{"id":5768,"date":"2019-08-08T17:15:55","date_gmt":"2019-08-08T15:15:55","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5768"},"modified":"2019-08-08T17:18:36","modified_gmt":"2019-08-08T15:18:36","slug":"weltweite-entlassungswelle-in-der-globalen-autoindustrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5768","title":{"rendered":"Weltweite Entlassungswelle in der globalen Autoindustrie"},"content":{"rendered":"<p><em>Jerry White. <\/em><strong>Eine Entlassungswelle in der globalen Autoindustrie trifft Arbeiter auf fast allen Kontinenten. Eine Untersuchung der j\u00fcngsten Schlagzeilen aus der Autoindustrie und anderen Medien zeichnet ein d\u00fcsteres Bild des unabl\u00e4ssigen Stellenabbaus.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Reuters schildert in einem Bericht mit dem Titel \u201e<strong>Versch\u00e4rfung der indischen Autokrise kostet Zehntausende Arbeitspl\u00e4tze<\/strong>\u201c, dass in Indien w\u00e4hrend der letzten Monate aufgrund der st\u00e4rksten Umsatzeinbr\u00fcche seit zehn Jahren 350.000 Arbeiter aus der Auto- und Autozulieferindustrie entlassen wurden. Maruti Suzuki hat seine Produktionsziele halbiert und entl\u00e4sst sechs Prozent seiner befristeten Arbeitskr\u00e4fte. Analysten rechnen damit, dass bis zu einem Drittel der drei Millionen Arbeiter der indischen Autoindustrie entlassen werden.<\/p>\n<p>Die&nbsp;<em>Financial Times<\/em>&nbsp;berichtet in einem Artikel mit dem Titel \u201e<strong>Schrumpfender chinesischer Automarkt l\u00f6st Angst um die Zukunft ausl\u00e4ndischer Konzerne aus<\/strong>\u201c, die chinesischen Werke von Ford und PSA w\u00fcrden nur mit elf bzw. einem Prozent ihrer Kapazit\u00e4t arbeiten. Angesichts des ersten Umsatzr\u00fcckgangs in China seit drei Jahrzehnten haben bereits etwa 220.000 Arbeiter ihren Arbeitsplatz verloren.<\/p>\n<p><em>Automotive News Europe<\/em>&nbsp;ver\u00f6ffentlichte einen Artikel mit dem Titel \u201e<strong>Bosch rechnet angesichts der Abschw\u00e4chung in der Autoindustrie mit stagnierenden Abs\u00e4tzen und Stellenabbau<\/strong>\u201c. Darin zitierte sie Bosch-Chef Volkmar Denner, der erkl\u00e4rt: \u201eWir gehen in unserer Planung davon aus, dass die Automobilproduktion in den kommenden Jahren stagnieren wird&#8230; Der R\u00fcckenwind ist weg.\u201c Volkswagen hat bereits den Abbau von 7.000 B\u00fcrostellen angek\u00fcndigt; Daimler, Siemens und andere werden dem Beispiel voraussichtlich folgen.<\/p>\n<p><strong>\u201eDer britischen Autoindustrie droht ein langsamer Tod\u201c<\/strong>, berichtet die CNN und weist darauf hin, dass die Autoindustrie mit der schwersten Krise seit den 1970ern konfrontiert ist. Die Produktion ist im ersten Halbjahr um ein F\u00fcnftel eingebrochen, die Investitionen um 70 Prozent.<\/p>\n<p>Ein&nbsp;<em>Reuters<\/em>-Artikel mit dem Titel&nbsp;<strong>\u201eDas Warnsignal f\u00fcr die slowakische Autoindustrie\u201c<\/strong>&nbsp;beschreibt das Schicksal von 3.000 Arbeitern, die im VW-Werk in Bratislava entlassen wurden. Diese Entlassungen haben \u201eSchockwellen ausgel\u00f6st, die in der ganzen Slowakei sp\u00fcrbar sind, dem Land mit der gr\u00f6\u00dften Pro-Kopf-Produktion von Autos\u201c.<\/p>\n<p>In den USA hat General Motors (GM) letzte Woche das seit 78 Jahren bestehende Getriebewerk in Warren, einem Vorort von Detroit, geschlossen. Zuvor wurden bereits das Montagewerk in Lordstown (Ohio) und das Getriebewerk in Baltimore geschlossen. Ende des Jahres soll au\u00dferdem das Werk in Oshawa (Ontario) geschlossen werden; dem Montagewerk Detroit-Hamtramck droht im Januar 2020 die Schlie\u00dfung.<\/p>\n<p>In Mexiko werden am 12. August mindestens 650 der 1.800 Arbeiter des GM-Montagewerks in San Luis Potos\u00ed (400 Kilometer nordwestlich von Mexiko City) ihre Arbeit verlieren. Laut Informationen der kanadischen Gewerkschaft Unifor will das Unternehmen die Zahl seiner Schichten dort von drei auf zwei verringern.<\/p>\n<p>Antonio, ein Arbeiter aus dem GM-Werk in Silao (Mexiko), erkl\u00e4rte gegen\u00fcber dem&nbsp;<em>WSWS Autoarbeiter-Newsletter<\/em>: \u201eIch habe mich hier in Silao umgeh\u00f6rt, aber es gibt keine Informationen \u00fcber Entlassungen in San Luis Potos\u00ed. Die Gewerkschaft verschweigt das vollst\u00e4ndig. Die Entlassungen sind ein weiterer Angriff auf die Arbeiter \u2013 die Aktion\u00e4re k\u00fcmmern sich immer um ihr Kapital. Wir m\u00fcssen zusammen k\u00e4mpfen, damit wir st\u00e4rker sind.\u201c<\/p>\n<p>Ein anderer Arbeiter aus Silao, der anonym bleiben will, berichtete, der Druck des GM-Managements und die Arbeitshetze h\u00e4tten sich in letzter Zeit versch\u00e4rft. Er f\u00fcgte hinzu: \u201eEin anderes Detail ist, dass unsere Boni sehr klein waren\u201c und erkl\u00e4rte, dies habe \u201emehrere Arbeiter zur K\u00fcndigung veranlasst\u201c.<\/p>\n<p>Am 1. August erkl\u00e4rte die mexikanische Nationale Kammer f\u00fcr die verarbeitende Industrie (Canacintra), VW habe in den letzten 30 Tagen 2.000 Arbeiter entlassen, weil die Produktion eines Automodells eingestellt wurde. Der mexikanische Verband der Autogro\u00dfh\u00e4ndler k\u00fcndigte am 31. Juli an, dass Nissan Mexico als Reaktion auf den Umsatzr\u00fcckgang um 15 Prozent im ersten Quartal 2019 eine \u201etiefgehende Umstrukturierung\u201c durchf\u00fchre. Im Januar hatte das Unternehmen 1.000 Arbeiter in Montagewerken in Aguascalientes und Morelos entlassen. Die mexikanische Wirtschaft befindet sich am Rande einer Rezession, im ersten Halbjahr 2019 entstanden so wenig neue Arbeitspl\u00e4tze wie in den letzten zehn Jahren nicht mehr.<\/p>\n<p>Das Modell Chevrolet Equinox, das in San Luis Potos\u00ed produziert wird, bauen auch kanadische Arbeiter im GM-CAMI-Werk in Ingersoll (Ontario). Den 2.800 Arbeiter dort drohen in der Woche vom 30. September ebenfalls Entlassungen, f\u00fcr das letzte Quartal 2019 sind weitere angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Der Unifor-Pr\u00e4sident des Werks Ingersoll, Mike Van Boekel, erkl\u00e4rte im typischen sturen Nationalismus der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie, GM habe ihm versichert, dass die Entlassungen in Kanada nur vorl\u00e4ufig seien, die Abschaffung der Schicht in San Luis Potos\u00ed jedoch dauerhaft. Gegen\u00fcber einem lokalen Radiosender erkl\u00e4rte er: \u201eSchade f\u00fcr das Werk in Mexiko, aber gut f\u00fcr uns, dass wir zumindest nicht die Schicht verlieren.\u201c<\/p>\n<p>Ende 2017 hatten die Arbeiter des CAMI-Werks einen erbitterten einmonatigen Streik gegen die Forderungen von GM nach weiteren Zugest\u00e4ndnissen bei L\u00f6hnen und Zusatzleistungen gef\u00fchrt. Einen Tag nachdem GM gedroht hatte, die Equinox-Produktion nach Mexiko zu verlagern, beendete Unifor den Streik und unterzeichnete einen Vertrag, der einen Ausverkauf darstellte. Da Unifor einen gemeinsamen Kampf der Autoarbeiter in ganz Nordamerika ablehnt, reagierte sie auf die Ank\u00fcndigung von GM, das Montagewerk in Ottawa zu schlie\u00dfen, mit einer rassistischen Kampagne f\u00fcr den Boykott \u201emexikanischer Autos\u201c.<\/p>\n<p>Ein \u201emexikanisches\u201c Auto gibt es genauso wenig wie ein \u201ekanadisches\u201c, \u201eamerikanisches\u201c oder \u201echinesisches\u201c. Die globale Autoindustrie ist ein miteinander verbundenes Ganzes und umfasst die Arbeit von Dutzenden Millionen Produktionsarbeitern, Ingenieuren und Technikern auf der ganzen Welt. Dazu kommen die Arbeiter, die die ben\u00f6tigten Rohstoffe abbauen. Sie alle tragen zum Bau von tats\u00e4chlichen Welt-Produkten bei.<\/p>\n<p>Widerstand gegen den globalen Angriff der transnationalen Konzerne ist mit den beschr\u00e4nkten nationalistischen Programmen von Unifor, den United Auto Workers, der IG Metall, der mexikanischen CTM oder irgendeiner anderen Gewerkschaft nicht m\u00f6glich. Gegen die globale Strategie der Konzerne m\u00fcssen Autoarbeiter eine international koordinierte Antwort zur Verteidigung ihrer Arbeitspl\u00e4tze, Arbeitsbedingungen und ihres Lebensstandards entwickeln.<\/p>\n<p>Die globalen Autokonzerne bereiten unter der Knute der Finanzm\u00e4rkte eine weitere Welle von Fusionen und Firmenaufk\u00e4ufen vor, um die Einnahmen ihrer reichsten Aktion\u00e4re zu erh\u00f6hen. Durch verst\u00e4rkte Zusammenarbeit \u2013 u. a. von Ford und VW und neue Verhandlungen \u00fcber eine Fusion von Renault und Fiat Chrysler \u2013 hoffen die Konzerne, durch eine Expansion in die M\u00e4rkte ihrer ehemaligen Rivalen die sinkenden Ums\u00e4tze auszugleichen. Sie sorgen f\u00fcr Gr\u00f6\u00dfenvorteile, um die Schlie\u00dfung von \u201e\u00fcberfl\u00fcssigen\u201c Fabriken zu erm\u00f6glichen und die immensen Kosten im brutalen Kampf um die Vorherrschaft bei neuen Technologien wie Elektroautos und selbst fahrenden Fahrzeugen untereinander aufzuteilen.<\/p>\n<p>Elektrofahrzeuge machen zwar nur einen winzigen Anteil an den derzeit weltweit verkauften Autos aus (in den USA sind es nur ein Prozent), doch Analysten behaupten, dieser Anteil wird bis Mitte der 2020er Jahre auf etwa zehn Prozent und bis 2040 auf \u00fcber 50 Prozent steigen. Im Januar 2019 haben die globalen Autobauer laut einer aktuellen Studie der Gewerkschaft UAW mehr als 300 Milliarden Dollar f\u00fcr die Elektrifizierung vorgesehen.<\/p>\n<p>Elektroautos sind mechanisch viel weniger komplex als traditionelle Fahrzeuge. Das elektrische Getriebe des Chevy Bolt hat beispielsweise 80 Prozent weniger bewegliche Teile als das Getriebe eines traditionellen internen Verbrennungsmotors. Deshalb hat Ford seinen Investoren angek\u00fcndigt, dass mit Elektroautos die Arbeitsstunden pro St\u00fcck um 30 Prozent gesenkt werden k\u00f6nnten. Laut der UAW k\u00f6nnten in den n\u00e4chsten Jahren in den USA 35.000 Stellen in der Triebwerksproduktion wegfallen. Traditionelle Autobauer k\u00f6nnten au\u00dferdem die Produktion von Lithiumbatterien, Elektromotoren, Autoelektronik, modernen Bremssystemen und anderen neuen Technologien an Billiglohn-Hersteller in- oder au\u00dferhalb der USA verlagern.<\/p>\n<p>Die UAW reagierte auf diese Drohung wie zu erwarten mit dem Angebot, mit den Konzernen und der US-Regierung zusammenzuarbeiten, um eine \u201eneue Industriepolitik\u201c zu schaffen und China zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, das \u201ebis 2023 \u00fcber 62 Prozent der globalen Produktionskapazit\u00e4t f\u00fcr Lithium-Ionenbatterien verf\u00fcgen wird\u201c, wie die Gewerkschaft beklagt. Dazu geh\u00f6rt eine Handelskriegspolitik, die die Produktion moderner Fahrzeuge als \u201estrategischen Sektor\u201c behandelt, der \u201egesch\u00fctzt und in den USA aufgebaut werden muss\u201c.<\/p>\n<p>Diese Politik ist mit der von Trump identisch. Sie spaltet die internationale Arbeiterklasse, f\u00f6rdert einen brutalen Unterbietungswettkampf und zwingt die Arbeiter hinter ihre \u201eeigenen\u201c Kapitalisten. Gleichzeitig bereiten sich die herrschenden Eliten in den rivalisierenden Nationalstaaten darauf vor, die Menschheit in einen weiteren Weltkrieg zu treiben, der zu einem nuklearen Holocaust f\u00fchren wird.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"333\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Auto.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5769\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Auto.jpg 640w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Auto-300x156.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption> <strong>Eint\u00e4giger Streik von BMW-Arbeitern in Gro\u00dfbritannien, 2017<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n<p>Im letzten Jahrzehnt kam es zu einer wachsenden Welle von K\u00e4mpfen der Autoarbeiter. Dazu geh\u00f6rten u. a. die Streiks der Toyota- und Honda-Arbeiter in&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2010\/06\/chin-j24.html\"><strong>China<\/strong><\/a>&nbsp;(2010), der Maruti-Suzuki-Arbeiter in&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2018\/03\/19\/maru-m19.html\"><strong>Indien<\/strong><\/a>&nbsp;(2011\u201312), der Hyundai- und Kia-Arbeiter in S\u00fcdkorea (2013), der Renault-Arbeiter in der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2015\/05\/21\/turk-m21.html\"><strong>T\u00fcrkei<\/strong><\/a>, der Mercedes-Benz-Arbeiter sowie weiterer Arbeiter in&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2015\/09\/09\/braz-s09.html\"><strong>Brasilien<\/strong><\/a>&nbsp;und der Fiat-Chrysler-, GM- und Ford-Arbeiter in den&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2015\/11\/21\/pers-n21.html\"><strong>USA<\/strong><\/a>&nbsp;(2015), der BMW-Arbeiter in Gro\u00dfbritannien, der Ford-Arbeiter in&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/12\/30\/ford-d30.html\"><strong>Rum\u00e4nien<\/strong><\/a>, der Fiat-Arbeiter in&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/07\/19\/serb-j19.html\"><strong>Serbien<\/strong><\/a>und der VW-Arbeiter in der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/06\/28\/vwsl-j28.html\"><strong>Slowakei<\/strong><\/a>&nbsp;(2017), der VW- und Daimler-Arbeiter in&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2018\/02\/03\/stre-f03.html\"><strong>Deutschland<\/strong><\/a>&nbsp;(2018), der VW-Arbeiter in&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/01\/28\/unga-j28.html\"><strong>Ungarn<\/strong><\/a>&nbsp;und der Arbeiter in der Autozuliefererindustrie von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/01\/23\/mata-j23.html\"><strong>Matamoros (Mexiko)<\/strong><\/a>&nbsp;im Jahr 2019.<\/p>\n<p>Diese zunehmenden K\u00e4mpfe m\u00fcssen koordiniert und von einer internationalen Strategie geleitet werden, die zum Ziel hat, alle Teile der Arbeiterklasse gegen die transnationalen Konzerne zu vereinen und das kapitalistische System durch eine wissenschaftlich und demokratisch geplante, weltweite sozialistische Gesellschaft zu ersetzen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/08\/08\/jobs-a08.html\">Autoarbeiter.info&#8230;<\/a> vom 8. August 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jerry White. Eine Entlassungswelle in der globalen Autoindustrie trifft Arbeiter auf fast allen Kontinenten. 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