hler*innen verloren, die ihn 2017 noch unterst\u00fctzt hatten. Deshalb will er auf diese Weise einen Teil der Basis der Republikaner*innen (LR) gewinnen. Nach dem Akt XVIII und unter dem Druck der Rechten in Medien und Parteien, entschloss er sich zu einem wichtigen symbolischen Schritt in diese Richtung: Er rief die Armee zur Hilfe, um bei den n\u00e4chsten Aktionstagen die Polizei zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Seit 1921, dem Jahr der Gr\u00fcndung der mobilen Gendarmerie, wird die Armee in Frankreich nicht mehr f\u00fcr Polizeiarbeit eingesetzt. Die einzige Ausnahme bilden die aufst\u00e4ndischen Streiks zwischen 1947 und 1948, insbesondere in den Kohlebergwerken, zu denen die Kommunistische Partei Frankreichs und die Gewerkschaft CGT aufgerufen hatten, nachdem erstere durch die Regierung De Gaulle von der Macht ausgeschlossen worden war. Diese Streikwelle, begleitet von sehr harten Sabotageaktionen zur L\u00e4hmung der Wirtschaft, ging Hand in Hand mit einer brutalen Intervention der Armee, auf Ersuchen des damaligen Innenministers, des Sozialisten\u00a0<a href=\"https:\/\/www.revolutionpermanente.fr\/Taper-sur-les-syndicalistes-Une-longue-tradition-chez-les-socialistes\"><strong>Jules Moch<\/strong><\/a>, und des damaligen Premierministers Robert Schuman. Die Reservisten wurden damals gerufen, um die Bereitschaftspolizei (CRS) und die mobile Gendarmerie bei der Wiederherstellung der \u00f6ffentlichen Ordnung zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Laut Regierung soll die Aufgabe der Armee darin bestehen, \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude zu sch\u00fctzen, damit die Polizeikr\u00e4fte unmittelbar im Geschehen eingesetzt werden k\u00f6nnen. Das Risiko ist jedoch extrem hoch. Dies wird von einem Spezialisten f\u00fcr Verteidigungs- und Sicherheitsfragen, Jean-Dominique Merchet, in den Kolumnen von\u00a0<em>L\u2019Opinion<\/em>\u00a0best\u00e4tigt:\u00a0<em>\u201eSicher hat Benjamin Griveaux mit Bedacht pr\u00e4zisiert, dass \u201adas Milit\u00e4r nicht f\u00fcr Strafverfolgung eingesetzt wird\u2018, aber diese Vorsichtsma\u00dfnahme ist sehr theoretisch. Was w\u00fcrde passieren, wenn es den Demonstranten gelingt, die Polizei zu umgehen? Vor \u201agesicherten\u2018 Geb\u00e4uden st\u00fcnden sie ja vor Soldaten. Selbst wenn diese von Zivilbeh\u00f6rden angefordert werden, sind sie f\u00fcr die Aufrechterhaltung der Ordnung weder ausger\u00fcstet noch ausgebildet. Sie sind mit Sturmgewehren bewaffnet, nicht mit Schlagst\u00f6cken oder Gummigeschossen. Anfang der 2000er Jahre war das Milit\u00e4r mit sehr heiklen Situationen im Kosovo und an der Elfenbeink\u00fcste konfrontiert. Daf\u00fcr bereitete sich die Infanterie auf die \u201aKontrolle von Menschenmengen\u2018 vor, ein milit\u00e4rischer Begriff, der gew\u00e4hlt wurde, um nicht von \u201aPolizeiarbeit\u2018 zu sprechen. Die Infanteristen wurden dann mit angemessener Ausr\u00fcstung \u2013 darunter Schilde und Schutzhelme \u2013 ausgestattet und trainiert, um gegen feindliche Gruppen zu man\u00f6vrieren. Die Anwendung dieser Techniken auf nationalem Gebiet wurde dabei stets ausgeschlossen, bevor die Armee diese Techniken dann vor etwa zehn Jahre lang beiseitegelegt hatte. Das Oberkommando blieb stets sehr kritisch gegen\u00fcber einem solchen Einsatz zur Aufrechterhaltung der \u00f6ffentlichen Ordnung. Offensichtlich hat sich die Regierung in diesem Fall nicht um ihre Meinung geschert.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Anhaltende Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung der Ordnung<\/strong><\/p>\n<p>B\u00fcrgerliche Politiker*innen und Medien emp\u00f6rten sich daher lauthals \u00fcber die unglaubliche Gewalt, die die Gelben Westen w\u00e4hrend des Akt XVIII entfaltet h\u00e4tten, insbesondere die Schwarzen Bl\u00f6cke. Wenn wir die Situation aus historischer Sicht betrachten, gibt es hier jedoch nichts \u00dcberraschendes. Jede soziale Bewegung erzeugt \u201egewaltt\u00e4tige\u201c Aktionen als Reaktion auf die Polizeirepression und als Ausdruck von Wut. Neu in der Geschichte ist nur, dass die Bourgeoisie und ihre Parteien nicht mehr an diese Radikalisierungsbewegungen gew\u00f6hnt sind, nach all den Jahren oder gar Jahrzehnten der Institutionalisierung von Demonstrationen und einer geringeren direkten Auseinandersetzung mit den Repressivkr\u00e4ften. Die Umsetzung neoliberaler Gegenreformen, insbesondere nach der Krise von 2008, hat jedoch f\u00fcr einen immer st\u00e4rkeren Bruch mit diesem Kompromiss in der Steuerung von Stra\u00dfendemonstrationen gesorgt. Erste Anzeichen daf\u00fcr hatten wir bereits im ersten Kampf gegen die Arbeitsmarktreform im Fr\u00fchjahr 2016 gesehen.<\/p>\n<p>Die Gelben Westen genie\u00dfen weiterhin eine breite \u00f6ffentliche Unterst\u00fctzung \u2013 trotz der H\u00f6hen und Tiefen der Mobilisierung, ihrer starken inneren Widerspr\u00fcche und der Art und Weise, wie die Medien und die Regierung bestimmte Gewaltszenen instrumentalisieren, um sie gegen die Gelben Westen zu wenden. Vor dem Hintergrund gibt es nach wie vor erhebliche Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung der Ordnung. Diese Schwierigkeiten stehen im Zusammenhang mit unmittelbareren, mittel- und l\u00e4ngerfristigen Faktoren, die im letzteren Fall mit der Zeit zusammenh\u00e4ngen, die durch die neoliberale Offensive in den 80er Jahren eingeleitet wurde.<\/p>\n<p>Die Benalla-Aff\u00e4re (Skandal um den Leibw\u00e4chter Macrons, der am 1. Mai 2018 brutal Demonstrant*innen angegriffen hat, A.d.\u00dc.) hat kurzfristig, jedoch in sehr bedeutender Weise, zu gro\u00dfen Umw\u00e4lzungen innerhalb der Pariser Polizeipr\u00e4fektur gef\u00fchrt \u2013 dem \u00e4ltesten der franz\u00f6sischen \u201ePolizeih\u00e4user\u201c, die 1800 von Napoleon Bonaparte gegr\u00fcndet wurden, welches die volle Autorit\u00e4t \u00fcber die Hauptstadt und die unmittelbare Umgebung besitzt. Die Tatsache, dass uns die Aff\u00e4re Benalla und die Krise der Gelben Westen seit mehreren Wochen oder gar Monaten begleiten, ist kein Zufall. Dies ist Ausdruck einer Krise unter den Sicherheitskr\u00e4ften, die ohne mit der Wimper zu zucken die Befehle der Exekutive ausf\u00fchren sollen. Aber auch die absolut unglaubliche Rolle des Senats in der Benalla-Aff\u00e4re zeigt die Tiefgr\u00fcndigkeit dieser beispiellosen Krise an der Spitze der F\u00fcnften R\u00e9publique selbst. Wie\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/societe\/article\/2019\/03\/20\/grand-menage-avant-reprise-en-main-a-la-prefecture-de-police_5438680_3224.html\"><strong>Le Monde<\/strong><\/a>\u00a0erkl\u00e4rt, muss sich der neue Polizeipr\u00e4fekt \u2013 nachdem der vorige nach dem XVIII. Akt die Rolle des S\u00fcndenbocks spielen musste \u2013\u00a0<em>\u201eauf ein Team verlassen, dem seit dem Fall Benalla wichtige Mitglieder fehlen. Laurent Simonin, Stabschef, und Maxence Creusat, Leiter der Zelle \u201aSynapse\u2018 \u2013 eine Einheit, die f\u00fcr die \u00dcberwachung sozialer Netzwerke zust\u00e4ndig ist und eine wichtige Rolle bei der Bew\u00e4ltigung der Krise der Gelben Westen spielt \u2013 wurden beschuldigt, illegal Video\u00fcberwachungsbilder an den ehemaligen Elys\u00e9e-Missionsleiter \u00fcbermittelt zu haben, und wurden daher auf andere Posten versetzt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auf mittlere Sicht kommt ein weiteres Problem auf die Polizei zu: Selbst wenn man der Erz\u00e4hlung der Polizei als solcher nur eine beschr\u00e4nkte Glaubw\u00fcrdigkeit geben darf, weil sie ihre eigenen korporativen Interessen verteidigen will, sprechen interne Quellen von immer gr\u00f6\u00dferen Spuren von Ersch\u00f6pfung und Schw\u00e4che in den Reihen der Polizei, sowohl bei den 150.000 Polizist*innen als auch bei den 95.000 Gendarmen. Grund daf\u00fcr seien ihre konstante Beteiligung in den letzten f\u00fcnf Jahren an Notfallpl\u00e4nen und Anti-Attentat-\u00dcberwachungsmissionen, am Ausnahmezustand, an der Unterdr\u00fcckung der Mobilisierung gegen das El-Khomri-Gesetz, ganz zu schweigen von der Teilnahme an Gro\u00dfveranstaltungen wie der Euro 2016 oder der aktuellen Mobilisierung der Gelben Westen, die seit mehr als vier Monaten andauert.\u00a0<em>\u201eSeit 2010, wie Carole Rousseau in einem Dokumentarfilm feststellt, der auf C8 ver\u00f6ffentlicht wird, t\u00f6ten sich jedes Jahr zwischen 60 und 90 Polizisten mit ihren Dienstwaffen. Selbstmord, Depression, Burn-out, die Symptome einer ersch\u00f6pften Polizei nehmen zu. Mit prek\u00e4ren Arbeitsbedingungen, Unterbesetzung und einem konstanten Tempo scheint die Polizei kurz vor einem Nervenzusammenbruch zu stehen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich widerspricht die kurzzeitige neoliberale Buchhaltungslogik jeder Idee einer Modernisierung, auch auf dem Gebiet der Polizei, und einer Vorbereitung auf die Aufrechterhaltung der Ordnung, wenn dieses Thema dringend und zentral wird, wie es heute bei den Gelben Westen der Fall ist. Und selbst wenn dieses Argument von den Neokonservativen vorgebracht wird, um ihr Sicherheitsprojekt voranzutreiben, k\u00f6nnen wir bestimmte Elemente der Wahrheit in diesem Bereich nicht leugnen.<\/p>\n<p><strong>Die Exzesse der Mission Sentinelle: Wir m\u00fcssen die Versch\u00e4rfung der Repression gegen demokratische Rechte stoppen!<\/strong><\/p>\n<p>Wie wir dies innerhalb der NPA und der radikalen Linken auch gegen die Mehrheitsmeinung angeprangert haben, sehen wir aktuell sehr deutlich, wie sich die Eskalation der Antiterrorma\u00dfnahmen gegen soziale Bewegungen richtet. In dem erneuten Appell an das Milit\u00e4r und dem Aufgebot des gesamten Arsenals von Verboten und Einschr\u00e4nkungen bei Demonstrationen, der Zunahme der Repression und der Strafen gegen Gelbe Westen zeigt sich ein qualitativer Sprung im Autoritarismus. Dagegen brauchen wir heute eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Einheit bei der Verteidigung unserer demokratischen Rechte, die in den aktuellen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen immer wichtiger wird. Gewerkschaftsf\u00fchrungen und Verb\u00e4nde, angefangen bei der Liga f\u00fcr Menschenrechte, sollten dringend Ma\u00dfnahmen gegen diese systematischen und besorgniserregenden Verletzungen unserer grundlegendsten Rechte fordern.<\/p>\n<p>Der Einsatz der Armee ist die logische Konsequenz von Macrons neoliberalem Plan. Wie Cornudet im schon zitierten Artikel betont,\u00a0<em>\u201ewird seine Antwort von nun an nur noch Sicherheit sein: Es wird keine politischen Gesten mehr in Richtung der Gelben Westen geben\u201c<\/em>. Diese repressive und autorit\u00e4re Wende wird nicht nur gegen die so genannten \u201eRandalierer\u201c verwendet werden. Ihr Ziel ist es, einerseits die Gelben Westen zu spalten und zu brechen, und andererseits die \u00f6ffentliche Meinung einzustimmen und ein Klima der Angst zu schaffen, um der Regierung freie Bahn f\u00fcr die reaktion\u00e4ren Reformen zu schaffen\u00a0 \u2013 insbesondere in der Renten(gegen)reform, die zwangsl\u00e4ufig starken Widerstand ausl\u00f6sen wird. In diesem Sinne betrifft der Kampf gegen die derzeitige Eskalation der Repression nicht nur die Gelben Westen, sondern im weiteren Sinne alle Lohnabh\u00e4ngigen.<\/p>\n<p>Nach den ersten ernsthaften Elementen des Klassenkampfes, nach mehreren Jahrzehnten der \u201eRuhe\u201c, hat der b\u00fcrgerliche Staat Anzeichen von Schw\u00e4che gezeigt. Macrons blinder Bonapartismus \u00f6ffnete mehr Br\u00fcche im Regime der F\u00fcnften Republik, als man vor seiner Macht\u00fcbernahme sah. Aber wenn die Massenbewegung ihre Rechte nicht Schritt f\u00fcr Schritt verteidigt und die bestehenden L\u00fccken im Repressionsapparat des Staates sowie den Legitimationsverlust der Exekutive nicht zu ihren Gunsten nutzt, k\u00f6nnte sich das mit dem Aufstand der Gelben Westen er\u00f6ffnete Zeitfenster fr\u00fcher als erwartet schlie\u00dfen. In diesem Sinne ist passive Unterst\u00fctzung nicht ausreichend. Wir m\u00fcssen in die Offensive gehen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/macron-verschaerft-die-repression-aber-kann-nur-schwer-die-oeffentliche-ordnung-aufrechterhalten\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 24. M\u00e4rz 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juan Chingo. Der Elys\u00e9e-Palast reagiert mit einer autorit\u00e4ren und sicherheitspolitischen Eskalation auf das Fiasko beim Akt XVIII der Gelben Westen am Samstag, den 16. 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