{"id":5335,"date":"2019-05-14T16:27:19","date_gmt":"2019-05-14T14:27:19","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5335"},"modified":"2019-05-14T16:27:19","modified_gmt":"2019-05-14T14:27:19","slug":"lasst-uns-von-hier-verschwinden-aufstand-und-aufbruch-im-maghreb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5335","title":{"rendered":"Lasst uns von hier verschwinden. Aufstand und Aufbruch im Maghreb"},"content":{"rendered":"<p><em>Samantha. <\/em>Die Revolution von 2011 hat nichts gebracht, es ist seitdem sogar noch schlimmer geworden. Ihr Verlauf hat nur gezeigt, dass wirkliche Ver\u00e4nderungen nicht m\u00f6glich sind, dass dieselben oder andere<!--more--> Eliten sich wieder die Macht sichern, dass die Menschen nicht weit genug gegangen sind und demokratische Wahlen einen wirklichen Umbruch verhindert haben. Dass es keine echten Perspektiven f\u00fcr ein gutes Leben in Tunesien gibt. Sieben Jahre nach der Arabellion sind 35% der Jugend in Tunesien arbeitslos, in Marokko oder Algerien sieht es diesbez\u00fcglich nicht besser aus. Im S\u00fcden, auf dem Land oder in den Vororten Tunesiens hat sowieso niemand eine Chance. Selbst mit Uni-Abschluss kann man es vergessen. Vor allem junge M\u00e4nner schmei\u00dfen fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Schule hin, man kann damit eh nichts anfangen. Nichtstun, rumh\u00e4ngen, Drogen, und als Alternative zum IS.<\/p>\n<p>Oder nach Europa. Die M\u00e4nner aus Tunesien und Marokko, die derzeit die Boote nach Europa besteigen, sind jung und oft noch Teenager. Sie waren w\u00e4hrend der Revolution 2011 noch Kinder und erinnern sich teilweise nicht einmal an diese Zeit. Ihre Eltern arbeiten sich tot f\u00fcr einen Hungerlohn, f\u00fcr die Kids gibt es nichts zu tun, nichts zu essen, es gibt f\u00fcr sie keine Hoffnung mehr auf Ver\u00e4nderung.<\/p>\n<p>Seit 2017 nehmen die \u00dcberfahrten von Menschen aus dem Maghreb, aus Algerien, Tunesien und Marokko, wieder deutlich zu. Mit kleinen Booten \u201cmachen sie nach Europa r\u00fcber\u201d: Von Marokko nach Spanien, von Tunesien nach Sizilien, Lampedusa und Sardinien. In Italien machen die Ankommenden aus Tunesien nach denen aus Eritrea inzwischen die zweitgr\u00f6\u00dfte Gruppe aus. 5.700 Tunesier*innen haben im vergangenen Jahr laut Regierung versucht, \u00fcber den Seeweg nach Italien zu gelangen. Aktuell bricht vor allem die Zahl der \u00dcberfahrten von Marokko nach Spanien alle Rekorde, sie haben sich im Vergleich zum vergangenen Jahr verdreifacht. Die Ank\u00fcnfte von 1.000 Menschen in Spanien an einem einzigen Wochenende werden in den kommenden Monaten keine Einzelf\u00e4lle bleiben. Marokko hat nach eigenen Angaben bis Ende August 54.000 Menschen von der Flucht nach Europa abgehalten. In Spanien stellt der Maghreb mit Marokko und Algerien als Herkunftsl\u00e4nder inzwischen die H\u00e4lfte aller Ankommenden, die andere H\u00e4lfte stammt aus den L\u00e4ndern Subsahara-Afrikas. Letztere sind aufgrund der steigenden rassistischen Verfolgung und staatlichen Repression in Nordafrika sowie der geschlossenen Fluchtrouten \u00fcber Land und nun auch von Libyen \u00fcbers Mittelmeer ebenfalls verst\u00e4rkt \u00fcber Marokko unterwegs.<\/p>\n<p>In der EU gibt es f\u00fcr Menschen aus dem Maghreb so gut wie keine Chance auf einen Aufenthaltstitel. Algerien, Marokko und Tunesien sollen nach dem Willen der Bundesregierung zudem m\u00f6glichst bald zu \u201csicheren Herkunftsstaaten\u201d erkl\u00e4rt werden, um leichter dorthin abzuschieben. Die Ereignisse der K\u00f6lner Silvesternacht und der Anschlag vom Berliner Breitscheidplatz dienten als erste willkommene Anl\u00e4sse. Das Gesetz sieht die Abfertigung im Eilverfahren vor. Damit steigt der Druck, die generelle Annahme pers\u00f6nlich zu widerlegen, gegen die Person liege keine \u201cVerfolgungsgefahr\u201d vor. Das hei\u00dft perspektivisch dauerhafte Lagerunterbringung und Arbeitsverbot, also der Verbleib in den als \u201eAnkerzentren\u201c umbenannten Lagern bis zur Abschiebung. Zudem arbeiten Bundesregierung und EU an R\u00fccknahmeabkommen mit den Maghreb-Staaten, um Abschiebungen von Menschen aus Drittstaaten zu vereinfachen. Bilaterale Abkommen gibt es l\u00e4ngst: So sollen Vollj\u00e4hrige mit tunesischem Pass nach sieben Tagen freiwillig aus Italien verschwinden. Bleiben sie, m\u00fcssen sie sich ohne Papiere durchschlagen. Tunesien hat allein in diesem Jahr bislang zudem rund 6.000 Menschen von der \u00dcberfahrt nach Italien abgehalten.<\/p>\n<p>Die jungen M\u00e4nner kratzt das alles wenig. Sie leben auf der Stra\u00dfe und schlagen sich von Stadt zu Stadt und von Land zu Land durch. In Deutschland oder anderen L\u00e4ndern Europas geht es ihnen bis zur Vollj\u00e4hrigkeit ziemlich gut. Jedenfalls besser als Zuhause. Mit 200,- \u20ac l\u00e4sst es sich irgendwie \u00fcberleben, und um mehr geht es ja auch gar nicht. Drogen zu verticken ist f\u00fcr viele Jugendliche eine gute Einnahmequelle. Dass sie t\u00e4glich von der Polizei von den Pl\u00e4tzen der Stadt verjagt und zur\u00fcck in die Unterk\u00fcnfte gebracht werden, ist notwendiges \u00dcbel und geh\u00f6rt zum neuen Leben dazu. Selbst drauf zu sein hilft, das Elend besser zu ertragen, und was mit ihnen dann sein wird, wenn sie 18 Jahre alt werden, ist jetzt doch egal.<\/p>\n<p><strong>Tunesien: Die Toten von Kerkennah<\/strong><\/p>\n<p>Vor der gef\u00e4hrlichen \u00dcberfahrt haben die jungen M\u00e4nner in Tunesien keine Angst, sie haben eh nichts zu verlieren. Ob sie auf der Fahrt krepieren oder zuhause, ist gleichg\u00fcltig. Die tunesische K\u00fcstenwache f\u00e4ngt inzwischen fast jede Nacht Boote ab, viele starten vom S\u00fcden, von Sfax und von den Kerkennah-Inseln. Mit kleinen Booten geht es dann zu dem gr\u00f6\u00dferen Schiff, das vor der K\u00fcste ankert. Damit geht es los Richtung Italien. Die tunesische Polizei auf den Kerkennah-Inseln ist seit heftigen Unruhen vor zwei Jahren l\u00e4ngst nicht mehr in der Lage, s\u00e4mtliche Abfahrten zu verhindern.<\/p>\n<p>Allein in der Nacht des 24. Mai 2018 wurden dort 128 Menschen auf einem Boot verhaftet, 103 davon waren junge Tunesier. Das 12 Meter lange Schiff war eigentlich f\u00fcr 30 Personen ausgelegt. Die Insassen wehrten sich zun\u00e4chst gegen die Einheiten der K\u00fcstenwache, wurden dann aber nach Sfax zum Hauptst\u00fctzpunkt gezwungen. Nur eine Woche sp\u00e4ter, am 2. Juni, ertranken genau dort \u00fcber einhundert Menschen: 180 Insassen sollen innerhalb weniger Minuten \u00fcber Bord gegangen sein, als ihr Holzboot voll Wasser lief, 68 Tote wurden geborgen.<\/p>\n<p>Das vorl\u00e4ufig letzte Ungl\u00fcck hat die Regierung in Bedr\u00e4ngnis gebracht. Ihre Reaktion folgte nach altbew\u00e4hrtem Muster: Einige K\u00f6pfe mussten rollen. Der tunesische Innenminister und zahlreiche hohe Sicherheitsbeamte wurden entlassen, und den Schleppern wurde der Kampf angesagt.<\/p>\n<p>Nicht nur in der Stadt El Hamma bei Gabes, aus der sieben der Opfer stammen, kam es zu Demonstrationen. Durch die Stra\u00dfen der Stadt hallte es, \u201cdas Volk will den Fall der Regierung\u201d, \u201cdas Volk will Ennahdha wieder\u201d oder \u201cM\u00f6rder unserer Kinder, Diebe unseres Landes\u201d, \u201cEssebsi, deine Zeit ist vorbei!\u201c Auch in Tataouine kam es zu Demonstrationen, bei der vor allem junge Menschen ihre Wut zum Ausdruck brachten und den Sturz der Regierung forderten.<\/p>\n<p>Inzwischen sind die Demonstrationen der Wut in Tunesien wieder verraucht. Die Toten von Kerkennah brachten nicht den Funken zum Entfachen eines neuen Aufstands, den die W\u00fctenden Mitteleuropas so stark f\u00fcr Nordafrika herbeisehnen. Schon 2011 lie\u00dfen uns die Aufst\u00e4ndischen wissen, dass die einzige Hilfe, die sie von uns erwarten, diejenige ist, die Revolution bei uns selbst zu machen. Doch wird es bei uns nach einem Selbstmord oder Mord jemals eine breite gesellschaftliche Betroffenheit geben \u2013 in dem Bewusstsein \u201ees war eine*r von uns\u201c, um unsere Wut wirksam und massenhaft auf die Stra\u00dfen zu tragen? F\u00fcr die Tausenden im Mittelmeer Ertrunkenen oder die vielen Opfer rassistischer Morde gilt diese Erkenntnis aller \u201eSeebr\u00fccken\u201c zum Trotz jedenfalls offensichtlich nicht.<\/p>\n<p><strong>Marokko: Wer kennt Mouhsin Fikri?<\/strong><\/p>\n<p>Der 31-j\u00e4hrige Fischh\u00e4ndler wurde im Oktober 2016 in der marokkanischen Stadt Al-Hoceima zerquetscht, als er seine von der Polizei konfiszierte und weggeworfene Ware aus einem stehenden M\u00fcllauto zur\u00fcckholen wollte. Dann wurde die M\u00fcllpresse wieder angeworfen. Die Menschen auf den Demonstrationen verglichen ihn mit dem Obsth\u00e4ndler Mohamed Bouazizi, der mit seiner Selbstverbrennung die Revolution in Tunesien ausgel\u00f6st hatte. Und auch mehr als ein Jahr nach dem Tod Fikris gehen die Menschen im Rif auf die Stra\u00dfe. Die nach dem Tod Fikris entstandene Hirak-Bewegung lebt weiter: Zuletzt protestierten in Rabat am 15. Juli Tausende Menschen, als gegen 53 Aktivist*innen der Bewegung Haftstrafen von bis zu 15 Jahren verh\u00e4ngt wurden. Auch zwei Jahre sp\u00e4ter ging die Polizei zum Jahrestag wieder mit Gewalt gegen die Protestierenden vor.<\/p>\n<p>Der t\u00f6dliche Unfall zweier Br\u00fcder bei Tunnelgrabungen in einer 1998 geschlossenen Kohlemine im Dezember 2017 in der ehemaligen Bergarbeiterstadt Jerada bei Oujda im Nordosten Marokkos f\u00fchrte ebenfalls zu Protesten f\u00fcr ein besseres Leben. Und im S\u00fcden Marokkos streckten die Demonstrant*innen im Herbst 2017 leere Wasserkanister und -flaschen in die H\u00f6he. Ihre Wasserrechnungen schwenkten sie als Symbol f\u00fcr die Lage in der Region Zagora. Dort ist das Trinkwasser inzwischen rationiert und lediglich f\u00fcr wenige Stunden pro Tag verf\u00fcgbar, die Ernte geht zur\u00fcck. Und nicht nur dort wird der Wassermangel bedrohlich.<\/p>\n<p>K\u00f6nig Mohammed VI. und seiner weitverzweigten Entourage gelingt es bislang, jegliche Aufst\u00e4nde durch Repression klein zu halten. Die Jugend, allen voran die jungen M\u00e4nner, ziehen es daher weiterhin vor, Marokko den R\u00fccken zu kehren: Richtung Europa.<\/p>\n<p>Damit die Jugendlichen gar nicht erst aufbrechen, wird in Marokko Waffengewalt eingesetzt: Am 25. September erschoss die Marine die 19-j\u00e4hrige Studentin Hayat Belkacem aus T\u00e9touan, drei M\u00e4nner wurden teilweise schwer verletzt. Die vier waren mit 21 weiteren jungen Marokkaner*innen vom Strand von Martil mit einem \u201eGo-Fast\u201c (Speedboat) in Richtung Spanien aufgebrochen. Die Marine wollte die Reisenden aufhalten; als das Boot trotzdem startete, er\u00f6ffnete sie das Feuer. Der Hashtag #Quiadonn\u00e9lordre: Wer gab den Auftrag? ging danach viral und klagte die Version der Marine an, die angeblich nur Warnsch\u00fcsse abgegeben hatte.<\/p>\n<p>Vor dem Tod Hayats waren schon tagelang hunderte junger Menschen zu den Str\u00e4nden im Norden gestr\u00f6mt, nachdem spanische Videos von gelungenen Ank\u00fcnften in Spanien im Internet die Runde machten. Die marokkanischen Sicherheitskr\u00e4fte hatten den jungen Marokkaner*innen den Zugang zu den Str\u00e4nden Nordmarokkos versperrt. Als Antwort darauf demonstrierten hunderte junger Marokkaner*innen in Martil und forderten \u201el\u2019harga fabor\u201c \u2013 ihr Recht auf freie \u00dcberfahrt.<\/p>\n<p>Nach dem Tod Hayats trugen die Menschen in vielen St\u00e4dten ihre Wut auf die Stra\u00dfen, darunter viele Fu\u00dfballfans. In T\u00e9touan schallte es \u201eWir werden dich r\u00e4chen, Hayat!\u201c sowie \u201eWir verzichten auf den marokkanischen Pass!\u201c und \u201eViva Espa\u00f1a\u201c.<\/p>\n<p>Ein Student wurde danach zu zwei Jahren Haft verurteilt, er habe mit seinem Aufruf zum Protest via Facebook angeblich die Nation Marokko beleidigt und zum Aufstand aufgerufen. Weitere Jugendliche sind ebenfalls angeklagt, darunter sind nicht wenige noch minderj\u00e4hrig.<\/p>\n<p>Nur zwei Wochen sp\u00e4ter traf eine Kugel den 16-j\u00e4hrigen Ilyas Amrani an der Schulter. Er befand sich mit 57 anderen unter eine Plane versteckt in einem Boot vor der K\u00fcste zwischen Larache und Asilah, als die Marokkanische Marine die jungen Menschen mit Sch\u00fcssen davon abhielt, nach Europa \u00fcberzusetzen. Angeblich hatten sie auf den Kapit\u00e4n des Schiffes gezielt, aber den Jungen getroffen.<\/p>\n<p>Inzwischen lie\u00df Spanien die Speedboats einfach verbieten \u2013 vorgeblich, um den Drogenschmuggel zwischen Marokko und Spanien zu unterbinden. Tote verhindert dies nicht: Ende Oktober sp\u00fclte das Meer 20 Leichen an den Strand Charrana im Osten Marokkos, vier weitere Passagiere konnten einige Fischer noch retten. Die 24 Jugendlichen stammen aus der Umgebung und waren mit einem Schlauchboot nahe der Spanischen Exklave Melilla gestartet.<\/p>\n<p>Vor allem auf den Pl\u00e4tzen im Pariser Stadtteil Goutte d\u2019Or im 18. Arrondissement schlagen seit vielen Monaten auffallend viele junge Marokkaner die Zeit tot. 70.000 \u20ac investiert Paris jetzt in eine Offensive, um ihrer habhaft zu werden. Man st\u00fcrzt sich auf sie mit einer ganzen Meute an P\u00e4dagog*innen und mit auf Kinderschutz spezialisierten Vereinen \u2013 man will ja nur ihr Bestes. Man steckt sie in \u201eUnterkunftsl\u00f6sungen\u201c und Ad-hoc-Aufnahmeeinrichtungen \u2013 alles ist vergebens. Sie hauen immer wieder ab. Zur\u00fcck zu den kleinen lokalen Banden, um f\u00fcr sie weitere Dinger zu drehen, als Gegenleistung gibt es Rivotril-Pillen. \u00dcberf\u00e4lle, Diebstahl, Prostitution, Drogendeals. Sie kommen vor allem \u00fcber Ceuta und Melilla, \u00fcber die Z\u00e4une oder unentdeckt auf Lkws, weiter per Frachtschiff nach Spanien und ab nach Frankreich.<\/p>\n<p>Nun hat Paris die Zusammenarbeit mit Rabat verst\u00e4rkt: Mithilfe marokkanischer Beamten sollen jetzt die marokkanischen Jugendlichen identifiziert und ausgewiesen werden: Ebenso wie in Deutschland d\u00fcrfen unbegleitete Minderj\u00e4hrige nur dann abgeschoben werden, wenn sie im Herkunftsland der Familie oder einer anderen sorgeberechtigten Person \u00fcbergeben werden k\u00f6nnen. Bislang scheiterte man an fehlenden Papieren und falschen Altersangaben. Um ihre Identit\u00e4t zu ermitteln, befragen die Beamten die Jugendlichen, doch werden die n\u00f6tigen Informationen vor allem \u00fcber die Auswertung ihrer Smartphones beschafft.<\/p>\n<p>Auch in Spanien will man die marokkanischen Beamten einsetzen: In Melilla, der spanischen Exklave auf marokkanischer Seite, wohin es eine Menge der Kids schafft. Auf der anderen Seite des sechs Meter hohen, Stacheldraht bewehrten Zaunes \u2013 im an Melilla angrenzenden Ort Beni Ansar \u2013 wurden neulich allein an einem Tag 120 Minderj\u00e4hrige aufgegriffen. Diese Razzien als solches sind nichts Besonderes; Marokko bek\u00e4mpft auf diese Weise im Auftrag Spaniens seit langem die \u201eillegale Migration\u201c. Die Beamten stecken sie daraufhin in Taxis zur\u00fcck in ihre Heimatst\u00e4dte. Die Kids, meist um die 15 Jahre alt, stammen aus dem nahe gelegenen Nador und anderen St\u00e4dten aus dem S\u00fcdosten Marokkos. Doch wollen sie auf keinen Fall wieder in die Familien oder Unterk\u00fcnfte, sie bleiben lieber auf der Stra\u00dfe: Die Aufnahmeeinrichtung f\u00fcr Minderj\u00e4hrige in der Kleinstadt Al Aroui 22 km s\u00fcdlich von Nador ist verwaist, die rund 1.000 Jugendlichen auf der Stra\u00dfe verweigern sich der Unterbringung. Auf Druck Spaniens wird die Kommune von Melilla trotzdem f\u00fcr 8 Millionen Euro in Beni Ansar ein weiteres Aufnahmezentrum errichten.<\/p>\n<p>Auch Deutschland plant derzeit in Absprache mit dem marokkanischen Innenminister zwei Aufnahmeeinrichtungen in Marokko. Die Bezeichnung \u201eJugendheime\u201c soll verschleiern, um was es eigentlich geht. Da die Kids aufgrund fehlender Pa\u00adpiere nicht identifiziert und ihren Familien zugef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, will Deutschland den rechtlichen Passus ausnutzen, dass eine Abschiebung dann m\u00f6glich ist, wenn der Minderj\u00e4hrige \u201eim R\u00fcckkehrstaat einer geeigneten Aufnahmeeinrichtung \u00fcbergeben wird.\u201c<\/p>\n<p>Die Jugendlichen sind clever genug, um ihren H\u00e4schern aus dem Weg zu gehen. Oder sie versuchen es \u2013 einmal zur\u00fcck in Marokko \u2013 einfach erneut, und die Reise beginnt von vorn: wieder versteckt in den Fahrgestellen von Lkws oder Bussen oder durch die Kanalisation nach Ceuta oder Melilla gestiegen. Oder per Schlauchboot \u00fcber die Stra\u00dfe von Gibraltar nach Europa\u2026<\/p>\n<p><strong><em>Material in Auswahl:<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/elpais.com\/politica\/2018\/09\/25\/actualidad\/1537901908_484687.html\">https:\/\/elpais.com\/politica\/2018\/09\/25\/actualidad\/1537901908_484687.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/telquel.ma\/2018\/09\/25\/lharga-fabor-la-ruee-des-candidats-a-lemigration-clandestine-vers-les-pateras-phantom_1611803\">https:\/\/telquel.ma\/2018\/09\/25\/lharga-fabor-la-ruee-des-candidats-a-lemigration-clandestine-vers-les-pateras-phantom_1611803<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/telquel.ma\/2018\/09\/14\/le-phenomene-des-harraga-2-0-ou-lincitation-a-limmigration-clandestine-sur-les-reseaux-sociax-videos_1610308\">https:\/\/telquel.ma\/2018\/09\/14\/le-phenomene-des-harraga-2-0-ou-lincitation-a-limmigration-clandestine-sur-les-reseaux-sociax-videos_1610308<\/a><\/p>\n<p>Trajectoires, Recherche-action sur la situation des mineurs non accompagn\u00e9s marocains (Avril 2018)<\/p>\n<p>Hayats Begr\u00e4bnis und Interview mit ihren Eltern (arabisch): <a href=\"https:\/\/youtu.be\/VkOLB6ckhx0\">https:\/\/youtu.be\/VkOLB6ckhx0<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.the-hydra.world\/index.php\/2019\/04\/21\/1-3-lasst-uns-von-hier-verschwinden-aufstand-und-aufbruch-im-maghreb\/\"><em>the-hydra.world&#8230;<\/em><\/a><em> vom 14. Mai 2019 <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samantha. Die Revolution von 2011 hat nichts gebracht, es ist seitdem sogar noch schlimmer geworden. 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