{"id":5452,"date":"2019-06-07T10:13:39","date_gmt":"2019-06-07T08:13:39","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5452"},"modified":"2019-06-07T10:13:39","modified_gmt":"2019-06-07T08:13:39","slug":"ueber-die-tatsaechliche-lohnungleichheit-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5452","title":{"rendered":"\u00dcber die tats\u00e4chliche Lohnungleichheit in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p><em>Jean-Fran\u00e7ois Marquis. <\/em><strong>Lohnunterschiede zwischen M\u00e4nnern und Frauen sind ein zentrales Thema des\u00a0<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/frauenstreik\/\">Frauen*streiks<\/a>\u00a0am 14. Juni 2019. Der herrschende Diskurs versucht ihr tats\u00e4chliches Ausma\u00df<!--more--> zu verschleiern, indem er einen Teil der Lohnungleichheit als \u201eerkl\u00e4rbar\u201c und nicht-diskriminierend bezeichnet. Die tats\u00e4chliche, geschlechterspezifische Lohnungleichheit zu benennen, ist deshalb Voraussetzung, um sie beseitigen zu k\u00f6nnen. Und entgegen der allgemeinen Behauptung liegt diese in der Schweiz nicht bei 18%, sondern bei 35%. Eine Entschl\u00fcsselung, wie mit statistischen Mitteln die Geschlechterdiskriminierung aus der Welt gerechnet wird. (Red.)<\/strong><\/p>\n<p>Lohnunterschiede waren bereits ein zentrales Thema des Frauenstreiks von 1991. In den letzten 28 Jahren hat sich jedoch eine Idee durchgesetzt: Bei diesen Lohnunterschieden m\u00fcsse der \u00aberkl\u00e4rbare\u00bb Teil vom \u00abunerkl\u00e4rbaren\u00bb Teil unterschieden werden, und nur letzterer k\u00f6nne mit Diskriminierung in Verbindung gebracht werden.<\/p>\n<p>So ver\u00f6ffentlichte die Tageszeitung\u00a0<em>Le Temps<\/em>\u00a0am 13. September 2018 einen Artikel mit dem Titel \u00abGeh\u00e4lter: Die Kluft zwischen Frauen und M\u00e4nnern bleibt teilweise unerkl\u00e4rt\u00bb. Zitiert wird Val\u00e9rie Borioli Sandoz, Gleichstellungsbeauftragte bei Travail Suisse [christlicher Gewerkschaftsbund]. Sie erkl\u00e4rt, dass sie es vorzieht, \u00abden Teil der Lohnunterschiede zu beobachten, der sich nicht durch objektive Faktoren erkl\u00e4ren l\u00e4sst [\u2026].\u00bb Schauen wir uns einmal an, was diese Meinung taugt.<\/p>\n<p><strong>Eine unangenehme Verwirrung<\/strong><\/p>\n<p>In seiner \u00fcblichen Verwendung kann das Verb \u00aberkl\u00e4ren\u00bb folgende Bedeutung haben: Einerseits kann es bedeuten, \u00abden Grund oder die Ursache von etwas bekannt machen\u00bb. Andererseits kann es aber auch \u00abrechtfertigen\u00bb bedeuten.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es eine dritte Bedeutung, die sich aus der statistischen Terminologie ableitet. In diesem Fall bezieht sich die \u00aberkl\u00e4rende\u00bb oder \u00abunabh\u00e4ngige\u00bb Variable auf ein Merkmal, um das Verhalten einer anderen Variablen zu beschreiben und vorherzusagen. Diese erste oder \u00abunabh\u00e4ngige\u00bb Variable ist dann, wie es im Jargon heisst, die \u00abzu erkl\u00e4rende\u00bb. So ist beispielsweise das Alter eine erkl\u00e4rende Variable f\u00fcr den Gesundheitszustand: Ab einer bestimmten Schwelle nimmt der Gesundheitszustand mit zunehmendem Alter ab. Diese statistische \u00abErkl\u00e4rung\u00bb bedeutet jedoch nicht, dass nun die Ursache f\u00fcr den Zusammenhang gefunden wurde. Diese Ursache ist nur erkennbar, wenn wir auf medizinisches, biologisches, soziologisches und anderes Wissen zur\u00fcckgreifen, das die Prozesse des menschlichen Alterns und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit erkl\u00e4rt. Und noch viel weniger bedeutet diese statistische \u00abErkl\u00e4rung\u00bb irgendeine \u00abRechtfertigung\u00bb.<\/p>\n<p>Geht es allerdings um Lohnunterschiede, so werden diese drei Bedeutungen ungl\u00fccklicherweise miteinander vermischt, wie das anfangs zitierte Beispiel zeigt.<\/p>\n<p><strong>BASS-Analyse<\/strong><\/p>\n<p>Die Analyse der Lohnunterschiede zwischen M\u00e4nnern und Frauen basiert auf der alle zwei Jahre vom Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) durchgef\u00fchrten Schweizerischen Lohnstrukturerhebung. Sie wird einer externen Organisation anvertraut. Die Analyse der Umfrage von 2014 (die Daten f\u00fcr 2016 sind noch nicht online) wurde vom BASS-B\u00fcro in Bern durchgef\u00fchrt. Der Abschlussbericht kann auf der Website des Bundesamtes eingesehen werden.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Der verwendete statistische Ansatz basiert auf dem sogenannten Blinder-Oaxaca-Modell, eine statistische Methode, die internatinal anerkannt ist. Dabei wird der standardisierte Bruttolohn (gerechnet auf 40 Wochenstunden) von Frauen und M\u00e4nnern als Funktion verschiedener Variablen (Alter, Ausbildung, Branche usw.) ausgedr\u00fcckt. Anschliessend wird berechnet, wieviel Frauen verdienen m\u00fcssten, wenn sie dieselben Charakteristika in Bezug auf Alter, Ausbildung usw. wie die M\u00e4nner besitzen w\u00fcrden. Die Differenz zwischen diesem hypothetischen Lohn und dem tats\u00e4chlichen Lohn stellt dann die \u00aberkl\u00e4rbare\u00bb Lohndifferenz dar, die auf \u00abobjektive Faktoren\u00bb zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/p>\n<p>Der Bericht kommt zum Schluss, dass die gesamte Lohndifferenz 17,5% betr\u00e4gt, wovon 10,1% \u00aberkl\u00e4rbar\u00bb seien. Doch merkt das BASS auch an, dass das Blinder-Oaxaca-Modell in Bezug auf 3,9% des Lohnunterschieds keine eindeutigen Ergebnisse liefern kann. Diese 3,9% seien daher \u00abschwer zu interpretieren\u00bb, wie es im Bericht heisst. Trotzdem wird dieser Anteil grossz\u00fcgig in den \u00aberkl\u00e4rbaren\u00bb Teil des Lohnunterschieds einbezogen, sodass der \u00aberkl\u00e4rbare\u00bb Teil von 6,2% auf 10,1% aufgeblasen wird. Begr\u00fcndet wird dies damit, dass es sich hierbei um eine \u00abvorsichtige Hypothese\u00bb handle. Ach so, \u00abvorsichtig\u00bb also\u2026 Vorsichtig f\u00fcr wen, k\u00f6nnte frau fragen?<\/p>\n<p><strong>Interpretation<\/strong><\/p>\n<p>Kommen wir nun zur Interpretation der Ergebnisse dieser statistischen Analysen. Wie angegeben ber\u00fccksichtigt das Modell verschiedene Variablen: Alter, Dienstjahre, Bildungsgrad, Familienstand, Nationalit\u00e4t, beruflicher Status, ausge\u00fcbter Beruf, Unternehmensgr\u00f6\u00dfe, Branche, Region, Beteiligungsquote, Art der Verg\u00fctung, Kollektivvertr\u00e4ge, andere Lohnelemente. Aber was bedeutet das?<\/p>\n<p>Um die Frage zu beantworten, nehmen wir das Beispiel der beruflichen Position (die Argumentation kann mit den meisten Variablen im Modell wiederholt werden). Das Modell erfasst die Tatsache, dass ein Zusammenhang zwischen beruflicher Position und Gehalt besteht und erm\u00f6glicht die Berechnung eines diesem Zusammenhang entsprechenden Koeffizienten. Je h\u00f6her die Position, desto h\u00f6her das Gehalt: Das ist kaum fragw\u00fcrdig. Wir wissen sogar, dass diese Unterschiede schockierende Dimensionen haben k\u00f6nnen: Was rechtfertigt zum Beispiel, dass der SBB-Direktor 20 bis 30 Mal mehr verdienen sollte, als die am schlechtesten bezahlten Mitarbeitenden in seinem Unternehmen?<\/p>\n<p>Stellen wir uns nun f\u00fcr einen Moment vor, dass es in den f\u00fcnf aufgef\u00fchrten Berufspositionen (oberes Kader, mittleres Kader, unteres Kader, Verantwortliche f\u00fcr die Ausf\u00fchrung von Arbeiten, ohne F\u00fchrungsposition) den gleichen Anteil an M\u00e4nnern und Frauen gibt. In diesem Fall w\u00fcrden die Lohnunterschiede zwischen Managern und Personen ohne F\u00fchrungsaufgabe, so fragw\u00fcrdig sie auch sein m\u00f6gen, nicht zu einer spezifischen Ungleichheit zwischen M\u00e4nnern und Frauen beitragen.<\/p>\n<p><strong>Von der Erkl\u00e4rung zur Rechtfertigung<\/strong><\/p>\n<p>Aber das ist nicht der Fall. Im Jahr 2014 hatten laut BASS-Bericht 16% der M\u00e4nner eine Position im oberen oder mittleren Management gegen\u00fcber 7,7% der Frauen. Andererseits hatten 76,4% der Frauen keine F\u00fchrungsposition gegen\u00fcber 64,2% der M\u00e4nner. Dieser Unterschied ist das Ergebnis einer Reihe von diskriminierenden Mechanismen, die zu unterschiedlichen Zeiten und auf unterschiedlichen Ebenen funktionieren: die Erziehung von der fr\u00fchen Kindheit bis zur Berufsbildung und -beratung; die sozialen Verh\u00e4ltnisse, die die Verantwortung f\u00fcr Haushalts- und Bildungsaufgaben in erster Linie den Frauen zuschreiben; das Funktionieren des Arbeitsmarktes, der diese Verh\u00e4ltnisse aufrechterh\u00e4lt; die Einstellungspraxis der Unternehmen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.<\/p>\n<p>Die Unterrepr\u00e4sentation von Frauen in F\u00fchrungspositionen und ihre \u00dcberrepr\u00e4sentation in Positionen ohne F\u00fchrungsrolle ist daher das Ergebnis von Diskriminierung. Aber die dominante Interpretation, die dem Blinder-Oaxaca-Modell entspricht, verschleiert diese Realit\u00e4t: Sie betrachtet die berufliche Position und ihre ungleiche Verteilung zwischen M\u00e4nnern und Frauen als k\u00e4men sie aus dem Nichts \u2013 als \u00abobjektiver Faktor\u00bb. Ihr Einfluss auf die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede wird als gerechtfertigt angesehen, da sie \u00aberkl\u00e4rt\u00bb wird. Die statistische Analyse wird zu einer Maschine zur Verschleierung von Diskriminierung.<\/p>\n<p><strong>\u00abGleichwertige\u00bb Arbeit?<\/strong><\/p>\n<p>Zur Legitimation der tendenzi\u00f6sen Analogie \u00aberkl\u00e4rende Variable\u00bb = \u00abobjektiver Faktor\u00bb = \u00abNichtdiskriminierung\u00bb wird auch das Gesetz herangezogen. In Artikel 8 Absatz 3 der Bundesverfassung ist der Grundsatz des gleichen Lohns f\u00fcr gleichwertige Arbeit verankert. Die statistische Analyse mit ihren erkl\u00e4renden Variablen wird als Mittel vorgestellt, um Arbeitst\u00e4tigkeiten von \u00abgleichem Wert\u00bb vergleichen zu k\u00f6nnen, indem die Auswirkungen von \u00abobjektiven\u00bb Unterschieden neutralisiert werden. Das ist irref\u00fchrend.<\/p>\n<p><strong>Erstens<\/strong>\u00a0zeigt der Begriff \u00abgleichwertige Arbeit\u00bb, dass die Arbeit vergleichbar sein muss, auch wenn sie unterschiedlich ist. Um diesen Vergleich vorzunehmen, muss auch \u00fcber die traditionellen Grenzen von Qualifikationen, Ausbildung, T\u00e4tigkeitsbereichen usw. hinweg verglichen werden. Der statistische Ansatz tut jedoch das Gegenteil: Er isoliert und verfestigt jedes Merkmal (Alter, Ausbildung usw.) und seine statistischen Auswirkungen. Dies hindert uns daran, scheinbare \u00c4quivalenzen zu \u00fcberdenken.<\/p>\n<p>Nehmen wir ein Beispiel: Eine Frau, die als Pflegekraft in einer medizinischen Einrichtung arbeitet, hat offensichtlich nicht die gleiche Ausbildung wie ein \u00d6konom, also ein Akademiker, der f\u00fcr die Leitung eines gro\u00dfen Krankenhauses arbeitet. In einem statistischen Modell reicht dies aus, um einen gro\u00dfen Teil der Lohnunterschiede zwischen ihnen zu \u00aberkl\u00e4ren\u00bb. Aber ber\u00fccksichtigen wir einmal die Tatsache, dass die Pflegerin \u2013 vorausgesetzt, sie hat Zeit dazu \u2013 enormes Fachwissen haben muss, um \u00e4ltere Menschen in ihrer Pflege zu betreuen, Vertrauensverh\u00e4ltnisse aufzubauen, ihre Erwartungen und Reaktionen zu verstehen, ihre Bed\u00fcrfnisse einzusch\u00e4tzen und angemessen auf unvorhergesehene und dringende Situationen zu reagieren. Ist ihre Arbeit dann wirklich so viel weniger wert als diejenige des \u00d6konomen, sodass dessen drei- bis f\u00fcnfmal h\u00f6heres Gehalt gerechtfertigt ist? Das Prinzip der \u00abgleichwertigen Arbeit\u00bb bedeutet, dass diese Art von Vergleich m\u00f6glich sein sollte. Aber die enge rechtliche Auslegung des Artikels erschwert \u2013 unterst\u00fctzt durch die statistische Modellierung \u2013 diesen Vergleich.<\/p>\n<p><strong>Diskriminierungen werden ignoriert<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zweitens<\/strong>\u00a0ist der derzeitige rechtliche Rahmen sehr restriktiv und betrifft per Definition nicht viele Formen der Diskriminierung. Die Definition geht somit von der Existenz eines identischen Arbeitgebers aus. Ungleichheiten, die au\u00dferhalb des direkten Arbeitsverh\u00e4ltnisses entstehen, werden daher ignoriert. Ein erheblicher Teil der diskriminierenden Mechanismen wirkt jedoch nicht direkt in dem durch den Arbeitsvertrag festgelegten Rahmen. So betrug der standardisierte Medianlohn [50% verdienen mehr; 50% weniger] im Gesundheits- und Pflegebereich im Jahr 2014 6\u2019372 Franken f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen. Im Finanz- und Versicherungssektor betrug er 9\u2019208 Franken (45% mehr). Was rechtfertigt solche Lohnunterschiede zwischen zwei T\u00e4tigkeitsbereichen? Produktivit\u00e4t? Welche Produktivit\u00e4t? Sozialer Nutzen? Sollte in diesem Fall nicht stattdessen das Verh\u00e4ltnis umgekehrt werden? Allerdings sind 78,4% der Arbeitspl\u00e4tze im Gesundheitswesen von Frauen besetzt, gegen\u00fcber 42,4% im Bank- und Versicherungswesen. Dass es sich hierbei auch um Lohnungleichheit handelt, sollte f\u00fcr all jene klar sein, die sich f\u00fcr Gleichstellung einsetzen.<\/p>\n<p><strong>Statistiken und das wirkliche Leben<\/strong><\/p>\n<p>Die statistische Analyse isoliert Merkmale, die das Lohnniveau statistisch erkl\u00e4ren: Alter, Ausbildung, Besch\u00e4ftigungsstatus etc. Sie spiegelt nicht wider, wie diese Merkmale in der Realit\u00e4t mit dem Geschlecht zusammenh\u00e4ngen, z.B. dass die berufliche Situation selbst teilweise durch das Geschlecht bestimmt wird (Feminisierung von Pflege- und Betreuungsberufen). Vor allem aber rechtfertigt die Statistik nichts.<\/p>\n<p>Die Entscheidung, dass es sich bei diesen Merkmalen um \u00abobjektive Faktoren\u00bb handelt, deren Auswirkungen auf die Lohnungleichheiten \u00aberkl\u00e4rbar\u00bb, also nicht-diskriminierend und \u00abgerechtfertigt\u00bb werden, ist nicht das automatische Ergebnis einer statistischen Analyse, sondern eine Entscheidung, die dem Blinder-Oaxaca-Modell entspricht und eine fragw\u00fcrdige Vorstellung davon widerspiegelt, was Diskriminierung in unserer Gesellschaft ist. Alle diese Merkmale, die meistens eine geschlechterspezifische Dimension haben, sind in der Realit\u00e4t miteinander verschr\u00e4nkt und schlagen sich auf die Lohnabrechnung der Frauen nieder.<\/p>\n<p><strong>Der Nettolohn z\u00e4hlt<\/strong><\/p>\n<p>Um sich dem wahren Ausma\u00df der geschlechtsspezifischen Lohnungleichheiten zu n\u00e4hern, sollte der standardisierte Lohn [Wochenarbeitszeit von 40 Stunden = 100%] nicht als Referenz herangezogen werden. Dieser ist in der Tat eine Fiktion. Im wirklichen Leben entspricht das Einkommen von Frauen und M\u00e4nnern dem tats\u00e4chlich erzielten Lohn, dem Nettolohn, der stark vom Besch\u00e4ftigungsgrad abh\u00e4ngig ist. Im Jahr 2017 arbeiteten jedoch 59% der Frauen Teilzeit, gegen\u00fcber 17,6% der M\u00e4nner. In Island zum Beispiel, wo zwei nationale Frauenstreiks zu einem weltweit einzigartigen Gesetz gef\u00fchrt haben, das Unternehmen zu Lohngleicheit verpflichtet, nimmt die Streikorganisation\u00a0<em>Women\u2019s Rights Association<\/em>\u00a0den tats\u00e4chlichen Lohn als Ma\u00dfstab f\u00fcr die Messung der Lohnunterschiede zwischen Frauen und M\u00e4nnern.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>In der Schweiz nennen Frauen zwei Haupgr\u00fcnde daf\u00fcr, dass sie Teilzeit arbeiten: Kinderbetreuung (26,5%) und andere famili\u00e4re Verpflichtungen (21,8%).<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>\u00a0Bei den M\u00e4nnern geben 6,1% bzw. 6,3% diese Gr\u00fcnde an. Dieser unterschiedliche Anteil ist das Ergebnis diskriminierender Mechanismen und sind auf die jeweiligen Positionen von Frauen und M\u00e4nndern in der Gesellschaft, in der Arbeitswelt und bei der Aus\u00fcbung der unbezahlten Erziehungs- und Hausarbeit zur\u00fcckzuf\u00fchren. Ohne diese Arbeiten w\u00fcrde die Gesellschaft nicht funktionieren. Dies muss bei der Diskussion \u00fcber geschlechtsspezifische Lohnunterschiede ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p><strong>Ein Drittel weniger!<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2014 betrug die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Nettogehalt von M\u00e4nnern und Frauen 32,5%, so das BASS-B\u00fcro. Im Jahr 2016 stieg dieser Wert auf 35% in Bezug auf den Medianlohn. Dieser Unterschied \u2013 ein Drittel! \u2013 hat massive Auswirkungen nicht nur auf das sofort verf\u00fcgbare Einkommen, sondern auch auf die Renten und die Lebensqualit\u00e4t \u00e4lterer Frauen. Diese 35% sind das tats\u00e4chliche Ausmass der Lohnungleichheit in der Schweiz. Die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern liegt also noch in weiter Ferne.<\/p>\n<p><em>*Jean-Fran\u00e7ois Marquis ist Mitglied der VPOD. Dieser Artikel erschien auch in der Westschweizer VPOD-Zeitung \u00abServices publics\u00bb. Die Redaktion von sozialismus.ch hat den Artikel \u00fcbersetzt, leicht gek\u00fcrzt und \u00fcberarbeitet.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2019\/schweiz-wie-hoch-die-lohnungleichheit-tatsaechlich-ist\/\"><em>sozialismus.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 7. Juni 2019 <\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> BASS (2017): Analyse der L\u00f6hne von Frauen und M\u00e4nnern anhand der Lohnstrukturerhebung 2014;\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/fr\/home\/statistiques\/travail-remuneration\/salaires-revenus-cout-travail\/niveau-salaires-suisse\/ecart-salarial.assetdetail.2118701.html\">https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/fr\/home\/statistiques\/travail-remuneration\/salaires-revenus-cout-travail\/niveau-salaires-suisse\/ecart-salarial.assetdetail.2118701.html<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Siehe das Interview mit Brynhildur Hei\u00f0ar- and \u00d3marsd\u00f3ttir (Direktorin der Women\u2019s Rights Association) in: Services publics, Nr. 6, 5. April 2019.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Bundesamt f\u00fcr Statistik (2019): Teilzeitarbeit in der Schweiz 2017.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jean-Fran\u00e7ois Marquis. Lohnunterschiede zwischen M\u00e4nnern und Frauen sind ein zentrales Thema des\u00a0Frauen*streiks\u00a0am 14. Juni 2019. Der herrschende Diskurs versucht ihr tats\u00e4chliches Ausma\u00df<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,3],"tags":[87,32,22],"class_list":["post-5452","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnen","category-schweiz","tag-arbeitswelt","tag-frauenbewegung","tag-politische-oekonomie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5452","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5452"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5452\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5453,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5452\/revisions\/5453"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5452"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5452"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5452"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}