{"id":5450,"date":"2019-06-06T08:49:02","date_gmt":"2019-06-06T06:49:02","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5450"},"modified":"2019-06-06T08:49:02","modified_gmt":"2019-06-06T06:49:02","slug":"der-globale-angriff-auf-arbeitsplaetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5450","title":{"rendered":"Der globale Angriff auf Arbeitspl\u00e4tze"},"content":{"rendered":"<p><em>Jerry White.<\/em> Der australische Telekommunikationsriese Telstra k\u00fcndigte am Dienstag an, dass er in den n\u00e4chsten zwei Jahren die Stellen von 10.000 Leiharbeitern abbauen werde. Bereits im vergangenen Jahr wurden<!--more--> 5.000 Leiharbeiter auf die Stra\u00dfe gesetzt.<\/p>\n<p>Der Abbau ist Bestandteil des Restrukturierungsplans \u201eT22\u201c, mit dem Telstra bis Ende 2022 die Arbeitspl\u00e4tze von 8000 Besch\u00e4ftigten \u2013 einem Viertel der Belegschaft \u2013 vernichten will. Das Unternehmen baut in den n\u00e4chsten Monaten 6.000 Arbeitspl\u00e4tze in der Stammbelegschaft ab, um in seiner Bilanz f\u00fcr 2019 Einsparungen in H\u00f6he von 1,75 Milliarden US-Dollar verzeichnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein Artikel in der australischen Zeitung\u00a0<em>Sydney Morning Herald\u00a0<\/em>titelte \u201eInvestoren jubeln \u00fcber Telstras Kosteneinsparungen\u201c und brachte damit auf den Punkt, was die Haltung der Finanzoligarchie zu den Angriffen auf die Arbeiter und die Zerst\u00f6rung ganzer Familien ist.<\/p>\n<p>Mit diesen K\u00fcrzungen, die Teil einer Welle von Massenentlassungen auf der ganzen Welt sind, reagieren die Konzerne auf die Gefahr einer globalen Rezession, die sich angesichts von Trumps Handelskriegspolitik gegen China und andere L\u00e4nder immer st\u00e4rker abzeichnet. Das Finanzkapital fordert einen brutalen Stellenabbau und eine Senkung der Arbeitskosten, damit die Unternehmen trotz schrumpfender M\u00e4rkte und sinkender Ums\u00e4tze ihre Gewinnmargen steigern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Weitere Konzerne haben vor kurzem Massenentlassungen angek\u00fcndigt:<\/p>\n<p><strong>General Motors<\/strong><\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte US-Autohersteller baut 14.000 Stellen von Angestellten und Produktionsarbeitern ab und schlie\u00dft sieben Werke \u2013 f\u00fcnf in den USA und Kanada, zwei in anderen L\u00e4ndern, die noch nicht bestimmt wurden. GM-Managerin Mary Barra erkl\u00e4rte auf einer Aktion\u00e4rsversammlung am Dienstag, dass die K\u00fcrzungen 6 Milliarden Dollar einsparen und \u201eprofitables Wachstum f\u00f6rdern\u201c w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>Ford<\/strong><\/p>\n<p>Im vergangenen Monat k\u00fcndigte Ford an, in der Endphase seines \u201eSmart Redesign\u201c-Programms bis Ende August 7.000 Arbeitspl\u00e4tze \u2013 10 Prozent aller Ford-Angestellten weltweit \u2013 abzubauen. Betroffen sind Angestellte in Deutschland, Gro\u00dfbritannien und den USA. Auch Tausende von Produktionsarbeitern in Brasilien, Russland, China und den USA sollen entlassen werden. Aber die Wall Street betrachtet das alles nur als Anfang. Ein Analyst des US-Investmentunternehmens Morgan Stanley sagte k\u00fcrzlich, dass Ford weitere 23.000 Arbeitspl\u00e4tze streichen m\u00fcsste, um seine Kostensenkungsziele zu erreichen.<\/p>\n<p><strong>Fiat-Chrysler<\/strong><\/p>\n<p>Am Dienstag erkl\u00e4rte der Vorstand des franz\u00f6sischen Autobauers Renault, dass er mehr Zeit brauche, um \u00fcber eine geplante Fusion mit Fiat Chrysler zu entscheiden. Diese Mega-Fusion w\u00fcrde den drittgr\u00f6\u00dften Autokonzern der Welt schaffen und laut einem Bericht der\u00a0<em>Detroit News<\/em>\u00a0\u201ezu einem Stellenabbau in Europa f\u00fchren \u2013 wo beide Autohersteller zu viele Besch\u00e4ftigte haben, die Autos mit zu wenig Gewinn produzieren\u201c.<\/p>\n<p><strong>Volkswagen<\/strong><\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Automobilhersteller der Welt hat eine \u201estrategische Allianz\u201c mit Ford geschlossen und baut 7.000 Arbeitspl\u00e4tze ab.<\/p>\n<p><strong>General Electric<\/strong><\/p>\n<p>Der in den USA ans\u00e4ssige transnationale Konzern General Electric k\u00fcndigte letzte Woche an, dass er in seinem Werk im ostfranz\u00f6sischen Belfort mehr als 1.000 Arbeitspl\u00e4tze abbauen will. Er brach au\u00dferdem sein Versprechen, 1.000 neue Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen, und begr\u00fcndete das damit, dass die Nachfrage nach Kraftwerksanlagen gesunken sei.<\/p>\n<p><strong>AT&amp;T<\/strong><\/p>\n<p>Das drittgr\u00f6\u00dfte Telekommunikationsunternehmen der Welt hat im vergangenen Jahr mehr als 11.780 Arbeitspl\u00e4tze abgebaut, obwohl es 19,4 Milliarden Dollar an Gewinnen verzeichnete. Der Konzern profitierte au\u00dferdem von mehr als 20 Milliarden Dollar an Steuererleichterungen dank Trumps Steuerreform.<\/p>\n<p><strong>Einzelhandel<\/strong><\/p>\n<p>Der britische Einzelhandelsriese Marks and Spencer droht mit der Schlie\u00dfung von 100 Filialen. Die Ank\u00fcndigung ist Teil einer Entlassungswelle im Einzelhandel, bei der Ende 2018 insgesamt 70.000 Arbeitspl\u00e4tze in Gro\u00dfbritannien und in den ersten beiden Monaten dieses Jahres in den USA 41.000 Stellen abgebaut wurden. Der deutsche Konzern MediaMarktSaturn, Europas gr\u00f6\u00dfte Elektronik-Fachmarktkette, hat 700 Entlassungen angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Doch sogar w\u00e4hrend dieser massive Stellenabbau stattfindet, schwadronieren die von den Konzernen kontrollierten Politiker und Medien \u00fcber die angeblich boomende Wirtschaft und niedrige Arbeitslosigkeit in den USA. Eigentlich meinen sie Rekordgewinne f\u00fcr Unternehmen, den Anstieg der Aktienm\u00e4rkte um 400 Prozent und den beispiellosen Transfer von Verm\u00f6gen an die Ultra-Reichen seit dem Finanzcrash 2008.<\/p>\n<p>Die niedrige offizielle Arbeitslosenquote in Amerika ber\u00fccksichtigt nicht, dass eine Rekordzahl an Arbeitnehmern ihren Job verloren hat. Die Erwerbsquote ist heute niedriger als 2007, und die heutigen Arbeitspl\u00e4tze sind meist schlechter bezahlt, ohne Rentenversicherung und sonstige Absicherung. Die Reall\u00f6hne in den USA gehen seit vierzig Jahren zur\u00fcck und sind im vergangenen Jahr erneut um 1,3 Prozent gesunken. Eine aktuelle Studie in Gro\u00dfbritannien ergab, dass die L\u00f6hne heute ein Drittel weniger wert sind als 2008.<\/p>\n<p>\u201eMan kann im Leben 25 Jobs haben, oft auf Werkvertragsbasis\u201c, erkl\u00e4rt die Wall Street-Analystin Maryann Keller gegen\u00fcber der\u00a0<em>Detroit Free Press.<\/em>\u00a0Der Artikel zeigt auf, dass die Zahl der befristeten Stellen und Teilzeitjobs in der Automobilindustrie seit der Umstrukturierung von GM und Chrysler vor zehn Jahren unter dem damaligen Pr\u00e4sident Obama stark zugenommen hat. \u201eVor 2009 sicherten einem die alten Tarifvertr\u00e4ge noch einen Job auf Lebenszeit. Das war absurd und nicht bezahlbar\u201c, so Keller.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite der Gesellschaft geben die Oligarchen der Unternehmens- und Finanzelite mehr Geld denn je f\u00fcr Yachten, Privatjets und Villen aus. Das\u00a0<em>Wall Street Journal<\/em>\u00a0berichtete gerade, dass Amazon-Chef Jeff Bezos, der reichste Mann der Welt, ein Penthouse und zwei angrenzende Wohnungen in der Fifth Avenue in Manhattan f\u00fcr 80 Millionen Dollar gekauft hat. Und gleichzeitig schlafen Amazon-Arbeiter in ihren Autos und sammeln Lebensmittelmarken!<\/p>\n<p>Nach der Finanzkrise von 2008 warnten das Internationale Komitee der Vierten Internationale und die\u00a0<em>World Socialist Web Site<\/em>, dass es keine friedliche oder \u201esozialvertr\u00e4gliche\u201c L\u00f6sung f\u00fcr den globalen B\u00f6rsencrash geben wird. Im Mai 2009\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2009\/07\/nort-j18.html\"><strong>schrieb David North<\/strong><\/a>, Chefredakteur der\u00a0<em>World Socialist Web Site<\/em>\u00a0und Vorsitzender der Socialist Equality Party in den USA:<\/p>\n<p>\u201eDie Krise ist die Form, in der eine grundlegende Neustrukturierung der amerikanischen und der Weltwirtschaft stattfindet. Das gleiche trifft auf die sozialen und Klassenbeziehungen zu, auf denen sie beruhen. Sie kann nur auf zwei Wegen gel\u00f6st werden: entweder auf kapitalistischer oder auf sozialistischer Basis. Die kapitalistische L\u00f6sung wird eine dramatische Senkung des Lebensstandards der Arbeiterklasse in den Vereinigten Staaten, Europa und weltweit bedeuten. Massive Unterdr\u00fcckung im Inneren wird dazu n\u00f6tig sein, die Zerst\u00f6rung der demokratischen Rechte der Arbeiterklasse, und das Entfesseln milit\u00e4rischer Gewalt in einem seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebten Ausma\u00df.<\/p>\n<p>Die einzige Alternative zu diesem Katastrophen-Szenario ist die sozialistische L\u00f6sung, die erfordert, dass die amerikanische und internationale Arbeiterklasse die politische Macht ergreift, eine von der Bev\u00f6lkerung ausge\u00fcbte demokratische Kontrolle der industriellen, finanziellen und nat\u00fcrlichen Ressourcen einf\u00fchrt und eine wissenschaftlich geplante weltweite Wirtschaft aufbaut, die der Befriedigung der Bed\u00fcrfnisse der Gesellschaft als Ganzes dient statt der zerst\u00f6rerischen Jagd nach Profit und pers\u00f6nlichem Reichtum.\u201c<\/p>\n<p>Wie beim Finanzcrash von 2008 will die herrschende Elite auch heute die ganze Last des drohenden globalen Wirtschaftseinbruchs auf die Arbeiterklasse abw\u00e4lzen. Der Staat greift sogar ein, um den Reichtum der Finanzoligarchie zu sch\u00fctzen und zu erweitern. Das machte der Vorsitzende der US-Notenbank Jerome Powell am Dienstag deutlich, als er erkl\u00e4rte, dass die Zentralbank bereit sei, die Zinsen wieder zu senken. Daraufhin gingen die Aktienm\u00e4rkte nach oben.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaften in den USA und auf der ganzen Welt haben das Streben der Arbeiterklasse nach einer eigenen L\u00f6sung unterdr\u00fcckt. In den Jahren nach dem B\u00f6rsencrash reduzierten sie ihre Streikaktivit\u00e4ten auf das niedrigste Niveau seit Anfang des 20. Jahrhunderts. In den letzten 18 Monaten ist der Klassenkampf aber erneut entflammt \u2013 mit den Lehrerprotesten in den USA, den wilden Streiks der Maquiladora-Arbeiter in der mexikanischen Stadt Matamoros, der Gelbwesten-Bewegung in Frankreich und den Aufst\u00e4nden in Algerien, dem Sudan und anderen afrikanischen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>In Matamoros rebellierten die Arbeiter gegen die nationalistischen und prokapitalistischen Gewerkschaften. Sie marschierten zur US-Grenze, um an ihre amerikanischen Kolleginnen und Kollegen zu appellieren, damit sie sich dem Kampf anschlie\u00dfen, und sie sendeten Solidarit\u00e4tsbotschaften an die GM-Arbeiter in den USA und Kanada, die gegen die Schlie\u00dfung ihrer Werke k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Millionen Arbeiter und Jugendliche weltweit radikalisieren sich. Sie fangen an zu verstehen, dass es der Kapitalismus ist, der ihre Arbeitspl\u00e4tze zerst\u00f6rt und ihre Familien in Armut treibt \u2013 nicht die Einwanderer und Fl\u00fcchtlinge, wie Trump und die rechtsextremen Parteien in Europa weismachen wollen und die dabei von den sogenannten \u201eMainstream\u201c-Parteien und den Gewerkschaften unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtige Krise wirft grundlegende politische Fragen auf. Der globale Angriff auf die sozialen und demokratischen Rechte der Arbeiterklasse erfordert eine globale Antwort. Arbeiter m\u00fcssen das nationalistische Gift zur\u00fcckweisen, das von Gewerkschaften wie den United Auto Workers verbreitet wird. Diese sch\u00fcren anti-mexikanischen und anti-chinesischen Chauvinismus, um die Arbeiter im Kampf um Niedrigl\u00f6hne und die schlechtesten Arbeitsbedingungen gegeneinander ausspielen. Auch m\u00fcssen sie die von Konzerninteressen kontrollierten Demokraten ablehnen, einschlie\u00dflich Bernie Sanders, der sich gelegentlich als Sozialist bezeichnet und gleichzeitig in der Handelskriegspolitik mit Trump einer Meinung ist.<\/p>\n<p>Stattdessen m\u00fcssen die Arbeiter Aktionskomitees gr\u00fcnden, die von ihnen selbst demokratisch kontrolliert werden und deren Ziel es ist, eine wirtschaftliche und politische Offensive gegen das globale kapitalistische System zu entwickeln und ihre eigenen K\u00e4mpfe auf internationaler Ebene zu koordinieren. Die wichtigste Schlussfolgerung ist der Aufbau [einer international in den k\u00e4mpferischen Segmenten der Arbeiterklasse verankerten politischen Organisation mit einem Programm, das sich an der Tradition des revolution\u00e4ren Marxismus orientiert. \u2026] Nur so ist die Arbeiterklasse in der Lage, die politische Macht zu erobern und eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/06\/06\/pers-j06.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 6. Juni 2019 mit einer \u00c4nderung durch Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jerry White. Der australische Telekommunikationsriese Telstra k\u00fcndigte am Dienstag an, dass er in den n\u00e4chsten zwei Jahren die Stellen von 10.000 Leiharbeitern abbauen werde. 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