{"id":5735,"date":"2019-08-05T08:10:33","date_gmt":"2019-08-05T06:10:33","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5735"},"modified":"2019-08-05T08:10:34","modified_gmt":"2019-08-05T06:10:34","slug":"bolsonaro-entlarvende-enthuellungen-und-drohungen-gegen-greenwald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5735","title":{"rendered":"Bolsonaro: Entlarvende Enth\u00fcllungen und Drohungen gegen Greenwald"},"content":{"rendered":"<p><em>Ralf Streck. <\/em><strong>Brasilien unter dem Rechtsau\u00dfen-Pr\u00e4sidenten: Dokumente legen nahe, dass Justizminister Moro als Richter auf die Verurteilung des Bolsonaro-Gegners Lula hingearbeitet hat.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Der Skandal und die Enth\u00fcllungen der Enth\u00fcllungsplattform\u00a0<a href=\"https:\/\/theintercept.com\/\">The Intercept<\/a>\u00a0sorgen f\u00fcr immer mehr Wirbel in Brasilien. \u00dcber die ersten Enth\u00fcllungen hatte\u00a0<em>Telepolis<\/em>\u00a0schon im Juni\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Brasilien-Lula-da-Silva-war-offenbar-nach-Justizmanipulation-inhaftiert-worden-4444312.html\">berichtet<\/a>, als die ersten Reportagen mit brisanten Inhalten\u00a0<a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2019\/06\/09\/brazil-archive-operation-car-wash\/\">ver\u00f6ffentlicht<\/a>\u00a0worden waren.<\/p>\n<p>Drehten die sich vor allem um die Verurteilung des ehemaligen Pr\u00e4sidenten Luiz In\u00e1cio Lula da Silva, mit der dessen erneute Wahl\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Brasilien-Putschisten-in-Richterroben-3950594.html\">ausgehebelt wurde<\/a>, haben es auch die seither ver\u00f6ffentlichten Dokumente in sich.<\/p>\n<p>Die lassen deshalb nun ganz offensichtlich auch Jair Bolsonaro ziemlich nerv\u00f6s werden, der statt Lula zum Staatsoberhaupt und Regierungschef\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Brasilien-Militaer-in-Regierung-soziale-Bewegung-terroristisch-4207966.html\">gew\u00e4hlt wurde<\/a>. Ver\u00f6ffentlichte Chats, Emails und Sprachdokumente, die aus gehackten Handys stammen, deuten n\u00e4mlich darauf hin, dass Bolsonaro vermutlich nur Pr\u00e4sident werden konnte, weil aus der Justiz heraus von einem ihm geneigten Zirkel gezielt an der Verurteilung zu einer Gef\u00e4ngnisstrafe des beliebten Ex-Regierungschefs gearbeitet wurde.<\/p>\n<p>Damit wurde Lula im Wahlkampf kaltgestellt und aus dem Rennen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Arbeiterpartei-in-Brasilien-haelt-an-der-Kandidatur-von-Lula-da-Silva-fest-4131824.html\">ausgeschlossen<\/a>. In diesem Vorgang spielte der ehemalige Richter S\u00e9rgio Moro eine bedeutende Rolle, der Lula ins Gef\u00e4ngnis brachte. Nach dem Wahlsieg des rechtsradikalen und homophoben Politikers wurde Moro von Bolsonaro schlie\u00dflich zum Justizminister ernannt.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Knast&#8220;-Drohungen gegen den Journalisten<\/strong><\/p>\n<p>Die Enth\u00fcllungen von\u00a0<em>The Intercept<\/em>\u00a0in englischer Sprache sind inzwischen\u00a0<a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2019\/07\/28\/bolsonaro-attacks-show-why-reporting-on-secret-brazil-archive-is-vital\/\">im 8. Kapitel angelangt<\/a>. Zuletzt wurde ausgef\u00fchrt, dass gerade die &#8222;aggressive Reaktion von Bolsonaro zeigt, wie bedeutsam diese Ver\u00f6ffentlichungen sind&#8220;. Dass seit zwei Monaten immer neue skandal\u00f6se Vorg\u00e4nge und Details ans Licht der \u00d6ffentlichkeit gebracht werden, hatte gerade dazu gef\u00fchrt, dass Pr\u00e4sident Bolsonaro dem Intercept-Mitbegr\u00fcnder und preisgekr\u00f6nten\u00a0<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/media\/2014\/apr\/14\/guardian-washington-post-pulitzer-nsa-revelations\">Enth\u00fcllungsjournalisten<\/a>\u00a0Glenn Greenwald mit der Inhaftierung drohte.<\/p>\n<p>Allein damit zeigt der Hardliner-Pr\u00e4sident, was er von einer unabh\u00e4ngigen Justiz h\u00e4lt. Er will sie offensichtlich nun im Fall Greenwald einsetzen, um den Kritiker mundtot zu machen. So\u00a0<a href=\"https:\/\/www1.folha.uol.com.br\/poder\/2019\/07\/talvez-pegue-uma-cana-aqui-no-brasil-diz-bolsonaro-sobre-glenn-greenwald.shtml\">drohte<\/a>Bolsonaro nun Greenwald mit &#8222;cana&#8220; (Knast). Diese Drohung liegt genau auf der Ebene, die auch in den Enth\u00fcllungen angesprochen werden. Denn auch die stellen die Unabh\u00e4ngigkeit von Teilen der brasilianischen Justiz massiv in Zweifel.<\/p>\n<p>Jedenfalls dr\u00fcckt Bolsonaro aus, dass Greenwald hinter Gittern gut aufgehoben sein k\u00f6nnte. Er bezichtigt ihn, sich mit der Ver\u00f6ffentlichung der Dokumente strafbar gemacht zu haben, und meint, der Journalist h\u00e4tte Hacker bezahlt, um die Spitzen an der Regierung und in der Justiz auszuspionieren.<\/p>\n<p>Inzwischen geht man davon aus, dass auch das Handy von Bolsonaro sowie die der Pr\u00e4sidenten der beiden Parlamentskammern, von h\u00f6chsten Richtern und von Staatsanw\u00e4lten\u00a0<a href=\"https:\/\/elpais.com\/internacional\/2019\/07\/26\/america\/1564176619_561151.html?rel=str_articulo#1564819183212\">gehackt worden sind<\/a>. Verst\u00e4ndlich, dass Bolsonaro so nerv\u00f6s ist und derlei Drohungen ausspricht. Er wei\u00df am besten, was er in internen Chats so alles von sich gegeben hat.<\/p>\n<p><strong>Operaci\u00f3n Spoofing<\/strong><\/p>\n<p>Dass sensible Daten an den Enth\u00fcllungsjournalisten gingen, hat Walter Delgatti inzwischen zugegeben. Delgatti wurde mit drei weiteren Personen Ende Juli in der &#8222;Operaci\u00f3n Spoofing&#8220; festgenommen. Er r\u00e4umte derweil ein, Greenwald tats\u00e4chlich Material zugespielt zu haben, wies aber zur\u00fcck, daf\u00fcr\u00a0<a href=\"http:\/\/g1.globo.com\/globo-news\/jornal-das-dez\/videos\/v\/hacker-walter-delgatti-confessou-ter-sido-autor-da-invasao-dos-celulares\/7799506\/\">bezahlt worden zu sein<\/a>. Er kenne den Journalisten nicht pers\u00f6nlich, sondern habe &#8222;einen Dropbox-Account er\u00f6ffnet, das Material hochgeladen und Greenwald das Passwort gegeben&#8220;. Das sei anonym und gratis geschehen.<\/p>\n<p>Man versteht also, warum Bolsonaro den US-Journalisten gerne festsetzen w\u00fcrde, den er anf\u00e4nglich einfach abschieben wollte. Nach Beginn der Ver\u00f6ffentlichungen wurde die Kampagne #DeportGlennGreenwald von Bolsonaro-Anh\u00e4ngern losgetreten. Inzwischen wei\u00df aber auch Bolsonaro, dass man den Journalisten nicht einfach rauswerfen kann, und das bringt den Schwulenfeind erst so richtig auf die Palme.<\/p>\n<p>Greenwald ist in Brasilien mit einem Mann verheiratet und hat zudem Kinder adoptiert. Bolsonaro meint, der &#8222;Malandro&#8220; (Betr\u00fcger\/Gauner) habe einen &#8222;fiesen Trick&#8220; angewendet, einen &#8222;anderen Malandro geheiratet und Kinder adoptiert&#8220;,\u00a0<a href=\"https:\/\/oglobo.globo.com\/brasil\/talvez-pegue-uma-cana-aqui-no-brasil-afirma-bolsonaro-sobre-glenn-greenwald-23837301\">um der Abschiebung zu entgehen<\/a>.<\/p>\n<p>Nun droht man also dem Journalisten, der l\u00e4ngst auch ernstzunehmende Morddrohungen erh\u00e4lt, aus dem h\u00f6chsten Regierungsamt heraus mit Inhaftierung. Die Frage ist, ob man ihn damit nur einsch\u00fcchtern will, um weitere Ver\u00f6ffentlichungen zu stoppen. Durch seine Abschiebung k\u00f6nnten weitere Enth\u00fcllungen aber nicht gestoppt werden.<\/p>\n<p>Man darf auch davon ausgehen, dass solches auch durch seine Inhaftierung nicht verhindert, sondern bestenfalls verz\u00f6gert w\u00fcrde. Greenwald hat wahrscheinlich l\u00e4ngst notwendige Ma\u00dfnahmen getroffen, um das Material und weitere Enth\u00fcllungen zu sichern.<\/p>\n<p>Der Enth\u00fcllungsjournalist kennt sich mit massivem Druck aus und l\u00e4sst sich auch nicht so leicht einsch\u00fcchtern. Er hatte sich 2013 einen Namen gemacht, als er noch f\u00fcr den britischen Guardian arbeitete und gemeinsam mit anderen Journalisten die Berichte des ehemaligen Mitarbeiters des US-Geheimdienstes NSA, Edward Snowden, \u00fcber die Abh\u00f6rpraktiken des US-Geheimdienstes NSA\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/news\/Snowden-Affaere-Britische-Regierung-setzte-Guardian-unter-Druck-2030507.html\">ver\u00f6ffentlichte<\/a>.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wir haben noch viel Material&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Greenwald will sich deshalb auch durch die Drohung von Bolsonaro nicht vertreiben lassen: &#8222;Ich werde nicht aus diesem Land fliehen&#8220;, sagte er auf einer Pressekonferenz am vergangenen Dienstag, wie die Zeitung\u00a0<em>Folha de S.Paulo<\/em>\u00a0<a href=\"https:\/\/www1.folha.uol.com.br\/poder\/2019\/07\/nao-vou-fugir-desse-pais-afirma-glenn-em-ato-a-seu-favor-no-rio.shtml\">berichtet<\/a>. &#8222;Diese Zeitung ist erledigt&#8220;, hatte Bolsonaro sie schon nach seiner Wahl wissen lassen. Damit hatte der neue Pr\u00e4sident gleich demonstriert, was er von Pressefreiheit h\u00e4lt. Er drohte umgehend dem kritischen Blatt, das nun mit The Intercept bei der Enth\u00fcllung der diversen Skandale kooperiert.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich h\u00e4lt Greenwald selbst das &#8222;Risiko f\u00fcr gro\u00df&#8220;, in Brasilien inhaftiert zu werden. Er und seine Familie leben angesichts der Morddrohungen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und trauen sich nur noch mit bewaffneten Bodyguards aus dem Haus. Trotz allem wollen er und seine Kollegen weitermachen.<\/p>\n<p>&#8222;Wir haben noch viel Material&#8220;, sagte er und k\u00fcndigte auch an, dass die Enth\u00fcllungen noch &#8222;eine ganze Weile andauern&#8220; und damit f\u00fcr Aufruhr im Land sorgen werden. Schon zuvor hatte er erkl\u00e4rt, &#8222;das wichtigste und explosivste Material&#8220; sei noch gar nicht ver\u00f6ffentlicht. Betrifft das den Pr\u00e4sidenten Bolsonaro, dessen Sohn schon ins Schussfeld ger\u00fcckt ist?<\/p>\n<p>Greenwald erh\u00e4lt jedenfalls Unterst\u00fctzung aus der gesamten Welt. So hat sich der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ifj.org\/media-centre\/news\/detail\/category\/press-releases\/article\/brazil-government-threatens-and-harasses-journalist-glenn-greenwald.html\">Internationale Journalistenverband<\/a>\u00a0hinter ihn gestellt und &#8222;aufs Sch\u00e4rfste&#8220; jeden Versuch verurteilt, den Journalisten einzusch\u00fcchtern. Der nationale brasilianische Journalistenverband\u00a0<a href=\"https:\/\/fenaj.org.br\/\">FENAJ<\/a>\u00a0hat sich genauso gegen die Beschr\u00e4nkungen der Pressefreiheit ausgesprochen wie\u00a0<a href=\"https:\/\/www.rsf-es.org\/news\/brasil-rsf-lanza-un-llamamiento-internacional-para-apoyar-a-la-redaccion-de-the-intercept-brasil\/\">Reporter ohne Grenzen<\/a>\u00a0oder auch spanische Journalistenverb\u00e4nde.<\/p>\n<p><strong>Die Polit-Mafia &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Im Hintergrund der gesamten Vorg\u00e4nge steht die Operation &#8222;Lava Jato&#8220; (Autow\u00e4sche) und ein milliardenschwerer Korruptionsskandal. In den Ermittlungen um den Petrobras-Korruptionsskandal hatten sich sowohl der Staatsanwalt Deltan Dallagnol wie auch der heutige Justizminister Moro einst einen Namen gemacht. Die Handys der beiden wurden ebenfalls gehackt. Und es war Moro, der den in Brasilien beliebten ehemaligen Regierungschef Lula in einem von Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten geplagten Verfahren\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Brasilien-Putschisten-in-Richterroben-3950594.html?seite=all\">ins Gef\u00e4ngnis brachte<\/a>.<\/p>\n<p>Die bisher von\u00a0<em>The Intercept<\/em>\u00a0und\u00a0<em>Folha de S.Paulo<\/em>\u00a0ver\u00f6ffentlichten Dokumente zeigen auf, dass es eine illegale und gezielte Zusammenarbeit und Absprachen des fr\u00fcheren Richters und heutigen Justizministers mit der Staatsanwaltschaft gab, um Vorgehen und Beweise im Verfahren gegen Lula entsprechend anzupassen. So\u00a0<a href=\"https:\/\/veja.abril.com.br\/politica\/dialogos-veja-capa-intercept-moro-dallagnol\/\">titelte<\/a>\u00a0sogar die Wochenzeitung\u00a0<em>Veja<\/em>, die zuvor stets die Handlungen des Richters im Fall der Operation Autow\u00e4sche gelobt hatte, mit Blick auf die Enth\u00fcllungen: &#8222;Neue Dialoge decken auf, dass Moro illegal Autow\u00e4sche-Aktionen ausgerichtet hat.&#8220;<\/p>\n<p>Mit dem Vorgehen gelang es in dem Verfahren, Lula international als &#8222;Pate&#8220; einer &#8222;Polit-Mafia&#8220; darzustellen, &#8222;deren Mitglieder den halbstaatlichen \u00d6lkonzern Petrobras und andere Staatsunternehmen von 2003 an um Milliarden bestohlen haben, um mit dem ergaunerten Geld die Macht der PT zu zementieren und sich pers\u00f6nlich zu bereichern&#8220;, wie die FAZ zu dem Prozess\u00a0<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/amerika\/anklage-gegen-lula-pate-der-polit-mafia-14436984.html\">schrieb<\/a>.<\/p>\n<p><strong>&#8230; und unkritische Berichterstattung<\/strong><\/p>\n<p>Warum diesen unkritischen Artikel ausgerechnet der &#8222;Korrespondent f\u00fcr Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom&#8220; verfasste, ist das Geheimnis der FAZ. Derweil titelte auch die konservative Zeitung, geschrieben von einem Journalisten mit Sitz in Brasilien, von einer\u00a0<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/korruption-in-brasilien-schmutzige-operation-autowaesche-16239610.html\">&#8222;schmutzigen Operation&#8220;<\/a>. Und auch sie f\u00fcgt im Untertitel an: &#8222;Der gr\u00f6\u00dfte Korruptionsskandal in Brasiliens Geschichte nimmt eine neue Wendung &#8211; war die Anklage gegen Lula da Silva ein abgekartetes Spiel?&#8220;<\/p>\n<p>Interessant ist auch, wie Moro sich bisher aus der Aff\u00e4re zu ziehen versucht, der an R\u00fccktritt nat\u00fcrlich nicht denken will, den die Opposition logischerweise fordert. Er stellt sich als Opfer eines Hacker-Angriffs da, zweifelt aber gleichzeitig die Echtheit der Chat-Nachrichten an. &#8222;Ich wei\u00df nicht, ob sie manipuliert wurden, denn ich hebe die Originale nicht auf&#8220;,\u00a0<a href=\"https:\/\/elpais.com\/internacional\/2019\/06\/19\/actualidad\/1560965939_546769.html\">erkl\u00e4rte<\/a>\u00a0er im Senat.<\/p>\n<p>Jeder, der mit Telegram arbeitet, wei\u00df aber, dass alle Nachrichten r\u00fcckverfolgbar sind, wenn sie nicht gel\u00f6scht wurden. Und das war zumindest lange nicht der Fall, sonst w\u00e4ren die Hacker nicht an das Material gekommen. So stellt sich die Frage, ob Moro sie dann gel\u00f6scht hat, nachdem ihm klar war, dass sein Handy gehackt wurde.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Sehr gut bezahltes Risiko, lol&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><em>The Intercept<\/em>\u00a0hat zwischenzeitlich aber auch einen\u00a0<a href=\"https:\/\/youtu.be\/4XgIIfshv9o\">Tonmitschnitt<\/a>\u00a0ver\u00f6ffentlicht und man darf gespannt sein, ob weitere folgen. Darin spricht Staatsanwalt Dallagnol jedenfalls von &#8222;guten Nachrichten&#8220;, wonach Richter Luiz Fux am Obersten Bundesgericht ein Interview mit dem inhaftierten Lula gestoppt hatte, genau 12 Tage vor den Wahlen.<\/p>\n<p>Der Staatsanwalt wies zudem seine Kollegen an, die Angelegenheit so lange wie m\u00f6glich geheim zu halten, &#8222;denn je fr\u00fcher sich diese Nachricht verbreitet, desto eher wird es Einspruch von der Gegenseite geben und desto eher geht die Sache an das Plenum&#8220;, womit die Versammlung der obersten Bundesrichter gemeint ist. Schon zuvor ver\u00f6ffentlichte Daten hatten gezeigt, dass auch Richter Fux zu dem Kreis derer geh\u00f6rte, die sich illegal mit Moro und Dallagnol abgestimmt haben.<\/p>\n<p>Doch sind die Enth\u00fcllungen nicht allein auf Lula und die Operation &#8222;Autow\u00e4sche&#8220; beschr\u00e4nkt. So hat man sich aus der brasilianischen Justiz offensichtlich gezielt auch in den Konflikt im Nachbarland Venezuela eingemischt und wollte bewusst die Proteste der Opposition dort befeuern.<\/p>\n<p>Da wurde an einer Strategie gearbeitet, wie man unter Geheimhaltung stehende Aussagen angeklagter Ex-Vorst\u00e4nde des Baukonzerns Odebrecht an die Kollegen im Nachbarland weiterleiten k\u00f6nne. Das Problem war, dass man sich gegen\u00fcber Ermittlern in der Schweiz und in den USA zur Geheimhaltung verpflichtet hatte.<\/p>\n<p>Der Chef der Firma Marcelo Odebrecht hatte sich als Kronzeuge zur Verf\u00fcgung gestellt und einen Deal mit Brasilien, der Schweiz und den USA im Rahmen eines Schmiergeldprozesses ausgehandelt, in dem ihm Geheimhaltung versichert wurde. Er kam mit einer geringen Haftstrafe von zweieinhalb Jahren und einer Geldstrafe von gut 17 Millionen Euro davon.<\/p>\n<p>Offensichtlich wollte, so wird aus den ver\u00f6ffentlichten Dokumenten deutlich, der damalige Richter Moro die Geheimhaltung durchbrechen. Der heutige Justizminister wollte die Regierung unter Nicolas Maduro sch\u00e4digen, da auch in Venezuela Schmiergelder\u00a0<a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2019\/07\/07\/lava-jato-vazamento-delacao-venezuela\/\">geflossen seien<\/a>.<\/p>\n<p>Im Chat mit Staatsanwalt Dallagnol sicherte der ihm zu, dass man einen Weg finden werde. Und er regte an &#8211; da man die Dokumente nicht einfach \u00f6ffentlich machen k\u00f6nne -, dass man doch ein paar spontane Ermittlungserkenntnisse\u00a0<a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2019\/07\/09\/brazil-car-wash-sergio-moro-venezuela-maduro\/\">nach Venezuela schicken k\u00f6nnte<\/a>: &#8222;Das macht es wahrscheinlich, dass irgendwo auf dem Weg jemand die Infos ver\u00f6ffentlicht.&#8220;<\/p>\n<p>Der Sonderermittler Paulo Roberto Galv\u00e3o \u00e4u\u00dferte zwischenzeitlich Bedenken in dem Gruppen-Chat, dass man damit &#8222;einen B\u00fcrgerkrieg&#8220; bef\u00f6rdern k\u00f6nne. &#8222;Jede unserer Aktionen kann zu mehr sozialen Unruhen und mehr Toten f\u00fchren.&#8220; F\u00fcr Dallagnol ist das aber eine Sache der B\u00fcrger in Venezuela: &#8222;Sie haben das Recht, sich zu erheben&#8220;, sagte der Mann, der offensichtlich mit dem Richter Moro auch in dieser Frage einer politischen Agenda folgte.<\/p>\n<p>Was die Ermittlungen wegen Korruption betrifft, gehen er und sein Kumpel Moro mit zweierlei Ma\u00df vor. So unterrichte der Staatsanwalt seine Kollegen zum Beispiel \u00fcber Korruptionsermittlungen, die sich gegen Bolsonaros Sohn richten, der in das Mafia-Milieu in Rio de Janeiro verstrickt sein soll. Statt aber Ermittlungen aufzunehmen, macht sich Dallagnol nur Gedanken, wie er in Interviews den\u00a0<a href=\"https:\/\/www1.folha.uol.com.br\/poder\/2019\/07\/deltan-receou-comentar-caso-flavio-e-questionou-reacao-de-moro-apontam-mensagens.shtml\">&#8222;Fragen ausweicht&#8220;<\/a>. Er wolle nur Allgemeinpl\u00e4tze von sich geben, obwohl Brasiliens h\u00f6chster Korruptionsermittler &#8222;keinen Zweifel&#8220; daran hegt, dass Flavio Bolsonaro\u00a0<a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2019\/07\/21\/in-secret-chats-brazils-chief-corruption-prosecutor-worried-that-bolsonaros-justice-minister-would-protect-bolsonaros-senator-son-flavio-from-scandals\/\">in Korruption verwickelt ist<\/a>.<\/p>\n<p>Dass der Sohn Bolsonaros &#8222;auf jeden Fall&#8220; darin verwickelt ist, davon ist Dallagnol \u00fcberzeugt. &#8222;Das Problem ist: Wird der Vater das zulassen? Oder schlimmer, was wenn der Vater selbst involviert ist?&#8220;, fragt er im Chat. Fakt ist, dass der damalige Richter und heutige Justizminister Moro nichts im Fall von Bolsonaro Sohns unternommen hat, um die Ermittlungen wegen dubioser Immobiliengesch\u00e4fte und Verbindungen zur Mafia voranzutreiben, schreibt\u00a0<em>The Intercept<\/em>. Im Juli hat nun ein weiterer Bolsonaro naher Richter die Ermittlungen sogar unterbunden.<\/p>\n<p>Und zuletzt hat\u00a0<em>The Intercept<\/em>\u00a0berichtet, dass der Staatsanwalt selbst auch in einen Korruptionsskandal verwickelt sein d\u00fcrfte. Denn Dallagnol habe sich f\u00fcr einen Vortrag beim Technologie-Unternehmen Neoway\u00a0<a href=\"https:\/\/www1.folha.uol.com.br\/internacional\/en\/brazil\/2019\/07\/lava-jato-attorney-gave-a-paid-speech-at-company-connected-to-lava-jato.shtml\">bezahlen lassen<\/a>, w\u00e4hrend gegen die Firma schon Korruptionsermittlungen im Rahmen der Operation &#8222;Autow\u00e4sche&#8220; liefen. Dass Dallagnol davon nicht gewusst hat, ist unm\u00f6glich, schlie\u00dflich war er der Chefermittler.<\/p>\n<p>Sehr gut bezahlen lie\u00df er sich offenbar auch f\u00fcr ein Treffen mit Spitzenbankern. Eingeladen wurde er von XP Investimentos, unter den Teilnehmern befanden sich auch Vertreter von JP Morgan, Barclays, Goldman Sachs, Deutsche Bank und Santander. Dallagnol\u00a0<a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2019\/07\/26\/brazil-car-wash-deltan-dallagnol-paid-speaking\/\">sprach<\/a>\u00a0dabei im Chat eindeutig von einem &#8222;Risiko&#8220;, aber von einem &#8222;sehr gut bezahlten Risiko, lol&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Lula zeigt sich &#8222;sehr zufrieden&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Ein Risiko war es unter anderem deshalb, weil sich darunter auch Banken befanden, gegen die er in der Operation &#8222;Autow\u00e4sche&#8220; ermittelte. Dass solche Leute angesichts der erdr\u00fcckenden Hinweise noch im Amt sind, w\u00e4hrend die verfolgt werden, die diese Vorg\u00e4nge ans Licht ziehen, sagt sehr viel \u00fcber das Bolsonaro-Brasilien aus.<\/p>\n<p>Man darf jedenfalls auf weitere Enth\u00fcllungen von\u00a0<em>The Intercept<\/em>\u00a0und\u00a0<em>Folha de S.Paulo<\/em>\u00a0gespannt sein. Die Frage ist, wann angesichts der Enth\u00fcllungen das Urteil (12 Jahre Haft) gegen Lula angesichts der illegalen Vorg\u00e4nge kassiert wird. Als der brasilianische Politologe Emir Sader k\u00fcrzlich Lula im Gef\u00e4ngnis besuchte, zeigte der sich sehr zufrieden.<\/p>\n<p>&#8222;Hat man jemals einen so zufriedenen Gefangenen gesehen?&#8220;, fragte er Sader, der vom argentinischen Ex-Pr\u00e4sidenten Eduardo Duhalde begleitet wurde. &#8222;Das ist so, weil wir alle diese Schurken gerade entlarven&#8220;,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eldiario.es\/internacional\/Lula-Alberto-Fernandez-Cristina-cumpleanos_0_924257729.html\">f\u00fcgte<\/a>\u00a0er mit Blick auf die Enth\u00fcllungen an.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Bolsonaro-Entlarvende-Enthuellungen-und-Drohungen-gegen-Greenwald-4487961.html?seite=all\"><em>heise.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 5. August 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ralf Streck. Brasilien unter dem Rechtsau\u00dfen-Pr\u00e4sidenten: Dokumente legen nahe, dass Justizminister Moro als Richter auf die Verurteilung des Bolsonaro-Gegners Lula hingearbeitet hat.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[74,71,76,49],"class_list":["post-5735","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnen","tag-brasilien","tag-lateinamerika","tag-neue-rechte","tag-repression"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5735","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5735"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5735\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5736,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5735\/revisions\/5736"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5735"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5735"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5735"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}