{"id":5535,"date":"2019-06-20T09:43:03","date_gmt":"2019-06-20T07:43:03","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5535"},"modified":"2019-06-20T09:43:04","modified_gmt":"2019-06-20T07:43:04","slug":"afrika-kontinent-der-kaempfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5535","title":{"rendered":"Afrika &#8211; Kontinent der K\u00e4mpfe"},"content":{"rendered":"<\/p>\n<p><em>uMlungu (07.04.17). <\/em>Afrika<a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn1\">[1]<\/a>, mit Ausnahme des Nordens, kommt in der Debatte \u00fcber globale Protestbewegungen h\u00e4ufig nur am Rande vor. Dabei haben sich seit 2011 auf dem Kontinent <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>zahlreiche K\u00e4mpfe ausgebreitet<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>. Nicht nur Revolten, auch zahlreiche soziale Bewegungen und stille K\u00e4mpfe. Trotz vieler Unterschiedlichkeiten im Konkreten sind diese K\u00e4mpfe eine vielstimmige \u201eAntwort\u201c<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0auf die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte: brutale und stetige sozialpolitische, \u00f6konomische, technologische und repressiv\/ milit\u00e4rische Angriffe des Kapitals. \u201eAfrica is rising\u201c, tr\u00e4umt das Kapital &#8211; \u201eAfrica is uprising\u201c ist die vielstimmige Antwort, die ihm entgegenschallt<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Angriffe des Kapitals<\/strong><\/p>\n<p>Der amerikanische Historiker Frederick Cooper spricht in seinem Essay<br \/>\n\u00fcber \u201eAfrika in einer kapitalistischen Welt\u201c von einer Geschichte der verhinderten<br \/>\nAusbeutung: \u201eMein Argument ist, dass die afrikanische Sozialstruktur und die<br \/>\nafrikanische Geografie allerdings kapitalistische Herrschaftsbem\u00fchungen<br \/>\nblockiert haben, genauso wie sie Versuche der afrikanischen Eliten durchkreuzt<br \/>\nhaben, Macht \u00fcber Bev\u00f6lkerungen aufzubauen. Trotz der Machtungleichgewichte<br \/>\nhaben AfrikanerInnen versucht, Elemente der sich \u00e4ndernden globalen Strukturen<br \/>\nso gut wie m\u00f6glich zu nutzen. Vieles von dem, mit dem Afrika heute konfrontiert<br \/>\nist \u2013 die Beschr\u00e4nktheit seiner wirtschaftlichen Zukunftsaussichten und die<br \/>\nherabw\u00fcrdigenden Begrifflichkeiten in der Debatte um seine Zukunft \u2013 ist nicht<br \/>\nso sehr eine Folge von \u201aVersagen\u2019, sondern des teilweisen Erfolgs einer gro\u00dfen<br \/>\nZahl der Menschen, wirtschaftliche Dominanzbem\u00fchungen abzuwehren, sich<br \/>\nanzueignen oder umzulenken\u201c<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a>.<\/p>\n<p>Gegen diese Erfolge richtet sich&nbsp;der Terror&nbsp;der<br \/>\nkapitalistischen Angriffe. Er&nbsp;greift vor allem deren sozialen R\u00fcckhalt an:<br \/>\nVerwandtschaftsbeziehungen, Freundschaften, Vieh, die Verf\u00fcgung \u00fcber das<br \/>\nLand,&nbsp;die&nbsp;\u201emoralische \u00d6konomie\u201c&nbsp;der Armen. Dieser Terror soll<br \/>\ndie Blockierung der&nbsp;kapitalistische<br \/>\nHerrschaftsbem\u00fchungen&nbsp;aufbrechen&nbsp;und zeigt&nbsp;sich im heutigen<br \/>\nAfrika in&nbsp;ganz unterschiedlicher Art und Weise<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a>:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Landbev\u00f6lkerung<br \/>\nwird durch Kriege, Landgrabbing,&nbsp;Zerst\u00f6rung der \u00f6kologischen<br \/>\nLebensbedingungen usw. enteignet und vertrieben.&nbsp;Die Menschen werden von<br \/>\nihrem Land &#8211; ihrem wichtigsten Produktionsmittel &#8211; getrennt.<\/li>\n<li>Weite Teile des<br \/>\nKontinents sind gepr\u00e4gt von Repression, Folter, Terror und allen Formen der<br \/>\nGewalt.<\/li>\n<li>Auf dem Land entstehen<br \/>\nneue Formen kapitalistischer Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse.&nbsp;Was vorher au\u00dferhalb<br \/>\ndes Marktes stattfand wird kommerzialisiert&nbsp;(z.B. Ern\u00e4hrung,<br \/>\nKleidung,&nbsp;Bildung und Gesundheit).<\/li>\n<li>Als Folge der<br \/>\nEnteignungen, Vertreibungen und&nbsp;der&nbsp;neuen<br \/>\nAusbeutungsverh\u00e4ltnissen&nbsp;breiten sich<br \/>\nkapitalistische&nbsp;Marktverh\u00e4ltnisse&nbsp;stetig aus und wachsen<br \/>\ndie&nbsp;St\u00e4dte. Dort&nbsp;steigern&nbsp;Vertreibungen der Menschen&nbsp;&#8211; von<br \/>\nihrem Land, aus ihren H\u00e4usern, von ihren prek\u00e4ren Einkommensm\u00f6glichkeiten<br \/>\n&#8211;&nbsp;und die<br \/>\nstetige&nbsp;Erh\u00f6hung&nbsp;der&nbsp;Lebenshaltungskosten&nbsp;den Arbeitsdruck.<\/li>\n<li>Neue kapitalistische<br \/>\nEliten entstehen.<\/li>\n<li>Sexistische und<br \/>\nantihomosexuelle Gewalt<a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a>&nbsp;als<br \/>\nKern einer neuen K\u00f6rperpolitik und Genderordnung nehmen teilweise epidemische<br \/>\nAusma\u00dfe an.<\/li>\n<li>Gegen Hexen, Albinos<br \/>\nund andre \u201eIrrationalit\u00e4ten\u201c werden m\u00f6rderische Kampagnen gef\u00fchrt.<\/li>\n<li>Sklaverei&nbsp;und&nbsp;Sklaverei-\u00e4hnliche<br \/>\nAusbeutungsverh\u00e4ltnisse&nbsp;wuchern im Schatten der Kriege.<\/li>\n<li>Neue Technologien<br \/>\nwerden eingef\u00fchrt und verbreitet, vermeintlich um die Folgen der Katastrophen,<br \/>\ndie der Imperialismus ausgel\u00f6st hat, abzumildern oder in den Griff zu kriegen.<br \/>\nReal geht es darum, die Menschen der&nbsp;Gewalt des Marktes und des<br \/>\nAlgorithmus &#8211; und somit des Kapitals &#8211; zu unterwerfen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Aufbrechen der Blockierungen ist Voraussetzung daf\u00fcr, dass so etwas<br \/>\nwie eine kapitalistische Entwicklung \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Dieser Terror hat vor allem immer eine lokale Dimension. Er wird aber<br \/>\ngezielt gef\u00f6rdert durch Investitionsentscheidungen und<br \/>\ndie&nbsp;Strukturanpassungsprogramme von IWF und<br \/>\nWeltbank.&nbsp;Und&nbsp;er&nbsp;ist eingebettet in aktuelle Afrikastrategien<br \/>\ndes Kapitals<a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a>,<br \/>\ndie im Wesentlichen um diese neun Punkte kreisen. Niemals w\u00fcrde dort zu<br \/>\nkriegerischer, sexistischer, antihomosexueller oder gegen \u201eIrrationalit\u00e4ten\u201c<br \/>\ngerichteter Gewalt usw. aufgerufen. Die Gewalt ist scheinbar \u201enat\u00fcrlich\u201c schon<br \/>\nvorhanden &#8211; und doch erst das Produkt kolonialer und neokolonialer Aggression.<\/p>\n<p>Diese Strategien zielen darauf, die kapitalistische Entwicklung weiter<br \/>\nzu treiben. McKinsey tr\u00e4umt gar von einer \u201eEntfesselung einer afrikanischen<br \/>\nindustriellen Revolution\u201c<a href=\"#_ftn9\">[9]<\/a>.<\/p>\n<p>Bislang ist der Kern der \u00f6konomischen Praxis in Afrika die Ausbeutung<br \/>\nvon Rohstoffen. Bev\u00f6lkerungspolitik, Dienstleistungen, Infrastruktur und Krieg<br \/>\ngruppieren sich um diesen Kern. Eine weitergehende industrielle Entwicklung ist<br \/>\nbislang bestenfalls in Ans\u00e4tzen erkennbar<a href=\"#_ftn10\">[10]<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn wir das aktuelle Geschehen in Afrika auf diesem Hintergrund<br \/>\nverstehen, und nur dann, ergibt das Ganze einen &#8211; zugegebenerma\u00dfen grausigen &#8211;<br \/>\nSinn.&nbsp;Und zwar nicht in dem Sinne, wie Marx in seinem ber\u00fchmten Kapitel<br \/>\n\u00fcber die sogenannte urspr\u00fcngliche Akkumulation,&nbsp;der<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>die Enteignung und<br \/>\nVertreibung des Landvolks von Grund und Boden,<\/li>\n<li>die&nbsp;Scheidung&nbsp;von&nbsp;Produzenten&nbsp;und&nbsp;Produktionsmittel,<\/li>\n<li>den&nbsp;Terror und<br \/>\ndie Blutgesetzgebung gegen die Enteigneten;<\/li>\n<li>neue Formen<br \/>\nkapitalistischer Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse auf dem Land,<\/li>\n<li>Ausbreitung von<br \/>\nMarktverh\u00e4ltnissen als Folge der Enteignungen,<\/li>\n<li>Vertreibungen und<br \/>\nneuen Ausbeutungsverh\u00e4ltnissen<\/li>\n<li>sowie den Aufstieg<br \/>\nneuer kapitalistischen Eliten als \u00dcbel aber notwendig f\u00fcr den \u201egeregelten\u201c<br \/>\nFortgang der Geschichte ansah. Marx ging davon aus,&nbsp;die \u00fcberholte<br \/>\nProduktionsweise \u201emuss vernichtet&nbsp;werden,&nbsp;sie&nbsp;wird vernichtet\u201c<a href=\"#_ftn11\">[11]<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Africa is uprising!<\/strong><\/p>\n<p>Ganz im Gegenteil! Wir sind fest davon \u00fcberzeugt: nur unter<br \/>\nBer\u00fccksichtigung der Vorstellungen und Erfahrungen dieser \u201e\u00fcberholten<br \/>\nProduktionsweise\u201c kann der Kapitalismus vernichtet werden. Ihr vielstimmiger<br \/>\nWiderstand tr\u00e4gt in sich die Wahrheit, dass eine andere Welt, eine Welt ohne<br \/>\nAusbeutung und Unterdr\u00fcckung, zum Greifen nahe ist.<\/p>\n<p><strong>Soziale Bewegungen und zivilpolitischen Akteure<\/strong><\/p>\n<p>Wird \u00fcber Widerstand in Afrika berichtet,&nbsp;geht<br \/>\nes&nbsp;meist&nbsp;um&nbsp;soziale Bewegungen und zivilpolitische<br \/>\nAkteure.&nbsp;Auf vier gro\u00dfen&nbsp;gesellschaftlichen&nbsp;Feldern&nbsp;leisten<br \/>\nsie&nbsp;wirkungsvolle politische Arbeit:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Einforderung&nbsp;\u00f6konomischer<br \/>\nVerbesserungen;<\/li>\n<li>Kampf gegen Krieg,<br \/>\nGewalt, Repression;<\/li>\n<li>Beeinflussung von<br \/>\ngesellschaftlichen Leitbildern wie Frieden, Menschenrechte, Demokratie, soziale<br \/>\nGerechtigkeit;<\/li>\n<li>Mitgestaltung der<br \/>\nTransformationsprozesse in Richtung Demokratie<a href=\"#_ftn12\">[12]<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Besondere Bedeutung haben hier die vielf\u00e4ltigen Studierendenbewegungen<br \/>\nsowie die Bewegungen der Arbeiterinnen und Arbeiter<a href=\"#_ftn13\">[13]<\/a>.&nbsp;Branch<br \/>\nund Mampilly (2015) beharren darauf, dass diese sozialen Bewegungen sich sehr<br \/>\nstark von denen im Norden unterscheiden. Diese Eigent\u00fcmlichkeiten sollten nicht<br \/>\nunter universellen Narrativen der \u201eweltweiten militanten Opposition\u201c (Harvey)<br \/>\noder \u201eMultitude\u201c (Negri\/ Hardt) unsichtbar gemacht werden. Einerseits, so<br \/>\nargumentieren sie, haben die Probleme, N\u00f6te und Ziele wenig gemeinsam mit dem<br \/>\nPrekariat im Norden oder in den aufstrebenden \u00d6konomien Asiens und S\u00fcdamerikas.<br \/>\nAndererseits ist Prekariat in Afrika kein neues Problem. Die K\u00e4mpfe in Afrika<br \/>\nsind Teil einer langen Geschichte sozialer Auseinandersetzungen seit der<br \/>\nKolonialzeit.<\/p>\n<p><strong>Soziale Nicht-Bewegungen<\/strong><\/p>\n<p>Weniger&nbsp;beachtet und untersucht sind die sogenannten<br \/>\n\u201estillen&nbsp;K\u00e4mpfe\u201c<a href=\"#_ftn14\">[14]<\/a>&nbsp;das<br \/>\n\u201estille Vordringen\u201c&nbsp;oder auch&nbsp;\u201eSoziale Nicht-Bewegungen\u201c<br \/>\n(Bayat&nbsp;2012)&nbsp;der Armen: \u201eKollektive Aktionen nicht-kollektiver<br \/>\nAkteure\u201c transformieren die Gesellschaften.&nbsp;In seinem Buch Leben&nbsp;als<br \/>\nPolitik beschreibt Bayat, wie&nbsp;bereits&nbsp;lange vor dem arabischen<br \/>\nFr\u00fchling<a href=\"#_ftn15\">[15]<\/a>&nbsp;die<br \/>\nst\u00e4dtische Armen in \u00c4gypten durch ihre<br \/>\nallt\u00e4gliche&nbsp;individuelle&nbsp;Praxis&nbsp;in ihrem \u201efortw\u00e4hrenden Streben<br \/>\nnach besseren Lebenschancen\u201c&nbsp;die gesellschaftliche Realit\u00e4t \u201evon unten\u201c&nbsp;ver\u00e4nderten:&nbsp;Bayat<br \/>\nerz\u00e4hlt,&nbsp;wie sich die Armen das \u201eNotwendige zum Leben\u201c aneignen und damit<br \/>\ndie Reproduktion des Kapitals beeintr\u00e4chtigen.&nbsp;Protagonist_innen sind vor<br \/>\nallem Frauen und junge Menschen<a href=\"#_ftn16\">[16]<\/a>.<\/p>\n<p>Er erz\u00e4hlt&nbsp;von der&nbsp;Umverteilung von gesellschaftlichen G\u00fctern,<br \/>\n\u00f6ffentlichem Raum und Gelegenheiten, von der&nbsp;illegale Besitznahme&nbsp;von<br \/>\nLand oder Wohnraum, der Aneignung von st\u00e4dtischen Errungenschaften&nbsp;wie<br \/>\nStrom,&nbsp;flie\u00dfendem Wasser, Telefonleitungen, gepflasterten Stra\u00dfen, oder<br \/>\ndem Kleingewerbe auf \u00f6ffentlichen Fl\u00e4chen. Zu den stillen K\u00e4mpfen<br \/>\nz\u00e4hlt&nbsp;Federici (2012a, S. 65ff.) auch die \u201eMigration als eigensinnige<br \/>\nPraxis\u201c<a href=\"#_ftn17\">[17]<\/a>&nbsp;oder<br \/>\ndie&nbsp;Verschuldung als Antwort auf sinkende L\u00f6hne und die Verweigerung der<br \/>\ndadurch verordneten Armut.<\/p>\n<p>Die Armen&nbsp;k\u00e4mpfen f\u00fcr Umverteilung, Autonomie und Sicherheit &#8211; doch<br \/>\nihr Sicherheitsbed\u00fcrfnis richtet sich direkt gegen den&nbsp;repressiven Staat.<br \/>\nDiese K\u00e4mpfe sind weit mehr als Abwehr, sondern ein \u201ekumulatives<br \/>\nVordringen\u201c&nbsp;neuer Normen und Praktiken. Sie wollen nicht zur\u00fcck zu einem<br \/>\nromantisierten Gestern sondern brechen auf, zu einem neuen Morgen!<\/p>\n<p>Dabei ist das \u201eIndividuelle\u201c kein Wert an sich, sondern eine Taktik zur<br \/>\nUmgehung des feindlich gesinnten oder nicht reagierenden Staats. Wenn ihre<br \/>\nFortschritte gef\u00e4hrdet sind oder Gefahr droht, beispielsweise durch die<br \/>\nPolizei, greifen die Armen \u201ezu kollektiven Formen des Widerstands, ein Zeichen<br \/>\nihrer Wertsch\u00e4tzung von Solidarit\u00e4t\u201c<a href=\"#_ftn18\">[18]<\/a>.<\/p>\n<p>Mit ihren widerst\u00e4ndigen und oft illegalen&nbsp;Praktiken untergraben<br \/>\nsie die herrschenden Normen und Gesetze&nbsp;und dringen in die Bereiche der<br \/>\nMacht, des Eigentums und der \u00d6ffentlichkeit vor. Sie brechen den Kapitalismus<br \/>\nauf, indem sie \u201eR\u00e4ume des Anders-Sein, R\u00e4ume oder Augenblicke, die gegen die<br \/>\nStra\u00dfenverkehrsrichtung verlaufen\u201c<a href=\"#_ftn19\">[19]<\/a>&nbsp;schaffen.<\/p>\n<p>Mit der Aneignung von G\u00fctern und Dienstleistungen verringern sie ihre<br \/>\nReproduktionskosten und mit der Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen<br \/>\nverbessert sich ihr Einkommen. Mit beidem greifen sie die Reproduktion des<br \/>\nKapitals&nbsp;und damit den Staat, die Reichen die M\u00e4chtigen&nbsp;direkt an<br \/>\n&#8211;&nbsp;im Gegensatz zu \u201eStrategien des Zurechtkommens\u201c, wo das \u00dcberleben der<br \/>\nHandelnden auf eigene Kosten oder auf Kosten der Mitmenschen gesichert wird.<br \/>\nBayat&nbsp;erw\u00e4hnt&nbsp;hier&nbsp;NGOs und&nbsp;islamistische<br \/>\nBewegungen,&nbsp;deren Ausbreitung mit der Zeit zusammenf\u00e4llt, in der die<br \/>\nneoliberale Wirtschaftspolitik umgesetzt wurde.<\/p>\n<p>Nicht-Bewegungen sind eher Praxis- als Ideologie-orientiert. Sie handeln<br \/>\ndirekt&nbsp;und im Lokalen, um ihre Forderungen durchzusetzen.&nbsp;Ihre Praxis<br \/>\nsteht immer im Zusammenhang mit ihrem Alltag.&nbsp;Ihr Ort ist<br \/>\nder&nbsp;\u00f6ffentliche&nbsp;Raum. Solidarit\u00e4ten&nbsp;entstehen in<br \/>\nNachbarschaften, an Stra\u00dfenecken, in&nbsp;Moscheen, am Arbeitsplatz,<br \/>\nan&nbsp;Bushaltestellen,&nbsp;bei&nbsp;der&nbsp;Lebensmittelverteilung, in<br \/>\nHaftanstalten, Migrant_innenlagern, \u00f6ffentlichen Parks oder Pl\u00e4tzen,<br \/>\nHochschulen, Sportstadien usw&#8230; Durch allt\u00e4gliche und direkte Begegnung und<br \/>\nKommunikation entstehen \u201epassive Netzwerke\u201c, die sich st\u00e4ndig im Fluss<br \/>\nbefinden, so f\u00fcr die Repressionskr\u00e4fte kaum zu durchschauen sind und deswegen<br \/>\neine hohe Widerstandsf\u00e4higkeit besitzen.<\/p>\n<p>Jugendliche&nbsp;Nicht-Bewegungen sind&nbsp;nach Bayat dagegen weniger<br \/>\ndurch das bestimmt, was die Jugendlichen tun (Netzwerke herstellen,<br \/>\norganisieren usw.) als durch die Art wie sie SIND: Verhalten, Kleidung,<br \/>\nSprechweisen, Gangarten, Musik &#8211; sowohl in \u00f6ffentlichen als auch privaten<br \/>\nR\u00e4umen. Die Identit\u00e4t einer Jugendlichen Nichtbewegung fu\u00dft also nicht so sehr<br \/>\nauf&nbsp;kollektivem Handeln sondern auf kollektivem Sein. Dabei k\u00f6nnen sie<br \/>\nVorboten eines gesellschaftlichen Wandels werden.<\/p>\n<p>Ihre St\u00e4rke ist die Macht der gro\u00dfen Zahl, die zur Normalisierung und<br \/>\nLegitimierung von eigentlich unzul\u00e4ssigen Aktivit\u00e4ten f\u00fchrt. \u201eNicht-Bewegungen<br \/>\nzu unterdr\u00fccken w\u00fcrde bedeuten, bestimmte Abl\u00e4ufe im Alltagsleben einzuschr\u00e4nken<br \/>\n&#8211; eine Ma\u00dfnahme, die ausgedehnte Kamera\u00fcberwachung, Kontrollpunkte und h\u00e4ufige<br \/>\nFestnahmen n\u00f6tig machen w\u00fcrde\u201c<a href=\"#_ftn20\">[20]<\/a>.&nbsp;So<br \/>\nwird das Vordringen in der Regel solange akzeptiert, wie es \u00fcberschaubar<br \/>\nbleibt. \u201eSobald es ausufert, handeln die Regierungen\u201c<a href=\"#_ftn21\">[21]<\/a>.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4mpfe&nbsp;um die Stadt<\/strong><\/p>\n<p>Diese&nbsp;stillen K\u00e4mpfe lassen sich aber nicht nur in \u00c4gypten,<br \/>\nsondern&nbsp;in vielen&nbsp;St\u00e4dten Afrikas beobachten<a href=\"#_ftn22\">[22]<\/a>.&nbsp;Im<br \/>\nVordergrund stehen die&nbsp;Verteidigung<br \/>\nder&nbsp;prek\u00e4ren Einkommensquellen&nbsp;und Lebensbedingungen,&nbsp;K\u00e4mpfe um<br \/>\nTeilhabe,&nbsp;Haus- und&nbsp;Landbesetzungen in der<br \/>\nStadt&nbsp;und der<br \/>\nKampf gegen&nbsp;Vertreibungen und&nbsp;Repression.<\/p>\n<p>Bergmann<a href=\"#_ftn23\">[23]<\/a>&nbsp;versucht<br \/>\nsich dieser \u201eSubjektivit\u00e4t ohne Subjekte\u201c durch einen R\u00fcckgriff auf AbdouMaliq<br \/>\nSimone&nbsp;(2010)&nbsp;zu n\u00e4hern: \u201eSubjektivit\u00e4t, und besonders in<br \/>\nAfrika,&nbsp;[ist]&nbsp;eine immer sehr vorl\u00e4ufige, volatile, dem Neuen<br \/>\ndurchaus aufgeschlossene Suche nach einer Ver\u00e4nderung der schlechten<br \/>\nVerh\u00e4ltnisse\u201c.&nbsp;F\u00fcr Bergmann beruht diese&nbsp;antagonistische<br \/>\nSubjektbildung auf kollektiven Praktiken&nbsp;vor Ort&nbsp;und&nbsp;gleichzeitig<br \/>\nsieht er sie&nbsp;prim\u00e4r im globalen Kontext.&nbsp;Sie ist gepr\u00e4gt durch<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>einen&nbsp;hohen Grad<br \/>\nder Mobilit\u00e4t, als Praxis und als Aspiration, eben nicht nur unter dem Zwang<br \/>\nder Verh\u00e4ltnisse, sondern auch auf der Suche nach Erfahrungen und<br \/>\nM\u00f6glichkeiten;<\/li>\n<li>durch&nbsp;das<br \/>\nVerh\u00e4ltnis von den St\u00e4dten des Globalen S\u00fcdens zu denen des Nordens;<\/li>\n<li>durch&nbsp;die<br \/>\nrelative Unsichtbarkeit der Quartiere der working poor in den St\u00e4dten des<br \/>\nS\u00fcdens;<\/li>\n<li>durch&nbsp;die Wege,<br \/>\nauf denen besondere kollektive Erfahrungen in diesen St\u00e4dten geschmiedet<br \/>\nwerden, indem disparate Erfahrungen zusammengebracht werden, um zu sehen, was<br \/>\ndann damit passieren k\u00f6nnte<\/li>\n<li>und durch&nbsp;die<br \/>\nVerbindungen und R\u00fcckbindungen von den St\u00e4dten zum Land.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Simone beschw\u00f6rt die Vielfalt und Offenheit, die Unkontrollierbarkeit<br \/>\nund die fehlende Planbarkeit des peripheren st\u00e4dtischen Lebens<a href=\"#_ftn24\">[24]<\/a>.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4mpfe&nbsp;um&nbsp;die&nbsp;Subsistenz<\/strong><\/p>\n<p>Auf dem Land k\u00e4mpfen Menschen \u00fcberall in Afrika um den Erhalt ihrer<br \/>\nSubsistenz. Diese K\u00e4mpfe um Land richten sich gegen ausl\u00e4ndische Investoren,<br \/>\ndie Regierungen, die sie gerufen, die Repressionskr\u00e4fte, die sie sch\u00fctzen und<br \/>\nlokale Eliten, die mit ihnen kooperieren.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig werden die sozialen Konflikte ethnisiert, d.h. die vom<br \/>\nKolonialismus und Nationalstaat durchgesetzten ethnischen oder religi\u00f6sen<br \/>\nKategorien bilden die Interpretationsfolie der Auseinandersetzungen. Daraus<br \/>\nergibt sich, wer von wem massakriert oder besch\u00fctzt wird, weil traditionelle<br \/>\nKonfliktbew\u00e4ltigungsstrategien gezielt ausgehebelt werden.<\/p>\n<p>Im letzten Jahr waren die Auseinandersetzungen in \u00c4thiopien besonders<br \/>\nheftig. Die Situation eskalierte dort Ende 2015, als die Regierung bekannt gab,<br \/>\ndie Stadtgrenzen der Hauptstadt Addis Abeba auszuweiten. Die ans\u00e4ssige<br \/>\nBev\u00f6lkerung, die der diskriminierten Ethnie der Oromo angeh\u00f6rt setzte sich zur<br \/>\nWehr. Innerhalb eines halben Jahrs ermordeten die Repressionskr\u00e4fte mehr als<br \/>\n600 Oromo. Die Pl\u00e4ne wurden aber erstmal auf Eis gelegt<a href=\"#_ftn25\">[25]<\/a>.<\/p>\n<p>Der Widerstand im l\u00e4ndlichen Raum \u00e4u\u00dfert sich wie in der<br \/>\nStadt&nbsp;nicht ausschlie\u00dflich in Form organisierter Bauernbewegungen oder<br \/>\nRiots, sondern in vielf\u00e4ltigen Formen wie illegales Abernten \u00f6ffentlicher oder<br \/>\nprivater Plantagen, illegale Pflanzungen, Drogen\u00f6konomie von unten, F\u00e4llen von<br \/>\nB\u00e4umen in sogenannten Naturschutzgebieten, Wilderei oder das Sabotieren von<br \/>\nBauarbeiten.&nbsp;Auch hier sind die&nbsp;Protagonist_innen vor allem Frauen<br \/>\nund junge Menschen.<\/p>\n<p><strong>K\u00e4mpfe&nbsp;gegen den Krieg: Das Beispiel Dadaab<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts der Kriege&nbsp;und Vernichtungsz\u00fcge&nbsp;gegen afrikanische Bev\u00f6lkerungen<br \/>\nvon \u00dcberflussbev\u00f6lkerung zu sprechen, trifft den Kern nicht: die Elenden sind<br \/>\nnicht \u00fcberfl\u00fcssig sondern&nbsp;notwendig&nbsp;f\u00fcr die&nbsp;\u201ekapitalistische<br \/>\nEntwicklung\u201c:&nbsp;Der Tod der Einen garantiert das Trauma der Anderen.&nbsp;Und<br \/>\ndie Gewalt des Krieges ist die Grundlage besonders krasser Ausbeutungsformen,&nbsp;Kapitalakkumulationen<br \/>\nin den H\u00e4nden weniger usw.<\/p>\n<p>Der Realit\u00e4t des Krieges k\u00f6nnen wir nur gerecht werden, wenn wir<br \/>\nversuchen, sie aus dem Blickwinkel dieser vermeintlich \u201e\u00dcberfl\u00fcssigen\u201c zu<br \/>\nbetrachten, die f\u00fcr den Kapitalismus reif traumatisiert werden sollen. Ben<br \/>\nRawlence (2016) hat mit seinem fulminanten Bericht \u00fcber das gr\u00f6\u00dfte<br \/>\nFl\u00fcchtlingslager der Welt unglaublich viele Facetten des Krieges aus<br \/>\nverschiedenen Blickwinkeln \u201evon unten\u201c festgehalten:<\/p>\n<p>Er beschreibt aus der Sicht der Vertriebenen, deren Enteignung und<br \/>\nVertreibung durch die Hungerpolitiken (incl. internationaler Hilfe) und als<br \/>\ndirekte Folge der Waffenlieferungen aus Europa und USA. Al-Shabaab, weitere<br \/>\nsomalische, kenianische, \u00e4thiopische Warlords und Politiker sowie<br \/>\nimperialistische Kr\u00e4fte arbeiten hier Hand in Hand.<\/p>\n<p>Er beschreibt den Terror gegen die Enteigneten, der sowohl in den Lagern,<br \/>\nin Nairobi als auch in den Herkunftsgebieten groteske Formen annimmt. So m\u00fcssen<br \/>\nsich die Fl\u00fcchtlinge permanent die Frage stellen, wo es sich denn weniger<br \/>\nschlecht leben lasse, im somalischen Krieg oder im kenianischen \u201eFrieden\u201c. Auf<br \/>\nder Flucht und in den Lagern nahmen die Vergewaltigungen \u201eepidemische Ausma\u00dfe\u201c<a href=\"#_ftn26\">[26]<\/a>&nbsp;an.<br \/>\nJede dritte Frau im Lager wurde Opfer<a href=\"#_ftn27\">[27]<\/a>.<br \/>\nEr beschreibt, wie die unertr\u00e4gliche Situation im Lager viele Beziehungen<br \/>\nscheitern lie\u00df und zu einem Anstieg h\u00e4uslicher Gewalt f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Er beschreibt aus der Sicht der Ausgebeuteten, wie in dem<br \/>\nspitzelverseuchten, knast\u00e4hnlichen Lager v\u00f6llig neue Formen kapitalistischer<br \/>\nAusbeutungsverh\u00e4ltnisse entstehen, er berichtet \u00fcber die Ausbreitung von<br \/>\nMarktverh\u00e4ltnissen als Folge der Enteignungen und Vertreibungen, \u00fcber die<br \/>\nEntstehung von neuen Eliten, die Bereicherung von somalischen und kenianischen<br \/>\nGesch\u00e4ftsleuten an der Arbeitskraft der Fl\u00fcchtlinge und der internationalen<br \/>\nHilfe. Er beschreibt die Verwobenheit von Politik und Gesch\u00e4ft, von Polizei<a href=\"#_ftn28\">[28]<\/a>&nbsp;und<br \/>\nAl-Shabaab.<\/p>\n<p>Er beschreibt, wie in den durch und durch rassistischen Strukturen der<br \/>\nLager ein v\u00f6llig neuer Menschentypus aufw\u00e4chst, \u201emit kenianischer Schulbildung,<br \/>\nund den liberalen Idealen der globalen NGO-Kultur\u201c<a href=\"#_ftn29\">[29]<\/a>.<br \/>\nEr beschreibt, wie sich imperialistische Staaten handverlesene Fl\u00fcchtlinge f\u00fcr<br \/>\nihre Resettlement-Programme aussuchen, die mehr die Hoffnung als die reale<br \/>\nChance beinhalten, in eins dieser gelobten L\u00e4nder umsiedeln zu k\u00f6nnen<a href=\"#_ftn30\">[30]<\/a>.<br \/>\nEr beschreibt, wie das Leben eines Europ\u00e4ers oder Amerikaners so viel mehr wert<br \/>\nist, als das Leben eines Afrikaners, und das Leben eines Kenianers so viel mehr<br \/>\nwert, als das eines Fl\u00fcchtlings.<\/p>\n<p>Er beschreibt das Erstarken des wahabbistischen Islams am Horn von<br \/>\nAfrika, seine zunehmenden Brutalit\u00e4ten im Kampf gegen \u201eUnmoral\u201c, Hexenglauben<br \/>\nund andere \u201eIrrationalit\u00e4ten\u02ba.<\/p>\n<p>Und er beschreibt&nbsp;die Zerst\u00f6rung der<br \/>\n\u00f6kologischen&nbsp;Lebensbedingungen&nbsp;im Norden Kenias wie in den<br \/>\nHerkunftsgebieten in Somalia. Er erz\u00e4hlt von einer Welt mit eigenen Regeln,<br \/>\neigenen Grenzen, eigenen Geschichten. Er erz\u00e4hlt von einer vom UNHCR und den Hilfsorganisationen<br \/>\ngeschaffenen Gesellschaft, \u201ederen Grundpfeiler die Lebensmittelhilfe und ein<br \/>\ninternationales Rechtevokabular waren. Und zugleich war es ein gl\u00fchend hei\u00dfer<br \/>\nSlum\u201c<a href=\"#_ftn31\">[31]<\/a>.<\/p>\n<p>Und weil er das alles aus der Sicht \u201evon unten\u201c beschreibt, ist es nicht<br \/>\neinfach nur eine Litanei des Elends. Im Mittelpunkt stehen die Bewohner_innen<br \/>\ndes Lagers, ihre t\u00e4glichen K\u00e4mpfe, ihre Arbeit, ihre Beziehungen, ihre<br \/>\nHerkunft, ihre Tr\u00e4ume, ihre Strategien, ihre Erfolge und nicht selten ihr<br \/>\nScheitern.&nbsp;Vor allem beschreibt er, wie die Menschen nur \u00fcberleben k\u00f6nnen,<br \/>\nindem sie zusammenhalten, sich organisieren \u201ewie sie es von zu Hause gewohnt<br \/>\nwaren\u201c<a href=\"#_ftn32\">[32]<\/a>,<br \/>\negal gegen wen:&nbsp;die Vergewaltiger,&nbsp;die kenianischen Beh\u00f6rden, die UNO<br \/>\nund die NGOs,&nbsp;Al-Shabaab&nbsp;oder&nbsp;die Banditen&nbsp;im Lager.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Rawlence beschreibt &#8211; ohne es selber zu bemerken<a href=\"#_ftn33\">[33]<\/a>&nbsp;&#8211;<br \/>\nden erbitterten Widerstand somalischer Menschen gegen die<br \/>\nZumutungen&nbsp;kapitalistischer Entwicklung. Viele h\u00e4ngen noch an ihren alten<br \/>\nVerh\u00e4ltnisse, denen Marx schon im 19. Jahrhundert&nbsp;den Untergang an den<br \/>\nHals gew\u00fcnscht hat. Andere tr\u00e4umen von einer Fata Morgana, die sich Frieden<br \/>\nnennt und Ausbeutung meint.<\/p>\n<p><strong>Migration als eigensinnige Praxis<\/strong><\/p>\n<p>Afrika war schon immer ein Kontinent des Bewegens, des Weggehens, des<br \/>\nAnkommens, des Weiterwanderns, des Wiederkommens<a href=\"#_ftn34\">[34]<\/a>.<br \/>\nDie Eingebundenheit in soziale Strukturen bewirkt, dass diese Mobilit\u00e4t als<br \/>\nkollektiver Prozess gelebt wird<a href=\"#_ftn35\">[35]<\/a>.<\/p>\n<p>Rawlence beschreibt Migration als eigensinnige Praxis: \u201eDie Subjekte<br \/>\nhandeln und bewegen sich nicht unabh\u00e4ngig von der Geschichte, den Strukturen<br \/>\nund den damit verbundenen &gt;einge\u00fcbten&lt; Wegen, dennoch entsteht etwas<br \/>\nNeues, etwas Eigen-Sinniges. Dieses Eigensinnige ist weder von einer Autonomie<br \/>\nnoch von Determinismen bestimmt, vielmehr nicht-linear, aber auch nicht<br \/>\nbeliebig\u201c<a href=\"#_ftn36\">[36]<\/a>.<\/p>\n<p>Der Krieg, die Not oder das Abenteuer, Gr\u00fcnde wegzugehen gibt es<br \/>\nzahlreiche. Doch die Katastrophen der letzten Jahrzehnte, vor allem auch die<br \/>\nrestriktive Migrationspolitik der Metropolen, blockieren zunehmend die Option<br \/>\ndes Wiederkommens f\u00fcr den \u00e4rmeren Teil der Migrierenden. Diese Katastrophen<br \/>\nf\u00f6rdern das Schleppertum, die Verschuldung und selektieren gnadenlos die<br \/>\n\u201eFittesten\u201c auf dem Weg in die Fl\u00fcchtlingslager des S\u00fcdens, durch die Sahara in<br \/>\nden Norden des Kontinents oder im Mittelmeer auf dem Weg nach Europa<a href=\"#_ftn37\">[37]<\/a>.<\/p>\n<p>Jene, die Europa lebend erreichen, h\u00e4ufig traumatisiert, immer mit<br \/>\nfurchtbaren Erfahrungen im Gep\u00e4ck, sind der Repression und Entrechtung sowie<br \/>\nanderen Formen der Gewalt noch l\u00e4ngst nicht entkommen. Ausgeschlossen vom<br \/>\nregul\u00e4ren Arbeitsmarkt, getrieben von der Notwendigkeit, jede Arbeit zu<br \/>\n\u00fcbernehmen, um die Schulden abzuzahlen und das Schicksal der Lieben zu Hause zu<br \/>\nerleichtern, werden sie gezwungen, die Konkurrenz in den prek\u00e4ren Sektoren des<br \/>\nArbeitsmarktes anzuheizen. Egal welche Ausbildung oder Vorerfahrung sie haben,<br \/>\nals Facharbeiter m\u00fcssen sie erst sozialisiert werden<a href=\"#_ftn38\">[38]<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Kontinent der K\u00e4mpfe<\/strong><\/p>\n<p>Afrika&nbsp;wurde&nbsp;viele Attribute zugeschrieben. Mal war es der<br \/>\nhoffnungsvolle, mal der hoffnungslose Kontinent, mal der Kontinent des Elends,<br \/>\nder Korruption, der Vetternwirtschaft.&nbsp;Perry (2016)&nbsp;beschreibt Afrika<br \/>\nals einen Kontinent der \u201etotalen Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen\u201c. Afrika<br \/>\nsei heute zugleich \u201eKapstadt und Kogelo, Buschtrommel und Mobiltelefon\u201c. Ist<br \/>\nzugleich acht Raumfahrtprogramme und riesige Gebiete, die v\u00f6llig dunkel sind,<br \/>\nwenn man sie nachts im Flugzeug \u00fcberfliegt, einfach weil immer noch knapp zwei<br \/>\nDrittel ihrer Bewohner nicht ans Stromnetz angeschlossen sind.<\/p>\n<p>Doch all diese Zuschreibungen werden dem Kontinent nicht&nbsp;wirklich<br \/>\ngerecht. Ich glaube, wenn wir versuchen, den Kontinent mit den Augen der gro\u00dfen<br \/>\nMehrzahl seiner Bewohner_innen zu sehen, kommen wir nicht umhin, ihn als<br \/>\nKontinent der K\u00e4mpfe und als Kontinent der Solidarit\u00e4t wahrzunehmen.<\/p>\n<p>Das Leben der meisten Armen Afrikaner_innen ist gepr\u00e4gt von diesen<br \/>\nt\u00e4glichen kleinen, und selteneren gro\u00dfen K\u00e4mpfen. Um Wasser, um Nahrung, um<br \/>\nEinkommen, um Land, um Bewegungsfreiheit, um Gerechtigkeit und um ein Leben in<br \/>\nW\u00fcrde. Sie k\u00e4mpfen gegen \u201eEntwicklung\u201c und \u201eneue Technologien\u201c, nicht weil sie<br \/>\netwas gegen Gl\u00fchbirnen oder Mobiltelefone haben, sondern weil sie t\u00e4glich<br \/>\nerfahren, das kapitalistische Entwicklung und Technologien im wahrsten Sinne<br \/>\ndes Wortes Vampire sind, die sich mit dem Blut ihrer Opfer vollsaugen m\u00fcssen<br \/>\nund die \u00dcberlebenden versklaven. Die Opfer leben \u00fcberproportional in Afrika.<\/p>\n<p>Diese K\u00e4mpfe w\u00e4ren nichts, ohne die Solidarit\u00e4t und die sozialen<br \/>\nBeziehungen, die vor allem von den Frauen aufrechterhalten werden. Sie kn\u00fcpfen<br \/>\nan Vorstellungen historischer egalit\u00e4rer afrikanischer Gesellschaften an.<\/p>\n<p>Doch diese K\u00e4mpfe haben ein Problem: es ist der Feind,<br \/>\nder&nbsp;\u00fcberm\u00e4chtig von fernen Kontinenten Waffen,<br \/>\nM\u00fcll,&nbsp;Ramsch,&nbsp;Technologien, Schulden,&nbsp;Soldaten, Drohnen, Raketen<br \/>\nschickt, der ihnen eine Wirtschaftspolitik aufzwingt,&nbsp;bei der sie nur<br \/>\nverlieren k\u00f6nnen,&nbsp;sie zur Verelendung und Ausbeutung zwingt. Dieser<br \/>\nFeind&nbsp;ist unglaublich reich.&nbsp;Und brutal.&nbsp;Er ist immer wieder in<br \/>\nder Lage, Kollaborateure aufzubauen.&nbsp;Er&nbsp;wird von Afrika aus kaum zu<br \/>\nstoppen sein. In seinen Herkunftsl\u00e4ndern&nbsp;muss&nbsp;er zu Fall gebracht<br \/>\nwerden!&nbsp;Nicht aus Mitleid, sondern aus Solidarit\u00e4t!<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p>Bayat, Asef: Leben als Politik &#8211; Wie ganz normale Leute den Nahen Osten<br \/>\nver\u00e4ndern; Berlin\/ Hamburg 2012<\/p>\n<p>Behrendt, Moritz; Kenia fordert L\u00f6segeld; Interview mit Ben Rawlence;<br \/>\nin: Candid Foudation (Hrsg.); Planet der Fl\u00fcchtlinge; Warum es kein Zur\u00fcck mehr<br \/>\ngibt; Berlin 2016; S. 96f.<\/p>\n<p>Benz, Martina\/ Schwenken, Helen; Jenseits von Autonomie und Kontrolle:<br \/>\nMigration als eigensinnige Praxis; in: Prokla 140; 3\/2005; S. 363-377<\/p>\n<p>Bergmann, W.; Cityness in Afrika &#8211; \u00dcber Mobilit\u00e4t, Offenheit,<br \/>\nUnkontrollierbarkeit, Subjektivit\u00e4t und Selbstorganisierung;&nbsp;izindaba.info&nbsp;27.06.2014<\/p>\n<p>Branch, Adam\/ Mampilly, Zachariah; Africa<br \/>\nUprising: Popular Protest and Political Change; London 2015<\/p>\n<p>B\u00fchler, Johannes, Am Fu\u00df der Festung, Stuttgart 2015<\/p>\n<p>Cooper, Frederick; Kolonialismus Denken, Frankfurt\/ M.2012<\/p>\n<p>Cooper, Frederick; Afrika in der kapitalistischen Welt; izindaba.info;<br \/>\n17.01.2011. (Original: Cooper, Frederick; Africa in a capitalist World; in:<br \/>\nDarlene Clark Hine\/Jaqueline McLeod (Hg.), Crossing Boundaries; Comparative<br \/>\nHistory of Black People in Diaspora; Bloomington\/Indianapolis 1999; S. 391 &#8211;<br \/>\n418)<\/p>\n<p>Eberlei, Walter, Afrikanische Soziale Bewegungen vs. Zivilgesellschaften<br \/>\nin Afrika; In: Forschungsjournal soziale Bewegungen; 3\/2014; S. 32-38<\/p>\n<p>Economist; The hopeful continent:&nbsp;Africa<br \/>\nrising; After decades of slow growth, Africa has a real chance to follow in the<br \/>\nfootsteps of Asia;&nbsp;3.12.2011;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.economist.com\/node\/21541015\">http:\/\/www.economist.com\/node\/21541015<\/a><\/p>\n<p>Eggers, Dave; Weit Gegangen; K\u00f6ln 2008<\/p>\n<p>Federici, Silvia; Aufstand aus der K\u00fcche; M\u00fcnster 2012a<\/p>\n<p>Federici, Silvia;&nbsp;Caliban und die Hexe; Wien 2012b<\/p>\n<p>Federici, Silvia; Women, Witch-Hunting and Enclosures in Africa Today;<br \/>\nSozial Geschichte online; 3\/2010; S. 10-27<\/p>\n<p>Gertel, J\u00f6rg\/ Ouaissa, Rachid\/Ganseforth, Sonja; Jugend in der arabische<br \/>\nWelt; in: Gertel, J\u00f6rg\/ Ouaissa, Rachid (Hg.); Jugendbewegungen; St\u00e4dtischer<br \/>\nWiderstand und Umbr\u00fcche in der arabischen Welt; Bielefeld 2014; S. 12-28<\/p>\n<p>Goldberg, J\u00f6rg; Die Emanzipation des S\u00fcdens: Die Neuerfindung des<br \/>\nKapitalismus aus Tradition und Weltmarkt; K\u00f6ln 2015<\/p>\n<p>Harvey, David, The New Imperialism; Oxfort 2003<\/p>\n<p>Holloway, John, Kapitalismus aufbrechen, M\u00fcnster 2010<\/p>\n<p>Manji, Fiorene; Afrikanische Aufbr\u00fcche; Der&nbsp;Mut, die Zukunft neu zu<br \/>\nerfinden;&nbsp;in: Africa Avenir International e.V. (Hrsg.); Widerstand,<br \/>\nRevolutionen, Renaissance; Stimmen zum sozialen Aufbruch in Afrika; Berlin<br \/>\n2013; S. 14-30&nbsp;(Original:&nbsp;Manji, Fiorene;&nbsp;African Awakenings:<br \/>\nthe courage to invent the future; in:&nbsp;Manji,<br \/>\nFiorene\/&nbsp;Ekine,&nbsp;Sokari&nbsp;(Ed.);&nbsp;African Awakening;&nbsp;Cape<br \/>\nTown\/ Dakar\/ Nairobi\/ Oxfort 2011)<\/p>\n<p>Marx, Karl; Das Kapital; 1. Band; in: Marx, Karl \/ Engels, Friedrich;<br \/>\nWerke Band 23; Berlin 1962 (Original: 1890)<\/p>\n<p>Mbobela, Emmanuel, Mein Weg vom Kongo nach Europa; Wien 2014<\/p>\n<p>MGI &#8211; McKinsey Global Institut;&nbsp;Lions on<br \/>\nthe move II: Realizing the potential of Africa\u2019s economies; September<br \/>\n2016;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.mckinsey.com\/global-themes\/middle-east-and-africa\/lions-on-the-move-realizing-the-potential-of-africas-economies\">http:\/\/www.mckinsey.com\/global-themes\/middle-east-and-africa\/lions-on-the-move-realizing-the-potential-of-africas-economies<\/a><\/p>\n<p>mLungu; \u201eWir werden den \u00e4gyptischen Weg, wir werden den tunesischen Weg<br \/>\ngehen!\u201c; In allen Regionen Afrikas eskaliert der Krieg um&nbsp;Lebensmittel;<br \/>\nizindaba.info 03.05.2011<\/p>\n<p>Perry, Alex; In Afrika; Reise in die Zukunft; Frankfurt 2016<\/p>\n<p>Rawlence, Ben; Stadt der Verlorenen; Leben im gr\u00f6\u00dften Fl\u00fcchtlingslager<br \/>\nder Welt; M\u00fcnchen 2016<\/p>\n<p>Saunders, Doug; Arrival City; M\u00fcnchen 2011<\/p>\n<p>Simone, AbdouMaliq;&nbsp;CityLife from Jakarta to Dakar; New York 2010<\/p>\n<p>Sylla, Ndongo Samba; Democracy, liberalism ans social movemets in West<br \/>\nAfrica; in: ders. (ed.); Liberalism and its Discontents; Social movements in<br \/>\nWest Africa; Dakar 2014;&nbsp;S. 13-71<\/p>\n<p>Zeller, Christian (Hrsg.); Die Enteignungs\u00f6konomie; M\u00fcnster 2004<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.izindaba.info\/57.0.html?&amp;L=0&amp;tx_ttnews%5Btt_news%5D=314&amp;cHash=0ade385e62b47c48452241f55f7f0804\"><em>izindaba.info&#8230;<\/em><\/a><em> vom 20. Juni 2019<\/em><\/p>\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a><br \/>\nSchon das, was Afrika ist, ist umstritten. Insgesamt scheint es aber einen<br \/>\nKonsens zu geben, dass grob drei Sozialr\u00e4ume unterschieden werden k\u00f6nnen: der<br \/>\nMaghreb und \u00c4gypten, das subsaharische Afrika (SSA) und die Republik S\u00fcdafrika<br \/>\n(RSA), die alleine 30% der afrikanischen Wirtschaftskraft ausmachen soll. SSA<br \/>\nwird oft als das \u201eeigentliche\u201c Afrika betrachtet wird (vgl. z.B. Goldberg 2015;<br \/>\nS. 156;&nbsp;160). Im Folgenden sind alle drei Sozialr\u00e4ume gemeint, wenn von<br \/>\nAfrika gesprochen wird. Auf die Unterschiede zwischen Sozialr\u00e4ume, Regionen,<br \/>\nNationalstaaten kann im Rahmen dieses Textes nur am Rande eingegangen werden.<br \/>\nSonderf\u00e4lle wie die spanischen Kolonien Islas Canarias, Melilla und Ceuta sowie<br \/>\nder afrikanische Staat in der Karibik, Haiti, werden nicht weiter<br \/>\nbeachtet.&nbsp;<\/p>\n<p>Cooper (2012, S. 187)<br \/>\nweist darauf hin, dass \u201e&gt;Afrika&lt; als Raum, den Menschen mit Sinn<br \/>\nausstatten, \u2026 weniger durch Prozesse innerhalb der Grenzen des Kontinents<br \/>\ndefiniert (wurde) als vielmehr durch seine Diaspora\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a><br \/>\nSeit 2011 ist in Afrika eine Zunahme vielf\u00e4ltiger Proteste, Streiks und<br \/>\nMassenaktionen und \u00fcber die letzten 10 Jahre eine betr\u00e4chtliche Zunahme bzw.<br \/>\nR\u00fcckkehr sozialer Bewegungen in zahlreichen L\u00e4ndern zu beobachten. Siehe mLungu<br \/>\n2011; Manji 2013.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a><br \/>\nManji 2013.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a><br \/>\nDer Begriff \u201eAfrica is rising\u201c geht auf einen Artikel im Economist vom<br \/>\n3.12.2011 mit dem Titel \u201eThe hopeful continent: Africa rising\u201c zur\u00fcck. Adam<br \/>\nBranch und Zachariah Mampilly (2015) betonten dagegen: Africa is uprising.<br \/>\nBeide Aussagen sind von zahlreichen anderen Autor_innen aufgenommen worden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a><br \/>\nCooper&nbsp;2011.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a><br \/>\nSiehe dazu auch:&nbsp;Federici&nbsp;2010.&nbsp;2012b.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a><br \/>\nGemeint sind hier alle Gewaltformen gegen LGBTIQ+, also Lesben, Schwule (Gays),<br \/>\nBi-, Trans- und Intersexuelle, Queere und andere sexuelle Minderheiten.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a><br \/>\nZurzeit&nbsp;wird in Hinblick auf den G20 Gipfel in Hamburg der \u201eMarschallplan<br \/>\nmit Afrika\u201c des deutschen Bundesministeriums f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit<br \/>\nund Entwicklung&nbsp;verhandelt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a><br \/>\nMGI 2016, S. 63ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a><br \/>\nAm ehesten in S\u00fcdafrika,&nbsp;Marokko,&nbsp;\u00c4gypten und Nigeria.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a> Marx 1962, S. 789.&nbsp;Vgl.<br \/>\nMarx 1962, S. 741-791. Eine ausf\u00fchrliche Auseinandersetzung mit<br \/>\nder Bedeutung des marxistischen Ansatzes,&nbsp;seiner&nbsp;aktuellen Apologeten<br \/>\nund seiner v\u00f6lkerm\u00f6rderischen Implikationen&nbsp;f\u00fcr den afrikanischen<br \/>\nKontinent&nbsp;steht noch aus.&nbsp;Interessant aber ist, das&nbsp;z.B.&nbsp;bei<br \/>\nHarvey und Konsorten heutzutage der Terror und die<br \/>\nBlutgesetzgebung&nbsp;schlicht&nbsp;nicht mehr vorkommen. Repression,<br \/>\nTerror,&nbsp;Krieg&nbsp;und&nbsp;Mord&nbsp;den Linken als \u201e\u00fcbel aber notwendig\u201c<br \/>\nzu verkaufen, scheint nicht mehr&nbsp;so&nbsp;<em>en vogue<\/em>&nbsp;(vgl.<br \/>\nHarvey&nbsp;2003, Zeller&nbsp;2004).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a><br \/>\nvgl.&nbsp;Eberlei 2014, S.35.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\">[13]<\/a><br \/>\nVgl. Sylla 2014.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\">[14]<\/a><br \/>\nFederici&nbsp;2012a.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\">[15]<\/a><br \/>\nDie in dem Band versammelte Texte wurden zwischen 2000-2007 ver\u00f6ffentlicht, die<br \/>\ndeutsche \u00dcbersetzung erst 2012. Lediglich das Vorwort und das 8. Kapitel wurde<br \/>\nvon Bayat im Sommer 2012 f\u00fcr die deutsche Ausgabe geschrieben.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\">[16]<\/a><br \/>\nBayat 2012; 81ff.; 126ff. Gertel u.a 2014.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\">[17]<\/a><br \/>\nBenz\/ Schwenken 2005.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\">[18]<\/a><br \/>\nBayat 2012, S. 45.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\">[19]<\/a><br \/>\nHolloway 2010, S. 260.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\">[20]<\/a><br \/>\nBayat 2012, S. 39.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\">[21]<\/a><br \/>\nBayat 2012, S.&nbsp;121.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\">[22]<\/a><br \/>\nBayat (2012) geht davon aus, dass die Stillen K\u00e4mpfe vor allem in \u201eNicht-demokratischen<br \/>\nGesellschaften\u201c ausgefochten werden, weil es in den Demokratien des Nordens<br \/>\ndemokratische Konfliktregelungspraktiken gebe. Das ist einerseits falsch, weil<br \/>\ner den demokratischen Gehalt der sogenannten Demokratien \u00fcbersch\u00e4tzt und<br \/>\nandererseits, weil soziale Nichtbewegungen auch im Norden stattfinden &#8211; sie<br \/>\nwerden, abgesehen von der Migration, nur viel zu wenig beachtet und gew\u00fcrdigt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\">[23]<\/a><br \/>\nBergmann 2014.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\">[24]<\/a><br \/>\nOb der Blick des Urbanisten, der die Menschen als \u201eInfrastruktur\u201c wahrnimmt<br \/>\n(vgl.&nbsp;Simone&nbsp;2010, 117ff.), dabei hilfreich ist, Widerstandsgeister<br \/>\nwahrzunehmen bzw. zu wecken, sei einmal dahingestellt &#8211; im Gegensatz dazu<br \/>\nBergmanns erfrischende Interpretation.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\">[25]<\/a><br \/>\nW\u00e4hrend die Oromo ermordet wurden, verhandelte die EU mit dem Regime \u00fcber ein<br \/>\nsogenanntes \u201eR\u00fcck\u00fcbernahmeabkommen\u201c f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge. Auch mit Eritrea, Somalia<br \/>\nund dem Sudan wird verhandelt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\">[26]<\/a><br \/>\nRawlence 2016 S. 104.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\">[27]<\/a><br \/>\nRawlence 2016 S. 241.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\">[28]<\/a><br \/>\n\u201eF\u00fcr die Polizei auf beiden Seiten der Grenze war der Fl\u00fcchtlingsstrom eine<br \/>\neinmalige Chance, reich zu werden\u201c Rawlence 2016 S. 104f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\">[29]<\/a><br \/>\nRawlence 2016 S. 104.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\">[30]<\/a><br \/>\nRawlence beschreibt die Geschichte von Muna und Monday, deren Leben im Lager<br \/>\nbedroht war. Ihnen gelang es in das Resettlement-Pogramm der australischen<br \/>\nRegierung aufgenommen zu werden. Die australischen Beh\u00f6rden verschlampten aber<br \/>\nden Fall. Pech gehabt! \u201eWegen einer ausgebliebenen E-mail waren Munas und<br \/>\nMondays Leben durch das Resettlement-Raster gefallen\u201c (Rawlence 2016 S. 380).<br \/>\nDie Resettlement-Pl\u00e4tze sind aber auch auf dem Schwarzmarkt handelbar, bis zur<br \/>\n10.000 US-$ kostet eine \u201eBeratung\u201c, immerhin etwas weniger, als die gef\u00e4hrliche<br \/>\nAuswanderung auf dem Landweg, die kaum unter 11.000 US-$ zu haben war (vgl.<br \/>\nRawlence 2016 S. 215; 302).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\">[31]<\/a><br \/>\nRawlence 2016 S. 66. Rawlence Recherchezeitraum \u00fcberschnitt sich mit der<br \/>\nHungersnot 2010\/2011. Mehr als eine Viertel Millionen Menschen starben, die<br \/>\nH\u00e4lfte davon j\u00fcnger als f\u00fcnf Jahre. Monatlich str\u00f6mten zehntausende<br \/>\nNeuank\u00f6mmlinge nach Dadaab.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\">[32]<\/a><br \/>\nRawlence 2016 S. 159.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\">[33]<\/a><br \/>\nVgl. Behrendt 2016.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref34\">[34]<\/a><br \/>\nInsofern greift auch das Konzept der \u201eArrival Citys\u201c (Saunders&nbsp;2011) f\u00fcr<br \/>\ndie gro\u00dfen und kleine St\u00e4dte des Kontinents viel zu kurz.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref35\">[35]<\/a><br \/>\nnach Cooper 2012, S. 179.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref36\">[36]<\/a><br \/>\nBenz\/ Schwenken 2005,&nbsp;S. 373.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref37\">[37]<\/a><br \/>\nDiese Selektionen sind oft beschrieben worden, neben Rawlence 2016 siehe z.B.<br \/>\nEggers 2008, Gatti 2011, Mbolela 2014, B\u00fchler 2015.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref38\">[38]<\/a><br \/>\nIm Jahre 2016 wurden z.B. in ganz K\u00f6ln lediglich 84 (!!!) Fl\u00fcchtlinge \u201eneu in<br \/>\nden Arbeitsmarkt integriert\u201c, d.h. im regul\u00e4ren Arbeitsmarkt oder in einer<br \/>\nAusbildung ausgebeutet. Nach 5 Jahren, so sieht es die Bundesagentur f\u00fcr<br \/>\nArbeit, wird die H\u00e4lfte von jenen, die dann noch in Europa leben, \u201ein den<br \/>\nArbeitsmarkt integriert sein\u201c. Nach 10 Jahren, sollen es schon 90% sein<br \/>\n(m\u00fcndliche Mitteilung aus der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der K\u00f6lner Arbeitsagentur am<br \/>\n24.3.2017).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>uMlungu (07.04.17). Afrika[1], mit Ausnahme des Nordens, kommt in der Debatte \u00fcber globale Protestbewegungen h\u00e4ufig nur am Rande vor. Dabei haben sich seit 2011 auf dem Kontinent <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7],"tags":[96,9,87,52,18,13],"class_list":["post-5535","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-afrika","tag-arabische-revolutionen","tag-arbeitswelt","tag-fluechtlinge","tag-imperialismus","tag-marx"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5535","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5535"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5535\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5536,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5535\/revisions\/5536"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5535"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5535"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5535"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}