{"id":5373,"date":"2019-05-23T08:56:13","date_gmt":"2019-05-23T06:56:13","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5373"},"modified":"2019-05-23T08:56:13","modified_gmt":"2019-05-23T06:56:13","slug":"eine-internationale-sozialistische-strategie-gegen-massenentlassungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5373","title":{"rendered":"Eine internationale sozialistische Strategie gegen Massenentlassungen"},"content":{"rendered":"<p><em>Jerry White.<\/em> Hunderte Angestellte in der Detroiter Ford-Zentrale mussten am Dienstag ihre Sachen packen, nachdem sie erfahren hatten, dass sie von Ford in der Endphase der sogenannten \u201eSmart Redesign\u201c-<!--more-->Kostensenkungskampagne entlassen werden. In einer internen Mitteilung verk\u00fcndete Ford-Manager Jim Hackett am Montag, dass der US-Autobauer den Abbau von 7.000 Arbeitspl\u00e4tzen \u2013 10 Prozent aller Angestellten weltweit \u2013 bis August vorantreibt.<\/p>\n<p>Diese Woche werden rund 900 Stellen von Ingenieuren, Managern, Technikern und anderen Angestellten in den USA gestrichen. Vorher waren bereits 500 Arbeiter gezwungen worden, \u201efreiwillig\u201c den Konzern zu verlassen.<\/p>\n<p>Und das ist nur der Anfang. Aus Sicht der Finanzm\u00e4rkte sind Fords Pl\u00e4ne nur ein Achselzucken wert und sie fordern noch mehr Opfer. Ein Analyst der US-amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley erkl\u00e4rte am Dienstag, dass der Autobauer weitere 23.000 Angestellte entlassen m\u00fcsste, um seine Kostensenkungsziele zu erreichen.<\/p>\n<p>Ford beschleunigt seine globale Umstrukturierung und hat deshalb einen neuen Finanzchef eingestellt, der vorher beim Online-Riesen Amazon gearbeitet hat. Im April k\u00fcndigte Ford an, 5.000 Arbeitspl\u00e4tze in Deutschland abbauen zu wollen. Der Konzern schlie\u00dft Werke oder konsolidiert Gesch\u00e4ftsaktivit\u00e4ten in Gro\u00dfbritannien, Frankreich, Russland und Brasilien. Auch Tausende Arbeiter in China verlieren ihren Job, nachdem der Absatz von Fahrzeugen um 40 Prozent zur\u00fcckgegangen ist.<\/p>\n<p>Alle globalen Autokonzerne f\u00fchren \u00e4hnliche Kampagnen zum Stellenabbau durch. GM streicht 14.000 Arbeitspl\u00e4tze, Volkswagen 7.000, Jaguar Land Rover von Tata Motors 4.500 und Tesla 3.000. Das wird aber nur ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein sein, wenn \u2013 wie in der Branche erwartet wird \u2013 eine Welle der Mega-Fusionen eintritt.<\/p>\n<p>Was die Autobauer zu dieser massenhaften Vernichtung von Arbeitspl\u00e4tzen treibt, sind die Forderungen der Wall Street und anderer Finanzm\u00e4rkte. Die Investoren verlangen, dass die Konzerne ihre Gewinne und Renditen maximieren, auch wenn die Ums\u00e4tze in den wichtigsten nordamerikanischen, chinesischen und europ\u00e4ischen M\u00e4rkten zur\u00fcckgehen und Warnungen laut werden, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China die Weltwirtschaft in den n\u00e4chsten sechs bis zw\u00f6lf Monaten in eine Rezession st\u00fcrzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Im kapitalistischen Profitsystem ist die Trennung zwischen Arbeitern und Angestellten heute bedeutungslos geworden, weil untergeordnete F\u00fchrungskr\u00e4fte, IT-Techniker und Ingenieure immer mehr denselben Ausbeutungsbedingungen und der wirtschaftlichen Unsicherheit ausgesetzt sind, die den Flie\u00dfbandarbeitern seit langem vertraut sind.<\/p>\n<p>In \u00e4hnlicher Weise hat der Kapitalismus eine einzige internationale Arbeiterklasse hervorgebracht, die auf der ganzen Welt mit den gleichen Problemen und dem gleichen Feind konfrontiert ist. Die wachsende Globalisierung der kapitalistischen Produktion hat auch die praktischen und technologischen M\u00f6glichkeiten geschaffen, um die Arbeiter in einer internationalen Kampagne zur Verteidigung ihrer Arbeitspl\u00e4tze und Lebensbedingungen zu vereinen.<\/p>\n<p>Der sich versch\u00e4rfende Klassenkampf nimmt immer mehr internationale Formen an. Das zeigt sich in den weltweiten Lehrerstreiks, im Kampf zur Verteidigung der verfolgten Maruti-Suzuki-Arbeiter in Indien, im Widerstand der mexikanischen Autoarbeiter in Matamoros, die in den\u00a0<em>Maquiladora<\/em>-Zuliefererbetrieben streikten und an die amerikanischen Arbeiter appellierten, sowie in den j\u00fcngsten internationalen Streiks von Uber- und Lyft-Fahrern.<\/p>\n<p>Die Ford-Arbeiter in den USA haben bereits Kontakt zu ihren Kollegen in Deutschland und Gro\u00dfbritannien aufgenommen. Diese Verbindungen m\u00fcssen verst\u00e4rkt und ausgeweitet werden. Die Angestellten und Produktionsarbeiter m\u00fcssen neue Organisationen aufbauen, die von der Basis demokratisch kontrolliert werden und unabh\u00e4ngig von den konzerngesteuerten Gewerkschaften sind. Diese Komitees sollten landesweite und internationale Streiks vorbereiten, um Werksschlie\u00dfungen und Massenentlassungen zu stoppen.<\/p>\n<p>Der Aufbau dieser Komitees erfordert einen unvers\u00f6hnlichen Kampf gegen das nationalistische Gift, das von Gewerkschaften wie den United Auto Workers in den USA, Unifor in Kanada, der IG Metall in Deutschland und der CGT in Frankreich sowie von Trump und der Demokratischen Partei verbreitet wird. Das Sch\u00fcren von Nationalismus diente schon immer als Druckmittel, um Arbeiter zu endlosen Zugest\u00e4ndnissen zu zwingen. Die nationalistische L\u00fcge lautet, dass die Erh\u00f6hung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Rentabilit\u00e4t der \u201eeigenen\u201c Kapitalistenklasse die Arbeitspl\u00e4tze und den Lebensstandard der Arbeiter erhalten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaften sind keine Organisationen der Arbeiterklasse. In den USA lehnt die UAW jeden Kampf zur Verteidigung der Arbeitspl\u00e4tze und Lebensbedingungen ab. Sie ist ein korporatistischer Verband, der von reichen und k\u00e4uflichen Managern kontrolliert wird und unerm\u00fcdlich daran arbeitet, Zugest\u00e4ndnisse der Arbeiter zu erpressen und die Opposition zu unterdr\u00fccken. Im Vorfeld der Tarifverhandlungen in diesem Herbst ist es unerl\u00e4sslich, dass Arbeiter jetzt beginnen, unabh\u00e4ngige Kampforganisationen zu bilden, um ihre eigenen Forderungen zu stellen.<\/p>\n<p>Autoarbeiter und alle Teile der Arbeiterklasse sind mit der Realit\u00e4t des kapitalistischen Systems konfrontiert. Ihre Antwort muss der Aufbau einer internationalen sozialistischen Bewegung sein.<\/p>\n<p>Werke werden geschlossen, Zehntausende Produktionsarbeiter, Ingenieure, Techniker und andere Fachkr\u00e4fte verlieren ihren Arbeitsplatz \u2013 mit enormen sozialen Folgen. Die Einsparungen an L\u00f6hnen sowie Kranken- und Rentenversicherungsbeitr\u00e4gen, die den Arbeitern gestohlen werden, wandern direkt auf die Bankkonten der Unternehmens- und Finanzoligarchie, die die Gesellschaft regiert.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren haben GM und Ford Milliarden f\u00fcr Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe und Dividendenzahlungen f\u00fcr ihre reichsten Investoren und Vorst\u00e4nde ausgegeben. Im Jahr 2018 gaben US-Unternehmen mehr als 1 Billion Dollar f\u00fcr Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe aus, und dieser Rekordbetrag k\u00f6nnte in diesem Jahr noch gebrochen werden.<\/p>\n<p>Alle Parteien der herrschenden Klasse unterst\u00fctzen die Offensive gegen die Arbeiterklasse. Trump ist ein erbitterter Feind aller Arbeiter. Doch schon 2009 hatte Barack Obama, der damalige Pr\u00e4sident der Demokraten, die Restrukturierung der Autoindustrie eingeleitet. Bevor die Regierung den Autokonzern General Motors vor dem Bankrott rettete, bestand sie darauf, dass die Autoarbeiter Massenentlassungen, die Halbierung der L\u00f6hne f\u00fcr Neueinstellungen und andere K\u00fcrzungen akzeptieren. Die UAW, die diese Forderungen durchsetzte, wurde daf\u00fcr belohnt, indem sie die Kontrolle \u00fcber einen milliardenschweren Pensions- und Gesundheitsfonds erhielt.<\/p>\n<p>Soziale Gleichheit kann nicht erreicht werden, indem man an die Reichen appelliert und sie auffordert, eine bescheidene Steuererh\u00f6hung zu akzeptieren, oder indem man auf die Demokratische Partei setzt, die von den Unternehmen kontrolliert wird.<\/p>\n<p>Wenn das Recht der Arbeiter und ihrer Familien auf sichere Arbeitspl\u00e4tze und Einkommen Vorrang vor den Milliarden-Gewinnen der Banker und Unternehmenschefs haben soll, dann m\u00fcssen die Arbeiter die Kapitalisten enteignen und die Autoindustrie in einen \u00f6ffentlichen Versorgungsbetrieb umwandeln, der der gesamten Arbeiterklasse geh\u00f6rt und von ihr demokratisch kontrolliert wird.<\/p>\n<p>Das unerbittliche und zerst\u00f6rerische Streben nach privatem Profit muss durch eine internationale Planwirtschaft ersetzt werden, in der sich die Produktion an den menschlichen Bed\u00fcrfnissen orientiert und nicht auf Profit und Parasitismus basiert.<\/p>\n<p>Nach Jahrzehnten sinkender Reall\u00f6hne, K\u00fcrzungen und wachsender sozialer Ungleichheit nehmen die antikapitalistische Stimmung und die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Sozialismus in der Bev\u00f6lkerung zu. Dies zeigte auch ein Kommentar eines Ford-Angestellten auf der Website\u00a0<em>thelayoff.com<\/em>: \u201eEs gibt eine kleine Minderheit, die herrschende Klasse, und uns alle, die Unterschicht. Ich hoffe nur, dass ich den Tag noch erlebe, an dem wir uns erheben und sie st\u00fcrzen werden.\u201c<\/p>\n<p>Die wachsende Opposition gegen den Kapitalismus muss in eine bewusste politische Bewegung verwandelt werden. Die Socialist Equality Partei in den USA k\u00e4mpft zusammen mit ihren Schwesterparteien im Internationalen Komitee der Vierten Internationale, um die objektive Bewegung der Arbeiterklasse mit einer kompromisslosen revolution\u00e4ren Strategie und einer sozialistischen Perspektive zu bewaffnen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/05\/23\/pers-m23.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 23. Mai 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jerry White. 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