{"id":569,"date":"2015-06-16T17:46:04","date_gmt":"2015-06-16T15:46:04","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=569"},"modified":"2015-06-16T20:04:12","modified_gmt":"2015-06-16T18:04:12","slug":"syrische-aufstaendische-im-vormarsch-gegen-den-is-und-assad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=569","title":{"rendered":"Syrische Aufst\u00e4ndische im Vormarsch gegen den IS und Assad"},"content":{"rendered":"<p><i>Corey Oakley<\/i>. Nach vier Jahren eines zerst\u00f6rerischen Krieges in Syrien hat sich die Entwicklung gegen die brutale Diktatur Assads gewendet. Seit M\u00e4rz hat das Regime im ganzen Land eine Reihe von Niederlagen erlitten. Die Einnahme von Palmyra durch den ultra-rekation\u00e4ren Islamischen Staat (IS) eroberte die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit; doch wichtiger sind die Gewinne<!--more--> der wirklichen Aufst\u00e4ndischen in anderen Regionen.<\/p>\n<p>Nach einer Reihe von erfolgreichen Offensiven ist die Provinz Idlib im Nordwesten in den H\u00e4nden eines B\u00fcndnisses von Aufst\u00e4ndischen. Im S\u00fcden haben die K\u00e4mpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) in der Provinz Daara bedeutende Gebietsgewinne gemacht. Die Einheiten des Regimes stehen davor, im Norden durch Einheiten der Rebellen aus Aleppo vertrieben zu werden, obwohl der Vormarsch der Aufst\u00e4ndischen dort durch eine Offensive des IS auf die Stadt bedroht wird.<\/p>\n<p>\u00abEs handelt sich hier nicht einfach um ein Auf und Ab der K\u00e4mpfe\u00bb, sagte ein arabischer Diplomat\u00a0 gegen\u00fcber The Guardian. \u00abEs ist zunehmend klar und offensichtlich, dass das Regime sich nicht selbst verteidigen kann, selbst nicht mit der immer st\u00e4rkeren Unterst\u00fctzung durch den Iran, seinem Hauptsponsor.\u00bb<\/p>\n<p>So behauptet das Regime nicht mehr, dass es im ganzen Land Krieg f\u00fchre. Stattdessen zieht es sich auf eine Strategie der Verteidigung seiner Kerngebiete in und um Damaskus und des alawitischen Kernlandes an der K\u00fcste des Mittelmeeres zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die andere Achse der Strategie des Regimes besteht seit Beginn des Krieges in der Unterst\u00fctzung des IS, sofern dieser in einen Konflikt mit den Truppen der Aufst\u00e4ndischen verwickelt ist. Dass j\u00fcngste Beispiel daf\u00fcr ist die Schlacht um Aleppo. Der IS begann eine anhaltende Offensive gegen Positionen der Rebellen in der Stadt. Er wurde dabei von der Luftwaffe des Regimes unterst\u00fctzt, welche nach Aussagen von Rebellenf\u00fchrern in deutlich erkennbarer Koordination mit dem IS operierte.<\/p>\n<p>EA worldview berichtete in diesem Zusammenhang: \u00abDie Luftwaffe Assads bombardierte Positionen des IS in der Provinz Aleppo. Als jedoch der IS die Aufst\u00e4ndischen auf einer Front von 25 km im Norden und Nordosten der Stadt angriff, und dabei von ihrem Angriff auf Stellungen des Regimes abliess, konzentrierte die Luftwaffe des Regimes ihre Operationen auf Stellungen der Aufst\u00e4ndischen\u00bb.<\/p>\n<p>Die USA, welche behaupten, einen Krieg gegen den IS zu f\u00fchren, haben sich unumwunden geweigert, ihre Lufteins\u00e4tze auf Territorien auszuweiten, in denen die Rebellen Krieg gegen den IS f\u00fchren. Und dies trotz der mehrfachen Bitte von Rebellenf\u00fchrern. So erkl\u00e4rte der Rebellenf\u00fchrer Zaher al-Saket am 29. Mai gegen\u00fcber der US Web-Seite Daily Beast: \u00abWir hoffen weiterhin, dass wir mit den Einheiten der Koalition im Kampf gegen den IS eng zusammenarbeiten k\u00f6nnen und dass sie Luftangriffe gegen die IS-Stellungen nord\u00f6stlich von Aleppo fliegen wird. Wir haben sie dazu aufgefordert\u00bb.<\/p>\n<p>In der Vergangenheit haben sich die USA geweigert, Luftschl\u00e4ge zur Unterst\u00fctzung der Rebellengruppen zu f\u00fchren, die gegen den IS k\u00e4mpfen, da dies Dschabhat al-Nusra st\u00e4rken w\u00fcrde. Diesmal war die Ausrede noch zynischer. So al-Saket: \u00abWir wurden aus dem verbl\u00fcffenden Grund abgewiesen, dass eine Unterst\u00fctzung der Rebellen Assad schw\u00e4chen w\u00fcrde, was die Iranis erz\u00fcrnen w\u00fcrde, welche dann die amerikanischen Truppen im Irak unter Druck setzen w\u00fcrden\u00bb.<\/p>\n<p>Soviel zur Behauptung, dass die USA das Assad Regime und den IS bek\u00e4mpfen w\u00fcrden. In Wirklichkeit unterst\u00fctzen sie Assad in seinem verzweifelten Versuch, den Vormarsch der Rebellen durch eine St\u00e4rkung des IS im Norden Syriens aufzuhalten. Auf so eine abgeschmackte Idee h\u00e4tten wir nie kommen k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die USA sich weiterhin weigern, die syrischen Aufst\u00e4ndischen zu unterst\u00fctzen, gehen die verschiedenen wichtigen Regionalm\u00e4chte einen anderen Weg.<\/p>\n<p>So war der pl\u00f6tzliche Zustrom von Waffen via Saudi Arabien und der T\u00fcrkei ein wichtiger Faktor, der\u00a0 den Vormarsch der Aufst\u00e4ndischen unterst\u00fctzt hat. An einem durch den neuen saudischen K\u00f6nig Salman in Riyadh im M\u00e4rz einberufenen Treffen, an dem der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident Erdogan und Regierungsvertreter aus Qatar und dem Golf-Kooperationsrat teilnahmen, wurde beschlossen, dass sie den Aufst\u00e4ndischen im Norden (ausser dem IS) endlich die Waffen liefern werden, die sie seit 2011 verlangen.<\/p>\n<p>Innerhalb weniger Wochen begannen die Waffenlieferungen an die Rebellen. So sagte ein Rebellenf\u00fchrer gegen\u00fcber dem Observer: \u00abZum ersten Mal bekommen wir alles was wir wollen, ausser Flugabwehr Raketen\u00bb.<\/p>\n<p>Diese Entwicklungen sind selbstverst\u00e4ndlich Sand in das Getriebe derjenigen \u00abLinken\u00bb, die sich der Verteidgigung des faschistischen Assad Regimes mit seinen Fass-Bomben und seinen Folterzellen verschrieben haben. Seit dem Beginn der bewaffneten K\u00e4mpfe im Jahre 2011 haben sie die Opposition beschuldigt, Marionetten fremder M\u00e4chte zu sein.<\/p>\n<p>In Wirklichkeit war diese Unterst\u00fctzung f\u00fcr die syrische Opposition bestenfalls erb\u00e4rmlich. Die wirkliche ausl\u00e4ndische Intervention im syrischen Krieg erfolgte mit den miliardenschweren Waffenlieferungen an das Regime aus Iran und Russland. Im Verlaufe des vergangenen Jahres haben zusehends iranische Verb\u00e4nde unter dem Kommando von iranischen Offizieren zusammen mit Hezbollah-Milizen die F\u00fchrung der Verteidigung des Assad-Regimes \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Die neue Lieferung von Waffen an die Rebellen und die damit eingetretene dramatische Verschiebung auf dem Schlachtfeld strafen die Behauptung L\u00fcge, dass die Opposition die ganze Zeit \u00fcber durch ausl\u00e4ndische M\u00e4chte bewaffnet worden sei. W\u00e4re dies der Fall gewesen, w\u00e4re Assad schon l\u00e4ngst vertrieben worden. Wir sehen nun vielmehr, was geschieht, wenn beide Konfliktparteien substantielle Unterst\u00fctzung von aussen erhalten: Die Aufst\u00e4ndischen machen erstaunliche Gewinne und das Regime ist isoliert und innerhalb seiner eigenen Unterst\u00fctzer gibt es immer gr\u00f6ssere Differenzen.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist der Entscheid der T\u00fcrkei und Saudi Arabiens, die Rebellen zu bewaffnen, \u00e4usserst zynisch. K\u00f6nig Salman ist nicht mehr interessiert an Demokratie und Freiheit im Mittleren Osten als sein Vorg\u00e4nger, Abdullah. Das neue saudische Regime ist durch die neuerliche Ann\u00e4herung zwischen Teheran und Washington alarmiert und verfolgt, im Versuch der Zur\u00fcckdr\u00e4ngung der wachsenden iranischen Macht, eine neue Strategie der saudischen Selbstbehauptung.<\/p>\n<p>Die Bewaffnung der syrischen Rebellen und die Zur\u00fcck-Bombardierung des Jemen in die Steinzeit sind zwei Achsen derselben Strategie der Saudis, sich als F\u00fchrer der arabischen Welt aufzubauen und ihre F\u00e4higkeit zu behaupten, unabh\u00e4ngig von den USA zu handeln.<\/p>\n<p>Die syririschen Rebellen haben jedes Recht, diese Situation auszunutzen um zu den Waffen zu kommen, die sie f\u00fcr den Sturz des Regimes dringend ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Der Sturz Assads wird die Probleme Syriens nicht l\u00f6sen. Die Jahre des Krieges haben Syrien auseinander gerissen, Millionen vertrieben und Hundertausende get\u00f6tet. Diese Realit\u00e4t hat, zusammen mit dem allgemeinen Zur\u00fcckfluten der revolution\u00e4ren Welle in der arabischen Welt zur Folge, dass der \u00a0gr\u00f6sste Teil des sozialen Gehalts des Aufstands von 2011 verloren gegangen ist.<\/p>\n<p>Der Aufstieg von reaktion\u00e4ren islamistischen Gruppen wie Dschabhat al-Nusra innerhalb der Aufst\u00e4ndischen ist kein leichtes Problem. Aber das erste Problem bleibt das Regime. Ohne seinen Sturz bleibt f\u00fcr Syrien keine Zukunft ausser Krieg und Totalitarismus.<\/p>\n<p><i>Quelle: redflag.org vom 9. Juni 2015<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Corey Oakley. Nach vier Jahren eines zerst\u00f6rerischen Krieges in Syrien hat sich die Entwicklung gegen die brutale Diktatur Assads gewendet. 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