{"id":5377,"date":"2019-05-23T08:03:16","date_gmt":"2019-05-23T06:03:16","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5377"},"modified":"2019-05-23T09:05:07","modified_gmt":"2019-05-23T07:05:07","slug":"ngos-die-wohltaetigkeitsmaske-des-imperialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5377","title":{"rendered":"NGOs: Die Wohlt\u00e4tigkeitsmaske des Imperialismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Anthea Nauer.<\/em> <strong>Humanit\u00e4re Hilfe f\u00fcr Menschen in Not und Elend: Die Ziele der NGOs klingen wie einfache Rezepte mit sofortiger Wirkung. Doch ihre Methoden zementieren genau jenes System,<!--more--> das Not und Elend \u00fcberhaupt erst hervorbringt.<\/strong><\/p>\n<p>Jeder kennt es: Man will sich nur schnell einen Kaffee holen, da stehen sie mit einem perfekt einge\u00fcbten Grinsen und ihrem iPad in der Hand bereit und reden dir ins Gewissen. Nichtstaatliche Non-Profit-Organisationen (NGOs) wie \u00abAmnesty International\u00bb oder \u00abSave the Children\u00bb bieten simple L\u00f6sungsans\u00e4tze zur vermeintlichen Weltverbesserung: Einen Kaffee weniger pro Tag, daf\u00fcr ein Kinderleben retten. Doch die Realit\u00e4t stimmt skeptisch und zwar nicht nur wegen den horrenden CEO-Geh\u00e4ltern und den Missbrauchsvorf\u00e4llen in vielen NGOs. Sondern wegen der Tatsache, dass trotz mittlerweile hunderttausenden aktiven NGOs Not und Menschenrechtsverletzungen anhalten. Der Verzicht auf den Kaffee ist nur zum Schein eine L\u00f6sung. Hinter dem Schein steckt System. NGOs arbeiten nicht in einem Vakuum: Sie erf\u00fcllen eine gesellschaftliche Rolle im Kapitalismus, der in gegens\u00e4tzliche Klassen gespalten ist.<\/p>\n<p><strong>Aufschwung dank Neoliberalismus<\/strong><\/p>\n<p>NGOs existieren in verschiedensten Formen seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Geburtsstunde von drei Viertel der heutigen NGOs folgt jedoch auf die Weltwirtschaftskrise der 1970er. Auf die Krise reagierten die KapitalistInnen mit der Niederschlagung revolution\u00e4rer Bewegungen, um dann weltweit in die Offensive gegen die Arbeiterklasse zu gehen. Ziel dieser sogenannten neoliberalen Politik war es, die Profitbedingungen zu verbessern.<\/p>\n<p>Doch die harten Angriffe auf die Lebensbedingungen der ArbeiterInnen und armen B\u00e4uerInnen insbesondere in den unterdr\u00fcckten L\u00e4ndern waren bloss die eine Seite der Medaille. Die andere Seite bestand aus Rezepten, die diese Angriffe mehr oder weniger verdaulich machten, ohne das System und damit die Interessen der KapitalistInnen zu gef\u00e4hrden. Hier spielen diesen die NGOs in die H\u00e4nde: Sie konzentrieren sich darauf, die schlimmsten Ausw\u00fcchse ihrer Politik zu mildern, ohne diese grunds\u00e4tzlich in Frage zu stellen. Sie sprangen dort mehr schlecht als recht in die Bresche, wo sich der Staat zur\u00fcckzog und das Feld der \u00abfreien Marktwirtschaft\u00bb \u00fcberliess.<\/p>\n<p><strong>Heuchlerische Geldgeber<\/strong><\/p>\n<p>Den von den imperialistischen L\u00e4ndern abh\u00e4ngigen Staaten wurden im Zuge der neoliberalen Offensive sogenannte Strukturanpassungsprogramme aufgezwungen. Beispielsweise in Bolivien f\u00fchrten der internationale W\u00e4hrungsfond (IWF) und die Weltbank 1985 die New Economic Policy ein, um dem Land aus der Schuldenkrise zu \u00abhelfen\u00bb. Die f\u00fcr die KapitalistInnen in der Krise notwendige h\u00e4rtere Ausbeutung der ArbeiterInnen bedeutete Privatisierungen des Service Public und Teilen der Industrie, was massive Verschlechterungen sozialstaatlicher Errungenschaften und Massenentlassungen zur Folge hatte. Die ArbeiterInnen antworteten mit 540 Streiks noch im selben Jahr und Generalstreiks, die das ganze Land lahmlegten. Um die Situation zu beruhigen, stellten der IWF und westliche Regierungen \u00abFonds zur Entwicklungshilfe\u00bb zur Verf\u00fcgung. Die \u00abgrossz\u00fcgigen\u00bb Hauptspender der meisten NGO-Projekte gegen Not und Elend waren dieselben, die Not und Elend \u00fcberhaupt erst schufen.<\/p>\n<p>Dass die allermeisten NGOs f\u00fcr die Finanzierung ihrer Projekte direkt von den Fonds der imperialistischen Staaten oder lokaler Regierungen abh\u00e4ngig sind, gibt ihnen klare Spielregeln vor: Wollen sie \u00fcber ihre Rolle als billige L\u00fcckenb\u00fcsser f\u00fcr soziale Errungenschaften hinaus, bleibt die finanzielle Unterst\u00fctzung des Kapitals aus; wollen sie ohne den aktiven Kampf der unterdr\u00fcckten Klassen etwas erreichen, bleiben sie von den Almosen der KapitalistInnen abh\u00e4ngig. So fokussieren sich NGOs gr\u00f6sstenteils auf regionale und individuelle \u00abSelbsthilfe\u00bb-Projekte wie Suppenk\u00fcchen oder Kredite f\u00fcr Kleinstunternehmen.<\/p>\n<p><strong>Der fehlende Klassenstandpunkt<\/strong><\/p>\n<p>Handle es sich um Nahrungsmittelversorgung in Krisengebieten, Fl\u00fcchtlingshilfe oder einen aufgedeckten Korruptionsskandal: NGOs erreichen hier und da Verbesserungen f\u00fcr die Unterdr\u00fcckten. Doch die Erfolge sind h\u00f6chstens ein Tropfen auf den heissen Stein \u2013\u00a0und das ist kein Zufall. Die Beschr\u00e4nkung auf Symptombek\u00e4mpfung ist nicht die Ursache der Limitiertheit von NGOs, sondern die Folge des eigentlichen Problems: Sie sind keine Organisationen der Arbeiterklasse. Genauso wenig, wie uns das \u00abnon governmental\u00bb im Name dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen darf, dass diese Organisationen keineswegs unabh\u00e4ngig von Regierungen sind \u2013 genauso wenig darf uns ihr Gerede von \u00abSelbsthilfe\u00bb glauben lassen, dass sie wirkliche, eigene Organisationen der Arbeiterklasse seien. Im Gegenteil: Wie das obige Beispiel von Bolivien zeigt, sind NGOs in vielen F\u00e4llen gerade ein Mittel, die ausgebeuteten Klassen in ihrem Kampf gegen den Imperialismus auszubremsen.<\/p>\n<p>Es ist die Arbeiterklasse, die durch ihre Stellung in der Produktion die Macht hat, Verbesserungen der Lebensbedingungen im Interesse der Unterdr\u00fcckten und entgegen demjenigen der herrschenden Klasse durchzudr\u00fccken. Dazu muss sie sich in Gewerkschaften und Parteien organisieren. NGOs sind aber auf der einen Seite durch ihre finanzielle Abh\u00e4ngigkeit verbandelt mit dem Kapital. Auf der anderen Seite \u2013 Kehrseite derselben Medaille \u2013 haben sie keine festen und schon gar nicht l\u00e4ngerfristigen Wurzeln in der Arbeiterklasse. Selbst bei besten Vors\u00e4tzen einzelner AktivistInnen: Kann eine Organisation nicht auf die k\u00e4mpfende Arbeiterklasse z\u00e4hlen, hat sie keinen Hebel f\u00fcr substantielle Verbesserungen. NGOs beschr\u00e4nken sich so, wohl oder \u00fcbel, auf \u00abProjekte\u00bb, die den Rahmen des Kapitalismus als gegeben voraussetzen.<\/p>\n<p>Doch dass die NGO-Methoden\u00a0<em>nur<\/em>, aber\u00a0<em>doch immerhin\u00a0<\/em>zum Tropfen auf den heissen Stein f\u00fchrten, ist zu gelinde ausgedr\u00fcckt: Sie hemmen die wirkliche Befreiung der Unterdr\u00fcckten.<\/p>\n<p><strong>Weniger als ein Tropfen!<\/strong><\/p>\n<p>NGOs bieten technische und finanzielle Hilfe, um beispielsweise Fl\u00fcchtlinge zu bergen oder Wasserversorgungen einzurichten, zeigen aber nicht auf, wieso Leute massenhaft fliehen m\u00fcssen oder an Trinkwasserknappheit leiden. Sie bieten individuelle \u2013 scheinbare! \u2013 L\u00f6sungen f\u00fcr gesellschaftliche Probleme, die nur im Kampf Klasse gegen Klasse, einem politischen Kampf, gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Den Unterdr\u00fcckten muss im gemeinsamen Kampf gegen die unmittelbaren widrigen Lebensbedingungen vorzu aufgezeigt werden, dass nur der Umsturz des kapitalistischen Systems die Probleme l\u00f6sen kann und dass nur die Arbeiterklasse selbst diesen Umsturz herbeif\u00fchren kann. Stattdessen gaukeln die NGOs den Unterdr\u00fcckten individuelle, systemkonforme Massnahmen, wie ein Kleinkredit, als L\u00f6sung vor. Wer Selbsthilfe-Projekte als L\u00f6sungen verkauft, anstatt die Profiteure des Elends zu entlarven, tr\u00e4gt aktiv zur Entpolitisierung der Arbeiterklasse bei.<\/p>\n<p><strong>Kaffee oder Kinderleben? Sozialismus!<\/strong><\/p>\n<p>Doch nicht nur in den abh\u00e4ngigen L\u00e4ndern, sondern auch in den imperialistischen \u00abZentren\u00bb hemmen die NGOs die Organisierung der Lohnabh\u00e4ngigen. Sie reden uns ein mit Spenden unseren hinreichenden Beitrag zur L\u00f6sung der Probleme zu leisten. So halten sie hiesige Lohnabh\u00e4ngige davon ab, sich politisch zu organisieren. Als MarxistInnen verstehen wir, dass kein \u00abKaffee weniger\u00bb den Aufbau einer internationalen revolution\u00e4ren Partei der Arbeiterklasse ersetzen kann.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.derfunke.ch\/htm\/de\/deutsch\/international\/die-wohltaetigkeitsmaske-des-imperialismus\/#more-10677\"><em>derfunke.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 23. Mai 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anthea Nauer. Humanit\u00e4re Hilfe f\u00fcr Menschen in Not und Elend: Die Ziele der NGOs klingen wie einfache Rezepte mit sofortiger Wirkung. 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