{"id":5198,"date":"2019-03-31T15:32:28","date_gmt":"2019-03-31T13:32:28","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5198"},"modified":"2019-03-31T15:32:28","modified_gmt":"2019-03-31T13:32:28","slug":"18-historischer-streikerfolg-bei-audi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5198","title":{"rendered":"+18%: Historischer Streikerfolg bei Audi"},"content":{"rendered":"<p><em>Emanuel Tomaselli.<\/em> <strong>In einem sechst\u00e4gigen Streik erzielten die ArbeiterInnen des Audi-Werkes in Gy\u00f6r\/Ungarn diesen Erfolg und auch beim Kleingedruckten gibt\u2019s allerhand Verbesserungen. K\u00e4mpfen bringt\u2019s, <!--more-->das ist die erste Lehre dieser Lohnbewegung.<\/strong><\/p>\n<p>18% Lohnsteigerung (mindestens 238 \u20ac pro Monat) f\u00fcr 2019, Lohnvorr\u00fcckungen und Pr\u00e4mienzahlungen ab dem f\u00fcnften Jahr Betriebszugeh\u00f6rigkeit, ein garantiertes freies Wochenende pro Monat. So lauten die wichtigsten Erfolge der Belegschaft bei Audi Ungarn. Das erzielte Ergebnis entspricht punktgenau den Forderungen der Betriebsgewerkschaft AHFSZ. Demgegen\u00fcber bot Audi 10%.<\/p>\n<p>Der Kampf begann im vergangenen September, als die Gewerkschaft die Forderungen verk\u00fcndete. Es folgte eine Reihe von Gespr\u00e4chen, die allesamt transparent gef\u00fchrt wurden. Diese Vorgehensweise st\u00e4rkte das Vertrauen der Belegschaft in ihre F\u00fchrung. Am 17.1. wurde ein zweist\u00fcndiger Warnstreik erfolgreich durchgef\u00fchrt, am 24.1. trat die Belegschaft in einen einw\u00f6chigen aktiven Streik mit Kundgebungen, Strassenprotesten etc. Kompromissangebote von Audi lehnte die Belegschaftsvertretung ab. \u00dcber die halbj\u00e4hrige Auseinandersetzung hinweg gewann die Gewerkschaft tausende KollegInnen hinzu, die vor wenigen Jahren noch eine Miniverankerung in der Belegschaft hatte. Von 12.900 Besch\u00e4ftigten sind heute 9.000 Mitglied der Gewerkschaft, wobei der Organisationsgrad der ArbeiterInnen beinahe vollst\u00e4ndig sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p><strong>Orban: \u00abHysterisches Herumgekreische\u00bb<\/strong><\/p>\n<p>Audi Gy\u00f6r ist mit 2 Mio. Motoren im Jahr das gr\u00f6sste Motorenwerk Europas, zus\u00e4tzlich werden 100.000 Autos montiert. Das Werk ist Teil der globalen just-in-time Produktion des VW-Konzerns (VW, Audi, Seat, Skoda, Porsche, MAN,\u2026) und innerhalb weniger Tage musste die Produktion in drei weiteren VW-Werken eingeschr\u00e4nkt oder eingestellt werden.<\/p>\n<p>Der Audi-Streik ist der bisher st\u00e4rkste Ausdruck des Aufbruchs in der ungarischen Arbeiterbewegung. Diese Schubumkehr dr\u00fcckt sich in der Bewegung gegen das Sklavengesetz aus, in der auch die Audi-Belegschaft mit Strassen-Blockaden aktiv mitmacht. Die Idee des Generalstreiks gegen die arbeiterfeindliche Politik Orbans ist weiter Thema, findet aber momentan keine Konkretisierung. Die Gewerkschaftsbewegung ist im Allgemeinen klein und zersplittert, vor allem aber ohne tiefe Unterst\u00fctzung durch die Arbeiterklasse. Ihre F\u00fchrungen orientieren sich am Dialog mit der Regierung. Was in \u00d6sterreich eine Farce ist, ist in Ungarn eine Trag\u00f6die, denn die angestrebte Sozialpartnerschaft mit der Regierung ist ein Luftschloss. So sind es Erfolge wie jener des Audi-Streiks, anhand deren sich die Bewegung in Ungarn neu orientieren kann. Es ist zu erwarten, dass Gy\u00f6r Schule machen wird und neue Betriebe in den Lohnkampf treten werden.<\/p>\n<p><strong>Globale Aspekte<\/strong><\/p>\n<p>Audi machte im Jahr 2017 5,1 Mrd. \u20ac Konzerngewinn. Dies ist dem Management aber zu wenig. Der Streik in Gy\u00f6r ist eine erste Bremsspur im \u00abOptimierungsprozess\u00bb des \u00abTransformationsplans\u00bb des Managements. Ziel des \u00abTransformationsplans\u00bb ist, den Profit des Konzerns von 2018 bis 2022 um 15 Mrd. \u20ac zu steigern. Das neue Management hat ausserdem beschlossen, dass dieser Ausbeutungsplan im gesamten VW-Konzern nochmals \u00aboptimiert\u00bb werden muss. F\u00fcr das Stammwerk in Ingolstadt gilt eine Besch\u00e4ftigungsgarantie bis 2025, aber bereits jetzt werden KollegInnen zu Einzelgespr\u00e4chen eingeladen. Bei VW-Bratislava wird eine Schicht eingestellt, und auch in grossen \u00f6sterreichischen Autowerken stehen Entlassungen im Raum, bei BMW Steyr ca. 150 mit Ende Februar. Im GM-Motorenwerk Wien wird der Besch\u00e4ftigungsstand (trotz des Lohnverzichts) nicht gehalten werden, so der Betriebsrat.<\/p>\n<p>Der VW-Vorstand bringt derweil in seinem Topmanagement Urkunden und ein eigenes M\u00fcsli (!) zur Verteilung, um trotz der deutlichen Anzeichen einer Absatzkrise am Automarkt, die Manager-Kaste auf eine brutale Profitsteigerungsstrategie einzuschw\u00f6ren. Dabei ist die Arbeit in den Produktionswerken bereits jetzt im Sekundentakt durchorganisiert. Eine Kollegin in Gy\u00f6r hat zwei Sekunden f\u00fcr eine Schraube, aber selbst in Ingolstadt herrscht in den Hallen Ratlosigkeit, ob man die Ausbeutung der Arbeitskraft noch erh\u00f6hen kann ohne physisch zusammenzubrechen.<\/p>\n<p>In der Autoindustrie stehen die Zeichen auf Sturm. Audi-Gy\u00f6r-Kollegen zeigen, dass man hart zur\u00fcckschlagen muss, um den Hals \u00fcber Wasser zu halten.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/derfunke.at\/aktuelles\/international\/europa\/11076-18-historischer-streikerfolg-bei-audi\"><em>derfunke.at&#8230;<\/em><\/a><em> vom 31. M\u00e4rz 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Emanuel Tomaselli. In einem sechst\u00e4gigen Streik erzielten die ArbeiterInnen des Audi-Werkes in Gy\u00f6r\/Ungarn diesen Erfolg und auch beim Kleingedruckten gibt\u2019s allerhand Verbesserungen. 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