{"id":5211,"date":"2019-04-15T16:12:01","date_gmt":"2019-04-15T14:12:01","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5211"},"modified":"2019-04-15T16:12:01","modified_gmt":"2019-04-15T14:12:01","slug":"julian-assanges-verhaftung-eine-warnung-der-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5211","title":{"rendered":"Julian Assanges Verhaftung: Eine Warnung der Geschichte"},"content":{"rendered":"<p><strong>John Pilger, ein bekannter und angesehener Filmemacher und investigativer Journalist, gab am 11. April zur Verhaftung von WikiLeaks-Herausgeber Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft<!--more--> in London folgende Erkl\u00e4rung ab:<\/strong><\/p>\n<p>Der Anblick von Julian Assange, wie er aus der ecuadorianischen Botschaft in London gezerrt wird, ist ein Sinnbild unserer Zeit. Macht gegen Recht. St\u00e4rke gegen Gesetz. Schamlosigkeit gegen Mut. Sechs Polizisten f\u00fchren mit Gewalt einen kranken Journalisten ab, der die Augen zusammenkneifen muss, weil er zum ersten Mal nach fast sieben Jahren das Tageslicht sieht.<\/p>\n<p>Dass dieses Verbrechen im Herzen von London, im Heimatland der Magna Charta stattfand, sollte alle besch\u00e4men und erz\u00fcrnen, die um \u201edemokratische\u201c Gesellschaften bangen. Assange ist ein politischer Gefangener unter dem Schutz des V\u00f6lkerrechts, dem nach einem verbindlichen Abkommen, das Gro\u00dfbritannien unterzeichnet hat, Asyl gew\u00e4hrt wurde. Die Vereinten Nationen haben dies in der Erkl\u00e4rung ihrer Arbeitsgruppe gegen willk\u00fcrliche Festnahme deutlich gemacht.<\/p>\n<p>Aber zum Teufel damit! Schickt die Schl\u00e4ger rein. Unter Anweisung der quasi-Faschisten in Trumps Washington und im Bund mit Ecuadors Lenin Moreno, einem lateinamerikanischen Judas und L\u00fcgner, der sein widerliches Regime als unbeteiligt hinstellen will, hat die britische Elite ihren letzten imperialen Mythos, sie st\u00fcnde f\u00fcr Fairness und Gerechtigkeit, \u00fcber Bord geworfen.<\/p>\n<p>Man stelle sich vor, es w\u00e4re Tony Blair, der aus seinem millionenschweren, georgianisch gepr\u00e4gten Domizil am Connaught Square in London gezerrt, in Handschellen gelegt und direkt an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag \u00fcberstellt w\u00fcrde. Nach dem v\u00f6lkerrechtlichen Ma\u00dfstab, der aus den N\u00fcrnberger Prozessen hervorging, ist Tony Blair im Wesentlichen f\u00fcr den Tod von einer Million Irakern mitverantwortlich. Assanges Verbrechen hei\u00dft Journalismus: die R\u00e4uber zur Rechenschaft ziehen, ihre L\u00fcgen entlarven und Menschen auf der ganzen Welt durch die Aufdeckung der Wahrheit st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Die schockierende Verhaftung von Assange beinhaltet eine Warnung an alle, die, wie Oscar Wilde schrieb, \u201edie Saat der Unzufriedenheit ausbringen, (ohne die) es keinen Fortschritt gibt\u201c. Die Warnung richtet sich besonders an Journalisten. Was dem Gr\u00fcnder und Herausgeber von WikiLeaks zugesto\u00dfen ist, kann euch allen passieren \u2013 ob ihr bei einer Zeitung, in einem TV-Studio oder im Rundfunk arbeitet, wenn ihr einen Podcast betreibt.<\/p>\n<p>Der\u00a0<em>Guardian<\/em>\u00a0arbeitet mit den Geheimdiensten zusammen und f\u00fchrt die mediale Hetzjagd gegen Assange an. Allerdings vermittelt ein Leitartikel von letzter Woche, der ein neues Ma\u00df der Verlogenheit offenbarte, den Eindruck von Beunruhigung. Der\u00a0<em>Guardian<\/em>\u00a0hat die Arbeit von WikiLeaks und Assange benutzt, um, wie es ihr damaliger Herausgeber nannte, \u201eden gr\u00f6\u00dften Coup der letzten 30 Jahre zu landen\u201c. Die Zeitung hat die Enth\u00fcllungen von WikiLeaks ausgeschlachtet und damit verbundene Auszeichnungen und Einnahmen f\u00fcr sich vereinnahmt.<\/p>\n<p>Aus einem medial hochgejubelten Buch des\u00a0<em>Guardian<\/em>\u00a0wurde ein lukrativer Hollywood-Film, ohne dass Assange oder WikiLeaks einen Cent bekamen. Die Autoren des Buchs, Luke Harding und David Leigh, nutzten ihre Quelle Assange schamlos aus und verrieten das Passwort, das er dem Blatt anvertraut hatte, um eine Datei mit geleakten Telegrammen der US-Botschaft zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Assange in der ecuadorianischen Botschaft festsa\u00df, hat sich Harding nun mit den Polizisten davor gemein gemacht. Schadenfroh schrieb er in seinem Blog: \u201eScotland Yard lacht vielleicht zuletzt.\u201c Seither hat der\u00a0<em>Guardian<\/em>eine Reihe von L\u00fcgen \u00fcber Assange ver\u00f6ffentlicht, auch eine schon widerlegte Behauptung, dass eine russische Gruppe, sowie auch Trumps Mann Paul Manafort, Assange in der Botschaft besucht h\u00e4tten. Diese Treffen fanden niemals statt, sie sind frei erfunden.<\/p>\n<p>Aber der Ton ist jetzt ein anderer. \u201eDer Fall Assange ist ein echtes moralisches Dilemma\u201c, schreibt das Blatt. \u201eEr will weiterhin Dinge \u00f6ffentlich machen, die nicht ver\u00f6ffentlicht werden sollten \u2026 Doch er hat immer auf Dinge aufmerksam gemacht, die nie h\u00e4tten verheimlicht werden d\u00fcrfen.\u201c<\/p>\n<p>Diese \u201eDinge\u201c sind die Wahrheit \u00fcber die m\u00f6rderischen kolonialen Kriege Amerikas, die L\u00fcgen des britischen Au\u00dfenministeriums, wenn es bedrohten Volksgruppen wie den Bewohnern der Chagos-Inseln ihre Rechte verweigert, die Entlarvung Hillary Clintons als Unterst\u00fctzerin und Nutznie\u00dferin des Dschihadismus im Nahen Osten, die detaillierten Ausf\u00fchrungen amerikanischer Botschafter, wie der Sturz der syrischen und venezolanischen Regierung bewerkstelligt werden k\u00f6nnte, und vieles mehr. Auf der WikiLeaks-Seite kann man das alles nachlesen.<\/p>\n<p>Die Nervosit\u00e4t des\u00a0<em>Guardian<\/em>\u00a0ist verst\u00e4ndlich. Geheimdienstler haben schon einmal die R\u00e4ume der Zeitung durchsucht und die rituelle Vernichtung einer Festplatte verlangt und durchgesetzt.<\/p>\n<p>Damit kennt sich die Zeitung aus. 1983 hatte eine Mitarbeiterin des Au\u00dfenministeriums, Sarah Tisdall, Regierungsdokumente \u00fcber das Eintreffen amerikanischer Atomraketen in Europa geleakt. Der\u00a0<em>Guardian<\/em>\u00a0wurde mit Lob \u00fcberh\u00e4uft. Als ein Urteil erging, die Quelle zu nennen, stand der Herausgeber des Blatts nicht zu dem Grundprinzip, die Quelle zu sch\u00fctzen, sondern verriet Tisdall, die dann angeklagt und zu sechs Monaten Haft verurteilt wurde.<\/p>\n<p>Wenn Assange an die USA ausgeliefert wird, weil er das publiziert hat, was der\u00a0<em>Guardian<\/em>\u00a0wahre \u201eDinge\u201c nennt, wer sollte dann die aktuelle Herausgeberin Katherine Viner davor sch\u00fctzen, denselben Weg zu gehen? Oder den damaligen Herausgebers Alan Rusbridger, oder den gesch\u00e4ftigen Propagandisten Luke Harding?<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/04\/15\/john-a15.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 15. April 2019 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>John Pilger, ein bekannter und angesehener Filmemacher und investigativer Journalist, gab am 11. 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