{"id":5772,"date":"2019-08-09T11:25:30","date_gmt":"2019-08-09T09:25:30","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5772"},"modified":"2019-08-09T11:25:31","modified_gmt":"2019-08-09T09:25:31","slug":"venezuela-bergbau-im-cerro-la-vieja","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5772","title":{"rendered":"Venezuela: Bergbau im Cerro La Vieja"},"content":{"rendered":"<p><em>Antonio J. Gonz\u00e1lez Plessmann*. <\/em><strong>Regierung und Kapital gegen die Menschenrechte der Bev\u00f6lkerung von Sim\u00f3n Planas.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Der Berg La Vieja (Cerro la Vieja) liegt gegen\u00fcber der Stadt Sarare im Verwaltungsbezirk Sim\u00f3n Planas im venezolanischen Teilstaat Lara. Er hat eine Fl\u00e4che von 524 Hektar und 683 Quadratmeter, die von gro\u00dfem historischen und kulturellen Wert sind und sowohl f\u00fcr die Landwirtschaft als auch f\u00fcr den \u00d6kotourismus besondere Bedeutung haben. Dem Berg entspringen in seinen Ausl\u00e4ufern der Fluss Sarare und der Bach La Cimarrona. Es hat bereits zahlreiche Versuche gegeben, hier Bergbau zu betreiben (der erste in den 1990er Jahren), doch sie wurden durch Proteste der Bev\u00f6lkerung verhindert. Derzeit erlebt der Berg einen neuen derartigen Versuch von einer Allianz aus Staat und Privatkapital, vorangetrieben durch die Regierung des Teilstaates Lara \u2012 mit schwerwiegenden Folgen f\u00fcr die Menschenrechte der Bev\u00f6lkerung des Verwaltungsbezirks.<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Verletzung der Rechte auf Information, vorherige Befragung und Beteiligung der Bev\u00f6lkerung<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><em>&#8222;Wir regieren dem Volk gehorchend, wir regieren nicht, indem wir befehlen, wir regieren nicht, indem wir die V\u00f6lker vernichten; denn so regieren die Kapitalisten, so regieren die Tyrannen&#8220; (Hugo Ch\u00e1vez<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a>).<\/em><\/p>\n<p>In Artikel 164 der Verfassung der Bolivarischen Republik Venezuela steht, dass &#8222;die Zust\u00e4ndigkeit ausschlie\u00dflich im Kompetenzbereich der Teilstaaten&#8220; liegt, wenn es um &#8222;5. Die Verwaltung und Nutzung nichtmetallischer Mineralien, die nicht der Bundesregierung vorbehalten sind&#8220; geht.<\/p>\n<p>Die Regierung des Teilstaates Lara hat einen &#8222;Strategieplan f\u00fcr die Entwicklung des Nichtmetallischen Bergbaus im Staat Lara&#8220;<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> beschlossen, der einen Verbund aus Staat und Privatkapital beinhaltet und den Rahmen f\u00fcr den Abbau von Kalkgestein im Cerro La Vieja gibt. Au\u00dferdem steht der Regierung das Unternehmen f\u00fcr Nichtmetallische Mineralien Jacinto Lara zur Verf\u00fcgung, das sich selbst als &#8222;leitende Beh\u00f6rde f\u00fcr den Umgang mit nichtmetallischen Mineralien des Staates&#8220;<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>\u00a0definiert. Pr\u00e4sident des Konzerns ist der Tierarzt Yoel Morales. Soweit die zur Verf\u00fcgung stehenden Informationen.<\/p>\n<p>Artikel 128 der Verfassung legt fest: &#8222;Der Teilstaat setzt eine Raumordnungspolitik um [\u2026], welche die Informierung, Befragung und Partizipation der Bev\u00f6lkerung beinhaltet&#8220;.<\/p>\n<p>Die Bev\u00f6lkerung von Sim\u00f3n Planas wurde \u00fcber den aktuellen Prozess der Bergbauaktivit\u00e4ten von der Regierung weder informiert noch befragt. Inoffiziell ist bekannt, dass eine Lizenz vergeben wurde. Detonationen waren zu h\u00f6ren und der Bau einer Stra\u00dfe, die Rodung eines Bereiches am Fu\u00dfe des Berges sowie die Bewegung staatlicher Maschinen (durch die Firmen CAVIM und Pedro Camejo) konnten festgestellt werden.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist bekannt, dass ein Anwalt namens Jorge Alberto Rodr\u00edguez Mor\u00e1n im Namen jener Unternehmen handelt. Er hat Angriffe und Drohungen gegen Bauern des Sektors angeleitet und ihm werden zahlreiche Delikte zur Last gelegt, unter anderem Betrug und sexuelle Gewalt.<\/p>\n<p>Die Bev\u00f6lkerung von Sim\u00f3n Planas kennt weder den Namen des Konzerns, der die Ausbeutung vorantreibt, noch die zeitliche und r\u00e4umliche Reichweite der Lizenz und wei\u00df auch nicht, ob neben Kalkstein noch weitere Mineralien abgebaut werden sollen.<\/p>\n<p>Eben diese Bev\u00f6lkerung, die weder informiert noch konsultiert wurde, hat sowohl in der Vergangenheit als auch gegenw\u00e4rtig den Bergbau in ihrem Cerro La Vieja ausdr\u00fccklick abgelehnt und sich dagegen mobilisiert. Mitte des vergangenen Jahrzehnts wurde so erreicht, dass der Verwaltungsbezirk den Berg zum &#8222;Gemeindepark sowie zum Umwelt- und \u00f6kologischen Erbe des Verwaltungsbezirks Sim\u00f3n Planas&#8220;<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>\u00a0erkl\u00e4rte. In Artikel 2 dieser Verordnung wird &#8222;die Nutzung von Kalkstein verboten; denn die Explosionen in den H\u00f6hlen des Cerro La Vieja k\u00f6nnen Einst\u00fcrze verursachen und das nat\u00fcrliche und \u00f6kologische Erbe des Verwaltungsbezirks zerst\u00f6ren&#8220;.<\/p>\n<p>Erst k\u00fcrzlich, am 16. Mai 2019, fand ein Forum des Unternehmens f\u00fcr Nichtmetallische Mineralien Jacinto Lara, in Barquisimeto, der Hauptstadt des Teilstaats Lara, statt. Dabei f\u00fchrte der Pr\u00e4sident des Kozerns, Yoel Morales, die Unzufriedenheit der Bev\u00f6lkerung Sim\u00f3n Planas auf &#8222;interne politische Auseinandersetzungen&#8220; im Verwaltungsbezirk zur\u00fcck.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Protestmarsches von Sarare zum Cerro La Vieja, der am 18. Mai 2019 durchgef\u00fchrt wurde, lie\u00df sich jedoch ein \u00e4u\u00dferst bemerkenswerter Geist der Einheit in der Vielfalt rund um die Verteidigung des Berges beobachten.<\/p>\n<p>Auch wenn die regierende Vereinte Sozialistische Partei Venezuelas (PSVU), die das B\u00fcrgermeisteramt innehat, \u00fcber die Bergbauaktivit\u00e4ten im Berg Stillschweigen bewahrt, so hat sie sich auch nicht zur Verteidigung des Projektes positioniert. Das deutet darauf hin, dass sie eine Linie &#8222;von oben&#8220; befolgt, mit der sie nicht vollkommen einverstanden ist. Der Basis-Chavismus und Aktivisten aus allen Parteien des [linken Wahlb\u00fcndnisses] Gro\u00dfer Patriotischer Pol sprechen sich ihrerseits offen gegen die Ausbeutung des Berges aus. Sehr interessant ist au\u00dferdem, dass dieser Kampf einen Pluralismus der B\u00fcrgergesellschaft in Bewegung setzt. Ihm haben sich Sportkletterer angeschlossen, die den Berg dauerhaft nutzen, Kleinbauern, die von seinen Gew\u00e4ssern profitieren, Mitglieder der Kommune El Maizal, religi\u00f6se Gruppen, die die H\u00f6hlen f\u00fcr spirituelle Rituale nutzen, Teile der lokalen katholischen Kirche und viele unorganisierte Einwohner, die eine sehr starke physische und kulturelle Bindung zu ihrem Berg haben und die dem Aufruf des &#8222;Komitee zur Verteidigung des Gemeindeparks Cerro La Vieja&#8220; gefolgt sind.<\/p>\n<p>Alles weist darauf hin, dass die Intransparenz bei der Informierung und das Fehlen einer Befragung darauf abzielen, den Ausdruck des Protagonismus der Bev\u00f6lkerung von Sim\u00f3n Planas, die sich seit mehr als zwei Jahrzehnten der Zerst\u00f6rung ihres Berges widersetzt, nicht anzuerkennen und zu behindern. Es ist nun an der Gouverneurin Carmen Mel\u00e9ndez<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>, sich darauf zu besinnen, ob sie ihre derzeitige Entscheidung zur\u00fccknimmt, um &#8222;gehorchend zu regieren&#8220;, oder ob sie ihren Pakt mit dem Kapital in Kraft setzt, um den Berg auszubeuten, und somit &#8222;vernichtend regiert&#8220;,\u00a0 so wie &#8222;die Kapitalisten, [\u2026] die Tyrannen&#8220;, wie Ch\u00e1vez sagte.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.dailymotion.com\/video\/xgath0\">https:\/\/www.dailymotion.com\/video\/xgath0<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Secretar\u00eda de Desarrollo Econ\u00f3mico de la Gobernaci\u00f3n del Estado Lara, \u201cPlan Estrat\u00e9gico para el Desarrollo Minero No Met\u00e1lico del Estado Lara 2019 \u2013 20130\u201d. Presentaci\u00f3n.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Online-Quelle:\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/minaslara?lang=de\">@MinasLara<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Dekret N\u00b0 006, Gaceta Oficial N\u00b0 0344 (Extraordinaria) del municipio Sim\u00f3n Planas del Estado Lara, 23.07.07.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Anm. d. Red.: Carmen Mel\u00e9ndez, f\u00fchrende Politikerin der Regierungspartei PSUV und Admiralin der Marine, ist seit 2017 Gouverneurin von Lara. Zuvor war sie u.a. Innen- und Justizministerin sowie Stabschefin im Kabinett von Pr\u00e4sident Nicol\u00e1s Maduro.<\/p>\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"364\" height=\"243\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Venzuela.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5773\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Venzuela.jpg 364w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Venzuela-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 364px) 100vw, 364px\" \/><figcaption>Protest-Versammlung gegen den Bergbau am Cerro La Vieja<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Verletzung der kulturellen Rechte<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&#8222;Alle in diesem Katalog aufgef\u00fchrten kulturellen Erscheinungsformen (\u2026) sind von derartigen Werten \u2013 seien sie historisch, kulturell, der bildenden K\u00fcnste oder der Umwelt \u2013 , dass sie vom Institut f\u00fcr das Kulturerbe zu G\u00fctern von kulturellem Interesse erkl\u00e4rt werden, gem\u00e4\u00df der Resolution Nr. 003-05 vom 20. Februar 2005&#8220; (Katalog des Venezolanischen Kulturerbes<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>).<\/p>\n<p>Die H\u00f6hlen von La Vieja, die im Inneren des Berges liegen, sind Bestandteil des zitierten Kataloges, wodurch sie offiziell ein Gut von kulturellem Interesse sind und unter Schutz stehen. Der Katalog zitiert arch\u00e4ologische Funde wie Steingut mit Hieroglyphen, Keramikst\u00fccke, fein bearbeitete Kokosnussschalen, riesige Gef\u00e4\u00dfe, Gebeine und lose Knochen, die auf eine intensive Geschichte der Nutzung des Berges hinweisen und seine Rolle bei der Herausbildung der lokalen Kultur erkl\u00e4ren. Es besteht der Glaube \u2013 betont der Katalog \u2013 dass diese H\u00f6hle mit den Minen von Bur\u00eda verbunden ist und dass hier der Ort war, wo der Negro Miguel seinen ber\u00fchmten Schatz versteckte, der nie gefunden werden konnte&#8220;<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Die Rebellion des &#8222;Negro Miguel&#8220; gegen die spanische Unterdr\u00fcckung und sein Weg durch den Berg erf\u00fcllt die Bewohner von Sim\u00f3n Planas mit Stolz. Eine andere H\u00f6hle des Berges hat den Namen Estefan\u00eda, zu Ehren einer seiner T\u00f6chter. Diese H\u00f6hle ist zudem eine Kultst\u00e4tte f\u00fcr die venezolanische Spiritualit\u00e4t, auch als Marialoncero bezeichnet. In ihrem Inneren sind mehr als 500 Kultobjekte der verschiedenen Anh\u00e4nger dieser venezolanischen Religion zu finden; au\u00dferdem beeindruckende Stalagmiten und Stalaktiten von bis zu f\u00fcnf Metern H\u00f6he.<\/p>\n<p>Doch auch \u00fcber die religi\u00f6sen Br\u00e4uche oder den historischen Wert hinaus l\u00e4sst sich die Verbundenheit der Bev\u00f6lkerung von Sim\u00f3n Planas mit ihrem Berg sehr leicht feststellen. Von jedem Punkt in Sarare aus bietet der Berg einen wundersch\u00f6nen Anblick. Die Menschen schauen zum Berg und wissen, ob es regnen wird, denn er ist eine Mauer f\u00fcr die feuchten S\u00fcdwinde und verst\u00e4rkt dadurch die Wolkenansammlung. Da die Schulen regelm\u00e4\u00dfig Ausfl\u00fcge zum Berg organisieren, hat die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit aller Einwohnerinnen und Einwohner von Sarare ihn besucht und genossen. Aus anderen Teilen des Landes kommen Menschen in die Region, um ihn kennenzulernen oder seine W\u00e4nde zum Sportklettern zu nutzen oder um V\u00f6gel zu beobachten, wodurch sie den Berg zu einem Ort des \u00d6kotourismus machen, was vor Ort f\u00fcr gro\u00dfen Stolz sorgt.<\/p>\n<p>Der Bergbau, der mit Sprengstoff durchgef\u00fchrt wird, w\u00fcrde die H\u00f6hlen unsicher machen. Er w\u00fcrde Einst\u00fcrze verursachen (tats\u00e4chlich gibt es bereits Erdrutsche in der H\u00f6hle La Vieja) und die religi\u00f6se, \u00f6kotouristische, freizeitliche, sportliche oder wissenschaftliche Nutzung des Berges unm\u00f6glich machen. Ein Teilnehmer des Protestmarsches, zu dem das &#8222;Komitee zur Verteidigung des Gemeindeparks Cerro La Vieja&#8220; aufgerufen hatte, vertraut darauf, dass die \u201e&#8220;Naturales&#8220;, eine Art Kobolde, die den Berg bewohnen, verhindern w\u00fcrden, dass es dazu kommt: &#8222;Schon fr\u00fcher haben sie die Arbeiter der Firma, die versucht hat, den Berg auszubeuten, um den Verstand gebracht&#8220;.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Verletzung des Rechts auf eine gesunde und \u00f6kologisch ausgewogene Umwelt<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><em>&#8222;Dem Kapitalismus ist es egal, ob er die W\u00e4lder vernichtet, die Gew\u00e4sser vernichtet und das Leben vernichtet. Der Kapitalismus ist ein Modell, das das Leben zerst\u00f6rt. Der Kapitalismus zerst\u00f6rt in gleichem Ma\u00dfe die Natur wie auch den Menschen, der Teil der Natur ist&#8220; (Hugo Ch\u00e1vez<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><strong>[3]<\/strong><\/a>).<\/em><\/p>\n<p>Artikel 129 der Verfassung besagt: &#8222;Alle Aktivit\u00e4ten, die \u00d6kosysteme sch\u00e4digen k\u00f6nnten, m\u00fcssen im Vorfeld von Studien begleitet werden, die ihre \u00f6kologischen und soziokulturellen Folgen untersuchen&#8220;. Im Vorfeld der laufenden Bergbauaktivit\u00e4ten im Cerro La Vieja wurde keine einzige Untersuchung durchgef\u00fchrt. Allein das Fehlen dieser Studien bedeutet, dass der Abbau illegal ist, macht die von der Regierung vergebene Lizenz ung\u00fcltig und verpflichtet den Staat (die Exekutivgewalten auf den Ebenen der Bezirksverwaltung, des Teilstaates und des Nationalstaates; die Judikative oder, falls jemand bei ihr vorstellig wird, die Ombudsstelle), unverz\u00fcglich den stattfindenden Versto\u00df zu korrigieren. Eigentlich m\u00fcssen die Beamten, die die Genehmigungen ohne die Studie zu \u00f6kologischen Folgen erteilt haben, nach Artikel 43 des Umweltstrafrechts &#8222;mit Haftstrafen von 3 Monaten bis zu einem Jahr [und] dem Verbot der Aus\u00fcbungen von \u00f6ffentlichen Funktionen oder \u00c4mtern f\u00fcr die Dauer von bis zu zwei Jahren nach dem ver\u00fcbten Hauptstraftatbestand&#8220; sanktioniert werden.<\/p>\n<p>Auch wenn aufgrund der fehlenden gesetzlich vorgeschriebenen Studie der Schaden f\u00fcr die Umwelt, den die Ausbeutung des Berges verursachen w\u00fcrde, nicht mit wissenschaftlicher Genauigkeit festgestellt wurde, so stehen dennoch Daten zur Verf\u00fcgung, die es erlauben, auf m\u00f6gliche Sch\u00e4den hinzuweisen. Dazu kommen aktuelle konkrete Taten, die bereits Umweltdelikte darstellen.<\/p>\n<p>Wie ein Schwamm saugt der Berg die Feuchtigkeit der S\u00fcdwinde auf, die auf die Anden sto\u00dfen. Zus\u00e4tzlich zur Versorgung des Flusses Sarare und des Baches La Cimarrona leitet er das Wasser in ein nat\u00fcrliches System unterirdischer Gew\u00e4sser, das der landwirtschaftlichen Produktion im gesamten Verwaltungsbezirk zugutekommt. Die Nutzung von Brunnen ist eine der Hauptzugangsquellen zu Wasser in dem Gebiet, wie die Kleinbauern erkl\u00e4ren. Es ist anzunehmen, dass die Ausbeutung des Berges den Zugang zu Wasser und damit die landwirtschaftliche Produktivit\u00e4t in der Gegend verringern w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite hat das Unternehmen den Lauf des Flusses Sarare ver\u00e4ndert und eine Stra\u00dfe in weniger als 20 Meter Entfernung vom Fluss gebaut, obwohl das Wassergesetz in Artikel 54 explizit folgende Bereiche zu &#8222;Wasserschutzgebieten&#8220; erkl\u00e4rt: &#8222;1. Die Fl\u00e4che, definiert durch einen Umfang von dreihundert Metern im horizontalen Radius, mit der Quelle von jedwedem Wasserk\u00f6rper als Mittelpunkt. 2. Die Fl\u00e4che, definiert durch einen Streifen von dreihundert Metern an beiden Ufern der Fl\u00fcsse&#8220;. Diese Handlung des Konzerns, durchgef\u00fchrt mit staatlicher Maschinerie, stellt dar\u00fcber hinaus ein Umweltdelikt nach Artikel 56 des Umweltstrafrechts dar und wird &#8222;mit Haftstrafen in H\u00f6he von von einem bis zu f\u00fcnf Jahren&#8220; geahndet.<\/p>\n<p>Der Kampf gegen den Bergbau im Cerro la Vieja verdichtet sich zu einem der zentralen Widerspr\u00fcche unserer Zeit. Auf der einen Seite die Renten\u00f6konomie mit ihrem Versprechen, Mineralien zu f\u00f6rdern und sie in Reichtum zu verwandeln, der verteilt werden soll. Das &#8222;Gute&#8220;, das diese Ma\u00dfnahme (die Verteilung des Reichtums) bewirken werde, w\u00fcrde die unvermeidlichen Sch\u00e4den (die Verletzung von Rechten) in Bezug auf die Umwelt, die Kultur, die landwirtschaftliche Produktion und das Leben der Bev\u00f6lkerung rechtfertigen.<\/p>\n<p>Auf dieser Seite stehen die Regierung von Lara und die Unternehmer, die formell im Besitz von 49 Prozent der Aktien des Projektes sind, die jedoch die Institutionen \u2012 Sicherheitskr\u00e4fte, Regierung, Landbeh\u00f6rde (INTI), Staatsanwaltschaft \u2012 als ihren verl\u00e4ngerten Arm nutzen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite wird auf die landwirtschaftliche Produktivit\u00e4t gesetzt, die gemeinschaftliche Formen sowie Dutzende von Kleinbauern einschlie\u00dft, die am Fu\u00df des Berges arbeiten, um Nahrungsmittel zu produzieren (in Zeiten, in denen die Blockade seitens der USA droht, eine Hungersnot im Land herbeizuf\u00fchren); hinzu kommt eine Diversit\u00e4t an Akteuren, die ihren Berg verteidigen, angef\u00fchrt von Basisbewegungen des Chavismus und des Volkes, die in 20 Jahren Bolivarischer Revolution gelernt haben, sich zu mobilisieren, um ihre Rechte zu verteidigen und durchzusetzen. Es ist ein Volk, das wei\u00df, &#8222;der Kapitalismus ist ein Modell, das das Leben zerst\u00f6rt&#8220; (Hugo Ch\u00e1vez), und nicht z\u00f6gert, sich denen entgegenzustellen, die sich im Namen der Revolution in reine Instrumente des Kapitals verwandeln.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong> Verletzung des Rechts auf Boden, des Rechts auf pers\u00f6nliche Integrit\u00e4t und auf die Freiheit der b\u00e4uerlichen Bev\u00f6lkerung<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><em>&#8222;Der Besitz von Land muss geregelt werden. Das Land den Bauern, demjenigen, der darauf arbeitet&#8220; (Hugo Ch\u00e1vez).<\/em><\/p>\n<p>Es gibt Klagen, die darauf hinweisen, dass Jorge Alberto Rodr\u00edguez Mor\u00f3n, lokaler Leiter der Allianz aus Staat und Kapital, verantwortlich f\u00fcr Gewalt gegen die Bauern der an den Berg angrenzenden Gebiete ist. Diese wird sowohl auf direkte Art und Weise als auch in Zusammenarbeit mit Sicherheitskr\u00e4ften und der Landbeh\u00f6rde ausge\u00fcbt. Die Bauern sollen vom Fu\u00df des Berges verdr\u00e4ngt werden, um die Bergbauaktivit\u00e4ten abzusichern.<\/p>\n<p>Sprechern des &#8222;Komitees zur Verteidigung des Gemeindeparks Cerro La Vieja&#8220; zufolge hat die Landbeh\u00f6rde INTI mindestens einen Besitztitel [eines Kleinbauern] f\u00fcr L\u00e4ndereien am Berg zur\u00fcckgenommen; das Nationale Kommando gegen Erpressung und Entf\u00fchrung der Bolivarischen Nationalgarde (GNB) setzte Waffen ein und leitete Strafprozesse gegen eine Gruppe von Bauern ein, die sich dem Bergbau entgegenstellten (sie wurden willk\u00fcrlich festgenommen und m\u00fcssen sich derzeit bei den Beh\u00f6rden melden). Rodr\u00edguez selbst bedrohte zusammen mit bewaffneten M\u00e4nnern mehrere Kleinbauern direkt, w\u00e4hrend er anderen anbot, ihre L\u00e4ndereien zu kaufen. Anzeigen wegen dieser Vorkommnisse wurden den Beh\u00f6rden vorgelegt, ohne dass Gerechtigkeit erlangt wurde. Hier handelt es sich eindeutig um eine Logik der Entrechtung und Kriminalisierung von Teilen der Bev\u00f6lkerung, die die Fortschritte der Bolivarischen Revolution umkehrt.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong> Mobilisierung der Bev\u00f6lkerung und breites B\u00fcndnis f\u00fcr die Wiederbelebung des popularen Lagers<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Dieses Projekt ist nur eines von 17, die die Regierung im Verwaltungsbezirk umzusetzen versucht, und eines von 130, die sie im Teilstaat durchf\u00fchren will.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Der Slogan, der diese Vorhaben begleitet, lautet: &#8222;Plan der Strategischen Produktiven Entwicklung nach der Renten\u00f6konomie&#8220;. Es ist schwer nachvollziehbar, wie es als &#8222;nach der Renten\u00f6konomie&#8220; dargestellt werden kann, auf den Bergbau zu setzen; aber es ist leicht zu beweisen, dass die Allianz aus Staat und Privatkapital einen Versto\u00df gegen die Menschenrechte der Bev\u00f6lkerung des Bezirks Sim\u00f3n Planas begeht.<\/p>\n<p>Im Verwaltungsbezirk hat sich ein breites B\u00fcndnis gebildet, um sich diesem neuen Versuch der Ausbeutung des Berges entgegenzustellen. Schnell haben sich andere Sektoren des Teilstaates und des Landes mobilisiert, um das B\u00fcndnis zu begleiten und zu unterst\u00fctzen. Denn der w\u00fcrdevolle Kampf, den die Bewohner von Sim\u00f3n Planas f\u00fchren, steht im Einklang mit den Analysen, dem Empfinden und den Aktionslinien der Aktivisten des ganzen Landes: die Allianzen zwischen Staat und Kapital m\u00fcssen offengelegt werden; diejenigen, die so niedertr\u00e4chtig sind, im Namen des Volkes zu sprechen und nur im Sinn ihrer eigenen Interessen zu handeln, m\u00fcssen verurteilt werden; die Kurzsichtigkeit und die Undurchf\u00fchrbarkeit der renten\u00f6konomischen Logik muss aufgezeigt werden.<\/p>\n<p>Und dies muss auf der Basis der in diesen Jahren gelebten Erfahrung geschehen, durch ein B\u00fcndnis zwischen Staat und Volksmacht; ausgehend vom Protagonismus des Volkes, der uns so viele Erfolge bei Inklusion, sozialer Gerechtigkeit und Aus\u00fcbung von Rechten gesichert hat; und von einem Modell der kommunalen Produktion aus, das sich dort, wo es stark ist, als wirksam erwiesen hat, wenn es darauf ankommt, das materielle und spirituelle Leben der Bev\u00f6lkerung auf w\u00fcrdevolle Art zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Dieser Kampf ist f\u00fcr das Lokale und das Nationale gleicherma\u00dfen enorm wichtig. Er erm\u00f6glicht es uns, strategische Debatten zu bef\u00f6rdern, die darauf abzielen, das populare Lager weiterzuentwickeln und zu st\u00e4rken, und zwar durch die Ressource, die uns die meisten Erfolge gebracht hat: die Mobilisierung f\u00fcr unsere Rechte.<\/p>\n<p><em>*Antonio J. Gonz\u00e1lez Plessmann ist Mitglied der venezolanischen Menschenrechtsorganisation Surgentes<\/em><\/p>\n<p>Original<strong>: <\/strong><a href=\"https:\/\/elotrosaberypoder.wordpress.com\/2019\/05\/23\/mineria-en-el-cerro-la-vieja-el-capital-contra-los-derechos-humanos-del-pueblo-de-simon-planas-antonio-gonzalez-plessmann\/\">elotrosaberypoder<\/a><strong>. <\/strong>\u00dcbersetzung:\u00a0<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/autor\/nina-hilgenboecker\">Miou Sascha Hilgenb\u00f6cker<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/228708\/venezuela-bergbau-im-cerro-la-vieja\"><em>amerika21.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 9. August 2019<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Quelle:\u00a0<a href=\"https:\/\/albaciudad.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Lara-SimonPlanas.pdf\">https:\/\/albaciudad.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Lara-SimonPlanas.pdf<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <u><a href=\"https:\/\/albaciudad.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Lara-SimonPlanas.pdf\">https:\/\/albaciudad.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Lara-SimonPlanas.pdf<\/a><\/u>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Al\u00f3 Presidente 257:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.todochavez.gob.ve\/todochavez\/4025-alo-presidente-n-257\">http:\/\/www.todochavez.gob.ve\/todochavez\/4025-alo-presidente-n-257<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Secretar\u00eda de Desarrollo Econ\u00f3mico de la Gobernaci\u00f3n del Estado Lara, &#8222;La Miner\u00eda no met\u00e1lica en el estado Lara. Un Plan de Desarrollo Estrat\u00e9gico Productivo Post-rentista&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antonio J. Gonz\u00e1lez Plessmann*. 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