{"id":5670,"date":"2019-07-25T10:39:16","date_gmt":"2019-07-25T08:39:16","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5670"},"modified":"2019-07-25T10:39:17","modified_gmt":"2019-07-25T08:39:17","slug":"sudan-revolution-oder-barbarei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5670","title":{"rendered":"Sudan: Revolution oder Barbarei"},"content":{"rendered":"<p><em>Karin Wilflingseder. <\/em><strong>Mehr als 70 Vergewaltigungen w\u00e4hrend der Niederschlagung der Massenproteste im Sudan meldeten die Spit\u00e4ler in Khartoum. Die T\u00e4ter, Spezialeinheiten, die sonst f\u00fcr Terror<\/strong><!--more--><strong style=\"font-size: inherit;\">gegen die Zivilbev\u00f6lkerung in den Bundesstaaten Darfur, Blue Nile und S\u00fcdkordofan eingesetzt werden, zogen mit der Unterw\u00e4sche ihrer Opfer auf Stangen durch die Stra\u00dfen.<\/strong><\/p>\n<p>Frauen und junge M\u00e4nner wurden Opfer sexueller Gewalt \u2013 nicht alle wagten sich in die Krankenh\u00e4user. Bei der R\u00e4umung der seit Monaten andauernden Sit-ins vor dem Medienzentrum der Polizei wurden mehr als 120 Menschen ermordet und \u00fcber 700 verletzt.<\/p>\n<p>\u201eSie umzingeln die Sitzblockade aus allen Richtungen\u201c, berichtete die bekannte Aktivistin Amal al-Zein und dann brannten die Milizen die Zelte nieder und nahmen jene fest, die zu fliehen versuchten. Sie beklagt verst\u00fcmmelte Leichen und willk\u00fcrlichen Terror.<\/p>\n<p>An diesem 3. Juni meldeten Verzweifelte aus \u00fcber einem Dutzend sudanesischer St\u00e4dte brutalste Milit\u00e4rgewalt gegen Zivilisten. Schnell kappte das Regime das Internet und verwies kritische Journalist_innen aus den St\u00e4dten. Es entstanden dennoch zahlreiche schockierende Videos und Bilder von der grauenhaften Gewalt. Auch w\u00e4hrend der folgenden Tage setzte das Regime den Terror gegen Widerst\u00e4ndische fort und ermordete weitere Menschen.<\/p>\n<p><strong>Alt-neues Regime<\/strong><\/p>\n<p>Verantwortlich f\u00fcr die Massaker ist vor allem eine paramilit\u00e4rische Gruppe, die sich\u00a0<em>\u201eRapid Support Forces\u201c<\/em>\u00a0(RSF) nennt. Die meisten K\u00e4mpfer der RSF geh\u00f6rten fr\u00fcher zu den ber\u00fcchtigten Dschandschawid-Milizen, die einen Aufstand in Darfur brutal niederschlugen. Zu ihren Gr\u00e4ueltaten geh\u00f6rten die Zerst\u00f6rung ganzer D\u00f6rfer, willk\u00fcrliche T\u00f6tungen und systematische sexualisierte Gewalt. Ihr bekanntestes Gesicht ist der Warlord Mohamed Hamdan Dagalo, bekannt unter dem Kampfnamen \u201eHemeti\u201c.<\/p>\n<p>Jetzt ist er der Vizepr\u00e4sident des Milit\u00e4rrats, der als \u00dcbergangsregierung fungiert. \u201eNiemand im Sudan hat mehr Blut an den H\u00e4nden als Hemeti\u201c, erkl\u00e4rte der Sudan-Experte Eric Reeves, der vor dem amerikanischen Kongress aussagte. \u00dcber eine Viertelmillion Menschen wurden in Darfur get\u00f6tet, \u00fcber zwei Millionen vertrieben. Seit 2005 untersucht der Internationale Strafgerichtshof Vorw\u00fcrfe wegen V\u00f6lkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Darfur. Doch al-Baschir reiste in seiner Amtszeit unbehelligt in rund 25 L\u00e4nder und schloss zig Vertr\u00e4ge ab.<\/p>\n<p><strong>Zittern mit der Diktatur<\/strong><\/p>\n<p>Hemeti wurde 2013 von al-Baschir zum RSF-Oberbefehlshaber ernannt. Sie kontrollieren ebenfalls die Grenzen und werden von der EU f\u00fcr die Fl\u00fcchtlingsbek\u00e4mpfung bezahlt. Er hat beste Verbindungen nach Saudi-Arabien, wohin seine erste Auslandsreise ging. Hemeti schwor den US-Verb\u00fcndeten \u00c4gypten, Saudi-Arabien und den Emiraten Treue und sie unterst\u00fctzen seinen Aufstieg an die Spitze des Milit\u00e4rrats mit aller Konsequenz. Schlie\u00dflich k\u00e4mpfen seine M\u00e4nner im Jemen an ihrer Seite und sie erinnern sich nur zu gut an den sogenannten \u201eArabischen Fr\u00fchling\u201c<\/p>\n<p>Diese Regimes f\u00fcrchten seither Diese Regimes f\u00fcrchten Massenbewegungen. Dem Milit\u00e4r-Putsch gegen al-Baschir durch die Gener\u00e4le um Hemeti gingen monatelange Massenprotesten gegen die Erh\u00f6hung des Brotpreises und die Verteuerung von Benzin voraus. Aus einer sozialen wurde bald auch eine politische Bewegung. Die Rufe nach Revolution wurden lauter. Vor allem Gewerkschafter, \u00c4rzte, Lehrer und Studierende demonstrierten. Tags\u00fcber waren bis zu zwei Drittel der Protestierenden weiblich. Mutige Frauen pr\u00e4gen den Widerstand.<\/p>\n<p><strong>Revolution gegen das Elend<\/strong><\/p>\n<p>Die UNO fordert in einer lauwarmen Resolution eine Einigung der grausamen Putschisten mit den zivilen Kr\u00e4ften. Der Milit\u00e4rrat kann aber nicht Teil der L\u00f6sung f\u00fcr den Sudan sein, er ist das Problem. Er brach vor dem Massaker alle Gespr\u00e4che mit der Opposition ab und \u201eversprach\u201c, binnen sieben Monaten Neuwahlen abzuhalten. Das war ein deutlicher Versuch, eine Milit\u00e4rdiktatur zu etablieren.<\/p>\n<p>Die internationale Staatengemeinschaft signalisierte Unterst\u00fctzung. Fortschritt im Sudan kann nicht von au\u00dfen kommen. Und im Land gibt es nur eine Kraft, die f\u00e4hig ist, die Milit\u00e4rjunta zu st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Ohne Arbeiter flie\u00dft kein Erd\u00f6l. Ohne Lohnabh\u00e4ngige sprudeln keine Profite. Das wei\u00df das Regime genau. Nach dem Massaker rief das Gewerkschaftsb\u00fcndnis SPA zum Generalstreik auf und zwang so den Milit\u00e4rrat, die Offensive zu beenden.<\/p>\n<p>Es stimmt nicht, dass die Revolution ihre Kinder frisst. Die Konterrevolution ertr\u00e4nkt sie im Blut. Jene Oppositionelle, die noch den Kompromiss mit den bestialischen Konterrevolution\u00e4ren suchen, machen sich mitschuldig. Auch dagegen braucht es den ernsthaftesten Widerstand von unten. Die Streik-Komitees k\u00f6nnen im Laufe der K\u00e4mpfe eine alternative Macht werden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/linkswende.org\/sudan-revolution-oder-barbarei\/\"><em>linkswende.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 25. Juli 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karin Wilflingseder. Mehr als 70 Vergewaltigungen w\u00e4hrend der Niederschlagung der Massenproteste im Sudan meldeten die Spit\u00e4ler in Khartoum. 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