{"id":5397,"date":"2019-05-28T08:22:55","date_gmt":"2019-05-28T06:22:55","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5397"},"modified":"2019-05-28T08:22:55","modified_gmt":"2019-05-28T06:22:55","slug":"gelbwesten-wuerdigen-die-pariser-kommunarden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5397","title":{"rendered":"\u201eGelbwesten\u201c w\u00fcrdigen die Pariser Kommunarden"},"content":{"rendered":"<p><em>Will Morrow. <\/em>Am Samstag demonstrierten in der 28. Woche in Folge Zehntausende von \u201eGelbwesten\u201c in ganz Frankreich gegen die Regierung von Pr\u00e4sident Emmanuel Macron, seine Austerit\u00e4tspolitik, die Arbeitslosigkeit und soziale Ungleichheit.<!--more--><\/p>\n<p>Laut der Facebookseite \u201eYellow Number\u201c, die die Teilnehmerzahlen genauer sch\u00e4tzt als die Regierung und auch kleinere Proteste ber\u00fccksichtigt, nahmen zusammen etwa 40.000 Menschen an Demonstrationen teil, darunter in allen Gro\u00dfst\u00e4dten. Das waren etwa genauso viele wie letzte Woche. Das Innenministerium berichtete von nur 12.000 Teilnehmern \u2013 eine deutlich zu niedrig angesetzte Zahl.<\/p>\n<p>In Toulouse, Amiens und Paris demonstrierten mehrere Tausend Menschen, gegen die die Polizei erneut mit brutaler Gewalt vorging. In Toulouse setzte die Polizei Wasserwerfer und Tr\u00e4nengas gegen Demonstranten ein, die den ganzen Nachmittag \u00fcber friedlich demonstrierten. Alleine in Paris wurden Berichten zufolge 64 Menschen verhaftet und mehr als 5.000 kontrolliert sowie durchsucht.<\/p>\n<p>In Paris kam es zu einem h\u00f6chst bedeutsamen politischen Ereignis. Etwa 1.000 Menschen versammelten sich am Morgen vor dem Friedhof P\u00e8re Lachaise und zogen zur Mur des F\u00e9d\u00e9r\u00e9s (Mauer der F\u00f6derierten), dem Denkmal f\u00fcr die Pariser Kommunarden. An dieser Stelle wird Zehntausenden von Arbeitern und ihren Familien gedacht, die vor 148 Jahren w\u00e4hrend der blutigen Unterdr\u00fcckung der Pariser Kommune massakriert wurden. Am 28. Mai 1871 wurden 147 F\u00f6derierte an dieser Mauer erschossen und in ein Massengrab geworfen.<\/p>\n<p>Mehr als 100 Menschen sangen an der Mauer die Internationale, das Lied der internationalen Arbeitersolidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Sozialarbeiterin Martine erkl\u00e4rte gegen\u00fcber Reportern der\u00a0<em>World Socialist Web Site<\/em>: \u201eWir fordern das Gleiche wie damals die Kommune. Eine Revolution, das ist es, in was wir hineingedr\u00e4ngt werden. Letzten Endes h\u00f6rt man uns nicht zu, und sobald wir sagen, dass die Dinge nicht in Ordnung sind, kesseln sie uns ein und setzen Gas ein. Die Kommunarden wurden erschossen, so weit sind wir noch nicht. Aber die Gummigeschosse sind trotzdem Waffen, die gegen uns benutzt werden. Sie treiben uns also zur Revolution.\u201c<\/p>\n<p>Gewerkschaftsfunktion\u00e4re wie Philippe Martinez, der durch seine Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern und die jahrzehntelange Unterdr\u00fcckung des Widerstands der Arbeiterklasse mitverantwortlich f\u00fcr die Umverteilung des Verm\u00f6gens an die Reichen und die Verelendung breiter Teile der Bev\u00f6lkerung ist, haben die \u201eGelbwesten\u201c-Proteste von Anfang an als rechts oder sogar faschistisch verunglimpft. Doch dieses Ereignis zeigt, dass die Proteste der \u201eGelbwesten\u201c von linkem Widerstand gegen die soziale Ungleichheit angetrieben werden, und verdeutlicht die in der Arbeiterklasse tief verwurzelten Traditionen des Sozialismus.<\/p>\n<p>Marie, eine Sozialarbeiterin aus dem Vorort Nanterre n\u00f6rdlich von Paris, erkl\u00e4rte den Reportern der WSWS, sie habe an den Protesten der \u201eGelbwesten\u201c teilgenommen, weil \u201ewir seit Jahren mit unseren Geh\u00e4ltern nicht mehr \u00fcber die Runden kommen. Deshalb mache ich mit, um zu versuchen, die Dinge zu \u00e4ndern. Die Behinderten und die Alten werden auch nicht respektiert. Deshalb bin ich f\u00fcr sie da, weil sie nicht demonstrieren k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSie haben keine W\u00fcrde. Ich sehe heute immer wieder, wie alte Leute aus M\u00fclleimern essen. Ich sehe Leute, die ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben und denen jetzt die Rente nicht reicht. Es ist absolut pervers. Nichts \u00e4ndert sich, egal wer an der Regierung ist und wer der Pr\u00e4sident ist. Wenn der Pr\u00e4sident und die anderen Funktion\u00e4re zur\u00fccktreten, werden sie f\u00fcr den Rest ihres Lebens Bez\u00fcge und Geh\u00e4lter haben. Das ist Geld, das f\u00fcr Sozialleistungen benutzt werden k\u00f6nnte. Deshalb trage ich eine gelbe Weste.\u201c<\/p>\n<p>Marie hat 20 Jahre lang als Pflegerin gearbeitet, und in dieser Zeit \u201ewurde die Zeit, die wir mit einem Patienten verbringen k\u00f6nnen, immer weiter verringert, wir m\u00fcssen f\u00fcr immer mehr Leute da sein. Heute sind dreizehn Patienten mit dreien von uns in einem Raum, und wenn jemand krank ist, kommt keine Vertretung.\u201c Sie verdient 1.300 Euro im Monat und erkl\u00e4rte: \u201eIn Paris ist das schwierig, und es ist nichts, wenn man bis 22 Uhr und am Wochenende arbeitet.\u201c<\/p>\n<p>Sie erkl\u00e4rte: \u201eWir haben die \u00fcblichen Gewerkschaften\u201c, u.a. die Conf\u00e9d\u00e9ration g\u00e9n\u00e9rale du travail und die Force Ouvri\u00e8re, \u201eaber denen glaube ich nicht. Sie sind nicht unbedingt auf unserer Seite. Sie repr\u00e4sentieren uns nicht und k\u00e4mpfen nicht f\u00fcr uns.\u201c Weiter erkl\u00e4rte sie, die Reaktion der Macron-Regierung auf die Proteste habe gezeigt, \u201edass wir heute bereits in einer Diktatur leben. Keine Protestbewegung wurde so brutal unterdr\u00fcckt wie die ,Gelbwesten\u2018. Tr\u00e4nengas, Gummigeschosse, Blendgranaten, Wasserwerfer. Es st\u00f6rt die Regierung, dass wir hier sind und dass wir eine berechtigte soziale Unzufriedenheit friedlich \u00e4u\u00dfern.\u201c<\/p>\n<p>Sie erkl\u00e4rte: \u201eWir sind diejenigen, die die Arbeitsst\u00e4tten am Laufen halten, das hat schon Marx gesagt.\u201c<\/p>\n<p>Antoine, ein junger Arbeiter aus Mayenne, erkl\u00e4rte unseren Reportern, die Probleme, gegen die die \u201eGelbwesten\u201c k\u00e4mpfen, w\u00fcrden \u201eganz Europa und sogar die ganze Welt betreffen. \u00dcberall herrscht Armut, und das ist das Ergebnis des Kapitalismus. Solange er existiert, wird es Menschen geben, die deklassiert werden. Wir k\u00e4mpfen f\u00fcr alle.\u201c<\/p>\n<p>Antoine wusste von der Verfolgung des WikiLeaks-Journalisten Julian Assange und erkl\u00e4rte, er halte ihn f\u00fcr einen Helden. \u201eF\u00fcr mich ist das ein gro\u00dfes Wort. Aber er ist ein Held, weil er die ganzen Kriegsverbrechen der amerikanischen Regierung im Irak enth\u00fcllt hat. Und was ist mit ihm passiert? Er wurde verhaftet. Und davor verbrachte er sieben Jahre eingesperrt in einem Raum in der Botschaft. Er hat nicht mal Asyl bekommen. Er h\u00e4tte von einem anderen Land Asyl bekommen sollen. Er verdient es nicht, im Gef\u00e4ngnis zu sitzen. Er hat seine B\u00fcrgerpflicht getan.\u201c<\/p>\n<p>Antoine erkl\u00e4rte, die Kriege, an deren Aufdeckung Assange beteiligt war, wurden \u201enicht umsonst gef\u00fchrt. [&#8230;] Ich glaube, in Wirklichkeit ging es dabei um \u00d6l. [&#8230;] Es ist ihnen egal, ob es Kriege, Hungersn\u00f6te und all das gibt. Sie denken nur an ihre Interessen. Und obendrein sagen sie uns nicht alles. Zum Beispiel haben Journalisten nachgewiesen, dass Frankreich Waffen an Saudi-Arabien verkauft hat. Und was passiert dann? Ihnen drohen Geld- und Haftstrafen, weil sie enth\u00fcllt haben, was passiert.\u201c<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/05\/28\/pari-m28.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 28. Mai 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Will Morrow. Am Samstag demonstrierten in der 28. Woche in Folge Zehntausende von \u201eGelbwesten\u201c in ganz Frankreich gegen die Regierung von Pr\u00e4sident Emmanuel Macron, seine Austerit\u00e4tspolitik, die Arbeitslosigkeit und soziale Ungleichheit.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,5],"tags":[25,87,61,32,26,49,37,17],"class_list":["post-5397","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-kampagnen","tag-arbeiterbewegung","tag-arbeitswelt","tag-frankreich","tag-frauenbewegung","tag-gewerkschaften","tag-repression","tag-service-public","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5397","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5397"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5397\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5398,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5397\/revisions\/5398"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5397"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5397"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5397"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}