{"id":5477,"date":"2019-06-13T10:19:07","date_gmt":"2019-06-13T08:19:07","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5477"},"modified":"2019-06-13T10:19:07","modified_gmt":"2019-06-13T08:19:07","slug":"klimastreiks-brauchen-allianz-mit-gewerkschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5477","title":{"rendered":"Klimastreiks brauchen Allianz mit Gewerkschaften"},"content":{"rendered":"<p><em>Manfred Ecker.<\/em> <strong>Sch\u00fcler_innen haben mit ihren Klimastreiks den Durchbruch f\u00fcr die Klimagerechtigkeitsbewegung geschafft. Um die n\u00f6tige politische Macht zu erlangen, brauchen sie eine strategische<!--more--> Allianz mit der Arbeiter_innenbewegung.<\/strong><\/p>\n<p>Appelle an die herrschenden Eliten sind vergebene Liebesm\u00fch, wie die Entwicklung des letzten Jahres gezeigt hat. Entgegen allen internationalen Verpflichtungen sind 2018 die weltweiten Emissionen von Kohlendioxid auf ein neues Rekordma\u00df gestiegen \u2013 um ca. 37 Gt CO2 (37 Gigatonnen oder 37 Milliarden Tonnen Kohlendioxid) \u2013 die zehn Jahre davor waren es im Schnitt 34 Gt CO2 pro Jahr.<\/p>\n<p>Man m\u00f6chte meinen, dass alle Schichten der Bev\u00f6lkerung ein Interesse daran haben, Klimawandel aufzuhalten. Aber die herrschende Elite hat andere Interessen als die Masse der Bev\u00f6lkerung. Profite gehen ihr vor Menschen und vor Natur. So ist die Arbeiter_innenklasse gezwungen, eine gestaltende Rolle in der Geschichte einzunehmen. Klimawandel ist auch ohne diesen \u00dcberlegungen aus demselben Grund wichtig f\u00fcr Arbeiter_innen wie etwa f\u00fcr Kaiserpinguine: Er wird sie treffen und er wird schrecklich!<\/p>\n<p><strong>Umstellung und Arbeiterklasse<\/strong><\/p>\n<p>Der Weltklimarat\u00a0<em>IPCC<\/em>\u00a0weist schon seit geraumer Zeit darauf hin, dass die Zeit dr\u00e4ngt, und wir bis 2030 die CO2-Emissionen halbiert haben m\u00fcssen, um die Erderw\u00e4rmung auf 1,5 Grad gegen\u00fcber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Bis 2050 m\u00fcssen wir die CO2 Emissionen auf Netto-Null gesenkt haben. Die wichtigste Ma\u00dfnahme von allen ist ein Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe \u2013 \u00d6l, Gas und Kohle. Entscheidend dabei wird, die Welt mit neutralen Energiequellen zu versorgen, allen voran Sonnen- und Windkraftwerke, um Strom zu erzeugen.<\/p>\n<p>Eine deutsch-finnische Studie hat errechnet, dass eine Energiewende mit den heute zur Verf\u00fcgung stehenden M\u00f6glichkeiten machbar ist. \u00dcber 100 weiterer Studien kommen zu demselben Ergebnis: Wir k\u00f6nnten bis 2050 den gesamten Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen decken, weltweit und zu jeder Zeit. Alleine im Stromsektor w\u00fcrden so weltweit zus\u00e4tzliche 15 Millionen Arbeitspl\u00e4tze, insgesamt 35 Millionen, bis zum Jahr 2050 entstehen.<\/p>\n<p><strong>Trump Digs Coal<\/strong><\/p>\n<p>Was passieren kann, wenn die Arbeiter_innenbewegung die kommenden Herausforderungen ignoriert oder noch schlimmer, sich auf Seiten der Industrie stellt, hat der US-Wahlkampf 2017 gezeigt. Klimaschutz habe nur dazu gef\u00fchrt, dass die Chinesen einen unfairen Konkurrenzvorteil bekommen h\u00e4tten, so Trump, w\u00e4hrend die reicheren Nationen sich mit den h\u00f6heren Kosten von Klimaschutz herumschlagen m\u00fcssten. Die USA werde so daran gehindert von seinen Bodensch\u00e4tzen zu profitieren und deshalb w\u00e4ren ganze Regionen verarmt.<\/p>\n<p>Diese Wahlkampfslogans sind in manchen Industrieregionen auf offene Ohren gesto\u00dfen und Trump konnte in entscheidenden Bundesstaaten, die bislang Hochburgen der Demokraten waren, die Wahlen gewinnen. Prominente Gewerkschaftsf\u00fchrer unterst\u00fctzen Trump, weil er versprochen hat, die unter Obama eingef\u00fchrten Emissionsbeschr\u00e4nkungen aufzuheben. Das zeigt, wie wichtig es auch politisch ist, dass die Arbeiterbewegung f\u00fcr Klimajobs k\u00e4mpft und eine gerechte Umstellung auf erneuerbare Energie zu ihrer eigenen Sache macht. Niemandem, weder in der Klimagerechtigkeitsbewegung noch in den Gewerkschaften, sollte es egal sein, wenn die Arbeiter_innen Klimaleugnern wie Trump oder seinen Pendants in der \u00f6sterreichischen Regierung zugetrieben werden.<\/p>\n<p><strong>\u00d6sterreich<\/strong><\/p>\n<p>Aus den Gewerkschaften selbst kommen gemischte Signale: Eine gro\u00dfartige Unterst\u00fctzungserkl\u00e4rung erreichte\u00a0<em>Fridays for Future<\/em>, die die Schulstreiks im Fr\u00fchjahr 2019 organisiert haben: \u201eWir stehen daher mit voller Solidarit\u00e4t hinter den K\u00e4mpfen der FridaysForFuture-Bewegung und unterst\u00fctzen insbesondere auch eure Schulstreiks. Es entspricht unserem demokratischen Selbstverst\u00e4ndnis, gegen das bewusste Wegschauen der Politik auf die Stra\u00dfe zu gehen \u2013 auch oder gerade w\u00e4hrend der Unterrichtszeit! In eurer Generation liegt unsere Hoffnung \u2013 lasst euch euren Kampfgeist nicht nehmen! Mit einem herzlichen Gl\u00fcck Auf! Die Produktionsgewerkschaft (<em>PRO-GE<\/em>)\u201c.<\/p>\n<p>Das ist tats\u00e4chlich eine tolle Haltung, wenn damit auch nicht gesagt wurde: Wir unterst\u00fctzen eure K\u00e4mpfe mit unserer ganzen Kampfkraft und Streiks in den Betrieben. Aber der Schwung der Schulstreiks hat T\u00fcren ge\u00f6ffnet und vielleicht auch Wege geebnet, die in Zukunft gemeinsam beschritten werden k\u00f6nnen. Bei dem Megaprojekt Dritte Piste am Flughafen Schwechat dagegen gab es Zustimmung aus der Gewerkschaft\u00a0<em>vida<\/em>: \u201eGerade aufgrund der momentanen Situation am Arbeitsmarkt sind Investitionen in Infrastrukturprojekte immens wichtig. Die 3. Piste kann verhindern, dass tausende gute Jobs nach Bratislava oder M\u00fcnchen exportiert werden.\u201c<\/p>\n<p>Auf das Arbeitsplatz-Argument gibt es einige gute Antworten. Zuallererst die ganz grunds\u00e4tzliche Antwort, die beim Klimaprotest am 5. April von der Gewerkschaftsjugend (<em>\u00d6GJ<\/em>) als Transparent getragen wurde: \u201eAuf einem toten Planeten wird es auch keine Jobs geben!\u201c Das stimmt nat\u00fcrlich, allerdings kann die Klimaschutzbewegung die Sorge um Arbeitspl\u00e4tze nicht einfach vom Tisch wischen.<\/p>\n<p>Die \u00d6sterreichische Gewerkschaftsjugend (\u00d6GJ) war Mitorganisatorin des Klimaprotests \u201eZukunft f\u00fcr Alle \u2013 Alle f\u00fcr die Zukunft!\u201c am 5. April 2019 in Wien. \u00a9\u00d6GJ \u00d6sterreichische Gewerkschaftsjugend (Facebook)<\/p>\n<p><strong>Transformation<\/strong><\/p>\n<p>Die Reduktion von Treibhausgasen wird Arbeitspl\u00e4tze kosten \u2013 sogar sehr viele \u2013 wenn die Transformation unter den aktuellen politischen Konstellationen vonstattengeht. Aber sie wird sehr viele gute Arbeitspl\u00e4tze schaffen, wenn die Arbeiter_innen die treibende Kraft sind.<\/p>\n<p>In Gro\u00dfbritannien ist die Kampagne \u201eOne Million Climate Jobs\u201c unter Gewerkschaften popul\u00e4r geworden, und es gibt Klimajobs-Kampagnen in S\u00fcdafrika, Norwegen, Kanada und, am prominentesten, in den USA. Die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, die sich selbst als Sozialistin bezeichnet, hat eine Resolution mit der Forderung nach einem\u00a0<em>Green New Deal<\/em>\u00a0(GND) eingebracht. Der GND setzt zu 100% auf emissionsfreie, erneuerbare Energie und auf eine Umstellung, die fair und gerecht gegen\u00fcber allen Gemeinden und Arbeiter_innen ist. Der Plan soll Millionen hochqualitativer und gut bezahlter Jobs und Wohlstand und soziale Sicherheit f\u00fcr alle Einwohner der USA schaffen.<\/p>\n<p>Nehmen wir einmal an, Ocasio-Cortez oder Bernie Sanders, der ebenfalls den GND unterst\u00fctzt, kommen 2020 an die Macht. Sie h\u00e4tten mit massivem Widerstand zu k\u00e4mpfen. Zuerst von den gr\u00f6\u00dften Verschmutzern: Sechs der zehn weltgr\u00f6\u00dften Unternehmen sind Erd\u00f6lkonzerne. Ihnen droht das komplette Aus. Dann von den Neoliberalen, dazu z\u00e4hlen praktisch alle f\u00fchrenden Politiker und Entscheidungstr\u00e4ger der Welt, sie k\u00e4mpfen seit 40 Jahren gegen jegliche solidarische und soziale Politik. Drittens von den Milit\u00e4rs, sie bereiten schon jetzt eine ganz andere Reaktion auf den Klimawandel vor, mit milit\u00e4risch bewachten Grenzz\u00e4unen, Anhaltelagern und schnellen Interventionstruppen, die darauf spezialisiert sind, Aufst\u00e4nde niederzuschlagen.<\/p>\n<p>Um die n\u00f6tige Transformation durchzuziehen, brauchen Ocasio-Cortez, Sanders oder wer auch immer, die Arbeiter_innen auf ihrer Seite, die ihre Betriebe und die gesamte Wirtschaft gegen den Willen der Bosse werden umstrukturieren m\u00fcssen. Der Widerstand der Kapitalisten wird mit Sicherheit mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln gef\u00fchrt werden. Ihnen droht ein kompletter Machtverlust. Denn, sollte es ein siegreiches Programm geben, um den Globus zu retten, dann werden die Menschen dasselbe f\u00fcr andere Bereiche durchsetzen wollen, f\u00fcr Pensionen, f\u00fcr Bildung, f\u00fcr Spit\u00e4ler und alles andere. Es w\u00e4re das Ende der neoliberalen \u00c4ra oder von Kapitalismus als Ganzes.<\/p>\n<p><strong>Der globale S\u00fcden<\/strong><\/p>\n<p>Es sind die \u00e4rmsten Regionen der Welt, die am schlimmsten vom Klimawandel verw\u00fcstet werden. Der Zyklon Idai in S\u00fcdost-Afrika hat mit aller Brutalit\u00e4t gezeigt, wie wir uns die Zukunft vorstellen m\u00fcssen. Manche Regionen werden von Sturmkatastrophen heimgesucht, andere, wie die afrikanische Sahelzone, in der an die 200 Millionen Menschen zuhause sind, werden zu W\u00fcsten. Tiefliegende K\u00fcstenregionen, wie Bangladesch und eine Reihe von Inseln, k\u00f6nnen nach wiederholten Katastrophen unbewohnbar werden. Hunderte Millionen werden zu Fl\u00fcchtlingen.<\/p>\n<p>Aber auch im reichen Norden trifft es die \u00c4rmsten zuerst. Es sind alleinstehende Pensionist_innen, die in Hitzeperioden zuerst sterben. Menschen in Rollst\u00fchlen sind unter den Todesopfern des Hurricane Katrina besonders hervorgestochen. Wir haben erlebt, wie westliche Regierungen solche Katastrophen ausnutzen, die betroffenen Regionen unterwerfen und danach versch\u00e4rft ausbeuten. Das mag ein Horrorszenario sein und deshalb ein unliebsames Argument, aber die Arbeiter_innenbewegung kann auch vor den schlimmsten Bildern die Augen nicht verschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Internationale Solidarit\u00e4t ist ein Schl\u00fcsselelement dieser Bewegung und ein weiterer wichtiger Grund, warum die organisierte Arbeiter_innenbewegung sich den K\u00e4mpfen der Klimagerechtigkeitsbewegung anschlie\u00dfen muss.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/linkswende.org\/klimastreiks-brauchen-allianz-mit-gewerkschaften\/\"><em>linkswende.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 13. Juni 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manfred Ecker. Sch\u00fcler_innen haben mit ihren Klimastreiks den Durchbruch f\u00fcr die Klimagerechtigkeitsbewegung geschafft. 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