{"id":5789,"date":"2019-08-11T10:13:12","date_gmt":"2019-08-11T08:13:12","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5789"},"modified":"2019-08-11T10:13:13","modified_gmt":"2019-08-11T08:13:13","slug":"die-spaltung-im-cwi-lehren-fuer-trotzkistinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5789","title":{"rendered":"Die Spaltung im CWI: Lehren f\u00fcr Trotzkist*innen"},"content":{"rendered":"<p><em>Nathaniel Flakin und Max Karlmann.<\/em> <strong>Das&nbsp;<em>Komitee f\u00fcr eine Arbeiterinternationale<\/em>&nbsp;(CWI) hat sich in zwei Teile gespalten. Passt sich eine Seite an Identit\u00e4tspolitik an und wendet sich von der Arbeiter*innenklasse ab? Verliert die andere den Anschluss<!--more--> an neue Massenbewegungen gegen Unterdr\u00fcckung?<\/strong><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"890\" height=\"550\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/cwi.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5790\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/cwi.jpg 890w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/cwi-300x185.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/cwi-768x475.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 890px) 100vw, 890px\" \/><figcaption>  <em>Kshama Sawant (Socialist Alternative, USA) und Peter Taaffe (Socialist Party of England and Wales) in besseren Zeiten. Bild: Paul Mattsson<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>Nach einigen Ma\u00dfst\u00e4ben k\u00f6nnte das\u00a0<em>Komitee f\u00fcr eine Arbeiterinternationale<\/em>\u00a0(CWI,\u00a0<em>Committee for a Workers<\/em><em>\u2019\u00a0International<\/em>) als weltweit gr\u00f6\u00dfte internationale trotzkistische Str\u00f6mung betrachtet werden. Das CWI, dessen Wurzeln zur\u00fcck zur\u00a0<em>Militant<\/em>-Str\u00f6mung in der britischen\u00a0<em>Labour Party<\/em>\u00a0reichen, gab an, Sektionen in 35 bis 40 L\u00e4ndern zu haben, einige mit mehreren tausend Mitgliedern. <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Am 21. Juli\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sascha.stanicic\/posts\/10220413667717017\"><strong>erkl\u00e4rte die britische Sektion des CWI, die\u00a0<em>Socialist Party of England and Wales<\/em><\/strong><\/a>, sie w\u00fcrde eine\u00a0<em>\u201einternationale Konferenz zur Rekonstituierung des Committee for a Workers\u2018 International [unterst\u00fctzen]\u201c<\/em>. Am 26. Juli\u00a0<a href=\"https:\/\/www.slp.at\/artikel\/ein-b%C3%BCrokratischer-putsch-wird-die-mehrheit-des-cwi-nicht-vom-aufbau-einer-starken\"><strong>warf die Mehrheit des Internationalen Exekutivkomitees<\/strong><\/a>\u00a0(IEK) ihnen einen \u201eb\u00fcrokratischen Putsch\u201c und eine \u201eSpaltung\u201c vor. Das war der H\u00f6hepunkt eines achtmonatigen Fraktionskampfes. Zahlreiche interne Dokumente waren in die \u00d6ffentlichkeit gesickert, aber keine Seite hatte die interne Auseinandersetzung \u00f6ffentlich best\u00e4tigt. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Jahres 2019 war das CWI in sich bekriegende Fraktionen geteilt, die gleichsam unappetitliche Namen trugen. Auf der einen Seite das Internationale Sekretariat (IS) des CWI in London, das st\u00e4ndige F\u00fchrungsgremium unter dem 77-J\u00e4hrigen Peter Taaffe, welches die Fraktion\u00a0<em>\u201eIn Verteidigung eines trotzkistischen CWI der Arbeiterklasse\u201c\u00a0<\/em>(IDWCTCWI<em>,\u00a0<\/em><em>In Defence of a Working Class Trotskyist CWI<\/em>) bildete. Die Mehrheit der Mitglieder des IEK (die eine ziemlich klare Mehrheit der Mitgliedschaft repr\u00e4sentieren) wurden so in Opposition gedr\u00e4ngt. Sie bildeten selbst keine Fraktion, aber das IS nannte sie die\u00a0<em>\u201eNicht-Fraktion Fraktion\u201c<\/em>\u00a0(NFF,<em>\u00a0<\/em><em>Non-Faction Faction<\/em>).<\/p>\n<p>Jetzt bilden sie zwei konkurrierende Organisationen, deren Namen noch nicht ganz klar sind. Das IS plant, das CWI zu \u201erekonstituieren\u201c, w\u00e4hrend die Mehrheit es \u201eweiterf\u00fchren\u201c m\u00f6chte. Um Verwirrung zu vermeiden, werden wir die Namen der internen Fraktionen verwenden. Die\u00a0IDWCTCWI\u00a0wird von der Mehrheit der Sektionen in England, Wales und Schottland unterst\u00fctzt, sowie von den sehr kleinen Gruppen in Frankreich, Chile, Indien, und weniger als der H\u00e4lfte der deutschen Sektion; wackelige Unterst\u00fctzung kommt von den Gruppen in Afrika und Asien. Die NFF wird stattdessen von allen anderen unterst\u00fctzt, inklusive der gr\u00f6\u00dferen Sektionen in Irland, den USA, Griechenland, Schweden und Belgien.<\/p>\n<p>Die Krise brach aus, als das IS begann, die irische Sektion zu kritisieren (die ebenfalls\u00a0<em>Socialist Party<\/em>\u00a0hei\u00dft), die in den vergangenen Jahren einige wichtige Wahlerfolge verbuchte.\u00a0<a href=\"https:\/\/documentcloud.adobe.com\/link\/track?uri=urn:aaid:scds:US:72123d6f-76d4-45e9-a54f-ffaf1f51d1d3\"><strong>Taaffe beschuldigte sie<\/strong><\/a>, sie w\u00fcrden\u00a0<em>\u201eZugest\u00e4ndnisse an Identit\u00e4tspolitik machen\u201c<\/em>, w\u00e4hrend sie Arbeit in den Gewerkschaften und der Arbeiter*innenklasse im Allgemeinen vernachl\u00e4ssigen w\u00fcrden. Die irische Gruppe hatte ROSA gegr\u00fcndet, eine sozialistisch-feministische Gruppierung \u2013 ein Konzept, das von der belgischen Sektion \u00fcbernommen wurde. Taaffes Fraktion nahm besonderen Ansto\u00df daran, dass die irische Sektion einen zu starken Fokus auf\u00a0<a href=\"https:\/\/documentcloud.adobe.com\/link\/track?uri=urn:aaid:scds:US:a0ea37e7-8140-4e21-b046-e96b65c02fba&amp;fbclid=IwAR3RJtNkM5htXvQPkR89mxy7bwMK97AO_T-9P3PC6nzM0y5zCkTL3xtg6zY\"><strong>Frauenrechte<\/strong><\/a>\u00a0legte und mit einer \u201esozialistisch-feministischen\u201c Kandidatur zu den EU-Wahlen antrat. <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.socialistalternative.org\/2019\/07\/26\/bureaucratic-coup-will-not-stop-cwi-majority-from-building-a-strong-revolutionary-socialist-international\/\"><strong>NFF antwortete<\/strong><\/a>, das IS untersch\u00e4tze das Potential von\u00a0<em>\u201eBewegungen, die \u00fcberall auf der Welt neue und innovative Formen annehmen, oft, aber nicht immer, au\u00dferhalb der formellen Strukturen der offiziellen Arbeiter*innenbewegung.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Es gab in den vergangenen Monaten eine Reihe von Krisen in trotzkistischen Organisationen, unter anderem die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/we-need-more-leninism-not-less\"><strong>Aufl\u00f6sung der ISO<\/strong><\/a>\u00a0in den USA und die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/which-way-forward-for-the-trotskyist-left\"><strong>Spaltung der PO<\/strong><\/a>\u00a0in Argentinien. Um zu den Wurzeln dieser Krise zu gelangen und die richtigen Lehren aus ihr zu ziehen, m\u00fcssen wir zun\u00e4chst die Geschichte des CWI betrachten.<\/p>\n<p><strong>Vom Vereinigten Sekretariat zum CWI<\/strong><\/p>\n<p>Die Wurzeln des CWI lassen sich auf den s\u00fcdafrikanischen Trotzkisten Ted Grant (ein Pseudonym von Isaac Blank) zur\u00fcckf\u00fchren, der w\u00e4hrend des zweiten Weltkriegs eine F\u00fchrungsfigur der trotzkistischen Bewegung in\u00a0Gro\u00dfbritannien\u00a0wurde. In der Nachkriegszeit entwickelte die F\u00fchrung der Vierten Internationale unter Michel Raptis (Pablo), Ernest Mandel, James P. Cannon und anderen die Strategie des Entrismus.<\/p>\n<p>Entrismus war urspr\u00fcnglich eine Taktik. In den 1930ern schlug Trotzki vor, dass Revolution\u00e4r*innen kurzzeitig in reformistische Massenparteien eintreten sollten, die sich in einem Zustand der Unruhe befanden, um ihre Mitglieder f\u00fcr revolution\u00e4re Politik zu gewinnen. Doch nach Pablos Vision in den fr\u00fchen 1950ern sollten Trotzkist*innen sozialdemokratischen oder stalinistischen Parteien beitreten und dort f\u00fcr Jahrzehnte verweilen. Das war selbstverst\u00e4ndlich nicht mit der Verteidigung eines revolution\u00e4ren marxistischen Programms kompatibel. Die Trotzkist*innen m\u00fcssten im Geheimen agieren und sich selbst als linke Reformist*innen pr\u00e4sentieren. \u201eTiefer Entrismus\u201c oder \u201eEntrismus\u00a0<em>sui generis<\/em>\u201c war Teil der zentristischen Degeneration der Vierten Internationale in der Nachkriegszeit. Pablo verteidigte seine Strategie auf der Grundlage, dass es keine Zeit f\u00fcr den Aufbau revolution\u00e4rer Parteien g\u00e4be, da ein neuer Weltkrieg jederzeit ausbrechen k\u00f6nnte. Im Gegensatz dazu bef\u00fcrwortete Grant den Langzeit-Entrismus in Erwartung einer Periode kapitalistischen Wachstums und Stabilit\u00e4t.<\/p>\n<p>Grant und seine Anh\u00e4nger*innen arbeiteten flei\u00dfig innerhalb der\u00a0<em>Labour Party<\/em>. Mitte der 1960er begann die F\u00fchrung der Vierten Internationale (nun Vereinigtes Sekretariat oder VS unter Ernest Mandel), sich von der tiefen Eingrabung in die Sozialdemokratie zu entfernen. Die Radikalisierung der Jugend fand weitgehend au\u00dferhalb der alten reformistischen Parteien statt und das VS begann langsam, unabh\u00e4ngige revolution\u00e4re Jugendorganisationen aufzubauen. Grant brach mit dem VS, um seine Arbeit in der\u00a0<em>Labour Party<\/em>\u00a0fortf\u00fchren zu k\u00f6nnen.\u00a0<em>Militant<\/em>\u00a0spaltete sich so 1964 ab und gr\u00fcndete ein Jahrzehnt sp\u00e4ter das CWI als internationale Str\u00f6mung nach eigenem Vorbild. Somit repr\u00e4sentieren\u00a0<em>Militant<\/em>\u00a0und das CWI ein \u00dcberbleibsel der konservativsten Phase der zentristischen Degeneration des Nachkriegs-Trotzkismus.<\/p>\n<p><strong>Partei und Programm<\/strong><\/p>\n<p>Im Laufe der Jahre erlaubte\u00a0<em>Militants<\/em>\u00a0geduldige Arbeit in der\u00a0<em>Labour Party<\/em>\u00a0ihnen, die Kontrolle \u00fcber die\u00a0<em>Labour Party Young Socialists<\/em>, die Jugendorganisation der Partei, zu erlangen, drei Mitglieder ins Parlament zu w\u00e4hlen und eine Mehrheit im Stadtrat von Liverpool zu gewinnen. Aber es versteht sich von selbst, dass eine reformistische Parteib\u00fcrokratie revolution\u00e4re Marxist*innen nicht jahrzehntelang tolerieren w\u00fcrde: In der Konsequenz wurde\u00a0<em>Militant<\/em>\u00a0gezwungen, erhebliche Revisionen am Programm des Trotzkismus vorzunehmen, um in Labour bleiben zu k\u00f6nnen. Um nur drei Beispiele zu nennen:<\/p>\n<ol>\n<li>Sie postulierten, Sozialismus k\u00f6nnte \u00fcber eine friedliche Umw\u00e4lzung erreicht werden, solange Sozialist*innen eine Mehrheit im Parlament erlangen, dort ein \u201eErm\u00e4chtigungsgesetz\u201c zur Verstaatlichung der 200 gr\u00f6\u00dften Unternehmen verabschieden und die Arbeiter*innenklasse mobilisieren w\u00fcrden. <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/li>\n<li>Sie weigerten sich, sich Margaret Thatchers imperialistischen Krieg gegen Argentinien \u00fcber die Islas Malvinas (Falkland-Inseln) entgegenzustellen. Statt f\u00fcr die Niederlage ihrer eigenen herrschenden Klasse einzutreten, behauptete Grant, Argentinien w\u00e4re ebenfalls \u201eimperialistisch\u201c. Er schrieb, dass Versuche zur Organisierung des Widerstands der Arbeiter*innenklasse im Vereinigten K\u00f6nigreich gegen den Krieg \u201el\u00e4cherlich\u201c seien. <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/li>\n<li>Statt die Abschaffung der Polizei zu fordern, nahmen sie die Forderung einer\u00a0<em>\u201ecommunity control\u201c<\/em>(\u201eKontrolle der Gemeinschaft\u201c) \u00fcber solch eine reaktion\u00e4re Institution auf. Sie wollten, dass die Polizei sich in Gewerkschaften organisiert, und in den vergangenen Jahren organisierte\u00a0<a href=\"https:\/\/www.socialistparty.org.uk\/articles\/8032\/16-09-2009\/interview-with-poa-leader-brian-caton\"><strong>das CWI in Britannien den Generalsekret\u00e4r der \u201eGewerkschaft\u201c der Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter.<\/strong><\/a>\u00a0Die Abgeordnete des CWI im Stadtrat von Seattle, Kshama Sawant, ging sogar so weit,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/open-letter-to-kshama-sawant-don-t-support-the-police\"><strong>f\u00fcr eine neue Polizeichefin zu stimmen<\/strong><\/a>, wegen ihrer Popularit\u00e4t in der Community.<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Militant<\/em>\u00a0war au\u00dferdem tiefgehend feindselig gegen\u00fcber der Selbstorganisierung von besonders Unterdr\u00fcckten. Sie stellten sich gegen Versuche von Frauen oder Schwarzen in der<em>\u00a0Labour Party<\/em>, besondere Strukturen zu gr\u00fcnden, und hatten den Ruf, homophob zu sein. <a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Ein Mitglied von\u00a0<em>Lesbian and Gays Support the Miners<\/em>\u00a0(<em>Lesben und Schwule in Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Bergarbeiter<\/em>)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/the-true-story-of-pride-lesbians-and-gays-support-the-miners-were-communists\"><strong>entsann sich in einem Interview<\/strong><\/a>\u00a0des homophoben Klimas in<em>\u00a0Militant<\/em>. Erst fast 20 Jahre nach Stonewall nahm das CWI das Banner von Pride auf. Diese Frage spiegelt sich in der aktuellen Spaltung, in der die\u00a0<a href=\"http:\/\/socialistalternative.net\/a-new-chapter-for-revolutionary-socialism-in-britain.html\"><strong>NFF Taaffe f\u00fcr seine Argumentation kritisiert<\/strong><\/a>, dass es einen\u00a0<em>\u201e\u201aKonflikt der Rechte\u2018 von trans Personen und anderen Teilen der Arbeiter*innenklasse\u201c<\/em>\u00a0gebe.<\/p>\n<p><strong>Aufstieg und Fall<\/strong><\/p>\n<p>Der H\u00f6hepunkt des Einflusses von\u00a0<em>Militant<\/em>\u00a0kam in der zweiten H\u00e4lfte der 1980er Jahre, als sie die Kontrolle\u00a0\u00fcber den Stadtrat von Liverpool\u00a0\u00fcbernahmen und eine f\u00fchrende Rolle in einer Massenbewegung gegen Thatchers Versuch, im Jahr 1990 eine Kopfsteuer einzuf\u00fchren, spielten. Aber beide M\u00f6glichkeiten wurden vergeudet.\u00a0<em>Militant<\/em>\u00a0vers\u00e4umte es, ihren Kampf in Liverpool mit dem gleichzeitigen Streik der Nationalen Gewerkschaft der Minenarbeiter zu verbinden. Schlimmer noch, als sich am 31. M\u00e4rz 1990 \u00fcber 200.000 Menschen auf dem Trafalgar Square versammelten, um gegen die Kopfsteuer zu protestieren, griff die Polizei die Demonstration an und provozierte Ausschreitungen. Ein\u00a0<em>Militant<\/em>-Sprecher machte daraufhin \u201eAnarchisten\u201c verantwortlich\u00a0<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Poll_tax_riots\"><strong>und versprach<\/strong><\/a><em>, \u201eeine Untersuchung anzustellen und Namen zu nennen\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt beschloss die B\u00fcrokratie der<em>\u00a0Labour Party<\/em>, die Trotzkist*innen loszuwerden, die sie so lange toleriert hatten, indem sie die F\u00fchrung von\u00a0<em>Militant<\/em>\u00a0ausschloss. Einige prominente Mitglieder schlugen eine Gegenoffensive vor, die zu einer Spaltung mit\u00a0<em>Labour<\/em>\u00a0und einer neuen Organisation von vielleicht 10.000 Mitgliedern f\u00fchren w\u00fcrde. Aber die F\u00fchrung von\u00a0<em>Militant<\/em>\u00a0antwortete, dass es f\u00fcr jeden Arbeiter, der vielleicht eine unabh\u00e4ngige Partei unterst\u00fctzen w\u00fcrde,\u00a0<em>\u201ezu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt weitere f\u00fcnf, zehn und vielleicht hundert\u00a0geben w\u00fcrde, die in die offizielle Labour Party wechseln w\u00fcrden\u201c\u00a0<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><strong>[7]<\/strong><\/a><\/em>.\u00a0Das steht vollst\u00e4ndig im Einklang mit dem historischen Schema, das Grant Jahrzehnte zuvor vorgeschlagen hatte. So versuchte\u00a0<em>Militant<\/em>, anstatt Stellung zu beziehen, sich tiefer in die\u00a0<em>Labour Party<\/em>\u00a0einzugraben \u2013 in der Hoffnung, dass sie die Partei\u00a0fr\u00fcher oder sp\u00e4ter \u00fcbernehmen k\u00f6nnten. Diese defensive Politik f\u00fchrte zu Demoralisierung und kurz darauf\u00a0zu einem Exodus der Mitglieder.<\/p>\n<p>Anfang der 1990er Jahre br\u00f6ckelte\u00a0<em>Militant<\/em>. Ihr ausgedehnter Apparat \u2013<em>\u00a0Militant<\/em>\u00a0besch\u00e4ftigte\u00a0\u00fcber 250 Menschen, mehr als die\u00a0<em>Labour Party<\/em>\u00a0selbst! <a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> \u2013 musste etwas tun, um die Grundlage der Mitgliedsbeitr\u00e4ge zu erhalten. Peter Taaffe, der Anf\u00fchrer dieses Apparats, brach\u00a0<em>Militant<\/em>\u00a0von der\u00a0<em>Labour Party<\/em>. Zuerst gr\u00fcndeten sie\u00a0<em>Militant Labour<\/em>, dann die\u00a0<em>Socialist Party<\/em>. Die meisten anderen CWI-Sektionen folgten diesem Kurs und verlie\u00dfen die sozialdemokratischen Parteien, in denen sie t\u00e4tig waren. Dies wurde durch Taaffes Theorie begr\u00fcndet, dass alle diese Parteien, die einst<em>\u00a0\u201eArbeiterparteien mit b\u00fcrgerlichen F\u00fchrungen\u201c<\/em>\u00a0genannt wurden, sich mehr oder weniger gleichzeitig in b\u00fcrgerliche Parteien verwandelt hatten. Eine Minderheit um Ted Grant lehnte es jedoch ab,\u00a0<em>\u201e40 Jahre Arbeit zu zerst<\/em><em>\u00f6<\/em><em>ren\u201c<\/em>\u00a0und beschloss, in der\u00a0<em>Labour Party<\/em>\u00a0zu bleiben, was zu einer Spaltung mit dem CWI f\u00fchrte. Seit Grants Tod im Jahr 2006 wird die daraus resultierende\u00a0<em>Internationale Marxistische Tendenz<\/em>\u00a0(IMT)\u00a0von Alan Woods geleitet.<\/p>\n<p>Seit 1992 fordert das CWI unter der Leitung von Taaffe den Aufbau neuer Arbeiter*innenparteien. Diese werden als weder reformistisch noch revolution\u00e4r gesehen \u2013 das CWI w\u00fcrde sich ihnen anschlie\u00dfen und in ihnen als revolution\u00e4rer Fl\u00fcgel arbeiten, wie sie es so viele Jahrzehnte lang innerhalb der\u00a0<em>Labour Party<\/em>\u00a0getan hatten. Deshalb ist das CWI, um nur ein Beispiel zu nennen, in Deutschland Teil der reformistischen Partei Die LINKE seit ihrer Gr\u00fcndung im Jahr 2006.<\/p>\n<p>Das CWI hatte keinen Erfolg bei der Gr\u00fcndung einer solchen Partei in Gro\u00dfbritannien. Stattdessen schlossen sie Wahlb\u00fcndnisse mit poststalinistischen Gewerkschaftsb\u00fcrokrat*innen. Diese Wahlplattformen, wie \u201eNo2EU\u201c, verbanden soziale Forderungen mit einem Programm f\u00fcr mehr nationale Souver\u00e4nit\u00e4t. In diesem Rahmen hat sich das CWI gegen die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/why-socialists-have-always-fought-for-open-borders\"><strong>marxistische Position f\u00fcr offene Grenzen ausgesprochen<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>Die britische Sektion des CWI hat jedoch Erfolge in gewerkschaftlichen B\u00fcrokratien erzielt. Die\u00a0<em>Socialist Party<\/em>\u00a0gewann die Mehrheit der Sitze in der nationalen F\u00fchrung der Gewerkschaft f\u00fcr \u00f6ffentliche und kommerzielle Dienstleistungen (PCS,\u00a0<em>P<\/em><em>ublic and Commercial Services Union<\/em>), die die Arbeiter*innen im\u00a0\u00f6ffentlichen Dienst vertritt. W\u00e4hrend sie sicherlich links von den Gewerkschaftsb\u00fcrokratien in Gro\u00dfbritannien standen, gab es an dieser F\u00fchrung nichts im Entferntesten \u201eRevolution\u00e4res\u201c\u00a0\u2013 und es scheint, als\u00a0ob sie die exorbitanten Geh\u00e4lter, die an Gewerkschaftsb\u00fcrokrat*innen gezahlt werden,\u00a0<a href=\"https:\/\/johnmcinally.home.blog\/2019\/08\/04\/a-matter-of-prestige\/\"><strong>akzeptierten<\/strong><\/a>. In den letzten Monaten\u00a0<a href=\"https:\/\/weeklyworker.co.uk\/worker\/1259\/squandering-the-legacy\/\"><strong>verlor das CWI jedoch die meisten seiner Mitglieder in der PCS-F\u00fchrung<\/strong><\/a>. Die\u00a0<em>Socialist Party<\/em>\u00a0weigerte sich zwar, der\u00a0<em>Labour Party<\/em>\u00a0beizutreten, unterst\u00fctzt aber begeistert denlinksreformistischen\u00a0<em>Labour<\/em>-Chef Jeremy Corbyn.<\/p>\n<p>Seit 100 Jahren lehnt die sozialistische Bewegung in den USA beide Parteien der Bourgeoisie ab. Im Jahr 2016 begann\u00a0<em>Socialist Alternative<\/em>,\u00a0die CWI-Sektion in den Vereinigten Staaten, Bernie Sanders\u2018 Kampagne als Pr\u00e4sidentschaftskandidat der Demokratischen Partei zu unterst\u00fctzen, und forderte ihn gleichzeitig auf, au\u00dferhalb der Partei anzutreten. Sie bildeten das sogenannte\u00a0\u201eMovement4Bernie\u201c\u00a0und argumentierten, sie unterst\u00fctzten den Kandidaten nicht wirklich, sondern nur die \u201eBewegung\u201c um ihn herum, und trugen Banner mit Sanders Slogan\u00a0<em>\u201eWir brauchen eine politische Revolution\u201c.<\/em>\u00a0Sie\u00a0haben nur sanfte Kritik an Sanders ge\u00e4u\u00dfert, der unter anderem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/not-on-our-side-on-bernie-sanders-and-imperialism\"><strong>konsequent f<\/strong><strong>\u00fcr die Finanzierung des US-Milit\u00e4rs stimmt<\/strong><\/a>. Die \u201eBern Turn\u201c (\u201eWende zu Bernie\u201c)\u00a0von\u00a0<em>Socialist Alternative\u00a0<\/em>brachte ihnen\u00a0einige neue Mitglieder, vertrieb aber auch viele langj\u00e4hrige Mitglieder. Im Zuge der Spaltung des CWI begann das IS, Kritik an der Pro-Sanders-Kampagne zu\u00a0\u00e4u\u00dfern. Aber bis die US-Sektion gegen die\u00a0IDWCTCWI\u00a0in die Opposition ging, hatte die gesamte CWI-F\u00fchrung diese Orientierung nachdr\u00fccklich unterst\u00fctzt, sowohl nach innen als auch nach au\u00dfen.<\/p>\n<p>Diese Unterst\u00fctzung b\u00fcrgerlicher Politiker*innen ist Teil des gemeinsamen Erbes aller Organisationen, die sich auf Ted Grants Verm\u00e4chtnis st\u00fctzen.\u00a0Die IMT kritisiert beispielsweise korrekt\u00a0das CWI f\u00fcr die Unterst\u00fctzung von Sanders \u2013 aber noch vor wenigen Jahren waren sie begeisterte Cheerleader f\u00fcr den venezolanischen Pr\u00e4sidenten Hugo Ch\u00e1vez und seinen\u00a0<em>\u201eSozialismus des 21. Jahrhunderts\u201c<\/em>. Das CWI seinerseits hat Ch\u00e1vez nicht unterst\u00fctzt, unterst\u00fctzt aber Sanders. Sowohl CWI als auch IMT stimmen in ihrer Unterst\u00fctzung f\u00fcr Mexikos Mitte-Links-Pr\u00e4sidenten Andr\u00e9s Manuel L\u00f3pez Obrador\u00a0\u00fcberein.<\/p>\n<p><strong>Ted Grants Theorien<\/strong><\/p>\n<p>Das von Pablo entwickelte urspr\u00fcngliche Konzept des \u201eEntrismus<em>\u00a0sui generis<\/em>\u201c oder des \u201eTiefen\u00a0Entrismus\u201c war konspirativ. In den 1950er Jahren, als Trotzkist*innen in sozialdemokratische oder stalinistische Parteien eintraten, pr\u00e4sentierten sie sich als linke Reformist*innen, hielten aber auch geheime trotzkistische Organisationen aufrecht, die ihre \u201eechten\u201c Ideen verteidigten. Zum Beispiel ver\u00f6ffentlichten die britischen Trotzkist*innen den reformistischen<em>\u00a0\u201eSocialist Outlook\u201c\u00a0<\/em>(<em>\u201eSozialistischer Ausblick\u201c<\/em>), w\u00e4hrend ihre Gruppe nur als \u201eThe Club\u201c bekannt war.<\/p>\n<p>Grant hingegen baute Militant als eine einzige Organisation ohne einen geheimen trotzkistischen Kern auf. Aber wie k\u00f6nnte eine Organisation sich revolution\u00e4r nennen und gleichzeitig jahrzehntelang in der<em>Labour Party<\/em>\u00a0bleiben? Grant begr\u00fcndete dies mit einer \u00c4nderung des Konzepts des \u00dcbergangsprogramms. Wie es auf dem dritten und vierten Kongress der Dritten Internationale entwickelt und sp\u00e4ter von Leo Trotzki vervollst\u00e4ndigt wurde, ergibt sich\u00a0<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1938\/uebergang\/ueberg1.htm#mup\"><strong>ein \u00dcbergangsprogramm<\/strong><\/a>\u00a0aus Forderungen,\u00a0<em>\u201edie ausgehen von den augenblicklichen Voraussetzungen und dem heutigen Bewu\u00dftsein breiter Schichten der Arbeiterklasse und unab\u00e4nderlich zu ein und demselben Schlu\u00df\u00a0f\u00fchren: der Eroberung der Macht durch das Proletariat.\u201c<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr das CWI hingegen bezieht sich eine \u201e\u00dcbergangsforderung\u201c auf jede Forderung, die zu ihrer Durchsetzung im Rahmen des Kapitalismus einen Kampf erfordern w\u00fcrde. Die Programme des CWI bestehen ausnahmslos aus popul\u00e4ren reformistischen Forderungen, aber die Mengen sind um ein Vielfaches h\u00f6her als in den von reformistischen B\u00fcrokratien vorgelegten Versionen. Eine solche Liste wird\u00a0von einem vagen Aufruf an den \u201eSozialismus\u201c gekr\u00f6nt. Sie enthalten nie ein Wort\u00a0\u00fcber die Eroberung der Macht, d.h.\u00a0\u00fcber die historische Notwendigkeit f\u00fcr die Arbeiter*innenklasse, den b\u00fcrgerlichen Staat zu zerschlagen und eine Regierung auf der Grundlage von Organen der Arbeiter*innenmacht zu schaffen. Grant ging davon aus, dass sich das Bewusstsein der Arbeiter*innen im Laufe des Klassenkampfes mehr oder weniger automatisch radikalisieren w\u00fcrde, wodurch die Notwendigkeit einer klaren revolution\u00e4ren Propaganda entfallen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Grants Konzept eines Programms erforderte eine Art kalkulierte Mehrdeutigkeit, so dass es gro\u00dfz\u00fcgig als revolution\u00e4r interpretiert werden konnte, ohne jedoch die Sensibilit\u00e4t der Reformist*innen zu verletzen. Er riet seinen Anh\u00e4nger*innen, sich an dem zu orientieren, was sie in jedem Moment als das durchschnittliche Bewusstsein der Arbeiter*innenklasse und nicht als die objektive Notwendigkeit vermuteten. Deshalb lehnt beispielsweise das CWI die sozialistische Forderung nach offenen Grenzen ab, da dies angeblich Arbeiter*innen \u201cabschrecken\u201c w\u00fcrde.\u00a0Trotzki betonte\u00a0das genaue Gegenteil:<\/p>\n<p>Wir haben oftmals wiederholt, da\u00df der wissenschaftliche Charakter unserer Aktivit\u00e4t darin besteht, da\u00df wir unser Programm nicht an die politische Konjunktur oder an das heutige Denken oder die heutige Stimmung der Massen anpassen, sondern an die objektive Lage, wie sie in der \u00f6konomischen Klassenstruktur der Gesellschaft beinhaltet ist. Das Bewu\u00dftsein kann r\u00fcckst\u00e4ndig sein; dann besteht die politische Aufgabe der Partei darin, das Bewu\u00dftsein mit den objektiven Tatsachen in Einklang zu bringen und den Arbeitern die objektiven Aufgaben verst\u00e4ndlich zu machen. Aber wir k\u00f6nnen das Programm nicht an das r\u00fcckst\u00e4ndige Bewu\u00dftsein der Arbeiter anpassen; das Bewu\u00dftsein, die Stimmung ist ein sekund\u00e4rer Faktor \u2013 der prim\u00e4re Faktor ist die objektive Situation. \u2026 Dieses Programm ist ein wissenschaftliches Programm. Es begr\u00fcndet sich auf eine objektive Analyse der objektiven Lage. Nicht alle Arbeiter k\u00f6nnen es verstehen.\u00a0(Leo Trotzki:\u00a0\u201eDas Programm vervollst\u00e4ndigen und in die Tat umsetzen\u201c (7. Juni 1938))<\/p>\n<p>Ted Grant postulierte ferner ein \u201ehistorisches Gesetz\u201c, wonach Arbeiter*innen, wenn sie sich\u00a0radikalisieren, zumindest zun\u00e4chst in \u201etraditionelle Organisationen\u201c hineinstr\u00f6men\u00a0w\u00fcrden. Deshalb glaubte er, dass Trotzkist*innen immer innerhalb von reformistischen Massenparteien sein m\u00fcssten. Es gibt sicherlich mehrere historische Beispiele f\u00fcr sich radikalisierende Arbeiter*innen, die sich in gro\u00dfer Zahl reformistischen Arbeiter*innenparteien anschlossen. Aber revolution\u00e4re Situationen seit 1945 haben weitaus mehr Beispiele gezeigt, in denen eine Radikalisierung\u00a0au\u00dferhalb dieser Organisationen stattgefunden hat. Um nur ein Beispiel zu nennen: Gerade die Tatsache, dass die westdeutschen Trotzkist*innen 1968 in der Sozialdemokratie eingegraben\u00a0waren, f\u00fchrte dazu, dass sie die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/hinter-der-buhne-der-revolte\/\"><strong>wichtigste Phase<\/strong><\/a>\u00a0der Radikalisierung der Jugend verpassten.<\/p>\n<p>Etwas \u00e4hnliches\u00a0passierte\u00a0<em>Militant<\/em>: Obwohl sie 1990 eine f\u00fchrende Rolle in der Bewegung gegen die Kopfsteuer spielten, konnten\u00a0sie kaum Mitglieder rekrutieren, da die besten Aktivist*innen gegen Thatcher der\u00a0<em>Labour Party<\/em>\u00a0keinesfalls beitreten wollten. Heute sehen wir, wie neoreformistische Ph\u00e4nomene wie Syriza und Podemos als neue Organisationen au\u00dferhalb und im Gegensatz zur traditionellen Sozialdemokratie entstehen. Grant nahm ein taktisches Moment, das kurzzeitig in bestimmten, au\u00dfergew\u00f6hnlichen Situationen n\u00fctzlich sein kann, und verwandelte es in ein \u201eGesetz\u201c. Grants Beitr\u00e4ge zum Marxismus fallen daher weitgehend in die Kategorie der Rechtfertigungen f\u00fcr eine langfristige Anpassung an die Sozialdemokratie.<\/p>\n<p><strong>Klasse vs. Identit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Die Debatte, die das CWI spaltete, ist teilweise Ausdruck einer breiteren Debatte, die die internationale Linke aufgemischt hat: das Verh\u00e4ltnis von Klasse und Identit\u00e4t. Sozialdemokrat*innen (in den USA vertreten durch Bernie Sanders, die F\u00fchrung der\u00a0<em>Democratic Socialists of America<\/em>, Jacobin usw.) legen keinen Schwerpunkt auf Fragen der Unterdr\u00fcckung. Stattdessen konzentrieren sie sich auf \u201euniverselle Forderungen\u201c, die allen Werkt\u00e4tigen zugute kommen w\u00fcrden \u2013 in der Annahme, dies w\u00fcrde gro\u00dfe Fortschritte in der L\u00f6sung des Problems von Sexismus, Rassismus, LGBTQ+-Unterdr\u00fcckung usw. bedeuten. Im Gegensatz dazu gibt es eine radikal-liberale Tendenz, die sich auf Identit\u00e4tspolitik konzentriert und die Ausbeutung der Arbeiter*innenklasse als nur ein weiteres Element in einem unendlich komplexen Geflecht verschiedener Formen der Unterdr\u00fcckung sieht.<\/p>\n<p>Die beiden Fraktionen des CWI spiegeln dies in ged\u00e4mpfter Form wider. Die IDWCTCWI steht f\u00fcr den traditionellen\u00a0\u00d6konomismus des\u00a0CWI: Sie spielen die K\u00e4mpfe von Frauen, ethnischen Minderheiten und LGBTQ+-Personen herunter, zuversichtlich, dass K\u00e4mpfe um wirtschaftliche Forderungen die Arbeiter*innenklasse vereinen werden. Dies spiegelt die Vorurteile der B\u00fcrokratien wider, die von der Arbeiter*innenbewegung leben. Die NFF hingegen orientiert sich st\u00e4rker an den realen Bewegungen, die heute stattfinden. Aber so wie sich die\u00a0 IDWCTCWI an die B\u00fcrokratien der Gewerkschaften anpasst, tendiert die NFF dazu, sich an die B\u00fcrokratien der sozialen Bewegungen (in Form von NGOs) anzupassen. Dies spiegelte sich darin, dass ROSA\u00a0keinen unbeschr\u00e4nkten Zugang zu\u00a0Abtreibung forderte: In der Annahme, dass dies der bestehenden Bewegung zu weit voraus w\u00e4re,\u00a0<a href=\"https:\/\/weeklyworker.co.uk\/worker\/1243\/another-round-of-splits\/\"><strong>beschr\u00e4nkten sie ihre Forderung<\/strong><\/a>\u00a0auf ein Recht auf Abtreibung in den\u00a0ersten 12 Wochen der Schwangerschaft.<\/p>\n<p>Trotz ihrer Unterschiede verk\u00f6rpern beide Seiten die grundlegende Methode von Ted Grant: Sich an bestehende B\u00fcrokratien anzupassen und sich leicht links von dem zu positionieren, was sie als das \u201eBewusstsein der Massen\u201c betrachten \u2013 vorsichtig, nichts zu sagen, was r\u00fcckst\u00e4ndigere Sektoren ansto\u00dfen k\u00f6nnte. Die Differenzen, die zur Spaltung des CWI gef\u00fchrt haben, betreffen im Wesentlichen die Frage, an welche\u00a0B\u00fcrokratien man sich anpassen muss: die der alten sozialdemokratischen Gewerkschaften oder die der neuen sozialen Bewegungen. In gewisser Weise sind also die Kritiken, die jede Fraktion gegen die andere vorbringt, richtig.<\/p>\n<p>Gibt es eine M\u00f6glichkeit, die Quadratur des Kreises zu versuchen? Wir denken, dass der Trotzkismus tats\u00e4chlich\u00a0<a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/class-identity-and-socialist-strategy\"><strong>eine L<\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>sung bietet<\/strong><\/a>. K\u00e4mpfe gegen Unterdr\u00fcckung spalten nicht die Arbeiter*innenklasse. Vielmehr ist es die Unterdr\u00fcckung selbst, die uns spaltet. K\u00e4mpfe gegen jede Form von Unterdr\u00fcckung sind notwendig, um die Arbeiter*innenklasse in unserem Kampf gegen die Kapitalist*innen zu vereinen. Aber das kann nicht isoliert durchgef\u00fchrt werden. Revolution\u00e4r*innen\u00a0m\u00fcssen an der Spitze antirassistischer, feministischer und queerer\u00a0K\u00e4mpfe stehen und gleichzeitig daf\u00fcr k\u00e4mpfen, dass sich diese Bewegungen in Richtung der Arbeiter*innenklasse orientieren.<\/p>\n<p>Der\u00a0<em>Kampf um die proletarische Hegemonie<\/em>\u00a0in allen Bewegungen gegen Unterdr\u00fcckung braucht eine materielle Grundlage. Das kann weder ein\u00a0B\u00fcndnis mit den Gewerkschaftsb\u00fcrokratien noch ein B\u00fcndnis mit den NGO-B\u00fcrokratien sein \u2013 vielmehr braucht es\u00a0unabh\u00e4ngige revolution\u00e4re Fraktionen\u00a0in der Arbeiter*innenbewegung und allen sozialen Bewegungen. Es ist wahr, dass die Arbeit in der neuen Frauenbewegung einen enormen Druck auf revolution\u00e4re Organisationen aus\u00fcbt \u2013 genau wie die Arbeit in Gewerkschaften oder die Arbeit in jeder anderen Bewegung. Der Ausgangspunkt, um einem solchen Druck zu widerstehen, kann nur eine trotzkistische Fraktion sein, die die objektiven Aufgaben der Bewegung versteht.<\/p>\n<p><strong>Ein\u00a0Zeitpunkt\u00a0f\u00fcr\u00a0den\u00a0Trotzkismus<\/strong><\/p>\n<p>Ted Grant pr\u00e4sentierte sich als \u201eungebrochenen Faden\u201c der Kontinuit\u00e4t, der auf Trotzki, Lenin, Marx und Engels zur\u00fcckgeht. In Wirklichkeit stellt sein Erbe die zentristische Degeneration der Vierten Internationale nach dem Zweiten Weltkrieg dar.<\/p>\n<p>Heute gibt es mindestens f\u00fcnf Str\u00f6mungen, die auf Grants Verm\u00e4chtnis basieren:<\/p>\n<ol>\n<li>die IDWCTCWI (rekonstituiertes CWI);<\/li>\n<li>die NFF (CWI-Mehrheit);<\/li>\n<li>die\u00a0IMT,die nach dem Bruch von Grant mit dem CWI im Jahr 1992 gegr\u00fcndet wurde;<\/li>\n<li><em>Izquierda Revolucionaria<\/em>(<em>\u201eRevolution\u00e4re Linke\u201c<\/em>), die sich 2009 von der IMT trennte, sp\u00e4ter dem CWI beitrat und sich nun wieder von ihnen spaltete;<\/li>\n<li>die Abspaltungen\u00a0desCWI\u00a0<em>Reform and Revolution<\/em>\u00a0in den USA sowie\u00a0<em>Lernen im Kampf<\/em>\u00a0in Deutschland.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Viele Gegner*innen des Trotzkismus werden lachen, einige Genoss*innen werden\u00a0ihre revolution\u00e4re Entschlossenheit\u00a0verlieren, und es besteht die gro\u00dfe Gefahr, dass beide Seiten des ehemaligen CWI sich von einer unabh\u00e4ngigen Politik der Arbeiter*innen entfernen werden. Aber im Kontext einer historischen und anhaltenden Krise des Kapitalismus glauben wir, dass das Programm des Trotzkismus relevanter denn je ist.<\/p>\n<p>Die Erfahrung der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/the-rise-of-the-revolutionary-left-in-argentina\"><strong>Front der Linken under Arbeiter*innen (FIT) in Argentinien<\/strong><\/a>\u00a0zeigt, dass es m\u00f6glich ist, mit einem\u00a0unmissverst\u00e4ndlich\u00a0revolution\u00e4ren Programm ein Massenpublikum zu erreichen. Es gibt keine historische Notwendigkeit f\u00fcr Revolution\u00e4r*innen, sich innerhalb reformistischer Parteien oder unter einem Programm zu organisieren, das den Unterschied zwischen Reform und Revolution verwischt.<\/p>\n<p>Es gibt echte M\u00f6glichkeiten f\u00fcr kompromisslos revolution\u00e4re Fraktionen in der Arbeiter*innenbewegung und in den sozialen Bewegungen. Um nur zwei Beispiele zu nennen:<\/p>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/when-workers-went-on-strike-to-defend-a-trans-colleague-and-ended-up-occupying-their-factory\">Trotzkistische Arbeiter*innen in der Druckerei Madygraf<\/a><\/strong>konnten Proteste zugunsten der Rechte einer trans Kollegin organisieren, in einem Prozess, der Streiks, eine Besetzung und Produktion unter Arbeiter*innenkontrolle umfasste.<\/li>\n<li>Trotzkistische Frauen, die sich in der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/socialist-feminism-in-practice-learning-from-pan-y-rosas\"><strong>internationalen sozialistisch-feministischen Frauenbewegung \u201ePan y Rosas\u201c (Brot und Rosen)<\/strong><\/a>organisieren, k\u00e4mpfen daf\u00fcr, dass die\u00a0feministischen Streiks die gesamte Arbeiter*innenklasse, einschlie\u00dflich m\u00e4nnlicher Kollegen, mobilisieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dies ist die Grundlage f\u00fcr unseren Vorschlag, eine\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/manifest-fur-eine-bewegung-fur-eine-internationale-der-sozialistischen-revolution\/\"><strong>Bewegung f\u00fcr eine Internationale der Sozialistischen Revolution<\/strong><\/a>\u00a0zu schaffen. F\u00fcr uns bedeutet das, die Vierte Internationale mit ihrem historischen Programm neu zu gr\u00fcnden. Mit den uns zur Verf\u00fcgung stehenden bescheidenen Kr\u00e4ften wollen wir Trotzkist*innen in einem neuen internationalen Projekt zusammenf\u00fchren. Unserer Meinung nach ist dies die einzige progressive L\u00f6sung f\u00fcr die Krise des CWI.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien zuerst bei\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/the-split-in-the-cwi-lessons-for-trotskyists\"><strong><em>Left Voice<\/em><\/strong><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-spaltung-im-cwi-lehren-fuer-trotzkistinnen\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 11. August 2019<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Das Vereinigte Sekretariat der Vierten Internationale hat wahrscheinlich mehr Mitglieder als das CWI, aber es fehlt jede Art von gemeinsamer Politik. Wenn man nur diejenigen Str\u00f6mungen aus einer trotzkistischen Tradition mit einer Art zentraler politischer F\u00fchrung z\u00e4hlt, war\u00a0das CWI vielleicht die\u00a0gr\u00f6\u00dfte\u00a0Str\u00f6mung. Die Dokumente beider Fraktionen haben jedoch ergeben, dass alle CWI-Gruppen kleiner sind, als sie behaupten. W\u00e4hrend beispielsweise die britische Sektion (die\u00a0<em>Socialist Party<\/em>) behauptet, \u201e\u00fcber 2.000 Mitglieder\u201c zu haben, haben nur etwa 300 an den j\u00fcngsten Debatten teilgenommen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Einige Berichte\u00a0\u00fcber die CWI-Krise wurden von\u00a0<a href=\"https:\/\/weeklyworker.co.uk\/worker\/categories\/socialist-party-in-england-and-wales\/\"><strong>Paul Demarty seit M\u00e4rz dieses Jahres in der britischen Zeitung \u201eWeekly Worker\u201c<\/strong><\/a>\u00a0ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> In dem Text\u00a0<em>\u201eWomen\u2019s oppression and identity politics\u00a0<\/em><em>\u2013<\/em><em>\u00a0our approach in Ireland and international<\/em><em>\u201c\u00a0<\/em>im\u00a0<a href=\"https:\/\/documentcloud.adobe.com\/link\/track?uri=urn:aaid:scds:US:72123d6f-76d4-45e9-a54f-ffaf1f51d1d3&amp;fbclid=IwAR2AgK2ygAcF400gPiKXbKwN90i8Um7tC2DEJAJT-MI1-oH_8Gp9LB0CgKs\"><strong>\u201eMembers bulletin Documents on the dispute that occurred at the IEC\u201c<\/strong><\/a>\u00a0schrieb die IDWCTCWI:<em>\u00a0\u201e2018 wurde jedes der monatlichen\u00a0<\/em><em>\u00f6<\/em><em>ffentlichen Treffen, die auf der Facebook-Seite der\u00a0<\/em><em>Socialist Party\u00a0<\/em><em>Irland beworben werden, mit Frauen- oder LGBTQ+-Unterdr\u00fcckung in Verbindung gebracht \u2026 wir denken, dass das zu weit geht. Es besteht die Gefahr, dass \u2026 wir von einer Schicht von Arbeiter*innen als \u2019nicht f\u00fcr sie\u2018 wahrgenommen werden, f\u00fcr die das nicht das einzige oder prim\u00e4re Anliegen ist.\u201c<\/em>\u00a0Wochen, bevor beide Seiten die Unterschiede\u00a0\u00f6ffentlich anerkannten,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.socialistparty.org.uk\/keyword\/Election_campaigns\/Elections\/29229\/12-06-2019\/southern-ireland-elections\"><strong>verteidigte die\u00a0<em>Socialist Party<\/em>\u00a0in Irland den \u201esozialistisch-feministischen\u201c Slogan<\/strong><\/a>, w\u00e4hrend das<strong>\u00a0<\/strong><a href=\"http:\/\/socialistworld.net\/index.php\/international\/europe\/ireland-republic\/10221-southern-ireland-elections-big-gains-for-greens-little-change-for-right-wing-parties-but-setbacks-for-left\"><strong>IS eine Kritik ver<\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>ffentlichte<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> <em>Militant International Review<\/em>, 22. Juni 1982.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ted Grant,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/archive\/grant\/1982\/05\/falklands.htm\"><strong>\u201eThe Falklands Crisis \u2013 A Socialist Answer\u201c<\/strong><\/a>,\u00a0<em>Militant<\/em>, Mai 1982.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Die\u00a0<em>Militant<\/em>-Str\u00f6mung schrieb 1976 in einer\u00a0<a href=\"http:\/\/www.thesparrowsnest.org.uk\/collections\/public_archive\/8195.pdf\"><strong>Brosch\u00fcre<\/strong><\/a>:\u00a0<em>\u201e\u201aSchwulenbefreiung\u2018 geh<\/em><em>\u00f6<\/em><em>rt zum Bereich der pers<\/em><em>\u00f6<\/em><em>nlichen Beziehungen. Es ist notwendig, einen Sinn f\u00fcr Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit zu behalten. Bestimmte Dilettanten, insbesondere in der NUS, haben den ablenkenden Wert dieses Themas genutzt, um die Aufmerksamkeit von wichtigeren Themen abzulenken, die sie politisch in Verlegenheit bringen. Ernsthafte Sozialisten werden erkennen, dass die \u201aSchwulenbefreiung\u2018 nicht die geringste soziale Grundlage f\u00fcr einen unabh\u00e4ngigen Beitrag zur Arbeiterbewegung bieten kann. Die verschiedenen exotischen Theorien und emotionalen Argumente, die manchmal vorgebracht werden, um das Gegenteil zu beweisen, sind einfach nur Symptome der v<\/em><em>\u00f6<\/em><em>lligen Verwirrung und Perspektivlosigkeit, die in der reinen Studentenpolitik noch vorherrschen.\u201c<\/em>\u00a0Siehe dazu auch: Colin Lloyd und Richard Brenner,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.fifthinternational.org\/content\/militant-after-grant-unbroken-thread\"><strong>\u201eMilitant After Grant:\u00a0<\/strong><strong>The Unbroken Thread?\u201c<\/strong><\/a>,\u00a0<em>Permanent Revolution<\/em>\u00a010.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Peter Taaffe und Tony Mulhearn, Liverpool: The City that Dared to Fight (London 1988). Zitiert in: ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Das CWI verf\u00fcgt nach wie vor\u00a0\u00fcber eine gro\u00dfe Anzahl von Vollzeitbesch\u00e4ftigten. Die IDWCTCWI behauptet, dass die irische SP 27 Vollzeitkr\u00e4fte f\u00fcr 100 Mitglieder hat, w\u00e4hrend die NFF antwortet, dass die britische SP 50 Vollzeitkr\u00e4fte hat, w\u00e4hrend nur 300 Mitglieder wirklich in der Organisation aktiv sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nathaniel Flakin und Max Karlmann. Das&nbsp;Komitee f\u00fcr eine Arbeiterinternationale&nbsp;(CWI) hat sich in zwei Teile gespalten. Passt sich eine Seite an Identit\u00e4tspolitik an und wendet sich von der Arbeiter*innenklasse ab? 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