{"id":5257,"date":"2019-04-24T09:31:29","date_gmt":"2019-04-24T07:31:29","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5257"},"modified":"2019-04-24T09:31:29","modified_gmt":"2019-04-24T07:31:29","slug":"brexit-die-endlose-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5257","title":{"rendered":"Brexit: Die endlose Krise"},"content":{"rendered":"<p><em>Claudia Cinatti. <\/em><strong>Eine hektische, zehnst\u00fcndige Verhandlung zwischen Theresa May und den 27 anderen EU-Mitgliedstaaten unter deutscher F\u00fchrung verhinderte, dass das<!--more--> Vereinigte K\u00f6nigreich zum letzten Glockenschlag am 12. April ins ungeordnete Chaos st\u00fcrzte.<\/strong><\/p>\n<p>Der 12. April war die Frist f\u00fcr das Ausscheiden aus dem europ\u00e4ischen Block, an den das alte Imperium, das zu einer zweitklassigen Macht geworden ist, seit 46 Jahren durch kommerzielle, wirtschaftliche, politische und diplomatische Beziehungen gebunden war, als es schlie\u00dflich den Vertrag von Rom unterzeichnete.<\/p>\n<p>Die Verl\u00e4ngerung des Brexit bis Oktober ist eine Erleichterung, aber nicht mehr als das. Es bleiben nur noch sechs Monate, bis das Vereinigte K\u00f6nigreich und die EU sich wieder am Abgrund begegnen werden \u2013 ohne Garantie, ob einige vom Brexit radikalisierte Akteur*innen die Entscheidung f\u00fcr den letzten Schritt fassen.<\/p>\n<p>\u201eVerschwenden Sie nicht Ihre Zeit\u201c, sagte Donald Tusk, der Pr\u00e4sident des Europ\u00e4ischen Rates. Eine Empfehlung, die an dieser Stelle hohl erscheint: Fast drei Jahre sind seit dem schicksalhaften 23. Juni 2016 vergangen, als das \u201eLeave\u201c siegreich war, und zwei Jahre, seit Premierministerin May Artikel 50 geltend gemacht hat, um das Vereinigte K\u00f6nigreich von der EU zu trennen. In dieser Zeit hat sich die Krise nur noch versch\u00e4rft, da die enorme politische Fehleinsch\u00e4tzung, die im Brexit endete, deutlich wurde. Es besteht begr\u00fcndete Skepsis, dass es in den n\u00e4chsten sechs Monaten nicht anders sein wird.<\/p>\n<p>Der Scheidungsprozess bringt trotz fehlender politischer L\u00f6sungen weiterhin kreative Neologismen hervor: \u201eBrexit\u201c, \u201ehard Brexit\u201c, \u201eLexit\u201c (die gescheiterte linke Version des Brexit), \u201ebrexiteers\u201c \u201eremainers\u201c sind bereits Teil des politischen Lexikons. \u201eFlextension\u201c wurde nun in das W\u00f6rterbuch der endlosen Krise aufgenommen, so etwas wie eine \u201eflexible Erweiterung\u201c, die am 31. Oktober 2019 ausl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Diese Zwischenl\u00f6sung war eine von Merkel gezogene Diagonale zwischen dem weichen Fl\u00fcgel von Donald Tusk, der die Frist ein Jahr verl\u00e4ngern wollte, und dem harten Fl\u00fcgel des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/frankreich-in-der-aera-emmanuel-macrons\/\"><strong>Macron, einem Bonaparte<\/strong><\/a>, der durch den Ausbruch des Klassenkampfes in seinem Land geschw\u00e4cht wurde. Auf der europ\u00e4ischen B\u00fchne mimte er De Gaulle und forderte den sofortigen Ausstieg des Vereinigten K\u00f6nigreichs.<\/p>\n<p>Dass das neue Brexit-Datum genau auf Halloween f\u00e4llt, ist \u2013 auch wenn es anders scheint \u2013 ein Zufall und hat nichts mit dem Zeitlupen-Horrorfilm des Brexit zu tun. Am 1. November muss die neue Pr\u00e4sidentschaft der Europ\u00e4ischen Kommission das Amt \u00fcbernehmen und in Br\u00fcssel beginnt ein neuer politischer Zyklus von 5 Jahren. Die EU bestrebt ist daher bestrebt, dieses Problem bis dahin gel\u00f6st zu haben.<\/p>\n<p><strong>Eine schwache Regierung. Ein System in der Krise.<\/strong><\/p>\n<p>Die Tiefe der Krise zeigt sich darin, dass alle Optionen des Brexit schlecht sind \u2013 sowohl f\u00fcr die herrschende Klasse Gro\u00dfbritanniens als auch f\u00fcr den imperialistischen Block der EU.<\/p>\n<p>Zwischen April und Oktober kann noch viel passieren. Auf der Tagesordnung stehen mehrere \u201eD-Days\u201c, die fast w\u00f6chentlich die Spannungen erneuern und die politische Krise mit wenigen Pr\u00e4zedenzf\u00e4llen in der modernen britischen Geschichte vertiefen. Die May-Regierung, die diesen Prozess leiten soll, ist sehr schwach und schafft es vielleicht nicht bis Oktober. Die Premierministerin kann sich nicht retten, weil sie unter dem Beschuss ihrer eigenen Partei steht und sich nur an einem juristischen Strohhalm festh\u00e4lt: Sie hat im Dezember erfolgreich ein Misstrauensvotum ihrer eigenen konservativen Kolleg*innen \u00fcberstanden, die nun ein Jahr warten m\u00fcssen, um einen erneuten Versuch zu unternehmen, sie zu verdr\u00e4ngen. May hat ihren R\u00fccktritt angeboten und es gibt eine Reihe von tapferen Tories, die bereit sind, sie zu ersetzen. Der Erste auf der Liste ist Boris Johnson, der ehemalige B\u00fcrgermeister von London und wichtigster Wegbereiter des Brexit.<\/p>\n<p>Die unmittelbare Herausforderung f\u00fcr May besteht darin, das Parlament dazu zu bringen, die Bedingungen des mit der EU im November letzten Jahres ausgehandelten Abkommen f\u00fcr eine freundliche Trennung bis zum 23. Mai zu billigen. Da diese Vereinbarung jedoch dreimal abgelehnt wurde, gibt es keinen zwingenden Grund, sie unter dem Druck der neuen Fristen zu genehmigen.<\/p>\n<p>Das Argument der h\u00e4rtesten \u201eBrexiteers\u201c, die Sehnsucht nach der imperialen Vergangenheit haben, ist, dass dieses Abkommen das Vereinigte K\u00f6nigreich effektiv in einen \u201eVasallenstaat\u201c der EU verwandeln w\u00fcrde. Denn im Gegenzug f\u00fcr den Zugang zum europ\u00e4ischen Markt und angesichts eines m\u00f6glichen Wiederaufflammens des Konflikts in Nordirland, m\u00fcsste es die Einf\u00fchrung von Regeln und Vorschriften des europ\u00e4ischen Blocks akzeptieren \u2013 vor allem in Bezug auf die Bewegungsfreiheit von Menschen und andere sensible Themen \u2013, ohne \u00fcberhaupt das Recht zu haben, dar\u00fcber abzustimmen. Deshalb bestehen sie darauf, dass es besser sei, sich lieber ganz als halb zu trennen. \u201eBrexit ist Brexit\u201c, meinen sie.<\/p>\n<p>Die intelligentesten Sektoren des b\u00fcrgerlichen politischen Establishments k\u00e4mpfen f\u00fcr eine Art Zusammenfluss zwischen dem Zentrumsfl\u00fcgel des\u00a0<em>Leave<\/em>\u00a0und dem Fl\u00fcgel des\u00a0<em>Remain<\/em>. Das k\u00f6nnte die Tendenz zu Extremen vermeiden. Das ist der Sinn der Vereinbarung, die May mit Jeremy Corbyn, dem F\u00fchrer der Labour-Opposition, zu erreichen versucht. Dessen rote Linie besteht darin, in der Zollunion mit der EU zu bleiben und eine offene Grenze zur Republik Irland (den ber\u00fchmten\u00a0<em>Backstop<\/em>) aufrechtzuerhalten. Da das Gespenst des \u201e<em>harten<\/em>\u00a0Brexits\u201c jedoch mittlerweile weit vom unmittelbaren Horizont entfernt ist, gibt es keinen Grund, warum Corbyn daran interessiert sein sollte, der Lebensretter Mays zu sein und seine eigene politische Popularit\u00e4t als Chef der Opposition und wahrscheinlicher n\u00e4chster Premierminister zu riskieren.<\/p>\n<p>Wenn May eine vierte Niederlage erleidet und das Vereinigte K\u00f6nigreich bis zum 23. Mai noch in der EU ist, muss es an den Wahlen zum Europ\u00e4ischen Parlament teilnehmen, d.h. es w\u00fcrde Mitglieder mit einem vierj\u00e4hrigen Mandat f\u00fcr eine Institution w\u00e4hlen, aus der es sp\u00e4testens innerhalb von sechs Monaten ausscheiden wird. Aber unter den gegebenen Umst\u00e4nden ist dies immer noch ein abstraktes politisches Problem.<\/p>\n<p>Eine der Bedingungen, die die EU f\u00fcr die Verl\u00e4ngerung der Brexit-Frist auferlegt hat, war Mays Unterzeichnung der Verpflichtung zur Durchf\u00fchrung der Wahlen. Im Falle einer Nichteinhaltung w\u00fcrde der Brexit mit oder ohne Vereinbarung am 1. Juni durchgef\u00fchrt werden. Die Wahlen sind angesetzt, aber niemandem entgeht, dass dies eine gro\u00dfe Chance f\u00fcr den harten Fl\u00fcgel der Brexiteers in Mays Partei ist, die das gesamte Kartenhaus einst\u00fcrzen lassen k\u00f6nnten, wenn eine parlamentarische Mehrheit das Scheidungsabkommen mit der EU ablehnt, wie es bisher geschehen ist, und es nicht zu Wahlen kommen w\u00fcrde. In diesem Fall g\u00e4be es einen harten Brexit.<\/p>\n<p>Andererseits w\u00e4ren die Aussichten auch schlecht, wenn es Wahlen g\u00e4be, denn der Wahlkampf w\u00fcrde sich direkt gegen den Konsens zwischen Konservativen und Labour richten, welcher die Hoffnung der gro\u00dfen britischen Kapitalist*innen ist, die weitgehend vom europ\u00e4ischen Block abh\u00e4ngig sind. Der\u00a0<em>Remain<\/em>-Block wird versuchen, die Wahl in ein \u201ezweites Referendum\u201c gegen Brexit zu verwandeln, w\u00e4hrend die Konservativen den \u201eLeave\u201c-Block zu verh\u00e4rten suchen werden. Aber vor allem gewinnen bei den EU-Wahlen mit traditionell geringer Wahlbeteiligung kleine \u201eAnti-Establishment\u201c-Gruppen \u2013 die am Rande des b\u00fcrgerlichen politischen Systems stehen \u2013 ein \u00fcberproportionales Gewicht zum Nachteil der traditionellen Parteien. Das letzte objektive Ma\u00df sind die Europawahlen 2014. In diesem Wettbewerb gewann die UKIP, eine rassistische und virulent euroskeptische Partei, den ersten Platz mit 24 Sitzen, w\u00e4hrend Labour und die Tories jeweils nur 20 und 19 Sitze bekamen. Heute gibt es neue Parteien, die an den extremen R\u00e4ndern stehen: Auf der Seite des\u00a0<em>\u201eRemain\u201c<\/em>\u00a0steht die so genannte Independent Group \u2013 die Abgeordneten des neoliberalen Fl\u00fcgels der Labour-Partei, die mit ihrer Partei brachen. Im Bereich der brexiteers steht die Brexit-Partei, die k\u00fcrzlich von Nigel Farage gegr\u00fcndet wurde: ein exzentrischer Rechtsextremist, der die UKIP gr\u00fcndete und sie dann spaltete. Er konkurriert mit UKIP um dieselben W\u00e4hler*innen und legt seinen Fokus auf migrant*innenfeindliche Politik. Zusammen k\u00f6nnten sie etwa 27 Prozent der Stimmen erhalten.<\/p>\n<p>Aber selbst wenn diese beiden Hindernisse umgangen werden sollten, wird das Vereinigte K\u00f6nigreich weiterhin in einem Hindernislauf stecken. Eine L\u00f6sung der konflikttr\u00e4chtigen Grenze zu Irland, die M\u00f6glichkeit, dass eine vom Parlament gebilligte Vereinbarung einem Referendum unterzogen wird, die Zustimmung der EU selbst und sogar eine erneute Verl\u00e4ngerung der Frist bleiben offen. Wahrscheinlich werden weitere Jahre der politischen Instabilit\u00e4t und schwacher Regierungen kommen.<\/p>\n<p><strong>Trumps Anti-Europ\u00e4er<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl die britische Krise ihre eigene Dynamik hat, ist die St\u00e4rkung des Blocks rechtsextremer, \u201epopulistischer\u201c und euroskeptischer Parteien der gemeinsame Nenner der Europ\u00e4ischen Union, deren Ursachen in den nationalistischen Tendenzen gesucht werden m\u00fcssen, die durch die kapitalistische Krise von 2008 ausgel\u00f6st wurden.<\/p>\n<p>Nach den Prognosen des Europ\u00e4ischen Parlaments w\u00fcrden die euroskeptischen Parteien, wenn das Vereinigte K\u00f6nigreich nicht an den n\u00e4chsten Wahlen teilnehmen w\u00fcrde, eine Fraktion von etwa 150 von insgesamt 705 Abgeordneten haben, die nach dem Brexit verbleiben w\u00fcrden. Eine von\u00a0<em>Politico<\/em>\u00a0ver\u00f6ffentlichte Umfrage zeigt ein \u00e4hnliches Ergebnis, nur dass sie den Fokus darauf legt, dass die Parteien des \u201eextremen Zentrums\u201c die Mehrheit verlieren w\u00fcrden und von Vereinbarungen mit Dritten abh\u00e4ngig w\u00e4ren. In beiden F\u00e4llen ist der gr\u00f6\u00dfte Block von Euroskeptiker*innen \u201eEuropa der Nationen und der Freiheit\u201c, der rassistische Zusammenschluss gegen Migrant*innen, der unter einem Dach die Italienische Lega Matteo Salvinis und die franz\u00f6siche Rassemblement National (ehemals Front National) Marine Le Pens vereint.<\/p>\n<p>Neben der offensichtlichen Krise der traditionellen Parteien und der Polarisierung hat die EU-Krise eine geopolitische Dimension, die sie verst\u00e4ndlich macht. Hinter dem Brexit und diesem Aufstieg der euroskeptischen Parteien steht die nicht so unsichtbare Hand der Vereinigten Staaten. Donald Trump ist der erste US-amerikanische Pr\u00e4sident, der offen feindselig gegen\u00fcber dem westeurop\u00e4ischen Block ist, den er als eine weitere Front in seinen Handelskriegen sieht, einschlie\u00dflich des Konflikts mit China. Nur zur Veranschaulichung: Die Beziehung zu China brachten die Koalition zwischen der Lega und der F\u00fcnf-Sterne-Bewegung in Italien an den Rand des Scheiterns. W\u00e4hrend letztere das Abkommen unterzeichnete, fungierte Salvini als treuer Untertan Washingtons.<\/p>\n<p>Trump k\u00e4mpfte und k\u00e4mpft f\u00fcr einen \u201e<em>harten<\/em>\u00a0Brexit\u201c. Er greift den halben Brexit, den May umzusetzen versucht, \u00f6ffentlich an und stellt dem ein angebliches bilaterales Handelsabkommen zwischen den USA und dem Vereinigten K\u00f6nigreich gegen\u00fcber. Steven Bannon, Ideologe der\u00a0<em>Alt-Right<\/em>\u00a0und Stratege der Trump-Kampagne, hat noch gr\u00f6\u00dfere Ambitionen. Seit er das Wei\u00dfe Haus verlassen hat, widmet er sich der Organisierung der \u201ePopulistischen Internationalen\u201c, an der Rechte und Protofaschisten wie Jair Bolsonaro, Victor Orb\u00e1n und Salvini teilnehmen, und bereitet sich darauf vor, die rechtsextreme Partei Vox aus dem Spanischen Staat in das B\u00fcndnis zu holen.<\/p>\n<p>Nach den Auswirkungen des \u201e<em>Leave<\/em>\u201e-Triumphs blieb die Europ\u00e4ische Union in den Verhandlungen standhaft und versuchte, das Vereinigte K\u00f6nigreich f\u00fcr seine Arroganz einer dekadenten Macht bezahlen zu lassen. Bisher ist sie im Vorteil, nicht nur, weil sie 27 gegen einen sind und Deutschland zu diesen 27 geh\u00f6rt, sondern auch, weil die Abh\u00e4ngigkeit nicht gegenseitig ist. Die Verh\u00e4ltnisse sind eindeutig: Das Vereinigte K\u00f6nigreich braucht die EU mehr als umgekehrt. In Anbetracht der geopolitischen Lage w\u00e4re es jedoch ein Fehler zu behaupten, dass der Brexit f\u00fcr Europa schmerzlos w\u00e4re. Die vereinbarte Scheidung w\u00e4re die am wenigsten traumatische, weshalb Merkels bisherige Rolle darin besteht, ihre eigenen Fundamentalist*innen wie Macron zu beruhigen, der ironischerweise mit den harten\u00a0<em>Brexitern<\/em>\u00fcbereinstimmt. Der chaotische R\u00fcckzug des Vereinigten K\u00f6nigreichs h\u00e4tte Auswirkungen, deren Ausma\u00df f\u00fcr das europ\u00e4ische Projekt noch nicht klar ist.<\/p>\n<p><strong>Organische Krise. Bourgeoisie und Massen<\/strong><\/p>\n<p>Der Brexit l\u00e4sst sich als Ergebnis einer Kette von Fehlentscheidungen erkl\u00e4ren. Zun\u00e4chst sei da die politische Ungeschicktheit von David Cameron zu erw\u00e4hnen, der versehentlich die konservative Partei, den direktesten Vertreter der Interessen der gro\u00dfen Kapitalist*innen, in die \u201ePartei der wirtschaftlichen Zerst\u00f6rung\u201c verwandelte, wie sie von Tory-Unternehmer*innen umbenannt wurde, die nicht glauben k\u00f6nnen, dass ihre Partei sie gl\u00fccklich in den Selbstmord f\u00fchrt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die britische Bourgeoisie und die konservative Partei war der Brexit eine selbstverschuldete Niederlage, denn in Wahrheit bestand keine Notwendigkeit, ein Referendum zu fordern, au\u00dfer f\u00fcr opportunistische Spielchen \u2013 vor allem, weil die Folgen der Krise von 2008 die Polarisierung in unbekannte Extreme f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Diese Krise, die ein politisches System verschlingt, das zu den stabilsten und konservativsten in der westlichen Welt geh\u00f6rte, hat sich mit den schlechten Entscheidungen Mays weiter versch\u00e4rft, einschlie\u00dflich der Einberufung von vorgezogenen Wahlen und dem Verlust der Mehrheit, was sie der Gnade der rechtsextremen irischen unionistischen Partei (DUP) auslieferte, sowie die Politik der Befriedigung des harten Fl\u00fcgels der Tories.<\/p>\n<p>Es gibt jedoch eine andere Erkl\u00e4rungsebene, die auf die historischen Ursachen der Krise hinweist. Wir stehen vor einer Situation, in der der politisch-staatliche \u00dcberbau nicht als Wirtschaftsausschuss der gro\u00dfen Kapitalist*innen fungiert, deren Interessen darin bestehen, in der Europ\u00e4ischen Union zu bleiben. Laut dem Institute of Directors, einem thatcheristischen wirtschaftlichen\u00a0<em>Thinktank<\/em>, der Manager*innen kleiner und mittlerer Unternehmen vereint, bef\u00fcrworten sechs von zehn seiner Mitglieder, dass das Vereinigte K\u00f6nigreich in der Zollunion und dem europ\u00e4ischen Binnenmarkt verbleibt, was sie objektiv n\u00e4her an die Labour-Partei heranf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Diese Unstimmigkeit ist Ausdruck der Tatsache, dass es sich um eine Staatskrise und nicht um eine Konjunkturkrise handelt, d.h. eine organische Krise nach der Definition von Antonio Gramsci. Auf dem Spiel steht der Standort des Vereinigten K\u00f6nigreichs, das in den letzten Jahrzehnten, seit es in den 1970er Jahren eine \u201eeurop\u00e4istische\u201c Wende beschloss, eine zweideutige Position gegen\u00fcber der Europ\u00e4ischen Union beibehalten hat, die es ihm erm\u00f6glichte, Zugang zum gemeinsamen Markt zu erhalten und die Umstellung seiner Wirtschaft auf Finanzen und Dienstleistungen durchzuf\u00fchren, was gleichzeitig die Abh\u00e4ngigkeit des britischen Kapitalismus von der EU erh\u00f6hte. Gleichzeitig fungierte es in Fragen der politischen Ausrichtung als trojanisches Pferd der Vereinigten Staaten innerhalb der EU.<\/p>\n<p>Es geht nicht nur um das Vereinigte K\u00f6nigreich. Die Tendenzen zur organischen Krise, insbesondere in den zentralen L\u00e4ndern, sind Ergebnisse der Krise von 2008 und der Ersch\u00f6pfung des Globalisierungszyklus. Wir wissen noch nicht, was die Zukunft bringen wird. Noch ist es die \u201eZeit der Monster\u201c.<\/p>\n<p>Im Vereinigten K\u00f6nigreich herrscht noch immer die Krise von oben vor. Die Ausgebeuteten, die Jugend, die Migrant*innen, gehen auf die Stra\u00dfe, aber sie sind immer noch Teil desselben Blocks mit den Interessen der Kapitalist*innen, das hei\u00dft, sie haben noch nicht die Strategie der Klassenkollaboration \u00fcberwunden, die der Labourismus auch in seiner linkesten und militantesten Version unterst\u00fctzt. Es gibt jedoch Anzeichen daf\u00fcr, dass die organischen Krisen nicht nur durch das Versagen der herrschenden Klassen, sondern auch durch die Aktivit\u00e4t von Massenbewegungen er\u00f6ffnet werden k\u00f6nnen. Der Ausbruch der Gelbwesten in Frankreich, obwohl sich die Bewegung auf dem R\u00fcckzug befindet, war eine erste Warnung.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel bei\u00a0<\/em><a href=\"http:\/\/www.laizquierdadiario.com\/Brexit-la-crisis-sin-fin\"><strong><em>Ideas de Izquierda<\/em><\/strong><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/brexit-die-endlose-krise\/\">klassegegenklasse.org&#8230;<\/a> vom 23. April 2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Claudia Cinatti. 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