{"id":534,"date":"2015-05-16T11:45:24","date_gmt":"2015-05-16T09:45:24","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=534"},"modified":"2015-05-16T11:45:57","modified_gmt":"2015-05-16T09:45:57","slug":"gorgopotamos-in-alamana-die-ersten-monate-der-syriza-regierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=534","title":{"rendered":"Gorgopotamos in Alamana: Die ersten Monate der SYRIZA-Regierung"},"content":{"rendered":"<p><b>Der Autor dieses Beitrages, John Milios, hat schon mehrfach im express geschrieben. Er ist Professor f\u00fcr \u00d6konomie in Athen, Mitglied des ZK von Syriza und einer der Verfasser von deren Wirtschaftsprogramm. Er war bis vor kurzem \u00f6konomischer Berater der Syriza-Regierung.<!--more--> Aus dem Text, dessen \u00dcberschrift sich auf zwei bedeutende Orte des Widerstands in der Geschichte Griechenlands bezieht<\/b><a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/griechenland\/politik-griechenland\/gorgopotamos-in-alamana-john-milios-und-dimitri-dimoulis-ueber-die-ersten-monate-der-syriza-regierung\/#anm_1\"><b>[1]<\/b><\/a><b>, wird ersichtlich, warum Milios \u2013 Bef\u00fcrworter eines harten Kurses in den Verhandlungen, nicht jedoch eines Ausstiegs aus der Eurozone\u00a0\u2013 das nicht mehr ist. Artikel erschienen in <\/b><a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/express\/\"><b>express, Zeitung f\u00fcr sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit<\/b><\/a><b>, Ausgabe 05\/2015.<\/b><\/p>\n<p><b>Der vorliegende Text wurde am 31. M\u00e4rz 2015 in der Zeitung Avgi, der \u00bbParteizeitung\u00ab von SYRIZA ver\u00f6ffentlicht. Es handelt sich um einen Nachdruck aus der Zeitschrift \u0398\u03ad\u03c3\u03b5\u03b9\u03c2 , H. 131, April-Juli 2015. John Milios ist Herausgeber dieses Periodikums zu \u00bbAnalyse, Kritik, Fragen des Klassenkampfes\u00ab, online unter: <a href=\"http:\/\/www.avgi.gr\">http:\/\/www.avgi.gr<\/a>. \u00dcbersetzung: Ralf Kliche<\/b><\/p>\n<p><b>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/b><\/p>\n<p><b>1. Weiterf\u00fchrung des Bestehenden?<\/b><b><\/b><\/p>\n<p>In den ersten beiden Monaten ihres Handelns scheint die Regierung der Linken und ihrer Verb\u00fcndeten dazu zu neigen, sich zu einer populistischen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Bestehenden zu wandeln, also der Herrschaft des Kapitals in Gestalt seiner globalen neoliberalen Form. Verlautbarungen staatlicher Akteure ebenso wie Stimmen des Volkes zeigen Ver\u00e4rgerung bei einer solchen Beschreibung der politischen Lage Griechenlands. Sie empfehlen Geduld und Warten auf Zeit und Geld, oft metaphorisch verbunden mit Begriffen wie \u00bblangem Atem\u00ab und \u00abBr\u00fccke\u00bb.<\/p>\n<p>Die Frage ist aber keine quantitative (lasst uns warten bis Juni, bis \u00ab2016\u00bb etc.), sie ist rein qualitativ. Was genau erwarten wir, was in diesem Zeitraum passiert? Mit welcher Strategie bewegt sich die griechische Regierung?<\/p>\n<p>Die Verlautbarungen empfehlen dauerhaften Optimismus. Das griechische Volk und vor allem die Partei SYRIZA und ihre Anh\u00e4nger befinden sich heute in einem Zustand bejubelter Passivit\u00e4t, w\u00e4hrend sie doch rebellieren sollten gegen soziale Ungleichheit, gegen illegale Besch\u00e4ftigung, Arbeitslosigkeit und das Kapital (mit dem Symbol der \u00abSchulden\u00bb). Das Volk traut der Regierung keine mutigen Entscheidungen zu, mit dem Bestehenden zu brechen. Die Regierung ist auf europ\u00e4ischer Ebene isoliert, w\u00e4hrend die \u00abKontakte\u00bb mit China und Russland nur politische Exotik sind, die allenfalls fanatischen Nationalisten Hoffnung geben.<\/p>\n<p>So zieht sich also die Regierung zur\u00fcck, unterschreibt die zweifelsohne verschlechterte Fortf\u00fchrung des Bestehenden mit unterschiedlichen Namen, feiert, dass es nicht zu den von Hardouvelis (dem Finanzminister der Regierung Samaras, Anm. d. \u00dc.) angek\u00fcndigten weiteren Sparma\u00dfnahmen kam, und erwartet irgendein Licht am Ende des Tunnels. Sie will nicht bei den Thermopylen<a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/griechenland\/politik-griechenland\/gorgopotamos-in-alamana-john-milios-und-dimitri-dimoulis-ueber-die-ersten-monate-der-syriza-regierung\/#anm_2\">[2]<\/a> fallen und sucht verzweifelt die Aussicht auf einen triumphalen Sieg bei irgendeinem Salamis<a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/griechenland\/politik-griechenland\/gorgopotamos-in-alamana-john-milios-und-dimitri-dimoulis-ueber-die-ersten-monate-der-syriza-regierung\/#anm_3\">[3]<\/a>. Aber wenn niemand wei\u00df, was zu erwarten ist, wandelt sich die Logik der \u00bbDiaspora\u00ab der Kr\u00e4fte und Fronten in die Apologetik des Bestehenden.<\/p>\n<p>Es sieht zumindest bisher so aus, als fehle eine Strategie, die immense soziale Polarisierung zu bek\u00e4mpfen, die aus der Kombination von Rezession, Arbeitslosigkeit und Armut, die in Griechenland auf ein in der Nachkriegszeit beispielloses Niveau gestiegen ist, resultiert. Diese \u00f6konomisch-soziale Situation war es, die zu ver\u00e4nderten politischen Konstellationen und \u2013 auch das w\u00e4re vor wenigen Jahren undenkbar gewesen \u2013 letztlich zum Wahlsieg von SYRIZA gef\u00fchrt hatte. Was bedeutet dies nun f\u00fcr die Zukunft? Wird sich die Umverteilung zugunsten der Reichen auf der Ebene der Prim\u00e4rverteilung fortsetzen, also eine Umverteilung zugunsten ihrer Einkommen und ihrer Macht, die sich von selbst aus den Regeln ergibt, die auf dem Arbeitsmarkt herrschen? Oder wird die Unzufriedenheit in der Bev\u00f6lkerung zu Ma\u00dfnahmen der Umverteilung von Einkommen und Macht f\u00fchren, mit oder ohne soziale Explosionen?<\/p>\n<p>Die soziale Spaltung kann nicht verringert werden, solange \u00bbdie Reichen nicht zahlen\u00ab, d.h. solange der Sozialstaat und die \u00f6ffentlichen Ausgaben nicht auf ein gerechtes Steuersystem aufgebaut werden, das dem Kapital einen gr\u00f6\u00dferen Teil jener Lasten auferlegt, die heute die Arbeiterklasse, die Selbst\u00e4ndigen und die Kleinunternehmer tragen. Auch Peter Bofinger, einer der f\u00fcnf \u00bbWirtschaftsweisen\u00ab, die die deutsche Bundesregierung beraten, schien linker als viele Linke zu sein, als er forderte, dass in Griechenland \u00bbdie Reichen zahlen\u00ab sollen und unter Berufung auf die Erfahrungen Nachkriegs-Deutschlands ein Modell hoher Besteuerung f\u00fcr die \u00abBesitzenden\u00bb vorschlug. Obwohl offiziell Keynesianer, beeilte sich der \u00abWeise\u00bb jedoch festzustellen, dass es in Griechenland keine Erh\u00f6hungen der direkten L\u00f6hne und Renten geben sollte, genauso wenig sollten die Sozialausgaben erh\u00f6ht werden (mit Ausnahme derer f\u00fcr die \u00abVerarmten\u00bb). Bofinger schl\u00e4gt jedoch zumindest ein \u00abMemorandum f\u00fcr die Reichen\u00bb vor, um finanzielle Stabilit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Wird die Regierung ihren Blick auf die soziale Umverteilung richten, mit anderen Worten, wird sie in diesem internen Konflikt eine klare Position zugunsten der unteren Klassen einnehmen? Wenn nicht, bedeutet dies in der Praxis, dass die \u00abArmen\u00bb auch weiterhin zu zahlen haben.<\/p>\n<p><b>2. Nationale \u00abRettung\u00bb? Soziale \u00abRettung\u00bb ohne Umverteilung?<\/b><b><\/b><\/p>\n<p>Bis jetzt beruht die Identit\u00e4t der SYRIZA-Regierung im Wesentlichen auf zweierlei: zum einen auf der \u00abhumanit\u00e4ren\u00bb Intervention, die der Regierung den Charakter eines sozialen Retters verleiht, wenn auch nur in einem ganz minimalistischen Rahmen. Es werden Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen zugunsten schwacher sozialer Gruppen und vor allem der Hochverschuldeten ergriffen. Die Regierung reagiert zudem auf einige extreme Formen staatlicher Brutalit\u00e4t, wie die Gefangenenlager f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und einige der schlimmsten Gef\u00e4ngnisse. Aber sie hat zumindest bis jetzt weder ein radikales Programm zur Bek\u00e4mpfung der Arbeitslosigkeit vorgelegt, noch hat sie ihr ausdr\u00fcckliches Versprechen einer radikalen \u00c4nderung des Steuersystems umgesetzt, das heute die unteren und mittleren Klassen belastet und das Gro\u00dfkapital auf vielf\u00e4ltige Weise sch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Diese \u00absoziale Rettung\u00bb verursacht direkte Kosten. Aber das Problem ist nicht so sehr die \u00abexterne Front\u00bb (die Verhandlungen), sondern die \u00abinterne\u00bb: Die \u00absoziale Rettung\u00bb wird so lange in der Schwebe bleiben, bis die Regierung die herrschenden Klassen zwingt, deren Kosten zu tragen!<\/p>\n<p>Das zweite Element, das die Identit\u00e4t der SYRIZA-Regierung kennzeichnet, ist ihr \u00abnationaler\u00bb Charakter. St\u00e4ndig sind patriotische Reden unterschiedlicher nationalistischer Intensit\u00e4t zu h\u00f6ren. Es werden Festreden gehalten und M\u00e4rsche angestimmt, die \u00abDeutschen\u00bb (und in zweiter Linie die \u00abEurop\u00e4er\u00bb) scheinen unsere Feinde zu sein, manchmal auf einem Niveau des Deliriums, das dem Unsinn der <i>Bild-Zeitung<\/i> Konkurrenz machen will. Nachdem einst die deutsche Fahne auf der Akropolis wehte, scheint es nun eine L\u00f6sung zu sein, die deutsche Flagge vom Athener Goethe-Institut herunter zu holen.<\/p>\n<p>Es ist noch zu fr\u00fch, um zu beurteilen, ob dieser Nationalismus zu Fremdenfeindlichkeit f\u00fchren wird. Doch w\u00e4hrend dieser Artikel geschrieben wird (M\u00e4rz 2015), erkl\u00e4rt Minister Panousis, dass Griechenland keine weiteren Einwanderer ertragen kann. Es ist sicher, dass die Regierung keine Konfrontation mit den griechisch-christlichen Elementen des sogenannten \u2039tiefen Staates\u203a (Milit\u00e4r, Polizei, Geheimdienste, orthodoxe Kirche) sucht. Streitkr\u00e4fte und die Polizei haben weiterhin Vorrang und die orthodoxe Kirche braucht nichts zu f\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Dies gef\u00e4hrdet das Programm der Zivilisierung des Landes und des Schutzes von Rechten auch und besonders f\u00fcr ausl\u00e4ndische, inl\u00e4ndische und andere Minderheiten. In jedem Fall \u00fcbernimmt die Regierung mit ihrem Charakter der \u00abnationalen Rettung\u00bb nationalistische Modelle, die konsequent als Deutungsmuster der politischen Auseinandersetzung projiziert werden.<\/p>\n<p>Noch bilden die SYRIZA-Regierung und ihre Verb\u00fcndeten ein Amalgam. Sowohl im Hinblick auf die Biographie und politische Integration ihrer Mitglieder als auch hinsichtlich ihrer politischen Orientierung. Die Kampagnen vor der Wahl beruhten auf der Idee, dass das \u00abEnde des Memorandums\u00bb auf eine Umverteilung von Lasten, Ertr\u00e4gen und Macht zielt. Die \u00abReichen \u00bb (die herrschenden Klassen) m\u00fcssten bezahlen: Es w\u00fcrde ein \u00abMemorandum f\u00fcr das Kapital\u00bb geben. Von den ersten Momenten der Regierungsbildung an wurde jedoch klar, dass diese soziale Allianz sich dem Motto der \u00abEntwicklung\u00bb verschreiben w\u00fcrde, dem \u00abehrlichen Deal\u00bb mit Europa und (f\u00fcr die romantischsten) der \u00abW\u00fcrde\u00bb und der Achtung der Legalit\u00e4t: Wir halten uns an \u00abjedes Wort\u00bb der Verfassung und werden \u00abunsere\u00bb Schulden in vollem Umfang zahlen\u2026<\/p>\n<p>Bis heute versteht die Regierung staatliches Handeln als neutral in dem Sinne, dass sie nicht die Umverteilung von Einkommen und politischer Macht fordert. Sie sieht staatliches Handeln als Werkzeug zur Umsetzung wichtiger politischer Entscheidungen \u2013 ohne soziale \u00c4nderungen. Hinter dieser Neutralit\u00e4t verbirgt sich jedoch eine klare Klassenorientierung. Es fehlen nicht nur jegliche Hinweise auf strategische Transformationen in den Klassenbeziehungen und Produktionsstrukturen, es herrschen auch dar\u00fcber hinaus unklare Verh\u00e4ltnisse, die sich lediglich auf \u00abRechtm\u00e4\u00dfigkeit\u00bb und \u00abGerechtigkeit\u00bb berufen. So bleibt die linke Strategie verwirrt: Wo das Ziel die W\u00fcrde aller und die Entwicklung aller ist, scheint der Staat ohne interne Frontstellung zu arbeiten.<\/p>\n<p>Gibt es also wieder eine Regierung \u00aballer Griechen\u00bb, wie die Pr\u00e4sidenten der Republik in ihrem festlichen Geschw\u00e4tz zu sagen pflegen?<\/p>\n<p>Bereits im Jahr 2014 hatten wir festgestellt, dass es eine \u00abwesentliche Ver\u00e4nderung im Diskurs innerhalb der Organisation von SYRIZA\u00bb gegeben hat, n\u00e4mlich einen \u00abrelative[n] R\u00fcckgang der Forderung nach \u2039Umverteilung\u203a\u00bb\u201a und dass die Forderung, dass die \u00abReichen zahlen, zugunsten der Forderung nach \u2039produktivem Wiederaufbau\u203a [verschoben wurde]. Diesen Wandel spiegelt auch der Versuch, die sozialen Allianzen um Teile der Gesch\u00e4ftswelt zu erweitern [\u2026]. Das allgemeine Bild von SYRIZA ist das eines politischen Gebildes, das die \u2039Spielregeln\u203a \u00fcbernimmt.\u00bb<a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/griechenland\/politik-griechenland\/gorgopotamos-in-alamana-john-milios-und-dimitri-dimoulis-ueber-die-ersten-monate-der-syriza-regierung\/#anm_4\">[4]<\/a> Leider hat sich diese Bef\u00fcrchtung bewahrheitet.<\/p>\n<p><b>3. Die Verschiebung: Alone in Brussels!<\/b><b><\/b><\/p>\n<p>Das auff\u00e4lligste Merkmal der aktuellen Situation ist, dass die griechische Regierung international isoliert ist. Einsam innerhalb der Europ\u00e4ischen Union und ohne jede andere externe Unterst\u00fctzung. Sie ist die einzige, die aus der Reihe tanzt, wie die Deutschen sagen w\u00fcrden. Dies st\u00f6rt das Gleichgewicht in Europa und f\u00fchrt zu extremen Reaktionen. Sowohl die \u00abInstitutionen\u00bb wie auch die Regierungen der Mitgliedstaaten halten es f\u00fcr Erpressung, wenn die griechische Regierung autonome politische Entscheidungen trifft; Griechenland finanzielle Unterst\u00fctzung zu verweigern, wenn Griechenland nicht den Kotau macht, halten sie demgegen\u00fcber nicht f\u00fcr Erpressung.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend SYRIZA die Bestie f\u00fcrchtet und die Bestie SYRIZA, ist eine \u00dcbereinkunft m\u00f6glich, die ein halbwegs autonomes Handeln der Regierung mit externer Finanzierung erlaubt. Die rezessiven Tendenzen, die intensiven politischen Umbr\u00fcche in Spanien, der Ukraine-Konflikt und die aus internen wahltaktischen Gr\u00fcnden unklare Haltung in Frankreich und Italien zeigen, dass es keine eindeutigen Bruchlinien gibt, und dass die griechische Regierung auch in ihrer \u00abAusnahmesituation\u00bb ihre Ziele erreichen kann.<\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Menschen in Griechenland scheint damit zufrieden (und die Nationalisten stolz) zu sein, wenn die SYRIZA-Regierung die Entwicklung der europ\u00e4ischen Koexistenz als einen Konflikt \u00abGriechenland-Europa\u00bb darstellt. Die Kontinuit\u00e4t des Staates mit \u00bbnationalem\u00ab Konzept und mit Unterst\u00fctzung nationalistischer Kr\u00e4fte beruht auf der Verbindung von \u00abNationalen\u00bb und \u00abHumanit\u00e4rem\u00bb. Es ist interessant zu sehen, wie viele Politiker der Nea Demokratia SYRIZA bereits Lob gezollt haben. \u00abIch, der Rechte, habe Hochachtung, wie man beim Milit\u00e4r sagt, vor dem, was die linke Regierung von SYRIZA macht \u2013 schade f\u00fcr uns \u2013 und ich hoffe, w\u00fcnsche und bitte darum, dass auch wir das tun, was diese Menschen tun\u00bb, erkl\u00e4rte beispielsweise Takis Baltakos<a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/griechenland\/politik-griechenland\/gorgopotamos-in-alamana-john-milios-und-dimitri-dimoulis-ueber-die-ersten-monate-der-syriza-regierung\/#anm_5\">[5]<\/a> am 6. Februar 2015.<\/p>\n<p>Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Schema \u00abGriechenland-Deutschland\u00bb oder \u00abGriechenland-Europa\u00bb noch in die nationalistische H\u00e4rte des \u00abWir\u00bb gegen \u00abSie\u00bb f\u00fchren wird. Denn sowohl \u00abSalamis\u00bb wie auch die \u00abThermopylen\u00bb bedeuten letztlich die \u00abKontinuit\u00e4t des Staates\u00bb \u2013 n\u00e4mlich die Weigerung, den internen Klassenkonflikt anzugehen.<\/p>\n<p><b>4. Die Kontinuit\u00e4t des Staates<\/b><b><\/b><\/p>\n<p>Gibt es eine \u00abKontinuit\u00e4t des Staates\u00bb in der SYRIZA-Regierung? Strukturell haben die Entscheidungen im Zeitraum 2002-2008, keine internen Konflikte anzugehen und die \u00abReichen\u00bb (das Kapital) weiterhin keine Steuern zahlen zu lassen (ohne dass dies das Ende des relativen Wohlstands der Arbeiterklasse bedeutet h\u00e4tte), zu steigenden \u00f6ffentlichen Defiziten und so in die Schulden gef\u00fchrt. Diese sollten seit 2010 von den Armen (der Arbeiter- und Mittelklasse) bezahlt werden. Wenn sich die Bef\u00fcrchtung best\u00e4tigt, dass die Regierung es nach 2015 zu einem weiteren Sozialabbau kommen lassen will, dann best\u00e4tigt sich parallel dazu die \u00abKontinuit\u00e4t des Staates\u00bb. Nat\u00fcrlich entscheidet die Regierung dabei nicht einfach, sondern unter Ber\u00fccksichtigung einer sich ver\u00e4ndernden sozialen Dynamik und komplexer innerer Widerspr\u00fcche.<\/p>\n<p>Der Waffenstillstand an der Heimatfront (d.h. die Verwaltung des Bestehenden mit kleinen Verbesserungen innerhalb des hergestellten Klassengleichgewichts) bei gleichzeitiger Pflege einer kontrollierten Spannung mit den \u00abInstitutionen\u00bb <i>kann<\/i> erfolgreich sein, d.h. er kann politische Zeit \u00abkaufen\u00bb \u2013 allerdings nur unter der Bedingung, dass die Volksbewegungen gegen\u00fcber den hegemonialen Strukturen schweigen, dass K\u00e4mpfe au\u00dferhalb der Mechanismen nationalen Regierungshandelns unterbleiben. Denn obwohl es viele wichtige Bewegungen der Selbstorganisation gibt, die wesentlich zum Sieg von SYRIZA beigetragen haben, so sind diese Bewegungen nach den Wahlen doch nicht zu einem Kristallisationspunkt auf der zentralen politischen B\u00fchne geworden, der die Umsetzung der strategischen Ank\u00fcndigungen vorantreiben k\u00f6nnte, auf deren Basis SYRIZA die Regierungsmacht \u00fcbernehmen konnte.<\/p>\n<p>Aber diese Politisierung und Mobilisierung der Arbeitswelt ist es, worauf es im aktuellen historischen Moment ankommt. Wenn sie sich aber nicht verwirklichen l\u00e4sst, dann wird Gorgopotamos weiterhin nur seinen stolzen Gru\u00df nach Alamana schicken.<\/p>\n<p>Anmerkungen:<\/p>\n<p>[1] Die \u00dcberschrift bezieht sich auf eine Schlacht des griechischen Unabh\u00e4ngigkeitskrieges vom April 1821 in Alamana, wo an einer Br\u00fccke nahe der Thermopylen die hoffnungslos unterlegenen griechischen Aufst\u00e4ndischen den osmanischen Truppen lange Widerstand leisteten, bevor sie im Kampf starben. Die Schlacht gilt als Symbol f\u00fcr griechischen Widerstand und M\u00e4rtyrertum. Bei dem Ort Gorgopotamos \u2013 nur wenige Kilometer von den Thermopylen entfernt \u2013 sprengten im November 1942 griechische Partisanen eine wichtige Br\u00fccke, die deutschen Besatzer erschossen daraufhin dort 16 Zivilisten. Die beiden Ereignisse werden in dem ber\u00fchmten Lied des griechischen antifaschistischen Widerstands \u00bbSt\u2019armata\u00ab (\u00bbZu den Waffen\u00ab) in Zusammenhang gebracht: \u00bbGorgopotamos schickt Alamana seinen stolzen Gru\u00df\u00ab.<\/p>\n<p>[2] In der Antike verloren die Griechen bei den Thermopylen gegen die Perser. In der Seeschlacht von Salamis siegte die griechische Flotte gegen die persische (Anm. d. \u00dc.).<\/p>\n<p>[3] Dies greift eine Idee von Akis Gavriilidis auf: \u00bbThis is not Sparta, this is Salamis: Eurogroup, Eurocentrism, nomadism\u00ab, online unter: <a href=\"https:\/\/nomadicuniversality.wordpress.com\/2015\/03\/01\/this-is-not-sparta-this-is-salamis-eurogroup-eurocentrism-nomadism\/\">https:\/\/nomadicuniversality.wordpress.com\/2015\/03\/01\/this-is-not-sparta-this-is-salamis-eurogroup-eurocentrism-nomadism\/<\/a> \u2013 (1. M\u00e4rz 2015)<\/p>\n<p>[4] John Milios \/ Spyros Lapatsioras: <a href=\"http:\/\/users.ntua.gr\/jmilios\/Lapatsioras_Milios_Anadianomi_F06-a.pdf\">http:\/\/users.ntua.gr\/jmilios\/Lapatsioras_Milios_Anadianomi_F06-a.pdf<\/a><\/p>\n<p>[5] Takis Baltakos war Sekret\u00e4r im Kabinett und rechte Hand des ehemaligen Premierministers Samaras. Aktuell plant er die Bildung einer neuen rechten Kraft mit Hilfe von \u00bbseri\u00f6sen\u00ab Personen der faschistischen Partei \u00bbGoldene Morgenr\u00f6te\u00ab. (Anm. d. \u00dc.)<\/p>\n<p><i>\u00a0Quelle: <a href=\"http:\/\/www.labournet.de\">www.labournet.de<\/a> <\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Autor dieses Beitrages, John Milios, hat schon mehrfach im express geschrieben. Er ist Professor f\u00fcr \u00d6konomie in Athen, Mitglied des ZK von Syriza und einer der Verfasser von deren Wirtschaftsprogramm. 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