{"id":5213,"date":"2019-04-15T16:21:33","date_gmt":"2019-04-15T14:21:33","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5213"},"modified":"2019-04-15T16:21:33","modified_gmt":"2019-04-15T14:21:33","slug":"nur-die-linke-kann-die-freiheit-des-palaestinensischen-volkes-erkaempfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5213","title":{"rendered":"\u201eNur die Linke kann die Freiheit des pal\u00e4stinensischen Volkes erk\u00e4mpfen\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Massenproteste gegen die Hamas und die israelische Besatzung im Gaza-Streifen sind Ausdruck einer Neubewertung der sozialen Frage in Pal\u00e4stina. Gespr\u00e4ch mit dem<!--more--> in der Westbank lebenden Aktivisten Hassan von der Pal\u00e4stinensischen Volkspartei (Hizb al-Sha\u2019b al-Filastini, PPP). Interview und \u00dcbersetzung: Heyder Paramaz.<\/strong><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><strong>In den vergangenen Wochen ist es zu gr\u00f6\u00dferen Demonstrationen in Gaza \u2013 auch gegen die dort regierende Hamas \u2013 gekommen. Wie w\u00fcrdest du diese bewerten? Was sind die Forderungen?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man die Situation in Gaza betrachten will, muss man das gr\u00f6\u00dfere Bild analysieren. Die Menschen sind in den letzten zwei Wochen in Gaza auf die Stra\u00dfen gegangen, weil sie nichts mehr haben und ihnen keine andere Wahl bleibt. Die Bev\u00f6lkerung dort lebt seit 1967 unter der Besatzung und nun mehr als 15 Jahre in einem gro\u00dfen Gef\u00e4ngnis; jeder Kontakt zu Au\u00dfenwelt ist de facto unterbunden. Man muss sich vorstellen, wie die Lage ist, wenn man zwei Millionen Menschen auf einem Landstreifen zusammen sammelt, in dem es keinen Zugang zu Medikamenten und nicht ausreichend Nahrung gibt.<\/p>\n<p>Die Menschen sind auf die Stra\u00dfen gegangen unter dem Motto:\u00a0<em>\u201e<\/em>Wir wollen Leben!<em>\u201c<\/em>. Es ist verst\u00e4ndlich, dass sie verzweifelt sind, da sie weder Chancen noch M\u00f6glichkeiten haben und auch gerade keine bessere Zukunft sehen. Diese Situation ist bedingt durch die Schlie\u00dfung aller Ein- und Ausgangspunkte zur Au\u00dfenwelt, also dem Belagerungszustand durch Israel. Die Demonstrationen richteten sich zun\u00e4chst gegen die Hamas beziehungsweise deren Milizen, die die Macht und die Kontrolle im Gazastreifen behalten wollen. Denn das ist jene Macht, die die Bev\u00f6lkerung allt\u00e4glich mitbekommt. Der tiefere Grund hinter der Unzufriedenheit liegt in der israelischen Besatzung und dem Belagerungszustand. Es ist nicht die Hamas, die Gaza dicht gemacht hat, sondern die israelische Armee. Hamas organisiert nur die internen t\u00e4glichen Angelegenheiten, kontrolliert aber nicht die Grenzen. Dass keine Lebensmittel oder Rohrmaterialien reinkommen, dass eine hohe Arbeitslosigkeit besteht, dass es keine Arbeit und Fabriken gibt, liegt an denjenigen, die Gaza belagern.<\/p>\n<p>Die Menschen haben in ihren Forderungen v\u00f6llig recht. Das sind Leute, die sich ein menschliches Leben w\u00fcnschen. Sie schaffen es jedoch nicht, gegen die Israelischen Besatzung etwas auszurichten, da sie nicht mit denen im t\u00e4glichen Kontakt sind. Deswegen bleibt die Hamas \u00fcbrig, die unf\u00e4hig ist, radikale Ver\u00e4nderungen zu erwirken.<\/p>\n<p>Die Bewegung, die heute auf der Stra\u00dfe steht und sich\u00a0<em>\u201e<\/em>Wir wollen leben!<em>\u201c<\/em>\u00a0nennt, ist die Kontinuit\u00e4t einer Bewegung, die es schon seit mehr als eineinhalb Jahren gibt und die damals auf die Grenzen zum israelisch besetzten Teil Pal\u00e4stinas zugelaufen ist. Seitdem gibt es jede Woche und fast jede Nacht Demonstrationen, widerst\u00e4ndige Aktionen und den Versuch, dieses Gef\u00e4ngnis zu verlassen. Es ist eine komplexe Lage. Die Menschen leben unter Besatzung, sie brauchen Essen, Medikamente und sie wollen frei leben.<\/p>\n<p><strong>Wie siehst du die Rolle linker und revolution\u00e4rer Organisationen in diesen Entwicklungen?<\/strong><\/p>\n<p>Eine wichtiger Punkt in den letzten Bewegungen, der auch als ein positives Zeichen f\u00fcr die pal\u00e4stinensische Gesellschaft erw\u00e4hnt werden muss, ist, dass die Organisatoren dieser Demonstration, die von der PA [Pal\u00e4stinensische Autonomiebeh\u00f6rde, A.d.R.] und der Hamas in Gaza verhaftet wurden und Repressionen erlitten haben, haupts\u00e4chlich aus den drei gr\u00f6\u00dferen politischen linken Parteien, PFLP [Volksfront zur Befreiung Pal\u00e4stinas, A.d.R], DFLP [Demokratische Front zur Befreiung Pal\u00e4stinas, A.d.R] und PPP, und anderen neueren linken und demokratischen Kr\u00e4ften kommen.<\/p>\n<p>Diese bringen, und das ist sehr wichtig, den sozialen Aspekt in den Vordergrund. Oft wird dieser durch den Kampf gegen die Besatzung unbeachtet gelassen und zur\u00fcck gestellt. Im Namen des Kampfes gegen die Besatzung wurden Fragen nach dem demokratischen Umgang miteinander, faschistischen Tendenzen, die Versorgungslage und die soziale Lage umgangen. Diese Bewegung jetzt ist f\u00fcr uns wichtig, weil sie diese Themen wieder angeht und ein gesellschaftliches Bewusstsein schafft.<\/p>\n<p>Die Demonstrationen heute sind Teil des 70-j\u00e4hrigen Kampfes des pal\u00e4stinensischen Volkes f\u00fcr ihre Rechte auf Selbstbestimmung und gegen die Besatzung. Wir haben gelernt, nie aufzugeben und wir werden auch nie aufgeben. Deswegen werden die Pal\u00e4stinenser sich gegen jede Macht verteidigen, die sie entrechtet, sei es die Besatzung oder reaktion\u00e4ren Gruppierungen, die die Gesellschaft unterdr\u00fccken wollen. Wir haben gesehen, dass sich die Demonstrationen auch gegen die Hamas-Kr\u00e4fte richten. Ohne damit die Hamas in irgendeiner Form in Schutz nehmen zu wollen, darf allerdings auch nicht aus den Augen verloren werden, dass die Belagerung Gazas der Hauptausl\u00f6ser ist.<\/p>\n<p>Jede Bewegung hat lang- und kurzfristige Effekte. Wir erhoffen uns von diesen Bewegungen, die von linken Kr\u00e4ften gef\u00fchrt wurden, dass sie einen positiven Effekt gegen die islamische Regierung in Gaza haben. Wir als Pal\u00e4stinenser sind nicht gegen das politische Handeln der Hamas, denn wir sind der \u00dcberzeugung, dass wir das Recht haben, gegen Israel Widerstand zu leisten. Besonders die Menschen in Gaza, die de facto in einem Gef\u00e4ngnis leben. Allerdings sind wir gegen die soziale Politik der Hamas, ihre islamische Regierung ist f\u00fcr Unterdr\u00fcckung und Menschenrechtsverletzungen verantwortlich. Sie verhindert die Entstehung einer demokratischen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Deswegen k\u00f6nnen solche Bewegungen der Rolle linker Politik in Pal\u00e4stina neues Leben einhauchen und zu ihrer Erneuerung beitragen. Darauf hoffen wir. Die Linke k\u00e4mpft f\u00fcr die Armen und unterdr\u00fcckten Menschen und ihr Recht auf Arbeit, Gleichheit und f\u00fcr ein gutes Leben. Das muss man als soziale Frage sehen und man darf die Augen davor nicht verschlie\u00dfen. Durch die Belagerung von Gaza und den Kampf der Hamas gegen die Besatzung wurde dieser Aspekt zum Teil ignoriert.<\/p>\n<p><strong>Was erwartest du von der internationalen Linken?<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Punkt ist sehr wichtig und sollte gut analysiert werden. Die Rolle der internationalen Linken war f\u00fcr uns als Pal\u00e4stinenser stets sehr wichtig. Die Linke und damit auch die pal\u00e4stinensische Linke hatte stets die Position, dass der Konflikt kein religi\u00f6ser\/historischer ist, sondern ein kapitalistischer beziehungsweise ein Klassenkonflikt. Die zionistische Bewegung ist als eine kapitalistische, imperialistische Bewegung nach Pal\u00e4stina gekommen, hat das Land ihren lokalen Besitzern geraubt und sie vertrieben. Mit Geldern gro\u00dfer imperialistischer Staaten, die hier investiert haben, wurden Firmen aufgebaut und eine Macht im Nahen Osten geschaffen, die den Einfluss der Imperialisten ausweiten soll.<\/p>\n<p>Die Rolle der internationalen Linken zusammen mit der pal\u00e4stinensischen ist es diesen Analysepunkt in diesem System immer wieder festzuhalten. Wir m\u00fcssen diesen Standpunkt verteidigen und die Menschen davon \u00fcberzeugen, dass das die Hintergr\u00fcnde des Konflikts sind. Dass dieser Konflikt ein Klassenkampf ist: zwischen den wohlhabenden Klassen, die Interessen der westlichen Staaten vorantreiben und der lokalen indigenen Bev\u00f6lkerung, die zum Gro\u00dfteil Bauern waren, denen das Land geraubt wurde. Wenn wir es nicht schaffen, dies klarzustellen, wird der Narrativ des\u00a0<em>\u201e<\/em>religi\u00f6sen Konflikts\u00a0<em>\u201c<\/em>\u00a0immer st\u00e4rker, was zur Unl\u00f6sbarkeit der Probleme und Erstarkung faschistischer und zerst\u00f6rerischer Ans\u00e4tze f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Es ist ein Klassenkampf, es ist eine Frage der Globalisierung, es ist eine Frage der Expansion kapitalistischer Staaten und des US-Imperialismus gegen die V\u00f6lker \u2013 genauso, wie damals in Vietnam und Nicaragua und heute in Kurdistan. Nur mit linken Ans\u00e4tzen und Ideen k\u00f6nnen wir die gesellschaftliche und soziale Freiheit des pal\u00e4stinensischen Volkes erk\u00e4mpfen. Gerade deshalb brauchen auch jetzt die Pal\u00e4stinenser die Solidarit\u00e4t internationaler linker Kr\u00e4fte. Verbunden mit den Demonstrationen in Gaza als einem Aufstand der Armen ist es die Aufgabe linker Organisation eben jene zu verteidigen und zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/lowerclassmag.com\/2019\/04\/11\/palastina-massenproteste\/\"><em>lowerclassmag.com&#8230;<\/em><\/a><em> vom 15. April 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Massenproteste gegen die Hamas und die israelische Besatzung im Gaza-Streifen sind Ausdruck einer Neubewertung der sozialen Frage in Pal\u00e4stina. 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