{"id":5743,"date":"2019-08-06T09:54:10","date_gmt":"2019-08-06T07:54:10","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5743"},"modified":"2019-08-06T09:54:11","modified_gmt":"2019-08-06T07:54:11","slug":"usa-rassismus-die-klassenfrage-und-die-gefahr-des-faschismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5743","title":{"rendered":"USA: Rassismus, die Klassenfrage und die Gefahr des Faschismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Patrick Martin. <\/em>In den letzten acht Tagen gab es in den Vereinigten Staaten drei Massenmorde, zwei davon am letzten Wochenende innerhalb von etwas mehr als zw\u00f6lf Stunden. Anschl\u00e4ge wie in Gilroy (4 Tote, darunter der Sch\u00fctze, und 15 Verwundete), El Paso<!--more--> (20 Tote und 26 Verwundete) und Dayton (10 Tote, darunter der Sch\u00fctze, und 16 Verwundete) geh\u00f6ren in den USA mittlerweile zum Alltag.<\/p>\n<p>Die Reaktion der Medien besteht wie \u00fcblich aus Klischees. Es wird beschworen, dass nach der Trag\u00f6die die gesamte Gesellschaft zusammenr\u00fcckt, aber eine ernsthafte politische Ursachenforschung sucht man vergebens.<\/p>\n<p><strong>Wo liegen die Ursachen?<\/strong><\/p>\n<p>Hintergrund der Massaker in Gilroy und El Paso ist Trumps offene Aufstachelung zur Gewalt gegen Einwanderer und ethnische Minderheiten. Zwar hat sich Patrick Crusius, der Sch\u00fctze von El Paso, in seiner Erkl\u00e4rung nach Kr\u00e4ften bem\u00fcht, Trump von jeder Schuld zu entlasten. Dennoch steht au\u00dfer Frage, dass er und andere faschistisch gesinnte Personen genau wissen, dass sie die Sympathie der Regierung genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Immerhin hat Trump bereits in seinem Wahlkampf 2016 versprochen, dass er f\u00fcr jeden seiner Anh\u00e4nger, der Gewalt gegen Protestierende anwendet, die Kaution \u00fcbernehmen werde. Er forderte die Polizei auf, bei der Festnahme von Verd\u00e4chtigen \u201enicht zu nett zu sein\u201c, und begnadigte Sheriff Joe Arpaio, nachdem dieser die Geldbu\u00dfe nicht entrichtet hatte, zu der er im Zusammenhang mit der illegalen Inhaftierung von Einwanderern verurteilt worden war. Erst vor zwei Monaten stellte Trump auf einer Wahlkampfkundgebung die Frage, was mit Asylbewerbern an der Grenze geschehen solle, und grinste breit, als ein Unterst\u00fctzer rief: \u201eErschie\u00dft sie!\u201c<\/p>\n<p>In den letzten vier Wochen hat der US-Pr\u00e4sident seine Aufstachelung zur Gewalt verst\u00e4rkt. Wie die\u00a0<em>WSWS<\/em>\u00a0nach seinen Tiraden gegen die Stadt Baltimore als kriminelles, \u201erattenverseuchtes H\u00f6llenloch\u201c, in dem \u201ekein Mensch leben will\u201c,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/07\/30\/pers-j30.html\"><strong>feststellte<\/strong><\/a>: \u201eTrump spielt mit dem Feuer, und das wei\u00df er auch. Trump rechnet damit, dass seine unverhohlenen Provokationen ein ohnehin instabiles politisches Umfeld mit einem immensen Gewaltpotenzial versch\u00e4rfen und Bedingungen schaffen werden, die es ihm erm\u00f6glichen, diktatorische Vollmachten zur Aufrechterhaltung von \u201aRecht und Ordnung\u2018 zu nutzen.\u201c<\/p>\n<p>Der Attent\u00e4ter Crusius beschrieb seine Beweggr\u00fcnde in einem vierseitigen Manifest, das im Internet ver\u00f6ffentlicht wurde. Es beginnt mit einer Lobrede auf den Massenm\u00f6rder, der Anfang des Jahres im neuseel\u00e4ndischen Christchurch 51 Menschen in zwei muslimischen Moscheen ermordete. Dann erkl\u00e4rt er in einer Sprache, die sich an unz\u00e4hlige Kundgebungen der Trump-Kampagne anlehnt: \u201eDieser Angriff ist eine Reaktion auf die hispanische Invasion in Texas. Sie sind die Anstifter, nicht ich. Ich verteidige nur mein Land gegen kulturelle und ethnische Verdr\u00e4ngung, die durch eine Invasion hervorgerufen wurde.\u201c<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"474\" height=\"316\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/trump.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5744\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/trump.jpg 474w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/trump-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/figure>\n<p>Trumps Hetze ist jedoch nicht die einzige Ursache. Der M\u00f6rder von El Paso verk\u00f6rpert das Entstehen einer eindeutig faschistischen Tendenz in den Vereinigten Staaten, die virulenten Rassismus und hysterische Ausl\u00e4nderfeindlichkeit mit Klagen \u00fcber die Missst\u00e4nde des kapitalistischen Systems verbindet.<\/p>\n<p>Der Ausdruck \u201eVerdr\u00e4ngung\u201c zeigt den faschistischen Charakter des Crusius-Manifests. Die wei\u00dfen Rassisten, die 2017 in Charlottesville (Virginia) aufmarschierten, riefen: \u201eJuden werden uns nicht verdr\u00e4ngen\u201c (woraufhin Trump erkl\u00e4rte, dass sich \u201eviele gute Leute\u201c unter ihnen bef\u00e4nden). Einer \u00e4hnlichen Sprache bedienen sich europ\u00e4ische Neonazis. Auch der neuseel\u00e4ndische Sch\u00fctze Brenton Tarrant berief sich auf eine Verschw\u00f6rung durch das Gro\u00dfkapital und\/oder die Juden, mit der Wei\u00dfe in Europa und den Vereinigten Staaten durch Einwanderer aus Asien, Afrika und Lateinamerika verdr\u00e4ngt werden sollten.<\/p>\n<p>Crusius prangert in demagogischer Weise soziale Missst\u00e4nde an: Arbeitslosigkeit, niedrige L\u00f6hne, hohe Verschuldung durch Studienkredite und den sinkenden Lebensstandards der Arbeiterklasse. All dies f\u00fchrt er auf eine angebliche Verschw\u00f6rung des Gro\u00dfkapitals zur\u00fcck, gut bezahlte amerikanische Arbeiter durch ausl\u00e4ndische Niedrigl\u00f6hner zu ersetzen. Auch dies ist ein typisches Thema des Faschismus, der versucht, die sozialen Spaltungen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft in nationalistische Kan\u00e4le abzulenken.<\/p>\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen kann man nur verstehen, wenn man untersucht, welche Rolle die Demokratische Partei bei der Legitimierung rassistischer Politik in Amerika gespielt hat.<\/p>\n<p>Historisch war der Kampf gegen Rassismus immer damit verbunden, die grundfalschen Annahmen seiner Ideologie zu entlarven. Der Begriff der \u201eRasse\u201c hat keinerlei wissenschaftliche Grundlage und taugt nicht zur Gesellschaftsanalyse. Er ist ein reaktion\u00e4res Konstrukt, dessen Unsinnigkeit auf der Hand liegt: Dutzende Millionen von Kindern und Jugendliche stammen aus \u201egemischten Ehen\u201c.<\/p>\n<p>Doch die Politiker der Demokratischen Partei und die Pseudolinken, die sich ihnen anbiedern, beharren ebenso wie der Faschist Crusius auf der Fiktion, dass es getrennte \u201eschwarze\u201c und \u201ewei\u00dfe\u201c Rassen gebe. So erkl\u00e4rte Stacey Abrams, der unterlegene Kandidat der Demokraten f\u00fcr das Amt des Gouverneurs von Georgia, der in der Demokratischen Partei zunehmend an Bedeutung gewinnt, dass es \u201eintrinsische rassische Unterschiede\u201c gebe, und verwahrte sich in einem Beitrag f\u00fcr\u00a0<em>Foreign Affairs<\/em>\u00a0gegen die \u201eCatchall-Kategorie der \u201aArbeiterklasse\u2018.\u201c<\/p>\n<p>Die\u00a0<em>New York Times<\/em>, die unaufh\u00f6rlich einer auf Rasse und Rassenspaltung basierenden Politik das Wort redet, sprach in ihrem Bericht \u00fcber die Morde in El Paso von \u201egekr\u00e4nkten wei\u00dfen M\u00e4nnern\u201c, die \u201eaus Hass auf Immigranten, Juden und andere, die sie als Bedrohung f\u00fcr die wei\u00dfe Rasse wahrnehmen, zu Massenm\u00f6rdern werden\u201c. Dabei setzt die\u00a0<em>Times<\/em>\u00a0die Ausdr\u00fccke \u201ewei\u00dfe M\u00e4nner\u201c und \u201ewei\u00dfe Rasse\u201c nicht in Anf\u00fchrungszeichen. Sie h\u00e4lt diese Kategorien f\u00fcr legitim und verbreitet die Vorstellung, dass Trump mit seinen rassistischen Ausf\u00e4llen lediglich die Gef\u00fchle \u201ewei\u00dfer M\u00e4nner\u201c artikuliere.<\/p>\n<p>Zudem sind die immer h\u00e4ufigeren Amokl\u00e4ufe in den Vereinigten Staaten unverkennbar mit der allgemeinen Atmosph\u00e4re von Gewalt und Militarisierung verbunden, die von beiden Parteien seit drei\u00dfig Jahren gesch\u00fcrt wird, insbesondere seit Beginn des \u201eKriegs gegen den Terror\u201c nach den Anschl\u00e4gen vom 11. September 2001. Zum Zeitpunkt des Massakers an der Columbine High School 1999 war Patrick Crusius gerade geboren. Sein ganzes Leben lang begleitete ihn die unaufh\u00f6rliche Gewalt des amerikanischen Imperialismus gegen die ganze Welt.<\/p>\n<p>Die schockierende Regelm\u00e4\u00dfigkeit von Massenmorden in Amerika, die immer direkter mit der Politik der extremen Reaktion zusammenflie\u00dfen, ist Ausdruck eines grundlegenden Zerfalls der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Das einzige Gegenmittel gegen Rassismus ist ein politischer Kampf auf der Grundlage der Klassenzugeh\u00f6rigkeit: f\u00fcr die Vereinigung aller Menschen, die durch ihre Arbeit den Reichtum der Gesellschaft schaffen, und gegen die winzige Minderheit kapitalistischer Eigent\u00fcmer, die sich diesen Reichtum aneignen und die ganze Gesellschaft ihrer uners\u00e4ttlichen Gier unterwerfen. Der Kampf gegen rechtsextreme und faschistische Gewalt kann nicht auf der Grundlage der rassistischen Politik der Demokraten gef\u00fchrt werden, sondern nur auf der Grundlage des Marxismus.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/08\/05\/paso-a05.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 6. August 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Patrick Martin. In den letzten acht Tagen gab es in den Vereinigten Staaten drei Massenmorde, zwei davon am letzten Wochenende innerhalb von etwas mehr als zw\u00f6lf Stunden. 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