{"id":5347,"date":"2019-05-17T18:52:58","date_gmt":"2019-05-17T16:52:58","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5347"},"modified":"2019-05-17T18:52:58","modified_gmt":"2019-05-17T16:52:58","slug":"jedem-betrieb-seine-frauenstreikform","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5347","title":{"rendered":"Jedem Betrieb seine (Frauen)Streikform"},"content":{"rendered":"<p><em>sah.<\/em>\u00a0<strong>Betrieblicher Streik mit feministischen Forderungen: wie geht das? In einem Workshop wurden nicht nur Streikformen und rechtliche Grundlagen aufgezeigt, sondern auch Mut gemacht,<!--more--> den Streik in den Betrieb zu bringen, auch wenn Sanktionen drohen k\u00f6nnten bei einem politischen Streik, wie der feministische Streik rechtlich eingestuft wird.<\/strong><\/p>\n<p>\u00abVon 1991 gibt es Fotos und Berichte von Aktionen, die im \u00f6ffentlichen Raum stattgefunden haben. Weniger gut dokumentiert aber ist, was Frauen* w\u00e4hrend des Frauenstreiks in den Betrieben gemacht haben\u00bb, so Stefanie von der AG Mobilisierung der Frauen*streik-Koordinationsgruppe Bern.\u00a0Im Sitzungsraum der Unia Bern findet der Workshop \u00abbetriebliches Streiken\u00bb statt, der Frauen* f\u00fcr ihre Aktionen hinsichtlich des Frauen*streiks 2019 st\u00e4rken und vorbereiten soll. Viele Frauen* gehen f\u00fcr ihre Anliegen zwar auf die Strasse, doch z\u00f6gern sie, den eigenen Arbeitsplatz zu einem Streikort zu machen. Angst haben sie, sich gegen ihre Arbeitgeber*innen zu wenden, weil sie sich beispielsweise f\u00fcrchten, ihren Arbeitsplatz dadurch zu verlieren.<\/p>\n<p>Eine erfolgreiche Streikstrategie w\u00e4re, wenn der Betrieb als Mitstreiter im feministischen Streik gewonnen werden k\u00f6nnte. Firmen sollten eigentlich interessiert sein, Gleichstellung der Geschlechter zu gew\u00e4hrleisten. Hier kann eine gut gew\u00e4hlte und auf den Arbeitsort abgestimmte Argumentation helfen. In vielen F\u00e4llen ist diese M\u00fche leider vergebens, weil der Betrieb Diskussionen von Beginn an verweigert, ebenso wie \u00abZugest\u00e4ndnisse\u00bb bez\u00fcglich Lohn und \u00fcberhaupt die Umsetzung des Gleichstellungsartikels. Es kann nicht sein, dass in solchen Situationen der feministische Kampf bereits beendet ist. Stefanie, die zugleich Unia-Gewerkschafterin ist, macht den Teilnehmer*innen Mut, hier nicht aufzugeben. Sie erz\u00e4hlt von verschiedenen betrieblichen Streikformen und -strategien, die im Frauen*streikjahr eingesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Forderungen und den Streik sichtbar machen<\/strong><\/p>\n<p>An Arbeitsorten, wo eine strenge Reglementierung vorherrscht, Dialog und Diskussion kein Thema sind, eignen sich symbolische Identifikationen mit den Streikanliegen wie etwa das Tragen von violetten Armb\u00e4ndern, Buttons oder Halst\u00fcchern. Auch m\u00f6glich ist das Bekleben der Toiletten mit Streikklebern \u2013 dies geschieht anonym und kann kaum geahndet werden. Wer weiter gehen will, kann Plakate mit Forderungen aufh\u00e4ngen, in den Pausen Manifeste oder Flyer verteilen und Diskussionen rund um Forderungsthemen initiieren. M\u00f6glich sind auch bezahlte und unbezahlte Streikpausen, wobei f\u00fcr Mitarbeiter*innen ein Zn\u00fcni bereitgestellt wird. Am 14. Juni wird um 11.00 Uhr schweizweit eine Aktionsminute stattfinden, in der Aktivist*innen ein Lied singen oder auch viel L\u00e4rm gemacht werden kann. Wichtig ist bei all diesen Streikhandlungen, dass sie niemals alleine, sondern als Gruppe organisiert und ausgef\u00fchrt werden. Was bringen diese kleinen Aktionen, die nur innerhalb der Mauern des Betriebs passieren? \u00abEs sind Denkanst\u00f6sse\u00bb, meint Stefanie. Gegen innen entsteht \u00abein Wir-Gef\u00fchl\u00bb mit dem Wissen, dass man sich als Gruppe feministisch solidarisiert und auch gegen einen Betrieb zur Wehr setzen kann. Wichtig ist, Forderungen und Streik sichtbar zu machen.<\/p>\n<p>Es gibt auch betriebliche Streikformen, die vor allem zu spezifischen Berufen passen. In Pflegeberufen oder p\u00e4dagogischen Berufen ist es oft unm\u00f6glich, seine Arbeit niederzulegen und herk\u00f6mmlich zu streiken. \u00abDienst nach Vorschrift\u00bb ist eine M\u00f6glichkeit, um hier ein Zeichen zu setzen. Bei dieser \u00abStreikform\u00bb machen die Aktivist*innen alle Arbeiten so, wie man sie nach den betrieblichen Vorgaben machen m\u00fcsste, was jedoch im Alltag u.a. wegen Zeitknappheit niemals passiert. So desinfiziert sich das Pflegepersonal die Finger nach jedem Handgriff. \u00abDiese unerf\u00fcllbaren Vorgaben haben noch eine andere Wirkung\u00bb, erg\u00e4nzt Stefanie, \u00abweil man sie im Alltag kaum erf\u00fcllen kann, macht man sich immer angreifbar durch den Arbeitgeber. Es droht theoretisch eine Verwarnung oder K\u00fcndigung\u00bb.<\/p>\n<p><strong>Kreative Ideen kommen gut an<\/strong><\/p>\n<p>Wo Aktionen im Betrieb nicht m\u00f6glich sind, ist \u00abfrei nehmen\u00bb auch eine Variante im feministischen Streik, so dass keine Frauen* am Arbeitsplatz anzutreffen sind. Wo Streik praktisch unm\u00f6glich ist und schwere Sanktionen f\u00fcr klassische Aktionen bl\u00fchen, kann am Frauen*streiktag ein spezielles Meeting am Arbeitsplatz oder eine Weiterbildung f\u00fcr alle Frauen* angeboten werden. Kreative Ideen bez\u00fcglich Arbeitskampf kommen immer gut an: so kann 20 Prozent des Pensums weggelassen werden, weil dieser Anteil bei bestimmten Frauen*l\u00f6hnen nicht bezahlt wird. Das heisst, das Verkaufspersonal r\u00e4umt jedes f\u00fcnfte Regal nicht ein oder eine K\u00f6chin sch\u00e4lt jede f\u00fcnfte Kartoffel in der K\u00fcche nicht. Auch m\u00f6glich ist das Arbeitstempo so stark zu verlangsamen und dabei das Gegen\u00fcber zu informieren, dass Frauen* ja auch schon viele Jahrhunderte auf ihre rechtliche Gleichstellung warten, so muss bei diesem Auftrag auch nicht \u00abpressiert\u00bb werden.<\/p>\n<p>\u00abJedem Betrieb seine passende Aktionsform\u00bb, schliesst Stefanie ihren Vortrag, \u00abdie Gruppe soll eine Streikform suchen, hinter der alle stehen k\u00f6nnen.\u00bb Theoretisch k\u00f6nnen die Folgen f\u00fcr Streikaktivit\u00e4ten scharf ausfallen. Denn der Frauen*streik ist ein politischer Streik, f\u00fcr den kein Streikrecht gilt. In der Schweiz ist der K\u00fcndigungsschutz generell schlecht. Jederzeit ist eine K\u00fcndigung m\u00f6glich \u2013 ohne triftige Begr\u00fcndung aber nicht fristlos. Es braucht viel Mut hier aufzustehen, obwohl beim Frauenstreik 1991 wohl keine K\u00fcndigungen ausgesprochen wurden.<\/p>\n<p><strong>In der Gruppe zum Streik<\/strong><\/p>\n<p>Auf die Frage, wie man eine Gruppe f\u00fcr den Betriebsstreik zusammenstellen kann, weiss Stefanie passende Kommunikationsstrategien. Um Mit-streiter*innen f\u00fcr den feministischen Kampf gewinnen zu k\u00f6nnen, beginnt man mit dem \u00abMapping\u00bb und schreibt auf, welche Mitarbeitende man im Betrieb kennt, welche politische Einstellung diese haben. Man sucht bei der n\u00e4chsten Gelegenheit n\u00e4heren Kontakt mit passenden Personen, um Einzelgespr\u00e4che zum Streik zu f\u00fchren. Hier kann das WHA-Konzept (Wut, Hoffnung, Aktion) helfen. Im Gespr\u00e4ch bei Missst\u00e4nden angefangen, welche die Gespr\u00e4chspartner*innen w\u00fctend machen, gibt es viele M\u00f6glichkeiten, um Verh\u00e4ltnisse zu \u00e4ndern. Diese gilt es zu suchen und einander Hoffnung zu machen und aus der Defensive zu kommen. Beim Schritt rund um die Aktion k\u00f6nnen konkretere Ideen und Pl\u00e4ne geschmiedet werden, respektive Sitzungen initiiert werden. Eine erste Sitzung mit den neu gewonnen Mitstreiter*innen muss gut vorbereitet sein, rechtliche Hinweise bez\u00fcglich Rechten der Streikenden sind Pflicht, die Betriebsleitung \u00fcber die Vorbereitung zu informieren ist jedoch eine Ermessensfrage. Pl\u00e4ne haben die Aktivist*innen des Workshops schon einige. Nun geht es darum, sie in die Tat umzusetzen!<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.vorwaerts.ch\/inland\/jedem-betrieb-seine-streikform\/\"><em>vorwaerts.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 17. Mai 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>sah.\u00a0Betrieblicher Streik mit feministischen Forderungen: wie geht das? 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