{"id":5694,"date":"2019-07-28T12:28:17","date_gmt":"2019-07-28T10:28:17","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5694"},"modified":"2019-07-28T12:28:18","modified_gmt":"2019-07-28T10:28:18","slug":"der-deutsche-sozialdemokrat-und-die-hitler-fans-in-indien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5694","title":{"rendered":"Der deutsche Sozialdemokrat und die Hitler-Fans in Indien"},"content":{"rendered":"<p><em>Chandrika Yogarajah. <\/em><strong>Warum der freundschaftliche Besuch des deutschen Chefdiplomaten in Indien, Walter Lindner, beim F\u00fchrer der hindufaschistischen \u201eRashtriya Swayamsevak Sangh\u201c gef\u00e4hrlich ist\u00a0<\/strong>.<!--more--><\/p>\n<p>Vergangene Woche, am 17. Juli 2019 hat der Sozialdemokrat Walter Linder, deutscher Botschafter in Indien, den Hauptsitz der hindu-faschistischen Organisation Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) in Nagpur, Maharashtra besucht.<\/p>\n<p>Auf einem Foto wurde festgehalten, wie Lindner der Statue des Mitgr\u00fcnders und ehemaligen F\u00fchrers der RSS, K.B. Hedgewar, Respekt erweist, und die F\u00fc\u00dfe der Skulptur ber\u00fchrt. Dar\u00fcber hinaus wurden Bilder von Lindner ver\u00f6ffentlicht, die ihn mit einem Portrait von Hedgewars Nachfolger, M.S. Golwalkar zeigen. In Kombination ist das brisant. Denn M.S. Golwalkar hat begeistert die Rassenpolitik der Nazis unterst\u00fctzt. Die RSS ist vom Hitler-Faschismus sowie dem italienischen Faschismus unter Mussolini inspiriert und fordert zu deren Nachahmung auf.<\/p>\n<p>Pieter Friedrich, Experte f\u00fcr S\u00fcdasien-Angelegenheiten, ver\u00f6ffentlichte noch am selben Tag eine\u00a0<a href=\"https:\/\/www.change.org\/p\/german-foreign-minister-recall-amb-walter-lindner-for-rss-visit-germany-must-apologize?signed=true\">Petition zur Abdankung von Walter Lindner<\/a>\u00a0aus seinem Amt als Deutscher Botschafter, die mittlerweile von 2500 Personen unterzeichnet wurde. Zentrale Forderung ist dabei \u201edass Botschafter Walter Lindner zur\u00fccktritt\u201c und, \u201efalls dies nicht gelingt, zur\u00fcckgerufen wird.\u201c Au\u00dferdem wird \u201edie sofortige Intervention von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Au\u00dfenminister Heiko Maas, um dieses Ziel zu erreichen\u201c gefordert.<\/p>\n<p>In der Folge entwickelt sich dieses Treffen zwischen Walter Lindner und der RSS zu einem Skandal, woraufhin Pieter Friedrich am 21. 07. 2019 ein\u00a0<a href=\"https:\/\/www.change.org\/p\/german-foreign-minister-recall-amb-walter-lindner-for-rss-visit-germany-must-apologize\/u\/24848907?cs_tk=Ao4jUsIW6Zu9OtAkOF0AAXicyyvNyQEABF8BvDcyFrwLrOYoGoTKE8ScdjY%3D&amp;utm_campaign=6704db858c9f435d84fc4b16416f4f8d&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=petition_update&amp;utm_term=cs\">Video hochgeladen hat<\/a>, in dem er das ideologische B\u00fcndnis zwischen RSS und Hitler-Deutschland aufzeigt und zu mehr Teilnahme an der Petition aufruft.<\/p>\n<p><strong>Der faschistische Charakter der RSS<\/strong><\/p>\n<p>Um zu verstehen, wieso dieses Treffen gef\u00e4hrlich ist, ist es notwendig in die Geschichte der RSS einzutauchen und dieses Treffen im Kontext indischer sowie deutscher Geschichte zu betrachten.<\/p>\n<p>Als Indien noch unter britischer Kolonialherrschaft (1858-1947) stand, wurde 1925 die radikal-hinduistische Organisation RSS ins Leben gerufen. Diese zun\u00e4chst kleine Gruppe aus 17 Mitgliedern, wurde von dem Arzt Keshav Baliram Hedgewar in der zentralindischen Stadt Nagpur gegr\u00fcndet. Aktuell ist sie\u00a0<a href=\"https:\/\/www.npr.org\/2019\/05\/03\/706808616\/the-powerful-group-shaping-the-rise-of-hindu-nationalism-in-india\">mit 5 Millionen Mitgliedern eine der gr\u00f6\u00dften Freiwilligenorganisationen weltweit<\/a>. Die RSS ist eine hierarchisch strukturierte paramilit\u00e4rische Organisation, die von einer Person, dem\u00a0<em>sarsanghachalak<\/em>\u00a0gef\u00fchrt wird. Die F\u00fchrung ist meistens von einem Brahmanen besetzt, einem Mitglied der h\u00f6chsten Kaste.<\/p>\n<p>Ihre Ideologie basiert auf der Hindutva, einem politischen Konzept, das Indien zu einer Hindu-Nation formieren m\u00f6chte. Vinayak Damodar Savarkar hat 1923 in Nagpur, die Schrift \u201eHindutva: Wer ist ein Hindu?\u201c verfasst, in der er erstmals die Idee einer Hindu-Nation, Hindu Rashtra, formulierte, die Hindus als urspr\u00fcngliche Bev\u00f6lkerung S\u00fcdasiens sieht. Das Konzept geht von einer fr\u00fchen, geeinten Hindu-Gesellschaft aus, die nun in Indien durch religi\u00f6se Minderheiten wie Muslime und Christen bedroht ist. Damit ist Hindutva eine Gegenbewegung zum s\u00e4kularen Staatsmodell, welches von Mahatma Gandhi zur L\u00f6sung des Konfliktes zwischen Hindus und Muslimen vorgeschlagen wurde und das heute in der Verfassung manifestiert ist.<\/p>\n<p>Eines der bekannten RSS-Mitglieder war der Hindu-Extremist Nathuram Godse, der mit Gandhis Bem\u00fchungen den Konflikt zwischen Hindus und Muslime zu schlichten, nicht einverstanden war und den 78-J\u00e4hrigen auf dem Weg nach Neu-Delhi, am 30. Januar 1948 ermordete. Daraufhin wurde die RSS verboten. 1949 wurde dieses Verbot jedoch aufgehoben, da die RSS die Regierung \u00fcberzeugte, Kultur- und Freiwilligenprojekte zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Danach betrat die RSS erneut die politische B\u00fchne und versuchte durch Kultur- und Hilfsprogramme f\u00fcr Dalits (die niedrigste Kaste), Menschen f\u00fcr sich zu gewinnen. Die RSS gr\u00fcndete zahlreiche Unterorganisationen, die Frauen, Jugend und Studenten repr\u00e4sentieren soll. Auch leitet die RSS Tausende von Schulen in Indien, um das Hindu-Sein zu verbreiten und die Erziehung von Kindern und Jugendlichen m\u00f6glichst fr\u00fch zu beeinflussen.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Parnal Chirmuley, Professorin f\u00fcr Deutschlandstudien an der Jawaharlar Nehru University (JNU) Delhi, erkl\u00e4rt in ihrem englischsprachigem Artikel \u201e<a href=\"https:\/\/indianexpress.com\/article\/opinion\/columns\/foreign-hand-in-the-sangh-rss-hindu-society-muslims-christians-5117648\/\">Far from being indigenous, RSS has championed chauvinist ideas from Europe<\/a>\u201c (2018), wie fasziniert RSS tats\u00e4chlich von europ\u00e4ischen Faschismus war. Die RSS und die hindunationalistische\u00a0<em>Bharatiya Janata Party (<\/em>BJP) stellen sich jedoch als wahrhaftig indigen dar, als der Kern Indiens \u2013 w\u00e4hrend linke Intellektuelle, Frauen-, Dalit- und B\u00fcrgerrechtsbewegungen von westlichen Gedanken beeinflusst seien und dabei das \u201ewahre Indische\u201c unterdr\u00fccken w\u00fcrden.<\/p>\n<p>All jene Gruppen seien deshalb, so die RSS, anti-national, anti-indisch und m\u00fcssten beseitigt werden, da sie eine Gefahr f\u00fcr Indien darstellen. Kavita Krishnan, Sekret\u00e4rin der All India Progressive Women\u2018s Association sowie Mitglied des Politb\u00fcros der Communist Party of India (Marxist-Leninist) beschreibt in ihrem ebenfalls englischsprachigem Artikel\u00a0<a href=\"https:\/\/indianexpress.com\/article\/opinion\/columns\/rss-bjp-rss-ideology-getting-india-wrong-4818164\/\">\u201eGetting India Wrong\u201c<\/a>\u00a0(2017), wie die RSS mit britischen Kolonialisten kollaborierten. Beispielsweise hat Savarkar der britischen Besatzung w\u00e4hrend seines Gef\u00e4ngnisaufenthaltes versprochen, loyal zur britischen Kolonialmacht zu sein (aus einem Brief von November 24, 1913). Auch Shyama Prasad Mukherjee, Minister von Bengal, hat den Briten geholfen das\u00a0<em>Quit India Movement<\/em>\u00a0(eine Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung gegen die Briten) zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Die ideologische Verbundenheit der RSS mit dem europ\u00e4ischen Faschismus zeigt auch ein Treffen zwischen B.S. Moonje, ein fr\u00fcher Verb\u00fcndeter und Mentor von K.B. Hedgewar und der erste Pr\u00e4sident der 1915 entstandenen Rechtspartei Hindu Mahasabha, und Benito Mussolini. Moonje besuchte Mussolini in Italien und schaute sich faschistische Milit\u00e4rakademien an. Dies alles ist in Moonj\u2019s Tagebuch dokumentiert,\u00a0<a href=\"https:\/\/frontline.thehindu.com\/cover-story\/moonje-amp-mussolini\/article6756630.ece\">Teile davon sind online zu lesen<\/a>. Moonje begl\u00fcckw\u00fcnschte Mussolini f\u00fcr die heranwachsende faschistische Jugend und die Milit\u00e4rorganisation. Indien br\u00e4uche \u00e4hnliche Organisationen. Zur\u00fcck in Indien propagierte er eine Militarisierung der hinduistischen Gesellschaft Indiens, orientiert am Beispiel der faschistischen Jugendorganisationen in Deutschland und in Italien.<\/p>\n<p>Besonders in den 1930er-Jahren war die Diskussion um eine Hindu-Militarisierung sehr prominent. Hedgewar organisierte 1934 eine Konferenz mit Mussolini, in der Moonje die abschlie\u00dfende Rede hielt. Die Militarisierung und Faschisierung solle schon sehr fr\u00fch in der Jugend beginnen.<\/p>\n<p>Madhav Sadashiv Golwalkar, der 1940 der zweite sarsanghachalak der RSS wurde, sprach sich mit Faszination f\u00fcr die Nazis aus. Besonders begeisterte ihn die NS-Rassenpolitik gegen\u00fcber J\u00fcd*innen. Dies w\u00e4re ein Modell, von dem Indien profitieren k\u00f6nnte, suggerierte er. Die drei gr\u00f6\u00dften internen Bedrohungen f\u00fcr ihn waren Muslime, Christen und Kommunisten. Er lobte Nazi-Deutschland als Vorbild f\u00fcr \u201eRassenehre\u201c, an dem Indien sich ein Beispiel nehmen sollte.<\/p>\n<p>Golwalkar schrieb in seinem Buch \u201eWe or Our Nationhood Defined\u201c (1939): \u201eDie fremden Rassen in Indien m\u00fcssen entweder die Hindu-Kultur und -Sprache annehmen, die hinduistische Religion respektieren und als Referenz betrachten, sie m\u00fcssen alle Ideen fallen lassen, au\u00dfer jener der Verehrung f\u00fcr die Hindu-Rasse und Hindu-Kultur, also f\u00fcr die Hindu-Nation und so ihre separate Existenz aufgeben und sich in die Hindu-Rasse verschmelzen, oder sie k\u00f6nnen zwar im Land bleiben, aber der Hindu-Nation v\u00f6llig unterworfen, ohne etwas zu fordern, ohne irgendwelche Privilegien, viel weniger noch irgendwelche Vorteile, ja nicht einmal B\u00fcrgerrechte. (\u2026) Der deutsche Rassenstolz ist heute das Thema des Tages geworden. Um die Reinheit seiner Rasse und Kultur zu erhalten, schockierte Deutschland die Welt durch die S\u00e4uberung des Landes von der semitischen Rasse \u2013 den Juden. Rassenstolz zeigt sich hier in seiner h\u00f6chsten Form. Und Deutschland hat auch gezeigt, wie unm\u00f6glich es f\u00fcr Rassen und Kulturen, deren Differenzen bis an die Wurzel gehen, ist, in ein vereintes Ganzes assimiliert zu werden \u2013 eine gute Lektion f\u00fcr uns in Hindustan, von der wir lernen und profitieren k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>2006 versuchte die RSS sich von diesen Schriften Golwalkar\u2019s zu distanzieren, doch ihre Taten sprechen nicht daf\u00fcr. Die Organisation f\u00fchrt Kampagnen durch \u2013\u00a0<a href=\"http:\/\/www.aisa.in\/afraid-love-communal-patriarchal-bogey-love-jihad\/\">beispielsweise die Kampagne \u201einner faith love\u201c<\/a>\u00a0-, die sich an Nazi-Ideologie und den Rassengesetzen der Jim-Crow-\u00c4ra anlehnen.<\/p>\n<p><strong>Einfluss in der Regierungspartei<\/strong><\/p>\n<p>Der Hindunationalist Narendra Modi wurde 2014 mithilfe von RSS-Kampagnen zum 15. Premierminister Indiens gew\u00e4hlt. Islamophobe Gewalt war f\u00fcr seinen Erfolg und seine Wahl ein gro\u00dfer Faktor. Durch die hindu-nationalistische Bharatiya Janata Partei (BJP), die Partei Modis, versucht die RSS die Politik zu bestimmen. Der Premierminister Modi, der Pr\u00e4sident Ram Nath Kovind und einige Mitglieder des Indischen Kabinetts sind ebenfalls RSS-Mitglieder. Schon 2001 machte die RSS Wahlkampagnen f\u00fcr Modis Wahl als Chief Minister f\u00fcr den Bundesstaat Gujarat.<\/p>\n<p>Modi l\u00e4sst sich in politischen Angelegenheiten von der RSS beraten, die folglich effektiv Einfluss nehmen kann. Bis Juli 2015 hat sich die RSS aus der Politik \u00f6ffentlich zur\u00fcckgehalten. Man wollte eher als eine moralische Kraft gesehen werden, denn als politische. Doch als Modi Premierminister wurde, wuchs der RSS-Einfluss und die Gruppe heizt heute Lynchmorde von Muslimen unter verschiedenen Vorw\u00e4nden an. Modi beteuerte, dass er ein stolzes Mitglied der RSS sei. In den Parlamentswahlen von April-Mai 2019 in Indien gewann die BJP-Partei landesweit die absolute Mehrheit der Wahlkreise (303 von 543) und eine absolute Mehrheit der Sitze im Unterhaus (545 Sitze). Damit gewinnt die RSS an Bedeutung und ihr politischer Einfluss befindet sich momentan auf dem H\u00f6hepunkt.<\/p>\n<p>Die RSS hat jetzt das Ziel, mehr Bef\u00fcrwortung, Legitimation und Respekt zu erlangen. Krishnan beschreibt dies im Gespr\u00e4ch mit dem<em>\u00a0LCM<\/em>: \u201eSie laden zahlreiche wichtige politischen Personen ein, um sie zu besuchen, wie beispielsweise den ehemaligen indischen Pr\u00e4sidenten Pranab Mukherjee, Nobelpreistr\u00e4ger Kailash Satyarthi, und nun den deutschen Botschafter!\u201c<\/p>\n<p>Mit dem wachsenden Einfluss der RSS in der Politik und Modi als stolzem RSS-Mitglied f\u00fchlen sich religi\u00f6se Minderheiten in Indien, Christ*innen und Muslim*innen, eingesch\u00fcchtert. Mehr als 14 % der Inder*innen bekennen sich zum Islam. Sie sind die gr\u00f6\u00dfte religi\u00f6se Minderheit in Indien.<\/p>\n<p><strong>Walter Lindners Besuch<\/strong><\/p>\n<p>Deutschland hat nach wie vor ein Problem mit Rassismus, mit Faschismus, mit Neonazis. \u00dcber die Pogrome der 1990er-Jahre \u00fcber den NSU-Terror bis zum gegenw\u00e4rtigen Erstarken offen rassistischer Kr\u00e4fte zieht sich das deutsche Versagen, seiner Verantwortung aus dem Imperativ \u201eNie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!\u201c gerecht zu werden.<\/p>\n<p>Ein deutscher Diplomat f\u00fcr Indien, der Deutschland mitsamt seiner brutalen Geschichte repr\u00e4sentiert, besucht \u2013 w\u00e4hrend daheim Neonazis erstarken und sich im halben Staatsapparat festgesetzt haben \u2013 die Hauptzentrale der RSS, die Nazi-Ideologie verherrlicht. Auf einem von Lindner hochgeladenem Foto auf Twitter ist zu sehen, wie er sich vor der Statue M.S. Golwalkars verbeugt und seine F\u00fc\u00dfe ber\u00fchrt. Sich in Indien vor jemandem zu verbeugen und die F\u00fc\u00dfe zu ber\u00fchren, demonstriert au\u00dferordentlichen Respekt, da die F\u00fc\u00dfe als der unreinste K\u00f6rperteil gelten und man bereit ist, selbst diese Stellen zu w\u00fcrdigen. Die Geste Lindners ist au\u00dferordentlich inakzeptabel.<\/p>\n<p>Aber mehr als das: Die RSS bezieht aus genau solchen Besuchen europ\u00e4ischer Diplomat*innen ihre Legitimation und verschafft sich dadurch Respekt. Es geht nicht wirklich um die Personen an sich, um Walter Lindner, oder die Person Mohan Bhagwats. Diese Personen haben ein bestimmtes Amt inne, das an Macht gekoppelt ist. Sie sind verantwortlich f\u00fcr die Repr\u00e4sentation dieser Positionen und \u00c4mter. Der deutsche Botschafter ist nicht frei von Verantwortung. F\u00fcr ein Land wie Deutschland, das immer noch seine Vergangenheit aufarbeiten muss, ist es sehr beunruhigend, einer Organisation Legitimation zu verschaffen, die historisch nachweisbar Nazi-Ideologien und faschistische Charakterz\u00fcge haben. Dies bewirkt nur, dass solches faschistisches, menschenfeindliches Gedankengut weiterhin unterst\u00fctzt und toleriert wird.<\/p>\n<p>Zudem aber best\u00e4rkt Lindner damit auch jenes Klima des Terrors, das die Hindunationalist*innen schaffen wollen. Vor allem seit der absoluten Mehrheit der BJP versp\u00fcren viele Minderheiten Angst, dem faschistischen Hindunationalismus ausgesetzt zu sein. Die antimuslimische Rhetorik war schon immer da, doch sie hat jetzt einen H\u00f6hepunkt erreicht, erkl\u00e4rt Dr. Chirmuley gegen\u00fcber dem LCM. \u00d6ffentliche Lynchmorde von Muslim*innen in Indien werden toleriert, wie k\u00fcrzlich der\u00a0<a href=\"https:\/\/thewire.in\/rights\/jharkhand-muslim-lynching-tabrez-ansari\">Mord an Tabrez Ansari\u00a0<\/a>im Juni 2019, der von einer Gruppe von M\u00e4nnern zu Tode gepr\u00fcgelt wurde, die ihn davor zwangen, rechte hinduistische Parolen zu rufen.<\/p>\n<p>Es bleibt nicht nur bei einem Treffen zwischen einem deutschen Botschafter und dem RSS-F\u00fchrer. Dieses Treffen wird Konsequenzen haben. Die Legitimation und der Respekt f\u00fcr solche Organisationen, die Genozide von Minderheiten bef\u00fcrworten und \u00f6ffentliche Lynchmorde zu verantworten haben, wird wachsen. Daf\u00fcr ist auch Walter Lindner verantwortlich.<\/p>\n<p>Und wenn letzterer nun versucht, sich zu verteidigen, indem er bekundet, er habe nur das \u201eindische Mosaik verstehen\u201c wollen und sei rein aus Bildungszwecken bei den Faschisten zu Besuch, ist dem die Antwort Krishnans entgenzuhalten: \u201eWarum sind Faschisten Teil eines \u201eMosaiks\u201c, wenn es um Indien geht? (\u2026) Sie h\u00e4tten Dalits, Arbeiter*innen, Frauenbewegungen treffen m\u00fcssen. Das haben sie nicht. Sie haben sich Nazis ausgesucht. (\u2026) Ist Deutschland offiziell einverstanden, einen Nazi-liebenden, Muslimen-hassenden Fanatiker zu ehren?\u201c<\/p>\n<p><strong>Anmerkung<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Artikel ist aus Gespr\u00e4chen mit Kavita Krishnan, Sekret\u00e4rin der All India Progressive Women\u2018s Association sowie Mitglied des Politb\u00fcros der Communist Party of India (Marxist-Leninist), sowie Prof. Dr. Parnal Chrimuley der Jawaharlar Nehru University (JNU) des Zentrums f\u00fcr Deutschlandstudien entstanden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/lowerclassmag.com\/2019\/07\/23\/der-sozialdemokrat-und-die-hitler-fans\/\"><em>lowerclassmag.com&#8230;<\/em><\/a><em> vom 28. Juli 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chandrika Yogarajah. 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