{"id":5613,"date":"2019-07-12T10:32:42","date_gmt":"2019-07-12T08:32:42","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5613"},"modified":"2019-07-12T10:32:43","modified_gmt":"2019-07-12T08:32:43","slug":"rasse-klasse-und-identitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5613","title":{"rendered":"Rasse, Klasse und Identit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><em>Yuri Prasad. <\/em><strong>Identit\u00e4t ist f\u00fcr uns alle ganz wesentlich und zugleich facettenreich. Zu ihr geh\u00f6rt unser Selbstbild, was uns zu dem macht, was wir sind, mit wem wir glauben, verbunden zu sein \u2013 und mindestens<!--more--> genauso wichtig, wer wir nicht sind und mit wem wir uns nicht verbunden f\u00fchlen. Es ist leicht nachvollziehbar, wie sich solche Vorstellungen mit denen von Rasse, Gemeinschaft, Ethnizit\u00e4t und Nation \u00fcberschneiden.<\/strong><\/p>\n<p>Es ist verlockend, den Fokus ausschlie\u00dflich darauf zu legen, wie Identit\u00e4t uns eine gewisse Kontrolle \u00fcber unser Leben verleiht und unserem Wunsch entgegenkommt zu entscheiden, welche Aspekte von uns wir betonen und als besonders wichtig herausstreichen m\u00f6chten. Es ist ein berechtigter Wunsch, selbst entscheiden zu k\u00f6nnen, mit welchen Augen die Welt auf uns blickt. Es w\u00e4re aber falsch zu glauben, dass K\u00e4mpfe um Identit\u00e4t automatisch den von Unterdr\u00fcckung Betroffenen nutzt. K\u00e4mpfe um Identit\u00e4t k\u00f6nnen sich um die Perspektive des Multikulturalismus zusammentun, sie k\u00f6nnen aber ebenso gut jenen Auftrieb geben, die das entgegengesetzte Ziel der \u201ewei\u00dfen Vorherrschaft\u201c oder der ethnischen Reinheit verfolgen.<\/p>\n<p>Dass das Konzept der Identit\u00e4t sowohl von der Rechten als auch von der Linken benutzt werden kann, zeigt uns, dass der Prozess ihrer Herausbildung nicht in einem Vakuum stattfindet. Weil wir in einer rassistischen Gesellschaft leben, nimmt unser Wunsch nach Selbstbeschreibung bestenfalls den zweiten Platz ein. Auch wenn wir uns dazu entscheiden, manche Aspekte unserer Pers\u00f6nlichkeit herunterzuspielen oder zu ignorieren, finden sich stets andere, die uns eine Identit\u00e4t aufzwingen. Und umgekehrt, wenn wir fordern, in eine Identit\u00e4t aufgenommen zu werden, wie beispielsweise das Britischsein, finden sich genug Menschen, die uns daf\u00fcr nicht w\u00fcrdig oder qualifiziert genug erachten.<\/p>\n<p>Rassenvorurteile zwingen uns, uns nach den Kategorien zu verorten, die sie geschaffen haben. Die Einschr\u00e4nkungen, mit denen sie unseren Versuchen nach Selbstdefinition begegnen, erscheinen so tief verwurzelt, als ob sie schon immer zum Wesen des Menschendaseins geh\u00f6rten. Die Vorstellung von Rassen, insbesondere einer Hierarchie unter den Rassen, mit Wei\u00dfen ganz oben, ist aber in Wirklichkeit ein relativ junges Ph\u00e4nomen. In seinem bahnbrechenden Buch \u201eThe Invention of the White Race\u201c schreibt Theodore Allen, dass die ersten Afrikaner bei ihrer Ankunft in Virginia im Jahr 1619 nicht auf \u201eWei\u00dfe\u201c trafen. Die kolonialen Akten zeigen, dass es auch w\u00e4hrend der folgenden 60 Jahre dabei blieb. Die in die Plantagen von Virginia verfrachteten Schwarzen waren Sklaven \u2013 gekauft und verkauft von Europ\u00e4ern, die bald das ganze Kontinent kolonisierten. Diese Europ\u00e4er bezeichneten sich nicht als \u201eWei\u00dfe\u201c. Sie identifizierten sich vielmehr mit ihrem Ursprungsland \u2013 England, Holland, Irland usw. Die Idee des \u201eWei\u00dfseins\u201c musste erst geschaffen werden. Auf Grundlage des Wei\u00dfseins entwickelte sich dann eine ganze Ideologie der sozialen Spaltung und Kontrolle, die in den Folgejahrhunderten gar eine \u201eWissenschaft\u201c rassischer Unterschiede hervorbrachte.<\/p>\n<p>Diese Rassengruppen, aus denen wir die unsrige aussuchen mussten oder die uns zugeteilt werden, sind alles andere als Widerspiegelungen der \u201enat\u00fcrlichen Ordnung\u201c, sie sind vielmehr Folge eines Systems der Kategorisierung nach Rassen. Denn wenn es keinen Rassismus g\u00e4be, w\u00fcrde niemand unserer Hautfarbe oder der Beschaffenheit unseres Haares besondere Bedeutung beimessen. Heute ist das Konzept Rasse wissenschaftlich widerlegt, aber der Rassismus in der Gesellschaft um uns herum ist sehr real. Und der erlebte Rassismus bringt viele dazu, sich auf eine Weise zu organisieren, die heute als \u201eIdentit\u00e4tspolitik\u201c bezeichnet wird. Dabei geht es grunds\u00e4tzlich darum, all jene, die eine bestimmte Form der Unterdr\u00fcckung erfahren, um einen gemeinsamen Kampf f\u00fcr Ver\u00e4nderung zu einen.<\/p>\n<p>Es ist nicht immer klar, was wir unter dem Begriff \u201eIdentit\u00e4tspolitik\u201c eigentlich verstehen sollten. Er umfasst viele verschiedene politische Strategien, auch solche, die eine revolution\u00e4re Herausforderung des Systems darstellen, nebst solchen, die eine vers\u00f6hnlichere Haltung einnehmen. Als Mittel der Organisation bietet sie einige klare Vorz\u00fcge. Menschen k\u00f6nnen auf Basis einer geteilten Wahrnehmung von Ungerechtigkeit und Wut zusammenfinden. Die Teilnahme an einem Kampf um Ver\u00e4nderung hilft, das Gef\u00fchl der Einheit zu st\u00e4rken. Das tr\u00e4gt wiederum dazu bei, Differenzen bez\u00fcglich Zielen und Strategien in den eigenen Reihen zu kaschieren. Der blo\u00dfe Akt des Zusammenkommens hilft, die als individuelles Schicksal empfundene Unterdr\u00fcckung, gegen die man sich meistens machtlos f\u00fchlt, in die Erfahrung einer Gruppe zu verwandeln, die gr\u00f6\u00dferes Potenzial zu handeln hat. Solches kollektives Handeln ist die Voraussetzung f\u00fcr Solidarit\u00e4t. Die im 20. Jahrhundert von Frauen, Schwarzen und LGBT+-Menschen erzielten enormen Errungenschaften sind das Ergebnis von Massenkampagnen, die bis in die 1960er und 70er Jahre zur\u00fcckreichen und die unter jenen organisierten, die ganz unmittelbar unter gesellschaftlichen Vorurteilen litten, auch wenn es ihnen gelang, breitere Unterst\u00fctzerkreise um sich zu versammeln.<\/p>\n<p>Aber die Mobilisierung auf Grundlage der Identit\u00e4t birgt auch ihre ganz realen Schw\u00e4chen, wie der Kampf gegen Rassismus zeigt. Die allgemeine akzeptierte Annahme ist, dass Einheit unter allen Opfern von Rassismus hergestellt werden kann, oder zumindest unter gesonderten ethnischen Gruppierungen. Allerdings k\u00f6nnen sogar Menschen, die ganz \u00e4hnliche Erfahrungen rassistischer Unterdr\u00fcckung machen, das Erlebte ganz unterschiedlich interpretieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr manche stellt Rassismus das ganze System unter Anklage. Ihre Wut kann leicht in politische Aktion umschlagen. Viele besuchen ihre ersten politischen Versammlungen und Demonstrationen unter dem Eindruck ihrer pers\u00f6nlichen Erfahrungen und \u00f6ffnen sich dann f\u00fcr radikale Interpretationen der Welt um sie herum. Andere wiederum ziehen aus dem Ph\u00e4nomen Rassismus den pessimistischeren Schluss, dass gegen Vorurteile nichts oder nur wenig getan werden kann, weil sie eine Widerspiegelung der menschlichen Natur sind. Andere werden das noch konservativere Fazit ziehen, die Schuld f\u00fcr ihr Schicksal bei den Opfern zu suchen \u2013 wenn wir nur h\u00e4rter arbeiteten und uns besser ben\u00e4hmen, k\u00f6nnten wir rassistische Vorurteile entkr\u00e4ften, so ihr Argument. Mit seinen britisch-indischen Wurzeln ist Innenminister Sajid Javid sicherlich Zielscheibe von Rassismus, aber seine Reaktion darauf scheint darin zu bestehen, ihn im Wettrennen im rassistischen Get\u00fcmmel noch weiter nach rechts zu bewegen. Nur wenige Antirassisten w\u00fcrden einem Politiker, der die Flammen des antimigrantischen Rassismus vors\u00e4tzlich anfacht, einen Platz in unserer Bewegung einr\u00e4umen.<\/p>\n<p><strong>Differenzen<\/strong><\/p>\n<p>Aus diesen unterschiedlichen Perspektiven erwachsen allerlei unterschiedliche Strategien. Da sind Schwarze und Asiaten, die die Meinung vertreten, wir sollten Konfrontationen aus dem Weg gehen und stattdessen auf wirtschaftlichen und politischen Erfolg fokussieren. Nach ihnen sollte unser Hauptziel die Platzierung von mehr Menschen schwarzer und ethnischer Minderheiten in Machtstellungen sein. Dann gibt es jene, die einer Bewegung auf den Stra\u00dfen das Wort reden, um den Staat und die Rassisten direkt zu konfrontieren. Die Organisierung auf der Basis von Identit\u00e4t und geteilter Erfahrungen von Unterdr\u00fcckung kann politische Differenzen \u00fcberbr\u00fccken, aber im Verlauf des Kampfes treten diese umso deutlicher hervor. Kampagnen auf Grundlage von Rasse oder ethnischer Zugeh\u00f6rigkeit werden oft von sprachgewandteren Menschen der Mittelschichten dominiert, die sich zu \u201eSprechern der Gemeinschaft\u201c ernennen, aber in Wirklichkeit eigene Ziele verfolgen.<\/p>\n<p>Aber sogar wenn versucht wird, auf der Basis von Identit\u00e4tspolitik kollektiven Widerstand zu organisieren, wird dieser oftmals untergraben durch die Art und Weise, wie sie uns dazu verleitet, erfahrene Unterdr\u00fcckung als individuelles Los aufzufassen. Um das Ausma\u00df dieser Verletzung zu sch\u00e4tzen, werden wir aufgefordert, unsere eigene Stellung in der Gesellschaft und unsere Erfahrung der Welt mit denen einer \u201enormalen\u201c Person zu vergleichen. Aber was dieses \u201eNormale\u201c? In seinem Buch \u201eMistaken Identity\u201c argumentiert Asad Haider, dass das Normale mit Wei\u00dfen, mit der Mittelschicht und mit M\u00e4nnern gleichgesetzt werden: \u201eIndem Forderungen marginalisierter oder untergebener Gruppen aus der Perspektive von Identit\u00e4tspolitik formuliert werden, wird die wei\u00dfe m\u00e4nnliche Identit\u00e4t in den Status des Neutralen, des Generellen, des Universellen gehoben\u2026 Wenn das nicht hinterfragt wird, haben People of Colour und andere unterdr\u00fcckte Minderheiten keine andere Wahl, als ihre politischen Forderungen in Begriffen der Inklusion in das b\u00fcrgerliche, maskuline Ideal zu formulieren\u201c, so Haider.<\/p>\n<p>Indem Gleichheit nach dem Ma\u00dfstab der Verletzung definiert wird, verwandelt sich der Kampf in einen f\u00fcr Inklusion in das System. Die Katalogisierung der spezifischen erfahrenen Ungerechtigkeiten r\u00fcckt in den Mittelpunkt und damit die vielen Mikroaggressionen. Es stellen sich immer mehr Fragen um \u201emich\u201c: Warum wurde ausgerechnet mir die verdiente Bef\u00f6rderung vorenthalten? Warum habe ich keinen Zugang zu den Vorstandsetagen? In dieser verengter Sichtweise wird Erfolg in Euros berechnet. Daher die endlosen Listen der 10 reichsten Asiaten, der 10 m\u00e4chtigsten Afrikaner usw. Als die schwarze US-Revolution\u00e4rin Angela Davis in einer Ansprache vor den Frauen des Weltfestivals in London Anfang des Jahres darauf hinwies, dass eine Anzahl von Unternehmen des \u201eGef\u00e4ngnisindustrie-Komplexes\u201c mittlerweile von Frauen geleitet wird, verstand das ihre Zuh\u00f6rerschaft \u2013 zu Angelas Entsetzen \u2013 als Aufforderung zu klatschen! Aber ihr Argument war doch, dass Frauen an der Spitze von Unternehmen zu haben, die ihr Geld mit Rassismus und Gewalt scheffeln, kein Ma\u00dfstab f\u00fcr Befreiung sein kann.<\/p>\n<p>Spannungen zwischen kollektiven und individuellen Forderungen nach Befreiung begleiten die gesamte Geschichte des antirassistischen Kampfes in Gro\u00dfbritannien. In den 1970er und 80er Jahren war der Begriff \u201eschwarz\u201c mehr als eine eng gefasste ethnische Bezeichnung. Er wurde als inklusive Kategorie verwendet, um alle von Rassismus Betroffenen zu einen. Er hatte den Vorzug, Asiaten, Afrikaner und Menschen der Karibik einzuschlie\u00dfen, auch ihre britisch-geborenen Kindern \u2013 und er vereinte unter seinem Banner viele andere, die den Rassismus ebenfalls bek\u00e4mpfen wollten. Er war eine Kategorie des Kampfes f\u00fcr alle, die den staatlichen Rassismus der Einwanderungskontrollen und der Polizeiwillk\u00fcr bek\u00e4mpfen wollten, aber auch den Stra\u00dfenrassismus der Faschisten und der National Front und der Gangs, die diese inspirierten.<\/p>\n<p>Als Antwort auf die Stra\u00dfenunruhen von Brixton und die anschlie\u00dfenden urbanen Aufst\u00e4nde in ganz Gro\u00dfbritannien im Jahr 1981 versuchte die Regierung, durch gezielte F\u00f6rderung einer schwarzen Mittelschicht einen Puffer zwischen sich und Schwarzen der Arbeiterklasse zu errichten. Sie verfolgte aber zugleich das Ziel, unter jenen, die rebelliert hatten, den Samen der Spaltung zu s\u00e4en. So versuchte sie, schwarze politische Anf\u00fchrer und Vertreter der Gesch\u00e4ftswelt zu kooptieren. Und um das Getriebe noch besser zu \u00f6len, k\u00fcndigte sie staatliche Hilfen f\u00fcr allerlei \u201eethnische\u201c Projekte an. Der Wettbewerb zwischen selbsternannten Gemeindef\u00fchrern und den ihnen unterstehenden Projekten um Gelder und offizielle Anerkennung war ganz im Sinne der Regierung. Im Namen der Gleichheit entschloss sie sich, die Gelder zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen aufzuteilen, die zuvor alle unter die Kategorie \u201eschwarz\u201c firmierten, und die fr\u00fchere Einheit zerbr\u00f6ckelte. Asiatische Gruppen wetteiferten nun mit Gruppen aus der Karibik nach Geldern f\u00fcr die Ausstattung ihrer jeweiligen Projekte wie Gemeinschaftszentren und Jugendklubs. Bald zerfielen auch diese Kategorien in immer spezifischere und kleinere Unterkategorien.<\/p>\n<p><strong>Rivalen<\/strong><\/p>\n<p>Menschen, die einst zusammengestanden hatten, sahen im anderen zunehmend einen Konkurrenten und Rivalen, w\u00e4hrend viele Anf\u00fchrer sich als die einzige legitime Vertretung ihrer jeweiligen Gemeinschaften pr\u00e4sentierten. Derweil ergatterten die Ehrgeizigsten und Redegewandtesten unter ihnen Stellen in Stadtr\u00e4ten und in von der Regierung finanzierten K\u00f6rperschaften. Manche erklommen noch h\u00f6here Stufen. Es waren die Konservativen, die anscheinend ein besonderes Gesp\u00fcr daf\u00fcr entwickelten, dass manche Anh\u00e4nger der Identit\u00e4tspolitik nach Eingliederung in das System suchten, nicht nach dessen Abschaffung.<\/p>\n<p>F\u00fcr jene, die nach einem radikaleren Herangehen Ausschau halten, bietet der Marxismus schon lange eine attraktivere Alternative. Anstatt Unterdr\u00fcckung als Ausfluss ungleicher Machtverh\u00e4ltnisse zwischen Individuen, Gemeinschaften oder Ethnien zu sehen, gehen Marxisten von der Annahme aus, dass der Rassismus strukturell ist, dass er unl\u00f6slich im Kapitalismus wurzelt. Eine in eine Hierarchie verschiedener Klassen organisierte Gesellschaft braucht Spaltungen zu ihrem \u00dcberleben.<\/p>\n<p>Der Rassismus spaltet die gesamte Gesellschaft von oben nach unten, von den Reichsten zu den \u00c4rmsten. Vor allem spaltet er aber die Arbeiterklasse unter sich, was den Unternehmern und den Reichen nutzt. Der \u00d6konom Michael Reich hat die Einkommensverteilung im Amerika der 1970er Jahre analysiert und dabei festgestellt, dass je gr\u00f6\u00dfer der Unterschied zwischen wei\u00dfen und schwarzen Einkommen ist, desto gr\u00f6\u00dfer auch die Ungleichheit unter den wei\u00dfen Einkommen selbst. Seine Untersuchung ist eine unter vielen, die nachweisen, dass, w\u00e4hrend Schwarze unweigerlich die gr\u00f6\u00dften H\u00e4rten erlitten, auch die Interessen der wei\u00dfen Arbeiter durch die rassistische Spaltung in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die marxistische Einsicht in Urspr\u00fcnge und Funktion des Rassismus hat eine praktische Bedeutung. Vor allem bedeutet sie, dass es sowohl m\u00f6glich als n\u00f6tig ist, Menschen aus der wei\u00dfen Arbeiterklasse f\u00fcr den antirassistischen Kampf zu gewinnen.<\/p>\n<p>Aber Rassenvorurteile h\u00f6ren nicht bei der Einkommensungleichheit auf. Sie durchdr\u00e4ngen alle Lebensbereiche ihrer Opfer. Es f\u00e4ngt an mit der systematischen Benachteiligung schwarzer Kinder im Bildungssystem, es geht weiter mit einer Kriminaljustiz, die Schwarze gezielt schuldig spricht und bestraft, bis hin zu dem Fortbestand schwarzer Stereotypen in allen Lebensbereichen und der Art und Weise, wie die Staatszugeh\u00f6rigkeit als Privileg betrachtet wird, dass jederzeit wieder entzogen werden kann. Das Ziel dieser erbarmungslosen Angriffe ist es, Spaltungen zu vertiefen und die \u201ewei\u00dfe Arbeiterklasse\u201c von den \u201eanderen\u201c zu trennen.<\/p>\n<p>Damit der Rassismus seine Funktion als Ideologie der Spaltung erf\u00fcllen kann, bedarf er der Unterst\u00fctzung der M\u00e4chtigsten in der Gesellschaft \u2013 der herrschenden Klasse. Aber er muss sich auch in das Bewusstsein breiter Bev\u00f6lkerungsschichten einpflanzen und dort eine selbst\u00e4ndige Dynamik entfalten. Um die K\u00f6pfe der Arbeiter zu vergiften, muss er ihnen eine falsche aber doch \u00fcberzeugende Erkl\u00e4rung liefern f\u00fcr den Schmerz und die H\u00e4rten, die sie erfahren.<\/p>\n<p><strong>Macht<\/strong><\/p>\n<p>Der einzige Weg, diesem elenden Zustand zu entkommen, besteht darin, dem daf\u00fcr verantwortlichen System den Garaus zu machen. Marx\u2019 Fokus auf die Arbeiterklasse ist in seinem Glauben zu orten, dass sie die einzige Kraft darstellt, die ein materielles Interesse und die potenzielle Macht zum Sturz des Systems besitzt. Darin erblickte er allerdings keinen Automatismus. Marx verstand sehr wohl, dass eine gespaltene Arbeiterklasse der Herausforderung nicht gewachsen sein wird. Das ist der Grund f\u00fcr seine Beschreibung des Rassismus des britischen Arbeiters gegen\u00fcber dem irischen Arbeiter als \u201edas Geheimnis der Ohnmacht der englischen Arbeiterklasse\u201c. Der Kampf, so Marx, ist der Schl\u00fcssel, um Menschen aus der Arbeiterklasse von r\u00fcckst\u00e4ndigen Ideen zu l\u00f6sen, die sie an das System binden.<\/p>\n<p>Oft nimmt dieser Kampf die Form von Kampagnen, Streiks und Demonstrationen an, die das Selbstvertrauen der Menschen in ihr eigenes Potenzial erh\u00f6hen und sie weniger anf\u00e4llig f\u00fcr S\u00fcndenbockargumente macht. Aber w\u00e4hrend dieser Kampfwille der Arbeiterklasse enorme M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet, wird er nicht automatisch das Problem des Rassismus l\u00f6sen. Um das zu bewerkstelligen, bedarf es einer bewussten Anstrengung, den Einfluss von Vorurteilen, vor allem unter Arbeitern, zu brechen. Jede Aktion muss mit einem Kampf um Ideen einhergehen. Das ist die Aufgabe von Sozialisten.<\/p>\n<p>Der Artikel erschien auf Englisch im\u00a0<a href=\"http:\/\/socialistreview.org.uk\/447\/race-class-and-identity\">Socialist Review!<\/a> \u00dcbersetzung David Paenson.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/rasse-klasse-und-identitaet\/\"><em>diefreiheitsliebe.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 12. Juli 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Yuri Prasad. Identit\u00e4t ist f\u00fcr uns alle ganz wesentlich und zugleich facettenreich. 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