{"id":5689,"date":"2019-07-27T14:31:58","date_gmt":"2019-07-27T12:31:58","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5689"},"modified":"2019-07-27T14:32:00","modified_gmt":"2019-07-27T12:32:00","slug":"faschismus-konterrevolution-im-gewand-der-revolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5689","title":{"rendered":"Faschismus: Konterrevolution im Gewand der Revolution"},"content":{"rendered":"<p><em>David Albrich. <\/em><strong>Um Faschismus heute zu verstehen, brauchen wir Klarheit dar\u00fcber, was ihn in seiner \u201eklassischen Form\u201c in der Zwischenkriegszeit ausmachte. Der russische Revolution\u00e4r Leo Trotzki erkannte fr\u00fch die au\u00dferordentliche Gefahr,<\/strong><!--more--><strong style=\"font-size: inherit;\">die vom Faschismus f\u00fcr die Arbeiter_innenbewegung ausging und warf sein ganzes intellektuelles Gewicht in dessen Analyse. Den Kontinuit\u00e4ten und Br\u00fcchen zu dieser Theorie in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg widmen wir uns in der n\u00e4chsten Ausgabe.<\/strong><\/p>\n<p>Faschismus ist verantwortlich f\u00fcr die schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Der tiefe Schatten des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts verfolgt uns bis heute: 60 bis 70 Millionen Kriegstote und die Ermordung von elf Millionen J\u00fcdinnen und Juden, Roma und Sinti, Zwangsarbeitern, Behinderten, politischen Gegner_innen. Heute wissen wir: wir, die wir uns heute in der sozialistischen Tradition sehen, h\u00e4tten diesen Wahnsinn verhindern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der russische Revolution\u00e4r Leo Trotzki lieferte mit seiner grundlegenden Analyse des klassischen Faschismus der Zwischenkriegszeit eine der gr\u00f6\u00dften Errungenschaften des Marxismus \u2013 und eine praktische Anleitung, wie der Faschismus h\u00e4tte geschlagen werden k\u00f6nnen. Er argumentierte Ende der 1920er- und Anfang der 1930er-Jahre, als unterschiedliche faschistische Kr\u00e4fte im Zuge der Weltwirtschaftskrise Anspruch auf die Macht erhoben, dass vom Faschismus eine besondere Gefahr f\u00fcr die Arbeiter_innenklasse und die Unterdr\u00fcckten ausgeht, selbst wenn man ihn mit anderen Formen totalit\u00e4rer Herrschaft vergleicht.<\/p>\n<p>Seine Erkenntnisse sind f\u00fcr Antifaschist_innen heute unerl\u00e4sslich: Noch vor dem Einmarsch der deutschen Armee in Polen und der \u201eWannseekonferenz\u201c, auf der die F\u00fchrer des NS-Regimes und die SS die Vernichtung der europ\u00e4ischen J\u00fcdinnen und Juden beschlossen und koordinierten,\u00a0<a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/sozialistischeklassiker2punkt0\/trotzki\/1938\/leo-trotzki-juedische-bourgeoisie-und-revolutionaerer-kampf\">sah<\/a>\u00a0Trotzki im Dezember 1938 voraus: \u201eMan kann sich leicht vorstellen, was die Juden schon zu Beginn eines zuk\u00fcnftigen Weltkriegs erwartet. Aber auch ohne Krieg bedeutet die weitere Entwicklung der Weltreaktion fast mit Zwangsl\u00e4ufigkeit die physische Vernichtung des Judentums.\u201c<\/p>\n<p>Im Wesentlichen erkannte Trotzki, dass der Faschismus nicht das unmittelbare Instrument der gro\u00dfen Banken und Konzerne zur Rettung des Kapitalismus war, wie es das unanfechtbare Dogma des Stalinismus besagte. Deren Theoretiker Georgi Dimitroff\u00a0<a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/gd\/gd_001.htm\">dr\u00fcckte<\/a>\u00a01935 diese krude Lehre in seinem Bericht an den VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale so aus (eine Rede, die bis heute unter Linken \u00e4u\u00dferst popul\u00e4r ist): \u201eDer Faschismus ist die Macht des Finanzkapitals selbst.\u201c<\/p>\n<p>In dieser Darstellung fungierte der F\u00fchrer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), Adolf Hitler, als blo\u00dfe Marionette des Gro\u00dfkapitals. Im Gegensatz dazu machte Trotzki in seiner Studie eine Reihe voneinander abh\u00e4ngiger, widerspr\u00fcchlicher (dialektischer) Momente aus und beschrieb den Faschismus als konterrevolution\u00e4re Massenbewegung des verzweifelten Kleinb\u00fcrgertums.<\/p>\n<p><strong>Extreme Konterrevolution<\/strong><\/p>\n<p>Faschismus zielt auf die dauerhafte Zerschlagung aller Arbeiterorganisationen ab, sowohl der revolution\u00e4ren als auch der konservativen. Dies geht weit \u00fcber Repression und Terror oder die Liquidierung der militantesten Schichten der Arbeiter_innenklasse hinaus, wie in \u201eblo\u00dfen\u201c Polizei- oder Milit\u00e4rdiktaturen. Faschismus verk\u00f6rpert die extremste Form der Konterrevolution.<\/p>\n<p>1932 schrieb Trotzki in\u00a0<em>Was nun?<\/em>: \u201eDer Faschismus ist nicht einfach ein System von Repressionen, Gewalttaten, Polizeiterror. Der Faschismus ist ein besonderes Staatssystem, begr\u00fcndet auf der Ausrottung aller Elemente proletarischer Demokratie in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft. [\u2026] Dazu ist die physische Ausrottung der revolution\u00e4rsten Arbeiterschicht ungen\u00fcgend. Es hei\u00dft, alle selbst\u00e4ndigen und freiwilligen Organisationen zu zertr\u00fcmmern, alle St\u00fctzpunkte des Proletariats zu zerst\u00f6ren und die Ergebnisse eines dreiviertel Jahrhundert Arbeit der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften zu vernichten.\u201c<\/p>\n<p>Trotzki appellierte vergeblich an die\u00a0<em>Kommunistische Partei Deutschlands<\/em>\u00a0(KPD). \u201eDie faschistischen Herrschaften schrecken uns nicht. Sie werden rascher abwirtschaften als jede andere Regierung\u201c,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.marxists.de\/comintern\/hallas\/6-28-34.htm\">fasste<\/a>\u00a0der KPD-Abgeordnete Hermann Remmele die katastrophale Haltung der Kommunisten in einer Reichstagsrede zusammen. Die kommunistischen F\u00fchrer lagen dem fatalen Irrtum auf, dass sich der Faschismus an der Macht \u2013 als eine blo\u00dfe weitere Form autokratischer Herrschaft \u2013 von alleine entlarven w\u00fcrde, ehe man selbst zum Zug kam (und unterlie\u00dfen es unter anderem deshalb, mit der SPD-F\u00fchrung eine gemeinsame Einheitsfront zu bilden).<\/p>\n<p>Innerhalb von nur vier Monaten nach der Macht\u00fcbernahme am 30. J\u00e4nner 1933 verboten und verfolgten die Nazis mit ihrem Terror nicht nur die KPD, sondern auch die\u00a0<em>Sozialdemokratische Partei Deutschlands<\/em>\u00a0(SPD). Die im\u00a0<em>Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund<\/em>\u00a0(ADGB) vereinten freien Gewerkschaften wurden samt den christlichen Gewerkschaften von den Nazis \u00fcbernommen und h\u00f6rten auf, als unabh\u00e4ngige Organisationen zu existieren. Die Nationalsozialisten erledigten erfolgreich, wovor Trotzki unabl\u00e4ssig warnte: \u201ebis aufs Fundament alle Einrichtungen der proletarischen Demokratie zu zerst\u00f6ren\u201c.<\/p>\n<p><strong>Unabh\u00e4ngige Massenbewegung<\/strong><\/p>\n<p>Zur Bewerkstelligung dieser historischen Aufgabe war mehr n\u00f6tig als die \u00fcblichen Instrumente autorit\u00e4rer Herrschaft, also die Polizei, Armee, Geheimdienste\u2026 Hitler brauchte dazu eine eingeschwei\u00dfte paramilit\u00e4rische Truppe von Fanatikern, welche die Macht auf der Stra\u00dfe gegen die Linke erobern und s\u00e4mtliche vom Staat unabh\u00e4ngigen Organisationen zerschlagen konnte. 1930, als die Nazis den Durchbruch bei den Wahlen schafften, z\u00e4hlte die\u00a0<em>Sturmabteilung<\/em>\u00a0(SA), der paramilit\u00e4rische Fl\u00fcgel der NSDAP, bereits 100.000 Mann. Sie wuchs bis 1933 auf 400.000, w\u00e4hrend die Mitgliedszahlen der Nazipartei von unter 100.000 im Jahr 1928 auf 850.000 im Jahr 1933 explodierten.<\/p>\n<p>Die \u201eVolksgemeinschaft\u201c \u2013 das v\u00f6lkische Ideal einer harmonischen, konfliktfreien Gemeinschaft, in der das \u201enationale\u201c Kapital und die Arbeit unter einem charismatischen F\u00fchrer vers\u00f6hnt w\u00e4ren und in der die kleinen und mittleren Betriebe nach der tiefen Wirtschaftskrise wieder den Ton angeben w\u00fcrden \u2013 diente den Nazis als ideologisches Bindemittel, das die Bewegung zusammenschwei\u00dfen sollte. Dieses reaktion\u00e4re Utopia (das im \u00dcbrigen nie wirklich durchgesetzt werden konnte), erforderte, dass jene Kr\u00e4fte, die diese Fiktion gef\u00e4hrden, ausgel\u00f6scht werden: Organisationen, die \u201eKlassenkampf\u201c betreiben; liberale demokratische Institutionen, die dies dulden; und Kr\u00e4fte, welche die Nazis als \u201eFremdk\u00f6rper\u201c betrachteten \u2013 J\u00fcdinnen und Juden, \u201eAsoziale\u201c, Homosexuelle\u2026<\/p>\n<p>Trotzki argumentierte, dass sich der Kern dieser Bewegung aus dem verzweifelten Kleinb\u00fcrgertum rekrutierte, das auch dessen Dynamik bestimmen w\u00fcrde: kleine Ladenbesitzer, Handwerker, von Gro\u00dfbetrieben, unabh\u00e4ngige Techniker, h\u00f6here Angestellte, untere und mittlere Offiziere\u2026, die zwischen den beiden Hauptklassen, insbesondere der organisierten Arbeiter_innenklasse und dem Gro\u00dfkapital stehen. In Zeiten schwerer Krisen droht diesen Schichten, zwischen Bourgeoisie und Proletariat aufgerieben zu werden, und sie werden von Panik ergriffen.<\/p>\n<p>Trotzki\u00a0<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1933\/06\/natsoz.htm\">fragte<\/a>\u00a0in\u00a0<em>Portrait des Nationalsozialismus<\/em>\u00a0(1933), was zu tun w\u00e4re, damit es dem Kleinb\u00fcrgertum wieder besser gehe: \u201eVor allem die niederdr\u00fccken, die unten sind. Kraftlos vor den gro\u00dfen Wirtschaftsm\u00e4chten hofft das Kleinb\u00fcrgertum, durch die Zertr\u00fcmmerung der Arbeiterorganisationen seine gesellschaftliche W\u00fcrde wiederherzustellen.\u201c Der Aufbau einer solchen unabh\u00e4ngigen reaktion\u00e4ren Massenbewegung gibt dem Faschismus eine relative Unabh\u00e4ngigkeit von der herrschenden Klasse.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/28_Generalstreik-Place-de-la-Nation-in-PariscArchiv-CDFT-Andr\u00e9-Burgeat-1024x655-1024x655.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5690\" width=\"582\" height=\"371\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/28_Generalstreik-Place-de-la-Nation-in-PariscArchiv-CDFT-Andr\u00e9-Burgeat-1024x655.jpg 1024w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/28_Generalstreik-Place-de-la-Nation-in-PariscArchiv-CDFT-Andr\u00e9-Burgeat-1024x655-300x192.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/28_Generalstreik-Place-de-la-Nation-in-PariscArchiv-CDFT-Andr\u00e9-Burgeat-1024x655-768x491.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 582px) 100vw, 582px\" \/><figcaption> <em>12. Februar 1934 in Paris: Sozialistische und kommunistische Demonstrant_innen vereinten sich w\u00e4hrend des Generalstreiks unter Rufen von \u201eEinheit! Einheit!\u201c (Unit\u00e9! Unit\u00e9!) gegen den faschistischen Putschversuch der \u201eLigen\u201c.<\/em>\u00a0<em>\u00a9 Archiv CDFT, Andr\u00e9 Burgeat<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Revolution\u00e4re Verkleidung<\/strong><\/p>\n<p>Um eine kleinb\u00fcrgerliche Bewegung zusammenzuhalten, griffen die Nazis nicht nur \u201emarxistische\u201c Organisationen an, sondern bedienten sich auch einer pseudo-antikapitalistischen Rhetorik und riefen zu einer \u201enationalen Revolution\u201c gegen das Gro\u00dfkapital und das \u201ereaktion\u00e4re\u201c politische Establishment auf. Ihre Sprache war dabei stets selektiv, niemals stellten die Nazis das kapitalistische System grunds\u00e4tzlich infrage.<\/p>\n<p>Ihr antisemitisches Weltbild unterschied zwischen gesunden deutschen Unternehmen und Banken (dem \u201eschaffenden Kapital\u201c), die dem nationalen Interesse dienen, und spekulativen, j\u00fcdischen Eigent\u00fcmern und Geldbesitzern (dem \u201eraffenden Kapital\u201c), die das Volk \u201eausbeuten\u201c.<\/p>\n<p>Der britische Marxist Alex Callinicos\u00a0<a href=\"http:\/\/www.stiftung-sozialgeschichte.de\/ZeitschriftOnline\/pdfs\/holocaust-fertig%2006.04.06.pdf?PHPSESSID=c70eb334f15aafb141c9\">fasste<\/a>\u00a0diese Widerspr\u00fcchlichkeit in\u00a0<em>Ausloten der Abgr\u00fcnde \u2013 Marxismus und der Holocaust<\/em>\u00a0folgenderma\u00dfen zusammen: \u201eDer Nationalsozialismus als entwickelte Form des Faschismus ist Konterrevolution im Gewand der Revolution.\u201c Eine derartige Rhetorik musste den Herrschenden in Zusammenhang mit einer unkontrollierbaren, unabh\u00e4ngigen Massenbewegung, die au\u00dferhalb der staatlichen Strukturen entstand, einen gewaltigen Schrecken einjagen \u2013 ganz unabh\u00e4ngig davon, welche Unterst\u00fctzung Hitler vor der Macht\u00fcbernahme von einzelnen Kapitalisten erhielt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich f\u00fcrchteten die Machthaber Deutschlands, dass sich die SA nicht nur gegen die Arbeiterbewegung und j\u00fcdische Unternehmen richten k\u00f6nnte, sondern umfassender gegen die herrschende Klasse selbst, und dass heftige K\u00e4mpfe mit der Arbeiterklasse Rebellionen von unten entfachen k\u00f6nnten, wie schon beim Kapp-Putsch 1920, einer versuchten Macht\u00fcbernahme konterrevolution\u00e4rer Freikorps.<\/p>\n<p>Genau diese Gegenbewegung erfasste Frankreich 1934-36, als die Werkt\u00e4tigen mit Massenmobilisierungen auf den Sturz der Linksregierung unter \u00c9douard Daladiers durch rechtsradikale, paramilit\u00e4rische \u201eLigen\u201c reagierten. Oder 1936 die Revolte spanischer Arbeiter_innen nach dem Putsch von General Franco gegen die spanische Volksfrontregierung.<\/p>\n<p>Trotzki argumentierte bereits 1926 mit der Erfahrung des italienischen Faschismus: \u201eDoch die Bourgeoisie liebt die \u201aplebejische\u2018 L\u00f6sung ihrer Aufgaben nicht [\u2026] Die Ersch\u00fctterungen, die das mit sich bringt, sind f\u00fcr sie, obwohl sie im Interesse der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft liegen, mit Gefahren verbunden. Daher der Gegensatz zwischen dem Faschismus und den herk\u00f6mmlichen b\u00fcrgerlichen Parteien \u2026 Die Gro\u00dfbourgeoisie liebt den Faschismus ebenso wenig wie ein Mensch mit kranken Kiefern das Zahnziehen.\u201c<\/p>\n<p>Reichspr\u00e4sident Hindenburg soll noch vor Hitlers Ernennung zum Reichskanzler\u00a0<a href=\"http:\/\/www.stiftung-sozialgeschichte.de\/ZeitschriftOnline\/pdfs\/holocaust-fertig%2006.04.06.pdf?PHPSESSID=c70eb334f15aafb141c9\">gesagt<\/a>\u00a0haben: \u201eDen mache ich h\u00f6chstens zum Postminister; da kann er mich auf der Briefmarke lecken, aber von hinten.\u201c Hindenburg zierte damals die Briefmarken.<\/p>\n<p>Alles auf die braune Karte zu setzen, war f\u00fcr die herrschende Klasse mit enormen Risiken verbunden. Das schiere Ausma\u00df der wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Krise Deutschlands und die Tatsache, dass es mit der Nazi-Bewegung Ende 1932 bereits wieder bergab ging, zwang sie letztlich, Hitler die Macht auszuh\u00e4ndigen.<\/p>\n<p><strong>Aufhaltsamer Aufstieg<\/strong><\/p>\n<p>Um diese Widerspr\u00fcchlichkeiten zu beherrschen, setzten die Nazis auf eine Doppelstrategie: sie kombinierten den Aufbau einer Kampforganisation, einer paramilit\u00e4rischen Stra\u00dfenbewegung, die imstande sein sollte, das politische System der Weimarer Republik \u00fcber den Haufen zu werfen und zu gegebenem Zeitpunkt Terror zu verbreiten, mit einer Wahlbewegung, die ihnen Respektabilit\u00e4t verschaffen, Zweifel der Herrschenden zerstreuen und die politischen Gegner einschl\u00e4fern sollte.<\/p>\n<p>Nach dem gescheiterten organisierten Putschversuch 1923, dem sogenannten \u201eMarsch auf die Feldherrnhalle\u201c in M\u00fcnchen, bei dem die Polizei auf die Nazi-Bewegung schie\u00dfen lie\u00df, orientierte Hitler die NSDAP auf den Aufbau einer legalen Wahlbewegung um. 1930\u00a0<a href=\"https:\/\/www.yumpu.com\/de\/document\/read\/5916405\/hitlers-aeurzlegalitatseidaeuroe-kurt-bauer-geschichte\">sagte<\/a>\u00a0er im Zuge des \u201eUlmer Reichswehrprozesses\u201c r\u00fcckblickend: \u201eIch habe damals sch\u00e4rfste Erlasse herausgegeben, die die absolute Waffenlosigkeit der Sturmabteilungen anordneten\u201c, aber \u201enat\u00fcrlich wird die politische Bewegung, die die Macht im Staate mit legalen Mitteln erobern will, an die Spitze ihres Programms den Wehrgedanken stellen. [\u2026] Dann muss es zur nationalsozialistischen Erhebung kommen, und wir werden den Staat so gestalten, wie wir ihn haben wollen.\u201c<\/p>\n<p>Hitlers taktische Man\u00f6ver, etwa eine gemeinsame Kampagne gegen den \u201eYoung-Plan\u201c (der die Reparationszahlungen Deutschlands neu ordnen sollte) mit der gr\u00f6\u00dften konservativen Partei, der\u00a0<em>Deutschnationalen Volkspartei<\/em>\u00a0(DNVP), stie\u00dfen dabei durchaus auf Widerstand in der Partei, vor allem unter jenen, die keinerlei Kompromisse eingehen wollten.<\/p>\n<p>Die h\u00f6chste Spannung zwischen der Suche nach Respektabilit\u00e4t, dem Verstecken der wahren Absichten, und der Notwendigkeit, die Unabh\u00e4ngigkeit und den konterrevolution\u00e4ren Radikalismus zu bewahren, erzeugte permanent Konflikte innerhalb der Nazi-Bewegung. Trotzkis brillante Analyse h\u00e4tte es einer vereinten antifaschistischen Bewegung \u2013 einer Einheitsfront von SPD und KPD (ihrer Anh\u00e4nger_innen, Mitglieder und der Parteispitzen) \u2013 erlaubt, ebenjene Schwachstellen auszumachen, in diese Kerben zu schlagen und Hitler aufzuhalten.<\/p>\n<p>Leider waren die politischen H\u00fcrden zwischen den beiden gr\u00f6\u00dften Arbeiterorganisationen der Welt damals scheinbar un\u00fcberbr\u00fcckbar: Die KPD bezeichnete die SPD als \u201egem\u00e4\u00dfigten Fl\u00fcgel des Faschismus\u201c, und die Sozialdemokraten sahen ihrerseits in den Kommunisten und den Nazis die gleich gro\u00dfe Gefahr. Wir d\u00fcrfen diese Fehler nicht wiederholen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/linkswende.org\/faschismus-konterrevolution-im-gewand-der-revolution\/\"><em>linkswende.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 27. Juli 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>David Albrich. Um Faschismus heute zu verstehen, brauchen wir Klarheit dar\u00fcber, was ihn in seiner \u201eklassischen Form\u201c in der Zwischenkriegszeit ausmachte. Der russische Revolution\u00e4r Leo Trotzki erkannte fr\u00fch die au\u00dferordentliche Gefahr,<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[48,34,76,4,21],"class_list":["post-5689","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","tag-antifaschismus","tag-faschismus","tag-neue-rechte","tag-strategie","tag-trotzki"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5689","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5689"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5689\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5691,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5689\/revisions\/5691"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5689"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5689"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5689"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}