{"id":5259,"date":"2019-04-24T09:43:55","date_gmt":"2019-04-24T07:43:55","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5259"},"modified":"2019-04-24T09:43:55","modified_gmt":"2019-04-24T07:43:55","slug":"die-geburt-des-streiks","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5259","title":{"rendered":"Die Geburt des Streiks"},"content":{"rendered":"<p><em>Dermot Feenan. <\/em><strong>Warum hei\u00dfen Streiks eigentlich \u201eStreiks\u201c? Die Antwort liegt in der Entstehung der Arbeiterinnenklasse in London vor 250 Jahren.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Im Mai vor 250 Jahren wurde das Wort \u201eStrike\u201c in die englische Sprache aufgenommen, um eine Form des kollektiven Arbeitsstopps zu beschreiben. Zum ersten Mal wurde es w\u00e4hrend der Londoner Streiks der Kohletr\u00e4gerinnen und Seeleute 1768 verwendet. Es bezieht sich auf die Handlung des Segel-Streichens (\u201eStriking\u201c), also das Entfernen der Toppsegel der Schiffe, was diese bewegungsunf\u00e4hig macht. Seitdem ist das Wort \u201eStreik!\u201c das symboltr\u00e4chtige Wort geworden, das Arbeiterinnenk\u00e4mpfe beschreibt\u00a0\u2013 von den Londoner Docks 1768 bis zur\u00a0<a href=\"https:\/\/www.jacobinmag.com\/2018\/03\/west-virginia-wildcat-strike-militancy-peia\">Hauptstadt West Virginias 2018.\u00a0<\/a>\u00a0Doch es war nat\u00fcrlich nicht das erste Mal, dass Arbeiterinnen in kollektivem Protest ihre Arbeit unterlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich waren die Kielm\u00e4nner (welche auf den \u201eKielen\u201c arbeiteten: Boote, die Kohle vom Ufer zu den Schiffen transportieren) aus der Grafschaft Tyne and Wear im Nordosten Englands seit Mitte des 17. Jahrhunderts, noch vor den Londoner Streiks 1768, mit ihren kollektiven Aktionen so effektiv gewesen, dass sie, wie\u00a0<a href=\"https:\/\/www.routledge.com\/Popular-Disturbances-in-England-1700-1832-2nd-Edition\/Stevenson\/p\/book\/9780582081017\">John Stevenson<\/a>bemerkte, \u201ezu den ersten Handwerkern geh\u00f6rten, die in einer urspr\u00fcnglichen Form der Gewerkschaft organisiert waren\u201c. Im Nordwesten Englands unterbrachen im Dezember 1762 Seeleute in Liverpool ihre Arbeit, um eine Lohnerh\u00f6hung zu fordern. Und 1765 unternahmen auch Kohleminenarbeiterinnen eine langwierige Arbeitsunterbrechung. April 1768 hinderten die Seeleute in Sunderland die Schiffe am Verlassen des Hafens, indem sie deren Rahe herunterholten (und somit die Segel strichen) \u2013 mit dem Ergebnis, dass die Besitzerinnen und Kapit\u00e4ne der Schiffe den Forderungen der Seeleute nach Lohnerh\u00f6hung nachgaben. Im Mai desselben Jahres sollten Seeleute auf der Themse diese Aktionen wiederholen. Die Neuigkeiten dieser Taktik im Nordosten erreichte die Londoner Kohletr\u00e4gerinnen und entlang der Bewegung war ein neues Wort geboren.<\/p>\n<p><strong>Die Kohletr\u00e4gerinnen<\/strong><\/p>\n<p>Londons rasantes Wachstum im 18. Jahrhundert erforderte enorme Mengen an Kohle, die mit Hilfe von Kohleschiffen aus den Minen Nordostenglands geliefert wurden. Die Kohle wurde von den Kohletr\u00e4gerinnen in Wapping und Shadwell am n\u00f6rdlichen Ufer der Themse ausgeladen. Es war eine m\u00fchsame, dreckige Arbeit, die von \u201eundertakers\u201c [Unternehmerinnen] kontrolliert wurde, Mittelm\u00e4nner, welche die Kohletr\u00e4gerinnen anstellten und auf Akkordbasis bezahlten. Viele von diesen Unternehmerinnen besa\u00dfen die lokalen Gasth\u00e4user und Tavernen und bezahlten die Tr\u00e4gerinnen in G\u00fctern, wie Essen und Trinken, neben dem \u201eSack\u201c oder dem \u201eFass\u201c an Kohle, welches einen Teil der Bezahlung ausmachte. Kohletragen war eine Arbeit, die durstig machte und aufgrund der damaligen schlechten Wasserqualit\u00e4t tranken die Arbeiterinnen eher Bier. Angesichts der Tatsache, dass die Gasth\u00e4user und Tavernen die einzig praktischen Orte zum Essen und Trinken in der Gegend waren, \u00fcbten die Unternehmerinnen auf das \u00dcberleben der Kohletr\u00e4gerinnen einen betr\u00e4chtlichen Einfluss aus.<\/p>\n<p>Die meisten Kohletr\u00e4gerinnen waren Irinnen. Einige waren nach den ersten Landunruhen im s\u00fcdlichen Irland 1762-63 emigriert. Andere waren\u00a0<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/archive\/connolly\/1910\/lih\/chap03.htm\">\u201eWhiteboys\u201c<\/a>, eine geheime Organisation, die zu gewaltt\u00e4tigen Mitteln griff, um die Interessen von Pachtb\u00e4uerinnen zu verteidigen. Doch wie\u00a0<a href=\"https:\/\/oro.open.ac.uk\/18901\/1\/pdf163.pdf\">David Featherstone<\/a>feststellt, ist es genauso gut m\u00f6glich, dass einige irische Migrantinnen einfach deren Methoden kopierten. Die Kohletr\u00e4gerinnen arbeiteten auf den Docks in Gruppen von ungef\u00e4hr 16 Personen. Die Grundz\u00fcge der kollektiven Organisation waren bereits vorhanden.<\/p>\n<p>1758 ersuchten sie erfolgreich die Hilfe des Parlaments, um das Monopol der Unternehmerinnen \u00fcber die Schippen zu brechen, die f\u00fcr ihre Arbeit notwendig waren. Vormals kontrollierten die Unternehmerinnen die Produktion dieser Schaufeln und liehen sie den Arbeiterinnen zu Wucherpreisen. Auf der anderen Seite wurde die Lohngesetzgebung, die 1758 eingef\u00fchrt worden war, ebenso schnell wieder umgangen. Der \u00f6rtliche Ratsherr William Beckford, der f\u00fcr die Umsetzung des Gesetzes verantwortlich war, besa\u00df riesige Zuckerplantagen, die auf Jamaika von Sklavinnen bestellt wurden. Er repr\u00e4sentierte die neue Klasse der Laissez-faire-Kapitalistinnen, die nicht dazu bereit waren, im Interesse der Arbeiterinnen zu intervenieren.<\/p>\n<p>Das Wachstum des Handels und der leichten Industrie im Londoner East End hatte zur Folge, dass \u00fcberall Konflikte wie diese an die Oberfl\u00e4che traten. Die Spitalfields Unruhen von 1765, w\u00e4hrend eines wirtschaftlichen Niedergangs der Webindustrie, organisierte Weberinnen um die Forderung, dass ihre L\u00f6hne nicht unter das zum \u00dcberleben notwendige Minimum fallen d\u00fcrften. Sie praktizierten eine illegale und nicht-offizielle Form der fr\u00fchen gewerkschaftlichen Organisierung. 1765 protestierten sie gegen den Import von franz\u00f6sischer Seide. Die Unruhen setzten sich bis 1767 fort. Im Jahr 1768 f\u00fchrte Nahrungsmittelknappheit zu weiteren Aufst\u00e4nden in ganz London. Im April desselben Jahres betraten Kohletr\u00e4gerinnen Schiffe und verwundeten eine Reihe von Streikbrecherinnen.<\/p>\n<p>Auf dem Land konzentrierten sich die Proteste auf die Unternehmerinnen, die ihre Gasth\u00e4user und Tavernen als Rekrutierungsbasen f\u00fcr Streikbrecherinnen genutzt hatten. Die Kohletr\u00e4gerinnen wandten sich auch an den \u00f6rtlichen Magistrat, Ralph Hodgson, um die Kontrolle der Kohleh\u00e4ndlerinnen und Unternehmerinnen \u00fcber die Arbeitszuteilung zu brechen. Hodgson sorgte f\u00fcr die Einrichtung einer Anstellungshalle, in der Schiffskapit\u00e4ne Kohletr\u00e4gerinnen anheuern konnten. Die Unternehmerinnen reagierten darauf, indem sie Arbeiterinnen von au\u00dferhalb anheuerten. Im April schossen Kohletr\u00e4gerinnen auf die Roundabout Taverne des Unternehmers John Green. Ein Kohleschipper und ein Schuhmacher wurden dabei get\u00f6tet. Am n\u00e4chsten Tag wehrte sich Green gegen einen erneuten Angriff und erschoss dabei einige der Angreiferinnen. Sieben Kohletr\u00e4gerinnen wurden festgenommen, verurteilt und geh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz setzten die Kohletr\u00e4gerinnen ihre Bem\u00fchungen f\u00fcr eine bessere Bezahlung fort. Im fr\u00fchen Mai unterbrachen sie ihre Arbeit, bis sie schriftliche Zusicherungen f\u00fcr eine Lohnerh\u00f6hung erhielten. Selbst die Pferde, mit denen die Kohle von den Stra\u00dfen des East End bis zum wohlhabenden West End transportiert wurden, nahmen sie mit und unterbrachen so die industrielle Versorgungskette. Im selben Monat breiteten sich die Proteste der Schipperinnen zu den Seeleuten aus.<\/p>\n<p><strong>Die Seeleute<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Ende des\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Siebenj%C3%A4hriger_Krieg\">Siebenj\u00e4hrigen Krieges<\/a>\u00a01763 gab es f\u00fcr Seeleute weniger Arbeit als zuvor und die Bezahlung variierte von Schiffsbesitzerin zu Schiffsbesitzerin. Im Mai 1768 versuchten die Seeleute sich einen \u00dcberblick \u00fcber die Bezahlung auf den verschiedenen Schiffen zu beschaffen, und bemerkten die Unterschiede. Sie erinnerten sich an die Seeleute in Sunderland, deren Lohnerh\u00f6hungen nicht nur durch \u201eStreichen\u201c der Segel erreicht wurde, sondern auch durch Demonstrationen vor den B\u00e4ckereien und Metzgereien, deren Waren sie sich jetzt nicht mehr leisten konnten. Das Vorbild kollektiver Aktion war da. Bald schon verschafften sich die Seeleute Londons gewaltsam Zugriff auf die Schiffe, rafften die Segel (sie \u201estrichen\u201c sie) und drohten damit, dass kein Schiff ablegen w\u00fcrde, bis sie nicht eine Lohnerh\u00f6hung erhalten hatten.<\/p>\n<p>Die Seeleute richteten sich an das Parlament und den Oberb\u00fcrgermeister, um eine Lohnerh\u00f6hung zu erreichen. Am 11. Mai demonstrierten 14.000 in einem Marsch auf Westminster. Wie\u00a0<a href=\"https:\/\/open.library.ubc.ca\/cIRcle\/collections\/ubctheses\/831\/items\/1.0101807\">Walter Shelton<\/a>\u00a0berichtete, waren sie dazu in der Lage \u201eF\u00e4hrleute, Ewerf\u00fchrer, Ballastleute, Ballasttr\u00e4ger, Kohletr\u00e4ger etc. dazu zu bringen, ihre Pflicht zu verletzen und nicht zur Arbeit zu gehen, bis unsere L\u00f6hne gekl\u00e4rt sind.\u201c In der zweiten Maiwoche fuhren mehrere Boote mit Kohletr\u00e4gerinnen und Seeleuten am Parlament vorbei, legten westlich von den Parlamentsgeb\u00e4uden an und dr\u00e4ngten andere Arbeiterinnen an den Kaianlagen dazu, sich ihrem Protest anzuschlie\u00dfen. W\u00e4hrend sie mehrere Kilometer zur\u00fcckmarschierten, schlossen sich ihnen weitere Arbeiterinnen an, bis sie Stepney Fields erreichten \u2013 offenes Land n\u00f6rdlich von Wapping \u2013 wo sie sich mit einer \u201egewaltigen\u201c Anzahl weiterer Kohletr\u00e4gerinnen und Seeleute zusammenfanden. Innerhalb weniger Wochen bracht der gesamte Handel auf der Themse zusammen \u2013 eine wichtige Ader des Seehandels f\u00fcr das Empire, die fast ein Drittel des britischen Handels ausmachte. Andere Arbeiterinnen, wie F\u00e4hrleute und Fahrerinnen, schlossen sich ihnen an oder drohten mit Streiks<\/p>\n<p><strong>Gegen den Handel und die Krone<\/strong><\/p>\n<p>Die Unternehmerinnen h\u00f6rten jedoch nicht auf damit, Streikbrecherinnen aus Tyneside nach London zu bringen, um so die Allianz zwischen Kohletr\u00e4gerinnen und Seeleuten zu untergraben. Anfang Mai wurde die Forderung der Seeleute nach einer Lohnerh\u00f6hung abgelehnt. Die Regierung sandte Marineschiffe zu den Docks. Der Konflikt eskalierte. W\u00e4hrend Streikbrecherinnen die Schiffe entluden, kam es zum Aufstand, bei dem ein Seemann t\u00f6dlich verwundet wurde. Die Antwort war heftig.<\/p>\n<p>Neun Kohletr\u00e4gerinnen wurden des Mordes am Seemann beschuldigt. Zwei wurden in Tyburn geh\u00e4ngt, einem traditionellen Hinrichtungsort. Sechs andere wurden in den Sun Tavern Fields geh\u00e4ngt \u2013 nicht weit entfernt von Wohnorten und Arbeitspl\u00e4tzen der Kohletr\u00e4gerinnen. 50.000 Menschen kamen zur Hinrichtung und hunderte Polizisten und Truppen waren im Einsatz. Die Truppen blieben bis September in der Gegend stationiert. Die Hinrichtungen brachen die Entschlossenheit der Kohletr\u00e4gerinnen, doch der zugrundeliegende Widerstand gegen den Handel und die Krone, der von ihnen zur Schau gestellt wurde, wurde nicht vergessen und war Signalgeber f\u00fcr zuk\u00fcnftige Proteste.<\/p>\n<p><strong>Ein weitreichendes Verm\u00e4chtnis<\/strong><\/p>\n<p>Nur wenige Tage nachdem die Seeleute alle Schiffe auf der Themse am Ablegen gehindert hatten, finden wir das erste Beispiel in der Presse, bei dem andere Arbeiterinnen \u2013 in diesem Fall Hutmacherinnen \u2013 f\u00fcr eine Lohnerh\u00f6hung \u201estreikten\u201c (St. James\u2019s Chronicle and The British Evening-Post, 7. \u2013 10. Mai 1768). Es ist wahrscheinlich, dass der technische Begriff des Segel-\u201eStreichens\u201c \u2013 welcher den Seeleuten von Tyneside eine Lohnerh\u00f6hung gesichert hatte \u2013 sich schnell von den Docks aus verbreitete: ans Ufer und dann zur arbeitenden Bev\u00f6lkerung Londons, die mehr und mehr unter den gleichen hohen Nahrungsmittelpreisen litt. Es scheint als sei im Fr\u00fchling 1768 ein neuer Begriff f\u00fcr die kollektive Aktion der Arbeiterinnen gefunden worden.<\/p>\n<p>Streiks von Seeleuten sollten darauffolgend auf beiden Seiten des Atlantiks vermehrt vorkommen und andere Arbeiterinnen inspirieren. So traten 1775 die Schiffsbauerinnen in Portsmouth in den Streik, damals die gr\u00f6\u00dfte Schiffswerft in Gro\u00dfbritannien. In den Vereinigten Staaten organisierte die Federal Society of Journeymen Cordwainers in Philadelphia regelm\u00e4\u00dfige \u201eturnouts\u201c [w\u00f6rtlich Vertreibung, gemeint ist hier das kollektive Verlassen des Arbeitsplatzes], die darauf abzielten die L\u00f6hne der Schuhmacherinnen zu sch\u00fctzen. Man geht davon aus, dass im fr\u00fchen 19. Jahrhundert ihre Aktionen in einem Protest kulminierten, f\u00fcr den man damals in den USA das erste Mal das Verb \u201estreiken\u201c benutzte.<\/p>\n<p>Die Streiks in London, trotz der gewaltsamen Konfrontationen zwischen Kohletr\u00e4gerinnen und streikbrechenden Seeleuten, zeigten allen beteiligten Arbeiterinnen ein\u00a0<a href=\"http:\/\/www.cambridge.org\/gb\/academic\/subjects\/history\/british-history-after-1450\/london-lives-poverty-crime-and-making-modern-city-16901800?localeText=United+Kingdom&amp;locale=en_GB&amp;query=&amp;remember_me=on#ISDBM28HEQHar6Qq.97\">\u201ebeispielloses Ma\u00df an Solidarit\u00e4t\u201c<\/a>. Der Streik stellte einen deutlichen Schritt in der Entwicklung des Potenzials wohlgesonnener Arbeiterinnenaktionen dar. Leider wurde dieses Potenzial etwas getr\u00fcbt, als die Seeleute ihre Lohnerh\u00f6hung erk\u00e4mpften und zur Arbeit zur\u00fcckkehrten, wodurch sie die noch immer k\u00e4mpfenden Kohletr\u00e4gerinnen h\u00e4ngen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen der aufst\u00e4ndischen Versammlung war f\u00fcr das Hannoverische England nichts Neues. Es fand Verbreitung zu einer Zeit als George III. reaktion\u00e4rer wurde und die Aristokratie, die neuen Landbesitzerinnen und die H\u00e4ndlerinnen das Parlament beherrschten, w\u00e4hrend sie zugleich die Bed\u00fcrfnisse des Gro\u00dfteils der Bev\u00f6lkerung ignorierten.<\/p>\n<p>Die Antwort der herrschenden Klasse auf diese Aufst\u00e4nde waren aufsehenerregende Hinrichtungen, gesetzliche Verfolgung von Aufst\u00e4ndischen und milit\u00e4rische Repression, um die armen Menschen Londons in eine gef\u00fcgige industrielle Arbeiterinnenklasse zu verwandeln. Diese Mittel verschwanden nie vollkommen \u2013 wie sich im\u00a0<a href=\"https:\/\/timeline.com\/the-battle-of-orgreave-was-the-bloody-last-stand-of-the-white-british-workers-660d0d4fc490?gi=460a44503f0b\">\u201eBattle of Orgreave\u201c<\/a>\u00a0zeigte, wo im Gro\u00dfbritannien der 1980er Jahre schlagstockschwingende und berittene Polizistinnen auf streikende Minenarbeiterinnen losgingen.<\/p>\n<p>Die Streiks in London 1768 haben \u00c4hnlichkeiten mit einer ganzen Bandbreite von Arbeitsk\u00e4mpfen heute. Doch auch die besonderen Aspekte der Streiks m\u00fcssen anerkannt werden. Dazu geh\u00f6rt die entscheidende Rolle, die irische Kohletr\u00e4gerinnen in den K\u00e4mpfen spielten. Sie lie\u00dfen sich von den Aktionen der Whiteboys in Irland inspirieren, um kollektive Formen des Widerstands in einer wichtigen Ader des Empire durchzuf\u00fchren. Dieser Widerstand provozierte, in Kombination mit gr\u00f6\u00dferen Kr\u00e4ften, bei der Krone existenzielle \u00c4ngste. St\u00e4rker werdende Interessen des Handels, jakobinische Rebellionen in der ersten H\u00e4lfte des Jahrhunderts und heranwachsende republikanische Grundhaltungen in der Neuen Welt sorgten daf\u00fcr, dass die K\u00e4mpfe der Kohletr\u00e4gerinnen f\u00fcr die herrschende Klasse besonders bedrohlich erschienen. Dies f\u00fchrte zur einer entschlossenen Unterdr\u00fcckung politischer Meinungsverschiedenheiten und zur Disziplinierung einer neuen und anwachsenden Bev\u00f6lkerung von beweglichen und m\u00f6glicherweise widerspenstigen Arbeiterinnen.<\/p>\n<p>Es sollte mehr als 120 Jahre dauern, bis der\u00a0<a href=\"https:\/\/direkteaktion.org\/188-der-londoner-hafenstreik-von-1889\/\">Londoner Hafenstreik von 1889<\/a>\u00a0durch koordinierte F\u00fchrung weitreichende Ergebnisse mit sich bringen sollte. Der von den Aktivisten Ben Tillett und John Burns angef\u00fchrte Streik markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung Gro\u00dfbritanniens. Sie arrangierten einen gewaltigen kollektiven Arbeitsstopp durch eine neue Gewerkschaft und warben f\u00fcr ein klares Ziel: die Zahlung des\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sixpence\">\u201eTanners\u201c<\/a>\u00a0der Hafenarbeiterinnen.<\/p>\n<p>Der Erfolg des Londoner Hafenstreiks gab den Arbeiterinnen neues Selbstvertrauen sich zu organisieren und kollektive Aktionen im ganzen Land durchzuf\u00fchren, insbesondere den unausgebildeten Arbeiterinnen. In diesem Sinne spielte der Streik von 1889 eine entscheidende Rolle f\u00fcr die britische Arbeiterinnenbewegung. Aber auch die Kohletr\u00e4gerinnen und Seeleute von 1768 waren Vorreiterinnen. Bevor der \u201eStreik\u201c zum Kampfschrei der Gewerkschaften wurde und bevor Arbeiterinnensolidarit\u00e4t in eine, wie E. P. Thompson argumentierte, identifizierbare Arbeiterinnenklasse transformiert wurde, hinterlie\u00dfen diese Arbeiterinnen des 18. Jahrhunderts ihre Spuren in der Geschichte der Arbeiterinnenbewegung.<\/p>\n<p><em>Dieser Text erschien\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.jacobinmag.com\/2018\/05\/strikes-history-london-sailors-coal-heavers\"><em>zuerst auf Englisch<\/em><\/a><em>\u00a0bei unserem Kooperationspartner\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/adamag.de\/ada\/jacobin\"><em>Jacobin-Magazine<\/em><\/a><em>. \u00dcbersetzung von Johannes Liess<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/adamag.de\/streik-geschichte-london-kohle\"><em>adamag.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 24. April 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dermot Feenan. Warum hei\u00dfen Streiks eigentlich \u201eStreiks\u201c? 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