{"id":5621,"date":"2019-07-16T10:34:27","date_gmt":"2019-07-16T08:34:27","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5621"},"modified":"2019-07-16T10:34:28","modified_gmt":"2019-07-16T08:34:28","slug":"rueckblick-auf-den-frauenstreik-am-14-juni-2019-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5621","title":{"rendered":"R\u00fcckblick auf den Frauen*streik am 14. Juni 2019 in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Eleonora Rold\u00e1n Mend\u00edvil. Am 14. Juni 2019 fand in der Schweiz ein landesweiter Frauen*streik statt. Zwischen 200.000 und einer halben Million Menschen wurden auf die Stra\u00dfe mobilisiert. Insbesondere in Z\u00fcrich, wo laut offiziellen Angaben 160.000 Menschen demonstrierten, fand die gr\u00f6\u00dfte Demonstration in der j\u00fcngeren Schweizer Geschichte statt.<\/span><\/i><!--more--><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><i> <\/i><i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Noch nie haben linke Kr\u00e4fte etwas \u00e4hnlich Gro\u00dfes erlebt. Ein Monat nach dem Streik, sprach unsere Autorin mit einer Aktivistin vom Revolution\u00e4rem Aufbau Z\u00fcrich (Aufbau). Unsere Interviewpartnerin ist seit 30 Jahren politisch aktiv und fast genauso lang im Aufbau organisiert. Der Aufbau hat den Frauen*streik von Beginn an, seit Oktober 2018, in Z\u00fcrich mitorganisiert. Das Interview gibt einen ersten, eher deskriptiven Einblick in die Dynamik und den Ablauf dieser gro\u00dfen Kampagne. Eine vertiefte Analyse und strategische Einordnung der Erfahrungen ist in Arbeit.<\/span><\/i><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">F\u00fcr den Hintergrund: Der internationale Frauenkampftag wird seit \u00fcber 100 Jahren weltweit immer am 8. M\u00e4rz begangen. Warum ist es in der Schweiz der 14. Juni?<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">In Z\u00fcrich f\u00fchren wir seit gut 30 Jahren am internationalen Frauenkampftag eine unbewilligte revolution\u00e4re Frauendemonstration durch, dieses Jahr mit ca. 3000 Frauen. Wir hatten also zus\u00e4tzlich den Frauen*streik. Der 14. Juni ist das historische Datum des Frauenstreiks 1991, als v\u00f6llig \u00fcberraschend eine halbe Million Frauen schweizweit auf der Stra\u00dfe waren. Ausgel\u00f6st hatten ihn Uhrenarbeiterinnen. Insofern ist das Datum im kollektiven Ged\u00e4chtnis verankert<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Ab wann wurde in der Schweiz f\u00fcr einen Frauenstreik am 14. Juni 2019 mobilisiert und wie fand dies statt?<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die Initiative wurde im Sommer 2018 in der franz\u00f6sischen Schweiz von der Gewerkschaftslinken ergriffen. Die einberufenen Sitzungen \u2013 offene Plena \u2013 wuchsen sprunghaft, bald gab es in allen franz\u00f6sischsprachigen Kantonen Streikkollektive. In der Deutschschweiz wurde das kopiert. In Z\u00fcrich war das monatliche Vernetzungstreffen der zentrale Ort, wo Gruppierungen und Einzelpersonen zusammen kamen. Die Plena waren sehr wichtig, sie hielten das Thema am Leben, als sich noch nicht alle daf\u00fcr interessierten. Aus ihnen heraus wurde \u00d6ffentlichkeitsarbeit geleistet, Texte verfasst, wir haben dem Tag einen Rahmen gegeben, in welchem die Aktivist*innen ihre Aktionen durchziehen konnten.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die gro\u00dfe Beteiligung verdankt der 14. Juni aber nat\u00fcrlich der Tatsache, dass \u00fcberall \u00fcber den Frauenstreik diskutiert wurde; bei geschlossenen Sitzungen zwischen Arbeitskolleg*innen oder Sch\u00fcler*innen und Studierenden wie auch in den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln. Je n\u00e4her der Tag selber kam, desto dezentraler wurde im eigenen Nahbereich organisiert. Der Streik-Vorschlag wurde geh\u00f6rt, nicht unbedingt befolgt, aber thematisiert, z.B. sahen sich fast alle Bosse gen\u00f6tigt, Stellungsnahmen verlauten zu lassen. Wir denken, dass diese Vorfeld-Phase die eigentliche Qualit\u00e4t des Frauen*streiks ausmacht.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">In Z\u00fcrich organisierten zun\u00e4chst Einzelpersonen, Gruppen und Zusammenh\u00e4nge mehrheitlich aus der au\u00dferparlamentarischen Linken die Vernetzungstreffen \u2013 bei den ersten Treffen kannten sich die meisten Anwesenden untereinander. Die Gewerkschaften haben schnell pragmatisch entschieden, diese Arbeit dem B\u00fcndnis zu \u00fcberlassen und selber auf Betriebsebene zu arbeiten. Sie waren inhaltlich \u00e4u\u00dferst zur\u00fcckhaltend und haben sich nur an der praktischen Arbeit beteiligt. Es gab auch eine \u00fcberregionale Vernetzung, es wurde jedoch lokal gearbeitet und \u00fcberregional nur informiert.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Du bist Mitglied einer revolution\u00e4ren Organisation. Wie sah eure Arbeit in Bezug auf den 14. Juni in der Schweiz aus? Welche Schwerpunkte haben sich f\u00fcr euch ergeben? Auf was habt ihr euch am meisten konzentriert?<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Positiv gesagt, hatten wir einen sehr mobilisierten Rahmen, in dem viel m\u00f6glich war. Negativ gesagt, war es schwierig, alles zu leisten. Wir h\u00e4tten den Anspruch, wo wir leben und arbeiten zu organisieren, ebenso im Rahmen der revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte und auf Ebene des Vernetzungstreffens. Au\u00dferdem war die Kadenz 8. M\u00e4rz, 1. Mai, 14. Juni unangenehm eng und nat\u00fcrlich kann eine kommunistische Organisation nicht jedes andere Thema einfach fallen lassen, weil ein Frauen*streik kommt. Insofern ist unvermeidlich, dass Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Wir haben die Arbeit generell auf zwei Ebenen entwickelt. Sozusagen auf der klassisch politischen Ebene im Bereich des Frauenkampfs zusammen mit anderen revolution\u00e4ren Kr\u00e4ften und dann auch auf der betrieblichen Ebene im eher gewerkschaftlichen Bereich. Wir k\u00f6nnen in beiden Bereichen auf eine lange Kontinuit\u00e4t entsprechender Strukturen innerhalb der Organisation zur\u00fcckgreifen. In den Wochen vor dem Frauen*streik und dann schlie\u00dflich am Tag selber ist es uns gut gelungen, eine revolution\u00e4re Pr\u00e4senz zu haben, die nicht ignoriert werden konnte. Insbesondere durch die Blockade des Verkehrsknotenpunktes \u201eCentral\u201c zusammen mit den Student*innen. Bei der Demo selbst waren dann nat\u00fcrlich so viele, dass alles unterging.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Unsere Arbeit auf der betrieblichen Ebene fand nicht \u00f6ffentlich statt,\u00a0sondern in der Unterst\u00fctzung von Basisorganisationen und in der Organisierung am eigenen Arbeitsplatz. Wir haben dabei schon fr\u00fch betont, dass die Kapazit\u00e4ten auf die Bereiche konzentriert werden sollten, bei denen schon Selbstorganisierungsprozesse vorhanden sind.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Auch die konkrete Organisierungsarbeit vor Ort sollte schnell beginnen. Am Streik nahmen vor allem KiTas, Horte, Kinderg\u00e4rten, Schulen\u00a0und die Gastrobranche teil. Zu Streiks als konfrontativer Arbeitsniederlegung ist es aber praktisch nicht gekommen. Die Bosse haben in vielen F\u00e4llen den Konflikt gescheut und Betriebe fr\u00fcher schlie\u00dfen lassen. Die Spit\u00e4ler wurden im Raum Z\u00fcrich von der Verband des Personals \u00f6ffentlicher Dienste, der VPOD, praktisch alleine gelassen. Es konnten dort aber kleinere selbstorganisierte Aktionen von Angestellten durchgef\u00fchrt werden. Unter anderem wurden zeitgleich an vier Spit\u00e4lern riesige Transparente geh\u00e4ngt. Besonders zu erw\u00e4hnen ist die gelungene Organisierung und aktive Solidarit\u00e4t von KiTa-Eltern, um Druck auf die KiTas aufzubauen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Wie war die Zusammenarbeit mit Reformistinnen und Liberalen? Wie haben die Gewerkschaftsb\u00fcrokratien reagiert?<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die Vernetzungstreffen waren f\u00fcr b\u00fcrgerliche Frauen nicht einladend, sie waren in Z\u00fcrich klar von linken Kr\u00e4ften dominiert, auch seitens der vielen unorganisierten Frauen, war der Konsens radikaler, als zu erwarten gewesen w\u00e4re. Mit Liberalen hat es entsprechend keine Zusammenarbeit gegeben. Mit Reformist*innen war sie \u00fcberraschend problemlos. Die Gewerkschaften haben den Frauenstreik als Kampagne beschlossen und waren von Anfang an dabei, sie haben sich aber auf sich selber konzentriert. Medial ist das schwer erkennbar, das liegt aber an den Medien, die ihnen unhinterfragt die Hegemonie zusprechen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Generell kann gesagt werden, dass es eine sehr harmonische, enthusiastische Kampagne war, in welcher alles begr\u00fc\u00dft wurde, was lief, gro\u00dfe wie kleine Aktivit\u00e4ten, militante wie parlamentarische. Die Zusammenarbeit hat also sehr den Charakter einer Aktionseinheit bekommen, die politische Differenzen stark in den Hintergrund r\u00fcckte und sich auf die Umsetzbarkeit des Streiks konzentrierte. Die Kehrseite davon ist nat\u00fcrlich, dass durch das Ausbleiben jeglicher Kritik die inhaltliche Auseinandersetzung einfach vermieden wurde. Den in der Kampagne und den organisierenden Kr\u00e4ften schon angelegte Bruch mit neoliberaler Vereinnahmung und die Verkn\u00fcpfung von Frauenkampf und Klassenkampf h\u00e4tten wir in gewissen Momenten noch st\u00e4rker akzentuieren k\u00f6nnen. Wenn zum Beispiel der sozialdemokratische Bundesrat Alain Berset, der seit Jahren die Erh\u00f6hung des Frauenrentenalters vorantreibt, auf den Frauen*streik-Zug aufspringt, h\u00e4tte die reformistische Politik st\u00e4rker entlarvt werden k\u00f6nnen. Oder als die Gr\u00fcne Polizeivorsteherin die 8. M\u00e4rz-Demo angreifen lie\u00df, h\u00e4tte die Bewegung die Integration reformistischer Kr\u00e4fte in den Repressionsapparat st\u00e4rker f\u00fcr einen Bruch mit dem Reformismus nutzen k\u00f6nnen. Als die Gewerkschaft VPOD pl\u00f6tzlich schweizweit propagiert hat, streiken sei legal, wenn es legitim sei, h\u00e4tten wir den Finger drauf dr\u00fccken m\u00fcssen und die jahrzehntelange sozialpartnerschaftliche Gewerkschaftspolitik des tariflichen Arbeitsfriedens thematisieren k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Es bleibt offen, wie viel mehr an politischer Positionierung diese Aktionseinheit also vertragen h\u00e4tte. Es geht hierbei vor allem auch um eine Dynamik der Zusammenarbeit. In praktischen Fragen, war der Konsens durchaus militant und geeint. Der pr\u00e4ventiv beschlossene Konsens war: Keine Distanzierung! Wenn wir das einfordern, m\u00fcssen wir uns halt auch daran halten. Und inhaltliche Debatten h\u00e4tten zu szenigen unfruchtbaren Schlie\u00dfungsmechanismen f\u00fchren k\u00f6nnen. Es gibt leider auch eine linke, unproduktive Debattenkulturen, die es proletarischen Frauen unattraktiv macht mitzuarbeiten. Diese Dynamik wollten wir verhindern und die St\u00e4rke auf die Solidarit\u00e4t und Vielfalt in der Praxis legen. Aber nat\u00fcrlich h\u00e4tte das auch anders kommen k\u00f6nnen, wenn Reformistinnen einen Hegemonialanspruch entwickelt h\u00e4tten.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Erz\u00e4hl uns vom 14. Juni selber: Wie sah der Frauen*streik 2019 in der Schweiz aus?<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Ich kann nur f\u00fcr Z\u00fcrich sprechen. Hier waren den ganzen Tag hindurch unz\u00e4hlige Aktivit\u00e4ten angek\u00fcndigt, diese sind nach wie vor\u00a0<a href=\"https:\/\/www.aufbau.org\/index.php\/53-schlagzeilen2\/2663-frauen-streiktag-aktionen-und-updates-zuerich\">online nachzulesen<\/a>\u00a0und bilden den Tag gut ab. Kleinere und gr\u00f6\u00dfere Gruppierungen haben sich selbst organisiert und ihr Ding durchgezogen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Wir revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte haben mit den Student*innen zusammengearbeitet und am Mittag den Verkehrsknotenpunkt \u201eCentral\u201c unterhalb der Uni lahm gelegt. Ziel war es, den st\u00e4dtischen \u00f6ffentlichen und kommerziellen Verkehr an einer neuralgischen Stelle zum erliegen zu bringen und den \u00f6ffentlichen Raum militant zu besetzen. Das hat Freude gemacht, weil es gut organisiert war und funktioniert hat.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Offenere Mobilisierungen kamen jeweils von politischen Aktivist*innen und einem Teil der Gewerkschaften. Als Ausgangspunkt diente der Helvetiaplatz, auf dem auch die gro\u00dfe B\u00fchne stand. Und die Akzeptanz militanter Aktionen war gro\u00df.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Der zweite Teil des Tages war dann die Gro\u00dfdemo um 17 Uhr. Sie war bekanntlich unfassbar gro\u00df, die gr\u00f6\u00dfte Demo, die Z\u00fcrich in den letzten Jahrzehnten erlebt hat. Auch wenn du wei\u00dft, dass genau genommen sehr viele Menschen dabei sind, mit denen du wohl gar keine politische Gemeinsamkeit hast, war es nat\u00fcrlich \u00fcberw\u00e4ltigend, einen solchen Mobilisierungserfolg zu erleben.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Kritik gab es unter anderem wegen der fehlenden Agitation unter migrantischen Frauen, und vor allem migrantischen Arbeiterinnen in der Schweiz (siehe Artikel von \u00c7agdas Akkaya und Meral \u00c7inar in der Analyse &amp; Kritik 650). Wie seht ihr das Thema Rassismus in der Schweizer Frauenbewegung und welche Schl\u00fcsse zieht ihr f\u00fcr eure Arbeit?<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Rassismus ist in der Schweiz ein gro\u00dfes Problem und ein Thema, mit welchem wir auf jeder Ebene konfrontiert sind. Doch ist die Kritik falsch formuliert und voluntaristisch. Der darin enthaltene Anspruch unterstellt, wir k\u00f6nnten Flugbl\u00e4tter verteilen und so \u201edie Migrant*innen\u201c ansprechen. Sie entspricht auch nicht dem, was diese Bewegung war. Agitation gab es durchaus und der Anlass war inkludierend so weit es uns m\u00f6glich war, z.B. wurde enorm viel \u00dcbersetzungsarbeit geleistet. Aber f\u00fcr Streik braucht es viel mehr als nur Agitation. Es haben sich vor allem soziokulturelle Schichten des Proletariats mobilisiert, klassenanalytisch also genau jene, die eine Arbeitslogik der Sorge-Arbeit verk\u00f6rpern, was ja zur inhaltlichen Ausrichtung des Streiks passt. Das Ausbleiben des ebenfalls stark feminisierten und zus\u00e4tzlich stark migrantischen Verkaufssektors war auff\u00e4llig. Aber jede Person mit organisatorischer oder etwas gewerkschaftlicher Erfahrung wei\u00df doch, dass gerade dieser Sektor generell schwer zu organisieren ist. Wir machen es uns wirklich zu einfach, wenn wir denken, Verk\u00e4uferinnen streiken nicht, weil Linke sie nicht antirassistisch anrufen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die St\u00e4rke des Streiks bestand gerade darin, dass sich Frauen selber organisierten. Die Kritik h\u00e4lt deshalb auch jenen Kampf von Migrant*innen klein, den es eben auch gegeben hat. Der wohl konfrontativste Streik des Tages fand in einer Reinigungsfirma statt, nur proletarische Migrant*innen mit einem Gewerkschaftssekret\u00e4r. Das war ja das \u00dcberraschende am Streik, dass er sich verselbstst\u00e4ndigt hat. Viele haben die Gelegenheit genutzt und gek\u00e4mpft, das gilt es hoch zu halten und zu w\u00fcrdigen. Die Kritik l\u00e4uft generell Gefahr, proletarische Menschen zu Objekten zu degradieren, die hilflos auf unsere rettenden Flugbl\u00e4tter warten. Wir versuchen uns an Orten zu bewegen, wo wir uns auskennen, in denen wir glaubw\u00fcrdig auftreten k\u00f6nnen, ohne anmassend zu sein.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Wir sind nicht so viele, dass wir von einer Verankerung im Proletariat sprechen k\u00f6nnten. Im Verkauf oder in der Reinigung m\u00fcssten wir von au\u00dfen intervenieren, was wir nur mit Vorsicht machen. So haben wir z.B. am 14. unter dem Motto \u201ePause f\u00fcr die arbeitenden Verk\u00e4uferinnen\u201c einen Supermarkt zehn Minuten lang lahmgelegt und Gutscheine f\u00fcr ein Getr\u00e4nk an der Solibar des Frauen*streik Kollektivs auf dem zentralen Helvetiaplatz verteilt. Den Verk\u00e4uferinnen war es \u00e4u\u00dferst unangenehm, so im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, aber sie haben sich au\u00dfer Sichtweite des Chefs \u00fcber die Geste gefreut. Ich habe fr\u00fcher viele Jahre in dieser Supermarkt-Kette gearbeitet, sonst h\u00e4tte ich das nicht gemacht, solche Aktionen erfordern Feingef\u00fchl und Kenntnisse, ansonsten sind sie wohlmeinend, im schlechtesten Fall aber kontraproduktiv.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Wird es 2020 wieder einen Frauenstreik geben?<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Es gibt Stimmen, die das w\u00fcnschen, die Vernetzungstreffen gehen auch weiter, aber es ist zu fr\u00fch, ernsthaft dar\u00fcber zu sprechen. Wir nehmen nicht an, dass die gleiche Mobilisierung einfach so nochmals erfolgreich sein kann. Es m\u00fcsste von sehr vielen Basisarbeit geleistet werden. Wie gesagt, wir waren mit einer schwungvollen Selbstorganisierung konfrontiert. Diese nun zu organisieren, w\u00e4re anspruchsvolle Kleinarbeit, die Strukturen, die das leisten k\u00f6nnten, gibt es noch nicht.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><cite><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Quelle: <a href=\"https:\/\/lowerclassmag.com\/2019\/07\/15\/frauenstreik-schweiz\/\">lowerclassmag.com\/&#8230;<\/a> vom 16. Juli 2019<\/span><\/cite><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eleonora Rold\u00e1n Mend\u00edvil. Am 14. Juni 2019 fand in der Schweiz ein landesweiter Frauen*streik statt. Zwischen 200.000 und einer halben Million Menschen wurden auf die Stra\u00dfe mobilisiert. Insbesondere in Z\u00fcrich, wo laut offiziellen Angaben 160.000 &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,3],"tags":[25,32,26,17],"class_list":["post-5621","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnen","category-schweiz","tag-arbeiterbewegung","tag-frauenbewegung","tag-gewerkschaften","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5621","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5621"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5621\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5625,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5621\/revisions\/5625"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}