{"id":5285,"date":"2019-05-02T08:01:28","date_gmt":"2019-05-02T06:01:28","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5285"},"modified":"2019-05-02T08:01:28","modified_gmt":"2019-05-02T06:01:28","slug":"venezuela-guaidos-militaerputsch-gescheitert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5285","title":{"rendered":"Venezuela: Guaid\u00f3s Milit\u00e4rputsch gescheitert"},"content":{"rendered":"<p><em>Bill Van Auken. <\/em>Am Dienstagmorgen begann in Venezuela ein Putschversuch, der bis zum Einbruch der Nacht offenbar kl\u00e4glich gescheitert ist. Der Putsch zeichnete sich vor allem durch die unverhohlene<!--more--> und verbrecherische R\u00fcckendeckung der US-Regierung aus, die ihn im Wesentlichen orchestriert hatte.<\/p>\n<p>Der Putschversuch begann mit der Ver\u00f6ffentlichung eines Videos, in dem Juan Guaid\u00f3, eine rechte Marionette der USA, zusammen mit einigen Dutzend M\u00e4nnern in Milit\u00e4runiformen vor dem Luftwaffenst\u00fctzpunkt La Carlota in Caracas zu sehen ist und das Milit\u00e4r auffordert, sich zu erheben und die Regierung von Pr\u00e4sident Nicol\u00e1s Maduro zu st\u00fcrzen. Es kam zwar zu gewaltsamen Zusammenst\u00f6\u00dfen und rivalisierenden Demonstrationen von Maduros Anh\u00e4ngern und Gegnern, doch der Aufruf provozierte keine nennenswerte Milit\u00e4rrevolte.<\/p>\n<p>Vor etwas mehr als drei Monaten, am 23. Januar, hatte sich Guaid\u00f3 selbst zum \u201eInterimspr\u00e4sidenten\u201c des Landes ernannt. Dieser Schritt war direkt mit Washington abgesprochen, und wurde sofort von den USA unterst\u00fctzt. Der Putschversuch am Dienstag fand vor dem Hintergrund des schwindenden R\u00fcckhalts der rechten Opposition statt, die als politische Basis f\u00fcr die Regimewechsel-Operation der USA dient.<\/p>\n<p>Bis Dienstagabend konnte die Opposition keine einzige Milit\u00e4rbasis einnehmen, und kein wichtiger Angeh\u00f6riger der venezolanischen Streitkr\u00e4fte hatte seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr Guaid\u00f3 erkl\u00e4rt. Obwohl der \u201eInterimspr\u00e4sident\u201c den Luftwaffenst\u00fctzpunkt La Carlota als Kulisse f\u00fcr sein Video ausgew\u00e4hlt hat, deutet nichts darauf hin, dass dort stationierte Milit\u00e4rangeh\u00f6rige seine Provokation unterst\u00fctzt h\u00e4tten. Der Ort wurde vielmehr ausgew\u00e4hlt, weil er sich in der N\u00e4he der reichsten Stadtviertel im Osten von Caracas befindet, der traditionellen Basis der rechten Opposition.<\/p>\n<p>Die bedeutsamste Entwicklung bei der Initiierung der \u201eOperacion Libertad\u201c (Operation Freiheit), wie Guaid\u00f3 sie nannte, war die Anwesenheit von Leopoldo L\u00f3pez. L\u00f3pez ist der Vorsitzende der rechtsextremen Partei Voluntad Popular (Volkswille), der auch Guaid\u00f3 angeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>L\u00f3pez stammt aus einer der vornehmsten Familien Venezuelas und stand unter Hausarrest, seit er 2017 f\u00fcr schuldig befunden wurde, im Jahr 2014 die gewaltsame Kampagne \u201eLa Salida\u201c (Ausgang) organisiert zu haben, um die Maduro-Regierung zu st\u00fcrzen. Im Jahr 2002 war er einer der F\u00fchrer des gescheiterten, von der CIA unterst\u00fctzten Putschversuchs gegen den damaligen Pr\u00e4sidenten Hugo Chavez.<\/p>\n<p>Guaid\u00f3 war in Venezuela nahezu unbekannt, bevor er sich im Januar selbst zum \u201eInterimspr\u00e4sidenten\u201c ernannte. Wenn Maduro gest\u00fcrzt werden w\u00fcrde, ginge die Regierungsgewalt zwar offiziell an Guaid\u00f3 \u00fcber, aber in Wirklichkeit w\u00fcrde der ultrareaktion\u00e4re L\u00f3pez, ein langj\u00e4hriger CIA-Mann, die Macht aus\u00fcben.<\/p>\n<p>Am Dienstagnachmittag jedoch beantragten L\u00f3pez und seine Familie Asyl in der chilenischen Botschaft in Caracas. Gleichzeitig fl\u00fcchteten sich 25 Angeh\u00f6rige des venezolanischen Milit\u00e4rs, die sich Guaid\u00f3s Putschversuch angeschlossen hatten, in die brasilianische Botschaft.<\/p>\n<p>Dutzende venezolanische Soldaten erkl\u00e4rten gegen\u00fcber den Medien, man habe sie ausgetrickst, um an der Provokation vor dem Luftwaffenst\u00fctzpunkt La Carlota teilzunehmen. Man habe sie um drei Uhr morgens geweckt und ihnen befohlen, ihre Gewehre zu nehmen und auf einer wichtigen Veranstaltung zu erscheinen, wo ihnen Orden verliehen werden sollten.<\/p>\n<p>Die oberste F\u00fchrungsriege der US-Regierung reagierte auf Guaid\u00f3s Vorsto\u00df am Dienstagmorgen mit einem Sturm von Twitter-Nachrichten, in denen sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Putsch erkl\u00e4rten.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Trump twitterte: \u201eIch beobachte die Lage in Venezuela sehr aufmerksam. Die USA sind auf der Seite der venezolanischen Bev\u00f6lkerung und deren Freiheit!\u201c<\/p>\n<p>US-Au\u00dfenminister Mike Pompeo twitterte, die USA w\u00fcrden die Proteste \u201euneingeschr\u00e4nkt unterst\u00fctzen\u201c. Vizepr\u00e4sident Mike Pence twitterte einen Gru\u00df an \u201ealle freiheitsliebenden Menschen in Venezuela, die heute an #operacionlibertad teilnehmen: Estamos con ustedes! Wir stehen euch bei! Amerika wird euch beistehen, bis Freiheit und Demokratie wiederhergestellt sind.\u201c<\/p>\n<p>Auch mehrere rechte Regierungen in Lateinamerika \u2013 darunter Jair Bolsonaro in Brasilien, Iv\u00e1n Duque in Kolumbien und Mauricio Macri in Argentinien \u2013 erkl\u00e4rten ihre begeisterte Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Putschversuch.<\/p>\n<p>Doch am Dienstagnachmittag gab der brasilianische Minister f\u00fcr institutionelle Sicherheit, Augusto Heleno, ein ehemaliger General, eine ehrliche Einsch\u00e4tzung der Ereignisse. Er schrieb, es habe zwar \u201eeine gewisse Unterst\u00fctzung der Streitkr\u00e4fte gegeben &#8230; aber nicht in den h\u00f6heren Ebenen\u201c. Weiter erkl\u00e4rte er, Brasilien sehe \u201ekurzfristig\u201c keine L\u00f6sung f\u00fcr die Krise in Venezuela.<\/p>\n<p>Ein klares Anzeichen daf\u00fcr, dass Washington bei dem gescheiterten Putschversuch die F\u00e4den gezogen hat, war ein Treffen zwischen Pompeo und dem brasilianischen Au\u00dfenminister Ernesto Ara\u00fajo am Montag in Washington. Das Regime des rechtsextremen brasilianischen Pr\u00e4sidenten Bolsonaro ist der st\u00e4rkste lateinamerikanische Verb\u00fcndete der USA bei der Regimewechsel-Operation in Venezuela. Das US-Au\u00dfenministerium erkl\u00e4rte in einer Pressemitteilung, die beiden h\u00e4tten \u00fcber die \u201eVerteidigung der Menschenrechte und der Demokratie in Venezuela\u201c diskutiert. Am Dienstagmorgen vor Beginn des Putschversuchs hatte Ara\u00fajo erkl\u00e4rt, es sei \u201epositiv, dass es im Milit\u00e4r eine Bewegung gibt, die Juan Guaid\u00f3 als rechtm\u00e4\u00dfigen Pr\u00e4sidenten anerkennt\u201c.<\/p>\n<p>Die Reaktion Washingtons auf das Scheitern des Putsches in Venezuela kam von Trumps rechtem Sicherheitsberater, John Bolton. Auf einer Pressekonferenz vor dem Wei\u00dfen Haus bezeichnete er die Lage am Dienstagnachmittag als \u201esehr schwierig\u201c und betonte allen gegenteiligen Beweisen zum Trotz, die Ereignisse in Venezuela seien \u201eeindeutig kein Putsch\u201c.<\/p>\n<p>Seltsamerweise erw\u00e4hnte er dreimal die Namen von drei hochrangigen venezolanischen Regierungsvertretern, die angeblich \u201eversprochen haben, eine friedliche Macht\u00fcbergabe\u201c an die US-Marionette Guaid\u00f3 durchzusetzen. Er betonte, sie m\u00fcssten \u201eheute Nachmittag oder am Abend aktiv werden, um weitere Streitkr\u00e4fte auf die Seite des Interimspr\u00e4sidenten zu bringen\u201c.<\/p>\n<p>Die erste der drei genannten Personen war der venezolanische Verteidigungsminister Vladimir Padrino. Im Laufe des Tages erkl\u00e4rte Padrino jedoch vor einer Versammlung von Offizieren, Guaid\u00f3s Vorgehen sei ein \u201efeiger terroristischer Akt und ein Putschversuch von sehr kleinem Ausma\u00df\u201c gewesen. Weiter erkl\u00e4rte er, dass \u201e80 Prozent der Soldaten, die auf diesen Aufruf reagierten, ausgetrickst wurden &#8230; Wir machen die faschistische, unpatriotische F\u00fchrung f\u00fcr jegliches Blutvergie\u00dfen verantwortlich.\u201c<\/p>\n<p>Bolton nannte au\u00dferdem den Vorsitzenden des venezolanischen Obersten Gerichtshof (TSJ), Maikel Moreno. Im Laufe des Tages ver\u00f6ffentlichte der TSJ eine Erkl\u00e4rung, in der er den \u201ePutschversuch gegen die Verfassung und die Gesetze Venezuelas durch eine Gruppe von \u00dcberl\u00e4ufern aus dem Milit\u00e4r und Elementen der nationalen politischen Rechten\u201c verurteilte.<\/p>\n<p>Die dritte Person war der Kommandant der Pr\u00e4sidentengarde, Iv\u00e1n Rafael Hernandez Dala. Dieser befand sich noch im Pr\u00e4sidentenpalast Miraflores, der von Tausenden von Demonstranten, die den Putschversuch ablehnten, umstellt wurde.<\/p>\n<p>Bolton schrieb in einem Tweet, f\u00fcr die drei M\u00e4nner sei es die \u201eletzte Chance\u201c, von US-Sanktionen verschont zu werden; andernfalls w\u00fcrden sie \u201emit dem Schiff untergehen\u201c. Er deutete au\u00dferdem an, sie seien von Kuba und Russland daran gehindert worden, ihre \u201eVersprechen\u201c zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Bolton erkl\u00e4rte: \u201eWir glauben, die Kubaner waren heute eine wichtige St\u00fctze f\u00fcr Maduro, vermutlich haben ihm auch die Russen geholfen.\u201c<\/p>\n<p>Au\u00dfenminister Mike Pompeo behauptete, Maduro sei am Dienstag kurz davor gewesen, nach Havanna zu fliehen, und sei lediglich von den Russen umgestimmt worden. Diese Behauptung wurde von den etablierten US-Medien \u00fcbernommen und als Fakt hingestellt.<\/p>\n<p>Bolton wiederholte die unabl\u00e4ssige Drohung der Trump-Regierung: \u201eIch sage nochmals, wie es bereits der Pr\u00e4sident von Anfang an gesagt hat \u2013 alle Optionen liegen auf dem Tisch. Nicol\u00e1s Maduro und seine Unterst\u00fctzer \u2013 vor allem diejenigen, die keine Venezolaner sind \u2013 sollten das wissen.\u201c<\/p>\n<p>Trump selbst versch\u00e4rfte die Drohungen der USA gegen Kuba und drohte mit einem \u201evollst\u00e4ndigen Embargo\u201c gegen die Insel.<\/p>\n<p>Washingtons Regimewechsel-Operation soll nicht nur den US-Energiekonzernen die ungehinderte Ausbeutung der venezolanischen \u00d6lreserven \u2013 die gr\u00f6\u00dften auf der ganzen Welt \u2013 erm\u00f6glichen, sondern auch die Hegemonie der USA \u00fcber ganz Lateinamerika wiederherstellen und den wachsenden Einfluss anderer M\u00e4chte zur\u00fcckdr\u00e4ngen. Letzteres richtet sich vor allem gegen China, die wichtigste Quelle f\u00fcr Investitionen in Lateinamerika, aber genauso gegen Russland.<\/p>\n<p>Die Drohung, \u201ealle Optionen liegen auf dem Tisch\u201c, richtet sich nicht nur gegen die Maduro-Regierung in Caracas, sondern auch gegen die atomar bewaffneten Rivalen des US-Imperialismus.<\/p>\n<p>Was die Pl\u00e4ne der USA in Venezuela angeht, so gab es zuvor einen Hinweis auf eine gewaltsame Eskalation der Lage. Erik Prince, Milliard\u00e4r und Chef des Milit\u00e4runternehmens Academi (fr\u00fcher Blackwater) sowie Bruder von Trumps Bildungsministerin Betsy DeVos, hatte einen Plan aufgestellt, 5.000 S\u00f6ldner, rekrutiert aus ehemaligen lateinamerikanischen Soldaten, nach Venezuela zu entsenden, um Guaid\u00f3s Putschversuch zu verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Der Putschversuch am Dienstag ist zwar gescheitert, doch die ungeheure Gefahr f\u00fcr die venezolanische Arbeiterklasse bleibt. Sie darf sich nicht auf die Maduro-Regierung verlassen, die f\u00fcr eine bestimmte Fraktion in der Finanz- und Wirtschaftselite Venezuelas spricht. Sie st\u00fctzt sich vor allem auf das venezolanische Milit\u00e4r und hat R\u00fcckhalt in der so genannten\u00a0<em>Boliburguesia<\/em>, einer Schicht aus korrupten Funktion\u00e4ren und Kapitalisten, die sich durch Finanzspekulationen und Regierungsauftr\u00e4ge bereichert haben.<\/p>\n<p>Diese Schichten sind alles andere als immun gegen\u00fcber dem immensen Druck, den der US-Imperialismus auf Caracas aus\u00fcbt.<\/p>\n<p>Sollte der so genannte \u201edemokratische \u00dcbergang\u201c, den Washington propagiert, erfolgreich sein, wird ein rechtsextremes US-Marionettenregime an die Macht kommen und die Arbeiterklasse im Interesse der \u00d6lkonzerne und des internationalen Finanzkapitals r\u00fccksichtslos und blutig unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Die Arbeiter in den USA m\u00fcssen Widerstand gegen die US-Intervention leisten und die \u201edemokratischen\u201c Scheinargumente von Trump, Pence, Pompeo und Bolton mit der ihnen geb\u00fchrenden Verachtung zur\u00fcckweisen. Mit Maduro und seiner korrupten kapitalistischen Elite abzurechnen, ist die Aufgabe der venezolanischen Arbeiterklasse, nicht des amerikanischen Milit\u00e4r- und Geheimdienstapparats und seiner rechten Marionetten.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/05\/02\/vene-m02.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 2. Mai 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bill Van Auken. Am Dienstagmorgen begann in Venezuela ein Putschversuch, der bis zum Einbruch der Nacht offenbar kl\u00e4glich gescheitert ist. 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