{"id":5207,"date":"2019-04-08T16:09:13","date_gmt":"2019-04-08T14:09:13","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5207"},"modified":"2019-04-08T16:09:13","modified_gmt":"2019-04-08T14:09:13","slug":"klimademo-ein-bisschen-farbe-an-der-ubs-in-zuerich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5207","title":{"rendered":"Klimademo: Ein bisschen Farbe an der UBS in Z\u00fcrich"},"content":{"rendered":"<p><em>Matthias Kern. <\/em><strong>Im Rahmen der Klimademo haben Klima-Aktivist*innen am letzten Samstag die UBS an der Bahnhofstrasse in Z\u00fcrich mit roten Handabdr\u00fccken verziert. Diese Form des Protests<!--more-->, die auf die Verantwortung des Finanzplatzes am Klimawandel hinweist, reiht sich in eine internationale Kampagne ein, bei der unter anderem bereits in Belgien und Lausanne Banken rot eingef\u00e4rbt wurden. Die daraus folgende Aufregung ist wichtig; die Emp\u00f6rung \u00fcber das gew\u00e4hlte Mittel des Protests l\u00e4cherlich.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Aktion im Rahmen der Klimabewegung<\/strong><\/p>\n<p>Mit dieser Aktion wollten die Aktivist*innen darauf aufmerksam machen, dass der Schweizer Finanzplatz einen nicht unwesentlichen Anteil an der weltweiten Klimakrise zu verantworten hat. Allein \u00fcber die Finanzierung der 47 gr\u00f6ssten Klimakiller-Unternehmen hatte die Credit Suisse, zusammen mit der UBS, im Jahr 2017 einen CO2-Ausstoss von 93,9 Millionen Tonnen zu verantworten. Zum Vergleich: In der Schweiz werden j\u00e4hrlich ungef\u00e4hr 48 Millionen Tonnen CO2 ausgestossen. Die zwei Grossbanken verursachen mit ihren Investitionen also einen fast doppelt so grossen CO2-Ausstoss wie das gesamte Schweizer Inland.<\/p>\n<p>Auf diesen Sachverhalt hinzuweisen, halten wir f\u00fcr zentral, wenn ernsthaft \u00fcber die wichtigen Klimastreik-Forderungen wie netto null Treibhausgasemissionen bis 2030 diskutiert werden soll. Die Klimastreik-Bewegung \u2013 in ihrer Zusammensetzung durchaus heterogen \u2013 hat zudem auch schon fr\u00fcher auf die Rolle der Banken als Klimakiller hingewiesen. So gab es am letzten Samstag auf dem Helvetiaplatz in Z\u00fcrich eine Rede, welche die Banken als das bezeichnete was sie sind: Schuldige der Klimakastrophe. Und am 25. M\u00e4rz erw\u00e4hnte die franz\u00f6sischsprachige Facebookseite \u201eGr\u00e8ve du Climat \u2013 Suisse\u201c unter dem Titel \u201eMarcher ne suffit pas\u201c zwei Aktionen des zivilen Ungehorsams in Lausanne, die im Rahmen des Demonstrationszuges anl\u00e4sslich des Klimastreiks am 15. M\u00e4rz durchgef\u00fchrt wurden: Rote H\u00e4nde an der Fassade der Credit Suisse und die Besetzung des Vorsorge- und Versicherungsunternehmens \u201eRetraites populaire\u201c.<\/p>\n<p><strong>Inhaltliche Diskussionen sind zentral<\/strong><\/p>\n<p>Die Aktion mit den roten H\u00e4nden an der Bahnhofstrasse war also keinesfalls von einer neuen Qualit\u00e4t, noch verstiess sie gegen den Aktionskonsens \u2013 sie reihte sich vielmehr ein in den seit Monaten laufenden Protest. Die Farbe war sogar schadstofffreie Fingermalfarbe auf Wasserbasis, die Verzierung damit mit Sicherheit nur tempor\u00e4r.<\/p>\n<p>Wir sind der Meinung, dass solche Aktionen, gerade weil sie offensichtlich einige Menschen emp\u00f6ren, von grosser Wichtigkeit sind, weil sie aufzeigen, dass Protest durchaus auch frech, k\u00e4mpferisch und unbequem sein kann \u2013 ja angesichts der drohenden Klimakatastrophe auch sein muss. Denn Appelle an die Politiker*innen reichen offensichtlich nicht aus. Das haben die letzten 30 Jahre \u00abKlimapolitik\u00bb gezeigt.<\/p>\n<p>Weiter sind es genau solche Aktionen, welche eine Verbindung zwischen St\u00e4dten und \u00fcber Landesgrenzen hinweg schaffen k\u00f6nnen. Die roten H\u00e4nde an Banken und Versicherungen entwickeln sich n\u00e4mlich langsam zu einem Symbol des Kampfes der Klimastreik-Bewegung gegen die Macht der Banken und Multis und ihrer absoluten Ignoranz den verheerenden Folgen des Klimawandels gegen\u00fcber. So fanden sich die roten H\u00e4nde beispielsweise auch schon in Belgien an der Fassade der Bank \u201eBNP Paribas Fortis\u201c:<\/p>\n<p><strong>Die Schuldigen des Klimawandels<\/strong><\/p>\n<p>Mit \u00e4hnlichen Aktionen versuchen Klima-Aktivist*innen also in ganz Europa darauf\u00a0hinzuweisen, dass nicht \u00abdie Menschen\u00bb oder \u00abdie KonsumentInnen\u00bb f\u00fcr den umweltsch\u00e4dlichen Anstieg der CO2-Emissionen (und alle damit verbunden klimatologischen Folgeprobleme) verantwortlich sind, sondern das kapitalistische Wirtschaftssystem und die Konzerne, die aufgrund der Konkurrenz und dem daraus erwachsenden Profitzwang keine R\u00fccksicht auf eine umweltvertr\u00e4gliche, nachhaltige Entwicklung nehmen k\u00f6nnen. Gerade der Schweizer Finanzplatz ist integraler Teil der umweltsch\u00e4dlichen kapitalistischen Produktionsweise, die jeden Tag wortw\u00f6rtlich Berge von M\u00fcll herstellt; die in ihre Produkte von vornherein \u00abSollbruchstellen\u00bb einarbeitet, um die Nachfrage konstant zu halten; die tagt\u00e4glich Tonnen von Esswaren und Quadratkilometer Regenwald und anderen Naturschutzgebieten vernichtet\u2026<\/p>\n<p>Die Kaufentscheide von uns KonsumentInnen haben nur sehr wenig Einfluss auf diese absurden Entwicklungen. Deshalb muss der Hebel schon bei der Produktion angesetzt werden. Wir setzen uns f\u00fcr eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Ordnung ein, in der nicht der Profit, sondern die Bed\u00fcrfnisse der Menschen und der Umwelt die Maxime der gesellschaftlichen Produktion sind.<\/p>\n<p><strong>Das Klima und die Wut<\/strong><\/p>\n<p>Bereits vor einigen Wochen haben wir\u00a0<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2019\/klimajugend-es-ist-an-der-zeit-wutend-zu-werden\/\">in einem Diskussionsbeitrag darauf hingewiesen, dass wir alle eigentlich noch viel w\u00fctender auf die Verantwortlichen der Klimakrise sein m\u00fcssten.<\/a><\/p>\n<p>Gleichzeitig m\u00f6chten wir darauf hinweisen, dass wir immer schon solidarisch und konstruktiv in und als Teil der Klimabewegung gearbeitet haben, dass wir weder eine Bewegung \u201emissbrauchen\u201c, noch uns nicht an gemeinsam besprochene Regeln halten. Umso bedauernswerter finden wir, dass sich der mediale Fokus rund um die Aktion an der Bahnhofstrasse nun vor allem auf unsere politische Organisation gerichtet hat, statt auf die beiden viel wichtigeren Punkte: Die beeindruckende St\u00e4rke, der Durchsetzungswille und die Konstanz der Klimabewegung, sowie die unleugbare Verantwortung der Banken Credit Suisse und UBS an den Treibhausgasemissionen und dem Klimawandel.<\/p>\n<p>Am weltweiten Klimastreik am Freitag, 24. Mai 2019 wird es mit Sicherheit zu weiteren Aktionen von zivilem Ungehorsam kommen. Das wird auch das n\u00e4chste Mal nicht allen gefallen. Doch muss es auch gar nicht sein, dass der Kampf gegen den Klimawandel bei allen auf Wohlwollen st\u00f6sst: Es geht schliesslich um unsere Zukunft, nicht unser Image.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2019\/klimademo-das-bisschen-farbe-an-der-ubs-in-zuerich\/\"><em>sozialismus.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 8. April 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matthias Kern. Im Rahmen der Klimademo haben Klima-Aktivist*innen am letzten Samstag die UBS an der Bahnhofstrasse in Z\u00fcrich mit roten Handabdr\u00fccken verziert. 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